^te bürd; sie dem Boske auf erlegten Cpfer seien nicht annähernd fo bitter wie die, die das Volk Dor 100 Jahren bringen mupie. I(3iibem erfülle die Armee in ihrer Arbeit an den Söhnen des Voltes ein. hervorragende soziale Ausgabe, die um so mehr an Bedeutung gewinne, je mehr die Armee als rechtes Bottsheer olle in ihre Reihen hineinziehe.
iTen Schluss der Ansprache bildeten Segenswünsche für den ^Kaiser Iwnb sein ganzes Daus.
Die Antwortrede des Kaisers.
Auf die Rede des Oberbürgermeisters erwiderte der Kaiser etwa folgendes:
Er danke in dem Ramien der Kaiserin und in seinem eigenen Namen für die eben gehörten Worte des Oberbürgermeisters. Die Stadt Breslau hat ihn und die Kaiserin bei ihrem Einzug einen Empfang finden lassen, der ihn durch eine Wariritzerzigkeit und Grossartigkeit mit dem aufrichtigsten Dank erfülle. 'Der Oberbürgermeister möge diesen Dank an die Stadt und die Bürger- ;fchatt übermitteln. Es habe ihn zumal deshalb gefreut, in diesem Jahre nach Breslau kommen M. Tonnen, weil die Stadt ihren so >ganz besonderen 5?Intcil jan den grv ßen Erinnerungen der Zeit vor hundert Jahren habe, denn es )ci der Bürgerschaft Breslaus Vorbehalten gewesen, in die .Derzcn des unter dem Druck der Zeit schwer leidenden Königs^ und der Königin den ersten Sonnenstrahl hineinMführen. Dieser Sonnenstrahl habe das Jener angesacht, das dann durch das ganze Land gegangen sei: die Erhebung gegen die Jremdenherrschatt.
Der Kaiser hoffe, daß es auch ferner gelingen werde, unter dem Schutz des mächtigen deutschen Heeres, das einer der .Hauptpfeiler des europäischen Friedens sei, diesen Fried e n dauernd aufrecht zu erhalten und so auch diese Stadt .unter den Segnungen .>des Friedens an friedlicher Arbeit teilnehmen zu lassen.
Die Provinz Schlesien bereitete dem Kaiserpaar heute abend im Landeshause ein glänzendes Fest. Als das > Kaiserpaar den Lichthof betrat, ertönte der Festhymnus „Mit Gott für Kaiser und Reich" von Werding für Männerchor und Orchester. Dem Kaiser wurde eine Anzahl von Radierungen des Maler-Radierers U lbri ch überreicht. Zur Tafel führte Herzog Ernst Günther die Kaiserin, der Kaiser die Herzogin von Ratibor. Im Kaisersaal und in den angren- den Räumen wurde an einzelnen Tischen gespeist. Rach der Tafel hielt das Kaiserpaar längere Zeit Cercle.
Der Reichskanzler nahm an einem Frühstück bei 'dem Kardinal Fürstbischof Dr.v. Kopp teil, das dieser zu Ehren des bei ihm wohnenden Prinzen Rupprecht von Bayern gab.
P o s e n, 28. August. Mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug um 3.30 Uhr erfolgte die Abreise des Prinzregenten von Bayern nach München.
Ein Dankerlaß des Kaisers.
Der Kaiser richtete an den Oberpräsidenten der Provinz Posen folgenden Danke rlaß:
An unseren diesjährigen Aufenthalt in der Residenzstadt Posen können ich und die Kaiserin und Königin, meine Gemahlin, eine schöne Erinnerung bewahren. Diesem wohltuenden Empfinden will ich unseren herzlichen Dank für die freudige Teilnahme weiter Schichten der Bevölkerung an unserem Besuch und für die vielen Beweise treuer Ergebenheit hiermit nochmals kundtun. Mit besonderem Wohlgefallen gedenke ich zugleich der treuen Begrüßung an dem Paradetage durch meine iaiten Soldaten her Provinz und die Angehörigen iber Sanitätskolonnen, die an der Pflege vaterländischer ! Gesinnung so verdienstlich teil haben. Diesen braven Männern zolle ich meinen königlichen Dank und beauftrage Sie, dies der Provinz sogleich bekannt zu geben.
Posen, 27. Aug. Heute vormittag 10 Uhr erfolgte 'die Abfahrt des Sonderzuges mit den fürstlichen Herr- 'schäften, den Gästen und den Gefolgen nach Breslau. Im Sonderzuge befand sich auch der Reichskanzler.
(Ein Lefttag in Haag.
Haag; 28. Aug. Bei prachtvollem Wetter bietet die Stadt ,twz reich geschmückt ist, zum 100jährigen Gedenktag der Erringung der nationalen Unabhängigkeit einen heiteren Anblick. Die dichte Menge drängt sich in den Straßen um den Friedenspalast, wo die Königin, die Königinmutter und der .Prinzgemahl gegen 2yt Uhr anlangten. Nachdem die Königin sich Andrew Carnegie und dessen 'Gemahlin Vörstetten ließ, betrat , sie den groben Saal des Palastes, wo 400 Gäste versammelt ' waren, die Minister und fremden Gesandten, vierzig Mitglieder des internationalen Schiodsgerichtshofes, unter ihnen Prof. Dr. v. Martttz für das Deutsche Reich. Nachdem der Chor die alte ' Nationalhymne gesungen, würdigte van Karnebeck. der Präsident der CaMegie-Stiftung, in ausführlicher Rede die Bedeutung des ständigen Schiedsgerichts und sprach sich sodann gegen die Einrichtung eines obligatorischen sowie ständig tagenden Schiedsgerichts aus. Weiter gedachte der Redner Carnegies, 'des hochherzigen Stifters, welcher l1/^ Millionen Dollars für ; einen würdigen Rahmen dieser Institution gab und richtete in englischer Sprache Worte des Dankes und der Anerkennung an 'ihn. Nach der eingehenden Beschreibung des Palastes überreichte er dem Präsidenten des Verwaltungsrates ein Etui mit dem Schlüssel, den die de utsche Regierung für die große Eintrittspforte anfertigen ließ. Der Redner schloß mit Worten des Dankes an die niederländische Regierung, die die Ausführung des Baues erleichtert habe.
Nach einem abermaligen Chorgesang drückte der Minister des Aeußern bc Mare es van Swinderen, der Präsident des ständigen Schiedsgerichtshofes, im Namen des Berwaltungsrates des Schiedsgerichtshofes seine Genugtuung aus, daß die Eröffnung des Palastes der internationalen Justiz zur Tatsache geworden sei und dankte allen Beteiligten.
Die Feier schloß mit einem Chorgesang und wirkte in ihrer Einfachheit sehr eindrucksvoll.
Der Kampf um Nanking.
Nanking, 28. Aug. Gestern abend fand eine allgemeine Beschießung statt. Die Regierungstruppen griffen drei Tore an und wurden zurückgeschlagen, aber die Verteidigung war infolge der demoralisierenden Wirkung des Feuers weniger energisch als vorher. Die Re- gier'ungstruppen haben neue Geschütze herbeigeschafft und haben, abgesehen von den Batterien in Punkau und anderer schwerer Geschütze, auf dem Tigerberg weitere Batterien auf dett drei Seiten des Berges aufgestellt. Das'Feuer wurde die ganze Nacht hindurch fortgesetzt und viele Geschosse explodierten in dem dicht bevölkerten Teile der Stadt. jTruppenabteilungcn Fertgkuotschengs setzten oberhalb Nankings über den Jangtse, schlossen die Stadt im Westen ein und schnitten ihr so die Lebensmittelzufuhr ab, die bisher nicht unterbrochen gewesen war
Nach einer Meldung aus Tschingtu vorn 20. August breitet die Rebellion sich aus. Man nimmt an, daß die Ursache wesentlich in der Unpoplllarität des Gouverneurs liegt. — 'Die Truppen von Lungtschang rebellierten, töteten ihren Gouverneur ■unb gingen zu den Aufständischen über. — In Hsicmgtscheng er griffen die Tibetaner die Offensive und die Feindseligkeiten wurden wieder allgemein an der Grenze eröffnet.
Die Vereinigten Staaten und IHerifo.
New - Iork, 28. August. Einem Telegramm aus Mexiko zufolge beobachtet die mexikanische Regierung Still schweigen betreffs der von Wilson an den amerikanischen Kongreß gerichteten Botschaft. Der mexikanische Minister Gamboa unterbreitete dem ständigen Ausschuß des mexi
kanischen Kongresses alle EinzÄheiten des Streitfalles ohne Kommentar. Der Ausschuß nahm das Kommunique eben- falls ohne Kommentar an. In der zweiten Note besteht Wilson nur hinsichtlich der Forderung, daß Huerta aus dem Wahlkampfe ausgeschaltet werde, auf einer sofortigen Beantwortung. Wilson sagt, er würde, wenn Mexiko sogleich seinenVor- schlägen entsprechend handelte, den amerikanischen Bankiers die Zusicherung geben, daß die Regierung der Vereinigten Staaten eine sofortige Anleihe Mexikos begünstigen würde, die genügte, die zeitweiligen Bedürfnisse der gegenwärtigen Verwaltung zu befriedigen. Gamboa antwortete, daß keine noch so große Anleihe diejenigen, die damit betraut würden, die Würde der Nation zu wahren, zur Preisgabe dieser Würde bestimmen könne. Der Forderung des Rücktritts Huertas könne unmöglich entsprochen werden, denn Mexiko gäbe damit nicht nur seine Souveränität aus, sondern kompromittiere sich auch in Zukunft, indem die zukünftigen Präsidentenwahlen dem Veto des Präsidenten der Vereinigten Staaten ausgesetzt wären.
Deutsche- Reich.
Wirkl. Geh. Rat Frhr. von Richthofen f.
Aus Baden-Baden roirb gemeldet: Der seit einer Reihe von Jahren hier im Ruhestande lebende Wirkl. Geh. Rat Freiherr von Richthofen ist im 70. Lebensjahre gestorben. Von Richthofen machte als Offizier die Feldzüge von 1864, 1866, 1870, 71 mit und trat spater in türkische Dienste, wo er mit der Würde eines Kaiserlich Ottomanischen Bala ausgezeichnet wurde. Der Verstorbene war Ritter des Eisernen Kreuzes erster Klasse und Inhaber vieler hoher türkischer Orden.
Ausland.
Ein Heb er fall auf den englischen Premierminister. 1
Als Premierminister Asquith in Lossiemouth Golf spielte, griffen ihn zwei Vorkämpferinnen des Frauenstimmrechts an, hielten ihn fest schleppten ihn umher und schlugen ihm den Hut herunter. Seine Tochter eilte ihm zur Hilfe. Zwei Detektivs brachten die Frauen auf die Polizeiwache. Das Publikum pfiff sie aus und rief, man solle sie in die See werfen.
Ein Deutscher und ein Engländer in Mexiko ermordet.
Die „Morning Post" erfährt, daß Privatdepeschen aus Mexiko die Reutermeldung von der Ermordung des Engländers Laughton und des Deutschen von Thaden bestätigen. Beide hatten bedeutende Jngenieurarbeiten unter sich und zwar etwa 100 Meilen von der pazifischen Küste bei Manzanilo.
Aus Stafct und
Gießen, 29. August 1913.
Die Sonnenblume blüht.
Ihre tiefschwarzen, von einem reichen goldgelben Strahlenkranz umgebenen Strahlenblüten, die sie immer dem Stande der Sonne zugewendet trägt, leuchten vom Rande der Kartoffel- oder Rübenfelder, sie grüßen den Reisenden an jedem Bahnwärterhause, man sieht sie über die Gartenzäune der Dörfer ragen und auch mitten im Walde in den füllen PflanKgärten steht sie stolz wie eine Königin zwischen all den Tausenden junger und jüngster Tannenkinder, sehr zur Freude der Meisen und anderen Singvögel, die im Winter mit den ölreichen Samen gefüttert werden. Diese Mesin unter den Sommerblumen, die in knapp vier Monaten eine Höhe von 3—31/» Metern erreicht und Blumen hervorbringt, die unter günstigen Umständen einen Durchmesser bis zu 60 Zentimeter und ein Gewicht bis 10 Kilo haben, hat ihre Geschichte. Ihr Vaterland ist Peru. Nach Europa tarn sie 1560 durch die Spanier. Der gelehrte Dodonaeus, Leibarzt des Kaisers Maximilian II., berichtet, daß die „indische Sonne", wie die Sonnenblume damals genannt wurde, in den Königlichen Gärten von Madrid einen arms- dicken Stamm getrieben habe und 24 Fuß hoch geworden sei. Von Spanien verbreitete sich die Sonnenblume alsbald über das übrige Europa und derselbe Schriftsteller berichtet, daß ihm ein reicher Patrizier erzählt habe, in seinem Garten zu Padua sei „die indische Sonne" zu einer Höhe von 40 Fuß gänehen, ein Beweis, daß die Italiener, wenigstens zu jener Zeit, den Spaniern in Punkto Ausschneiden noch erheblich über gewesen sind. Doch nicht nur als Zierpftanze war die Sonnenrose geschätzt, man wußte sie auch sonst nutzbar zu machen. Der markige Blütenboden ward gleich Attischoken, die jungen Blattstiele wie Spargel zubereitet und dienten — auch ein Zeichen jener sinnlich-abergläubischer Zeit — als Mittel, um Liebe zu erwecken. Aus den großen Samen preßte man ein wertvolles Oel. Da sie sich aber durch den reichlich erzeugten Samen überall fortpflanzen ließ und die äußerst anspruchslose Pflanze überall gut gedieh, kam sie aus den Gätten der Reichen bald unter das gemeine Volk. Die stolze Südamerikanerin sank zur Bauernblume herab und ist es geblieben. Im Lause der Zeit erzog man eine gefüllt blühende und eine solche mit gelber Sckwibc. Auch eine mit hellgelben Blumen hat man gezüchtet. Man hat solche mit schwarzen, weißen und grauen Samenkorn. Außerdeck Niesen- und Zwergformen im Wüchse. Doch ist ihr anscheinend die Fähigkeit zur Erzeugung eines größeren Formen- und Farbenkreises versagt, der anderen Pflanzen, z. B. der verwandten Dahlie, eigen ist. Män hat zwar vor einigen Jahren etwas von einer roten Sonnenblume gehört, aber die Sache stellte sich als Schwindel heraus und auf dir weiße Sonnenblume märten die Gartenliebhaber ebenfalls noch vergebens. Man hat auch den Anbau der Sonnenblume zur Oelgewinnung empfohlen, wie er in einzelnen Teilen Rußlands betrieben wird, doch die Versuche scheiterten an dem zu geringen Ertrage im Verhältnis zu den Unkosten, denn die Wurzelstrünke der Sonnenblume sind selten mit dem Pfluge herauszubringen, sondern müssen ausgerodet werden. Doch ist die Sonnenblume in anderer Weise dem Menschen nütz- lich geworden. In Fiebergegenden, wo der australische Blaugummibaum nicht mehr gedeiht, baut man Sonnenblumen an, die durch ihren enormen Wasserverbrauch das Land austrocknen und somit zur Verbesserung des Klimas wesentlich beitragen. Das weiße Mark der Stengel findet bei dem Bau von Kriegsschiffen Verwendung. Wird nämlich der Stahlpanzer von Geschossen durch- schlagen, so wird das eindringende Wasser von einer Schicht fest- gestampften Sonnenblumenmarkes aufgesogen und indem dieses Äterial aufquillt, verschließt sich dadurch die entstandene Ceffnung in ganz kurzer Zeit von selbst.
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** Wegfall der Losung beim Heereser- gänzungsgcschäft. Die seit längerer Zeit bestehenden, auf Vereinfachung des Hecresergänzungsgeschäfts ab- zielenden Bestrebungen haben durch Aenderung des § 13 des Reichsmilitärgesetzes ihren Abschluß gefunden. Diese Aenderung beseitigt die reicht mehr zeitgemäße Losung. Früher wurde die Reihenfolge, in der die der gleichen Jahresklasse angehörigen Militärpflichtigen auszuheben, also zum Dienste cin&u|tcllen waren, innerhalb eines jeden Aushebungsbezirkes durch das Los bestimmt. Die Freigelosten, deren Zahl in ben letzten Jahren stark zurückgegan- gen ist, blieben zunächst als Neberzählige von der Einstellung befreit, konnten jedoch im Bedarfsfälle innerhalb der zwei nächsten Jahre noch zum aktiven Dienst einberufen werden: geschah letzteres nicht, so wurden sie im dritten Pflichtjabre in der Regel der Ersatzreserve überwiesen. Diesem Verfahren hafteten manche Unzuträglichkeiten an. Zunächst die Unsicherheitb der Frergelosten über die fernere Gestaltung ihrer militärischen Verhältnisse, dann besonders der Umstand, daß manch vollkommen Tauglicher durch den Zufall einer hohen Losnummer vom Dienste frei blieb
uftS für ihn ein weniger Ofeeigneten enxjeffellt fixrbett wußte. Sehr häufig verzichteten denn auch Leute, denen an einem baldigen endgültigen Entscheid ge-eoeu war, auf ihre Losnummer. Die einschlägige Gesetzesbestimmung lautete nunmehr: „Für die Reihenfolge, in der die Militär- pflichti^n auszul)eben sind, ist der Grad dar Tauglichkeit zum Militärdienst maßgebend. Ein Abweichen von dieser Reihenfolge ist nur zulässig zugunsten der in einem Schutzgebiet, der im Auslande lebenden Militärpflichttgen oder auf Antrag anderer Militärpflichtiger, sofern diese ihre sofortige Einstellung wünschen, oder im Interesse einzelner Waffengattungen, an deren Ersatz besondere.Anforderungen zu stellen find."
** Zu der Mitteilung über die Submissionsergebnisse für Betondecke n-Her st eil ung am Mannschaftsgebäude der Maschinengewehrabteilung in Nr. 199 des G. 21. wird uns mitgeteilt, daß die Firma Rautenberg & Co., Frankfurt a. M. Mk. 8181 — und nicht wie berichtet Mk. 10181 — für die Arbeit gefordert hat. Die Angebote können als Maßstab für die Leistungsfähigkeit der Bewerber nicht in Betracht kommen, da es sich um verschiedene Systeme und Patente von Deckenherstellung handelt.
Gabelsberger Stenograp hen-Verein Gießen E. V. gegr. 1861. Nachdem unsere Mitglieder erst am 16. d. M. durch einen sehr interessanten Vortrag des Herrn Alex Karnbach über Gabelsbergers Leben und Streben" erfreut wurden, hielt am 27. ö. M. Her r Bankbeamter Otto Keßler einen Vortrag über „Wechsellehre und Wechselrecht". Der Vortragende verbreitete sich eingehend an Hand der gesetzlichen Erfordernisse eines Wechsels über alles das was auch für die Allgemeinheit in Bezug auf einen Wechsel wissenswert erscheint und erwähnte hierbei sehr treffend, daß gerade die jüngste Zeit gezeigt hat, daß es für die weitesten Kreise von Interesse ist, wenigstens über die elementaren Begriffe des Wechsels orientiert zu fein.
** Zur Einweihung der Gießener Hütte ist unserem gestrigen Berichte nachzutragen, daß auch die Sektion Oberhessen des deutsch-österr. Alpenvereins durch ihren Schriftführer Oberbibliothekar Dr. Heuser dec Sektion Gießen einen telegraphischen Glückwunsch übersandt hat.
' Landkreis Gießen. i ~
? Lich, 28. Aug. Die Beerdigung des am 30. Ium in Pagan (Südfee) verstorbenen PrinzenMaximilian zu Solms-Hohensolms-Lich, Leutnant zur See, findet Mittwoch, den 3. September, nachm. 4 Uhr, statt.
-m. Villingen, 28. Aug. Der hiesige 58jährige Maurer Johs. Pfarrer stürzte so unglücklich vom Scheunengerüst, daß er das Genick brach und sofort tot war.
Kreis Büdingen.
§ Kohden, 28. Aug. Hier entzündeten die Funken der Lokomotive eines Güterzugs heute mittag um 12 Uhr Mi st und Stroh im Hofe der Friedrich Kimpel Witwe. Die Flammen verbreiteten sich mit unglaublicher Schnelligkeit durch den ganzen Hof bis zur gefüllten Scheune. Nur mit größter Mühe konnte man den Brand der Scheune verhüten. Es ist ein schon oft beklagter Mißstand, daß die Bahn hier durch die Ortsstraße führt und an manchen landwirtschaftlichen Gebäuden noch nicht 1 m entfernt vorbeigeht.
Kreis Friedberg.
Friedberg, 28. Aug. Durch den Bahnhassumbau ist hier eine Kolonie polnischer Arbeiter entstanden, deren Mitglieder bestrebt sind, die heimatlichen Gebräuche hier mit Gewalt einzuführerr. So sind seit 14 Tagen Messerstechereien, Wirtshausstreitigkeiten, Ueb er fälle und ©in* brüche an der Tagesordnung. Ihrem Arbeitgeber stahlen die Polen neulich die Lohngelder, am Freitag stachen sie einen Herrn nieder und gestern abend wurde ein Bahnwärter int Dienst von den edlen Polen böse zugerichtet.
= Bad-Nauheim, 28. Aug. Die einzelnen Klassen unserer Ernst^Ludwig-Schule unternahmen heute ihren Jahresausftug in die nähere und weitere Umgebung. Homburg v. d. H. und Saalburg, Arnsberg und Lich, Feldberg, Niederwald, Rhein und Bergstraße waren die hauptsächlichsten Wanderziele.
Starkenburg und Nheinhessen.
rm. Darmstadt, 29. Aug. Ter Rücktritt des Provinzialdirektors Geheimerat Dr. Brei- dert in Mainz gab in der Presse Veranlassung, diese Tatsache mit der Stellungnahme der Regierung gegen das Projekt eines Wasserkraftwerkes bei Gernsheim, das von Breidert bekanntlich unterstützt wurde, in Verbindung zu, bringen. Wie nun amtlich in der „Darmft. Ztg." festgestellt wird, entbehrt diese Annahme jeder tatsächlichen Grundlage, da Dr. Breidert im 45. Dienstjahre stehe und schon im vergangenen Winter den Wunsch ausgedrückt habe, aus dem praktischen Dienst auhzuscheiden.
d8. Darmstadt, 28. Aug. Zu der Ernennung des Dr. Fresenius erfahren wir noch, daß sich der Berufene bereits seit einiger Zeit in Berlin alifhält, wo er informatorisch beschäftigt wird. Die Bank, die errichtet werden soll, ist eine Landwirtschaftsbank für Südwestafrika, die die Aufgabe haben soll, ländliche Siedlungen in der Kolonie mit AmortisationSkrediten zu versehen.
va Offenbach, 29. Aug. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung brachte Stadtv. Ulrich eine Eingabe ein, die sich vorbeugend gegen die ungerechte Heranziehung der Portefeuiller-Heimarbeiter zur Gewerbesteuer richtet und nach der die Verwaltung ersucht wird, auf Grund des Art. 16 des hessischen Gemeindcumlagengesetzes ein Ortsstatut auszuarbeiten, das eine andere Form der Veranlagung der Heim- arbeiter zur Gewerbesteuer enthalten soll. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Ein weiterer Antrag des Stadtv. BruhnS bezweckt die Bewilligung von Mitteln zur Beisteuerung der großen Arbeitslosigkeit, die schon jetzt recht erheblich ist und in Anbetracht der allgemeinen schlechten Wirtschaftslage im kommenden Winter ihren Höhepunkt erreichen dürste. Die Arbeitslosigkeit könnte durch die Ausführung der Arbeiten im Waldpark und Kanalisation, für die allerdings die Mittel noch nicht bewilligt sind, verringert iperden. In Anbetracht der Lage sei man schließlich gezwungen, für diese Arbeiten eine Anleihe auch zu ungünstigeren Bedingungen aufzunehmen. Bei dieser Gelegenheit forderte er, die Arbeitslosenversicherung in Kraft treten zu laffen, die bis auf die formelle Verabschiedung im Plenum vorbereitet sei. Bei Ergreifung dieser Maßnahmen würde man bester fahren, als wenn man die Arbeitslosen der Armenunterstutzung überließ. Der Angeleaenheit soll nach Möglichkeit entsprochen werden.
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