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24/05/1913 Zweites Blatt
 
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Worms 22,35 Proz. nitb Offenbach 34,5 Prozent. Auch in den Städten, die keinen Umsatzstempel haben, werde wenig gebaut. Das Reichsgesetz über die Wertznwachssteuer sei auf ganz falsche 'Art aufgcbaut, da man nickt übersehen könne, was zu bezahlen sei. Ursache des geringen Baubedürsnisses sei die Abnahme der Bevöltcrungszunahme. Man habe hiernach nie so viele leer­stehenden Wohnungen gehabt wie jetzt, die Grundstücke sinken im Preis. Bei der Einführung der Wertzuwachssteuer 1908 hätten viele Besitzer ihre Häuser recht hoch cinschätzen lassen, um nicht so viel Wertzuwachssteuer zu bezahlen. Jetzt müßten jie die hohen Lasten tragen. Ter Staat habe ein Interesse daran, daß die Realsteuern hoch gegriffen würden, da er das Einkommen ja auch besteuere. Doch habe er auf telephonische Anfrage vom Finanz­ministerium die Auskunft erhalten, daß es kein Bedenken über das Verhältnis zwischen Einkommen- uitb Realsteuern habe.

Stadtv. Wallenfels hat nichts dagegen, daß der Speku­lationsbesitz schärfer herangezogen werde.

Stadtv. Huhn ist der Ansicht, daß in den letzten 10 Jahren Reick, Staat und Stadt miteinander gewetteifert haben, den Grundbesitz zu belasten. Auf der anderen Seite ist der Schaden üiel größer, da die Handwerker nichts zu tun haben. Es liege fach im Interesse der Stadt, ihre Bürger steuerkräftig zu erhalten. Der Zuschlag zur WertzuwackKsteuer und die Besitzivechselabgabe müßten abgeschafft werden.

Ter Oberbürgermeister meint, die Baubandwerkcr wür­den gut daran tun, nicht mehr zu bauen, da viele Wohnungen leer ständen.

Stadtv. Dr. Ebel betont, der Hausbesitzer sei am meisten belastet und sei in feiner glänzenden Lage. Tie Besitzwechselabgabe sei eine ganz rohe Steuer, die am schlechtesten wirkende und un­gerechteste, die es gebe. Die vom Reichstag beschlossene Wert- ?.uwack)ssteuer entspreche nicht dem, was die Bodenreformer ver­langen. Man hätte nur den unverdicnrten Wertzuwachs besteuern sollen, beshalb hätte man bei der Veranlagung die bebauten und unbebauten Grundstücke trennen müssen und weiterhin den Wert der Häuser und der Grundstücke. Ten unverdienten Wertzuwrckts erziele nur der Boden, nicht aber das Haus. Wenn die jetzt bestehende Wertzuwachssteuer schlecht wirke, fojei dies die Sckmld des Reichsaesetzes. Graf Westarp habe den Entwurf eingebracht, bem die Wertzuwacksordnung der Stadt Köln mit einigen M- änderungen zu Grunde liege und Regierung und Reichstag hätten dem ^ugestimmt. Hessen hätte ein besseres Wertzuwachsgesetz gehabt. Doch sei die Einnahme daraus nur gering gewesen, weil die damals voraenommenen Schätzungen der Häuser zu hock ans- fielen. Schließlich spricht sich der Redner grundsätzlich für die Freilassung der unteren Einkommen von der Steuer aus.

Ter Vorsitzende bemerkt, eine Mstimmung über die vor­liegenden Anträge sei nickt möglich, da es sich um ortsstatutarisch" Bestimmungen Händle. Man müsse die Anträge selbständig be­handeln.

Stadtv. Löb er meint, beim Voranschlag könne inan über 'alles sprechen.

Die Stadtv. Schaffstädt und Petri sprechen sich eben­falls für die Aufhebung der beiden Steuern aus.

Stadtv. Vetters zieht seinen Antrag wegen der Einkommen­steuer zurück.

Titel 75, Erbauung von Straßen, Wegen und An­lagen. Stadtv Eichenauer bittet um Anlage eines richtigen Bürgersteiges auf der Wieseckseite der Alieestraße zwischen Frank­furter und Bahnhofstraße.

Der 'Vo r si tz ende bemerkt, die Sache sei ihm sehr sym­pathisch, aber sie koste 10 000 Mark, und man habe sie mit Rück­sicht auf die Geldverhältnisse zurüM.ellen müssen.

Stadtv. Eichenauer wünscht dann wenigstens bessere In staudhaltimg des Kiesbanketts und ev. Herstellung im Lause des Jahres.

Stadtv. Löber tritt für die Herstellung des Asterwegs ein, der viel älter sei als die Alieestraße und dessen Herstellung auch weniger koste

Titel 76, Kanal- und Wasserbauten. Stadtv. Troß bemerkt, daß am Wißmarer Weg viele Leute Gelände ver­lieren durch Einbruch des Labnusers. Anscheinend trage das dort fahrende Motorboot die Schuld. Wie der Vorsitzende ausführt, liegt eine Eingabe vor, die das Tiefbauamt gevrüft habe Und die jetzt an die Bürgenneisterei zurückgekommen sei.

Es folgen die Voranschläge

Der städtischen Nebenkaffen.

Stadter w ei he rungsfonds. Stadtv. U r st a d t ist der Ansicht, daß man beim An- und Verkauf von Grundstücken nicht so hohe Gewinne machen solle und regt an, öfters Land in Erbpacht zu geben. Beim Stadterweitemngsfonds müsse die Be­stimmung des Artikels 4 geändert werden, der die Mitwirkung der Stadtverordneten bei den Ankäufen ausschließt.

Stadtv. Eichenauer betont, daß der Fonds seither gut gearbeitet habe, deshalb solle man nichts an den Bestimmungen ändern.

Stadtv. Urstadt ist der Ansicht, daß man mit 50000 Mk. Anleihe bei der Stadt für den Fonds auskomme.

Stadtv. Troß möchte Auskunft haben, welche Grundstücke dem Stadterweiterungsfonds gehören. Auf dem Lindenplatz fei alles vom Stadterweiterungsfouds angekauft worden.

Stadtv. Löber hält die Einrichtung für gut. Die 100 000 Mark solle man nicht genehmigen. Man müsse bei Ankäufen die Stadtverordneten-Versammlung fragen.

Der Vorsitzende bemerkt, der Fonds sei infolge des Ankaufs der Rabenauschen Besitzung gegründet worden. Man habe da rasch zugreifen müh'en und da habe Stadtv. Dr. Ohit- sleisch die Besitzung für seine Rechnung gekauft und der Stadt zur Verfügung gestellt. Man habe dann den Fonds gegründet, um rasch zugreifen zu können. Wenn man den § 4 der Satzung aus- hebe, so hebe man den Stadterweiterungsfonds besser gleich ganz auf, da er bann doch zugrunde gehe.

Stadtv. Ur stad t kündigt einen Antrag auf Aufhebung des Artikels 4 an.

Die Voranschläge der übrigen Nebenkassen werden ohne Aus­sprache genehmigt. Die Einkommensteuer wird auf 120 Proz. und die Realsteuern auf 21 Psg. festgesetzt.

Auf eine Anfrage, warum die Stadt nicht mehr Grundstücke in Erbpacht gebe, antwortet der Vorsitzende, daß nur das Lagerhaus an der Margarethenhütte auf Erbpacht-Gelände stehe. Private gingen nicht an die Erbpacht heran, da die Hypothekenbeschaffung schwierig sei.

Auch Stadtv. Winn ist gegen das Erbbaurecht, das den deutschen Gewohnheiten nicht entspreche. Die Stadt solle billiges Gelände abgeben, dann würden die Zuzüge größer.

Gesuche der Lehrer und Lehrerinnen, sowie der stiidt. Beamten nm Gehaltserhöhung.

Wie der Vorsitzende mitteilt, wollen die Lehrer und Be amten die alsbaldige endgültige Regelung ihrer Gehaltsverhält­nisse. Der Finanzausschuß stehe auf dem Standpunkt, daß man die endgültige Gehaltsordnung schaffen solle, sobald der hessische Staat mit seiner Besoldungsvorlage fertig sei. Die Teuerungs­zulage solle für 1912 nach den bisherigen Grundsätzen gewährt werden, doch solle sie in monatlichen Raten bezahlt werden.

Stadtv. Dr. Ebel begrüßt die monatliche Auszahlung, ist aber nicht damit einverstanden, zu warten, bis der Staat die Be­soldungsvorlage verabschiedet habe. Die anderen Städte hätten, doch auch nicht so lange gewartet. Er habe sogar erfahren, daß die Mehrheit der Zweiten Kammer eine Verschleppung der Vor­lage beabsichtige. Deshalb dürfe man auf den Staat nicht warten. Er beantrage, der Oberbürgermeister möge bis etwa 1. August eine Gehaltsordnung vorlegen. Wenn dieser Antrag abgelehnt werde, daß die Lehrer den Reallehrern wieder im Gehalt gleich gestellt werden, wie dies grundsätzlich beschlossen sei. (Mecum: In Aussicht genommen.) In dritter Linie werde er für den Antrag des Finanzaussctjusses stimmen.

Stadtv. Jann ist ebenfalls der Ansicht, daß man die end gültige Regelung im, Herbst vorlegen solle Wenn man warte, bis der Staat die Sache geregelt habe, setze man sich per lln gewißheit aus. Da die städtischen Lehrer bisher den Reallehrern gleichgestellt waren, sehe er keinen Grund, daß die Lehrer jetzt weniger haben sollten.

Stadtv. Wallenfels stimmt den beiden Anträgen des Dr. Ebel zu. Auch Stadtv. Simon ist für möglichst baldige Regelung.

Stadtv. U r st a d t kann Oberbürgermeister Mecum nicht zu- stirnrnen, daß man mit der Regelung bis nach der Erledigung der hessischen Gehaltsvorlage warten solle. Die Stimmung im Landtag sei hoffnungslos, in diesem Landtag werde die Vorlage wohl nicht mehr geregelt. Darnistadt, Offenbach und Worms hätten die neue Gehaltsordnung bereits durchgeführt und in Mainz stehe sie unmittelbar bevor. Bei den Lehrerinnen sei die Zulage nach einer ihm gewordenen Mitteilung falsch berechnet worden, sie bekämen offenbar zu wenig. Bei der endgültigen Regelung solle man eine genaue Ucbersicht der vorgeschlagenen Gehälter vorlegen.

Der Vorsitzende bemerkt, bei jeder endgültigen Gehalts- pcgelung werde eine Ueben'icht angefertigt, das werde auch dies­mal geschehen. Tie Ausführungen de§ Vorredners wegen der Lehrerinnen seien nicht richtig, die Lehrerinnen ständen sich in der Zulage sogar noch etwas besser als die Lehrer mit denselben Gehaltsbezügen. Auch die Lehrerinnen haben eine Eingabe ge­macht, und mit der Antwort seien die Lehrerinnen offenbar zu­frieden gewesen. Auch er habe den Wunsch, daß die Vorlage bald erledigt werde. Er schlage vor, den Termin auf den 1. Dezember festzusetzen, da man bis dahin wohl die Regelung im Staat kennen werde. Es wird demgemäß beschlossen.

Verschiedenes.

Zur Forderung der Kaninchenzucht werden auf Gesuch des einen Vereins 100 Mk. bewilligt unter der Bedingung, daß ]ich die bestehenden Kaninchenzuchtvereine vereinigen.

Ein Gesuch der Deutschen Gesellschaft für Kaufmanns- e r h o l u n g s h c i m e um Unterstützung wird abgelehnt.

Der Neubau der Isolierbaracke, für den 40000 Mk. vorgesehen waren, wird nach den genauen Plänen 45 000 Mk. kosten. Der Mehrbetrag wird bewilligt.

Die Festsetzung der ortsüblichen Tagelöhne wird nach dem Vorschlag des Bcig. Keller gutgeheißen.

Der Bürgerverein hat eine Eingabe wegen Verle!- g u n g d e r B a h n st e i g s p e r r e hinter die Wartesäle gemacht, -rer Verkehrsansschuß habe sich für die Beibehaltung des bestehen­den Zustandes ausgesprochen, da die Wartesäle für die Reisenden bestimmt seien. Ein Bedürfnis für eine Aenderung bestehe nicht, auch werde die Eisenbahnverwaltung nicht darauf eingehen.

Stadtv. Schaffstädt ist für die Unterstützung der Eingabe. Es sei unangenehm, in der Halle mit ihrem Lärm Abschied zu nehmen oder zu warten.

Stadtv. Löber spricht sich in gleichen! Sinne ans.

Stadtv. Plank weist daraus hin, da.ßhier doppelt soviel Bahnsteigkarten gelöst würden wie in Frankfurt mit seinem großen Verkehr. Tas beweise, daß die Sache hier verbessert werden müsse. Es stehe noch nicht einmal eine Bank in der feaUe und wenn ein Zug Verspätung habe, müsse man in der .panc warten. Es komme doch auch nicht immer ein Abholeuder in Frage, sondern oft mehrere Personen. Auch Stadtv. Petri spricht fick) dafür aus. Die Eingabe wird mit Mehrheit unterstützt.

Die beiden W i r t s ch a f t s k o n z e s s i o n s g e s u ch e, Gilbert Neu n für Neuenweg 31. und Josef S ch w e i n s b e r g für Neu­stadt 58, werden befürwortet.

Aus twfc Lantz»

Gießen, 24. Mai 1913.

Eisenbahn -Personal - Nachrichten. Den Schlosserlehrlingen Herm. Bautz, Will;. Schmitt und Traugott Hilgenberg in Frankfurt a. M. ist die vom Kaiser für besonders fleißige und tüchtige Handwerkslehrlingc der StaatSeisenbahn-Werkitätten gestifteten Medaille verliehen loorben; dem ersten die Medaille in Silber, den anderen 'in Kupfer. Ernannt wurde Eisenbahngehilfe Fischer in Gießen zum Unterassistenten. Versetzt wurden: Bahn- meister Krö sch e von Bad-Nauheim nach Butzbach, der Großh. hessische Negierungsbaumeister des Maschinenbaufachs, Busch­mann, bisher in Witten, zum Eisenbahn-Zentralamt nach Berlin.

** Stnd t t h oa t e r. Zum 'Gastspiel der Geschwister Wiescnthal am nächsten Dienstag dürften einige Be­sprechungen auswärtiger Blätter'" interessieren: Die D r e s d. N e u e st. N a ch r i ch t e n" schreiben:Lenzhaftig- l-cit das ist wirklich das Wesen ihrer Kunst, die die schönste Aeußerung, der beseligendste Ausdruck keusch entfalteten jungen Menschentums ist, den man heute in Deutschland erleben kann". DasDarmstädter Tageblatt": Das, scheint uns, ist das Höchste, das künstlerisch Voll­endetste, was die Kunst der beiden Schwestern Wicsenthal verkörpert, diese innige Einheit, in der Farbe und Form und Bewegung, das statische Spiel der Glieder mit den Tönen der Musik.... Die eben genannte Einheit, ins­besondere die innige Verbindung mit den Tönen, die hebt die Kunst der Wiesenthal weit über alles hinaus, was wir bisher von dieser Art Kunst sahen". Tie Mannheimer Neue B ad. La n d e sz eit u n g":Tas aber haben beide gemeinsam: ihre Körper sind ganz unschwer, ganz Bestandteil der Atmosphäre, die sie umgibt und scheinen kaum schwerer als diese. Deshalb erwecken ihre Bewegungen die Illusion, als kämen sie nicht aus einem Menschenwillen, sondern aus einem Antrieb der Natur, der Luft selber". Nürnberger Zeitung":Es war ein hoher Genuß die Tänze anzusehen. Was die beiden Mädchen vorführen, ist in Danz umgesetzter Gesang und löst die vollkommensten Schönheitsgesühle aus. An ihren Bewegungen ist alles Ebenmaß und Harmonie". Peter Altenberg in derWiener Allgemeinen Zeitung": Die Körper folgen der Musik wie die Leute einst dem Rattenfänger von Hameln! Die Musik leitet, zwingt, dreht, wendet, drückt zu Boden und erhebt', die alleredelsten Leiber folgen und folgen der Macht der Töne ohne Unterlaß von selbst"'. -- TieSch aub ühn c":Wenn die Tänze der Wiesenthals vorbei sind, steht man plötzlich, aus einem seligen Reich vertrieben, wieder im verdammt vernünftigen Leben. Aber wer nicht ganz stumpf und dumpf geworden ist, wird diese zauberische Stunde nie vergessen".Fr a,n (fn r t e r Gencrial-lAnzciger":Es war ein F-est für die Augen und es wirkte /wie einte neue Offenbarung des Lebens!"

** Stadtbriefkasten. Augenblicklich werden di" Brieslasten in der Stadt frisch gestrichen. Vorsicht bei ihrer Benutzung und beim Vorübergehcn ist daher angezeigt.

Kreis Lauterbach.

Die Köhler im Vogelsberg.

Wer zurzeit von einem erhöhten Punlre die Wald-mgen im nördlichen Vogelsberg überblickt, dem fallen die mädnigen Rauchsäulen auf, die zuweilen auS dem frischen Grün der Bäume auffteigen. Im Winter find derartige Erscheinungen jedem ver­ständlich, da diese Rauchsäulen von Holzmachern berrühren bi- bei einem kleinen Feuer ihr bescheidenes Mahl erwärmen' und verzehren. Tie jetzigen Rauchsäulen sind jedock: nicht über all, sondern nur in waldreichen Gegenden antutreffen. Es sind die Kohlenbrenner, die hier vom Frühjahr bis in den^Herbst ihr schwarzes Gewerbe ausüben. Noch vor wenigen Jahrzehn­ten, ehe die Eucnbahn den Vogelsberg durckguerte unö bi- Steinkohlen in dieser Gegend nur dem Namen nach betannt waren, wurde falt in jedem Orte von einheimischen Bewob nein die Köhlerei ausgeübt. Hauptsächlich waren dies Schmiede und Schlosser, die zu ihrem Handwerk damals die Holzkohlen

verwendeten Erst bie Eisenbahn brachte für biefc Erwerbszweige die weit billigere Steinkohle zur Verwendung, unb Die Köh­lerei würbe allmählich buitt" die einheimisch? Bevölkerung ganz eingestellt. Tagegen wird ui den letzten Jahren von auswär­tigen Firmen, meistens Thüringern, die Kohlenbrennerei durch eigenes Personal betrieben. Diese Kohlenbrenner, oder Köhler, sind sozusagen richtige Daldmenschen. Llbgeschlvsseu von jedem mensck- lichen Verkehr, leben sie fast das ganze Jahr Tag und Nackt im Walde. Nur ab und zu, wenn ihnen btc Lebensmittel aus- gdjen, erscheinen die ruhigen Gestalten im nächsten Orte, um frischen Vorrat einzukausen. Eine zuckerhutähnliche Rasenhiilcke, gerade groß genug, um für zwei Mann em Strohlager h?r= -urichten, dient ihnen als Herberge und ?lufbewahrungsort ihrer wenigen Hab feli gleiten. Bei einem Wechsel auf eine andere Ko hl- stätte wird auch oft eine neue Hütte erforderlich, wenn nicht aus vorhergehenden Jahren eine solche schon vorhanden: ist, die aber zuerst einer gründlichen Reparatur bedarf. Ein Fremder, der mit den Verhältnissen des Kohlenbrennens nickt vertraut ist nnb unvermutet im Walde auf eine solche Hütte mit ihren schwarzen Bewohnern stößt, dem mag wohl im Augenblick ein leichter Schauer durch die Glieder fahren. Die Leute sind im* Umgang etwas wortkarg, was wohl auf den mangelnden 93fr- kehr mit anderen Menschen zurlickzuführen ist. Im Winter be­schäftigen fic sich in ihrer Heimat mit Holzmachen.

Kreis Friedberg.

Bad-Nauheim, 23. Mai. Bis zum 22. Mai falb 8150 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 5209 nmuefcnb waren. Bäder wurden bis zum | 22. Mai 74 655 abgegeben.

Hessen-Nassau.

[] Fcankcnberg, 23. Mai. Aus dem Talsperren- !gebiet. Der Laubesdirektor hat auf Grund des § 4 des Gesetzes, betr. die Neugestaltung der öffentlich rechtlichen Ver­hältnisse im Gebiete deS Waldecker Sammelbeckens vom 15. Februar 1912, augeordnet, daß die Räumung dieses Ge­bietes durch die Bewohner bis zum 1. Oktober b. I. erfolgen muß. Ein großer Teil der Bewohner des in Betracht kommenden Gebietes des zukünftigen Edersees hat bereits die Heimat verlassen, teils haben sie sich in Neu-Berich augesiedelt, teils haben sie sich in anderen Dörfern deS Waldecker Landes augekauft. Die Zurückgebliebenen werden noch in den in der Entstehung begriffenen weiteren neuen Dörfern Neu-Asel ober­halb deS dem Verderben geweihten alten Dorfes Asel und in Nen-Bringhausen, das gleichfalls in der Nähe deS alten Bringhausen auf dem sog. Daudenberge erbaut wird, wieder zusammenfinden. Die in der Niederung bei Herzhausen und Niederwerbe ansässigen Bewohner, die ebenfalls weichen, haben sich zum Teil an höher gelegenen Punkten ihrer Orte wieder angebaut. Die drei kleinen, inmitten des Sammelbeckens liegenden und 800 Bewohner zählenden Orte Asel, Bring- hausen und Berich müssen jedoch völlig abgerissen werden, ebenso auch noch einige Einzelgehöfte, wie z. B. die Bericher Hütte.

Börserr-BZochenbcricht.

Franksnri a. M., 23. Mai.

Nachdem an der Börse eine gewisse politische Beruhigung ein- getreten ist, ist neuerdings die Sorge über die Zukunft der wirt­schaftlichen Konjunktur in'den Mittelpunkt der Diskussion getreten. Ter anhaltende Rückgang der Preise kür Stabeisen, Blecke und andere BerseinerungsproDukte hat der Börse die Besorgnisse eingeslößt, daß wir vor einem industriellen Rückschläge neben. Am meisten verstimmte die Rückwärtsbewegung am belgischen Gifen- und Stahlnmrkt. Bei den dortigen Eisenwerken sind die ^'luitrligs- bestände allmählich ausgearbeitet worden und da die belgische Eisen­industrie hauvlsächlich für den Export arbeitet, so Haben die Werke, um neue Auiträge Hereinzubekommen, fortgesetzt Preisko>izesstonen machen müssen. Die Exvorteisenvreise in Belgien sind in den letzten zivei Monaten durchschnittlich um 10 Mk. pro Tonne zurück' ecaaiiflen. Dieser Preisrückgang war keine Belgien eigentümliche Erscheinung, vielmehr haben sich die Preise iür Fertigiabrikale am Weltmarkt für Eisen gleichfalls und ungefäur in Demselben Umfange ermäßigt Allerdings ist in Belgien diese Rückwärts- beivegung dadurch verschärft worden, daß von deutscher Seite Ver« seinernngsproduktc ganz besonders scharf in Belgien offeriert wurden. "Außerdem hat der belgische Generalstreik zur Folge gc* habt, daß ein Teil der Llbnehiner der belgischen Werke Anilrage an deutsche Werke gab. "Neuerdings hat mm auch die nidläiiftfle Preisbewegung auf den belgischen Roheisenmarkt übergegriffen. Ta gleichzeitig auch vom amerikanischen Eiseiimarkl ein Rück­gang der Preise signalisiert wurde, erblickte die Spekulation Darin "Anzeichen dafür, das; auch die Situation Der schweren Elscnindnstrie sich verschlecl tert habe. Es muß freilich betont werben, Daß hier» bei in erheblichem Umfange auch spekulative "Machenschaften wirk­sam waren. Ter EiiengrobhanDel, Der -u einem großen Teile mit iveileren Preisrückgängen rechnet, hat virliach,Etat eisen unD Bleche veikaust, ohne sich zu decken. Er hofft eben, daß die noch immer Nicht ganz beseitigte politische Unsicherheit und D-t an- haltend teure GeldstanD den Konsum weiter zur Zurück­haltung veranlassen unb auf diese Weise weitere Preis­rückgänge hervorrnfell iverden. In Der Deutschen Roheisen- indnslrie ist vorläufig noch nichts von einem fionjunfturriicfgang zu merken, Der Abrns ist hier vielmehr noch immer sehr stark. Wciur man nun auch an der Börse vorwiegend geneigt ist, Den ungünstigeren Aussichten Rechniing zn tragen und Die Liesernngs Verpflichtungen sich stark vermehit haben, so ist Doch immerhin vor­erst imr ein vorsichtiges Tasten nach unten und kein siegeSbewunIcs Drängen zu bemerken, Denn Die Baissesveknlation rechnet noch immer mit Der Möglichkeit, Daß nach Dem Gelingen einer vollstänDigen Klärung Der volltischen und Geldinarkt-Verhältnisse auch für Die Börse wieder bessere Zeiten koniiuen dürsten. Darniii herrscht große Znriickhattnng und man luariet die weitere Entwicklung ab. Eine Einschränkung der Gcschä'tstätigkeil ist auch schon durch Die nun in Gang kommende Ultimoregiiliening bedingt, für Die der 6>elD- bedarf zwar nicht sonderlich groß sein wird, bei der aber dock bisher die^Geldgeber sich nicht geneigt gezeigt haben, mit ihrem Satz für SckuebnngsgtlD von 6 Prozent ncnnenSiuerl herabzngehen. Tie Verhältnisse am Geldmarkt bleiben jedenfalls weiter ernst und erhcischeil große Selbstbeherrschmig in Der Entriernng neuer Geschäfte. "M o n t a n v a v i e v e haben in Dieser Woche weitere 3-5 Prozent eingebüßt, EoncorDia verloren sogar 9 Prozent. Von anderen I n d u st r i c v a v i e r e n slelllen n. a. sich niedriger: Turkopp 8 °/0, SUei)cr 9/. Moenus 12 °/0, Bergmann & fidie und Guilleaume je 9°f "Akkumulatoren 11/, °/0, Ehcmiscke Gries­heim 12% und Höchster 157,%. Dagegen konnten Chemische Goldenberg 1%, Vereinigte Ultramarin 10% auziehen. Tie üb­rigen Gebiete lagen ebenfalls vorwiegend schwächer. Privat- Diskont 5*/ie °;0.

Vermischtes.

* Ein spanischer Hauptmann als Mörder Aus Madrid wird geineldct: Die Polizei verhaftete de.i an ocr Kriegsschule angestellten Hauptmann der Reserve M a n u c I 3 a n ck cz unb seine Tochter, bie einen Klubmann namens Garcia Falon in ihre in der Kriegsschule gelegene Wohnung gelockt, getötet inib seinen Leichnam zerschnitten und in eine Felfengc-otte geworfen hatten. Es peißt, baß bie beiden einen Erpressungs­versuch verüben wollten, und als er Widerstand leistete, ihn getötet haben.

. * Schwerer Unfall im Zirkus Busch in Wien. Wien, 22. Mai. Bei der Abendvorstellung im Zirkus Buick, der auch der Erzherzog Friedrich beiwohnte, ereignete sich heute ein schwerer UnglÜcksfall. Während der Vorbereitungen zur Ausstatrungspaniomime stürzte eine 3 Meter über Der Manege hängende Eisenbrücke herunter, Pon den in der Manege

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