Ausgabe 
25.6.1913 Zweites Blatt
 
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eiet Morawetz mar am Erscheinen verhindert), der in nahezu ein- Mrdiqer Rede über Zweck und Ziele des Bundes der Deutschen ltl ^D-?Redne?^ab zunächst einen geschichtlichen Rückblick uberdre Eutwicklnng Böhmens. Nachdem die urivrunghd) keltNchcn und germanischen Völkerschaften ihre Wohuntze verla fern^hqtten, branfl- tcn sich die Tschechen von Osten her cm. Sie nahmen das Nacht­bare ^aud an den Flüssen in Besitz. Ilm aber die Walder nicder- znlcgm, riesen sie den deutschen Bauer. Mit ihm vereint schufen deutsche Handwerker und Gewerbetreibende eine neue KEnr. E. entstand eine Reihe von deutschen Ansiedlungen, und 1348 imirde die erste deutsche Universität gegründet zu Prag C», folgte eine Zeit der Blüte und es schien als ob das deutsche Clement den Sieg über das Tschcchentuni davontragen sollte. Doch dem Barbarismus Mr Hussiten und tschechischen Fanatiker, die mit Feuer und Schwert wüteten, gelang cs, nicht bloß das Deutsch tunt fast gänzlich auszurotten, sondern mich das ganze Land zu verwüsten.' Zum zweitenmal kamen deutsche Bauern, -Kaufleute, Gewerbetreibende und Handwerker. Zu Amang des ^-Jahr­hunderts war der ganze Beamtcnkorper deutsckv xsn letzter Zett aber hat sieb das tschechische Volk erholt heute scheinen die Rollen vertauscht. Es ist an Zahl dem deutsche,t überlegen, wirtschaf^ lich allerdings geringer. Tie Überlegenheit an Bolksmatertal wird zur Erlanguna der politischen Macht benutz«. Man erstrebt mcht. aerinaerä als aanz Böhmen dem Tschechcntum zu erobent, ein eigenes tschechisches Scaatsrccht zu bekommen.. Esistnichtzu leugnen das sie sclwn bedeutende Fortschritte zu verzeichnen haben. Thrs Hauptangriff ist auf Besitz von Grund und Boden gerichtet, und sie werden von den allenthalben gegründeten Vereinen und tschechischen Banken sehr wirksam unterstützt. _ .

Sehr zu statten tarnen ihnen die m manchen Gebieten in starfem Maße austretende Landflucht der ländlichen Bevölkerung deutscher Rationalität und die im. Osten herrschenden kummerlkchen Erwerbsverhältnisse, die das hoher entwickelte und ans^uch^ vollere deutsche Element zur Auswanderung trieb. So drangt das Tschechcntum, das im Innern des Landes eine geschlossene Masse bildet, immer mehr in das Grenzgebiet em und.durassetzt den fett her deutschen Landesgürtel. Man sucht den^reichen Verdienstundibtc Arbeitsmöglichkeitcn ui die Hande zu bekommen, ^ufolge ihrer Anspruchslosigkeit werden die Tschechen zu Lohndrückern schlimmst.r Art Als Folge dieser Entwicklung haben sich die ZustanM' und Verhältnisse in Böhmen sehr zu ungunsten des Deut schtmus aus­gebildet. Von den 25 000 Beamten sind 20 000 tschechisch, im Landesausschuß haben sie die ausgcsprocksenc Maiorrta S<it 1905 ist überhaupt kein deutscher Beamter mehr angestellt worden Tic tschechische Sprache wird im Verkehr der Beamten unter sich und mit der Zentralleitung immer mehr zur Verkehrssprache ^a war es denn die höchste Zeit daß man.sich aufra fttcmib retten suchte, was noch zu retten war. , Im Jahre 1894 wurde der Bund der Deutschen m Böhmen gegründet. Unter 'ehr schwie­rigen Verhältnissen hat er den Kampf gegen die Uebergrifsc- des Tschechcntums ausgenommen, und heute ist er mit seinen KOO Ortsgruppen und über 120 000 Mitgliedern zu emer Macht geworden Er will dem Bauer die deutsche Scholle erhalten, dem Handwerker und Gewerbetreibendcil die zum Leben notige Exrst.n^ Möglichkeit, fbem deutschen Handel die Verdienstinoglichkeit, und dem deutschen Beamten die Sicherheit des Unterkommens rm deutschen Sprachgebiete gewährleisten, überhaupt emc ^-chutztatigkeit am allen Gebieten des nationalen Lebens entfalten. Böhmen darf nicht tschechisch werden. Die Forderungen und grotz, aber sie sind zur Erfüllung unserer deutsch-nationalen Pflichten notwendig. Die Deutschen in Böhmen vertrauen aus die materielle und be­sonders auch aus die moralische Unterstützung ihrer gerechten ^^Nacb einer Pause von 10 Minuten ergriff der Reichs- und Landtagsab'seordneter S ch r eiter das Wo^, um über,,die Be­deutung der nationalen Kämpfe rn Oesterreich für .das Deutschtum in Mitteleuropa" zu sprechen. Er knüpfte an die Worte seines Vorredners und an die Tatsache an, daß er bei einem ertrag in demselben Lokale vor 8 Jahren äußerst liebenstmirdig emp­fangen worden fei. Aber die augenblickliche Begeisterung al nn tue es noch nicht. Er sei darum gekommen, um bie_altcn Be­ziehungen aufzufrischen und dauernd zu gestalten. L-ennwir kennen uns viel zu wenig". Das Gefühl bfr ZusarmncngeW:ig- feit des ganzen deutschen Volkes sei noch nicht in dem .Naße ui das Volk gedrungen, >vie das nötig sei. Man müsse immer mehr erkennen, daß der Kampf der Deutscksen in Böhmen nicht allein ein Kampf für ihre Existenz, sondern vielmehr ein Kamps des DeutfckMrms überhaupt gegen das immer mehr nach Westen vor- schiebende Slawentum mit seinem sprichwörtlich gewvrdenen Mmi- schenübcrschnß sei. Sehr gefreut habe man sich m deutschvolkischcn Kreisen Oesterreichs, als der sonst schnwigsame deutsche Reichs­kanzler Bethpiann-Hollwcg öffentlich im Reichstag aus die Gcmhr hingewiesen habe, die der deutschen Kultur ititb dem Deutschen Reiche durch das Slawentum drohe. Dieser Gesuhr. entgegcn- L-utTCten sei Sache eines jeden, der nationales Gepchl "N Herzen trage. Rur Engherzigkeit könne Tagen:Helft euch selbst . Die Schutzvereine Böhmens hätten in einem ^ahre 3 Millionen zur Erhaltung des deutschen Volkstums aufgcbrackch, und zwar sei dies von dem' Mittelstand und den Kleinen geschehen, .da zeige sich, daß ein gesunder Kern int Volke stecke, ^ber allem konnten sie es nicht fertig bringen, dafür reichten ihre.Kräfte den riesigem, Anforderungen gegenüber nicht aus. Die weitesten .Kreise müssen in ihrem eigensten Interesse helfen, denn das ganze ^.eutsckstum in Mitteleuropa sei gefährdet. Höher als der ^taat müsse das Volk stehen Gerade die Bewohner des Deutschen Reichs mutzten desseii eingedenk sein, daß die Ostmark es gewesen sei, die das Eindringen der wilden asiatischen Völker verhindert und letzten Endes das Aufstreben und Aufblühen des Deutschen Reiches er­möglicht habe. Kein Partikularismus, keine Grenzpsahle, rem Haß, nicht die Zugehörigkeit zu einer Partei oder das Bekenntnis dürsten 'das nationale Gefühl zuruckdrängeit. der Sprach­grenze sei die Gefahr am größten, dort könne sich der (Gegner an den Volkskörper des TschecheutnMs anlehnen. Hier müsse zuerst geholfen werden. Ein deutstches Oesterreich sei aber auch in ivirtschaftlicher und politischer Bezielmng Deutschlands bester Bundesgenosse. Jedenfalls heiße es in dein Rationalitätenkamps alle Kraft msammennchmen. Auf welcher Seite der Lieg sein müsse, sei ihm nicht zweifelhaft. Er vertraue auf die gesunde Kraft des deutschem Volkes. Ein wirtscimtlrch und kulturell so hoch stehendes Volk, das sich seinernationalen Pflichten bewußt sei, lwancbe keine Furcht vor dem Untergang zu haben. Der Redner schloß seine packenden Ausführungen mit emem selbst verfaßten Gedichte, das er in ein Heil des Volkes und Vaterlandes ausflingen ließ. 'Lang andaueriider, wiederholter Beifall.> In die in Umlauf gesetzte Liste zeichneten sich 120 Mitglieder tun. Mit welcher stattlichen Zahl die Ortsgruppe Gießen des Bundes der Deutschen in Böhmen ins Leben trat.

Rechirschutzverband für grauen.

4 Düsseldorf, 22. Juni.

Unter dem Vorsitz von Frau M. Bennewiz s.Hallea.S ) trat hier der Reclstsschutzverband für Frauen zu seiner 3. General­versammlung zusammen, die von zahlreichen Vertreterinnen aus allen Tellen des Reiches besucht war. Rach den üblichen Be- grüÄingsansprackMi wurde der Jahresbericht cntgcgcngenommcn, aus dem h.nvorgeht, daß im vergangenen Jahr über 37 000 Rechtsfälle in den RechlSau-skunstsstellen deS Verbandes erledigt wurden. Reue Auskuustsstellen sind geplant für Swakov mund und Windhoek. Hierauf wurde folgende Erklärung angenommen:

Tie 5. Generalversammlung des Rechtsschutzverbandes für Fragen, dem 07 Rechtssckmtzstellen aus allen Teilen des Reiches angehören, spricht ihr lebl>aftes Bedauern darüber aus, das; also bisher an dem Entwurf nichts geändert worden ist, Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz auf seine in einer Peti­tion niedergelegten Wünsch keine Rücksicht genommen nmrbe, daß also bisher an den Entwiirf nichts geändert worden ist, der die deutsck-e Frau durch ihre Verheiratung ihrer Selbständig fat in bezug mrf Erwerb und Verlust ihrer SttiatSangehörigk-nt beraubt. Die Generalversammluua gibt zugleich der Hoffnung Ausdruck, da ßwenigstens die einschneidendsten Besttmmimgen,

nämlich die, wonach die deutsche Frau bei ihrer Verheiratung mit einem Ausländer die deutsche Staatsangel-örigleit auch gegen il/ren Willen verliert, wodurch sie insbesondere, wenn ihr Mann sie verläßt, und sie der Armut preisgegeben ist, aus dem eigenen Vaterland ausgewiesen werden kann, und die andere Vesttm- mung, nach der sie, wenn ihr Ehemann strafweise die deutsch- Staatsangehörigkeit verliert, gleichfalls dieser verlustig geht, in der dritten Lesung noch gestrichen tverben möge.'

Sodann sprach Frau Camilla Jelliuek (Heidelberg'' überM o- berne Vaters chaftspfl eg e". Die Rednerin streifte die ge­setzlichen Verhältnisse in den einzelnen Ländern unb ncrlangtc als beste Bestimmung die Einführung von öffentlichen Vorschulwu an uneheliche Mütter. Es sei erwiesen, daß bie nueheliclxm Väter meist in jugendlichem Alter ständen mid ind)t in der Sage feien, ausreichend für Mutter und Kind zu sorgen. Wem: der Staat sich der Mütter und der Kinder annehme mtb die Vater zwinge, unter Androhung des Verlustes des Wahlrechts, die staatlich ausgelegten Gelder wieder zurückzuzahlen, so iverden sich die we­nigsten dieser Pflicht im späteren Mter entziehen.

Tr. Voß (Düsseldorf) sprach über die Richtigkeit von Willenserklärungen, die unter dem Einfluß vorübergehen­der Störungen der- Geistestätigkeit abgegeben werden.

Frau Jellinek behandelte dann das Wesen der Rechts­schutz a r b e i t. Schließlich behandelte noch Frl. M e her Dan­zig) die Einzelheiten und Formalitäten des Ma hu Vers äh­rens. Um die Ideen des Verbandes nach außen hin zu fordern, fand eine öffentliche Volksversammlung statt, in der Frau Benne- wiz (Halle) das ThemaDie Frau als Laienrickster" behandelte.

Vereinsnachrichten.

k. Nieder-Weisel, 24. Juni. Ter Gesangverein Männerchor" feiert am Samstag, Sonntag und Montag sein 25. Stiftungsfest und verbindet damit gleichzeitig einen Ge­sangs-Wettstreit.

k. Orten berg, 24. Juni. Der hiesige Turnverein feiert vom 26. bis 28. Juli sein 5 0. Stiftungsfest. Neben Einzelwcttnrncn ist Turnen der Thifler- und Tamenriege, sowie Schülerturnen usw. in Aussicht genommen.

Frankenbach, 24. Juni. Am 20. und 21. Juli Falt der Dünsberg-Sängerbund hier sein 2. BundeSfest ab. Ter Sänger­bund wird auf dem Fest Rfassenchöre und Ouartette vortragen. Der hiesige GesangvereinTeutonia" hat alle Vorbereitungen in bester Weise getroffen.

Lcrn-rvrrt^cherst.

Eine Vorstandsfitzung der preußischen Landwirtschaftskammer.

Wiesbaden, 24. Juni. Unter dem Vorsitz des Ritter­gutsbesitzers Freiherrn v. Waugenheim-Klctn-Spiegel trat heute hier der Vorstand der preußischen Laudwirtschafts'kammem zu einer Tagung zusammen. Au den Vei'haudlungen nahmen meh­rere Räte des Laiidwirtschnftsministeriums, ferner der Ober Präsi­dent von Hessen-Rassau, der Regieiiingspräsibent von Wiesbaden, der Landeslaup-ttnann in Nassau und eine Anzahl andere Ehren­gäste teil. Sämtliche preußischen Landwirtschaftskammern hatten Vertreter entsandt. Rach den geschäftlichen Angelegenheiten wurde die Aufsfellnng von Ausnahmetarifen für Verarbeitungs- fabrikeu sowie eine Frachtermäßigung für Rohkartoffelu, welche an Kartoffeltrocknereien gesandt werden, nach einem Be­richt des stÜttergntsbesitzers Landrats Freilserm v. Ledebour befürmertet. Ter von dem Kammerherrn Freiherr v. Mahre n- holtz erstattete Bericht über die Tätigkeit des Ausschusses für das Arbeiterweseu führte zur Annahme von Grundsätzen, sowie einer erneuten Bitte an die Staatsregierung Um weitere reichliche Mittel im Interesse der Bekämpfling der Landflucht der Landarbeiter. Die Errichtung von Betriebskrankenkassen wurde für die Landwirtschaft als int allgemeinen wenig zweck­mäßig erachtet. Berichterstatter zu diesem Punkt war Landrat a. D. v. Klitzing - Rieder-Zautbe. Die Möglichst bescksteunigte Gründung landwirtschaftlicher H a u s b au ve r c i n c wurde nach einem Vortrag von Frau Elisabeth Böhm empfohlen. Ferner wurde verhandelt über die Bildimg von eigenen Jagdbezirken durch Uebertragung von MiteigeiittlMLaiiteilen und Blenderung des Gesetzes. Tie Verhandlungen wurden vertraulich geführt. An die Verl>andlungen sMießen sich Sitzungen des ständigen Aus­schusses des Landes-ö'koniomieko'klegiirmS und des Verbandes der preußischen Landwirtschaftskammern, sowie in den nächsten Tagen Ausflüge und Besichtigungen in die Umgegend an.

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8 Infolge der schlechten Beschickung der Jung­vieh weiden Zell und Lauterbach und mit Rücksicht aus die vielerorts vorhandenen knavpen Jungviehbestände hat sich der Landmirtschaftskanmier-Ausschuß der Provinz Obcrheffen veranlaßt gesehen, eine größere Anzahl Simmentaler Rinder an- z n k a u f e n , um einerseits die Weiden besser ansznnntzen und anderseits den Züchtern eine günstige Gelegenheit zum Ankäufe guten und gesunden Zuchtviehes zu geben. Für die Jnnaviehweide Lauterbach wurden 25 und für die Jungviehweide Zell 22 Simmen­taler Rinder angekauft. Von den 47 Simmentaler Rindern sind 21 in das Herdbuch, bezw. Jungvichregister eingetragen, die übrigen sind fast alle eintragungsfähig in das L^erdbuch, wenn sie das vor­schriftsmäßige Alter erreicht haben. Es ist beabsichtigt, die Weidc- rinder Ende Augnst auf dem Dersteigerungswege an oberhcssiiche Landwirte zu mäßigen Preisen entweder in Zell ober in Lauterbach abzugeben.

= Ausstellung. Im Jahre 1914 und zwar am 3., 4. unb 5. April wird die Stabt Köln unter Mitwirkung der Lanb Wirtschaftskammer der Rheinprovinz im stäbtischen Schlacht- unb Viehhof eine Schlacht- unb Mastviehausstellimg, verlmnben mit einer Ausstellung von Maschinen, Geräten unb Probukten für Landwirtschaft, Viehzucht unb bas Metzgereigewerbe, sowie eine Ausstellung von geschlachtetem Mastgeflügel veranstalten.

Die Universität Jena zählt in diesem Sommersemester 2060 immatrikulierte Sttibierende. Hierzu kommen 93 Hörer.

Der a. o. Professor unb Direktor des pharmazeutisch- chemischen Labovatoriums an der Universität Königsberg i. Pr. Tr. Erwin Rupp ist zum ordentlichen Professor ernannt trrorben.

<5erid>t$faaL

rb. Darmstadt, 24. Juni. Mordversuch gegen die eigene Frau. Der 36jährige Schornsteinfeger Michael Jäckel aus Kirch-Brombach, wohnhaft in Höchst i. C., lebte in unglück­licher Ehe, mozn wohl nicht zum geringsten die Eifersucht mit Veranlassung gab. Tie Frau hatte wegen wiederholter Mißhand- lnngcn oiicb die Ehescheidungsklage eingcreicht. Als die Frau tim die Osterzell vou einer Fahrt nach Franksutt nach Höchst zurück- kehrte, erwartete sie der ^lngeklagte am Bahnhof und begleitete sie Er forderte sie auf, die eheliche Gemeinschaft wieder ausznnehnien, und als sie auf seine Vorschläge nicht einging, packte er die Wehr­lose am Arm und brachte ihr erst drei Stiche an 4lrm und Rücken bei; auch als die Fran dann am Boden lag, stieß er in blinder Wut immer weiter aus sie los, so daß sie im ganzen 23 Stiche er­hielt, von denen jedoch glücklicherweise keiner tödlich war. Tie Frau war nach 5 wöchigem Krankenlager wieder hergestellt. In der heutigen Verhandlung bestritt der ^Angeklagte jede Tötnngs- absicht und behanvtetc, in Trunkenheit und Erregung infolge des widerspenstigen Verhaltens seiner Frau gehandelt zu haben. Tie Geschworenen bejahten die Frage des vorsätzlichen, nicht mit lieber- legnng ausgeiührten Tötnugsversuchs unter Zubilligung milbernder Umstände. Der Staatsanwalt beantragte darauf 2 Jahre Gefäng­nis. Das Gericht ging jedoch über das Strafmaß hinaus und ver­urteilte den AngeNagteu zu 3 Jahren Gefängnis, ab­züglich 2 Monate für erlittene Untersuchungshaft. Als (träfe erschwerend nahm das Gericht die Brutalität des Angellagten an, mit der er der hilflosen Frau 23 Stiche beibrachte. Als straf­mildernd wurde ।eilte mangelhafte Erziehung und die in der Ver- banblung an den Tag gelegte Reue angesehen. Tier Verurteilte nahm das Urteil an.

Vermischtes.

* Von der Bluttat in Bremen. Die vier Opfer der Bluttat in der Akarieuschule wurden nm Dienstag vormittag beerdigt. Der Lebrer M ö l l m a u n und -die beiden noch schwer verletzten Kinder befinden sich ans dem Wege der Beffernng.

* Post und Reklame. Zu unserer in der 9?ummer vom 20. Juni ds. gebrachten Rotiz über die Abschaffung der von der Post versuchsmeise zugelasfenen Reklame in den Postanstalten schreibt nun die Herold-Plakat-Gesellschaft m. b. H. in Berlin, daß der mit ihr abgeschlossene Vertrag; über Reklame in den Postanstalten nach wie vor in Kraft bleibt.

* Automobilunfall. Ms Wildbad wird gemeldet: In der 9!ähe der Kälbermühle ftthr das Automobil des Fabrik­besitzers Hildenbrandt aus Pforzl>eim gegen einen Baum. Der 18jährige Chauffeur Weigel wurde getötet. Der Beptzer erlitt eine schwere Bcinverletzung, die übrigen Insassen blieben unverletzt.

* A u f der Adlerjagd verunglückt. Aus Inns­bruck wird gemeldet: Am Pia Mott diu au der tirolisck>- schweiKerifchen Grenze ist der Münchener Privatier Edmund Thys­sen, ein Angehöriger der bekannten Judustriellenfamilie, aus der Adlerjagd abgestürzt und tödlich verunglückt. Die Leiche ist geborgen worden.

LingcsQnvt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 24. Juni.

Dem Verschönerungs-Verein sei eine MusteranlageNord- Anlage zwischen Hausimmmer 29 und 31" zur gefl. Besichtigung wärmstens empfohlen. T.

Klein-Linden, 23. Juni. Wirklich traurig ist es, daß für die Beigeordnetcnwahl noch nichts geschehen ist. Es müssen doch nicht immer Throne vererbt werden!

In einem Dorfe ist es sicherlich am Platze, einen Bauers­mann von echtem Schrot und Kvrn zu wählen, der Gewann, Flur, Landivirtschaft und Leute kennt, aufrecht geradeaus gehend, ein freier Mann ist.

Also heraus auf den Plan, Und durch den Gießener Anzeiger und die Ortsschelle bekannt gemacht, wem wir unser Vertrauen schenken sollen. Elle tut Not.

vücherlisch.

Deutschlands Stolz, ein Marsch von Ehr. Hutten­berger. Eine der neueren Kompvsitivnen des geborenen Gießeners Ehr. Hüttenberger ist der schneidige MarschDeutschlands Stolz", welcher eine weitere Vervollkommnung des Mnsllers bedeutet und durch sämtliche Musikalienhandlungen zu beziehen ist. Tas Titelblatt zeigt uns Kaiser Wilhelm mit feinen Söhnen auf dem Wege zur Paroleausgabe. Bei der Kaiserfeier in Bad Homburg wurde der Marsch unter großem Beifall von der Kur­kapelle zum erstenmal gespielt.

* V o n der Post. Anfang Juli erscheint eine neue Nunnner des Postblatts, das eine Beilage zum Reichsanzeiger bildet, aber auch für sich bezogen werden kann. Im Poitblatt, das im Reichs-Postamt zusammengestellt wird, sind bie wichtigsten 23er- fendungsbedingimgen unb Tarife für Postsenbungen aller Art sowie für Telegramme enthalten: Aus die seit dem Erscheinen ber vorangegangenen Nummer (Anfang April) eiugetreteuen Blenderungen wirb in der neuen Nummer durch besonderen Truck (Schrägschrifl) biugemiesen. Das Postblatt kann auch neben anderen, umsangreicheren Hilfsmitteln für bett Verkehr mit der Post und Telegraphie (Postbücher, Post- und Telegraphennachrichten für das Publikum usw.) mit Vorteil benutzt iverden, tveil es diese dis ans die neueste Zeit ergänzt. Ter Bezugspreis des Postblattes getränt für das ganze Jahr 40 Psg., für die einzelne Numnier 10 Pfennig. Bestellungen werden von den Postanstalteu entgegengenonunen.

Märkte.

le. Frankfurt a. M. Schwei neinarktbericht vom 25. Juni. Aiifaetrieben waren 1452 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 55.00-57.00 Alk., Schlachtgewicht 70.00-73.00 Mk., vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 55.0057.00 Mk., Schlachtgewicht 70.0073.00 Alk.; vollfleischige Schweine von 100120 kg Lebendgewicht 55.0057.00 Mk., Schlachtgewicht 70.0073 Alk.; vollfleischigb Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 54.00-57.00 Mk., Schlachtgewicht 7073.00 Mk. Geschäft mittel, bleibt Uebcrftano.

fc. Frankfurt n. M., 23. Juni. (Oria.-Telegr. desGieß. Anz.") Anitliche Rotieruugen der heutigen Frucht markt v rei ie. Weizen (hiesiger) 21.0000.00, Kurhessischer Mk. 21.0000,00, Wetterauer Mk. 00.0000.00. Roggen (hiesiger) Alk. 17.00 bis 17>5 Gerste (Wetterauer) Mk. 00.0000.00, Gerste, Franken, Pfälzer, Ried Alk. 00.00-00.00, Hafer Alk. 17.0019.00, Mais Mk. 15.00 bi§ 15.25, Weizenmehl 0 Alk. 32.5032.75, Weizenmehl I Mk. 30.5030.75, Weizenmehl III Alk. 27.2527.50, Roggen- niehl 0 Mk. 27.7528.00, Roggenmehl 0/1 Alk. 26.5026.75, Roggenmehl I Alk. 00.0000.00, Weizenkleie Mk. 10.60-11.80, Weizenschalen Alk. 11.00-11.15, Roggenkleie Alk. 11.25-11.50, Malzkeime Mk. 13.0013^5, Biertreber 14.0014.2^ Raps Mk. 00.0000.00. Alles per 100 Kg. ab hier.

fc. Fraukfnrt a. M., 23. Jrmi. (Orig.-Telegr. de? w®ieä. Anzeigers".) Karto ffel markt. Man notierte: Kartoffeln in 'Waggons Alk. 4.755.50, im Kleinhandel Mk. 6.006.50 für je 100 Kg.

fe. Frankfurt a. M., 24. Juni. Heu- unb St rohmarkt. Auf dem heutigen Markte waren tueber Heu noch Stroh an- gefabren.

ch. Nicder-Fngelheim, 21. Juni. Spargel- und Obstmarkt. Es kostete ber Zentner Svargcl 1. Sorte 2540 Mk., 2. Sorte 10 Mk., Kirschen 2550 Mk., Erbbeercn 3545 Mk., Stachelbeeren 1530 Alk., JobanniSbeercn 2023 Alk.

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