Ausgabe 
21.10.1913 Zweites Blatt
 
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Nr. 247

Zweites Blatt

163. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Stark entwickelt ist der Nachahmungstrieb. Das Lesen des Spuckverbots int Straßenbahnwagen läßt dem Kinde das Waner im Munde zusammenfließen. Ein Knabe sah, wie ein Schwein geschlachtet wurde. Mußte doch mal persuchen, ob sein Schwesterchen ebenso schrie, und stach es in den Hals. Ein anderer lerirte tn der Schule die Kreuzigung Christi und versuchte sie an semem Brüder­chen nachzumachen. Die verschriene Kriminallektüre wirkt dagegen als Entspannung oft vorbeugend tote auch eine Lausbuben^cschichte nach Art von Max und Moritz.

Die Kindcrlüge ist eine Wiederholung der Verstellungsnot- wendigkciten des primitiven Menschen, sie wird nur zu ost ge­steigert durch das Beispiel der Eltern. Gerade hier tut die größte Vorsicht not. Ein Kind, das nicht lügt, wird auch nie stehlen Viele Eigenarten entspringen dem Selbsterhaltungstrieb, der Herrichiucht, dem Egoismus. Eigensinn ist oft nur Launenhaftigkeit: nie soll man Trotz provozieren. Das Kind hat auch einen angeborenen Hang zur Grausamkeit, der oft genug durch das Beispiel der Eltern gestärkt wird, wenn sie z. B. in seiner Gegenwart junge Hunde ertränken. In Frankreich gehört der Tierschutz zum Schulunter­richt in England werden die besten Schulaufsätze über Tierschutz prämiiert. Furcht ist nichts anderes als Abwehrtrieb, dessen Vor­stufe die Schüchternheit, die oft genug zum Verbrechen führt und durch Vertrauen bekämpft werden muß.

Das Verhältnis der Eltern zu den Kindern ist der Prüfstein für die sittliche Höhe einer Familie. Bedeutsam ist die Ueber- wachung der Sexualität des Kindes, am wichtigsten seine sittliche Erziehung, das Bemühen, die sittlichen Gedanken in Handlungen umzusetzen. Daher nicht so wichttg viel Wissen als gute Anschau­ung, und hierauf ist der Unterricht zu lenken, statt Lernschule die Arbeitsschule. Es ist bedeutsam, daß der Religionsunterricht beim Kind so wenig beliebt ist, mit Nutzen ist er durch praktischen Moralunterricht zu ersetzen. Schulaufsatz: Du findest einen Beutel mit Geld, was tust du? Von 69 Kindern wollten ihn 40 zurückgeben, 29 behalten. Von diesen wollten viele für das Geld den Eltern Geschenke kaufen und dankten sogar in dem Aussatz Gott für das ihnen widerfahrene Glück. Alles ist an eine gute Charakterbildung zu setzen, wie man es 'in Amerika tut, wo man zuerst die Gedanken Pestalozzis verwirklicht. Nicht unsere Kinder sind schlechter geworden, sie haben sich nur noch nicht den neuen Verhältnissen anzupassen vermocht, rn denen ihnen das Böse leichter wird als das soziale Empftnden. Indem

Dienstag, 2. Moder 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Sreindruckerei.

R. Lange, Gießen.

politische Tagesschau.

Das Erbrecht des Staates-

Von einem Mitgliede des Budgetausschusses des Reichs­tags wird uns geschrieben:

Es ist zwar bekannt, daß die Regierung! schon im ^nni d I. auf eine Erledigung des Entwurfes über dchs Erbrecht des Staates verzichtete, da. der Entwurf, nachdem der Schwerpunkt auf das rechtliche Gebiet verschoben war, für die Regierung als Teckungsvorlage jedes Interesse ver­loren hatte. Es ist aber kaum anzunehmen, daß jetzt im

Dietziehener Famllienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag:

Redaktion: ^^112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießew

Die Stoetzschnersche Szctschwan-Expedi­tion 1913/1916 (Leiter: Walter Stoetzner, der sich durch wiederholte Reisen nach Asien und seinen Ritt guer durch Zen­tralasien und zahlreiche Veröffentlichungen einen Namen gemacht t>ati tritt am 13. November 1913 mit dein DampferBülow" des Norddeutschen Lloyd ihre Ausreise nach Schanghai an. Der Expedition gehören an: Dr. Weigold, der durch die Einrich­tung der Vogelwarte in Helgoland bekannt ist, als Oruithologe- E. Funke, der hiermit seine achte iuncrafiatische Reise an tritt, als Enthomologe: Dr. Israel, Assistent am geodätischen Institut der Technischen Hochschule in Dresden, als Geograph: in Schang­hai tritt dann der Redatteur des Ostasiatischen Lloyd, Fritz Secker, durch seine glänzenden Informationen und die eingehende Kenntnis von Chinas Sprache, Land und Leute bekannt, als Tolnietscher hinzu. Die Expedition geht in die chinesische Pro­vinz Szetschwan und in bisher unerforschte Teile des Grenz­gebietes von China Und Tibet, (um has Land geographisch, zoologisch und ethnographisch zu erforschen.

Deutsche Bücherei in Leipzig. Anläßlich der feierlichen Grundsteinlegung der Deutschen Bücherei des Börsen­vereins der Deutschen Buchhändler in Leipzig wurde die Be­gründung einerGesellschaft der Freu u d e_ ber Deut­schen Bücherei" bekannt gegeben. Diese Gesellschaft, der be­reits über 4000 Mitglieder angehören, ist ein lebendiger Aus­druck der opferwilligen und begeisterten Hingabe an die idealen Bestrebungen der Deutschen Bücherei. Sie bat den Zweck, die Interessen der Deutschen Bücherei nach jeder Richtung und in weitestem Umfange zu fördern und alle die Krebe, die an dem Kulturwerk der Deutschen Bücherei lebendigen Anteil nehmen, in engster Fühlung mit ihr zu halten. König Friedrich Jluguft von Sachsen hat den Ehrenschutz über die Geiellichaft übernommen.

Eine neue Denkschrift über die Ansiedlungspolitik in der deutschen Ostmark

wird dem preußischen Landtage im kommenden Winter zum ersten Male zugehen. Bei Beratung des Besitz­festigungsgesetzes im Frühjahr 1912 hatte der Landtag ausdrücklich den Wunsch geäußert, alljährlich in Form einer Denkschrift Rechenschaft über die Ausführung des Gesetzes zu erhalten. Auf Grund dieses Beschlusses wird ähnlich wie über die Arbeiten des Ansiedlungsausschusses Bericht erstattet werden über die getroffenen Maßnahmen zur Stärkung des Deutschtums in der Nord- und Ostmark, für die der Landtag 100 Millionen Mark bewilligt hatte. Der Zweck dieses Gesetzes ist bekanntlich, den deutschen Gruiid- besitz in Schlesien, Pommern, Ostpreußen und Schleswig- Holstein so zu festigen, daß die deutschen Besitzer ihre Güter nicht verkaufen müssen. Die Besitzfestigung haben bestehende (für Schlesien eine neugegründete) Siedlungsgesellschaften übernommen.

IHrcbc und Schule.

Kirchlich-positive Vortragstagung in Kietzen

Gießen, 21. Oft. Mit einer gut besuchten Abcndversamm- lung wurde die 4. kirchlich-positive Vortragstagung für das Gronb. Hessen und die benachbarten Gebiete gestern eröffnet. ')?ad) herzlicher Begrüßung der Erschienenen durch Herrn Professor Weimar- Gießen nahm Herr Geheimrat Generalsuperintenbent I). :? 0 pp e Hildesheim das Wort zu seinem Vorträge:Warum lehnen wir ein modernisiertes Christentum ab?" Er zeigte, ivic in der kultur- stolzen heutigen Zeit ernste Probleme hier zur Diskusfion stehen, die bei der zunehmenden Schärfe des Geisteskampfes täglich mehr den Kern des Christenttims berühren. Ohne die gesunde Wand­lungsfähigkeit innerhalb des berechtigten Spielraums un geringsten jn leugnen oder anzufechten, betonte der Vortragende, wie )chr auf diesem wichtigen Feld Form und Inhalt der ^ache auseinandei - zuhalten sind. In seinem geschichtlichen, auf der einzigartigen Got- tesofsenbarung ruhenden Kern steht das Christciituin '.mamechtbar da und ist nicht modernisierbar. Gegenüber der recht komplizierten und vielfach problematischen Art des sog. modernen Memchen gut es, das Zeugnis der christlichen Erfahrung für die uralten Ewig­keitswerte des Evangeliums aufzurufen. Tic geschichtliche Pcriou und das Lebenswerk Jesu sind Realitäten, die durch die bloße Idee nicht ersetzt werden können, jedenfalls niemals in einer Weise, die gemeinschaftsbildende und kirchengründende Macht besitzt. n,er schrankenlose Individualismus, der von einer christlichen ~ ehr c nichts mehr wissen will und die biblischen Wunder versländnislo- angreift, wird in seiner Haltlosigkeit aufgewiesen. Die aufgeworfene Frage wird des weiteren in ausführlicher kritischer Auseinander- etzuug mit Tröltsch, Traub, Jatho u. a. ihrer Klärung en tg eg en­tführt. Nicht ein ästhetisierendes Spiel mit Realitäten, nicht der Begriff einer Selbsterlösung bringt uns weiter, sondern die inner­liche Auseinandersetzung mit dem vollen Ernst des christlichen Sun­denbegriffs und die Beugung unter seinen Inhalt. In den erichut- terndcn Stunden des Menschenlebens bewährt sich die sieghatte Kraft des unverkürzten alten Evangeliums stets von neuem. Aus Kosten seines Wesens dürfen niemals M'striche am Christentum erfolgen. So soll der Jesus der Schrift der Eckstein bleiben, lo unmodern und von Majoritäten reichlich angefochten die Predigt vom Kreuz auch heute bleiben mag. Die klaren, unzweideutigen Gedanken des Vortrags wurden in der Diskussion durch Herrn Professor D. B 0 r n h äu s e r - Marburg und Herrn Lic. Dr. Dieckmann zustimmend ergänzt. Bei aller empfohlenen Scho­nung und warmherzigen Liebe wurde auch hier die Notwendigkeit betont, den selbstherrlichen modernen Menschen durch die Kraft des alten Evangeliums zu Läutern und ihn zur vollen Glaubensyohe hinaufzuheben. '

Die Geretteten von votturno.

Berlin, 18. Oft. Die Namen der durch den Dampfer Seydlitz des Norddeutschen Lloyd geretteten Passagiere von dem Volturno sind: Adolf Baumgarten, Cherniovski Pavel, Yul- kowski Iwan, Maria Florian, Bruno Palbonetka, Rosalia Wcyke, Victoria Posants, Maria Nickitowitsch, Maria Kusottc, Petar Karotke, Andrew Krilenki, Kirilo Palovicz, Nicola Smulski, Ni­cola Nicola, Gjuno Semic, Adam Milantowitsch, Lteo Mesf, Wasil Gerogieff, Petar Dandel, Andreas Tepe Beileolle, curic Steinberg, Chama Aeppel, Abraham Weisbrod, Blum Stepanic, Aauko Celifovic, Gjuro Grew Schonstein, Araba, vierter Maichi- nist Nell 9an, Heizer, Hermann Berkemeier, Steward, Abraham Dobbelahr, Teckjunge, Teykster, Steward, Helbig, Hause Fnch, Steward, Bastian Huixer, Steward, John Karlsen, Schuueder, James Kalbsch, Kohlenzieher, Gerard Kraan, Aufwafcher, Wil­liam Labill, Heizer, Mitchell, Heizer, Henrich Pjl, Trimmer, Heine Schmidt, Quartiermeifter, Ähre Ahrens John, Znnmer-

Berlin, 18. Oft. Die Namen der durch den Tampfer Großer Kurfürst des Norddeutschen Lloyd geretteten Passagiere imb Mannschaften des Dampfers Volturno zweiter Klasse sind: Rubin Reimer, Zwischendeck: Nikola Mlitzchewitz, Valil ^resnel, Spira Preosevic, Juric Rade, Moistorovic Gorasadam, Milyenc Syun, Silazk Simon, Selemic Josef, Frzic Ivan, Kavour Mio, Traikovic Simon, Nederelkovecs Todor,. Basil Taschll Polkovic, Dragan Bagdanovic, Ivan Korabe, Spira Bossavic Josip Zebok, Mirko Mroat, Alaxo Stinninoro, Peter Stanasov, Ferkus Steranko, Josyp Horaysk, Mino Malkevic, Josef Raschitzli, Mi­chal Osane, Josef Jetsowsk«, Ignatz Schisene, Constantin Rc- hutzky, Lakky Matweg, Josip Karlovic, Nrkol Bogovic, Oliwa Puskaric, Stevo Karartevio, Mile Mocan, Gwuro r)cheatovic, Nikola Kovatic, Panc Valetic, Lazo Vovcapic, Mille Bocapic, Goia ' Nzwuriac, Mattia Pec, Jeremin Ginbaliski, Joies Zaggrauxcki, 1 Zimon Krawiluk, Kasimir Carwarkenic, Mile Cigsa, Bine Ach ec, Milowan Cigsa, Adam Stock, Jnam Slic, Jandre Dragifeoic, Iwan Mikulic, Joso Stalcic, Stefan Berczenski, Dragrc Anw- novic, Milos Exar, Stanas Nordzjar, Adam Geneseao, Bozo Zai- lac, Gurka Edmund, Zolen Jan, Wladislaw Kcvic, Vladimir

Staatsanwalt Wulfsen über Uindererziehnng.

Der bekannte Dresdener Staatsanwalt Wulfsen hat kürz- /icb in Berlin seine Gedanken über das Kind, seine Krimrnalitat Lind seine Erziehung auseinandergesetzt. Seine bemerkenswerten .Ausführungen gipfeln im folgenden:

' Die sinnlichen Vorstellungen find beim Kinde noch Nicht so -scharf wie beim Erwachsenen, der Vorstellungsfchatz nt beschrankter, die Fähigkeit zur Aufmerksamkeit geringer. Wo es zu sehr an Konzentration fehlt, ist es zunächst notwendig, die Ursachen zu Dorschen ebenso, wie j)ic nützlichen Neigungen, bie: man bann auf andere Gebiete übertragen soll Eine unmoralische oder gar verbrecherische Anlage zieht die Aufmerksamkeit Pes auf diesen Gebieten Liegenden nach sich und führt ans ihnen zur Ausbildung einer Intel gmz, die auf andren fehlen kann. Das ist na. wichttg zur Beurteilung der strafrechtlichen Zurechnungsfähigkeit.

Die Vorstellungsverbindungen des Kindes sind spttngend, im» vulsiv es denkt weniger abstrakt, seine Gedankenverbindungen sind In ber Pubertätszeit und bis etwa zum 20. Jahre sendet man^eine erheblichere Entwicklung des nervösen Apparates, findet man eme er^or b{c bcftc Erziehung nottut. Daher die &bigfeitfb« Volks- und Fortbildungsschulen Die Phantasie kJ Zunächst reproduktiv, sie ist notig zu feder Att

fSüütn ^sie wird geweckt durch das Spiel Das Gedächtnis v°n. ^chanen 1 « ungefähr vom 13. Jahre wird e» oft

xft im ^uwng st ^url5j)a^ Gedächtnis in Betracht kommt, sind glanzend, und s Zeugen. Mangelndes Gedächtnis ist

dab^r die Kinde Undankbarkeit. Höchst wichtig ist

Vielfach dw Ursache laie no^^^ Instinkte und Triebe be- sAnlutsleben, fccr Spieltrieb obenan steht. Viele

^entspringen lediglich diesem. So die meisten Kinderverbreche K:,^rschlachten und dergl. Ein Kind hat als Bandendiebstähle^ .tt 1 mit Schienen, es spielt zu Hause Eisen- Spielzeug emev 11 i)ann heimlich draußen einen stein auf

bahnentgleisung uu ^2 Brennglas und setzt eine Scheune

btc Schienen Es gt mir em, ^trieb bis zum Kriminellen in Brand. So bann auf ein soziales Ziel zu

frjfrn. Dw ^5^)^ yar eine ,Kinderbande,

^üeriSte dazu verurteilte, und zwar mit giän^St @rfnt8, bie Reisenden auf den Bahnhöfen Dieb- stählen zu schützen,

Der deutschfreundliche Churchill.

Nachdem England den Ban der fünf Großlinienschisfe Les diesjährigen' Bauprogramms vergeben und Vorberei­tungen getroffen hat, die vom kanadischen Parlament einst­weilen nicht bewilligten drei Großlinienschifse vorläufig auf englische Kosten zu bauen, hält der britische Ma­rineminister es für zweckmäßig, seinen früheren Vorschlag eines Feierjahres nochmals an Deutsch­land zu richten. Er hat in Manchester eine große Rede ge­halten und erklärt:

Wir würden im nächsten Jahre, abgesehen von den kana­dischen Schiffen oder ihrem Aeguivalent, ferner abgesehen von allem, was durch neue Entwickelungen erforderlich werden könnte, vier große Schiffe gegen zwei von Deutschland auf Kiel legen. Nun sagen wir in aller Freundschaft und Auf­richtigkeit: Wenn Ihr den Beginn Eurer zwei Schiffe um zwölf Monate aufschiebt, würden wir den Beginn des Baues unserer vier Schiffe in absolut gutem Glauben für die gleiche Frist aufschieben." .

Nach den zahlreichen sachmännifchen Erwiderungen, die Churchills Plan früher hervorgerufen hat, wäre es eigent­lich überflüssig, von neuem auf ihn einzugehen. Der Erfolg seines Vorschlags liefe also daraus hinaus, daß Deutsch­land 12 Monate lang keine Schlachtschiffe auf Stapel legte, während England mindestens drei (die kanadischen), wahr­scheinlich aber eine ganze Reihe anderer z. B. für fdas! Mittelmeer zum Ausgleich für die Flottenbauten unserer Verbündeten bauen würde, alles das unter der unhalt­baren Voraussetzung, daß diese nicht gegen die deutsche Flotte gerichtet seien. Es liegt auf der Hand, daß ein solches Vorgehen den englischen Werften sehr gelegen käme, die an­dauernd mehr Bauaufträge besitzen, als sie^ausführen können, während in Deutschlmid infolge des Feierjahres viele Hunderte von Arbeitern brotlos würden; und ebenso würde es die Lösung der Mannschaftsfrage, die in England auf immer wachsende Schwierigkeiten stößt, erleichtern.

Dazu kommt, daß Frankreich in den Jahren 1913 bis 1916 dreizehn Großlinienschiffe auf Stapel legt, sowie daß Rußland gegenwärtig nächst England die größte Summe für den Aufbau seiner Schlachtflotte ver­wendet. Welcher deutsche Staatsmanii könnte unter diesen Umständen die Verantwortung auf sich nehmen, Churchills Vorschlag auch nur in Erwägung zu ziehen? Für Deutsch­land ist es vielmehr eine Lebensfrage, daß an der Durch­führung des Flottengesetzes nicht nur festgehalten, sondern daß sie mit aller Tatkraft gefördert wird.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Cberhefjen

Der Außenhandel Kanaöas.

Aus die steigende Aufnahmefähigkeit des kanadischen Marktes für europäische Industrie er zeuginsse ist des öftern in der Presse aufmerksam gemacht worden. Der Gesamt­handel Kanadas übersteigt heute 1 Milliarde Dollar <1068 660 225 Toll.) und weift für das Jahr 1912 eine Steigerung von 200 Mitt. Doll, auf, die die Steigerung des Wahres 1911 um 100 Millionen überwiegt. Der Gesamt­handel Kanadas hat sich im Laufe von 6 Jahren beinahe verdoppelt. Kanada hat zurzeit eine passive Handels­bilanz, d. h. seine Ausfuhr ist geringer und zwar be­deutend geringer als seine Einfuhr. Im letzten mit dem 31. März abschließenden Geschäftsjahr betrug die Einfuhr 675 428168 Doll., die Ausfuhr 393 232057 Doll. Den Haupt­anteil an den kanadischen Handelsbeziehungen haben die Bereinigten Staaten und Großbritannien, dann aber folgen als heftige Konkurrenten Frankreich, Deutschland, Bel­gien und die Schweiz.

Im Gesamthandel steht Deutschland an vierter 'Stelle. Es betrug 1913 der Gesamthandel mit den Ver­einigten Staaten 608 266 237 Doll., mit England 316 641431 Dollar, mit Frankreich .17 950 261 Doll., mit Deutschland 17 616 931 Doll., mit Belgien 8 829 175 Doll., mit der Schweiz 4 313 303 Toll. Allerdings hatte im Vorjahre Deutschland vor Frankreich, also an dritter Stelle, gestan­den. Bei der Einfuhr stehen die genannten Staaten, ab­gesehen von Belgien und der Schweiz, in derselben Reihen­folge. Tie amerikanische Einfuhr belief sich auf 441155 855 Doll., die englische auf 138 659 429, die französische auf 15 379 764, die deutsche auf 14 214 547, die schweizerische auf 4 297 951, die belgische auf 4 020178 Dollar. Bei der Musfuhr steht England mit 177 982 000 Doll, an der Spitze. Tie Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten betrug 167110 382, nach Belgien 4 808997, nach Deutschland 3 402394, nach Frankreich 2 570 497 Toll. Frankreich leidet unter der amerikanischen Konkurrenz weniger wie die andern Länder, weil es in der Hauptsache Luxusartikel und Nahrungs- und Geitußmittel liefert.

Interessant ist eine Mitteilung der französischen Han­delskammer von Montreal, wonach Frankreich trotz der Tarifreduktion, die ihm durch den Vertrag von 1907 zuge­standen wurde, dennoch vcrhälttrismäßig höhere Ab­gaben zahlt als Deutschland, das nach dem Gene­raltarif verzollt, und zwar deshalb, weil Deutschland mehr zollfreie Waren als Frankreich nach Kanada liefere. Be­merkenswert ist ferner, daß Kanada in bezug auf den Wert seines Handels mit den Bereinigten Staaten von Amerika in dem am 30. Juni 1913 äbgelaufenen Fiskaljahr Deutschland von dem zweiten Platz, den es bis­her eingenommen hatte, verdrängt hat und gegenwär­tig nur noch von seinem Mutterlande Großbritannien über­troffen wird. Die Einfuhr nach den Bereinigten Staaten aus Kanada betrug 1910/11 in 1000 Doll. 100 863, 1911/12 108813, 1912/13 120 571; die Einfuhr aus Deutschland in den gleichen Jahren 163 243, 171360, 188963. Tie Aus­fuhr aus den Bereinigten Staaten dagegen betrug in den­selben Jahren nach Kanada 269 806, 329 257, 415 260; nach Teutschland 1910/11 287 496, 1911/12 dagegen 306 959, also weniger als nach Kanada, 1912/13 331681. Aus diesen Zah­len ergibt sich, daß die Ausfuhr amerikanischer Waren nach Kanada im letzten Vierteljahr auf 86 Mill. Doll., d. h. um 23 v. H. gestiegen ist, {gegen. 35 Millionen nach Deutschland,'während die Ausfuhr in den letzten drei Jah­ren sich annähernd verdoppelt hat.

"November der Entwurf offiziell zurückgezogen wird. Ter Budgetausschuß wird den Entwurf dem Plenum zurück- aeben, weil es wünschenswert erscheint, einmal in einem besonderen Ausschüsse die Einschränkung des Erbrechts von der juristischen Seite aus zu beleuchten. Auch die Regie­rung hat ein Interesse daran, bei dieser Frage den Stand­punkt des Reichstags genauer kennen zu lernen, schon des­halb wird mit einer Zurückziehung nicht gerechnet, wenn der Entwurf auch nie Gesetz werden wird.

wir aber so an dem! Kinde die Ursachen der Kriminalität stu­dieren und aus ihnen neue erzieherische StrafmctHoden, ablciteii, werden wir Don da aus auch zu einem sozialen Strafrecht für die Erwachsenen kommen.

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