Ausgabe 
26.7.1913 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten,

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Frieden nach Bukarest zu senden.

Bom Zlriegsschauplatz.

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Wache zusammentrcten kann. Montene^o liat den Minister­präsidenten Wukowilsch und den General Martinowitsch zu seinen Bevollmächtigten ernannt.

Wien, 25. Juli. Nach einer der Politischen Korrespondenz aus Bukarest zugegangencn Mitteilung ist Bukarest über das ablehnende Verhalten Serbiens unb^ ©ric(freit lands gegen das Verlangen nach Einstellung der Fentdseligkeiten von Unmut erfüllt. Es wird hervorgehoben, das; der zweite Ballänl'rieg, sowie die rumänische Aktion hauptsächlich den Zweck verfolgten,' das Gleichgewicht auf ,dem Balkan gegen die über­triebenen Ansprüche Bulgariens zu schützen. Dieser Ziveck sei gegen­wärtig im wesentlichen als erreickit zu betrachten/ und es gewinne fast den Anschein, als ob man nun vor die Aufgabe gestellt iverden dürfte, das Balkangleichgewicht gegenüber den etwaigen m a st losen Forderungen Griechenlands und Serbiens zu schützen. Rumänien werde aher durchaus nicht zu einer Nieder- zwingung Bulgariens unter allzu drückenden Bedingungen sich gewillt zeigen. Es stelle sich auch aut den Standpunkt,, dast die unverzügliche Einstellung der Feindseligkeiten geboten ist, da sie die Entwirrung der Krise fördern würde, ohne die bereck>- tigten Interessen Griechenlands und Serbiens einer Schädigung aüszusetzen. . .

Bukarest, 25. Juli. Die rumänische Regierung hat an Serbien, Griechenland und Montenegro eine Einladung gesandt, Delegierte für die Verhandlungen über den Waffenstillstand und

nennt diese Tateins der prächtigsten Abenteuer aus der Ge­schichte der Polarsorschung".

Tie Gefährlichkeit der jäh und mit furchtbarer Heftigkeit auftretenden Blizzards hatte man auch sonst Gelegenheit, genau kennen zu lernen. Dr. Atkinson ging in einem solchen Sturm verloren, als er nur das Thermometer an der Nordbai hatte anschen wollen, und wurde halb erfroren aufgefunden Der Kälte gegenüber verhielten sich die Einzelnen ganz verschie­den; am wenigsten empfindlich waren Wilson und Bowers: aber allmählich gewöhnten sich alle an die niedrigen Temperaturen, und bei einem starken Wind und bei einer Temperatur von 9 Grad Kälte zeichnet Scott aus:Es schien uns brausten ganz warm und wir konnten mit unbedecktem Kopf gehen, was sicherlich in einem englischen Sturm bei 9 Grad Kälte unmöglich wäre." End­lich war alles zu dem großen Angriff auf den Pol bereit: am 1. November 1911 begann die Hauptexpedition, die zunächst dadurch arg behindert wurde, dast die Motore an den Schlitten vcrsagteir und den Anforderungen dieses Klimas nicht in ge­nügender Weise standhielten.Der Traum der großen Hilfe durch die Maschinen ist zu Ende!" ruft Scott in seinem Tagebuch aus.

Das Vorgehen der Türken und die Mächte.

Konstantinopel, 25. Juli. DerTanin" meldet, daff das gesamte Land bis zur bulgarischen Grenze besetzt sei. Halem Reschiid, der Sohn des Marschalls Fuad, sei bet Verfolgung der Bulgaren nördlich von Adrianopel ge­fallen.

Pera, 25. Juli. In einem halbamtlichen Communiguo wird die Hoffnung ausgesprochen, Europa werde nicht einen Abgrund zwischen der muselmanischen und der christ­lichen Welt schaffen.

Konstantinopel, 25. Juli. Der Justizminister und der erste Adjutant des Sultans sind nach Adria- n o p e l abgereist.

London, 25. Juli. (Reuter.) Die Botschafter schlagen ihren Regierungen ei«e neue Note an die Türkei vor, ob eine Kollektivnote oder nicht, ist noch nicht entschieden.. Die Note wird von neuem die Aufmerksamkeit der Pforte auf den Beschluß der Mächte lenken, der Grenze Enös-Midia Achtung zu. verschaffen. Obgleich man von Flottendcmonsttattonen und andern Mitteln, um einen Druck auf die Türkei auszuüben, gesprochen hat, ist in der gestrigen Konferenz kein Vorschlag gemacht worden. Einzelne Diplomaten glauben, dast der Druck eines finan­ziellen Charakters genügt. Der Standpunkt Rußlands unterscheidet sich von dem der andern Mächte infolge seiner Sonderinteressen. Rußland erklärt, keineswegs die Wieder­herstellung der o t t o m a n i s ch e n Herrschaft in dem Gebiete zulassen zu können, aus dem die Türken schon vertrieben

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Schröder-Stranz hat keine Hilfe bekommen. Der Korrespondent vonAftenposten" in T r o m s o e erhielt an Bord des DampfersGroßer Kurfürst" vom Norddeutschen Llopd, der von Spitzbergen dort eir^etroffen ist, die Nachricht, daß 'die von verschiedenen Zeitungen gebrachte Meldung, wonach Schrö- der-Stranz Hilfe bekommen habe, zweifellos falsch und wahrscheinlich durch fehlerhaftes Telegraphieren verschuldet sei.

Uraufführung eines Jahrhundert-Dramas in Hannover. Aus Hannover, 24. Juli, wird uns geschrieben: 11 m Napoleon" von Kurt Müller, ein mit anständigen Mitteln diskret und fein gearbeitetes Drama in vier Akten aus der Zeit um 1813 erlebte in der Schauburg zu Hannover heute seine Uraufführung. Das Stück läßt sich die große Volks­bewegung und die Schlachten in dem Kreise einer Dresdener Bürgersfamilie sviegeln, in der die passive Heldengestalt der begeisternden Ulrike von Kleist, bereit Gatte in jben Einfang? kämpfen gefallen ist, Unterkunft gefunden hat. Die alle mit sich fortreißende Begeisterung wird an Studenten und dem jungen verlobten Sohn der Dresdener Familie in gar feiner Charakteri­sierung gezeigt. Nur der letzte Akt wird durch Propbezemng-en etwas banal. Der wohlverdiente Beifall war nach allen Akten sehr stark. An Stelle des durch Krankheit fentgehaltenen Autors, der am Schlüsse stürmisch gerufen wurde, dankte Direktor Rolan für die begeisterte Aufnahme.

Belgrad, 25. Juli. Nachdem Bjelogratschich eingenommen fingen Abteilungen unseres Heeres an, Vidin zu sentieren, ..... alte Festung, die mehr durch ihre natürliche Lage als durch künstliche Befestigungen geschützt wird. Immerhin wird die Ein­nahme der Stadt nicht lange mehr auf sich warten lassen. ®ic Truppen des Generals Kuintscheff begannen sich zu ergeben.,Bei Pirol nahmen wir an der bulgarischen Grenze Sttachna, Tschu- kova und auf dem rechten Ufer der Nifchava Golema und Glava auf dem linken Ufer. An den übrigen Punkten herrscht Ruhe.

Athen, 25. Juli. (Meldung derAgenee d'Athöncs.) Wie bestimmt verlautet, haben die Bulgaren Dedeagatsch geräumt.

Sofia, 25. Juli. Der Kommandant der bei Razlog ope­rierenden Truppen telegraphiert, dast die griechischen Truppen gestern das Dorf Bansko Dobrinychte in Brand setzten und sich darauf nach Süden zurückzogen.

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Der Sicherer Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: r>'e r inal ivöcbentiich

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Die Lage aus dem öaiiim.

Die Fricdensverhandlungen.

Athen, 25. Juli. DieHestia" glaubt zu wissen, dast sowohl die griechische wie die serbische Regierung auf die Schritte Rußlands und Oesterreich-Ungarns antworteten, daß es ihnen in Anbetracht der bulgarischen Hinterhältigkeit un- m ö g l i ch s e i, einen W a f f e n st i l l stn n d vor der Unterzeichnung der Friedenspräliminarien anzunehmcn.

Wien, 25. Juli. DerNeuen Freien Presse^ wird aus B u k a r e st von besonderer Seite gemeldet, dast der Schritt, den Oesterreich in Athen und Belgrad unternommen hat, um die so­fortige Einstellung der Feindseligkeiten zu erlangen, in vollem Einverständnis mit der rumänischen Regierung er­folgt ist.

Bukarest, 25. Juli. Die Antworten des Königs Peter und des Königs K o n st a n t i n auf das gestrige Tele­gramm des Königs Karl sind hier eingetroffen. König Kon­stantin versicheri, auch er wünsche, das Blutvergießen möglichst bald zu beendigen, sowie, dast er nicht beabsichtige, das Gleich­gewicht auf dem Balkan zu stören. Auch beabsichtige er keine Verkleinerung Bulgariens. Es Ware aber ein Verbrechen gegen sein Land, wenn er nach dem blutigen, von Bulgarien ausge­drängten Krieg einen Waffenstillstand schließen würde, ohne die Sicherheit, dast der Friede Griechenland und seinen Verbündeteit jene Vorteile, bringe, die man ihnen schulde. Der König fügte hinzu, er müsse nach den bitteren Erfahrungen, die.er mit Bul­garien gemacht habe, damit rechnen, dast der Waffenstillstand ohne Garantien Griechenland der Früchte seiner Siege berauben würde. Wenn Bulgarien die Bedingungen des Vorfriedens annehme, sei Griechenland bereit, Bevollmächtigte zu entsenden.

Die Antwort des Königs von Serbien gleicht inhaltlich der Antwort König Konstantins.

Bukarest, 25. Juli. Agenee Roumainc. Seit gestern ist die Lage unverändert. Serbien unb Griechenland sträu­ben s i ch gegen einen W a f f e n st i l l st a n d, indessen kann man wegen des Einschreitens König Karls darauf rechnen, dast der V v r nt a r s ch der serbischen und griechischen Truppen weniger eilig werden wird, und dast die Konferenz nächste

Aus Kapitän Scotts Tagebuch.

Die Aufsehen erregende Veröffentlichung der Tagebücher Ka­pitän Scotts und die erste authentische Schilderung der so tragisch verlaufenen brittschen Südpolar-Expedition 19101913 wtrd tut Strand Magazine fortgesetzt und enthält das anschaultchfte Bild von Leiden und Freuden der Polarsahrer tnt eitrigen Eis. Tie Darstellung bietet im wesentlichen einen genauen Bericht über die Arbeiten und Erlebnisse der Expedition vom März bis No­vember 1911, als sie ihr Hauptquartier in Kap Evans hatte, von wo' verschiedene Vorstöße zur Anlegung von Depots und alle Vorbereitungen für die eigentliche Expedition getroffen wur­den Von den Ponnps standen statt der ursprünglichen 19 nur noch 10 in den Ställen, aber sonst erwies sich die ganze An­lage des Unternehmens als ausgezeichnet ausgedacht, und nach Inspektion der verschiedenen Depots kann Scott befriedigt ut sein Tagebuch schreiben:

Es wurde mir allmählich klar, für was für eine aus- qedehnte und schwierige, aber auch besondere Genugtuung ge­währende Organisation ich vor mir selbst die Verantwortung übernahm" Den verschiedenen Fahrten, die man unternahm, stellten sich gewaltige Hindernisse entgegen: die Reffenden mußten z B eine große Eismauer angeseilt überklettern und touren aussühren wie die 'chwierigsten im Hochgebirge. Dann ober kam die. Zeit der Winterquartiere. Gevrgstag ivar der letzte Sonnentag' von nun anbrach das lange, milde Zwie­licht herein bas wie eine silberne Spange das Heule und Gestern äuiammcnidjtiefct. roenn Morgen und Abend tzand rn Sand bei- einander sitzen unter dem sternenlosen Himmel der Mitternacht. Die langen Stunden waren ernster 'Arbeit gewidmet. Eine vor­treffliche meteorologische Station erlaubt mit ihren ausgezeich­neten Instrumenten, die Untersuchungen auch bei der grössten Kälte sartLiffetzen: die Meeresströmungen wurden beobachtet, geo- ^gische Aufnahmen gemacht, und der Zoologe Tr. Atkinson machte neue und interessante Versuche mit Parasiten Kleine Ballons imirden zum Studium der Luftströmungen und der Temperatur der oberen Luftschichten abgelassen. Telephonanlagen wurden mit großem Erfolge angebracht. Sie einen übten sich un erbauen von Steinhütten und Eslirno-Jglocs; noch andere machten Er­findungen, die vielleicht für die Expedition von prakttschem Wert sein konnten so konstruierte einer emen Schlitten auf Radern, zwei sehr ^-Nischen Ofen für Tran. Abends landen Vorlesungen stall; jeder unterrichtete die andern uber^ sein Spezialgebiet und so groß'war der Lerneifer, daß eines -pages ein Biologe einem Geologen ein ^Baar ©oden anbot, wenn er ihn dafür in der Gesteinskunde unterrichten wolle Auch unter­haltende Vorführungen fehlten nicht, uno befonbere die kme- malographischen Vorstellungen des Photographen fanden viel Bei­fall Angesichts dieser mannigfachen Arbeitsteilung und der ganzen

Lebensform konnte es Scott in seinem Tagebuch als ein inter­essantes Thema bezeichnen, trenn man die Art, wie die alten Polarsahrer den Winter verbrachten, mit ihren der Wissen­schaft und emsigen Betätigung gewidmeten Beschäftigungen ver­gleiche. Kein Lob scheint dem Leiter der Expedition zu hoch für das herzliche und innige Verhältnis, in dem alle Teilnehmer zueinander standen, für die Hilfsbereitschaft und Aufmerksam­keit, mit denen sie sich in die Hände arbeiteten.Dies Thema könnte ich lange fortspinnen. Heut abend hat Dates, Ritt­meister in einem vornehmen Kavallerie-Regiment, über Stühle und Tische hinweg mit Tebenham, einem jungen australischen Studenten, einen Boxkampf ausgeführt. Es ist ein Triumph, solche Leute zusammengebracht zu haben." Das wichtigste Er­eignis des Winters war die Expedition von Wilson, Bowers und Cherrp-Garrard zu dem Nistplatz der Kaiserpinguine bei Kav Crozier, wobei die ganze Höhe der Berge Erebus und Terror zu überwinden war. Die drei kehrten nach einer Reise von fünf Wochen am 1. August glücklich zurück, nachdem sic die fiirchtbarsteii Entbehrungen, und die größten Wettergefahren über­standen hatten. Bei 78 Grad Celsius Kälte wanderten sie, nur mit einem Zelt von dünner Leinwand ausgerüstet, unter Bedin­gungen, wie siekein zivilisiertes Wesen vorher überstanden". Von Blizzards umtobt, taumelten sie tagelang in einem unge­wissen Zwielicht dahin, das wenig besser war, als völlige Dunkel­heit. Und unter diesen Verhältnissen mußten sie noch schwierige Berge mit gefährlichen Spalten übersteigen, bis sie an die Nist- stätte der Pinguine kamen. Hier bauten sie in drei Tage langen Mühen eine Hütte und suchten dann nach den seltsamen Vögeln, die das Ziel ihrer kühnen Reise btlbeten. Stundenlang suchten sie im Halbdunkel. Endlich hörten sie die Vögel quäken und fanden etwa 100, wo bei dem früheren Besuch der Discovery 20003000 genistet hatten. Sie töteten hastig drei Tiere, um Tran für ihren Ofen zu bekommen, sammelten dann 6 Eier und fanden dabei einen interessanten Beweis für die Stärke des Brutinftinkts dieser Vögel, die bisweilen sogar runde Stücke Eis für Eier^ ansehen und sich vergeblich abmühen, daraus neues Leben zu erwecken. Die Reisenden waren unterdessen in einen entsetzlichen Blizzard geraten, so daß sie in ihrer Hütte fürchten mußten, jeden Augenblick getötet zu werden. Das Zelt wurde ihnen fortgeweht; aber schließlich krochen sie in dem Chaos von Schnee und Sturm in ihre Schlafsäcke; Bowers steckte noch einmal den Kops heraus und sagte:Alles in Ordnung?" worauf die andern ebenso antworteten bann war alles still eine Nacht unb einen halben Tag, während es um sie heulte unb wütete. End­lich legte sich der Blizzard und die Reisenden krochen aus ihren eisigen Nestern, um nach 48 Stunden die erste Nahrung zu sich zu nehmen. Zum Glück fanden sie ihr Zelt, wieder, aber, sonst waren alle Utensilien in b£t schlechtesten Verfassung, die Schlaf­säcke so hart gefroren, daß sie nicht zusammeugelegt werden konnten. Der Rückmarsch ging dann besser vonstatten- Scott

poletifd^c Wochenschau.

. , Gießen, 26. Juli.

Griechenland und Serbien spielen in dem jetzigen Sta­dium der Friedensvcrhandlungen eine eigentümliche Rolle, die ihnen vielleicht noch teuer zu stehen kommt. Sie er­klären heuchlerisch, daß Bulgarien im Frieden gut be­handelt werden solle. Aber das Nächstliegende, was zu der guten Behandlung gehört, die Einstellung der Feind­seligleiten fällt ihnen nicht ein. Es ist offenbar beabsichtigt, Bulgarien so zu schwächen, daß es zu den Friedensbedin­gungen der beiden Staaten Ja und Amen sagen muß. Das edle Brüderpaar wird sich aber mit dieser Kalkulation gewaltig verrechnen. Rumänien und besonders auch die Großmächte haben den festen Willen, Bulgarien zu Gunsten seiner westlichen und südlichen Nachbarn nicht allzusehr zu verkleinern. Das zeigen die Vorstellungen, die von Rußland, Oesterreich-Ungarn und Rumänien namentlich in Athen gemacht worden sind. Beide Staaten schlugen aber alle guten Ratschläge in den Wind und das nutzlose Blutvergießen geht lveiter. Es ist nicht ausgeschlossen, daß bei weiterem Vordringen der Serben und Griechen auf alt­bulgarischem Boden die rumänische Armee sich schirmend vor Bulgarien stellt und dann muß die blutgierige Meute von ihrem weiteren Vormarsch absehen.

Das sollte sie schon freiwillig mit Rücksicht auf das Vor­gehen der Türken tun. Dadurch, daß sie die bulgarische Armee int Westen festhalten, ist es dem türkischen Heer leicht geworden, durch einen militärischen Spaziergang Adria- uopel. wieder zu besetzen und in den bulgarischen Dörfern alles zu verwüsten. Schon die Klugheit sollte die Griechen und Serben davon abhalten, den in hartnäckiger Verblen­dung weitergesührten Bruderkrieg zu beenden. Tenn von Bukarest hört man, cs sei nicht ausgeschlossen, daß Ru- mänien die Türken mit Waffengewalt aus den unrecht- niäßig okkupierten Gebieten vertreibt. Damit würde Ru- ntänien die Vormachtstellung auf dem Balkan erhalten, die Serbien und Griechenland so sehr fürchten.

Tie türlische Regierung hatte alle Ratschläge und War­nungen nicht beachtet. Sie besaß sogar die Dreistigkeit, zu erklären, daß der Londoner Vorfrieden für sie nicht mehr vorhanden sei. Nach dieser beleidigenden Nichtbeach­tung der von sämtlichen Mächten beschlossenen Grenzfest­setzung sind diese moralisch verpflichtet, ihrem Willen Gel­tung zu verschaffen. Wenn das nicht durch die gewöhnlichen Mittel erreicht wird, die mau sonst gegen die stets geld- bedürstige Türkei anzuwenden pflegt die Verweigerung von Anleihen so werden stärkere Mittel zur Anwendung kommen. So hört man von russischen Rüstungen und von der halbamtlich angekündigten Absickst Rußlands, einen Teil der armenischen und kl^nasiatischen Provinzen so lange zu besetzen, bis die Türken sich wieder in die ihnen zu- gesprochenen Gebiete zurückziehen. Auch von einer Flotten­demonstration wird gesprochen, doch wird eine solche Ver­anstaltung dcn Jungtürken ebenso wenig Respekt einflößen wie den Montenegrinern. Ter Mitteilung, daß, zwischen. Ruß- land und Oesterreich-Ungarn eine Verständigung über ein gemeinsames Vorgehen erzielt worden sei, wird von keinem der Beteiligten widersprochen. Das Zusammengehen der beiden Ballanrivalen würde nicht allein ermöglichen, die Türken aus Thrazien zu vertreiben, es würde auch der von

Hinterbliebenen,

uli 1913.

, den 27. d. M nachm. iedhofes ans statt.4849

den Mächten in Aussicht genommenen Nckchprüsuug des Friedens unter den Ballanstaaten den nötigen Nachdruck verleihen.

Auch im fernen Osten reifen die Dinge jetzt lang­sam der Entscheidung entgegen. Als Rußland versuchte, die Mongolei von dem chinesischen Reich loszulösen, entstand eine nationalistische Bewegung, die durch die Unzufriedenheit über die inneren Zustände des Landes zu einer Revolution gegen die Negierung des Präsidenten Juanschikai führte. Juanschikai hat sich bis jetzt gehalten und die Truppen Süd­chinas, die der Revolutionsregierung anhängen, wiederholt geschlagen.

In Amerika bereiten sich einige Aenderungen vor, die die Macht der Vereinigten Staaten noch vergrößern werden. Tie Union benutzte den rollenden Dollar, um sich in den mittelamerilänischen Staaten Einfluß zu verschaffen. Wenn die Staaten dann finanziell von Amerika nicht mehr loskommen können, so erklärt die Union einfach das Pro­tektorat. 1903 kam Panama und einige Jahre später Nicara­gua unter das amerikanische Proteltorat. Jetzt steht für Costarica, Honduras, Salvador und Guatemala das gleiche Schicksal in Aussicht und man vermutet, daß auch der mexi­kanische Aufstand durch amerikanisches Geld finanziert wor­den ist, um Mexiko in Abhängigkeit von der Union zu bringen. Offiziell lvird die Hingabe von Geld an eine der mexikanischen Regierungen natürlich geleugnet.

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8 e i h fl 4 » r c i s: rnonatlich75Pf., viertel- jährlich SDK. 2.20; durch Adliole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost SDK. 2. oiertcl- jährl. auSfchl. Bestetig, Zeilenvreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfennig. C hefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August

.. , . General-Anzeiger für Gberhefsen LLM tornSlensg?enumm« Hofatioits6ru5 unk, Verlag der vrühl'schen Univ.Guch- und Skisörniferci R. Lange. Nedaltion, Expedition und Druckerei! Schulstratze 7. ZZj.'s.veb;"«'« den bis vormittags 9 Uhr. Geschäftsstelle vüdingen, vahnhosstratze 16a. Anzeigenteil: H. Beck.