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25.6.1913 Erstes Blatt
 
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A'E«. ^Erstes Blatt 163. Jahrgang Mittwoch, 25. Zum M

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Fernfprech - Auschlujie: M w v Ä B3 3 Yhefredakteur: i?l Goetz,

für die Redaktion 112, fiSEjr Verantwortlich für den

Verlag u. Expedition 51 ZS" . L e * ee ir ** polltischeu Teil^ August

aM»: General-Anzelaer für Oberbessen

Annahme von Anzeigen u«k n t v -» v <3 V 4*TI W ^c»erichtchnvt^: ü. Neu-

für die Tagesnununer a ottsorua und Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und 51eindruckerei R. Lange. Reöaftion, Expedition und Druckerei: Zckulftratze 7. E^'-^E Le^ ^r den " ll"t- ee^äfßftenc Bfiömgeti. vahnhosjirotz« 16a. Ä'Ä

Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.

Gerhart Hauptmann und die Unberufenen.

Der Orkan, der Gerhart Hauptmanns Schiff jetzt auf den politischen Ozean hinausgetrieben hat, ist gewaltig angewachscn. Der Goethebund in Breslau, der Mvnistenbrmd in Heidelberg unb, am Montag abend, eine Protestversamm- lung des Schuh verband es deutscher Schriftsteller in der Reichshauptstadt haben ins Horn gestoßen, um dem Dichter ZU helfen. Wir meinen, solche großen Versammlungen kön­nen weder die heikle literarische Frage lösen, pioch an dem Breslauer Mißklang etwas ändern. Prof. Tr. Kauff- m a n n in Breslau hat in der dortigen Goethebundversomm- lung keine sehr klare Haltung eingenommen. Er verteidigte den Beschluß der Magistratsveriammlung. die das Haupt- mann'sche Stück von der Aufführung abgesetzt hat nnÄ meinte, hier sei kein Vorwurf berechtigt. Er vrotestierte aber gegen den Zwang, der von höfischer Seite geltend gemacht worden sei. Als ob dieser Protest nicht am wirk­samsten zur Geltung gekommen wäre, wenn man dem Pro­tektor gegenüber fest auf seinem Standpunkte geblieben, wäre! Wenn man einen Protektor überhaupt wollte und brauchte, so darf man doch wohl nicht von ihm fordern, daß er sich ganz seiner Meinung und Wünsche enthaften solle. Ob die Berliner Protestversammlung, deren Motto ..Gerhart Hauptmann und die Unberufenen" war und in der Herr Ulrich Rauscher den Vorsitz führte. Dr. Arthur El o e s s e r, Iustizrat Dr. Abla ß und Dr. Wolfgang Heine (der bekannte'Sozialdemokrat) Ansprachen hielten, der Sache Hauptmanns viel genützt haben, muß dahin­gestellt bleiben. Die Versammlung befand sich, wie schon aus dem Namen der Redner ersichtlich ist, im Fahrwasser der Politik, und die Tausende, die zuhörten und Entschlie­ßungen faßten, werden wohl nicht alteberufen" ge­wesen sein.

König Niolos hatte dem Odysseus in einem Schlauche seine Winde nuitgegebdn, die vor Ithakas Küste zur Un­zeit entfesselt mürben und das Schiss des Vielgewanderten ins Meer zurückivarfen. Aehnliches passiert jetzt dem schle­sischen Dichter. Kann man nicht ab warten, bis sein Werk int Truck jedermann zugänglich ist? Muß man vorzeitig die Winde entfesseln, die gegeneinander kämpfen unö nur unnütz die öffentliche Meinung aufpeitschen? Auch Gerhart Hauptmann selbst tut nicht klug daran, mit geharnischten Telegrammen um sich zu werfen, in denen er seine Wider­sacherfeige Denunzianten" nennt. Das fordert zu ähn­lichen Gegenäußerungen heraus und entfesselt im Reiche der Literatur falsche Mächte und Gewalten.

Die Ortsgruppe Heidelberg des Deutschen Monisten­bundes veranstaltete am Samstag eine Protestkundgebung, in der Tr. Max Maurenbrecher das ganze Festspiel rezitierte. Von Ger­hart Hauptmann ging folgendes Telegramm ein:

Leider kann ich Ihrer gütigen Einladung nicht folgen, aber ich bin stolz, die deutschen Geister in einer Sache einig zu sehen, die nicht mehr Angelegenheit eines Einzelnen ist, son­dern eines jeden, der noch fernerhin mit dem Gefühl der Selbst­achtung denken und seine Feder führen will. Es ist wider­lich, wenn Deutsche sich so weit 'entbeuti'cfrn, daß sie sich unter­einander Vaterlandsliebe absprechen und Vaterlandslosigkeit vor­werfen. Sie werden Gelegenheit haben, durch Ihre Vorlesung diesen unnatürlichen Vorwurf gegen mien Festspiel, diese häß­liche zynische Lüge entkräftet zu scheu. Und bann suchen Sie auch die geheime Absicht zu erkennen, die solchen entehrenden Lügen zu Grunde liegt. Es ist die Verkerkerung des deutschen Geistes: schreälich zu sehen, wenn es unter dem freien Beruf der Männer der Feder für diese Absicht auch nur einen Handlanger gibt. Gruß und Dank Gerhart Hauptmann.

Auf das Telegramm des Vorstandes des Breslauev G o e t h e b u n d e s an Gerhart Hauptmann, in dem dieser eingeladen wurde, in der Versammlung des Bundes zu erscheinen und zu syrexhen, erwiderte Hauvtmann mit folgendem Schreiben:

Aqnetendvrf, 21. Iüni. Verehrte Herren'' Ich danke aufs tiejitc für Ihren Beschluß, durch den auch Sie an die Seite des gemaßregelten deutschen Geistes treten. Ich bin glücklich, daß der Versuch, eine i'efbftoerftänNiche erdgewacly'ene Vaterlandsliebe auf eine zynische Weise zu verdächtigen, nun doch elementare Zu- riMveisung findet. Jetzt aber nach Breslau zu kommen, wo mich int Herzen meiner engsten Heimat der mörberifd)e Stich feiger, s chl eichender und scheinheiliger Denun­ziation moralisch vernichten wollte, kann ich mich nicht ent­schließen, trotzdem ich weiß und täglich dankbar erfahre, daß in Drfslau die aufrechten, qradsinnigen und achtunggebietenden Geitter noch immer die erdrückende Mehrheit bilden. Ergebenst Gerhart Hauptmann."

ver Kaffer bei einer internationalen Segeiroettfabrt.

Brunsbüttelkovg, 24. Juni. Der Kaiser be­gab sich heute vormittag an Bord seiner SegeljachtMe­teor", mit ihm die Herren des GefoLa-"s Und Admiral v. Heeringen. DerMeteor" wurde alsbald auf Strom geschleppt. DerSleipner" und ein Torpedoboot folgten. Um 10 Uhr begann die internationale Segelwettfahrt des Norddeutschen Regattavereins auf der Unter-Elbe bei reg­nerischem Wetter unb westlicher Brise. Eine Anzahl Begleit- bampfer unb Boote des kaiserlichen Motorjachtklubs sowie anberc Fahrzeuge folgten. Zur Regatta starteten 17 Boote in vier Gruppen, in Klasse A 1Meteor",Hamburg 2" undGermania". Die Bahnlänge betrug 30 bezw. 20 See­meilen elbabwärts und ebenso zurück.

Die Regatta nahm einen sehr wechselvollen Verlauf, da der Wind wegen Gewitterböen nicht konstant war und fortwährend umsprang. Gerade bei der Wendemarke Elbfeuerschiff 5 setzte eine sclypere Gewitterböe ein, dieHamburg 2 zugute kam, welche die Marke eben genommen batte. Die KreuzerjochtenMeteor" und Germania" passierten die lange Bahn unter den schwierigsten Ver­hältnissen glatt und nahmen das Ziel fast gleichzeitig.Ham­burg 2" gewann den Ehrenpreis Hamburgs: zweiter Sieger wurdeMeteor", dritterGermania". Der Kaiser kehrte um 5 Uhr an Bord derHohenzollern" zurück. DieHohenzollern" verläßt morgen früh 5 Uhr Brunsbüttel und trifft um 1 Uhr in Kiel ein.

Ein Triukspruch des Kaisers.

Im Salon derViktoria Luise" nahm der Kaiser die Pr eisverteiNln g vor. Bei der Ta f el erwiderte der Kaiser auf die Ansprache des Bürgermeisters Tr. Schrö­der mit folgendem Trinkspruch:

Ew. Magnifizenz trollen gestatten, daß Ich aus baventem Her­zen Meinen Dank aussprecke für die sreimdlichen Worte, in denen Sie der verflossenen 25 Jahre meiner Regierung am heu­tigen Tage und on dieser Stelle gedacht haben. In diesen 25 Jahren ist eine lichtvolle Seite, und über dieser lichtvollen Seite steht das Wort: Hamburg geschrieben. Es sei auch Mir ver­gönnt, dem tiefen Schmerz Ausdruck zu geben, den.Ich mit Ihnen allen geteilt habe, als Sie der Verlust dieses unvergleichlichen Mannes Bürgermeister Dr. Burchard. traf, den Ich mit Ihnen heute teile, wo wir ihn zunr zweitenmal nicht unter uns sehen. Es war im klassischen Altertum Sitte, daß die Griechen nach gewonnener Schlacht vor der Siegesfeier der Gefallenen gedachten. Wir wollen auch heute eines Mannes gedenken, der in der Schlacht des Lebens stets das Schwert zu führen verstand und den Namen seiner Vaterstadt überall durchgeseyt hat. Sein Schwert ruht nun in der Scheide, er hat den guten Kampf ausgekämpft, der ihm verordnet war. Als Ich die Nachricht von seinem Hin­scheiden erhielt, war es Mir zuerst schwer, daran zu glauben, denn er war Mir ein intimer Herzensfreund unb nahestehender Berater. Ich konnte Mir seinen Heim­gang in alltäglicher, einfacher, moderner Weise nicht vorstellen, denn seine Natur mar so unglaublich mit Idealen versehen, d/rß man sie getrost mit Symbolik umgeben konnte. Ich habe, wie er in feiner Vaterstadt begraben wurde, bei feinem Leichenbe­

gängnis int Geiste an den germanischen Heerköntg ge­dacht, wie er auf seinem Schild ausgestreckt liegt, die Hände über das Schwert gekreuzt und auf den Schultern seiner Krieger auf sein Schiff getragen wird, auf dem er bann, nachbem es in Brand gesteckt ist. auf bas weite Meer hinausgelassen wirb. Diese edle, vornehme Natur, erfüllt von Beaeistening für das Deutsch«? Reich, erfüllt von der Aufgabe des Wirkens für feine Vaterstadt, bat über uns allen gestanden. Er war überzeugter Han­seat, eine durch und durch aristokratische Natur. Ew. Magnisizeitz erwähnten vorher den Ausspruch, den Ad­miral Seymour tat, als im Jahre 1900 die vereinigten Weißen sich mit der gelben Rasse zu messen batten: Ich möckste ihn dahin ausbauen, daß er so lange Geltung haben wird, wie solckte Männer wie der dahingeschiedene Tr. Burckzard es war. in der Front bei uns zu finden sind. Und nun zu den Lebenden! Thanatos, wende Tein Antlitz! Wir sind hier versammelt, um wieder auf der blauen Flut in Sturm und Gewitter unb in ber Flaute uns zu messen. Von den Hichdiaungen. die Mir zu M?inem Jubiläum gebrarfrt worden find, steht Mir noch der Tag in Orünait hell vor den Augen, wo die Vertreter von über 5 0 00 0 deutschen Ruderern mit 630 Booten und 3000 Ruderern rur Stelle waren. Vom Rbeinstrom bis an den Pregel waren sie gefommen, unb, was der Vertreter der deutschen Ruderschast! uns mitteilen konnte, daß Deutschland mehr Ruder­klubs hat als ganz Eurova zusammen, das ist ein Erfolg, auf den Ich stolz bin. Wie Ich zur Regierung kam, waren es acht Schulen, die sich am Rudersport beteiligten. Jetzt find es 360. Das gibt uns eine Jugend, wie Wir sie brnuckvn, keine U e b e r m e n s ch e n. aber gesunde Menschen mit gefunden Gliedern unb gefunden sittlichen Anschauungen. Unb nun auch hier auf ber Elbe, wie ist in den Jahren hier alles vorüberge­gangen ! Wie haben sich die Klassen gebessert, wie ist der Boots­bau vorwärts gegangen, wie sind unsere Segelmacher tüchtige Leute g-nrorden. Das vervslichtet Mich zu Unliebem Dank an die Sportsleute für die Bereitwilligkeit, mit ihrem Gelbe eist- vi»'bringen, nm die Lieferungsmöglichke!t in den verschiedenen: Klassen der Boote mit ihrem Segel, Maß unb Ta keime rk zu stärken, und die Möglichkeit zu geben, uns dieses schöne Material zu liefern. Mein Wunsch ist, daß die nächsten 25 Jahre dieselbe aufffeigenbe Kurve innegefxiften werden möge. Das kann nur geschehen, wenn der Himmel es zuläßt, daß wir uns des Friedens erfreuen wi e bisher. Ich trinke auf das Wohl der Stadt Hamburg und auf den Sport auf der Elbe, Hurro, Hurra. Hurra!

Der Kaiser verweilte nach dem Mahle noch längere Zeit an Bord im Kreise der Segler und keWe dann auf dieHohenzollern" zurück.

Der Besuch Oes Präsidenten pomcare in England.

Spithea, 24. Juni. Eine Salve von 21 Kanonen­schüssen zeigte um 12.10 Uhr die Ankunft Poinearös an Bord des Kriegsschiffes Ecmrbet an. Der Präsident wurde vom Prinzen von Wales, der Marineuniform trug, empfangen.

London, 24. Juni. Poineare traf heute nachmittag 3.30 Uhr hier ein. Zur Begrüßung hatten sich auf dem Bahn­hof eingefunden: der König, der Herzog von Eonnanght. Prinz Arthur von Eonnaught. Premierminister Asauith, Sir Ed.vard Grey unb andere Minister. Der König schüttelte bem Präsi­denten unb Pichon die Hand. Tie Musikkapelle spielte die Mar­seillaise. Nach dem Abschreiten der Ehrenwache fuhren der König und der Präsident unter den Hochrufen des Publikums zum St. Iamespalaste. Um 4.30 Uhr begab sich Poineare im Zwei­spänner, von Gardekavallerie eskortiert und von feinem Gefolge begleitet, zum Buckinghampalast, um bem König feinen Besuch zu machen. Die Straßen waren dicht besetzt. Es würbe bemerkt, bah bie Polizei infolge ber kürzlichen, durch Anhängerinnen des F r a u e n ft i m m r e d t 3 üerurfndüen Zwischenfälle gegen die vordrängenben Frauen scharf vorging.

Eine Beqrußunasrede des Königs.

London, 24. Juni. Auf dem heute abend im Bucking­ham-Palast gegebenen Bankett zu Ehren des Präsidenten Poincare sagte der König in seiner Begrüßungs­rede:

Der so viele Jahrhunderte zwischen unseren beiden so eng be­nachbarten Ländern bestehende Verkehr hat es ermöglicht, das;

ist das Lararium, das nicht erst für das Haus des Asinius Pollio

char wertvoll und zum Teil auch eigen-1 gebaut zu fein, sondern den Teil eines noch älteren Hauses über bie Grenzen des eigenen Landes gebildet zu haben scheint. An den Wänden finden sich nämlich zwei ' Mi» /rn nnbrnt Orten.' aber aar drei Schichten mit Fresken übereinander, und wenn

so haben auch in Stuttgart sich bie Schweden einer sehr sym­pathischen Aufnahme zu erfreuen.

>inauä Getonnt aitanbmt £)rten", ober gar drei Schichten mit Fresken übereinander, und 'wenn

Das haus des Afinius pollio.

In den E a r a e a l l a-T h e r m e n unb in ihrer Umgebung ist bei neueren Arbeiten eine Reihe interessanter ardstiologischer Ent­deckungen gemacht worden. Man hat unterirdische Gänge, die sich in einer Ausdehnung von 5 Kilometern unter der ganzen Anlage hinzogeu, aufgefunden, und man hat neue Reste eines ehemals reich ausgestatteten Hauses des Eaius Asinius Pollio bloßgelegt. Das Haus, das auch um seines ehemaligen Besitzers willen großes Interesse erregt, wurde vor dem Bau der Thermen zugeschütlet, die dann an feiner Stelle errichtet wurden.

Asinius Pollio, der Parteigänger Eäsars und ausgezeichnete römische Feldherr, der die Parthiner in Dalmatien schlug, als Prokonsul in Spanien wirkte und später als Konsul in Rom in den Streitigkeiten zwischen Antonius und Octavian eine Rolle spielte, der Freund der Wissenschaft und Künste, der selbst als Schrift­steller eine um fassende Tätigkeit entfaltete, ber Stifter ber ersten öffentlichen Bibliothek in Rom, hatte sich hier in seinen Gärten einen prächtigen Ruhesitz geschaffen, ben er mit kostbaren Kunst­werken ausstattete. Als Äntonius bann * fein Haus mit Schutt unb Erbe zufchütten ließ, nahm er die wertvollsten Kunstgegen- ftänbe aus den Gemächern heraus, ließ jedoch vieles noch an seinem Platze, so baß eine völlige Ausgrabung des Hauses sicher manches wertvolle Ergebnis haben , würde. In ber Mitte des vorige^ Jahrhunderts hat der Inspektor ber antiken Monumente Guiöi eine flüästige Untersuchung des Hauses porgenommen, bei ber er das Atrium unb bas Lararium, bie römische Hauskapelle, unb barin viele Gegenstände fand: sogar die Laren selbst, bie Hausgötter, stauben noch an ihrer Stelle. Neuerdings bat nun ber Ingenieur Ferri, der bie Aufgabe hatte, hier eine Aufschüttung vorzunebmen, zunächst eine Untersuchung ber Hausreste vorgenommen, bie einige neue Teile aufbeckte. Das 9Ürfum hat ein reiches Pflaster aus weißem und schwarzem Akarmor mit der Darstellung eines Tri­tonen, auf dem eine Nereide reitet. "An ben Wänden fanden sich bie Spuren einer Quelle, bie heute verschnmnben ist, unb von Mosaiken an Stelle von Fresken: ferner würben einige ver­mauerte Nischen festgestellt, die noch weiter auf ihren Inhalt burcbforicht werden sollen Ter wichtigste Teil des Hauses aber

I bie Malereien auch arg zerstört sind, so kann man doch deut- I lieh verschiedene Stilepochen unterscheiden. Die oberste Schicht trägt die Fresken, mit denen Pollio fein Heiligtum schmücken ließ: sowohl die Wände wie die Wölbung waren reich verziert. Man erkennt an den Wänden noch di? Spuren von Bildern der Hausgötter, bie mit allen ihren Attributen dargestellt sind.

Auch sonst ist das Haus überall reich ausgeinalt, und wenn die Wände Jargfäftig frei gelegt werben, so wirb man in bem Hans bes Asinius Pollio ein neues schönes Beispiel eines kunstvoll ausgestatteten römischen Patrizierhauses haben.

K.-K. D i e Verheerung Spitzbergens. Es ist vor allem bie bort unter ungünstigen Bedingungen kümmerlich ihr Leben fristende Pflanzenwelt, die nach unb nach den sammeswütigen Touristen zum Opfer fällt. Aber nod) ein anderer Raub an ber Natur ist es, ber ben Naturfreund bitter schmerzt, namentlich wenn ein Tropfen echtes Iägerblut in seinen Mbern fließt Es ist dies der Raub an der Tierwelt Vom Schiffe aus ist es je so br­au em, solch unterhaltender Zeitvertreib, die verttauensvoll uns umkreisenden Möwen unb anberc Wafservögcl herunterzuknallen, seine Sicherheit im Treffen zu befunben. Ob aber angeschoifene, flügellahme Tiere sich noch lange quälen, eh? der Tob sie er­löst, das kümmert Den trefflichen Schützen nicht! Das Schiff fährt weiter, und Möwen gibt es genug. Wenn die Beute wenigstens mitgenommen werden könnte zum Ansstopfcn daheim! So aber fallen die Tiere ins Meer, niemand zur Lust unb nicmcnö zur Freude. Aehnlich verhält es sich mit ber Renntierjagd auf Svilz- bergen. Da können es die Jäger nicht erwarten, auszuziehen, um bie scheuen Tiere zu erbeuten. Im Jagd eifer wirb auch bas brüte Tier erlegt, obgleich man bei bem befchwerlichen Transport nur zwei zu Schiffe bringen kann, ein anderes wirb weil wund geschosfen unb verendet jämmerlich in einer Gletscherspalte. . Sollte man es glauben, daß bieJäger" sich nicht scheuen,' selbst zarte Schmaltiere zur Strecke zu bringen! Nun herrscht auf ben Dampfern, die Nordlandsfahrten unternehmen, in B - zug auf Verpflegung solch ein lleberfluß, daß das Fleisch b<*r geschossenen Tiere durchaus keinen Wert für sie har, im Gagenteil, manche der Passagiere haben einen Widerwillen dagegen. Auch das Geweih unb bas Fell der Renntiere ist nicht so kostbar, baü es das blindwütige Schießen rechtfertige. Aber daß man sich nt Hause, am Stammtisch, brüsten kann mit bem Wort:Mein felbst- geschosfenes Renntier" das webt so eine Art Ruhmesschimmcr um das Haupt des glücklichen Schützen.

Musikfeste.

Das Deutsche M n s i k f e st 1913.

Mis Berlin wirb uns geschrieben: Am Samstag ist im großen Saal ber Philharmonie bas Deutsche Musiffest 1913 er­öffnet worben, bas britte Musikfest im Verlaus von zwei Monaten. Bis zuletzt wußten trotz vieler anfünbigenber Nottzen nur 'ehr wenige Eingeweihte, zu welchem Zweck dieses Munksest ver­anstaltet wurde. Nun erfährt man, daß der Allgemeine -teutitfie Musikerverbanb ber Gründer dieses Festes ist, bie gropc -rgau, fation die mit Erfolg feit 40 Jahren daran arbeitet, oen Ltand ber Orchestermusi ter sozial unb künstlerisch zu heben. x>n diesem Mufiftest werden fünf Simonie und zwei Volkslanzerte oeranitaltct. Ungefähr 1500 Musiker aus allen Teilen Deutschlands und der Schweiz nehmen daran teil, unb 14 Dirigenten haben die Leitung.

Tie große Schar von 1500 Musikern ist in >ecks Orchester so geteilt, daß alle Gelegenheit haben, sich im Verbände mit andern zu Zeigen. Am ersten Abend wirkten mit die Orckrester von Basel, Bern Kassel, Koblenz-Ems, Darmstadt, Frankfurt,^,z-rerburg. Bad-Homburg, Magdeburg, Ma i n z, Mannheim, ^ratzburg, Weimar, Wiesbaden und das i n der st er n-Orchester. Am Sonntag sand ein Volkskonzert statt, lieber das schlemche Musik- feft haben wir schon berichtet. _

Heidelberger B a ch-R eg er-M u s i krcst.

Tas D a ch - R e g e r - M u s i k f e st, das Heidelberg in diesen Tagen feiert, ist feit ber Gründung des hiesigen Bach v e r e in s und A k a d e m i f ch e n G e, a n g v e r e i n s ,l I88.it, lowie des städtischen Orchesters i 1888', das fünfte grotze Mnsikfeit Ünfncr Stabt. ~ In bem segenrotoisen fünften Mi« mrb das Programm von ^vhann Sebasttan Bach und Max Reger

bestritten. _

Schwedisches Musikfest m Stuttgart.

Seit Ende voriger Woche beherbergt die iduuäbudx: SDauirtitaot eine Schar schwedisch Mnscker, bie hier unter .^ Protetto^t des Königs von Württemberg zu einem sÄvedndien Musiftelt versammelt sind. Tie Veranstaltung steht im D.emte sener vor ein paar Jahren angefachten Bewegung, deren Ziel c^ ilt, der schwedisck-en Tontimst neben der der übrigen nordischen Volker eine feste Stelle im Musikleben ber .Gegenwart zu crruigen xiefe Bewegung hat ihre Berechtigung: benn ba^ mun^ncte Schonen ber Schweden ist so fruchtbar, wertvoll und zum -Leü auch eigen-