Um- und ErwmterunssboktLN des italienischen damaligen stadt- bLumersters Battrsta von 1550. Der Turm, durch Feuer und Mtz mehrfach beschädigt, Wird 1783 erneuert. Am Bau selbst nagte mehr und mehr der Zahn der Zeit derart, das? 1 >99 unter KSurg Friedrich Wilhelm III. dem damaligen Posener ^tad: b; um erster bei Strafe ausgegeben wurde, mmmehr die Revifwn 'des Rathauses bald vorzunehmcn. Die endgültige Ausführung der Rnrovatton hat lange auf sich warten lassen. Prächtig und wirkungsvoll sehen wir Ijcutc den ehrwürdigen Bau in neuem Wanze vor unseren Augen, als ein Wahrzeichen aus alter Zeil in einer gewaltig vorwärtsstrcbeuden Gegenwart. Unter dem machtvollen Schlitze des geeinten Deutschen Reiches und der besonderen landesvätcrlichen Fürsorge Euerer kaiserlichen und königlichen Majestät wahrend einer 25jährigen, segensreichen, friedlichen Regierung hat sich, wie unser ganzes deutsches Vaterland, so auch unser Gemeinwesen in einer ungeahnten Weise entwickelt.
Der Redner schloß mit 'einem Hoch auf das Kaiserpaar.
Eine Rede des Kaisers.
Der Kais er erwiderte mit folgender Rede:
Mein lieber Oberbürgermeister! Nehnien Sie für, das Gelöbnis der Treue, welches Sie namens der Bürgerschaft Meiner Residenzstadt Posen hier soeben erneuert haben. Meinen königlichen Dank. .
Was vor hundert Jahren unter der Regierung Meines Ahnherrn die Rot des Vaterlandes auszusühren verbot, das i|t unter Gottes gnädigem Beistände heute zur Wirklichkeit geworden. Durch die Kunst der Bauleute ist diese, altehrwürdige Ratsstätte zu der Pracht früherer Tage wieder erstanden, und gern bin Ich heute 'gefomntcn, dem Bau die Weihe zu geben.
Mit Befriedigung habe ich wahrgenommen, wie ine Stadt Posen sich entwickelt und verschönt hat, seit Ich sie von dem steinernen Gürtel der alten Festungswerke habe befreien können. Eine neue Zeit raschen Emporblühens ist für sie angebrochen. Mit stattlichen Bauten und freundlichen Anlagen, geziert, sieht sie jetzt in neuem Kleide da, und als Zeichen dieser neuen und, wie Ich hosie, glücklichen Zeit hat nun auch ihr Rathaus ein neues Gewand angelegt.
Allezeit sei dieses Haus eine Pflanzstätte einträchtigen Ge- meinsinns und wahrer Vaterlandsliebe. Dann können die, so darin raten Und taten, dessen gewiß sein, daß Meine landesvätcr- liche Huld, als deren Symbol Meine Königskrone dieses Hauses ragenden Turm ziert, sie bei ihrer Arbeit zum Heile der Stadt geleiten wird.
Und so erhebe Ich diesen Pokal, gefüllt mit deutschem Weine, und leere ihn auf das Blühen und Gedeihen Meiner Residenzstadt Posen.
Es folgte ein Rund gang durch das Rathaus. Um 123/4 Uhr verließen die Fürstlichkeiten das Rathaus. Die Kaiserin fuhr nach dem Residenzschlosse zurück, der Kaiser begab sich zum Offizierkorps der Königssäger zu Pferde, wo er an dem Frühstück teilnahm.
Prinz regent Ludwig von Bayern frühstückte am Mittwoch mittag beim Offizierkorps seines' 47. Infanterie- Regimentes und ist nachmittags von den städtischen Behörden im Rathause empfangen worden.
Posen, 27. Aug. Der Reichskanzler machte heute nachmittag um 4 Uhr in Begleitung des Regierungspräsidenten Krahmer eine Fahrt durch und um die Stadt Posen und wurde um 5 Uhr vom Prinzregenten Ludwig in Audienz empfangen.
Mittwoch abend um 7 Uhr war bei den Majestäten im königlichen Residenzschlosse Festtafel für die Provinz Posen. Der Prinzregent Ludwig führte die Kaiserin, der Kaiser die .Kronprinzessin, der Kronprinz die Prinzessin August Wil- ihelm.
Roch Eine Ansprache des Kaisers.
Der Kaiser hielt folgende Ansprache.
Im Namen Jhver Majestät der Kaiserin wie im eigenen Namen heiße Ich Sie, meine Herren, hier in Meiner schönen Pfalz herzlich willkommen. Wir freuen Uns, daß die diesjährigen Manöver Uns für einige Tage in Ihre Provinz geführt haben und mit ihren bewährten Vertretern und treuen Bewohnern in nähere .Berührung bringen, wobei Ich es mit ganz besonderer Freude ; begrübe, daß Mein treuer Freun d u n d Verbündeter, S. K. H. der Prinz-Regent von Bayern die Gnade gehabt hat. Meiner Einladuirg zu folgen und an Meiner Seite an den festlichen Tagen in Posen teilzunehimen. Ich benutze auch gern diese Gelegenheit, nochmals wärmsten Dank zu sagen für die freundlichen Glückwünsche und Kundgebungen der Anhänglichkeit, welche Mir zu Meinem 25jährigen Negierungsjubiläum aus Stadt und Land der Provinz Posen in reicher Fülle zugegangen sind. Heute früh ist es mir vergönnt gewesen, der Weil;« der fertiggestellten Kapelle dieses Meines Residenzschlosses beizuwohnen. Als ein prächtiges Zeugnis deutschen Kunstschaffens bildet sie einen würdigen Abschluß der ausgezeichneten Arbeit, d i e hier geleistet ist. Vollendest ist der festgefügte, harmonisch gegliederte Bau, ein Wahrzeichen landesherrlicher Macht und Fürsorge und lobt seinen Meister. So möge auch die treue Arbeit und Fürsorge, die Preußens Könige der Proviirz Posen in langen Jahren zugewendet haben, mit Erfolg gekrönt werden und die Provinz sich immer mehr zu einem fest gefügten, zuverlässigen Gliede des herrlichen Baues unseres preußischen, unseres deutschen Vaterlandes entwickeln. Mögen ihre Bewohner — gleichviel welcher Nationalität und Konfession —, eng verbunden durch das Band der Liebe zur gemeinsamen schönen Heimat und das Band der Treue gegen König und Vaterland, sich die Errungenschaften deutscher Kultur zu eigen machen und ihres Segens froh werden. Gleich Meinen Vorfahren wird Mir das Wohl Meiner Provinz Posen stets besonders am Herzen liegen. Ich trinke auf eine glückliche und segensreiche Zukunft der Provinz und ihrer Bewohner!
Um 9 Uhr brachte der Provinzialsängerbund von Posen im Ehrenhofe des Residenzschlosses den Majestäten eine Serenade dar. Am Nachmittag fuhren der Kronprinz und die Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm und Oskar im Automobil nach den Ansiedelungsdörfern jenseits der Warthe, allenthalben von den Ansiedlern freudig begrüßt.
Die Sonderbotschast des Präsidenten Wilson über Mexiko.
Washington, 27. Aug. Präsident Wilson verlas heute mittag 1 Uhr im Kongreß die Sonderbotschaft, in der er betonte, Amerika wünsche Mexiko gegenüber im Geiste aufrichtigster, uneigennützigster Freundschaft und im eigensten Interesse Mexikos zu handeln. Tie betrübenden Zustände in Mexiko berührten Amerika nahe. Es werde Mexiko noch beweisen, daß es ihm zu dienen wisse, ohne zuerst an sich zu denken. Die gesamte Welt, heißt eS weiter in der Botschaft, wünscht Mexikos Frieden und Fortschritt. Angesichts des Panamakanals birgt die Zukunft viel für Mexiko. Mexiko kann die besten Gaben aber nur genießen, wenn es sie ehrenvoll genießt. Tie Entwickelung Mexikos ist nur dauernd gesund, falls sie ein Produkt der echten Freiheit einer gerechten und gesetzmäßigen Regierung ist. Wir warteten Monate vergebens auf die Besserung der Zustände. Es war unsere Pflicht, unsere guten Dienste anzubieten. Wilson besprach sodann die Entsendung und die Instruktionen Linds und fuhr fort:
Wir bieten unsere Dienste nicht nur aus Freundschaft an, sondern, weil die Weltmächte rauarten, daß wir als nächster Freund handeln. Die gegenwärtigen Zustände sind unvereinbar mit der Erfüllung der mternationaten Verpflichtungen Mexikos, der zivilisierten Enttvickelung Mexikos und der Erhaltung der wirtschaftlichen und politisck>en Zustände in Zentralamerika. Amerika sehe keine *9 e r c rf) t i g u n g_ für eine Ab - weisungsei nerangebvtenenDiensteundFre uno s chaftt. Alles, was Amerika inzwffckZen tut, müsse in Geduld und
in ruhiger und uneigennü^iger Ueberlegung wurzeln. Ungeduld auf Seiten Amerikas sei unangebracht. Es müsse eine weitere günstige Gelegenheit abwarten, um 'seine Dienste zu erneuern. Allen Amerikanern müfse nahegelegt werden, Mexiko sofort zu verlashen, ihnen müsse dabei geholfen werden. Jegliche Waffenausfuhr nach Mexiko müsse aufhören. Es freue ihn, erklären zu können, daß mehrere Großmächte Amerika moralisch unterstützt hätten.
Wilson teilte gleichzeitig die abweichende Antwortnote Huertas und sein Verlangen mit, daß Amerika den mexikanischen Botschafter in Washington wie auch seine eigene Regierung anerkenne.
Deutsches Reich.
Keine französisch-deutschen Abmachungen über die Bagdad-Bahn.
Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Die Nichtigkeit der Meldungen über eine französisch-deutsche V er stän d i gu n g in den a sia tisch enEisenb ah n fra g en unterliegt sehr starken Einschränkungen. Die deutsche und ranzösische Negierung pflogen über die vom „Tentps" bc^ rührten kleinasiatischen und syrischen Eiscnbahnfragen keine Verhandlungen, auch nicht in Gestalt vertraulicher Vorbesprechungen. Tatsächlicherfolgte nur ein Privater un- verbindlicher Gedankenaustausch zwischen der deutschen und französischen Finanzgruppe, die in der asiatischen Türkei Rechte und Interessen besitzen. Verhandlungen über türkische Interessen führte Deutschland mit Frankreich nicht. ______________________________________
AusLnrrD.
Das Königspaar von Griechenland hat sich für Anfang September bei dem Prinzenpaar Friedrich Karl von Heffen zu einem Erholungsurlaub auf Schloß Friedrichshof bei Eronberg i. Taunus angesagt. Von Eronberg aus nimmt der König von Griechenland auf Einladung Kaiser Wilhelms auch an den Ka isermanövern teil.
Ein österreichischer Ballon in Italien beschlagnahmt.
Der am Dienstag bei Innsbruck aufgestiegene Freiballon „Graf Zeppelin" überflog die italienische Grenze und wurde in Galeriano (Provinz Udine) von den italienischen Militärbehörden beschlagnahmt. Die vier Insassen, sämtlich Oesterreicher, sind fest genommen worden. Das Wiener Auswärtige Amt hat die notrvendigen Schritte eingeleitet.
Heer und Flotte.
Die Neuformationen, die auf Grund der Heere sw orlage am 1. Oktober d. I. zur Aufstellung kommen sollen, werden ohne Ausnahme trotz erheblicher Schwierigkeiten aufgestellt werden können, ^eit Verabschiedung der Heeresvorlage sind erst acht Wochen vergangen und doch konnten infolge umfassender Vorbereitungen alle Vorbedingungen erfüllt werden. In einer Reihe kleinerer Garnisonen, die neu geschaffen werden, werden die Truppen zunächst provisorisch untergebracht werden. Die Abgabe der Stammformationen für neu zu bildende Truppenteile erfolgt sofort nach den Manöoern. Die Lieferungsausschreibungen für Armeebedarf konnten bereits Anfang Juli erfolgen. Es sind zahlreiche mittlere Lose an die einschlägigen Firmen vergeben worden, damit bei der Kürze der Zeit die Lieferungsbedingungen auch innegehalten werden können. Selbstverständlich werden auch die Bekleidungsämter große Posten ihrer Bestände an Einkleidungsgegenständen abgeben. Auch die Gewehr- und Munitionsfabriken sind durch die Heeresverstärkung stark beschäftigt und haben vielfach Arbeiter neu eingestellt. Für die Innenausstattung d erneuen Kasernen werden hauptsächlich die Handwerker der betreffenden Garnisionstädte Bestellungen erhalten, um dem Mittelstände seinen Bitten gemäß entgegenzukommen.
Aus StaSt und
Gießen, 28. August 1913.
Warum die Kundschaft ausbleibt!
Ein hiesiger Kaufmann schreibt uns:
Bor einigen Tagen hatte ich eine Unterredung mit einem Gießener Geschäftsmanne, der sich viel Mühe gab, durch Verabfolgung nur guter und preiswürdiger Waren, durch einladende Ausschmückung seiner Schaufenster und dergleichen mehr neue Kunden zu erwerben und die alten zu erhalten. Seinen weh- mütig 'klingenden Ausführungen entnahm ich, daß ihm dieses nicht so recht glückte. Er erzählte mir, daß er sich keine Ruhe gönne, daß er Tag und Nacht grüble und arbeite, um sein Geschäft aut der Höhe zu erhalten und es so zu gestalten, daß ihm nach feiner Meinung die Kundschaft das Haus erstürmen müßte. Ich kannte nun diesen Gesck-äftsmann ganz genau, kannte auch sein Geschäft und wußte auch, wo hier Hand angelegt werden mußte, um sein Geschäft nutzbringender zu gestalten. Mit Worten wollte ich ihm nicht raten, sondern zog es vor, ihm an einem Beispiel zu zeigen, morauf es im Geschäftsleben so sehr ankommt, um sich das zu sichern was der Geschäftsmann notwendig braucht — nämlich Kundschaft. — Ich schlug dem Herrn vor, mit mir zwei andere Geschäfte zu besuchen, die Heide andere Waren, als er sie vertreibt, seilbieten. Beide Häuser machten schon seit geraumer Zeit wegen der Art der Geschäftsführung einen eigentümlichen Eindruck auf mich — das eine abstoßend, das andere anziehend. Wir machten uns auf den Weg. Es sind zwei gleichartige Geschäfte, die wir besuchen wollten. Die Auslagen sind in den beiden Geschäften die gleichen: die Preise auch. Die Läden haben beide eine gute Lage in verkehrsreicher Straße. Wir traten in einen der Läden ein. Mein Begleiter spielte den Beobacksier, und ick kaufte. Unser Gruß schreckte den Ladenbediensteten von seiner Arbeit auf. Er trat, ohne unseren Gruß zu erwidern, man hörte wenigstens nichts davon, ziemlich ungelenkig auf uns zu. Es schien, als ob die ungewöhnliche Höhe seines Kragens ihn daran binderte, den Mund zu öffnen. Da er nach uuservm Begehr, wie sich's gehört, nicht fragte, sondern uns mit mürrischem Gesicht nur forschend ansah, mußte ich nach einigem Zögern meinen Wunsch ungefragt zum Ausdruck bringen. In der Zeit, in der der Angestellte, ohne ein Wort über die Lippen gebracht zu haben, weggegangen war, um die gewünschten Sachen zu holen, hätte sich mein Begleiter gerne einen Augenblick gesetzt. Leider war aber der einzige Stuhl, der zu erspähen war, so mit Büchern beladen, daß man sich dieses Bedürfnis aus dem Kopfe schlagen mußte. Obwohl die Auslagen gefällig und ordnungsmäßig dem Blicke des Besuchers sich boten, und auch sonst nichts da war, was etwa abstoßend gewirkt hätte, fühlte sich mein Begleiter, wie ich es seinen Zügen ablas, bedrückt und enttäufdit. Der „bedienende" junge Herr trat wieder ein und überreichte mir stumm das Gekaufte. „Zwei Mark fünfzig" klang es dumpf auo seinem Munde. Ich mar angenehm überrascht, denn nun hatte ich doch die Gewißheit, daß dieser junge Herr nicht etwa stumm icar; das wäre in Anbetracht seines schmucken Aeußeren auch schade gewesen. Er nahm das Geld an sich und verschwand wieder, ohne etwas zu sagen, hinter seinem Pult. Daß er uns an die Türe geleitete, konnten wir nicht verlangen, denn wir
waren ja stark genug, um die Türe selbst hinter uns schließen j zu können. Vor der Tür sah mich mein Begleiter stumm an. j Mit Absicht ging ich einer Unterhaltung über das Erlebte aus ! dem Wege. Gleich darauf betraten wir das zweite Geschäft. Hier 1 liefe ich meinen Begleiter vorangehen. Kaurn waren wir cingetrcten, I als mit fröhlichem Gruß und freundlicher Miene ein gut aus- 1 sehender junger Herr auf uns zu trat und höflich nach unserem I Begehr fragte. Ich hatte meinen Wunsch noch nicht richtig ge- I äußert, als er schon hurtig zwei Stühle bereit gestellt hatte, und 1 sich eilenden Schrittes entfernte, um das Verlangte zu holen. I Ein etwas älterer Herr trat aus dem Bureau heraus und kam 1 unter großer Verbeugung zu uns in den Laden. Mein Begleiter I war so angenehm überrascht, daß er dem Geschäftsinhaber, ohne 1 daß er ihn näher kannte, beinahe die Hand gedrückt hatte. Nach I einigen verbindlichen Worten, und nachdem uns der Herr um I etwas Geduld gebeten hatte, ging er wieder orach seinem Bureau, ] indem er noch dem Bediensteten zurief, die Sache etwas zu be- I schleunigen. Wieder sah ich meinen Begleiter von der Seite an. I Ich bemerkte zu meiner Genugtuung, daß sein Gesicht vor Freude I förmlich strahlte. Inzwischen trat der junge Herr wieder ein, I mit einer Beweglichkeit und freundlichem Gesichtsausdruck, als 1 reute er sich darüber, daß er sich für uns bemühen dürfe, sind I als wäre er nur für uns da. Er jrug höflich, ob er uns das? I Gekaufte zuschicken dürfe, was wir verneinten. Beim Weggehen I verabschiedete er uns mit Dankbezeugungen und mit einem Gruß, I die von innerer Wärme und von feurigem Geschäftsinteresse zeugten. 1 Sogar der Herr aus dem Nebenraum war wieder hervorgetreten I und rief uns mit einer einnehmenden und wohl tu enden Ver- 1 beugung ein frisches „Auf Wiedersehen" nach. Stuf der Straße I lvidmete ich mich wieder meinem Begleiter. Er ging nachdenkend I neben mir her. Ich schreckte ihn aus seinen Träumereien auf I mit den Worten: „Nun, Herr X, wenn Sie gelegentlich wieder I ettvas zu kaufen hätten, welches der beiden Geschäfte würden I Sie vorziehen?" Er blieb stehen, drückte mir die Hand und sagte I bewegt: ,^Ich danke Ihnen, Sie haben es geschickt angefaßt, mir I zu zeigen, worauf es im «geschäftlichen Leben antommt." Und I fügte noch einige Bemerkungen hinzu, die von Selbsterkenntnis I zeugten.
Wir wollen nun hoffen, daß einzelne Gießener Ge- j chäftsinhaber nach dem Wunsche des Einsenders von )ieser Geschichte auch etwas profitieren werden. Zu große I Verbeugungen sind ja zwar entbehrlich. Der anspruchsloseste I Kunde aber wird es herausfühlen, wo er freundlich und wo I er barsch und kalt behandelt wird.
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** Bahnpersonal- Nachrichten. Durch Ministeriell- | erlaß ist den förmlich zum Unterassistenten geprüften Eisen- bahngehülfen die Amtsbezeichnung „kommissarischer Unter- | assistent" und den als Aushelfer beschäftigten, förmlich zum 1 Weichensteller geprüften Hilfsweichenstellern die Bezeichnung „kommissarischer Eisenbahngehülfe" beigelegt worden. Verliehen wurde beim Uebertritt in den Ruhestand: das Verdienstkreuz in Gold dem Betriebsfekretär Kucharski zu Gießen, das allgemeine Ehrenzeichen in Silber dem Rottenarbettcr Moos zu Lollar, das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze dem Handarbeiter Birk zu Holzheim. Die
Prüfung bestanden: Stationsaspirant Weißt nger zu Nidda zum Eisenbahnassisteutcn, Lokomotivheizer Fain zu Gießen, Niemeier zu Bebra, Hausmann zu Nidda zum Lokomotivführer. Belohnungen erhielten: Reservelokomotivführer Ben dl er zu Homburg wegen Entdeckung eines Brandes und Verhütung größeren Schadens, Weichensteller I. Klasse Grunz zu Bebra für Abwendung einer Betriebsgefahr, Lokomotivführer Spcitmann zu Engers, weil er ein Kind vor dem Ueberfahrenwerden gerettet hat.
Kreis Alsfeld.
OK. Al sfeld, 27. Aug. Die Arbeiten am Bahn bau in der Nähe von Alsfeld schreiten rüstig vorwärts. Die Firma Werner & Lücke hat jetzt in der Nähe der Lauterbacher Straße einen Trockenbagger aufgestellt, der seit einigen Tagen in Betrieb ist. Dieser hebt jedesmal ca. einen Kubikmeter. Die Erdmassen werden mittels einer Feldbahn eine Strecke weit fortgebracht und dort aufgefüllt. lieber das sog. Jngeltal wird ein ca. 9 Meter hoher Damm aufgefüllt, der von einer aus Beton hergestellten Durchfahrt und einem ebenso hergestellten Wasserdurchfluß durchbrochen wird. Die Uebersührungen an der Altenburger Straße und die Schwalmdurchlässe gehen ihrer Vollendung entgegen.
Kreis Wetzlar.
— Hohensolms, 27. Aug. Bei dem am Sonntag, 31. August, hier stattfindenden Mission8 fest wird der frühere Pfarrer von Hohensolms, Pfarrer Löhr aus Elberfeld, die Festpredigt halten und Missionar Diehl aus Neuguinea erzählen. Missionar Welsch, ein Kind unserer Gemeinde, wird vor seiner Ausreise nach Neuguinea eine Ansprache halten. Eine in mehreren Blättern erschienene Notiz über das Missionsfest beruht auf einer falschen Berichterstattung.
Hessen-Nassau.
Wem gehört der Altkönig?
Es sind recht verzwickte Verhältnisse, die dort oben auf dem grauen Taunushüter obwalten, so eigenartig, wie sie glücklicherweise nur noch selten in deutschen Landen zu treffen sind. Der Altkönig ist nicht preußisch und doch preußisch, nicht hessisch und doch hessisch. Auf den Höhen des Berges besitzt die jetzt hessische Gemeinde Steinbach ein 223 Morgen großes Waldgebiet. Steinbach hat bis 1810 recht oft seinen Herrn wechseln müssen, cs war nacheinander Besitz von Münzenberg, Falkenstein, Eppstein, Stolberg, Hanau, Hessen-Kassel, Frankreich (1806—10): seitdem liegt es als Exklave inmitten preußischen (bezw. bis 1866 nassauischen) Besitzes. Das Altköniggebict war ehedem Kronberger Markwald, in dessen Besitz sich viele Orte teilten. 1809 wurde der uralte Waldvertrag aufgelöst und 10 Gemeinden teilten sich in die 3370 Morgen Wald; hiervon bekam die hessische Gemeinde Steinbach 223 Morgen. Der Herzog von Nassau behielt sich im Vertrag zahlreiche Rechte und Nutzungen über das Steinbacher Gebiet vor, ein Recht, das 1866 von Preußen übernommen wurde. Daraus haben sich nun ganz' merkwürdige Verhältnisse entwickelt, und zwar: Das Gebiet, Wald und Wild gehören Steinbach, die staatlichen Rechte übt aber Preußen aus, die kommunalrechtlichen Befugnisse liegen in Eronberg. Die Forstverwaltung bewirkt die hessische Oberförsterei Obereschbach, den Wildschutz aber übt die preußische Polizei in Eronberg. Die Jagdverpachtung steht Steinbach zu, aber der Jagdschein muß in Preußen gekauft werden. Jagdpächter sind diesmal Cronberger Herren. Eronberg heimst natürlich die Grundsteuer ein, wie auch die Wies-, badener Landwirtschaftskammer die üblichen Kammer-^ beiträge von Steinbach heischt. Den Förster darf natürlich Steinbach wieder besolden usw. Um diesen eigenartigen Ver-§ hältnissen ein.Ende zu machen, bemühen sich jetzt die Steins


