Ausgabe 
28.8.1913 Erstes Blatt
 
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Nr. 201

Erstes Blatt - 165. Jahrgang

Donnerstag, 28. August 1915

biä vormittags 9 Uhr.

SeschäflLstele Bübingen, Bahnhofftrahe (6a.

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Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.

Tagcskalcnder aus dem Jahre 1813.

28. August. Schwieriger Marsch der hessischen Brigade durch das überschwemmte Queitztal nach Lauban.

Spekulationen der Bankangestellten.

Die Unterschlagungen des Untcrdirektors und Kollektiv- prokuristen Steeg, der die Düsseldorfer Filiale des Schaas- hc 'en scheu Bankvereins um 239 000 Mk. geschädigt hat, ha­be: starkes Aufsehen erregt, einmal weil es sich um eine so beträchtliche Summe handelt, und weiter, weil dies ja nicht der erste Fall derartiger Unterschlagungen beim Schaashau- senschcn Bankverein ist. Wie schon früher bekannt wurde, hatten die wiederholten Unterschlagungen bei diesem Bankin- stilul eine Verschärfung der Kontrollorganisation zur Folge gehabt, der cs ja auch zu verankcn ist, daß die erst aus dem Juli ds. Js. hcrrührendcn Unterschlagungen des mit bemer­kenswerter Schnelligkeit sestgcnommcnen Steeg so schnell ent­deckt wurden. Bei dem Schaafhausenschcn Bankverein ist eine Kontrollmaßnahme eingeführt worden, die jetzt wohl bei den meisten größeren Bankinstituten angewendct werden dürfte, daß nämlich, -sowie ein Angestellter seinen Urlaub antritt, Revision seines Ressorts erfolgt. In der Leitung der Ber­liner Dcpositenkassc findet ferner ein häufiger Austausch der Depositenkassenvorstehcr statt, und jetzt soll auch für die Lei- !ung der Provinzsilialcn eine schärfere Kontrolle in Aus­sicht genommen sein, nachdem sich die bisherige, wie der Fall Steeg gezeigt, nicht als ausreichend bewährt hat.

Der in Donaueschingen sestgenommene Steeg hat be­kanntlich, um Börscnverluste zu decken, die er durch bei ver­schiedenen Banken eingegangene Spekulationen erlitten hatte, Unterschlagungen von Wertpapieren begangen, die der Düs­seldorfer Filiale des Schaafhauscnschen Bankvereins anver­traut waren. Die Frage liegt nun sehr nahe, wie Steeg überhaupt die Möglichkeit zu seinen Spekulationen erlangt hat, da ja, wie bei früheren Unterschlagungen dieser Art -bekannt geworden ist, auf Anregung des Zentralverbandcs des deutschen Bank und Bankicrgewcrbes seinerzeit die Ver­einbarung getroffen würbe, daß Bankangestellte nur dann Geschäfte bei anderen Firmen machen dürfen, wenn sie die ausdrückliche Genehmigung hierzu von Seiten ihrer Chefs beibringen. Das heißt, die Bankbeamten können bei der Firma, in der sie tätig sind, spekulieren, da ja hier die Lei­tung des Unternehmens die Kontrolle über die Angestellten behält und die Höhe ihrer Engagements überwachen kann; Spekulationsgeschäfte bei anderen Firmen sollen dagegen be­sonderer Genehmigung bedürfen und werden wohl aus nahe­liegenden Erwägungen zumeist grundsätzlich verboten wer­den. Wie war es nun möglich, daß Steeg ohne Wissen der Bankleitung bei anderen Firmen spekulierte? Das Geheim­nis liegt hier in dem TitelSubdircktor". Die vorhin er­wähnte Vereinbarung im Bankgcwerbe bezieht sich nur aus die Angestellten, zu denen die Direktoren der Bank nicht ge­rechnet werden. Steeg war zwar kein wirklicher, sondern nur ein Titulardirektor, aber die Banken, die mit ihm arbeite» ten er betrieb seine Geschäfte vorsichtigerweise mit mehre­ren, um so die Höhe seiner Engagements zu verdecken

Lilhard Mitscherlich.

Zu seinem 50. Todestage, 28. August.

Am 28. August vor 50 Jahren starb einer der größten Chemiker, die den Lehrstuhl für Chemie an der Berliner Uni­versität inne gehabt haben: Eilhard Mitscherlich. Mitscherlich, der am 7. Januar 1791 zu Reuende bei Jever geboren wurde, gelangte auf einem seltsamen Wege zur Chemie. Ursprüng­lich wollte er Sprachwissenschaften studieren. Auf Rat feines Onkels, des Göttinger Professors Mitscherlich, entschied er sich für die orientalischen Sprachen und begab sich nach Paris. Als 20jährigcr war er schon soweit, daß er Aussicht darauf hatte, mit einer Gesandtschaft Rapoleons nach Perfien zu gelangen, aber der Wirbelsturm der Freiheitskriege stürzte alle Pläne Mitscherlichs um. Er begab sich 1814 nach Göt­tingen, um Medizin zu studieren, weil er glaubte, als Arzt im Orient seiner Sprachliebhaberci Folge leisten zu können, doch mußte er beim ärztlichen Studium auch Chemie trei­ben, und dieser Gegenstand fesselte ihn so, daß er sich ihm dau­ernd zuwandtc. Als er sich in Berlin als Privatdozent nie» derlassen wollte, machte er eine Bekanntschaft, die entschei­dend für sein ganzes weiteres Leben werden sollte: er lernte B c r z c l in s, den großen schwedischen Chemiker kennen, und dieser erkannte bald in Mitscherlich den großen Forscher. Bcr zelius schlug dem Minister von Altenstein vor, den jungen Mitscherlich, der noch nicht eine einzige Arbeit veröffentlicht hatte, als Klaproths Nachfolger zum Ordinarius der Chemie an der Berliner Universität zu berufen. Das tar. Altenstein zwar nicht gleich, wohl aber schickte er Mitscherlich mit einem Reisestipendium nach Stockholm zu Berzelius; als Mitscher­lich 1822 von Stockholm nach Berlin zurückkehrte, wurde er zum außerordentlichen Professor. Bis zu feinem Tode war er an der Berliner Universität als Lehrer tätig.

Seine Lehrtätigkeit stand aber hinter seiner Forscher- tätigfeit zurück. Drei Gebiete find es, auf denen er forschend tätig war: auf dem chemisch-kriftallographischen, auf dem der organischen Chemie und auf dem geognostischen Gebiete. Als Mineralchemiker hat er eine ganze Reihe wichtiger Entdeckun­gen gemacht, und die wichtigste glückte ihm gleich im Anfang bei seinen Untersuchungen über Phosvhorsäure und Ärsen- fäure, nämlich die Entdeckung der Isomorphie: die Atome des

zogen cs offenbar vor, ihn als vollwichtigen Direktor anzu- fehen, denn zum Schluß streicht jede Bank gern Provision ein.

Aber noch ein weiterer merkwürdiger Umstand ist im Falle Steeg zu verzeichnen. Wie von der Direktion des Schaasshausenschcn Bankvereins festgestellt wurde, hat Steeg in seiner früheren Stellung als Prokurist eines großen Ber­liner Privatbankhauses bereits ganz erhebliche und zwar un glückliche Spekulationen betrieben, und obwohl er aus jenem Bankhause mit Hinterlassung einos umfangreichen Deb-et- saldos ausfchied, ist ihm von der Firma ein günstiges Zeug­nis ausgestellt worden, in dem von jenen Dingen, die doch für die Beurteilung eines in verantwortlicher Stellung be­findlichen Bankbeamten sehr wesentlich find, nichts zu lesen war. Tie Direktion des Schaafshausenschen Bankvereins hat denn auch bereits erklärt, daß sic gegen jene Firma eine Regreßklage anstrengcn will, über deren Aussichten sich jetzt natürlich noch nichts sagen lätzt, schon weil die näheren Um­stände und vor allem der Wortlaut des Zeugnisses nicht bekannt sind. Anscheinend beruht der hcikcle Punkt bei diesem Zeugnis darin, daß zwar keine falschen Angaben gemacht, wohl aber wesentliche Umstände, nämlich besagte un­glücklichen Spekulationen und ihre noch nicht erfolgte Deckung, verschwiegen wurden. Der Schaafshausenschc Bank­verein gründet seine Regreßansprüchc nun darauf, daß es sich hier um einen wesentlichen Umstand handele, dessen Verschweigen in dem Zeugnis die Auskunft zu einer irre­führenden mache.

Bleibt der Ausgang dieser Regreßfrage, die vom juri­stischen Standpunkt pus jedenfalls sehr interessant und unter Umständen von grundsätzlicher Bedeutung sein kann, ab­zuwarten, so wird hieraus jedenfalls für alle Banken eine Mahnung zur Vorsicht bei der Ausstellung von Zeugnissen zu entnehmen sein. Weiter aber sollte man sich im Bankgewerbe ernstlich überlegen, ob es wirklich eine be­rechtigte Maßnahme ist, daß man der Masse der Bani- angestellten die Spekulationen bei anderen Banken für eigene Rechnung verbietet, sie den Direktoren und Oder- beanrten aber freistellt. Der Schaafl-auscnsche Bankverein ist nicht der cin^icjc, der die Folgen davon gespürt hat, daß hier ohne ersichtlrchen Grund mit so ungleichem Maße ge­messen wird.

Der KreuzerEmden" vor Nanking von den Aufständischen beschossen!

Berlin, 27. Aug. Rach einer telegraphischen Meldung des Chefs des Kreuzergeschwadcrs wurde der Kreuzer Emdcn" von den Rebellen in dem besetzten Fort bei Wuhu mit Geschütz und Gewehrfeuer beschossen. Der Kreuzer erwiderte sofort das Feuer und brachte mit 25 Schuß das Fort zum Schweigen.

Es hat also, von den Rebellen provoziert, ein regelrechter Kamp! stattgefunden, bei dein, so schreibt dasB. T.", der kleine Kreuzer sich als der Stärkere erwiesen hat Es verstand sich von selbst, daß das Feuer auf der Stelle erwidert wurde. Ter Sfr einer konnte nicht daran denken, diese Ausgabe den chinesischen Behörden zu übertragen. Diese würde natürlich die Verantwortung für die von Rebellen begangene beispiellose Bölkerrechtsverletzung abgelehnt haben. Zudem waren sie gar nicht im Stande, eine sofortige Bestrafung der Aufständischen vorzunehmen, mit denen sich die Regierungstruppen am Bangtse noch immer mit ungenügendem Erfolge herumschlagen. Tie deutschen Schiffe siird also auch bei

Phosphors und die des Arsens kristallisieren in ihrer Kali­verbindung, wie er zuerst erkannte, in der gleichen Form, und diese Entdeckung konnte er verallgemeinern. Auf der Reise durch Schweden machte er in Falun eine wichtige Be­obachtung, als er die Schlacken bei der Kupferverhüttung un­tersuchte: er fand darin nämlich Kristalle, die nichts anderes waren, als Augit, Olivin, Glimmer usw., und sogleich durch­zuckte ihn der Gedanke, es müsse möglich sein, aus feurig- flüssigen Massen in rascher Zeit Mineralkristallc künstlich zu erzeugen, die, wie man solange angenommen hatte, zu ihrer Bildung lange Zeiträume brauchten. Seit dieser Entdeckung stellt der Chemiker im Schmelztiegel künstliche Mineralien her. In den 30er Jahren kam er zu seinen großen Ent­deckungen in der organischen Chemie. Es gelang ihm, die Benzösaure zu spalten, und das Spaltungsprodukt heißt seit seiner Entdeckung Benzol. Durch Auflösen des Ben­zols in Salpetersäure erhielt Mitscherlich das Nitrobenzol, und aus dieser Entdeckung entwickelte sich eine gewaltige In­dustrie:Tie Anilinfarbstoffe," so sagt A. W. o. Hofmann, sind Kinder des Benzols, an dessen Wiege Mitscherlich ge­standen und welche die erste große Etappe auf feiner farben­reichen Laufbahn, dem llebcrgang in Nitrobenzol, gleichfalls unter Mitscherlichs Führung erreicht hat." Tas dritte Ar­beitsgebiet Mitscherlichs hängt mit der Mineralogie eng zu­sammen. Mitscherlich hatte sich schon frühzeitig mit Spe­kulationen über die Bildung der Erdoberfläche beschäftigt, und allmählich wurde hieraus ein sorgfältiges Studium der oulkanischen Erscheinungen, der Geisire, der Erzgänge und der Mineralauellcn, und auf allen Reisen, die Mitscherlich unternahm, beschäftigte er sich mit solchen Untersuchungen. Mitscherlich hat fast alle vulkanischen Gebiete Europas be­sucht, er war in der Eifel, wie in Böhmen, am Mont Tore, am Vesuv, am Aetna, auf Stromboli, auf der Insel Ischia, aber sein Leben reichte nicht aus, die gewaltige Arbeit, dtc er sich vorgenommen hatte, zu beenden. Einzelne Teile seiner Arbeit über den Vulkanismus sind jedoch aus seinem Nach­lasse veröffentlicht worden.

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Das Pettenkoferhaus München, das zur dauernden Erinnerung an den großen Hygieniker errichtet werden soll und das die wissenschaftlichen Vereine Münchens, in erster Linie die ärzllichen Vereine aufzunehmen bestimmt ist, ist nach de»

etwaigen weiteren Angriffen der Rebellen auf den Weg der Selbsthilfe angewiesen. Ob es noch zu solchen kommen wird, ist ungewiß, da nicht bekannt ist, ob noch andere Forts an der von der ..Emden" zu durchfahrenden Strecke sich in den Händen der Rebellen befinden. Immerhin dürfte der Erfolg des gestrigen Abenteuers die undisziplinierte Gesellschaft der Vangtscrebellcn etwas cingeschüchtert haben.

Man vermißt in der amtlichen Depesche aber eine Angabe, daß irgcndeltvas zur Unterstützung des angegriffenen Kreuzers eingeleitet wurde, daß etwa der >brcu.zcrSckxrnllwrst" ihm zu Hilfe gesandt ist, überhaupt welche Maßnahmen der (Sbet des Krenzergeschwaders ergriffen hat. Tic Beziehungen znnschcp den Rebellen und derEmden" sind, wie erinnerlich, schon seit langer Zeit gespannt. Dem Kreuzer wurde bereits in der vorigen Woche die Beschießung angcdroht, angeblich, weil er die Stellung der Aufständischen aus dem Nankinger Löwenhügel angegriffen Hobe. Das war eine plumpe Unwahrheit. 9lbcr die Frage, ivarum die Rcbellensührer gerade gegen die Deutsären auf dent Aangfte und gegen sie allein so sehr aufgebracht sind, bildet noch ein sehr dunkler Punkt.

Die Posener Kaifertage.

Einweihung der Kapelle im Residenzschloß.

Arn gestrigen Mittwoch vormittag um 10Vs Uhr wurde in Posen die Kapelle im kgl Residenzschloß durch einen liturgischen Gottesdienst feierlich etngeweiht.

Der nicht sehr große, aber holsc Raum, ganz in Marmor und herrlichetn Glasmosaik, ist ein Meisterwerk romanischen Stils. Der große Christuskopf in der Altarnische, die Fi­guren der Propheten und Apostel, die Wappen der Provinz Posen, treten aus dem schweren, goldenen Hintergrund in fein abgetönten Farben hervor. In jeder der beiden Ecken, schräg gegenüber vom Altar, erhebt sich ein brcitsitzigcr> hochlehniger Thron über einigen Stufen. In der Lehne des für den Kaiser bestimmten Thrones sieht man den Reichs­adler, in dem der Kaiserin das Jerusalemkrcuz. Auf dem ersten Thron nahm der K a i f e r zwischen dem Kronprin­zen und dem Prinzen Eitel Friedrich Platt. Auf dem zweiten Thron die Staifertn zwischen der Krott* Prinzessin und derPrin z'c s s i n Ä u g u st W i l h e l m. In der Umgebung des Kaiserthrones saßen ferner die Prin­zen August Wilhelm, Oskar und Joachim,.der Reichs­kanzler, Fürst Fürstenberg, Graf v. Wilczek, Oberhof­marschall Graf Eulenburg, Generaloberst v. Plessen und Herren des Gefolges.

Der Kaiser iüberreichte nad} dem Gottesdienst dem Maler Professor O et ke n-Berlin persönlich den Kronenorden zweiter Klasse.

DaS Kaiserpaar im Rathaus.

Gegen 12 Uhr fuhr das Kaiserpaar im offenen Straft» tvagen bei prächtigem Wetter vom Schlosse nach dem Rat- hausc. Oberbürgermeister Dr. Wilms hielt dort eine An­sprache, in der es hieß:

Euere kaiserlichen und königlichen Majestäten bitte ich, den ehrfurchtsvollsten Dank der Bürgersck)aft huldvollst entgegenzn- nchmen für die hohe Ehre, die der Stadt durch den Besuch Euerer Majestäten auf dem alten Rathause zuteil roirb.

Es ist ein historischer Boden, auf dent wir stel-en. Nicht allzu­lange nach der Zeit, als im Jahre 1253 Thomas von Aubcn deutsche Kolonisten zu einer Siedlung nach magdeburgischem Recht zum westlichen Ufer der Warthe bei Posen führte, ward auch mit dem Ban eines Hauses für den Rat begonnen. Durch Feuer und Zeit beschädigt, erstand das Haus in neuem Glanze durch die

Münch. Med. Wochenschr." jetzt soweit fundiert, daß noch in diesem Jahre die Ausarbeitung der endgültigen Plane in Angrift ge­nommen werden kann. ES ist zu hoffen, daß, wenn im Jahre 1917 der große internationale medizinische Kongreß in München tagen wird, das Pettenkoferhaus im Betrieb sein und seine dann dringend nötigen großen und modernen Hörsäle dem Kongreß zur Bersügung stillen roirb. Das Pettenkoserhaus wird auch sonst den auswärtigen Aerztcn zugute kommen. Kollegen, die sich besucktswefte in München aushalten, roirb es gastlich osfenstehen, die reichhaltige Bibliothek und das Lesezimmer des ärztlichen Vereins München, die jetzt schon viel von auswärtigen Aerzten benützt werden, rc erben nach ihrer systematischen Ausstellung in den künftigen Bibliothekräumen in noch viel ausgedehnterem Maße der Allgemeinheit nutzbar ge­macht werden können. Zur Förderung des Unternehmens, das zu seiner würdigen Durchführung noch reichlicher Geldmittel be­darf, hat die bayerische Staatsregierung eine große Geldlotterie genehmigt.

Gin Naturtheater in den Vogesen. Aus Straßburg i Els. wirb uns geschrieben: Im Wildromantischen Fcchttal zwischen jäh abstürzenden Bergrücken und unruhig sich auftürm enben, rnoosübersponnenen Granitblöcken liegt die Freilicht­bühne, auf der Hans Karl Abel, der elsässische Dichter, seine BauerntragödieDie silbernen Glocken vom Jlien- kovf" durch Bauern und Bäuerinnen des Münstertals aufführen läßt. Das Motiv zu dem Stück bildet die alte elsässische Sage von den Drei silbernen Herdenglocken. Ein Bauer hat in seinem Herzeleid über die innere Zerrissenheit feiner Heimat diese Glocken in der dunklen Bergerbe des Jlienkopies vergraben; wenn die höchste Not über das Münstertal ausbricht, werben sie zu läuten beginnen unb dem Elsaß Retter und Helfer zusammcnrusen.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Dem Bildhauer Ludwig Cauer in Kreuznach ist der Professortitel verliehen worden. Aus Anlaß des hundertsten Todestages Theodor Körners wurde in Barmen auf der Höhe der romantisch gelegenen Anlagen im Fischertal ein Denkmal errichtet. Es ist ein Werk des jungen Düsseldorfer Bildhauers C. M. Schreiner. Auf einem schlanken Obelisken, dessen Vorderseite ein Medaillonbildifts des Dichters, sowie Sprüche aus seinen Werken zeigt, steht eine modern stilisierte Statue Jung-Deutschlands. Tas Tenkmal kam durch sahrelanges opferwilliges Sparen einer durchschnittlich nur aus 20 Mitgliedern bestehenden Dilettantenvereinigung zustande, nämlich des Barmer Dramatischen Vereins Theodor Körner. Tie bur­leskeHeimkehr des Odysseus", zu der Leopold Schmidt aus Oft'enbachschen, Melodien die Musik zusammenge- ftellt und Karl E11linger und Erich Motz den Text verfaßten, ist, wie uns aus München geschrieben roirb, in stark gekürzter Form und von drei aus zwei Akte gebracht, bort im Künstlertheater au'geführt worden. Sie hatte im Gegensatz zu Frankfurt, wo die Urauftührung als Dreiakter staktfand, eine recht beifällige Aufnahme,