Ausgabe 
24.7.1913 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

nicht nur dem Feinde Pläne bekannt würden, nein, auch die, daß in der Heimat und in den Oberquartieren anderer eigener Armeen falsche Bilder entständen. 'Tas, was die Heeresleitung der Oefsent- lichleit mittcilen will und muß, wird sie nicht versäumen, selbst aus den Draht zu geben.

Nun will aber die Presse Nachrichten haben, das Publikum will schwarz auf weiß etwas vom Kriege gedruckt sehen, und eine Zeitung, die nichts bringt, ivird ihren Absatz verlieren. Tie Be­richterstatter müssen sich also ein neues' Feld der Tätigkeit suchen.

Und dieses liegt jetzt hinter der Front. Anstatt kurze, in­haltsschwere Telegramme werden sie nun Berichte senden müssen von den Eindrücken, die der Krieg, die Niederlage oder Tieg hinter der Front Hervorrufen: sie dürfen nach den Tagen des Kampfes über die Schlachtfelder reiten, und sie können sich dort aus persön­lichen Eindrücken ein ganz anderes Bild der verflossenen Kämpfe machen wie der Leser der ersten Depeschenweit ab vom Kriegs­schauplatz, sie sollen nach voll entschiedener Aktion ihren Lesern einen klaren Bericht dessen geben, was sich ereignet hat. Sie müssen sich aber gerade hinter de^ kämpfenden Linie inmitten einer aufgeregten Bevölkerung einen klaren.Kopf bewahren und nicht jedes Gerücht sinnlos weiterdrahten. Mehr wie einst brauchen sie so taktischen Blick, damit sie das erkennen, was mög­lich und wahrscheinlich ist. Vor einem müssen sie sich besonders hüten, vor dem leichtfertigen Kombinieren. Ter Kriegsbericht­erstatter muß eines nie vergessen, daß seine Meldungen auf die Börse, deren Macht jedem Kinde heute bekannt ist, einen großen Einfluß ausüben: über den falschen Bericht einer Niederlage können in 24 Stunden Vermögen verloren gehen.

So ist jetzt der Mann der Feder am Feinde tot, er wird sich ersetzen durch den friedlick>en Berichter, der mit klarem Kopf und ruhigem Blut außerhalb, des Kugelregens folgern und ge­schlossene Bilder geben muß. Nickt mehr Mut und Verwegen­heit werden ihm zum Ruhme gereichen, sondern Geist und Blick.

O. K.

Rücktritt des JntendantenHülsen? Graf Hül­sen, der Intendant der Berliner Kgl. Theater, soll, wie Berliner Blätter wieder einmal wissen wollen, im Herbste zurücktreten. Diese Meldung wurde schon so oft ausgegeben, daß man gut tut, sie nicht mit allzu froher Hoffnung zu behandeln. Immerhin deuten aber einzelne Anzeichen auf einen möglichen Rücktritt hin. Wenn Hülsen jetzt geht, so dürfte sein Fall wohl mit seinem Konflikt mit Weingartner in Verbindung zu bringen sein, der in seiner Broschüre böse Dinge aus dem Berliner Hoftheaterbetrieb erzählte. Wein­gartner hat bekanntlich sehr gute Beziehungen zum Hofe und gilt als besonderer Liebling des Kronprinzen.

ff. Eine Indianer-Aus st ellung. Die Stadt Denver im amerikanischen Staate Colorado kündigt für das Jahr 1915 eine große Jndianerausstellung an, die anscheinend alles, was von den Rothäuten der amerikanischen Kultur hat widerstehen können,

Die Verteilung des Balkans.

Ein Abkommen zwischen Oesterreich und Rußland.

Nun scheint, tnenn es mit derFigaro"-Meldung aus Petersburg wirklich seine Richtigkeit hat, aus dem ganzen wilden Hexcnsabbath des Balkans doch eine gute Frucht reifen zu wollen. Oesterreich-Ungarn und Rußland haben eilte gemeinsame Linie der Verständigung gefunden und diese ist die Ausbalanzierung der Äaltankräste. Das ist umsomehr bemerkenswert, weil früher sowohl der Kaiser wie der Zar das oberste Ziel ihrer Politik durch viele Jahre "hindurch darin gesunden haben, von ihnett kontrollierte Ucbergewichte aus der Halbinsel zu schaffen, eine ungeschrie­bene Hegemonie über die Balkanvöller auszuüben und die deus ex machina-Besugnis für die ganze Weltgeschichte süd­lich der Donau zu pachten. Die blutigen Ereignisse der letz­ten Wochen haben die Rivalen zusammengeführt. Das von fünf Gegnern in einer mit Ausnahme der Kämpfe Friedrichs des Großen vielleicht beispiellosen Koalition von allen Seiten angegriffene Bulgarien liegt büttleer und wehrlos darnieder. Fetzen aus seinem Staatskörper und aus seinen Eroberungen werden da und dort gerissen und die Gefahr besteht, daß es zu einer quantitc negligeable, zu einer Wesenlosigkeit von Kleinstaat herabsinkt, während alle seine Nachbarn gestärkt und mit mehr oder minder gewaltigem Zuwachs an Gebiet und Menschen zu großen, überragenden Zählern der Balkanrechnung aus der Fehde hervorgehen. Daß das nicht im Interesse Oesterreichs liegt, ist natürlich. Aber auch Rußland, das ein übermächtig gewordenes Bul­garien mitleidslos auf die Knie zu zwingen suchte, muß an einem Aderlaß des von ihm einst vom Türkcnjoch befreiten Landes Anstoß nehmen. Und so erstehen dem König Ferdi­nand in all seiner Verzweiflung zwei seltsame Brüder der Hilfe. . . Sie haben sich bisher arg genug befehdet. Um die Angelpunkte Petersburg und Wien ging im Kreise die Politik des Erdteils, dort nmrde im gegenseitig erbitterten Streit der Vorkämpfer zweier Mächtegruppen Zug um Zug, Streich um Streich geführt. Oft genug in diesen letzten Jahren hing der Friede Europas an einem Wort von Peters­burg und Wien. Nicht immer war der Gegensatz zwischen beiden Städten so groß. Nachdem 1897 Kaiser Franz Josef und Graf Goluchowskn in Petersburg erschienen waren, suchten die drei russischen Minister Sobanow, Lamsdorff und Murawiew nacheinander eine Politik der Verständigung mit Oesterreich durchzuführen! Freilich sprachen für bie damalige Mäßigung in Balkandingen die Ereignisse in Ostasien, die endlich zum unglücklichen Kriege mit Japan führten, ein entscheidendes Wort. Und es ist nicht unwahr­scheinlich, daß auch heute in analoger Weise ostasiatifche Vorgänge, diesmal die vor der Tür stehende große chine­sische Umwälzung und ihre Folgen, zu dem Wunsche nach Verständigung und Emtspannung im Westen geraten haben.

Als 19(76 Iswolski in Petersburg in das Palais an der Sängerbrücke einzog, wurde die balkanische Politik Ruß­lands mit einem Schlage anders. Das in Ostasien verlorene Prestige sollte am Balkan wiedergewonncn werden. 1907 hatte Iswolski in Wien die Freigabe der Dardanellen-Durch­fahrt angeregt und sich mit dem Grasen Aehrenthal über die von diesem beabsichtigte Annexion Bosniens und der Herze­gowina unterhalten. Als aber Iswolski hinter Oesterreichs

Rücken mit England über makedonische Reformen unter­handelte und damit das berühmte Mürzsteger Programm durchbrach, handelte Aehrenthal auf eigene Faust und trat mit seiner Forderung der Sandschakbahn hervor. Iswolskis Gegenvorschlag war die Forderung der Adriabahn. Es folgte die Begegnung zu Buchlau int September 1908, der die offizielle Anregung Jswolslis zur gemeinsamen Abände- rung des Berliner Vertrags zwecks Erlangung der freien Tardanellendurchfahrt für Rnßland und der Annexion der okkupierten Provinzen durch Oesterreich im Juni voran­gegangen war. Kaum war die letztere erfolgt, als Iswolski zu seinem Leidwesen in London die Unmöglichkeit der Liqui­dation seines Anteils an dem gemeinsamen Geschäft erfahren mußte. Er fühlte sich - vielleicht nicht mit Unrecht von dem österreichischen Kollegen übers Ohr gehauen und begann einen Rachefcldzug gegen diesen, der erst mit der Drohung des Grafen, das Buchtauer Protokoll zu veröffent­lichen, sein vorläufiges Ende fand. Eine neue kritische Zeit für die Beziehungen zwischen den Staaten hob mit dem Herbst des vergangenen Jahres an, als der unter Rußlands Patenschaft stehende Balkanbund der Türkei den Krieg -erklärte. In schrittweisem Zurückgehen beschränkte Oesterreich seine Forderungen gegenüber der neuen Lage auf die Schaffung eines autonoiycn Albanien und die Fern- halütng Serbiens von der Adria. Hinter Serbien stand Rußland als der eigene Gegenspieler, und so war der ganze Streit Oesterreichs mit Serbien und Montenegro nur eine Neuauslage des alten Kampfes gegen Rußland, gegen dessen Wunsch nach einem Balkanproteltorat und gegen Die Schaf­fung eines die Monarchie auch int Süden umklammernden Gürtels panslawistischer Festungswerke. Wer diesmalge­siegt" hat, ist schwer zu deuten. Beide, Wien und Peters­burg, haben sich im Diplomatenkampf um das Ballänvor- recht schwere Körbe geholt, nicht den geringsten zuletzt der Zar, der im Namen der Slawen unerhört grobe Worte nach Sofia drahtete und nun doch des gefallenen Verleugneten! sich annehmen muß. Der alte schlaue Chamberlain hat ein­mal ein gutes Wort gesagt: Wer mit dem Teufel suppt, muß einen langen Löffel haben. Das gilt auch heute noch. Wer mit demTeufel an der Newa" zu tun hat, sehe sich vor und bedenke das Morgen. Von diesem Standpunkt aus wird man nicht nur in Wien, sondern auch in der Berliner Wilhelmstraße zu dem russischen Anerbieten, selbst wenn es Tatsache sein sollte, Stellung nehmen müssen!

Die Lage auf dem Balkan.

Die Friedensverhandlungen.

Sofia, 23. Juli. In der Antwort auf die Depesche des Ministers Ghenadiew hat Ministerpräsident Majo- rescu erklärt, er sei glücklich, den gemeinsamen Wunsch der beiden Regierungen feststellen zu können, daß der Frie­de u s a b s ch lu ß beschleunigt werde. Infolge der aus­getauschten Mitteilungen sehe Rumänien es als außer Frage stehend an, daß Bulgarien das Territorium Turtukhai-To- bretsch-Baltschik an Rumänien abtritt. Rumänien schlägt ferner einige andere Bedingungen vor, die Bulgarien an­nehmen dürfte. Die Regierung Rumäniens ist bereit, Ver­treter zu den militärischen Besprechungen zu ernennen, die in einer gemeinsam von Bulgarien und Griechenland zu wählenden Oertlichkeit stattfinden sollen.

Sofia, 23. Juli. Die gestern cingetroffene Antwort der rumänischen Regierung auf das Fr i e d e n s g c s u ch

Das Ende der Nriegsberichlerstattung.

Bon unserem militärischen Mitarbeiter.

Aus Sosia wurde gemeldet, daß die Bulgaren auf der ganzen Linie siegreich seien, aus Belgrad, Athen und Cetinje am gleichen Tage, daß sie an allen Stellen des Kriegsschauplatzes zurückge- schlagcn worden wären. Aber meine Herren Kriegsberichterstatter, Die ihr von euren Verlegern für teures Geld engagiert seid, wie ist das möglich, wie könnt ihr solchen Unsinn melden? Pardon eS gibt keine Kriegsbericlsterstatter mehr. Nach kaum 40jähr. Lebensdauer ist die Kunst des Kriegskorrespondenten selig ent- schlasen. Nicht die Kunst selbst trägt die Schuld daran, wir haben noch heute Männer in der Presse, die sich mit Nash, dem berühmten Mann der Feder des nordamerikanischeu Bürgerkrieges, ober mit Archibald Forbes messen könnten. Was Leute, wie Krause, Tann- Hauer, Gottberg im russisch-japanisä-en Kriege geleistet haben, welche Entbehrungen sie ertragen und mit welchen Schwierigkeiten sie gekämpft, wird jedem klar, der ihre Depeschen, ihre Briefe mit Aufmerksamkeit gelesen hat.

Es hat seit jeher einen Feind der Berichterstattung gegeben: die Zensur: aber sie wurde 1870'1871, im spanisch-amerikanischen Kriege, im Burenfeldzuge sehr milde, im Krimkrieg fast gar uicht gehandhabt. Tann aber änderte sich das Bild: die schnelle Nach­richtenübermittelung durch Telegraph und Telephon, das ständige Wachsen des Drahtnetzes um den ganzen Erdball machte die harm­lose Berichterstattung nach der Heimat zu einer Gesahr für die Armee. Wenn heute ein Berichterstatter die Absichten der russischen Heeresleitung in groben Zügen nach Petersburg telegraphierte, so lies diese Meldung binnen 24 Stunden um den Erdball herum und erreichte das japanische Hauptquartier noch im richtigen Augenblick, um entsprechende Gegenmaßregeln zu treffen. Jede Wahrung eines Geheimnisses war so ausgeschlossen, wenn sich die Berichterstatter in der vordersten Linie befanden. Selbst wenn sie nickst den großen Plänen folgen konnten, so war der feindliche Gencralstabsofsizier dank seiner Vorbildung doch in der Lage, aus ihren verschiedenen Meldungen zu kombinieren, sich ein Bild der Lage zu machen. So $og der eine Vorteil aus der Bericht­erstattung auf der anderen Seite, aber es tvar ein Vorteil, der den Nachteil des Verrats der eigenen Pläne auch nicht im geringsten auf hob. Deshalb haben im russisch-japanischen Kriege die General­stäbe beider Parteien den Spaten zum Grabe der Kriegsbericht- crstattung angesetzt, in Tripolis ist dies Grab ausgehoben, auf dem Balkan endgültig zugedeckt worben. Damit ist die Kriegs­berichterstattung tot und begraben. Sie wird auch nie mehr zum Leben auferwachen. Keine Heeresverwaltung wird heute in ihren Dort ersten Linien, bei ihren Stäben Berichterstatter mehr dulden, sie würde sich damit in ihr eigenes' Fleisch schneiden, denn trotz aller Schärfe ein?r noch so strengen Zensur würden immer Mel­dungen leichtfertiger Berichterstatter den Draht durchlaufen, die kein Fachmann geprüft hat. EZ liegt bann die Gefahr nahe, daß

Bulgariens besagt, daß die rumänischen V ort r uppen an jenen Punkten aufgchalten wurden, wo sie vorgestern effv- getroffen waren. Tie Antwort machte einen günstigen Eindruck und die Regierung hofft, daß eine Verständigung mit Rumänien in kürzester Frist zustande kommt.

23 u f a r e ft, 23. Juli. Griechenland und Serbien stim­men dem Vorschläge R n m ä n i e n s zu, daß die Präliminarien und der Friede in B u k a r c st unterzeichnet werden. Griechenland verlangt, daß der Waffenstillstand gleichfalls in Bukarest unten- zeichnet wird. Bulgarien antwortete auf die letzte Note Rumäniens mit her Erklärung, daß cs die formulierten Hauptpunkte annehme und hoffe, die nebensächlichen Punkte würden keine (Schwierigkeiten, bereiten. König Ferdinand richtete an den König Karol ein drittes Telegramm, in welchem er die Bitte um Frieden unterstützt. König Karol beauftragte den Ministerpräsidenten Majoreseu, dem König Ferdinand in demselben Sinne wie im zweiten Telegramm zu ant­worten. Tie Verhandlungen betreffend die Friedenspräliminarien und den Wassenstillstand werden gleichzeitig begonnen werden müssen, da die Verhandlungen einen Waffenstillstand erheischen. Tie rumänische Regierung beauftragte den Unterchef des General­stabes, den Obersten Christeseu, welcher sich gegenwärtig in Belgrad befindet, sich nach Nisch begeben.

Wien, 23. Juli. DieNeue Freie Presse" meldet ans Sofia: Die bulgarischen Delegierten in Nisch verlangen einen zehn­tägig e n W a f f e n st i l l st a n d sowie die Festsetzung einer neu­tralen Zone, auf der teilweise mobilisiert werden soll. Nach Sinaia werden Radew und Finanzminister Fontschew dele­giert

Athen, 23. Juli. Das BlattNea Jmera" erklärt es als ungewiß, die Friedensbesprechungen in Nisch könnten nicht mehr als drei ober vier Tage dauern, da weder die Verbündeten noch der rumänische Gesandte geneigt seien, Winkelzüge zuzulassen. Auf den rumänischen Vorschlag, dem die Verbündeten zuzustimmen schei­nen, werden die Besprechungen dann nach Bukarest verlegt, .rcr Vorschlag Bulgariens, einen Waffenstilsstand abzuschließen, -wird abgelehnt. Es werden drei Tage zur Unterzeichnung des Vorftiedens gewährt werden. Die in Nisch eingetroffenen bulgarischen Mge- sandtcn werden folgende Friedensbedingungen unterbreiten: 1. Sa­loniki nebst dem Hinterlande bis Tsagsci wird griechisch, 2. Kawalla verbleibt Bulgarien, 3. Bulgarien verweigert die Zahlung einer Kriegsentschädigung, 4. Bulgarien erkennt nicht die Verpflichtung an, für die materiellen Schäden im östlichen Mazedonien aufzu­kommen, da es sich nicht fiir die Plünderungen und Feuersbrünste verantwortlich hält. Das BlattNea Jmera" erklärt, datz »l An­betracht der bulgarischen Vorschläge eine Verständigung zwischen den Kriegführenden wenig wahrscheinlich ist. Allein der Vormarsch der verbündeten Truppen würde Bulgarien zwingen,, solche Vorschläge fallen zu lassen. Das gleiche Blatt meldet, day 60 bulgarische K o m i t a t s ch i s v e r h a f t e t sind, die am 16. ?suli versuchten, den Zug, in welcheiN V e n i s e l o s nach Monastir fuhr, in die Suft zu sprengen. Bomben und Dynamit wurden von der Behörde in Sorowitz aufgefunden.

Petersburg, 23. Juli. Die Petersburger Telegr.-Aaent, ist zu der Mitteilung ermächtigt, daß die Meldung des Serbischen Preßbureaus vom 20. Juli über das Eintreffen Bevollmächtigter Bulgariens an ber ' serbisch-bulgarischen Grenze ungenau ist. Außer ben Bevollmächtigten Bulgariens ist auch der russische Militärattachec in Sofia, Oberst Romanowski, genannt; dieser hatte tatsächlich nicht den Auftrag, an den Verhandlungen teil­zunehmen, sondern ihm war auf Nachsuchen der bulgarischen Ne­gierung gestattet, den General Paprikow bei dessen Passieren der Linien'der serbischen Truppen zu begleiten.

Konstantinopel, 23. Juli. Zu der Frage des neuen Protokolls, über das zwischen der Türkei, Ser­bien und Griechenland verhandelt wird, wird von zustän­diger türkischer Seite erklärt: Das Dokument, über dessen Benennung noch nicht entschieden ist, setzt hanptsächlich die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen fest. Es schließt in sich die Wiederherstellung des Friedens, ohne

vereinigen wird. Es sollen, wieOut West", eine Zeitschrift, die in Los Angeles erscheint, schreibt, alle Hauptindianerstämme Nord­amerikas, von Alaska bis zur mexikanischen Grenze vertreten sein. Jeder Stamm wird ein besonders Jndianerdorf errichten, und in jedem Dorfe wird man sehen können, wie die Indianer ihre Ton- waren unb ihre Gewebe unfertigen. Besonders interessant ver­sprechen einige ethnographische Vorführungen zu werden: die Hopi- Jndianer werden ihren berühmten Schlangentanz vorführen, die Navajos den Feuertanz usw.

Ter verloste Doktorhut. Daß in manchen süd- ameritonischen Staaten Tokwr-Diplvme gekauft werden können, und daß ab und zu auch der Professortitel dort für nicht allzu hohen Preis zu haben ist, diese hübsche Tatsache ist schon oft genug festgelegt und daher nicht einmal mehr ein öffentliches Geheimnis. Immerhin stellt eine Ausschreibung, die die Coope- rakiva universiiaria zu Sao Paolo im Anzeigenteil einer großen Zeitung der gleichnamigen Stadt erlassen hat, eine bis jetzt un­übertroffene Leistung war. Sie verlauft nicht nur Diplome, nein, sie verlost sie sogar: es braucht sich also keiner der wahrscheinlich sehr Zahlreichen, die gelehrte Doktoren, Professoren, Notare oder kundige . . . Hebammen nxrbcn wollen, persönlich zu bemühen. Die Anzeige hat folgenden Wortlaut:Coopcrattva universiiaria de Sao Paolo. Tiplome für Mediziner, Ingenieure, Advokaten, Apotheker, Zahnärzte, Hebammen, Agronomen, Buchhalter, No­tare und Prosefforen gegen 308000. Zur Erleichterung der Zah­lung kann die Taxe in zweiwöchentlichen Raten gemacht werden mit Remissionsauslosung nach der paulistaner Lotterie. An des Lesens unkundige Individuen werben keine Diplome abgegeben; jeder Kandidat ist verpflichtet, das Einschreibungsbuch mit eigener Hand zu unterzeichnen." Tie Doktordiplome werden also in dem glücklichen Sao Paolo ebenso ausgelost wie Tasck^nuhren, Spazier- stöckc und Grammophone. Man macht eine Anzahlung und be­kommt eine numerierte Quittung. Entspricht nun diese Nummer den letzten Zahlen des ersten Gewinnes der Staatslotterie an einem bestimmten Tage, so ist tnan wohlbestallter Mrinziner, Inge­nieur oder Hebamme. Nickst genug an diesem System deruni- versitaria" kann die erfreuliche Tatsache gerühmt werden, daß die betreffenden Diplome keine Unberufenen zieren werden: an Analphabeten werden sie nicht vergeben, jeder Notar ober Pro­fessor muß mindestens seinen Namen schreiben können. Bald wird Sao Paolo überfüllt sein von Prosefforen und Dottoren.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. In L e i p z i g verstarb der Geologe und Paläontologe Geh. Rat Professor Tr. Hermann Er ebner nach langem Leiden im Alter von 72 Jahren. Der Journalist und Romanschriftsteller Edmonde Lepelletier de Bouhelier starb gestern in dem Bogesen- bad Vittel im Alter von 67 Jahren. Mar Bayerhammers und .Kurt Neanders SchwankDas F a m i l i e nb ad", hatte bei seiner Uraufführung im Fürstlichen Schauspielhaus zu Putbus auf Rügen bei guter Darstellung und geschickter Inszenierung Direktor .Steffi ers einen starken Lacherfolg.

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