Ausgabe 
21.10.1913 Erstes Blatt
 
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ihre Vertreter den Mächten mit, sie habe den Serben be- fvchl-en, sich unverzüglich über die Grenzlinie gegen Albanien zurückzuziehen, die durch die Londoner Konferenz sestgelegt ist.

Deutsches Reich.

~ Das Kaiserp«a.r

Itnb Prinz Adalbert haben, wie aus Berlin gemeldet wird, an dem einzigen von dem Moskauer Synodal-Chor-Diri- genten Golowanow veranstalteten geistlichen Kon­zert teilgenommen. Unter den Anwesenden befanden sich der russische Botschafter und die Mitglieder der russischen Botschaft sowie neben vielen Angehörigen der Hofgesell­schaft der Generalintendant Graf H Ülsen-Hrreseler. Tie Majestäten beteiligten sich lebhaft an dem großen Beifall, der dem Chor zuteil wurde. Nach der Aufführung sprach der Kaiser dem russischen Botschafter sein Entzücken über die hervorragenden Leistungen der Moskauer Sänger aus.

Die Auseinandersetzung zwischen dem Kron­prinzen und dem Reichskanzler.

Tas amtliche Wolff-Bureau schreibt:Auf das von uns erwähnte Schreiben des Reichskanzlers an Seine kaiserliche .Hoheit den Kronprinzen in Sachen der braunschweigischen Thronfolge hat, wie dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" erfährt, der Kronprinz in einem Bries aus Hopf- reden vom 17. d. Mts. sein lebhaftes Bedauern dar­über ausgesprochen, daß sein Privatbries an den Reichskanzler öffentlich erwähnt worden ist. Völlig falsch sei die Auslegung eines Teils der Presse, als stelle er sich in Opposition zum Kaiser. In der Sache selbst hat der Kronprinz dem Reichskanzler erwidert, daß dessen Schreiben für ihn zur Klärung der Angelegenheit wesentlich beigetragen habe."

Es war selbstverständlich, daß der Kronprinz die Veröffent­lichung, die, wie gleich erkannt werden konnte, nicht nach seinem Willen gewesen ist, bedauern würde. Mit der Notiz derNordd. Allg. 3tg." wird aber natürlich nicht gesagt, daß der Kronprinz nun sich zu dem Regierungsstandpunkt bekannt habe. Er wird vielmehr, wenn er die Auffassung des Kanzlers jetzt genauer kennt, an seiner Ueberzeugung sicherlich festhalten, denn auch was zur Umstimmung der öffentlichen Meinung bisher veröffent­licht worden ist, war alles eher als überzeugend.

Der Jesuitenantrag im Bundesrat.

DerBert. Lok.-Anz." meldet: Der Bundesrat dürfte sich noch vor dem Wiederzusammentritt des Reichstags mit dem Jesuitenantrag beschäftigen. Es ist in der Sache eine kleine Verzögerung dadurch eingetreten, daß her mit der Berichterstattung über diesen Antrag betraute hanseatische Bundesratsbevottmächtigte und Gesandte Dr. Klügmann inzwischen aus dem Amt ausqeschieden und diese Aufgabe auf seinen Nachfolger, Tr. Sieveking, übergegangen ist. Dieser beherrscht übrigens als langjähriger Vertreter Elsaß- Lothringens beim Bundesrat die Materie vollständig.

Vom mecklenburgischen Landtag.

Aus Schwerin wird uns berichtet: Am Montag nach­mittag hat der dirigierende Landrat im Konzertsaale des Groß- herzoglichen Hoftheaters den Landtag wieder eröffnet. Ein­gegangen sind Erlasse der beiden Regierungen. Die Regierung beabsichtigt, am Dienstag vormittag im Kvnzertsaale mit den Deputierten zusammenzutreten.

Der deutsche Konjsul in Lausanne, Filsingen, hatte anläßlich der Feier der Völkerschlacht von Leipzig die Flagge gehißt und auch während der Nacht nicht eingezogen. Am Sonntag wurde festgestellt, daß die Fahne, die leicht von der Straße zu erreichen war, zerrissen worden war und daß ein Stück vom Tuch fehlte. Die gerichtliche Untersuchung wurde so­fort eingeleitet. Ein Mitglied des Regierungsrats des Kantons Waadt begab sich zu Konsul Filsingen. um offiziell sein lebhaftes Bedauern über den Vorfall auszusprechen.

Oefterreichische Maßregeln gegen die zunehmende Auswanderung.

Aus Wien wird geschrieben: Die großen Dimen­sionen, die die österreichische Auswanderung in der letzten Zeit angenommen hat, veranlaßten die Regierung, deren! Ursachen zu untersuchen und Maßnahmen zu erwägen, wodurch die immer deutlicher zutage tretenden Auswüchse der Auswande- rungsbeweguug beseitigt oder wenigstens ihrer schädlichsten Folgen entkleidet werden könnten. Da die Gefahr besteht, daß infolge der sich häufenden Abwanderungen die Wehrkraft der Monar­chie in Mitleidenschaft gezogen werden könnte, ordnete die Regie­rung bereits vor Monaten in allen Kronländern die weitgehendsten polizeilichen Ueberwachungsvorkehr ungen und zwar insbesondere an den Grenzen an. Die Verfügungen hatten zur Folge, daß bis zur jüngsten Zeit an den verschiedenen Eisenbahn­kreuzungspunkten Hunderte ausweislose bezw. mit falschen ober zweifelhaften Legitimationsdokumenten versehene wehrpflichtige junge Männer aus Oesterreich und Ungarn aufgegriffen und den Gerichten wegen Ve rletzungdesWehrgesetzes eingeliefert wurden. Da die Anzeichen Vorlagen, daß es sich um eine plan­mäßig betriebene verbotene Anwerbung handle, wurde die Tätigkeit jener Personen genau überwacht und hierbei festgestellt, daß es sich in der Tat zwar zumeist um eine im Nordosten ber Monarchie weitverzweigte und wohlorgani­sierte geheime Propaganda zur Förderung der Aus­wanderung überhaupt sowie der Auswanderung militärpflichtiger Personen insbesondere handelt. Aus diesem Grunde wurden die be­reits gemeldeten 95 er Haftungen der Funktionäre der Canadian-Paei- sie-Railway durchgeführt: auch wurde eine Ueberprüfung der Ge- schäftsgebamng der übrigen in Oesterreich wirkenden Dampfschiff- sahrtsgesellschaften veranlaßt.

Ans Sta&t und Land.

Gießen, 21. Oktober 1913.

** Tageskalender sür Dientag, den 21. Okt.: Stadt- t Heater:Kater Lampe." Abends 8 Uhr.

*' Der Theater-Verein wird auch in diesem Winter wieder drei Opernvorstellungen veranstalten, zu deren Ansilchrnng sich das Darmstädter £> o f t h c o t e v mit der voimusik freund- lichst wieder bereit erklärt bat. Die erste wird voraussichtlich schon bald stattfinden und wahrscheinlich'S i c weiße Dame* von Boildien bringen. In der zweiten Vorstellung dürste eine V e r d i- Oper zur Aufführung kommen, aus dem ZnkluS, den das Hol- theatcr im November zur Feier des 100. Geburtstages des Meisters der italienischen Musik unter der Leitung eines berühmten ita­lienischen Dirigenten veranstaltet Für die dritte Vorstellung ist eine Over von Richard Wagner in Aussicht genommen.

* Der 91 uiomobil»b erfall, der vor kurzem, wie mir meldeten, auf das Automobil des Fabrikanten Josef Kren ter zur Nachtzeit an der NeHbrücke verübt wurde, hat jetzt seine Aufklärung gefunden. Die Gendarmerie Hat sich des Falles sehr energisch angenommen und die beiden Täter fcstgestellt. Beide, von Beruf Arbeiter, Haben schon mit dem Gefängnis Bekanntschaft gemacht. Einer war von Anfang an geständig und entschuldigte sich mit Betrunkenheit, der andere leugnet noch immer. In dieser Woche werben weitere Untersuchungen von dec Staatsanwaltschaft angestellt. Man

kam dadurch auf die Spur der Täter, daß der Wirt der Gafi.- wirtschast »Zur NeHbrücke" aussagte, in der bewußten Nacht seien vier angetrunkene Arbeiter nach 12 Uhr in seine Wirt­schaft gekommen und hätten Bier verlangt, seien aber von ihm hinauSgewiesen worden. Zwei von diesen müßten die Täter gewesen fein, da niemand weiter zu der Zeit in der Nähe mar.

* Aerztlicher Fortbildungskurs. Der im Wintersemester 1913/14 stattfindende ärztliche Fortbildungs­kurs an der Universität Gießen beginnt am 22. -Okt. abends von 57 Uhr mit einem Vortrag von Geh. Rat Bostroem über:Neuere praktisch wichtige Fragen der allgemeinen und speziellen Pathologie".

** Ernennung. Ter Großherzog hat den Hauswär­ter im nördlichen Kollegiengebäude, Ludwig Wirth, zum Kanzleidiener bei dem Ministerium des Innern mit Wir­kung vom 1. Lktboer 1913 ernannt.

Landkreis Gießen.

Z Nieder-Bessingcn, 19. Oft. Für oa§ verstorbene Gemeinderatsmitglicd Haas und die auSscheidenden Mit­glieder Schröder, Walter und Olemotz findet über­morgen die Ergänzungsmahl statt. Man sieht dieser Gemcinde- ratswahl, mozu eine ganze Anzahl Kandidaten aufgestelll worden ist, mit Spannung entgegen.

Kreis Büdingen.

Ober-Widders heim, 20. Okt. Hier sand die Wahl eines Beigeordneten statt, bei der anstelle des wegen vorgeschrittenen Alters zurückgetretenen Heinrich Karl Eifer dessen Sohn Karl Eiser, Land- und Gastwirt, ge­wählt worden ist.

--Nidda, 19. Okt. In einem Fackelzug zogen am Samstag abend die hiesigen Vereine und Schulkinder aus die Beunde. Dort wurde ein Freudenseuer an gezündet: Forstmeister Dr. Schütz hielt die Festrede. Darauf folgte Kommers. Am Sonntag zogen die Kriegervereine von Mdda, Kohden und Unter-Schmitten in Parade zum Festgottensdienst, in dem Pfarrer Werner die Festpredigt hielt. Nachmittags um 2 Uhr bewegte sich ein großer Festzug mit Musikbegleitung zur Gäusweide, wo die Feierlichkeiten fortgesetzt wurden. Den Schluß des Festes bildete eine allgemeine Feier in Krafts Saalbau: hier hielt Oberst z. D. Weimer die Festrede. Tiefen Eindruck machte das TheaterstückAus großer Zeit". Lebende Bilder, Lieder des Vereins Sängerkranz und des gemischten Chors sowie Musikvorträge der NiddaeFeuerwehr­kapelle sorgten für Abwechslung.

= Ortenberg^ 18. Ott. In dem benachbarten Torte W a l l e r n h a u s e n ist ein Schul streik ausgebrosten, weil ein neuer Lehrer dort fest angcftcUt worben ist. Die Leute wollten den bisherigen Vikar begatten und schickten dem neuen Lehrer ihre Kinder nicht zur Schule. Von der Großb Kreisschulkom- mission Büdingen weilten gestern .Kreisrat Böckmann und der Kreisschulinspektor in Wallernhausen, um die Angelegenheit zu untersuchen.

Kreis Alsfeld.

r-. Maulbach, 20. Okt. Am 18. Oktober wurde durch die Schulkinder im Beisein des Schulvorstandes eine Freiheitslinde gepflanzt und den Kindern Brezeln ausgeteilt. Am Abend be­wegte sich ein stattlicher Fackel- und Lamvionzug nach der Anhöhe vor dem Ort, wo ein mächtiges Freudenfeuer abgebrannt wurde. Chor- und gemeinsame Gesänge sowie Ansprachen von dem Pfarrer, dem Lehrer und einem Kämpfer von 1870 erzeugten lebhafte Be­geisterung. Der Festgotte sienst am 19. Oktober c*3X von den Ver­einen mit ihren Abzeichen besucht. Ein Famil "bür-.d im Saale von Wirt Schneider, ber mit Gesängen und Deklamationen der Schulkinder ausgeschmückt war, beschloß die F st -tage. In der letzten Versammlung sprach Lehrer Döhn über die geschichtlichen Vorgänge im Jahre 1813 und Pfarrer Wörißhoffer über Scheun- horsts Wirken.

Kreis Friedberg.

O Friedberg, 20. Okt. Eine Kreislehrerkonferenz, die erste unter dem Vorsitz unseres neuen Kreisrates Frei­herrn Schenk zu Schweinsberg, wird hier am 30. d. Mts abgehalten werden.

fc. Friedberg, 20. Oft. In Nieder-Flor stabt siegten bei ber © e in e in b e r a tSir» a h 1 bie sozialbemo - kratischen Kandidaten Lux mit 180, Koch mit 176 unb Scherer mit 171 Stimmen.

h. Groß-Karben 20. Oft. Die am Samstag voll­zogenen 6^ e m e i n b e r atswa h le n brachten den vereinigten bürgerlichen Parteien den Sieg. Die sozialdemokratischen Kandidaten unterlagen mit einer Minderheit von 40 Stimmen

Vilbel, 21. Okt. Sonntag, den 9. Nov. I. Js. veranstaltet der Ausschuß für Volksvvrlesungen im Saal zum Pfau wie­derum einen der geliebten Theaterabende des Rhein-Mainischen Verbandstheaters, wobei dieLustigen Weiber von Windsor" zur Aufführung kommen.

Butzbach, 20. Okt. Am Samstag abend versammelten sich die Vereine der Stadt, das hiesige Bataillon zu einem Fackelzug nach dem Sckranzer, wo das Feuer abgebrannt wurde. Der Vor­sitzende des Kriegervereins, Mebizinalrat Dr. Vogt, hielt eine Ansprache. Nach Absingen des LiebesDeutschland, Deutschland über alles" begaben sich die Vereine in den Hessischen Hof zu einem gemeinschaftlichen Kommers. Hier hielten Hauptlehrer Storch, Pfarrer Loos und Dr. Vogt Ansprachen. Die Gesangvereine Ein­tracht und Orpheus verherrlichten die Feier. Gestern abend wurde das BühnenspielDeutsch und frei" aufgesührt. Der Kirchenchor und Fräulein Bangert verherrlichten den Abend durch Gesang und ein Schüler durch Deklamationen.

Starkenburg und Rheinhessen.

h Offert bad), 20. Oft. Bei außerordentlich starker Beteiligung wurden heute bie Stadtverordnetenwahlen vollzogen, bei benen bie 23 sozialdemokratischen Kandidaten mit einer Mehrheit von durchschnittlich 50 Stimmen den Sieg über die vereinigten bürgerlichen Parteien davontrugen. Infolge dieses Wahlergebnisses besteht die Stadtverordneten- Vcrsammlung nur noch aus Sozialdemokraten.

Kreis Wetzlar.

= G r u nt b (i d), 20. Okt. Am Samstag morgen trugen die Schulkinder einige patriotisck)e Lieder vor. Lehrer Bott hielt die Festrede. Abends wurde Feuerwerk abgebrannt und ein Freudenseuer entzündet. Darauf hin traf sich alt und jung bei Sang, Tanz und Müsikvorträgen im Gellerschen Saale. Am Sonntag war Kirchgang. Im Anschluß daran wurdd eine Crinnerungslinde gepflanzt, wobei Pfarrer- mel aus Rodheim, Lehrer Bott und Bürgermeister Kraus­kopf Ansprachen hielten.

<6erid)t»faaL

Breslau, 20. Okt. In der Breslauer Sittlichkeitsaffäre wurde vor ber ersten Strafkammer unter dem Vorsitz des Land- germüSdirettors M u n dr v gegen 10 Angeklagte wegen Vergehens gegen > I cv Aos. 3 des Reickisstrafgesetzbuchs verhandelt. Es er­hielten der Geschäftsführer Goldschmidt drei Jahre, der Mu­siker K a 11 c r und der Schlosser Menzel je ein Jahr, der Schnei­der K u u z neun Monate, ber Versicherungsbeamte Grollmus, der Büstenfabrikant Wiersbitzki und der Kaufmann Kusche- lewski je sechs Monate, der Kaufmann Bender-Berlin sieben Monate Gefängnis. Ter frühere Student Wiedemann und der Zahnarzt düfred Schindler wurden fretgesvrockxn.

Handel und Verkehr, Volkswirtschaft*

Zur Einweihung des neuen Karlsruher Per- sonenbahnhofes hatten in der großen Schalterhalle des neuen Aufnahmcgebäudcs sich am Montag vormittag 9 Uhr eine große Anzahl geladener Gäste cingcfunben. Nach einer Begrüßungsansprache des Finanzministers Tr. R h c t n b o l b > der vor allem darauf hinwies, daß die Frage der Neugestaltung der längst unzureichend gewordenen Verkehrsanlage durch die Inbetriebnahme des neuen großzügig angelegten Bahnhofes nun endgültig gelöst fein dürfte, gab der Generaldirektor der badi­schen Staatseisenbahnen Staatsrat Roth einen Rückblick über die Entstehung der Anlage, die in der Nacht zum Mitt­woch auf Donnerstag dem Betrieb übergeben id erben soll. Die Gesamtkosten des Bahnhofes betragen 35 585 000 Mark. Nach dem Ergebnis der bisherigen Berech­nungen kann ermattet werden, baß der Voranschlag eingehalten wird. Nachdem noch Geh. Oberbaurat Kräuter eine Erläu­terung ber Gesamtanlage, Oberbaurat Speer eine solche der Gebäudegrundrisse und der Erbauer des neuen Personenbahn­hofes Professor Baurat Stürzen acker einen Ueberblick über bie Fassadengestaltung unb die Raumausschmückung des Auf- nahmegebäubes gegeben batten, schloß sich ein Rundgang an, der Gelegenheit bot, die großzügige Anlage in all ihren Teilen ken­nen zu lernen. Nach dem Rundgang wurden den Gästen, 200 an ber Zahl, in dem vornehm ausgestatteten Wirtschaftsraum Er- frisdnirgnt ger.-i'-tt.

Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Religionsgcmeinöc.

Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage).

Donnerstag, den 23. u. Freitag, den 24. Oktober 1913 Lanbhütienfest-Endc.

8. Tag: Vorabend: 5.15 Nhr. Morgens: 8.30 Nhr. Nachmittags: 4 Nhr.

9. Tag: Vorabend: 6.00 Uhr.

Jugendgottesdienst mit Predigt.

Morgens 8.30 Nhr.

Sams tag, den 2b. Oktober 1013:

Vorabend: 5.00 Uhr.

Morgens: 9 Nhr.

Nachmittags. 3.30 Uhr.

Sabbatausgang: 6.00 Uhr.

NB. In den Wintcrmonatcn beginnt der MorgengottcS- dienst am Sabbath um 9 Nhr.

Israelitische Religionsgesellschaft.

Tlittiuoch, den 22. Oktober 1913:

Morgens: 6.15 Nhr.

Donners tag, bett 23 und Freitag, den 24. Oktober 1913

Schlnßfest und GefetzcSfreude.

1. Tag. Vorabend: 5.00. Morgens: 8.00.

Nachmittags: 4.00.

L. Tag. Vorabend . 6-00. Iugcndfeicr.

Morgens: 8.00.

(Sabbat b feie v am 25 Oktober 1913:

Vorabend: 4.45. Morgens: 8.30.

Nachmittags: 3.30. LabbathanSgang: 6.00.

Wochengottesdienst: Morgens: 6.30, abends: 7.30.

Wetteraussichten in Hessen ülr Ththvod), den 22 Lkt. 1913: Meist triib und wolkig, Regemälle, mild, westliche Winde.

vermischte-.

* Die Löwcnjagb in Leipzig Leipzig,20. Ott. In der vergangenen Nacht suhr ein Wagen der elektrischen Straßenbahn in ber Blücherstraße auf einen Tier wagen bes Zirkus Barnurn auf, ber nach bem Vahnlwf gebracht wurde. Der Zu­sammenprall war so stark, daß acht Löwen entweichen konnten, von benen fünf im Laufe der Zeit durch die Polizeibeamten er­schossen wurden Unter den zahlreichen Straßenvastauten ent stand eine furchtbare Panik Zwei Löwen entsohen nach der Mockauer Richtung, während ein dritter sich in der Gegend dess Plösener Weges aufhalten soll. Seitens der Polizei ist sofort eine umfangreiche Streife veranstaltet worben. Ein Löwe sprang durch die Tür des Hotels Blücher die Hoteltreppe hinauf und ver­ursachte eine Panik. Ein französischer Gast des Hotels Blücher erzählte einem Berichterstatter desLeipziger Tageblatts", daß er, bereits schlafend, an feiner Tür ein furchtbares Mtafren hörte. Er öffnete die Tür unb sah vor sich ben Kopf des Löwen. Noch schlaftrunken, hielt er bas Tier zunächst für ein Kalb, bis er plötz­lich in jähem Schreck bie Wirklichkeit erkannte. Auch eine Tarne, bie gerade ihre Schuhe vor die Tür stellte, geriet durch bas Er­scheinen bes Tieres in große Erregung. Soweit bisher fcstgestellt werben konnte, sinb Menschen nicht verletzt worben. ^Turch ben Ausbruch ber Löwen geriet natürlich bas ganze Stabtviertel in große Aufregung. Durch Zurufe unb Angstschreie ber Men­schen bröhnte bas Gebrüll ber planlos umberirrenben Löwen. Schnell würbe bic Feuerwehr alarmiert, bie mit Hilfe von Poli­zeimannschaften unb Angestellten bes Zirkus eine regelrechte Jagb aus bic Tiere veranstaltete. Ein Löwe überfiel bas Gejährt einer Möbeltransportfirma unb brachte mehreren Pf erben ge­fährliche Bisse bei. Inzwischen verfolgte man bie in ein Hotel eingebrungenen Löwen unb jagte sie bis auf den Boden, wo fie eingefangen wurden. Auf die Löwen wurden ungefähr 150 Schüsse abgegeben. Die Dompteuse versuchte vergeblich, bie Tiere zu retten unb ihr Totschießen zu verhindern. Ein anderes Tier bedrohte einen Straßenbahnwagen. Die Passagiere brängten in bas Innere bes Wagens, wo sie sahen, wie sich bas Tier aut eine Droschke stürzte. Der Kutscher hieb verzweifelt um sich, worauf bas toütenbc Tier vom Pferbc abließ unb floh. Der ganze Vorgang würbe badurch hervorgerufen, baß ber Wagen bes Zirkus zu nahe am Straßenbahngleis stand unb ber Führer des Straßenbahnwagens wegen des herrschenden Nebels den Mc- nagcriewagen nicht sah. Es wird noch gemeldet, daß ein Tier auf einen Auto-Omnibus kletterte, wieder heruntersprang und schließlich ivteber auf den Omnibus sprang, wo er dann herunter* geschossen wurde. Der Schaden soll ungefähr 8090 000 Mark betragen.

ff. Intimes vom König Georg. In einem neu er­schienenen französischen Buch, das den sonderbaren TitelAus bem Fenster eines Klubs" führt, werden das Privatleben unb die persönlichen Neigungen des Königs Georg folgendermaßen geschil ­dert:Ter König ist in seinem Privatleben der einfachste und ruhigste der englischen Gentlemen. Er ist einer der häuslichsten Männer, ber nachsichtigsten Väter und immer bei guter Laune in dem intime« Kreise feiner Familie. Nach feinen Kindern, die ihm das höchste auf ber Welt sind, gilt seine Liebe der Landwitt- schaft. Wenn er die Zeit gehabt hätte, sie lange praktisch auszu­üben, so wäre er ein ganz hervorragender Landwirt geworben. Er wäre aber nie ein großer Jäger geworben, ba er sich nicht viel für bie Jagd interessiert unb auch nicht sonderlich gut zu Pferde sitzt. Je älter er wirb, gibt sich ber König regelmäßigen Leibesübungen hin. Er reitet jeben Morgen, solange er in Lonbon wohnt unb spielt täglich einige Partien Tennis. Dem Golfspicl kann er keinen Cfaschmack abgewinnen. Früher interessierte ihn bas Billarbipiel. Er brachte es barin bis zu Serien von 20 Stößen: ober sein Eifer für bicses Spiel Jjat etwas nachgelassen. Jetzt ist bas Schießen sein bevorzugter Sport, in bem er Hervorsticht. Ter König ist überaus nüchtern. Er liebt den Chamvagner nicht. Sein Getränk besteht nur ans einem Fingerhut voll ^Weißwein ober Whisky, mit einem mounierenben Wasser gemischt. Ter Mönig schätzt ben englisckren Käse sehr. Er ißt ihn zu jeder Mahlzeit. Er raucht täglich 12 leichte Zigarre«. Seine StaatsvNlchten lassen ihm wenig ;3eit zum Lesen. Aber wenn er ein Buch znr Hand nimmt, so ist es nie ein Roman, sondern mentens eine Rcise- schilderung ober ein Memoirenwerk. Er verfolgt nut Juimcrfjam* feit alle Berichte der geographischen Gesellfckw'ten."

* Explosion in Berlin. Tie Morgenblätter melden aus Berlin: Aus no chnicht aufaeflärtcr Ursache erfolgte gestern nach­mittag in der Landsberger Allee in einem Hause, in bem ber Agent Schwarz hauptsächlich mit Zelluloidkragen und ähnlichen Ware»