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M. 20 Erstes Blatt 163. Jahrgang Freitag, 24- Januar 1013
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für die Redaktion 112, Wv politischen Teil: August
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Die heutige Nummer umfaftt 12 Leiten.
Umsturz in Uonstantinopel.
In Konstantinopel ist ein plötzlicher Umschwung eingetreten, der alle bisherigen Friedeirsaussichten über den Haufen wirft und die Welt vor neue, aufregende Erwartungen stellt. Wir erhielten folgende Drahtmeldungen:
Konstantinopel, 24. Ian. Um V24 Uhr drang Enver Bey mit 300 Mann in die Pforte ein und verlangte den Rücktritt des Kabinetts. Das Reuter-Bureau meidet, das Kabinett sei zuriickgetreten. Mahmut Schefket werde Grotzwefir, Talaat erhalte das Innere. Talaat erklärte: Wir wollen die Ehre der Nation retten oder untergehen, und Adrianopel unbedingt behalten.
Konstantinopel, 23. Ian. (Ausführliche Meldung.) Gegen 1/24 Uhr nachmittags veranstalteten Ende r B e y und der ehemalige Deputierte D s ch a m i B e y an der Spitze von 300 Sofias eine lärmende Kundgebung vor der Pforte. Die Demonstranten drangen während des Ministerrats in den Bor Hof der Pforte und brachen in regierungsfeindliche Rufe aus, weil die Regierung Adrianopel p'reisgeben und> sogar gegenüber Montenegro nachgeben müsse. Sie verlangten den Rücktritt des Kabinetts. Der Großwesir begab sich hierauf in das Palais. Infolge der Kundgebung Enver Beys ist das Kabinett zurückgetreten. Mahmud Schefket ist zum Großwesir, Talaat Bey einstweilen zum Minister des Innern und Izzet Pascha zum Kriegsminister ernannt worden.
So haben also die Jungtürken alle weiteren Versammlungsgedanken aufgegeben und mit einem in der Stille offenbar schon seit einigen Tagen vorbereiteten Gewaltakt die Entscheidung von neuem auf die Spitze des Schwertes gestellt. Enver Bey ist jener tapfere, unermüd- , liche, noch jugendliche Offizier, der schon in Tripolis bi- zum letzten Atemzage kämpfen wollte, den Widerstand mif Erfolg immer wieder von neuem organisierte und im Kampfe selbst ernstlich verwundet worden war. Nach dem Friedensschluß zwischen Italien und der Pforte reiste er nach Konstantinopel, wo er erst eintraf, als die großer. Schlachten für die Türken schon verloren waren. Heut! aber hat er den Platz Mukhtar Paschas eingeirommen, mit es heißt, daß er unablässig die Ordnung und den. Mut dei türkischen Soldaten in der Front gehoben habe. Der greis; Kiamil, den im Jahre 1908 nach ihwem erfolgreichen Sturze Abdul Hamids die Jungtürken zum Großwesir erhoben, trat widerstandslos zurück. Es ist immerhin ein Erfolg, daß der Umschwung fast ohne Blutvergießen und unter der jubelnden Zustimmung der Volksmassen erfolgt, denn der bisherige Kriegsminister Nazim Pascha, dessen Adjutanten aus den Fenstern auf die jungtürkischen Soldaten schossen, wurde nur.infolge dieses bedauerlichen Zwischenfalles getötet. Der Sultan hat den Umschwung sofort gutgehe'ißen, und d^s neue Kabinett ist bereits mit Schefket, deni früheren Kriegsminister an der Spitze, gebildet. An die Stelle des erschossenen Nazim tritt als Kriegs- minister Izzet Pascha, der bisher bekanntlich Generalstabschef, der Armee war. Der frühere Großwesir Hakl'i Pascha ist nach einer Meldung der „Frks. Ztg." Minister des Aeußern.
Wie die militärischen Aussichten nun zu bewerten sind, ist eine zwar spannende und wichtige, aber doch müßige Frage. Gehen doch in der Türkei selbst die Meiimngen darüber so stark auseinander! Heldenmut und Entschlossenheit vermögen, wie wir aus der Geschichte wissen, viel, -und auf der bulgarischen Seite ist offenbar Kriegsmüdigkeit eingetreten, denn das Land wartet dort auf seine Erntearbeiter. Was in der nachstehenden Londoner Meldung über die Erwartungen und Hoffnungen der Balkandelegierten steht, ist müßiges Gerede. x
Das Nächste, was nun erfolgen wird, sind höchst wahrscheinlich keine Ereignisse bei Tschataldscha, sondern große politische Wendungen außerhalb der Türkei. Die politischen Würfel werden vielleicht noch lauter rollen, als die des Kriegsgottes. Was werden die Großmächte nun beginnen? Die Antwort der Pforte auf die bekannte gemeinsame Note wird natürlich ablehnend lauten. Unl Deutschland hatte, wie Herr v. Bethmann Hollweg in der „Nordd. Allg. Ztg." verkünden ließ, es verhindert, daß der Türkei in dem gemeinsamen Dokument „Demonstrationen" angedroht wurden. Hinterher verlautete freilich, der russische Botschafter v. Giers und der französische Botschafter Bompard hätten im Auftrage ihrer Regierungen gemeinsam bei der Hohen Pforte der Kollektivnota einige ergänzende Erklärungen angefügt. Sie teilten mit, daß man der Türkei eine Ueberlegungsfrist nicht mehr gönnen, und daß man sie zum Nachgeben zwingen werde, und sie nannten auch das Mittel, das man zur Durchsetzung seines Willens erdacht. Die r u s s i s che n Truppen würden auf das ttirkische Gebiet marschieren und Rußland würde zur Besetzung der Wilajets Bitlis, Erzerum und Trapezunt „genötigt" sein.
Mit größter Spannung wird man also in den nächsten Stunden die Maßregeln in Petersburg beobachten. Und Sir Edward Grey, der Dirigent des Londoner Konzerts, muß sehen, daß es nun ernst wird, daß er die Tat vo llbringen muß, die er bisher nur gedacht! Die alten Hüter des Status quo verwandeln sich über Nacht in Herausforderer aller möglichen Weltverwicklungen. Die Frage lautet wieder: Wird das Feuer auf seinen Herd beschränkt werden? In diesem Falle könnte man die nächsten Ereignisse ruhig dem General Sawow, und auf der andern Seite dem tapferen Enver und dem braven Schükri überlassen. Aber heute sieben die Chancen für Rußland anders. Die deutsche Politik hat sich als schwach und zaudernd gezeigt, und wenn sie auch zu den härtesten Drohungen gegen die Pforte nur ungern ihre Unterschrift enge geben hat, so wird sie auch jetzt wieder, statt hu sandeln — zu dulden wissen. Der neue Staatssekretär '. Jag o w, der just heute zur Uebernahme seines Amtes n Berlin eingetroffen ist, tritt bei stürmischen Wogen die 'teise an. Der Dreibund ist frühzeittg erneuert worden, und das Einvernehmen Deutschlands, Oesterreichs, Italiens, das beim Ausbruch des Balkankrieges erst hergestellt worden ist, könnte heute schon Früchte gezeitigt haben. Tie Unterschrift unter die gemeinsame Note berechtigt freilich nicht zu großen Erwartungen. Ueber Herrn v. Bethmann- Hollweg sind neue Verlegenheiten hereingebrochen. Er hat im Regierungsblatt angekündigt, daß er die Androhung von Gewalt verhindert habe. Wird er, wenn trotzdem die Drohungen aus geführt werden, handeln? Er steht im Reichstage nicht mehr nur den unbequemen Anfragen über die Gräueltaten der Balkanstaatcn gegenüber. Schon fragt Bassermann, was die Regierung der englischfranzösisch-russischen Vereinbarung über eine neue ?lb- grenzung der Interessensphären in der asiatischen Türkei gegenüber zu tun gedenke? Die eisernen Würfel werden vermutlich schon gefallen sein, wenn das Kartenspiel im Reichstage beginnt. Und der Kanzler wird in der ihm
vielleicht erfreulichen Lage sein, zu erklären, für die Türkei und den Weltfrieden sei cs wohl am besten gewesen, daß der russisch-englische Haifisch auch den asiatischen Halbmond verschluckt habe.
Wir erhalten folgende Meldungen:
Konstantinopel, 23. Jan. Ein Reskript des Sultans durch das Mahmud Schewket zum Großwesir ernannt und mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt wird und qt dem weiter die Ernennung des Scheich uel Islam angekündigt wird, wurde h<;ute abend vor einer dichten Menschenmenge auf der Terrasse vor der Pforte verlesen.
Die „Frankfurter Zeitung" erhielt von ihrem Mitarbeiter noch folgendes Telegramm:
Konstantinopel, 23. Jan. (7.45 N.) Gegen i/24 Uhr versammelten sich etwa 1500 Personen auf dem Platze vor der Moschee des Sultans Baiazid. Mit roten Fähnchen bewegte sich der Zug, bald lawinenhaft anwachsend, zur Hohen Pforte. Hier riesen die Demonstranten: „Wir wollen keinen schändlichen Frieden!" Bald sah man auch den Freiheitshelden Oberst Enver Bey ankommen. Die Menge machte ihm Platz und Enver begibt sich ungehindert direkt in das Kabinett des Großwesirs Kiamil. Enver setzte dem Großwesir den furchtbaren Ernst der Lage und die Uebcrreizung des Volkes, dem ein Friedensschluß unter solchen Bedingungen unverständlich sein würde, in kurzen Worten auseinander. Kiamil antwortete sofort, daß er bereit sei, zur Verhütung schwerer Erschütterungen des Landes abzudanken. Er unterzeichnete auch sofort seine Demission und bat Enver, diese dem Sultan zu unterbreiten. Enver fuhr mit dem Schriftstück sogleich im Automobil nach dem Palais von Dolmabagtschc. Der Kriegs- m i n i st e r hatte, als er von der Kundgebung Kenntnis erhielt, den Hof der Pforte durch ein Bataillon Infanterie besetzen lassen, doch blieb das Militär der Menge gegenüber untätig.
Eine Kundgebung der Jungtürken.
Eine Kundgebung der Partei „Einheit und Fortschritt" klagt das Kabinett Ghazi Mukthar wegen des ^Friedens von Lausanne des Hochverrats an. Es hebt dann lzervor, daß der König von Bulgarien die Schwäche des Kabinetts Kiamil nusgenützt habe. Trotz des Heldenmuts der an der Tschataldscha-Linie stehenden türkischen Armee fei diese Regierung enfichlossen gewesen, einen unehrenhaften Frieden mit dem Balkanbund abzuschließen: Kiamil Pasckza trage die Hauptschuld an bcm. Unglück des Landes. Dos Heil und die Zukunft des ottomanischen Reiches schwebten in größter Gefahr. Tie Nation habe recht, wenn sie sich jetzt erhebe. Sie werde unter keinen Umständen ihre heiligen Rechte auf die europäische Türkei preisgcben und werde alle Opfer bringen, um Rumelien zu behaupten.
K o n st a n t i n o p e 1, 24. Jcm. Heute befindet sich Enver Bey als einer der Delegierten der Tschtaldscha- Armee, die die Fortsetzung des Krieges von der Pforte verlangte, hier und vereinigte diese Aufgabe mit dem Plan des Komitees, das Kabinett zu stürzen. Der ganz e Sicherheitsdienst war bereits aufSciten des K o m i te e s. Der Platzkoimnandant und der Polizeiminister wurden sofort abgesetzt. >
Die Erschießung Nazim Paschas.
Konstantinopel, 23. Jan. Die Erschießung Nazim Paschas, die geeignet erscheinen könnte, das ruhige und zielbewußte Vorgehen Enver Beys und Talaat Beys zu' diskreditteven, ist zweifellos durch die Schuld der Adjutanten Kiamil und Nazim Paschas bedingt worden. Enver Bey und Talaat Bey hatten ausdrücklich beschlossen, keinerlei Blut zu vergießen. Als jedoch die Adjutanten Nazim Paschas auf Enver Bey und seine Begleiter aus den Fenstern schossen, wurde
Die nördlichste Staöt der Erde.
Spitzbergen, das klassische Land der Polarsorschung, wohin jetzt wieder wegen des ungewissen Schicksals der deutschen Expedition Schröder-Stranz aller Augen gerichtet sind, kann seit einigen Jahren den Ruhm in Anspruch nehmen, dec nördlichste Stadt der Erde zu besitzen. Während lange Zeit Hammerfest diesen Titel mit Recht führte, gebührt er jetzt der Ansiedlung der amerikanischen Bergwerksgesellschaft in der.Advent-Bai, die nach einem der Hauptaltionäre „L o n g Y e a r City" heißt. Der bekannte Forschungsreiscnde Wilhelm Filchner, der nunmehr aus den arktischen Gebieten die Heimreise angetreten hat, berichtet von einem Besuch dieses interessanten Flecks Erde, der zugleich das nördlichste Bergwerk der Welt umschließt, in seinem zusammen mit Dr. Heinrich Seelhcim verfaßten Buch „Quer durch Spitzbergen". _ ,
Es ist erst wenige Jahre hei', datz man ut Spitzbergen Kohlenlager fand, die den Abbau lohnten, Nachdem von norwegischen Nobbenfängern, die in diese inneren Buchten hinem- kamen, sehr brauchbare Kohlen nach Norwegen gebracht worden waren, fanden sich bald unternehmungslustige Gesellschaften, die eine Ausbeutung im größeren Stil in Angriff nahmen. Am Ostufer der Advent-Bai wurden Bohrungm vorgeiwmmen, die in etwa 100 Meter Abstand über dem Meere eine fast'horizontal gelagerte Schicht voii Steinkohle ergaben. Tie Kohle erwies sich als verhältnismäßig jung; , sie gehört der mittleren Periode unserer Erde, dem sog. Mesozoikum, an. Sofort begann man mit der Anlage größerer Einrichttmcken. Ein Stollen wurde in den Kohlenflöz hincingetrieben: von feiner Ausgangsstelle eine Bahn zur Küste hinuntergeführt, ein Landungssteg m die Bucht hinausgebaut, um eine leichte Beförderung zu ermöglichen. Für den Bettieb der Bahn, dreren Wageii an Drahtseilen tte en, sowie für die elektrischen und anderen Maschinen erstand ein Kcsfel- und Maschinenbaus und dann erwuchs eine kleine Ansiedlung von Untcr- kunftshäusern für Beamte und Arbeiter, von Magazinen und sonstigen Gebäuden aus dem Bodeii hervor. Es waren Engländer, die diese erste Bergwerksanfiedlung gründeten, und von 1906 bis 1908 herrschte reges Leben in „Advent-City, bis mit einem Schlage wieder gähnende Leere und Oede an die Stelle dieser mitten im Eis aufblühenden Jndusttie trat. Es hatte sich,« herausgestcllt, daß eine mächtige Gesteinswand zwischen den Ä^lmschichten lag, die die Gewinnung sehr beeinträchtigte und
die Rentabilität des Unternehmens in Frage stellte. In stucht- artiger Eile wurde der Ott verlassen und von Filchner und seinen Gefährten in diesem öden, aber noch mit allen Anzeichen früheren Lebens erfüllten Zustande gesunden.
Mehr Glück hatten die Amerikaner, die an einer andern Seite der Advent-Bucht auf einen ertragreichen Flöz stießen^ Hier ist alles aus den Großbettieb eingerichtet und die Gesellschaft hofft, jährlich etwa 60 000 Tonnen Kohle fördern zu können. Die Maschinenbautcn und die Holzhäuser für die Arbeiter fügen sich zu einer emsigen Stadt, eben zu Longyear-City, zusammen. Eine Pferdebahn und eine Drahtseilbahn bewerkstelligen den Verkehr: in der Maschinenzentrale sind zwei Dynamomaichiuen aufgestellt, die die Elektrizität liefern für die ausgedehnte Beleuchtungsanlage und für die Motoren, die oben am Stollen-eingebaut find. Zunächst wurden etwa 100 Leute beschäftigt, von denen die Hälfte auch den Winter oben verbrachte, eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft, die in strammer Zucht gehalten wird und stteng von jedem Alkohol ferngehalten ist. Die Arbeiter erhalten durchschnittlich 6—8 Kronen Arbeitslohn für den Tag, können sogar bis auf 15 Kronen kommen, so daß sie bei verhältnismäßig geringen Ausgaben hübsche Ersparnisse machen können. Außer der Haushältettn des Direktors gab es keine Frauen. Sehr interessant ist eine Besichtigung dieses nördlichsten Bergwerks der Erde. In dem Hauptstollen kann man bequem und aufrecht marschieren und wird von dem seltsamen Bild eines weißen Kohlenbergwerks überrascht. Eine Schicht feiner Eiskristalle kleidet den Stollen aus, und wenn man die Lampe an die Wand hält, glitzert das Licht in tausend funkelnden Reflexen dem Beschauer entgegen. Da die Temperatur im Innern des Bergwerks etwa 4 Grad Kälte beträgt, wird die feuchte Luft, die von außen eindringt, hier kondensiert und in Millionen von Kristallen niedergeschlagen.
♦
— Die deutsche wissenschaftliche Station auf Spitzbergen. Wie bekannt, ist durch Graf Zeppelin und Prof. Hergescll in Spitzbergen eine wissenschaftliche Beobacküungsftation in der Croßbai eingettchtet worden, die bereits iml zweiten Winter tätig ist und im wesentlichen die Aufgabe Ijiat, durch aerologische Beobachtungen die Luftströmungen und meteorologischen Verhältnisse im hohen Norden festzustellen. Auch geophyfikalisck»e Be- obachttmgen anderer Art werden von der Station ausgesühtt. Tie Besatzung wird von den beiden Gelehrten Tr. Wegener und
Dr. Robitzsch und zwei Gelsilsen gebildet. Die Beobachtungsstätte befindet sich ungefähr 120 Kmtr. von der in letzte Zeit viel «genannten Kohlenmine in Adventbai und ungefähr ebenso weit von der norwegischen staatlichen Telesunlenstation in Greenharbour. Tem Umstand, daß das Observatorium mit einer kleinen Tele- funtenftation versehen ist, die mit Greenharbour in Verbindung treten kann, verdanken wir nunmehr Nachrichten von diesen deutschen Gelehrten. Die Telefunkenstatiou konnte zwar nicht regelmäßig arbeiten, iveil es nicht mehr möglich war, die Anteimen- masten in dem hartgefrorenen Boden zu befestigen: doch gelang es mit einem Fesfelballon, die Antennen emporzul)eben, und so die Verbindung herzustellen. Nach dem am 19. Januar abgegebenen Nadiotelegramm befindet sich auf der Station alles wohh Die Beobachtungen nehmen ihren regelmäßigen Fortgang. Von der Schröder-Stranzschen Expedition sind keine Teilnehmer auf der Station eingetrossen, so daß die in dieser Hinsicht ausgesprochene Vermutung nicht erfüllt ist.
kf. E i n w i e d e r k ä u e n d e r M e n s ch! In der , Gesellschaft für Innere Medizin imd Kinderheilkunde in Wien" ist am 19. Dezember ein merknnirdiger Patient vorgestellt worden, nämlich ein Wiederkäuer. 9!ach einem Berichte der „Klinisch-Therapeutischen Wochenschrift" war der Kranke wegen hysterischer Beschwerden ins Krankenhaus gegangen. Die Untersuchung ergab, daß er seit einem halben Jahre wiederkäute. Er tat dies jedoch nicht nach jeder Mahlzeit, und auch nicht bei allen Speisen. Er klagte über Kloßgefühl im Halse. Genauere Untersuchung ergab vollständiges Fehlen der Rachcnreslexe und ein starkes Vorspringen des dritten Halswirbels nach innen. Möglicherweise saß in dieser Gegend eine Verletzung, die krampfhafte Zusammenziehungen der Speiseröhre hervorrief. Bei dem Kranke^ fehlten übrigens eine ganze Reihe von Reflexen, was auf eine degena- ratiüc Veranlagung schließen läßt. Fälle von wirklichen Wiederkauen beim Menschen, wo die einmal verschluckte Nahrung willkürlich wieder heraufgebracht und noch einmal gekaut wird, find unseres Wissens in der medizinischen Literatur sehr selten. Der Berliner Anthropologe von Luschan erwähnt in seinen anthropo- logisckwn Vorlesimgen gelegentlich, daß er selbst einmal einen wiederkäuenden Menschen zu untersuchen, Gelegenheit hatte.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Der Professor der Pl>ysik in Tübingen Paschen bat einen Ruf als Älustauschprosessor an der Universität m Auu- Arbor (Michigan) echalten.


