Ausgabe 
24.5.1913 Drittes Blatt
 
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DieLietzener Zamilienblätter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ,.Krcis6latt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Nr. i(9 Dritter Blatt 163. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. X /&, KTa, ,* ja a* - A

Metzener Anzelger

General-Anzeiger für Oderhefjen

Samstag, 24. Mai 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Blich- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei; Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e=^ 51.

Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

Die Antimilitariften in Sranfreid).

Paris, 23. Mai. In Orleans veranstalteten Sol­daten des 32. Artillerieregiments im Speisesaal ihrer Ka­serne eine Kundgebung gegen die dreijährige Dienstzeit. Abends wurden mehrere Gruppen von Sol­daten, die vor dem Standbild der Joanne d'Arc Stufe gegen die dreijährige Dienstzeit ausstießen, von Patrouillen ver­trieben.

DerMatin" veröffentlicht einen im Dezember vorigen Jahres von dem früheren Sicherhoitsdirektor und gegenwär­tigen Polizeipräfetten Hennio n erstatteten Bericht über die a n t i in i l i t a r i st i s ch e n Treibereien. Der Be­richt bemerkt, daß zunächst der katholische Klerus den Gedanken gehabt habe, seine Beziehungen zu den unter die Fahnen gerufenen jungen Leuten ausrechtzuerhalten, und zu diesem Zweck seien katholische Zirkel errich- t c t und für diese Soldaten eine Art U n t e r ftü tz u n g s k ässe gegründet worden, die manL e S 0 u d u S 0 l d a t" genannt habe. Der allgemeine Arbeitsverband habe diese Idee vor 13 Jahren aufgegriffen und in a n t i - militaristischem Sinne ausgebeutet. Eine Gewerk­schaft sei sogar so weit gegangen, daß sie auf dem Kongreß des Arbeitsverbandes in Lyon im Jahre 1901 die Errich­tung einer eigenen Kasse für Militärflüch klinge beantragt habe.

Nach den Berichten mehrerer Blätter arteten die im 122. Jn- fanterie-Negiment vorgekommcnen militärischen Kundgebungen in eine sehr e r n st e Meuterei aus. Ein Major faßte einen Hornisten, der das Signal zur Kundgebung gegeben hatte und warf ihn nieder. EinSoldat st ürztesichaufden Offizier, worauf dieser das Gewehr eines Wachtpostens ergriff und den Angreifer mit einem Kolbenschlag zu Boden streckte. Die Meuterer hatten sich des Schlüssels des Pulver­magazins bemächtigt, doch gelang es, ihnen diesen zu entreißen. Die Haupträdelsführer, 27 an der Zahl, wurden fest genommen und nach dem Arrcstlokal abgeführt. Der Oberst hielt eine Ansprache an das Regiment, in welcher er sagte, er müsse seine Entrüstung und seine Betrübnis über das Vor­kommnis ausdrücken. Tie Soldaten dürften sich nicht in einem Augenblick, wo das Ausland alle erforderlichen Opfer bewillige, gegen die Gesetze ihres Landes auflchncn. Die Untersuchung hat ergeben, daß einer der Hauptanstifter der Meuterei ein dem all­gemeinen Arbeiterverbande angehöriger Soldat sowie ein Lehrer seien, der als Offiziersaspirant der Reserve dient. Unter den übrigen Rädelsführenr sollen sich 10 Korporäle befinden. Es heißt, daß heute 20 dieser Meuterer nach Montpellier gebracht und vor ein Kriegsgericht gestellt werden sollen.

Die heeresvorlage im Sudgetausschuh

Berlin, 23. Mai.

- Der Budgetausschuß des Reichstages begann heute seine Ar­beiten mit der Beratung einer freisinnigen Errtschließung, die die Vorlegung eines Gesetzentwurfes verlangt, der die Unter­stützungen für die Familien der bei Mobilmachung eingezogenen Mannschaften erhöht. Tie Entschließung wird angenommen. Cs folgt die Beratung der Entschließung betr. Herbeiführung größerer Sparsamkeit. Eine Z e ntr ums ent­schließ ung verlangt Maßnahmen, um unter Ausschluß des Parademäßigen und des Luxus nur die Kriegs- tüchtigkcit des Heeres zu erhalten und zu fördern. Von konser­vativer Seite wurde beantragt, stattAusschluß" zu setzendie möglichste Einschränkung des Parademäßigen und Ausschluß des Luxus". Mit dieser Aenderung wurde die Zentrumsentschließung einstimmig angenommen.

Eine fortschrittliche Entschließung will Ersparnisse herbei­führen erstens durch den Ersatz von'aktiven Offizieren für alle Stellen, für welche die Felddiensttauglichkeit nicht mehr die un- bddingte Voraussetzung ist, durch inaktive Offiziere, zweitens durch Reform,unseres Pensionierungssystems in dem Sinne, daß Offi­ziere, die für ihre Stelle noch vollkommen geeignet sind, nicht deshalb pensioniert werden, weil ihr Nachmann sie übersprun­gen hat.

Zu !dem 2. Punkt erklärte der Kriegsminister, einen Offizier, der nicht die Befähigung für die nächsthöhere Stelle besitze, in semer Stelle zu belassen, habe insofern Bedenken, als im Kriege der Betreffende bei eintretenden Verlusten die nächsthöhere Stelle wahrnehmen müsse. Tie Verabschiedungen erfolgten auf Grund der Urteile der Vorgesetzten, die dafür verantwortlich seien, daß an der Spitze der Truppen Offiziere ständen, die in Krieg und Frieden durchaus ihren Aufgaben gewachsen seien. Bei den Quali­fikationsberichten würde mit größtem Wohlwollen verfahren, ober das Interesse des Dienstes gehe natürlich vor. Es sei falsch, anzunehmen, das Schicksal eines Offiziers hänge von einem Be- sichtigungstage ab.

Die fortschrittliche , Entschließung wurde mit großer Mehr­heit angenommen. Es folgt die Beratung der fortschrittlichen Ent- schneßung, die verlangt, a) die Bekämpfung der Soldaten­mißhandlungen, insbesondere durch Reform des militäri- ichen Beschwerderechts, h) Regelung der Verhältnisse der nicht mehr dem aktiven Militärstand angehörenden Personen in einer dem Rechtsgefühl entsprechenden Weise und unter Anerkennung ber allgemeinen staatsbürgerlichen Rechte. Kriegsministe'r v. Heer in gen erklärt: Ehrengerichte wie Beschwerdeordnung seien ein Ausfluß der kaiserlichen Kommandogewalt zur Aufrecht­erhaltung der Disziplin. Bei sehr vielen unbegründeten Beschwer­den trete keine Bestrafung ein wegen Beschwcrdeführung.

, In eingehender Aussprache trat ein starkes Maß von Pessi­mismus zutage, weil die Militärverwaltung cs an dem guten Willen fehlen lasse, den Wünschen des Reichstages Rechnung zu tragen. Als von konservativer Seite die Fassung der Anträge bemängelt wurde, ergänzte ein Antragsteller den Schlußsatz deS ^sten Punktes dahin: In dem Sinne, daß nur bei erwiesener Böswilligkeit oder Fahrlässigkeit eine Bestrafung eintreten dürfe. Ter Kriegsminister erklärte, über Verbesserung der chrengericht- üchen Bestimmung lasse sich streiten. Eine Aenderung der Unter­lagen, auf denen sie beruhen, könne aber nicht eintreten.

Auf scharfe Angriffe von sozialdemokratischer Seite, von der verlangt wurde, der Reichstag solle ber Militärverwaltung einmal seine ganze Macht wegen ungenügenben Einschreitens gegen bie Soldatenmißhanblungen beweisen, ant­wortete ber Kriegsminister; die Beschwerbeorbnnng habe in der Praxis gut funktioniert, beim eine große Zahl von Mißhandlungen

aus Grund ber Beschwerden zur Sprache gekommen. Dem Vorredner gegenüber verwahrte sich ber Kriegsminister dagegen, bafj Nibezug auf die Strafen in der Armee mit zweierlei Maß gemesseii werde. Bei Mißhanblungsfällen werde sehr scharf gegen die betreffenden Vorgesetzten eingeschritten.

fe, Em nationalliberaler Redner bemerkte, aus eigener Erfahrung könne er belegen, daß 'das ehrengerichtliche Verfahren

veraltet und reformbedürftig sei. Ein Zentrumsredner bemängelte, daß auch in diese Frage wieder die Kommandogewalt des Kaisers hineingetragen und dadurch eine sachliche Erörterung der so wichtigen Materie erschwert werde.

Nach kürzer weiterer Aussprache wurde die erstgenannte fort­schrittliche Entschließung betr. Reform des militärischen Beschwerde­rechts mit der genannten von dem Antragsteller gemachten Ab- änberung mit großer Mehrheit angenommen, ebenso die fort­schrittliche Entschließung betr. Revision des ehrengerichtlichen Ver- sahrcns.

Ein weiterer Volks parteilicher Antrag ging auf Revision ber Militär st rafger ich tsordnung besonders in der Richtung, daß nicht unter dem Titel der Gefährdung der Disziplin die willkürlichste tatsächliche Beseitigung der gesetzlich garantierten öffentlichen Hauptver Handlung eintritt, daß ferner bie Zuständigkeit der Militärgerichte auf militärische Vergehen und Verbrechen beschränkt, und daß noch vor solcher gründlichen Reform dafür gesorgt wird, daß Offiziere a. D. und z. D wenn sie einen bürgerlichen Beruf ausüben, wegen der aus dieser Be­tätigung sich ergebenden Strafrechtsfälle vor die bürgcrlidyen Ge­richte gestellt werden. Gegen den Ausschluß der Oesfentlichkeit wandte sich auch sehr scharf die Sozialdemokratie, die mit dem Kriegsminister scharf aneinandergerät. Auch dieser Antrag wurde gegen die Konservativen angenommen.

Zum Militärstrafgesetze beantragen die Sozialdemo­kraten eine moderne Reform des Militärstrafgesetzes und na­mentlich Herabsetzung des Strafmaßes, insbesondere Einführung von Strafmilderungsgrünben. Ein nationaHibe< ralcr Abgeordneter trat für den Antrag ein. Die letzte Zeit habe in ber Tat eine Reihe pon Fällen ergeben, wo man von barbarischen Strafen sprechen müsse.

Das Zentrum wünschte wenigstens die sofortige Einführung des Systems ber mildernden Umstände und sprach sich für den Antrag aus: wann bie Revision des Zivilstrafgesetzbuches wirklich erfolge, wisse man nicht, darum müsse man hier schon vorher eine Aenderung treffen. Nachoem der sozialdemokratische Antrag dahin geändert war, daß ber Reichskanzler ersucht werben soll, balbtunlichst einen^Gesetzentwurf vorzulegen, wird auch dieser Antrag gegen die Stimmen der Konservativen angenommen.

In ber Nachmittagssitzung setzte ber Haushalts­ausschuß des Reichstags Beratung und Beschluß über die Ent­schließungen fort. Zur Frage der Rücksichtnahme auf bie bürgerlichen Verhältnisse bei ber Rekr uten- einftellung liegen zwei Entschließungen vor, von der Volks- Partei und dem Zentrum. Die erste wünscht, baß bie Bestimmungen der Wehrorbnung über Befreiung vom aktiven .Heeresdienst infolge bürgerlicher Verhältnisse, z. B. wo es fick um den einzigen Ernährer hilfloser Familien und Waisen handelt, in ber bisherigen rücksichtsvollen Weise auch in Zukunft An­wendung finden. Das Zentrumbei Verabschie­dung der M i l i t ä r v 0 r l a g e" spricht die Erwartung aus, daß nur unbedingt Taugliche eingestellt werben und keine Ver­ringerung der Zahl by wegen bürgerlicher Verhältnisse frei werdenden Rekruten eintritt.

Die beiden Entschließungen werden angenommen.

Staatliche Förderung der Bestrebungen auf Hebung und Aufrechterhaltung der S ch i e ß f e r t i g k e i t ins­besondere bei Reservisten und Landwehrmännern, wünscht eine Entschließung Bassermann-Erzberger. Es wird in ber Begründung verwiesen auf die anderen Länder, wo außerordentlich viel getan wird zur Hebung der Schießfertigkeit. Der Antrag wird mit allen gegen die sozialdemokratischen Stimmen angenommen.

Die freiwillige Krankenpflege, deren Leistungsfähigkeit für den Fall ber Mobilmachung sicher- gestellt werden soll, behandelt ein Antrag von Zentrum und Nationalliberalen. Ein Nationalliberaler begründet bie Entschließung, bie keine Kritik der bestehenden Einrichtungen bilden solle, aber einen weiteren Ausbau bezwecke. Es sei zweifelhaft, ob in der Tat genügend Pflegerinnen vorhanden sein werden. Eine gewisse Kontrolle fei wünschenswert, damit wir keine Enttäuschun­gen erleben. Der Antrag wird einstimmig angenommen.

Die Zentrumsanträge: Sparsamkeit unter Ausschluß des Parademäßigen und des Luxus, Berücksichtigung der orts- an süffig en Gewerbe bei den Lieferungen und so- zialPolitischeF ordern n gen, werben gegen die Stim­men der Konservativen angenommen. Bei Schaffung der Eini- gungs- uni) Schiebsinftanz stimmen die Nationallibe­ralen wegen ihrer Bedenken gegen die Zweckmäßigkeit der Fas­sung.

Der Antrag ber Bolkspartei, daß die Offiziere, die wegen ihres Lebensalters, ober wegen anderer Verhältnisse keine Wiederverwendung im aktiven Friedensdienste in Aussicht habeu, nicht zur Disposition «das ist zur Verfügung"' gestellt und damit der bürgerlichen Gerichtsbarkeit entzogen, sondern ausnahmslos verabschiedet werden und daß regelmäßig die Verabschiedung z. D. gestellter Offiziere erfolgt, sobald diese einen bürgerlichen Beruf ergreifen, wird gegen Volkspartei und Sozialdemokratie ab- gelehnt.

Die Nationalliberalen: Schiffer-Magdeburg, Basser- inann und Prinz zu Schoenaich - Carvlath beantragen in einer Entschließung, den Reichskanzler zu ersuchen, sich mit der preu­ßischen Staatsregierung darüber ins Benehmen zu setzen, ob nicht im Interesse der Landesverteidigung der schleu­nige Ausbau des Mittellandfa na l s in Aussicht zu nehmen ist. Der Antrag wird begründet mit deu schon früher von: General ft ab angeführten strategischen Mo­menten.

Ein Konservativer wendet sich gegen diese Anträge. In Betracht käme für das direkte Reichsinteresse nur ber Kanal von Wilhelmshaven zur Elbe: bie strategische Bedeutung ber übrigen Kanäle falle bemgegenüber nicht ins Gewicht. Auch ein Zentrumsmitglied bekämpft bie Anträge: beim bie Kanäle hätten keine nennenswerte Bedeutung für die Lcmbesverteibigung. Ein Nationalliberaler unter­stützt lebhaft die Forderung des Kanals Wilhelmshaven Elbe und ftellt einen entsprechenden Antrag. Die Sozialdemokratie spricht sich gegen diesen Atckrag, aber für bie übrigen aus, obwohl bereu Fassung nicht einwandfrei sei.

Auf Antrag des Zentrums wird schließlich mit großer Mehrheit II e b c r g a 11 g zur Tagesordnung über alle diese Anträge beschlossen.

Da ber vom Zentrum und den Nationalliberalen gestellte An­trag für die Beförderung ber in Friedenszeiten während der aktiven Dienstzeit ober während einer Hebung verstorbenen Militärpersonen zur Beerdigung in der Heimat, sowie zum Besuche erkrankter Militärpersonen durch ihre Angehörigen hunderttausend Mark mehr in den Etat einzustellen, angenommen wird, ist die Reihe der gestellten Entschließungen geschlossen.

Man geht über zu den Restartiteln bes Gesetzes über bie Frt ed ensp senz stärk e. Ohne erhebliche Er­örterung wird der Artikel 3 mit den Änderungen ber Besoldungs- orbttung angenommen. Eine etwas umfangreichere Erörterung ging ber Annahme des Artikels 3 voraus, auf Aenderung des M a n n s ch a stsver so r g u n g sg e s etz es mit der Besser- fteHung der Unteroffiziere von 12 aus 20 Mark monatliche Ent- schadlgimg für die Z iv i l v e r fo r g un g und Möbung ber General-Abfindung von bisher 1500 auf 3000 Mark. Ein 3cn* t rum San trag mürbe angenommen, in pent der Reichskanzler crspcht wird, gemäß § 18 des WannschLftsversorgungsgvsetzes dafür

Sorge zu tragen, daß Gemeinden di e be ft eh enden Vor-» schriftcn über Anstellung von Militäranwärtern nichtumgehen.

Tie Sozialdemokratie beantragt eine Aenderung ber Bunbesratsverordnung über die Anftellung von Mili­tär a n w ä r t e r u int Sinne einer K l a s s en e i nt e°i l un g ber Gemeinben. Ein Zentrumsmitglieb äußert bagegen Bedeuten, da bann notwendigerweise bie größeren Gemeinden mehr als bisher Militäranwärter anstellen müssen, wenn bie kleineren Gemeinden entlastet werden. Ein nationalliberales Mit­glied hält den jetzigen Augenblick für sehr ungeeignet für eine Aenderung, die draußen mindestens die Meinung Hervorrufen könnte, als ob die Anstellung von Militäranwärtern eingeschränkt werden sollte, was doch nicht rnöglich sei. Der sozialdemo­kratische Antrag wird gegen Sozialdemokratie und Volkspartei abgelehnt.

Es folgt die Beratung des

Erg'änzungsvoranschlags.

Die Forderung einer Fabriken-AbteilUng int all» gemeinen Kriegsdepartement wird bewilligt.

Zum Kapitel:M ilitärintendanturen" beantragt dasZentrum,fünfJntendanturräteundzweiJn- tenbanturassessorenzust reichen, mit ber Begründung, baß man erst bie allgemeine Denkschrift über das Jntendanturwesen pbwarten müsse. Der Ausschuß be» schließt dementsprechend.

Die neugeforderten 10 Militärpfarrer werden be­willigt. Zum KapitelMilitärjustizverwaltung" beantragt das Zentrum die Streichung von 8 Kriegsge­richtsräten, 8 Militärgerichtsschreibern und 6 Militärschreibergehilfen. Tie Regierung verteidigt di" Forderung, es wird jedoch erwidert, daß ^s sich hier ohnedies nur um Sinekuren handle, also die Hälfte genüge. Von der Regierung wird noch die Befürchtung geäußert, es könnte infolge der Streichung eine Verschleppung ber Verfahren ein* treten, inbes wird bie Streich ung einstimmig ange^ nom m en.

Die Beratung wird morgen um 9 Uhr fortgesetzt.

Der Ausfall der preußischen Landtagswahlen.

Danzig. Bei den Stichwahlen erlangten bie Liberalen 80Ä die Konservativen 13, die Sozialdemokraten 21 Wahlmänner. Das Gesamtresultat ist folgendes: 547 liberale, 351 konserva­tive und 49 sozialdemokratische Wahl mann er. Die Liberalen er­zielten 72 über die absolute Majorität.

Stadt Stettin. Auf Grund der heute tiorgenommenen Stich- und Nachwahlen gestaltet sich das Wahlbild in Stettin- Stadt für den fortschrittlichen Kandidaten, Justtzrat Lippmann, noch günstiger als nach der Hauptwahl. 292 fortschrittlichen Wahl- männern stehen nur 234 sozialdemokratische gegenüber; 2 Wahlen sind nicht zustande gekommen.

Im Wahlkreis Kolberg -Köslin verteilen sich die Wahl- männerftinrmen wie folgt: 431 konservative, 50 liberale und 33 sozialdemokratische.

Liegnitz «bisher F. und Nl.ß Das Gesamtresultat ist auch nach den Stichwahlen ungewiß. DieBreslauer Zeitung" be­rechnet 272 Liberale, 270 Konservatilw und 62 Sozialdeino- kraten, dieSchlesische Zeitung" aber 276 Konservative, 274 Liberale und 60 Sozialdemokraten.

Berlin, 24. Mai. Nach dem Ergebnis der Stichwahken in Berlin 12 «bisher Fortschr. Vp.) sind endgültig gewählt: 336 sozialdemokratische, 322 fortschrittliche, 46 konservative und 30 nationalliberale Wahlmänner. Der Kreis hat im ganzen 746 Wahl männer zu wählen. Ta sechs Wahlen nicht zustande ge­kommen sind, beträgt die absolute Mehrheit 371. Der Sieg des fortschrittlichen Kandidaten Dr. R u n z e erscheint gesichert, da die Nationalliberalen für ihn eintreten und auch die Konser­vativen zum Teil für iHv stimmen werden.

Potsdam (bisher Fk.). In Potsdam kandidiert der kon- servattve Tischlermeister Pauli gegen den Frei konservativen Ma­jor v. Stössel und den NationaUiberalen Professor Leidig. Für Stössel sind 43, für Pauli 22 und für Leidig 12 WaUinänner gewählt worden. Jetzt hat Herr Pauli mit den Natwnalliberalen ein Kompromiß geschlossen, wonach beide Parteien sich gegen­seitig Wahlhilfe bei den Sttchwahlen empfohlen haben, um die Kandidatur des Majors v. Stössel zu Fall zu bringen. Heute haben die Stichwahlen ftattgefunden unb das Ergewris ist bis zur Stunde: es verfügt Leidig jetzt über 93, Stössel über 71 und Pauli über .40 Wghlmanner, so daß aller Wahrscheinlich­keit nach Herr Leidig gewählt werden wird. Der Vorstand des freikonservativen Wahlkomitees nennt das eine Ungeheuerlichkeit.

Eharlottenburg. Im Wahlbezirk Charlottenburg sind nach genauer Zählung gewählt 673 freisinnige, 246 sozialde- motratische und 7 konservative Walftmänner. Bei 41 außer­dem gewählten Wahlmännern ist die Parteizugehörigkeit angeb­lich imbeftimmt, doch ist änzunehmen, daß der größere Teil dieser Wahlmänner den Liberalen Mzuzählen ist. Es haben 76 Stich­wahlen ftattzufinden, zwei Wahlen sind nicht zustande gekom­men. Der freisinnige W-ahlsieg ist hiernach nickst mehr zu be­streiten. I

Brandenburg-qWe ft Havelland. Nachdem auch die vier noch ausstehenden Wahlmänner-Stichwahlen für die Fort­schrittliche Bolkspartei ausgefallen sind, ist das endgültige Er­gebnis : 365 Konservative, 45 Nationalliberale, 185 Fortschritt­ler und 179 Sozialdemokraten. Die Stichwahl findet also zwischen den Konservativen und der Fortschrittlichen Volkspartei statt.

Kiel (besh. Fortschr. Vp). Nach den jetzt beendeten Wahl- männer-Stichwahlen sind für den bisherigen Vertreter Hoff (Fortschr. Vp.) 380, für Lohmeier (nl.) 199, für Bree 0 ur (S.) 470 Wahlmänner gewählt worden.

Flensburg. Der Ausfall der Wahlmänner-Stichwahlen in Flensburg (bisher Fortschr. Bolksp.) betätigt, falls die Ergeb­nisse vollständig sind, die Annahme, daß es in diesem Wahlkreise zur Stichwahl zwischen ber Fortschrittlichen Volkspartei und den Otattonalliberalen kommt. Im ganzen haben danach die Na- tivnalliberalen 202, bie Fortschrittliche Volkspartei 142, die So­zialdemokraten 65 Wahlmänner.

Altona . Die Wahttnännerstichwahlen ergaben für Wald­stein (Vp.) 334, für Marlow (natl.) 57 und für Sldler (Soz) 238 Wahlmänner. Die Wahl Walbfteins ist somit sicher.

Halle a. S.- Die Wahlmännerftichwahlen brachten 97 libe­rale und 5 konservative Wahlmänner. Der NattvnaMberalck Keil und der Volksparteiler Delius haben noch die abso­lute Aiaiorttät.

, diele selb. (Bisher 2 Konservative unb 1 Nationallibe­raler.) Nach dm Sttchwahlen stellt sich da§ Resultat wie folgt: Fortschrtttliche Bolkspartec 114, Sozialdemokraten 335, Natio- ualltberale 290, Elstistlichsoziale 101 und Konservative 330 Wahlmänner.

D ildes heim sbiSH. v. Campe, Nl.). Gewählt mürben in den Stichwahlen 7 Konservattve und 13 Nationalliberale. Im ganzen sind bana chgewählt: 257 nationalliberale, 201 korrser- raltve, 48 sozialdemokratische Wahlmänner unb 2 Welsen. Die Wiederwahl v. Campes ift gesichert.

T 0 r tmun d. Tie Wahl des Nationalliberalm «SchN'ecken- bieck erscheint nach dem Ergebnis ber Wahlmäimerstichwahlen sicher.

Osnabrück. Das ^Ksamtergebnis bes Wahlkr-eises Osna­brück ist nach, den jetzt ftottg^ahtcu Stichwahlen: 261 National