Ausgabe 
29.8.1913 Zweites Blatt
 
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Nr. 202

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag*.

^ie ..Eietzener $amilienb!3tterM werden dem »Slnjcifler" viermal wöchentlich beigelegt, da* Kreisbich f&r den Kreis Eiehen" ziveimal wöchentlich. Tiecandwlrtfchaftlichen Seit- fragen" erscheinen inonaihd) zweimal.

Sroeitcs Blatt . 163. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Zrettag, 29. Augvst 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universität* - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange. Dießen.

Redaktion, Expedition und Tnickerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: fcjfcöM. Redaklion:e-^S-II2. Tel.-AdruAnzelgerGteberi.

KoUtr-che Lagesschau.

Ter Kelheimer Fürstentag.

,Bayer ischc Staatszeitung" widmet dem 'Kelheimer freft eine Rückschau, in der es u. a. heißt:

Bayerns frürst und Voll können mit freudiger Genugtuung auf den Lag zurückschauen, an dem unter dem warmherzigen Jubel einer im edelsten Sinn des Wortes begditmcn Menge tw deutschen Bundesfürsten mit mn'eeem ritterlichen Kaiser an der Spike Einzug in die Befreiung-shalle gehaltert, l^bcn, mn dem der Heiden, die die

<siege des Jahres 1813 erfochten haben, ihre Huldigung dar­zubringen. diesem Zug der (dürften, der unter weihevollen Klängen die stufen der Halle hinanstieg, verkörperte sich sinn­fällig die stolze^ Geschlossenheit des Reichsbaus. Tie militärischen Mahnen und Standarten, die diesem Zuge voranflattertcn, er­innerten an das Bllttjahr, dem diese freier galt, sprachen ein­dringlich von den Schlachtfeldern, auf denen das neue deutsche Reich geboren ward. Sic, die Todesverachtung und Mannesmut so oft dem feindlichen Äugelregen entgegengeführt hatte, schienen Au verheißen, daß der Gern, der unsere Armee vor mehr als vier Jahrzehnten ihre Schlachten schlagen ließ, auch in Zukunft in ihren Reihen weiterleben wird. Was dre Sicherheit unserer nationalen Existenz verbürgt: die Unerschütterlichkeit der staat­lichen Grundlagen des Reiches und der Achtung gebietende Stand unserer Wehrkraft, ist in diesem Fürstenzug sidpbar zum Ausdruck gekommen. Tas haben auch die Tausende gefühlt, die den Weg säumten und den Hügel bedeckten, und die, mancher Beschwernis ungeachtet, willig und verständnisvoll die Schranken innehielten, die mit Rücksicht auf unumgängliche Sichcrheits maß­reg ein dem Zudrang der Menge gesetzt werden mußten. Die U m stürz presse, der dieses patriotische Weihesest alles eher denn erfreulich ist, hat in diesen Sichcrheitsmaßregeln einen Mangel an Mut bei denen erblicken zu müssen geglaubt, die sie pflichtgemäß veranlaßt haben. Sie, die nur nörgelt und kriti­siert, hat aber übersehen, daß Mut allein gegen feige Mörderhand keinen Schutz gewährt, und daß die Männer, die vor dem ganzen Land und vor bem ganzen Reich die Verantwortung für die Sicherheit der sürsllichen und hohen Gäste unseres Prinzregenten zu tragen halten, sich unmöglich bei der Zuversicht beruhigen konnten, cd werde alles gut gehen. Mit den ergrauten Zeugen deutstlren Schlachtenruhms, die die Beteranenvereiuc entsandt hatten, umstanden die Wehrkraftvereine die hohe Halle, und die jubelnde Freude, die aus dem Ruf und dem Gesang dieser frischen Jugend kam, hat mehr als einen wetterharten Mann in seinem innersten Empfinde^ gepackt und ergriffen. Wohl nie­mand, der die Freude dieser Scharen überblickte, konnte sich des Eindrucks erwehren, daß, was da an Freude und Begeiste­rung über den sonnenbcglänzten Hügel brauste, echt war, daß es auS dem Herzen kam, und daß es die Empfindungen wider­spiegelte, mit denen Tausende und Tausende im Geiste und mit Sehnsucht dieser freier gedachten.

Wie der Kaiser und die hohen Bundessürsten, so hat auch Reichskanzler Dr. von Bcthmann Hollweg, dessen hohe Gestalt auf allen seinen Wegen in Regensburg ynb Kelheim Ehrfurcht und freudiges Entgegenkommen begrüßten, der bewegten frreubc Ausdruck gegeben, mit der ihn der würdige Verlauf dieses in seiner Art einzigen frestes erfüllt habe. Und es ist ein Gefühl warmen und innigen Tankes, mit dem alle treuen Bayernherzen bei der Rückschau auf Kelheim des geliebten Prinzregenten Lud­wig gedenken, der seinem Lande diesen Ehrentag mit väterlicher Sorge bereitet hat, und der mit stolzer frreubc sehen konnte, daß er zu einem Ehrentag ganz Deutschlands sich gestaltet hat.

Zu derUmsturzpresse", die das amtliche Blatt er­wähnt und die sich über die unumgänglichen Sicherheits- maßreaeln allzusehr aufgeregt hat, gehört leider diesmal auch diefrranFf. Zig", die sich bei dem Kelheimer Fest lediglich in Nörgelei gefallen hat.

Eiscnbahvassistevlen und Postasfistenten.

Ter Vorstand des Verbandes mittlerer Reichs-Post« und Telegraphenbeamten bittet uns um Veröffentlichung folgender' Ausführungen:

In Ihrer Nr. 190 vom 15. August veröffentlichten Sie eine Zuschrift des Vorstandes des Eisenbahnasstslentenverbandcs, in der Vergleiche ymitbcn den Eisenbalmassrstenten und Post- affiftenten angestellt werden und insbesondere der Gleichstellung berfrer BcamlenNassen das Wort geredet wird. Nach unserem Ta

Kuh ft, Wiffcnfcboit und Leben.

_ Ein Besuch bei Caruso. Einen großen Teil der stolzen Summen, die Caruso alliährlich durch seine Stimme ver­dient, legt der Sänger im Ankauf von Landvillen und Gütern an. Zn Toskana besitzt er bereits eine ganze Reihe von schonen und stattlichen Liegenschaften, hier sammelt er in sommerlicher Ruhe neue Kratt zu seiner erarbeit, beschäftigt sich mit dem Ausbau seiner Landhäuser,^ läßt renovieren, ver­vollkommnet die Inneneinrichtung und fuhrt das ruhige Leben ein^ gemächlich auf dem Lande verweilenden Grandseigneurs. Ein Mitarbeiter derTribuna", ein Duzfreund Carusos, hat den Sänger dieser Tage in einer jener prächtigen neuerworbenen Landvillen besucht: in Bellosguardo bei Signa, oberhalb Lastra. Es ist ein fürstliches Besitztum, prachtvolle Alleen 100 Jahre alter Bäume führen durch den Park, mächtige Terrassenbauten mit Balliistraden durchbrechen das Grün der Anlagen, faftjeber Schritt bringt neue llcberraühungcn, Springbrunnen, kleineTeiche unb Statuen In der Nähe der Billa, die eigentlich ein Schloß ist, liegen auch die Arbeitsräume, in denen btc Ernte der um­liegenden Pachtgüter verarbeitet wird: diese Werkstätten werden demnächst mit dem .Herrenhaus verbunden und zwar durch einen prachtvollen großen Säulengang, dessen Entwurf Caruio enmg beschäftigt, denn nach der Vollendung loll.bicr eine Reihe von 'Kunstwerken Aufstellung finden. Aber lelbst ut dm es -ornrner- idnll tönt das Ecko geschäftlicher -Tragen leben Morgen bangt der Briefträger einen leider nur allzu göttlichen ^ack von Po,r fachen und seufzend, seine Berühmtheit vmvumckend, macht ,ach dann Caruso an die Arbeit, diesen täglichen Einlaut, der einem großen Geschästsunternehmen Ehre machen konnte, durchzuteoen Die geschäftlichen Briefe, die Anfragen und Verhandlungen ,md bas 'wenigste, das sckKinrmste und dre imzahligen Betrelbaen, die Tag um Tag auf den berühmten ^enor einiwrmen. L:- ist fast, als gäbe es kaum noch Erstnder oder BeburMge, die sich nicht an Caruso wendeten, daru kommen die vereine und komitees, die alle möglichen Wünsche vertragen, und ichneRUm auch die Heiratsangebote, die wenigstens für Humor wrgen^ ,,^as ist noch gar nichts," erzählte Caruso lachend seinem Gaste, der eines V^örgens kopfschüttelnd den Hausen eingelausener Bricn- sacken betrachtete,Tu müßtest erst alle die Erprmer- und Droh­briefe lesen, die auf mich niedergehen, wenn ich in Amerika bin." 9iun, die berühmte Geschickte mit dem Assen genügt ja," meinte der Gast, woraus Caruso lächelle und den Kops schüttelte. ,/Jiein, xdi will nicht ungerecht sein, die Geschichte war für mich ein. Glüc^sall. .Als ich nach der Affäre zum erstenmal wieder vor

sürhalten wirb der weitere Austrag der beiberfätigen Meinungen der Fachpresse Vorbehalten bleiben müssen. Wenn die Eiscubahiier in ihren frackblättern den Postbeamten den .Kämpf" verkünden, so mögen sie dies immerhin tun, ben Kampfplatz aber in die große Oesfentlichkeit verlegen, heisst dieser nicht gerade ein erbauliches Bild von den Bestr.ckungen bar Beamtenschaft liefern, ganz abge sehen davon, daß diese Oesfentlichkeit nicht in der Vage ifi, den Gründen und Gegengründen nachzugehen und sie auf ihre Nichtig frit zu prüfen Wir verzichten daher auf eine Erwiderung der gegen uns gerichteten Angriffe bet Eisenbahner in der Tagespreise und behalten uns vor, an geeigneter Stelle bad Nötige zu sagen.

Wir mödjten dazu bcmcrTcn, daß es auch uns nicht darum zu tun war, eine Polemik zwischen beiden Beamten fategorien zu entfesseln: wir wollten nur die beruflichen Wünsche der Eisenbahnassistenten, die uns darum ersucht hatten, mit ihren Begründungen wiedergeben Tas gehört ins politische Leben ebenso wie etwa die Wünsche der aka demifch gebildeten Lehrer gegenüber den Richtern oder die frorderung der Gleichstellung der Volksschullehrer mit den mittleren Beamten Angriffen auf die Postassistenten Vorschub zu leisten, ist uns selbstverständlich nicht in den Sinn gekommen.

Eine amtliche Feststellung der landwirkschaf...chen Bodenbennhung findet bekanntlich für alle deutschen Staaten in diesem Fahre statt. Tie Erhebungen über die Nutzung der Aecker bat im Juni, über die der Cbftbäume im Juli und August stattgefunden, im September wird eine Feststellung der übrigen Bodenfrüchte und der 9^ebennutzung der Felder erfolgen. Seit 1900 hat eine solche Ermittlung nicht statt gefunden, diesmal wird der Gemüse- und Obstbau besonders ocrücksichtiyt werden. Durch die^Grhebuna wird auch die augenblickliche Größe der Moore und die Art ihrer Kultur festgestellt werden, was angesichts der werdenden Moor» lolonifation von großem Werte ist. Selbstverständlich fallen auch die Forsten unter die amtlichen Erhebungen, hier wer den namentlich die Betriebsart und die Erträge festgestellt werden. Die Berechnungen müssen seitens der Bundes­staaten bis zum 30. Juni 1914 abgeschlossen sein und werden dann vom Kaiserlichen Statistischen Amt weiter bearbeitet. Tas Ergebnis wird im Frühjahr 1915 vor­aussichtlich vorliegen.

Ein Gesetz zur Bekämpfung der Schundliteratur

wird bekanntlich im Reichsjustizamt vorbereitet Es sind im Buchhandel Befürchtungen laut geworden, daß ein solches Gesetz für den reellen Buchhandel Schwierigkeiten bereiten könnte, wenn seine Grenzen nicht eng umwogen würden. Wie uns aus Berlin geschrieben wird, sind diese Befürch­tungen unbegründet. Der reelle Buchhandel wird nicht ge­schädigt, das Gesetz will die Schundliteratur und die An­preisung und Ausstellung ihrer Erzeugnisse bekämpfen und wird der polizeilichen Willkür, wie vielfach angenommen, keine neuen Machtmittel in die Hand geben, um wirkliche Jtunft und giste Literatur zu schädigen. «An der Unterdrückung der Schundliteratur hat aber auch der reelle Buchhandel ein Interesse.

Jesuiiengeseh und Bundesrat.

Der vom Reichstag angenommene Antrag auf Auf­hebung des Jesuitengesetzes wird im Herbst im Bundesrat zur Beratung gelangen. Wie wir aus Berlin hören, dürfte auf Annahme des Antrages nicht zu rechnen sein, da Sachsen und Württemberg, die norddeutschen und mitteldeutschen Staaten schon jetzt dagegen sind und Preußen sich ihnen anschließen dürfte. Die Entscheidung für Preußen wird erst Anfang £ hob er im Staatsministerium fallen Es sind zwar Versuche gemacht worden, die preußische Regierung wenigstens für eine Milderung des Jefuitengesetzes um zustimmen, weil tatsächlich der gegenwärtige Zustand re­formbedürftig ist, da er Mißverständnisse und verschieden­

artige Behandlung der Jesuiten in den einzelnen 'Bundes­staaten begünstigt. Inwieweit diese Versuche Erfolg haben werden, kann erst die Zeit lehren.

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Zum Kampfe um BebelS Mandat schreibt man uns aus Hamburg:

Tic Nachwahl im Bebclsckcn Wahlkreise nnrb Mitte Cftober stattfinden Schon jet-t setzt her Wahlkampf ein, der zu den in- tercssantesten der letzten Jahre werd.n kann, wenn bis Bürgertum seine Schuldigkeit tut. Bebel wurde 1912 noch mkt großer Mehr- beit gewählt, seit dieser Zeit bat sich in seinem Wahlkreise aber viel geändert. Aus verschiedenen Gründen ist die Zahl der sozial­demokratischen Wähler hier zurückgegangen, da u. a. viele Ar­beiter in die Außenbezirle gezoaen sind. Ter Wahlsreis 'licbdS dürfte letzt in Hamburg die meisten bürgerlichen Stimmen aller Hamburger Kreise zählen. Wenn jid alle bürgerlichen Parteien auf einen gemeinsamen K' a n b i b a t c n einigen, besteht be­gründete Hoffnung, daß derWahlkreis der Sozialdemo­kratie verloren geht ober das wenigstens die sozialdemo- krattsche Mehrheit stark zusammensckmtilzt. Tie Spzialbemokrarie wirb jedenfalls große Anstrengungen machen, den Wahlkreis zu behaupten. Leider sind, Joie immer, die bürgerlichen Parteien gespalten, der aufgestellte nationalliberale .Wanbibal Tr Bur­etta röt ist zurückgetreten, weil die fr-reifinnigen einen eigenen Kandidaten, Tr. Petersen, aufstellen. Tie Natioualliberalen wollen einen neuen Kandidaten aufstellen Es iv irr doch wirklich an der Zeit, jetzt endlich sich aufzuraffen und einen gemcimämen liberalen Kandidaten aufznstellen, die Möglichkeit, den Bebelsckten Wahl­kreis zu erobern, ist verbanden, frür die Sozialdemokratie wäre dieserSdtfag bart; die Uneinigkeit der Bürgerlichen wird ihr aber zu Hilfe kommen.

Derbanbstag Deutscher Milchhändler vereine.

~ Leipzig, 28. Aug.

In den Schlußberatungen des 9. Verbandstag es der deutschen Milchhändlervereinc wurde zunächst folgender Antrag Breslau angenommen:

Ter Verband möge bei den zuständigen Behörden vorstellig werden, daß Milchhandlungen, die nur unverkaufte Milchreste verarbeiten und die dlbfälle nicht als Viel)'utter abgeben, nicht als Sammelmolkereien im Sinne des Gesetzes gelten sollen."

lieber pasteurisierte Milch gab auf eine Anfrage des Magdeburger Vereins Direktor Tr. S e i f f e r t, (Leipzigl Aus tunft. Nach dem Redner ist pasteurisierte Milch solche, der die natürliche Dhldyfäure entzogen ist, es l-andelt sich also nicht mehr um Milch im Sinne der Verkehrsordnung. Wenn pasteuri­sierte Milch falsch behandelt wird, bann fault sie. Jedenfalls muß das Publikum beim Einkauf unterrichtet werden, um welche Art von Milch es sich handelt. Wenn die MUck auf natürlichem Wega sauer wird, so bildet sie dennoch ein Nähr-- und Heilmittel, während die pasteurisierte Milch säitecht nnrb. Tie Versamm­lung stellte sich auf den Stanbpunkt, daß Bestimmungien über die vasteirrisierte Milch auch in bas zu erftrebenbe Reiä-sgesetz übet den Verkehr mit Milch ausgenommen werden müßten.

Schließlich wurden noch Satzung nderungeii beraten. Ter Ver­band nahm den Namen anReichsverband deutscher Milchhänt^er« vereine, Sitz Berlin". Ziveck des Verbandes ist, die Milch­versorgung der Städte hygienisch einwandsfrei zu gestalten, die Interessen des Getperbes zu fördern und das StandeSbewußtsein zu heben. Mit der Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten und der Vornahme von Wahlen hatte die Tagung ihr Ende erreicht.

Aus Stabt und Land.

Gießen, 29. August 1913.

** HvhererFin anzdienst. Tie schriftliche Staats« Prüfung für den höheren Finanzdienst findet am 5.No­vember 1913 und an den folgenden Tagen von vormittags 9 Uhr an statt. Gesuche um Zulasfung zu dieser Prüfang sind unter Verwendung eines Eingabestempels von 1,50 Mk. bei Großh Prüfungsrommisston für den höheren Finanz­dienst zu Tarmstadt bis zum 20. Oktober d. Js. einza­reichen.

** Lehrer-Personalien. Uebertragen wurde benf Schulamtsaspiranten Willhelm Wurz auS Eichelsdorf, Mtci-5 Schotten, die erledigte Lehrerstctle an der Gemeinde­schule zu Eschenrod, in demselben Kreise.

bem New Dörfer Publikum sang, währte ber Beifall eine Viertel­stunde : und ick machte mir das sofort zunutze, um mir die Gage erhöben zu lassen. Vor der Affengeschickte bekam ich 7000 Lire für den Abend, heule 12 500. Und weißt du, was ich jährlich durch die Grammophonplatten verdiene'^60000 Lire fckötze ich."Tie Zahl hast du geraten, KO 000, aber nunadid)" Und als ber Gast ungläubig ben Kopf schüttelte, holte Caruso eine Mappe mit Abrechnungen und bewies mit Zahlen, daß er nicht übertrieben hatte.

Der Kulturfortschritt der Neger in den Ver­einigten Staaten. Einen bezeichnenden Ueberblick über die Kulturfortschritte, die die Neger der Vereinigten Staaten im Ver­laufe der letzten 5 Jahrzehnte aufzuweifen haben, gibt eine inter­essante neue von dem Tuskegee. Jnstttut herausgegebcne Publi katwn, dasN e g er j a h r b u ch", das Monroe N. Work redi­giert hat. Es zeigt, daß das schwierige Problem der Negcrrasse in der Union ndh mit dem Standpunkt verändert, von dem aus man es betrachtet: von der einen Seite her kann es als voll­kommen hoffnungslos gelten, von der anderen aber birgt es dock manche weitgehende Verheißungen. Noch vor 50 Jahren umfaßte das gesamte Kirckengut der amerikanischen Schwarzen kaum ein paar taufend Tollar, heute rcprä'entiert es einen Wert oon über 57 Millionen Tollar: und in dieser gewaltigen Ent­wicklung zeigt sich nickt nur die wachsende wirtschaftliche Er­starkung der schwarzen Rasse, sondern die als Symptom für das Erstarken des Geisteslebens bedeutsame Anteilnahme des Neger- Volkes an geifrigen und religiösen Singen. Und das bestätigt ein Blick auf dieschwarze" Schul- und^Unterrichtsttatistik. 1867, unmittelbar nach der Aufhebung der Sllaverei, zählte man in den Vereinigten Staaten 1800 Schulen für befreite Sklaven, mit 2000 Lehrern und 111000 Schülern. Im vergangenen Jahre belief fick die Zahl der in den öffentlichen Schulen der Südstaaten unterrichteten Negerkinder auf 1 700 000, in den höheren Schulen und in den Colleges arbeiteten 100 000 schwarze Zöglinge an der Bereicherung und Vertiefung ihrer Bildung, und die Zahl der Lehrer an den Negerbildungsanstalten ist auf 34 000 gewackfen. Tem entspricht auch die wirlsö^iftliche Entwicklung der Rassen. Vor 50 Jabren waren die meisten Neger abhängige Landarbeiter, und nur sehr wenige besaßen eigenen Boden. Heute finden wir in allen Berufszweigen Neger, und die Zahl der sckwarzen frarmen- besttzer _ ist auf 900 000 gewachsen. Ter Grundbesitz der Neger ist größer als der ganze Staat Carolina. In Handel und Ge­werbe haben sich über 30000 Neger selbständig gemacht, man zählt 64 Negerbanken mit einem eingLzahllen Kapiial von Mil­lionen Mark. Diese Fortschritte zeigen, um wieviel die Neger der

I Union oorangetommen sind, und wenn man ben 'älicken Ver­gleich mit der weißen Rasse ausgibt und die Neger in Amerika I mir ihren gleichwertigen Rassen in anderen Weltteilen vergleicht, erjdieint das Err-'icklk' dock als ein wertvoller Beweis für h:e Entwicklungsfähigkeit der schwarzen Raffe.

kf. Die Erneuerung des Buckingham-Palastes. Seit zwei Wochen, so erzählt die Westminster Gazette, befindet sich Buckingham-Palast, die Londoner Refiden; des englischen- nigsvaares, unter den Händen der Arbeiter. Tiefer Palast, den Georg IV. den scheußlichsten von ganz Europa nannte, wird letzt im Handumdrehen in ein schönes Bauwerk von klassizistischer Linienführung verwandelt werden, und seine alte, von der Zeit und von dem Londoner Nebel geschwärzte Studfront wird ersetzt durch eine majestätische Säulensassade, btc in weißem Portland- Stein ausgeführt wird. Tas Interessanteste bei dieser Erneuerung aber wird bic beinahe wunderbare Geschwindigkeit sein, mit der sie ausgeführt wird. In drei Monaten soll alles fertig fein! Um dem Köniqspaare so wenig Unbeauemlichkeiten mir möglich zu bereiten, ist die neue frauäbc Stück für Stück in einet eigenen, etwa zehn Meilen vom Palaste entfernten Werk­statt fertig gemacht worden, und jetzt haben die Arbeiter nicits anderes zu tun, als die neuen frassadenstücke Block für Block Der alten Front vorzulegen. So sieht man jeden Tag ein neues Stücf weißer, stattlicher Fassade über die rußbedeckte Front hin- wegwachfen. Denn dann in zehn Wochen König Georg und Königin Maud aus ihrer schottischen Sommerfrische zurückkehren, so werden sie eine neue Residenz vorftnden, die von außen roo nigstens nicht mehr wieder zu erkennen sein wird. Während dieser Arbeiten bewacht eine ganze Schar besonders tüchtiger Tetektivs Tag und Nacht den Eingang zu den Kellern des Palastes, wo schätze aufbewahtt werden, deren Eristeuz die nwe­nigsten Menschen ahnen. In drei unterirdischen Galerien werden nämlich hier alle Juwelen, Dänen, Kunstwerke und Gegen­stände des Hausrates behütet, die das englische Königshaus in den letzten ypn Jahrhunderten erworben oder sonstwie in feinen Besitz bekommen hat, insoweit sich in den königlichen Residenzen für diese Kostbarkeilen kein geeigneter Platz zur Aufstellung oder Aufbewahrung sand. Tie dritte und fteinfte Galerie schließt die größten Kostbarkeiten ein, die einen geradezu unschätzbaren Wert darstellen. Allein an Goldsachen befinben sich hier mehr als 6000 Stück, die zusammen eine volle Tonne an Rohgewicht hatten.