Ausgabe 
23.10.1913 Erstes Blatt
 
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£ec 6i B a ---------- M. Jahrgang vonnerstaq, 25. Oktober 1915

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88 . General-Anzeiger für Oberhesien |g||

bis vormittags 9 Uhr. Rotationsörucf und Verlag der Brühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

_ _ Tageskalender aus dem Jahre 1813.

2 3. Oktober. Napoleon erreicht mit der Hauptarmee Erfurt, wo mtS den reichlichen Magazinen für Verpflegung der ______Gruppen und Ergänzung der Munition gesorgt wird.

Die badischen Landtagswahlen.

, 22. Okt. Nach beit endgültigen emt-

hdjen Ermittelungen wurden bei den gestrigen Wahlen zur zweiten Kammer gewählt: 3 0 Zentrum, 4 Konser- v atrve, 8 Nation alliberale, 1 Fortschrittler und 9 Sozialdemokraten, zusammen 52 Abgeord­nete, so daß 21 Stichwahlen vorzunehmen sind.

Von den abgegebenen Stimmen erhielten die Natio- nalliberalen 79 994 oder 23,9 Prozent, die Fort­schrittler 30301 oder 9,1 Prozent, die Sozialdemo­kraten 74 638 oder 22,3 Prozent, das Zentrum 116 153 oder 34,7 Prozent, Konservative, Bund der Landwirte und Reichspartei 30343 oder 9,01 Prozent, sonstige Stimmen 2 566.

Das Zentrum gewinnt: Meßkirch-Stockach (bisher itotf.i, Konstanz-Engen (bisher natl.), Offenburg-Stadt (bisher Fortschr. Volkspartei), Ettlingen-Rastatt (bisher Soz.) insgesamt 4 Sitze, verliert 0.

Die Konservativen gewinnen: Boxberg-Adelshciin (bisher natl.), Sinsheim-Eppingen (bisher natL), Lahr-Land (bis­her Fortschr. Volkspartei) insgesamt 3, verlieren 0.

Die Nationalliberalen gewinnen: Nastatt-Stadt (bisher Fortschr. Volksp.), Deidelberg-Eberbach (bisher Soz.), Heidelberg-Wiesloch (bisher Soz.), insgesamt 3 Sitze: ver­lieren Meßkirch-Stockach (jetzt Zentrum', Konstanz-Engen (jetzt Zentrum', .Sinsheim-Eppingen (jetzt konservativ), Boxberg-Adels- beim (jetzt konservativ), Mannheim IV (jetzt Soz.), insgesamt 5 Sitze.

Die Fortschrittliche Volkspartei verliert Lahr- Land (jetzt konservativ), Rastatt-Stadt (jetzt natl.), Offenburg- Stadt (jetzt Zentrum).

Die Sozialdemokraten gewinnen 1 Sitz (Mann­heim IV, bisher natl.) und verlieren Lörrach-Land (jetzt natl.', Heidelberg-Wiesloch (jetzt natl.), und Heidelberg-Cberbäch (jetzt natl.), Karlsruhe-Ettlingen (jetzt Zentrum) insgesamt 4 Sitze.

Man sieht, die Rechte hat einen Sieg erfochten, die Linke eine regelrechte Niederlage erlitten. Das Zentrum regiert; im letzten Landtag hatte es, wie wir schon bericht teten, 26 Mandate, wovon e§' 23 im ersten Wahlgange heimgebracht hatte. Die Konservativen hatten 1909 in der Hauptwahl überhaupt kein Mandat erhalten. Die Zen­trumstaktik hatte Erfolg: das Zentrum sammelte und unterstützte alle rechtsstehenden Kandidaturen, und da die Sozialdemokratie ihren Anhang von 1909 nicht zu halten vermocht hat, hat der Großbtockgedanke in Baden eine große Enttäuschung erlebt. Die allgemeine Unzufrieden­heit besteht nicht mehr in dem Maße wie 1909 nach der Reichsfinanzreform-Misere. -Ter Großblockgedanke ist nicht nur zahlenmäßig, sondern auch ideell hart getroffen wor­den, denn von verschiedenen badischen Blättern der Linken wird darauf hingewiesen, daß die drei Linksparteien durch ihr monatelanges Hin und Her, durch das Schachern und Abwägen der Machtansprüche sich die Wahlstinrmung ver­dorben haben. Demgegenüber hatten die geschlossenen Par­teien der Rechten einen desto leichteren Stand.

Prefsesiimmeu.

Die fortschrittlicheNeue Bad. Landesztg." wendet sich ärgerlich »gegen die Sozialdemokratie:

Die radikalen Geberden, die in letzter Zeit aus verschiedenen Anlässen die Sozialdcmiokratic, auch die badische, zur Schau, haben zweifellos vielen Wählern die Großblock-

freude verdorben; für solche Belastungsproben war das Gebilde äit schwach. Aut Seiten der Liberalen beider Richtungen war es wahrscheinlich die genauen Ziffern können das erst er­weisen die bekannte Lässigkeit und optimistische Sorglosigkeit, die immer dann einsetzt, wenn es eine Zeitlang gut gegangen ist. Im allzugroßen Vertrauen auf den Großblock haben viele Leute vergessen, ihn durch zähe Arbeit gehörig zu stützen.

DerBadische Beobachter" schreibt:

Ein glänzender Sieg, der in der Geschichte des Zen­trums einzig dastcht, ist das Ergebnis des gestrigen Wahl­tags. Nicht minder glänzend wie für das Zentrum ist das Er­gebnis auch für die übrigen rechtsstehenden Parteien. Ferner kann die Rechte auch verschiedene Erfolge der Nationalliberalen auf ihr Konto buchen, da sie durch ihre Beihilfe errungen wurden, so in Rastatt, Hcidclburg, Sinsheim und Eberbach. Diese Erfolge sind der vielgeschmähten Wackertaktik zu verdanken, und es ist eine schneidende Ironie, wenn die Nationalliberalen, die die Wackertaktik doch stets so sehr bekämpft haben, 2 Siege ihr aus­schließlich zu verdanken haben. Ueberhaupt ist der Zug nach rechts mit unerhörter Wucht zum Ausdruck gekommen und je weiter nach links, desto größer ist die Niederlage.

DerVolks freund" schreibt:

Die gestrige Wahlschlacht hatte leider nicht das Ergebnis, das wir wünschten und erhofften. Die Linke hat eine Niederlage erlitten und diese Tatsache zu vertuschen, wäre ebenso sinn- wie zwecklos. Das Ergebnis ist nicht überraschend und die Reaktion hat diesmal alle Mienen springen lassen und alles gegen den Großblock mobil gemacht. Insbesondere die katholischen G e i st l i ch e n haben in den Wahlkampf energisch cingegrisfen; man bemerkt das an der Stiimnenzahl, welche sowohl die Kandi­daten des Zentrums als auch! die vom Zentrum unterstützten Konservativen erhielten. Trotz alledem darf man aber nicht ent­mutigt sein und die Sozialdemokratie am allerletzten. Die Sozial­demokratie hat sckwn andere Stürme durchgemacht und hat sich doch durchgebracht. Es wird auch in Biaden wieder aufwärts gehen und der Sieg der Reaktion in Baden ist nur eine vorüber­gehende Erscheinung."

' Die natl.BadischeLandeszeitung" schreibt:

Der gewaltige Zusammenstoß zwischen rechts und links hat nicht zu der erhofften Zurückweisung der schwarzen Flut geführt und der Reaktion ist es gelungen, einen großen Sieg zu er­ringen. Die Gefahr einer schwarzblauen Mehrheit steht vor der Türe. Man wird aber aller Voraussicht nach in der Stichwahl gegen das Zentrum anzukommen vermögen, denn es ist eine alte Erfahrung, daß das Zentrum im ersten Wahlgang wohl eine Reihe von Mandaten direkt an sich reißt, daß cs aber nachher über keine Reserven mehr verfügt und daß es darum in der Stichwahl stets sehr schlecht abschneidet.

Deutsches

Vom preußischen Ansiedelungsausschuß.

Geheimer Oberrcgierungsrat int Landwirtschaftsministerium' Ganse ist zum Präsidenten des Ansiedelungs-Ausschusses ernannt worden. Da sein Vorgänger, Geh. Oberregierungsrat Dr. G r a m s ch , der zum Regierungspräsidenten in Gumbinnen be­rufen wurde, mit Ende Juni von seinem früheren Amt entbunden war, war dieses fast vier Monate verwaist. Gramsch hatte seit dem 30. Juni 1908 an der Spitze des Ansiedelungsausschusses gestan­den, war aber vom 24. Juni 1911 bis dahin 1914 zumMitgliede dieses Ausschusses ernannt worden. Es besteht nämlich im An­siedelungsausschuß die Anomalie, daß die Ernennung zum Präsi- sidenten auf Lebenszeit, zum Mitglied nur auf drei Jahre erfolgt. Spielkarten-Herstellung und -Versteuerung.

Nach den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Statisti­schen Amts wurden im Deutschen Reiche während des Rech­nungsjahres 1912 in 24 Fabriken 6 613 272 Kartenspiele von 36 oder weniger Blättern und 1598 804 Spiele von mehr als 36 Blättern hergestellt (1911: in 25 Fabriken 6 294 877 bzw. 1383 723 Spiele). Am Schlüsse des Vor­jahres waren an ungestempelten Karten 1351 084 Spiele von 36 oder weniger Blättern und' 358663 Spiele von mehr als 36 Blättern in den Fabriken als Bestand verblieben.

Versteuert wurden 6 399 303 (1911: 6 185 022) Spiele der ersten Sorte und 300 091 (1911: 291931) Spiele der zwei- ten Sorte; ausgeführt wurden 472911 (1911: 430 650) bzw. 1291 862 (1911: 1144 729), vom Ausland cingeführt und in den freien Verkehr abgefertigt 23 667 (1911: 24 055) bzw. 91047 (1911: 73 059) Spiele.

Dcr Deutsche Ostmarkenverein hat zum 70. Geburtstag seines Gründers und Führers v. Tie- d c m a n n--S ceh e i m in allen deutschen Gauen eine Samm­lung veranstaltet, die den schönen Betrag von 100 000 Mark erreicht hat.

Abg. Dr. Dieder ich Hahn ist nach derDeutschen Tagesztg." gestern von den Delegierten des Bundes der Landwirte der Provinz Hannover mit 45 von 62 Stimmen zum Provinzialvorsitzenden gewählt worden. Die Nachricht ist auch für die Liberalen beachtens­wert, weil Dr. Diederich Hahn cs war, der vor einigen Jahren drohte, daß ernicht eher ruhen wolle, bis der letzte national­liberale Abgeordnete aus der Provinz Hannover verschwunden" sei.

Der Geh. Kommerzienrat Ludwig Max Goldberger, bis vor wenigen Tagen Präsident des Ständigen Aus­stellungsausschusses für die deutsche Industrie, ist am Mittwoch in Berlin gestorben. Mit ihm ist einer der verdienstvollsten Männer im öffentlichen Leben Berlins dahingegangen. Er war der Inhaber des Bankhauses I. T. Goldberger in Berlin bis zu dessen Uebergang in die Internationale Bank 1889 und deren Uebergang in die Berliner Handelsgesellschaft. Darauf widmete er sich ganz dem öffentlichen Wirtschaftsleben, in dem er bevorzugte Stellungen bekleidete. Zehn Jahre lang war er Präsident des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller sowie des Zentralausschusses Berliner kaufmännischer, gewerb­licher und industrieller Vereine. Aus diesen Verbänden ging dann die Handelskammer Berlin hervor. Die Frucht einer längeren Studienreise in den Vereinigten Staaten von Amerika, worüber er dem Kaiser und der Regierung berichtete, war sein interessantes Buch über das dortige Wirtschaftsleben,Das Land der unbegrenzten Möglich­keiten", ein Titel, der bald zum geflügelten Wort wurde.

Ausland.

Die Lage der österreichischen Finanzen.

Bei seinen Ausführungen zum Budget betonte im öster­reichischen Abgeordnetenhaus der Leiter des Finanzmini­steriums Freiherr v. Engel die Notwendigkeit der Sa­nier ungderFinanzen durch Sparsamkeit und die Er­schließung neuer Einnahmequellen. Das Budget für 1914 sei infolge der bekannten Verhältnisse in der letzten Zeit un­günstig. Der Industrie und dem Handel sei es in der letzten Zeit sehr schwer gefallen, sich weiter zu entwickeln. Er hoffe, daß die nunmehr eingetretene Beruhigung eine wirt­schaftliche Hebung ermöglichen werde. Der Redner wies wei­ter auf die in der letzten Zeit hartbedrängte Landwirtschaft hin. Besonders im Nvrdosten der Monarchie führten die fort­währenden Regengüsse geradezu zu einer elementaren Katastrophe, welche eine staatliche Notstandsaktion notwen­dig gemacht haben. Der Redner verwies weiter auf die große Geldteuerung, welche vielleicht noch nie in einer sol­chen Ausdehnung in Europa bestanden habe. Ebenso befand sich der Anleihemarkt noch nie auf einem solchen Tiefstand. Die Finanzverwaltung sei bemüht, alles zu tun, um diesen Anleihemarkt zu beleben. Man müsse sich nicht pessimistischer Verzagtheit hingeben, man müsse die budgetären und finan­ziellen Widerwärtigkeiten zu überwinden suchen, um wieder zu geordneten finanziellen Zuständen zu kommen, was, wenn auch unter vielen Opfern, gewiß gelinge. (Lebhafter Beb- fall. )Hierauf setzte das Abgeordnetenhaus die Debatte über die Automobilsteüer fort.

Eine Forschungsreise

durch da; unbekannte Südamerika.

Nach einer an den furchtbarsten Entbehrungen und Ge­fahren reichen Reise von 21 Monaten, die ihn durch ein fast völlig unbekanntes Gebiet von mehr als 150 000 Quadratkilometern führte, ist der amerikanische Arzt und Naturforscher Dr. Hamilton Rice nach London zurückgekehrt. Auf diesen Fahrten durch Sn d- ost-Colnmbia und N o r d w e ft - B r a , i lr e n hat er wert­volle neue wissenschaftlicl>e Tatsackten ermittelt, die Geographie des Flußsystems des Amazonenstroms und des Orinoco in wich­tigen Punkten aufgeklärt und zum ersten Mal Karten von wecken Landstrecken ausgenommen. Begleitet von dem österreichi­schen Leutnant Bauer, der ihm em treuer Gefährte m all den grausigen Abenteuern der Reise war, hatte er im De- zeniber 1911 London verlassen und war von Bogota aus tn das Innere vorgedrungen.

Insekten und Krankheiten", so erzählt cr in einem ersten Bericht über seine denkwürdige Leistung, "waren du' ärgsten Feinde der Expedition. Moskitos machten das Leben tast uner- ttäglich und Schwärme von großen Gras Messenden Ameisen, die nach Sonnenuntergang austauchten, zcrsraßeniini i , machten unsere Moskitonetze unbrauchbar und verschlangen selbst «unsere Seile. Dazu kam die schlechte ^Nahrung denn uni^r Nahrungsvorrat ging während der Wanderung des Apaporis zu Ende, und wir mußten uns mck Uffenmisw begnügen, von dem wir so wenig essen konnten. t c He-

tiger harter Arbeit uni, Krankheit führten so geschwächt, daß unmöglich vlle

Ich drang mit nur 12 Mann °°-> ^°uem vorwärts aber an« von diesen weigerte sich schließlich die H t , p= blft-

Gebiet der gefürchteten Cariion^ndmner . bcn Süd-

bcn mir nur noch 6, mit denen id, tn 9 un£nöiidj mühe- arm des Apaporis erreichte Unsere ^öfLr^nftrc;n(ninq täglich voll und schwierig; nur legten trotz gi «Jgr^ Weges mußte nicht mehr als ^4 Kilometer zuru^.^;^ fLgehMtcn werden, teÄnn Semem &

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die einem schlimme, eiternde und sehr sckMerzvolle Wunden bei­brachte." Solch ein Biß. eines Schwertfisches rief bei Rice selbst ein furchtbares Gesckstvür hervor, sodaß eine Operation unbe­dingt nötig wurde. Der Arzt nahm sie selbst vor, spritzte sich bei dem Schein einer flackernden Klrze Kokain ein und schnitt sein Bein bis aus den .Knockien. Diese Selbstoperation, die zwei Stunden dauerte, rettete ihm das Leben, aber die Wunde ist noch heute nach neun Monaten nicht zugeheilt.Wir waren damals alle," erzählt der Forscher,direkt am Verhungern und nahmen täglich nur eine Mahlzeit von Affenfleisch zu uns. Beständige Gewitter, bei denen rings um uns die Riesenbäume durch Blitze zerschmettert wurden, machten aus unserm Rück­marsch einen grausigen Albtraum. Wir hatten beinahe alles verloren, außer unfern Hängematten. Endlich hörte der Regen auf, aber nun kamen Myriaden von Ameisen, Bienen und Mos­kitos hervor und quälten uns weiter. Unsere Lage war ver­zweifelt. Jeden Tag bekamen die Augen meiner Leute einen merkwürdigeren und verglastercn Ausdruck; unsere Gesichter waren eingesunken und zeigten ein aschfarbenes Gelb, und wir konnten kaum noch ein Wort miteinander wechseln. Einer der Leute verlor überhaupt die Fähigkeit zu sprechen und winselte nur noch wie ein Tier." In dieser Schreckenszeit mußte Dr. Rice verschiedene Operationen im Urwald ausführen, um seine von schrecklichen Geschwüren bedeckten Leute am Leben zu er­halten. Mitten im Dschungel wurde aus roh behauenen Hölzern ein Operationstisch errichtet, und dann handlsabte cr Chloroform und Messer, so gut es ging. Auch Eingeborene ftrömten herbei, um die Hilfe des Wundermannes anznflchen, und so führte er mehr als 100 Operationen aus, von denen die meisten glücklich verliefen. Nach 11 Tagen der furchtbarsten Entbehrungen ge­langte die Expedition schließlich zu dem Macayafluß, wo Rice acht seiner Leute mit Proviant zurückgelassen hatte, und am Wcihnachtstage trafen die Reisenden im traurigsten Zustand, am ganzen Körper mit Wunden bedeckt, in San Jose am Quaviarr ein. Von hier aus trat der Forscher mit zwei Kanoes, von Bauer, vier Mischlingen und einem indianischen Boy begleitet, den zwei­ten Teil seiner Expedition an.

Unser Zweck war, die Flüsse daraufhin zu untersuchen, in welck>em Verhältnis sie zu dem Orinoco und dem Amazonenstrom standen. Sechs Tage lang schossen wir stromabwärts durch gefähr­liche Strudel und Barrikaden von in den Strom gefallenen Bäu­

men. Durch einen Unglücksfall verloren wir das eine Kanoe; deshalb ließen wir Proviant zurück und fuhren mit dem einen Boot weiter. Immer beschwerlicher und gefährlicher wurde der Weg. Nach einer Woche Fahrt entdeckten wir einen riesigeir Wasserfall von über 100 Fuß Höhe: noch eine Woche später mußten wir die Weiterfahrt als unmöglich aufgeben." Die Rei­senden trafen hier auf Indianer, die noch niemals einen Weißen gesehen hatten, aber sehr freundlich waren. Während der folgen­den Wanderung durchquerten sie einen von Schlangen wimmeln­den Sumps an dem oberen Teil des Amirida-Flusses, den vorher hinaufgesticgen waren.Es gab hier kein Zeichen mensch­lichen Lebens, aber Tapire, Jaguare und Affen in Ueberfülle. Sie waren so zahm wie Hausttere. Die Tapire schwammen um unser Boot, während die Jaguare nachts um unsere Netze schnüf­felten und wie Hunde von uns verscheucht wurden. Im August erreichten wir bei Manaos zivilisierte Gegenden und hörten zu­erst vom Balkankrieg und von Scotts Untergang ..."

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Klopstocks Hermannsschlacht auf der Bühne. Es wird wenig bekannt lein, daß es in der deutschen Literatur schon vor Kleist eineHermannsschlacht" gegeben hat, die hinter dem Werke Kleists freilich mit Recht in den Schatten treten mußte. Das Stadttheater Bremerhaven hat es gewagt, K l o p - stocksHermannsschlacht" in einer Bearbeitung von Gustav Burchard am Gedenktage des 18. Oktober aufzuführen, und erzielte damit, wie aus Bremerhaven gemeldet wird, eine tiefe Wirkung. Befreit von der allzu üppigen Klopstockschen Rhetorik und getragen von trefflicher Darstellung erwies sich die Dichtung in der cin- einhalbstündigen Spieldauer als ein gehaltvolles vaterländisches Schauspiel.

Gu stav Frens s en hat, wie uns geschrieben wird, seinen fünf zig ft en Geburtstag ungekannt und einsam in Eutin (Holstein) verlebt, im alten Voßhause, wo vor mehr als hun­dert Jahren der behagliche Rettor Johann Heinrich Voß jein idyllisches EposLuise" schrieb. Im Wohnhause Gustav Frcnssens in Blankenese traten während des Tages die Briefe und Telegramme zu Hunderten ein. Fast alle literarischen Vereine Deutschlands waren unter den Glückwünscheuden vertreten.

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