Nr. 67
Erstes Blatt
165. Jahrgang
Donnerstag, 20. März 1915
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werde suche n. Griechen
Tas deutsche Kriegsschiff wird den König der hier in Saloniki ehren. Das erfüllt mich mit
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Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
Bezugspreis: nwimtlich75Ps., viertel- jährlich N!k. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2,—viertel- jährl. ausfchl. Bestellg. Zeileuvrcis: lokal 1b Pf., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August
Gebrochen von Schmerz, teilt der Ministerrat dech Volle den Tod unseres heißgeliebten Königs Georg I. mit. Die verbrecherische .Hand eines Wahnsinnigen: ermordete heute den König in Saloniki und versenkte so die ganze Nation gerade in diesen Tagen der Freude, m denen sich unsere nationalen Wünsche ersüllen, in tiefe Tran er. Der Anschlag wurde heute gegen 5 Uhr nachmittags durch Revolvcr- schüsse aus den König während eines Spazierganges verübt. Der Ministerrat hat diese traurige Botschaft sofort ixmt König Konstantin mitgeteilt.
Ter Täter ein geistesgestörter Grieche.
Nach einer Meldung ans Saloniki ist der Täter ein geistesgestörter Grieche namens Aleko Schinas. Der Revolver war mit sieben kleinen Geschossen geladen.
Der Berliner .„LokalaiMiger" meldet in einer Extra-- ausgabe zum Tode des Königs von Griechenland: Aus Befragen, warum er das Verbrechen begangen habe, ant» wartete der Mörder:
Wir haben T r i l, u n a I e und ick werde, wenn ich abgeurteilt werde, sagen, warum ich ihn getötet habe. Man bringe mich zur Polizei, damit die Vvlksmenge mich nicht mißhandelt: dort werde ich sprechen. ,r _ ...
Nach Mitteilungen aus pol-itrschen Kreas-en Mhens ist der Königsmörder, ein bekannter Anarchist.
Tic Mitteilung in der griechischen Kammer.
Athen, 19. März. Ter Ministerpräsident gab in der Kammer, sichtlich bewegt, den Tod des Königs bekannt. Er pries dessen lange Regierung und hob, seine Verdienste um das Land hervor. Der Ministerpräsident gedachte dann der Verdienste des neuen Königs und forderte die Kammer auf, ihm ihre Huldigung zu erweisen. Es folgte die Huldigung der Abgeordneten und der Tribünen. Hier, nach nahnien die Führer der Opposition das Wort. Sie rühmten König Georg als einen nationalen Märtyrer, der als Schildwache gesallen sei, während er die nationalen Jnteres'en bewacht habe. Ter Präsident der Kammer legte namens der Kammer das Beileid der Nationalvcrtretung an die Stufen des Thrones und drückte dieses auch der Königin-Witwe aus. Die Kammer beschloß, einer Trauer von sechs Monaten zuzustimmen imb stimmte ferner einmütig der Errichtung eines N a ti o n al d e n k-- mals zu Ehren des Königs zu.
Die Wiener „Neue Freie Presse" meldet: In tsalonm sind der Erregung über die Ermordung des Königs Georg 1 3 T ü r l c n u n d Juden z it ni Op f e r gefallen. Sic wurden getötet oder mehr oder weniger schwer verletzt. Jetzt ist die Ruhe wieddrhergestcllt.
Ein Beileidstelegramm des bulgarischen Miuistcrpräsidcnten.
Sofia, 19. März. Ministerpräsident Geschow hat unmittelbar, nachdem er die Meldung von der Ermordung des Königs der Hellenen erhalten hatte, folgendes Telegramm an den Miu isterpräs ideuten V e niz e- los gerichtet:
In diesem Augenblicke empfange ich die furchtbare Nachricht der Elmv'^ung ilnes vielgeliebten und erhabenen Königs, des Verbündeten unseres Herrsck>ers und unseres Volkes nnb möchte Ihnen zum Ausdruck bringen, wie tief wir ihren unendlichen Schmerz teilen. Wir beweinen den e r st e n Förderer unserer heiligen Allianz und sind empörr über das fluchwürdige Verbrechen des Mörders. Meine Kollegen und ich bitten Sie, den Ausdruck tiefer Anteilnahme der königlichen Regierung und der bulgarisckien Nation entgegenzunehmen.
Ter Präsident der Sobranje, Tr. Tanew, hat dem Präsidenten der griechischen Kammer telegraphisch das leb-
cr aber eines Tages, als sich die Tome bei seinem Eintritt erhob und mit einer tiefen Referenz Seine Majestät begrüßte. Sein Inkognito ging ihm über alles. . .
Ein besonderes Steckenpferd des Königs war das Koche n. Mit seinem Küchenchef Achille Ozanne führte er lange Fachgespräche und als er eines Tages aus einem Spaziergang in Paris eine besonders praktische Patent-Bratpfanne erstanden hatte, konnte er der Versuchung nicht widerstehen, sie sogleich für ein Omelette zu probieren. Sein Adiudant mußte also im Hotel Bristol, wo er wohnte, alles Nötige zusammenholen. Und als bann der König in seinen Kochkünsten fortfuhr und auch noch einen Rosinenkuchen bereitete, geriet das ganze Hotel in Aufregung, denn immer neue Aufträge kamen: 4 frische Eier für den König von Griechenland, 1 Pfund Rosinen für König Georg usw. Ter König war übrigens nicht minder praktisch als einfach.
Als Herrscher hat er in. ben schwierigsten Verbciltninen sich zureckckgefunden; als Geschäftsmann hat er in zahlreichen Unternehmungen seinen praktischen Sinn bewährt. Er beteiligte fick ebenso an ben Eisenbahngesellschasten seines Lanbes, wie an einem Hutgeschäft, bas —. freilich ohne Erfolg — ben Zylinder in Griechenland einführen sollte. Ein großer Teil der dänischen Butter, die exportiert wird, stammt von seinen Besitzungen, und ebenso die meisten Korinten in unfern Küchen.
Augenzeugen des Anschlags
geben folgende Einzelheiten: Ter Mörder hielt sich an der Ecke der Dreieinigkeits- nnd Feldstraf e bei dem Polizeikommissariat verborgen. Der König kehrte von einem Spaziergänge zurück und ging auf den Palast zu. Als er die Straße überschritt, schoß der Attentäter ans zwei Schritt Entfernung aus einem Revolver. Bei dem ersten Schuß wollte der Flü g e l ad j ut an t Oberst Fr a nlu dis den Revolver ziehen, sofort schvß der Mörder ans ihn, aber die Waffe versagte. Die beiden kretischen Gendarmen, die dem Könige folgten, stürzten sich auf den Mörder, der keinen Widerstand' leistete. Soldaten kamen den Gendarmen zu Hilfe. Als der Mörder festgenommen war, wandte sich der Adjutant nach d-em Könige um, den er unverletzt glaubte, aber der König war halb bewußtlos zu Boden gefallen und mußte in einen Krämerladen gebracht werden; er k o n n t e k e i n W o r t m e h r s p r e- ch en. Soldaten trugen ihn ins Hospital. Bei dem Mörder wurden Revolverpatromm gefunden: er soll einige Jahre im Auslände gelebt haben, und nach der Besetzung von Sa- loniti durch die Griechen dorthin gekommen sein.
Seit seinem Einzuge in Saloniki Pflegte der König jeden -Nachmittag einen Spaziergang zu machen. Die Umgebung des Königs drang häufig darauf, daß sich der König nicht ohne Leibgarde öffentlich zeige. Aber vergebens. Vor einigen Tagen ist der Befehl gegeben worden, daß vier Gendarmen den König auf seinen Spaziergängen folgen sollten. Tics war ihm so lästig, daß man die Zahl der Gendarmen auf zwei beschränkte, die nur in großer Entfernung folgen durften. Die letzten Worte des Königs waren: Morgen
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Die Ermordung der Königs von Griechenland.
Die Vermutung, daß ein bulgarischer Freischärler der Mörder des Königs Georg sei, die so viel Wahrscheinlichkeit für sich hatte und im Auslande allgemeine Annahme fand, hat sich nicht bestätigt. Es soll sich vielmehr um einen geistesgestörten oder nur halb zurechnungsfähigen verkommenen Griechen handeln, der den nrörderischen Schuß abgefeuert hat. Zwar sind trotzdem Verdächtigungen nicht ausgeblieben: einige Athener Blätter wollen wissen, der Täter habe mit bulgarischen Waffenfabriken in Verbindung gestanden und sei wahrscheinlich zu seiner Tat angestiftet inorden, und da die Untersuchung noch nicht vollständige Klarheit geschaffen hat, läßt sich über die Folgen der Morö- tat noch nicht viel sagen. Die bulgarische Regierung hat sich sehr korrekt benommen und, ebenso wie der Präsident der bulgarischen Kammer, der griechischen Regierung herzliche Anteilnahme ausgesprochen.
lieber die Persönlichkeit des ernrordeten Königs sind noch nachstehende Mitteilungen von großem Interesse:
König Georg galt mit gutem Recht für ben einfachsten Herrscher Europas, ber Piel lieber, als auf den Höhen der Menschheit, sich mitten im Getümmel bes Alltags bewegte. Der schlanke ergraute Herr mit ben blauen Augen, ber den Typus des Dänen nicht verleugnete, war in seinem unauffäügen stillen Wesen, in seiner schlichten Liebenswürdigkeit recht dazu geschaffen, sich als Mensch unter Menschen zu mischen, imb er hat von diesem Recht ausgiebigen Gebrauch gemacht. Seine Minister waren zuweilen entsetzt, wenn sie hörten, baß ber König mir nichts dir nichts in einen Straßenbahnwagen sprang und neben einer Marktfrau Platz nahm: Touristen wunderten sich, ihn mitten unter den Gästen eines Athener Restaurants zu erblicken, wie er seinen Kaffee schlürfte und einem1. Spiel Tarne zuschaute, ober ihn allein, nur von seinem Lieblingshund, einem prächtigen Bernhardiner, begleitet, am Hafen spazieren schlendern zu sehen. Tic Hellenen aber batten sich daran gewöhnt, mit ihrem Herrscher auf so vertrautem Fuß zu stehen, wie mit einem guten Freund: sie grüßten ihn auch wohl mir einer jovialen Wendung, die wir mit „Guten Tag, König!" ub ersetzen würben.
Eine Fülle bezeichnender Geschichten charakterisieren diesen vertraulichen Verkehrston, ber zwischen König Georg und jeinem Volk bestand. Auf einer Reise durch fein Königreich kam er einmal in ein Dorf des Peloponnes, dessen Bewohner, mit ihren weißen Fnstcmellen angetan, ihm zu Ehren N a t i o n a 11 ä n j c aufführten. Der Sclmlze, der die Gruppe der Tanzenden anführte, räumte plötzlich mit freundlicher Handbewegung dem König seine Stelle ein, it nb nun tanzte Georg mit seinen Bauern, was den Jubel immer höher steigen ließ, Ta bemerkte ber Monarch unter ben bimtgelleibeten jungen Mädchen eine in dunkle Stoffe gehülltd Schöne: er näherte sich ihr und fragte, warum sie allein kein festlich Gewand trage. „Ich habe Trauer, Herr," antwortete schüchtern das Mädchen. „Und warum tanzt du denn?" meinte der König. „Mein Vater ist im1 letzten Kriege gefallen," lautete die Antwort. „Aber wir beweinen die nicht, die auf dem Felde der Ehre für das Vaterland sterben." Eine Lakonierin des Alter- Iums hätte nicht besser antworten können.
Wie oft ist König Georg für einen einfachen Bürger gehalten worden! In Paris, wo er tast alljährlich in seiner einfachen Wohnung auf der Place Vendöme einkehrte, trat er gern in den nahegelegenen Tabaklaben, bevor er feinen Spaziergang über bic Boulevards machte, plauderte mit der würdigen Verkäuferin und verabschiedete sich, den Hut lüftend, mit einem liebenswürdigen: „Auf Wiedersehen, Madam!" Höchst unangenehm überrascht war
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Freude und Zufriedenheit.
Athen, 19. März. Die Aufregung und Bestürzung infolge der Ermordung des Königs sind unbeschreiblich. llm Mitternacht waren die öffentlichen Plätze, die Zugänge zu den Ministerien, Behörden und Zeitungsredaktivnen schwarz von Menschen. Niemand will glauben, daß es ein Grieche sein könne, der den heiß geliebten König ermordet habe. Tas Amtsblatt, welches mit einem Trauerrand erscheint, veröffentlicht folgende Note:
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Weisheit Jean Pauls.
* (Zu feinem1 150. Geburtstage.)
Tie nachfolgenden Proben Jean Paulscher Weltkunst, Lebensklugheit und Weisheit sind dem inhaltreichen Buche „Weisheit Jean Pauls" von Wolbemar Jensen entnommen, bas in reizvoller Ausstattung bei I. C. C. Bruns in Minden erschienen ist.
Warum kann der Mensch auf dem schmälen Sonnenstäubchen Erbe, auf dem er warm wird, und währeird ben schnellen Augen blicken, bic er am Pulse ab zählt zwischen dem Blitze des Lebens und dem Schlage des Todes, noch einen Unterschieb marbeit unter Bekannten unb Unbekannten? Warum fallen die kleinen Wesen, die einerlei Wunben haben, und von denen die Zeit das nämliche Maß zum Sarge nimmt, nicht einander ohne Zögern mit dem Seufzer in die Arme: „Ach, wohl sind wir einander ähnlich und bekannt?"
*
Welchen Himmel braucht wohl ein Menschenherz, dem ein zweites verliehen ist? *
Weder Weltteile noch Gräber, noch bic zweite Welt können zwei Menschen zertrennen ober verbinden: sondern nur Gedanken scheiben und gatten die Seele. *
Gerade zwischen den ähnlichsten Seelen sind die Mißhcttig- keiten am peinlichsten, wie Mißtöne desto härter kreischen, je näher sie dem Einklan e sind. *
Nicht das Unglück selbst, sondern bic dazwischen fallenden kleinen Erquickungen und Hoffnungen crr?id)eu und entmannen den standhaften Mut, so wie nicht der barte Winter, sondern bic warmen Tage, bic ihn ablösen, ^bie Gewächse aufreiben.
Wir irrende Menschen gleichen solchen, bic in Staubwolken gehen: jeher von ihnen glaubt, hart um ihn fliege ber dünnste Staub oder gar keiner, nur nM die in einiger Entfernung von ihm sei er dicht und erstickend; *uni> diese denken wieder wie er.
Gleich einem Morgentraume wird das Leben -immer heller imb geordneter unb auseinander gerückter, je länger seine Dauer ist und je näher fein Ende.
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Das erste, was wir am Schmerze — wie am Zorne zu bekämpfen oder zu verschmähen haben, ist seine giftige lähmende Süßigkeit, bic wir oft ungern mit der Arbeit des Tröstens und ber Vernunft vertauschen unb vertreiben.
Aber ihr Mütter, und besonders ihr in den höhern unb freiem Stäuben, benen bas Geschick bas Lasttragen ber Haushaltung erspart, bic es mit einem heitern grünen Erziehungsgarten für eure Kinder umgibt, wie könnt ihr lieber bic Langweile der Einsamkeit imb ber Geselligkeit erwählen, als den ewigen Reiz ber Kinderliebe, das Schauspiel schönster Entfaltung, die Spiele gcliebtcftcr Wesen, das Verdienst schönster und längster Wirkung? Verächtlich ist eine Frau, bic Langweile haben kann, wenn sie Kinder hat.
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Große Völker entstehen nur an großen Menschen. *
Tas Höchste und Edelste im Menschen verbirgt sich und ist ohne Nutzen für die tätige Welt (rote die höchsten Berge keine Gewächse tragen । und aus ber Kette schöner Gedanken können sich nur einige Glieder als Taten ablösen.
-- Das Kaiser-Archiv der Brücke. Aus München wird uns geschrieben: Auf ber ant 28. unb 29. März statt- finbenben ersten Jahresversammlung dieser auf Anregung des bekannten Chemikers Wilhelm Oswald ins Leben gerufenen idealistischen Gründung „Tie Brücke, internationales Institut zur Organisierung der geistigen Arbeit" wirb ber Brückevorstanb beantragen, dem Deutschen Kais e r ein A rchiv in Welt- formet zu überreichen, dessen vielseitiger Inhalt ein klares und übersichtliches Bild von ber glänzenden Kulturarbeit geben soll, die während der Negierungszeit Wilhelms II. geleistet werden konnte. Dieses Kaiser-Archiv wird umfassen: Miller Art Satzungen, Programme und Festschriften, Kataloge, Statistiken, Monographien, wissenschaftliche, literarische und graphische Werke, namentlich aber Drucksachen des Tages. Die zahlreichen Einzel schriften, aus denen bas Ganze bestehen soll, werben geordnet und in geschmackvoll ausgestatteten Sammelmappen verteilt werden. Die bei der Zusammenstellung des Kaiser-Archivs gesammelten Erfahrungen, von denen angenommen wirb, baß sie einen hohen kulturellen Wert haben werde», sollen als Vorarbeit und Giund- lage für bic Verhandlungen anläßlich eines von ber Brücke zu veranstaltenden Welt-Kongresses der Geistesarbeiter gelten.
— E i n !E u g e n -Richter-Denkmal in 2)cr (in. Im Berliner Rathaus waren in diesen Tagen die Entwürfe 511m' Eugen- Richter-Denkmal zu setzen, das am Askanischeu Platz in Berlin ausgestellt werden soll. Eine groß-? Anzahl tüchtiger Bildhauer hctt sich trotz der Schwierigkeiten der Aufgabe beteiligt. Ter erste Preis fiel an Ern st W en ck, der im Norden Berlins ben Gelbzähler-Briinnen geschaffen hat, der zweite an Hugo Kaufmann und ein dritter Preis an Georges SOI0rin. Wenck hat die Schwierigkeit, einen unsre chtstetzenden Mann in Moderner
Tracht ohne groben architektonischen Rahmen auf ein Postament zu stellen, sehr glücklich überwunden. Er deutet die Kleidung, wie es Hildebrand bei dem Kaiser-Friedrich-Denkmal in Bremen getan hat, nur leicht an, lässt aus dein Rock eine Art Toga werden, bic den ganzen Körper sanft umschliesst und der ganzen Figur eine noble Einheitlichkeit gibt. Kaufmann hat, um seiner Figur Halt zu geben, einen runden Sitz angebracht, auf den Richter sich mit der Linken stützt, während der Blick suchend ins Weite gerichtet ist. Sehr kapriziös ist der mit dem dritten Preis ausgezeichnete Entwurs Morins, der Richter-, den Parlamentarier, zu charakterisieren sucht. Untre dem linken Arm trägt er eine Aktenmappe. Tic Rechte greift über die Brust nach dieser Mappe, als ob sie ihr irgend welches Material entnehmen möchte. Die Figur i|t schön durchgeführt und kommt dem Wesen des Mannes, dem sie gewidmet ist, nahe. Das Preisgericht bat die Frage nach der Aussützrung noch offen gelassen. P. W.
— Die deutsche Kunst und Dekoration, die von Hosrat Alexander Kock in Darmstadt herausgegebene treffliche Zeitschrift ber gesamten Gegenwartskunst, beschließt mit bem kürzlich erschienenen Märzhcst ihren 31. Banb. Neben ben zahlreichen, mustergültig gebrückten Abbildungen, unter benen alle Zweige der Kunst vertreten sind, enthält das starke Heft eine Reihe von wertvollen Abhandlungen, von denen wir bic folgenden hervorheben. R. Breuer plaudert über D a s R e i ch b c r Zeichnung, tvozu ihn die 25. Ausstellung. der Berliner Sezession anregte. Höchst beachtenswerte Ausführungen macht Franz Servaes über Alte Städte und moderne Architekten, indem er für unsere heutigen Baukünstler verniinstigerwei.se bas Recht in Anspruch nimmt, nach ihrer Persönlichkeit bauen zu dürfen, damit die gute moderne Kämst auch in alten Städten mit historisch gewordenen Stadtbildern lebendig iverde. lieber neue Arbeiten der Paderborner Werkstätten spricht R. Breuer in einem D i c Sccledes Holzes überschriebenen Aufsatz. Heber D i c königl. bayrischen Fachschulen spricht Tr. E. W. Brcdt und ans zahlreichen Abbildungen erbringt er den Beweis, daß in diesen Schulen mit höchst entwickeltem gewerblichen Verständnis geschaffen wird. Besonders reizvoll sind bic vielen Porzellanarbeiten, Schnitzereien unb Glasgegenstänbe, bic in reicher Auswahl vorgeführt werden. Neben diesen größeren Aufsätzen gehen noch eine ganze Anzahl kleinerer über Glasmalerei. Frauenarbeiten, Plastik, Tas Berliner Opernhaus u. v ci , so baß sich auch bieses Heft, bei bem bescheidenen Preise von 2,50 Mk., seinen Vorgängern würdig und geschnrackooll anschließt.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- scha j t. Unter ber Leitung seiner Vorsitzenden jyrl. Berta P a p - p en he im (Franksirrt a. M> begann im Leipzig die 4. Wer- fantmiung des Jüdischen Frauenbundes,


