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19.11.1913 Erstes Blatt
 
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Anzeiger Gießen.

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Erstes Blatt

165. Jahrgang

Mittwoch, 19. November 1913

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange.

..... .... . . . *, ... . Kurt Bendt: sür den

Redaktion, Erpedttion und Druckerei: Zchulstrahe 7. Anzeigenteil: H. Beck.

VezugSpretS: monatlich75Bs., viertel­jährlich Mk. 2.20; biittb Abhole- tu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.viertel» jährt. ausschl. Bestella. Zeilenpreis: lokal löPft. allswürts 20 Pfennig« (Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für deo polit. Teil: Aug. Goetz; für »Feuilleton*, »Per- mischtest und.GerichtS- saal": Karl Neurath; für .Stadt und Land"'

Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.

Tageskalcnder aus -cm Jahre 1813.

19. No vembcr. Ter Kurfürst tron Hessen kehrt nach 7jähriger Verbannung nach Kassel zurück.

Das Ergebnis

der Gießener Stadtverordnetenwahlen.

Giessen, 19. November.

Heute nacht gegen 2 Uhr war die mühevolle Zählarbcit aus der Bürgermeisterei beendet, und wir konnten eine halbe K5tunbc später durch ein Extrablatt folgendes Ergebnis verkünden:

Es wurden gewählt:

Auf 9 Jahre:

r r Stimmen

-Haberkorn, Dr., Julius, Stadtverordneter . . 2257 Ktrn g spor, Adolf, Kommerzienrat 2207 Petri II., Louis, Stadtverordneter 2089 Müller, E. H. Schreinermeister 1972i S ch m c ck e n b e cher, A., Landgerichtsdirektor . . 1911 Heichelheim, Sigmund, Stadtverordneter , . 1910 "Diehl, Johannes, Schneidermeister .... 1876 P l a n k, Wilhelm, Stadtverordneter . .... 1858 Noll,11., August, Kaufmann ....... 1743 Wenzel, Fritz, Eisenbahnhandwerker. .... 1704 Meyer, Hans, Architekt * 1659 Wachtel, Fritz, Amtsgerichtsrat .... 1643

Auf 6 Iahre:

Noll, Adolf, Kommerzienrat, Fabrikant . . , 1564 Jnderthal, Christian, Fabrikant .... 1372

Auf 3 Jahre: ;

Fourier, Heinrich, Geschäftsführer .... 1322 Haggenmüller, August, Reallehrer .... 1321 Brück, Franz, Hoflieferant, Möbelhändler. . . 1304

Außerdemerhielten Stimmen : Müller, Valentin, Lehrer 1294 Beckmann, Georg, Kontrolleur 1277 Linden st ruth, Heinrich, Schmiedemeister . . 1209 Noll, Heinrich, Geschäftsführer 1155 Lentz, Albert, Rechner . . . 1149

Andre ä, Rich., Geschäftsführer . ..... 1126 Hornberger, Wilhelm, Fabrikant. .... 1109 Frensdorf, Carl, Kaufmann 1107 Rahnefeld, Albert, Gastwirt ...... 1045 M üller, Paul, Diplom-Ingenieur. .... 1022 Fischer, Martin, Lehrer .' 953 Zorn, Karl, Schreibgehilfe 940 iPfaff, Joh. Georg, Bauunternehmer . - » . 736

Von 5169 Wahlberechtigten erschienen 3589 an der Urne. '(53 haben demnach 70 Prozent von ihrem Wahlrecht Ge­brauch gemacht, gegen 82 Prozent bei der letzten Stadtver­ordnetenwahl. i

Das Ergebnis hat allgemein überrascht, denn man hatte auf eine große Stimmenzersplitterung gerechnet, die dem sozialdemokratischen Stimmzettel hätte zugute kommen müssen. Und ganz anders ist es gekommen! Die Vorschlagsliste der vereinigten liberalen Parteien hat einen guten Erfolg davongetragen, denn nur zwei Kandidaten, die darauf genannt worden waren, sind nicht gewählt wor­den, nämlich Lehrer Fischer und Schreibgehilfe Zorn; alle übrigen wurden gewählt. Auch der Bürgerverein kann mit einiger Befriedigung das Feld übersehen: wenn ihm auch die Abänderung der liberalen Liste bei seinen vier Strei­chungen und Abänderungsvorschlägen nicht geglückt ist, so hat er es doch erreicht, daß einer seiner vier Ersatzkandi­daten, nämlich Fabrikant Jnderthal, auf 6 Jahre ge­wählt wurde. Der Wettbewerb der Lehrer Fischer und Valentin Müller endet nach dem vorläu­figen Ergebnis mit beider Mißerfolg; man hatte dies vermuten können, denn zwei Volksschullehrer zu wählen, konnten sich nur wenige entschließen, wenn auch die beiden Herren sich des allerbesten Ansehens erfreuen. Dagegen hat das Schulwesen in Reallehrer Hag gen-, müller einen Vertreter erhalten, und im neuen Stadt­parlament werden demnach drei Schulleute sitzen, neben Herrn Haggenmüller noch die Herren Pros. Urstadt und Jann.

Von dem Wettbewerb zweüer Arbeiter auf der libe­ralen Kandidatenliste hatte man in weiten Kreisen gleich­falls einen Mißerfolg erwartet. Daher wird es vielfach überraschen, daß der Eisenbahnhandwerker Wenzel mit einer so hohen Stimmenzahl auf 9 Jahre gewählt worden ist. Daß die Kandidatur Wenzel von manchen Kreisen so ungerechtfertigt scharf angegriffen worden war, hat ihr offenbar gerade genützt! Die große Mehrheit der fort­schrittlichen Parteimänner Gießens will mit dem unlibe­ralen iAuftreten der Oppositionsleute, die hiuber einigen Versammlungsrednern gestzanden haben mögen, offenbar nichts zu tun haben, und der Appell des Parteiführers Geh. Justizrats Metz hat eine durchschlagende Wirkung gehabt.

Wir kommen zur sozialdemokratischen Lifte. Sie hat sich gegenüber der Einigung des Bürgertums zu keinem großen Erfolge durchringen können, und die Ge­nossen, die in der öffentlichen Versammlung am Samstag so zuversichtlich sich gebärdet hatten, sehen nun auch ihre Felle fortschwimmen. Die Wahl des Schneidermeisters Diehl hat die Sozialdemokratie dem Entgegenkommen der liberalen Parteien zu danken; von ihrer eigenen Liste ist es nur dem Genossen Fourier gelungen, auf 3 Jahre ein Mandat zu erhalten. Wie wir übrigens hören, ist es möglich, daß bei einer genaueren Nachrechnung in den Wahlbureaus unter den Namen der auf drei Jahre Ge­wählten eine Veränderung eintritt. Es ist nicht ausge­schlossen, daß Herr Lehrer Valentin Müller oder

Herr Kontrolleur Beckmann (Soz.) an die Stelle eines! der von uns vorläufig als gewählt Bezeichneten tritt.

Schon heute aber darf man beim Ueberblick über das Gesamtergebnis seine Freude darüber äußern, daß die Mehrheit der Gießener Wähler politisch verständig vor­gegangen ist, und daß jener von uns wiederholt betonte Gesichtspunkt der Notwendigkeit eines einigen Vor­gehens der beiden großen bürgerlick>en Parteien über die Sondererwägungen den Sieg davongetragen hat! Das trägt angenehme Hoffnungen auch in die Zukunft hinein. Die Wahlbeteiligung war zwar weniger stark als vor 3 Jahren, wo die aufgewühlten Leidenschaften auch die Reserven der Wahlberechtigten an die Urne schleppten, und gestern haben von 5169 Wahlberechtigten nur 3589 von ihrem Rechte Gebrauch gemacht, das sind 69,4 Prozent gegenüber 82 Pro­zent im Jahre 1910. Allein das ändert nichts an der erfreu­lichen Tatsache, daß man den 3589 Wählern im allgemeinen das Zeugnis politischer Reife ausstellen kann. Das Bürger­tum hat sich nicht blamiert, und hoffentlich werden die neuen Stadträte gleichfalls diesen frischen Wind in die Ratsstube tragen, wo er eine Aera der Stimmenthaltungen ein für allemal unmöglich machen muß.

Noch einige statistische Bemerkungen, soweit sie heute schon möglich sind. Es war uns nicht möglich, von der Bürgermeisterei die üblichen Angaben über die Zahl ringe» strichener und abgeänderter Zettel zu erhalten. Wie aber sieht das neue Stadtparlament nun aus? Wir haben endlich die von der Städteverordnung verlangte Zahl von 36 Stadtver­ordneten erreicht. Die Stadtverordneten, die nach der Wahl im Jahre 1910 die Geschicke Gießens lenkten, verteilten sich nach ihrer polittschen Gesinnung wie folgt: 16 Fortschritt­ler, 9 Nationalliberale, ein Rechtsstehender, 2 Parteilose, 3 Sozialdemokraten. DiejetzigeBersammlungsetzt sich wie folgt zusammen: 18 Fortschritt her, 10Nationalliberale,2Rechts stehende, 3 Par­teilose und 3 Sozialdemokraten.

Morgen, wenn auch die Namen der für drei Jahre Ge­wählten sicher feststehen, wird es Zeit fein, das neue Par­lament nach den darin vertretenen Berufsständen zu durch­mustern und Vergleiche anznstellen, wie sich die Zusammen­setzung der Stadtverordnetenversammlung in dieser Be­ziehung geändert hat.

Auf einen Stimmzettel wurde folgendes Gedicht fest- gestellt:

Als Stadtrat ohne Furcht und Tadel, Gerüstet mit ei'm großen Schnabel, Als Jongleur mit Zahlenmaterial Im Durcheinander ohne Wahl, Als Weltverbesserer modernen Stils, Fürs Wohl der Stadt versprechend viel, Möcht' ich ins Stadtkollegium haben Gern I. P. G., den weißen Raben. Vielleicht das Sprichwort wird zu Nicht An ihm, das von dem Ratsherrn spricht, Der klüger von dem Rathaus kam". Auch hofft ich, ist er mal im Amt, So, kommt ihm endlich der Verstand, Daß, wer Broschüren schreiben will. Es sachlich tut, nicht mit Gebrüll!

2Ius der eisernen Zeit.

Nach Leipzig im Lazarett.

Viel Not und Elend war es, was die trüben Novemberwochcn vor 100 Jahren den Siegern von Leipzig brachten. Blücher schrieb damals an den Zaren Alexander, daß seine Truppen hungern müßten und ihm nichts übrig geblieben fei, als ihnen die Plün­derung zu gestatten; und in den Lazaretten lagen die Verwundeten, denen aus dem blutgetränkten Felde der Völkerschlacht das Schicksal den Heldcmod nicht gegönnt, vielfach im bejammernswürdigen Zustande, ohne daß ihnen wirksame Hilfe gebracht, ohne daß ihre Leiden gelindert wurden. Einen Einblick in die Schwierigkeiten der Krankenpflege, dies traurigste Kapitel der damaligen Krieosführung, jgcwährcn die Berichte, die Geh. Rat Julius v. Pflugk-Harttung in seiner an interessanten .Dokumenten überreichen Sammlung bisher unveröffentlichter Akten aus den Archiven, Leipzig 181 3" iF. A. Perthes, Gotha), mitteüt.

Sofort nach der Schlacht bei Leipzig erhält der Geh. Kriegsrat v. Haerlem durch ein Reseript Hardenbergs vom 22. Oktober 1813 die Oberaufsicht über die verwundeten Krieger,welche so viel nur irgend möglich, nach Altenburg und Chemnitz gebracht werden müssen". Zugleich wird der Oberbergrat Reil vom König Friedrich Wilhelm beauftragt,die Leitung der Spitäler der verbündeten Armeen am diesseitigen Elbuftr zu besorgen".Daß Looß unserer braven Krieger ist schauderhaft", schreibt er am 24. Oktober an Hardenberg, den er um Hilfe bittet,sie liegen zum Theil noch unverbunden, ohne Lagerstätte, in offene Räume, ohne gehörige Nahrung". Biele der kranken und verwundeten Kriegsgefangenen werden nach Berlin gebracht, von tert aber sofort weiter befördert. Da wir diese Kranken unmöglich hier behalten können," meldet der Generalchirurgus Gracse, _|ic sogleich weiter schicken müssen und pothwendig durch das beständige Ankommen jird) Absenden im Lazareth am Brandenburger Thore große Unordnung entstehen muß, auch man auf d.iesck Art jene Unglücklichen ganz unnöthig einen bedeutenden Umweg machen läßt, so ersuche ich inständigst: durch­aus keine kriegsgefangenen Kranken mehr hierher zu schicken, son­dern sie olle von da unmittelbar mit der nöthigen Annonce nach Zehden abgehen zu laßen." Das Lazarett in Altenburg erweist sich als völlig ungenügend; es müssen überall in kleineren Oertern Spitäler eingerichtet werden, und manch braver Offizier, der sich auch als Invalide noch nützlich machen will, legt da mit Hand an, wie der Leutnant Langner, der am 8. November dem König aus Köthen berichtet:Ein kleines Lazareth hatte ich hier bereits etabliert; es faßte aber nur höchstens 200 Mann Gemeine, und mehrere blessierte Officiers liegen hier zum Theil noch in hiesigen Bürgerhäusern." Er bittet um Uebertragung der Direktion dieses Lazarettes. Die Spitäler in der Nähe der Oder werden nach einem Bericht des Stargarder Militärgouverneurs vermehrt und

auchdie jenseits der Oder bclegenen vorpommerschen Städte müssen alle disponiblen Räume dazu hergeben." In Stargard selbst kann man keinen Kranken mehr uMerbringen und wendet sich bittend nach Berlin,wo dick großen Lazarett-- irnd Kasernengebäude doch gewiß an 20 000 Kranke fassen können"; Eäme von dort nicht Hilfe, müsse man die Verwundetendem traurigsten Schicksale Überlassen, welches zu verhindern, so lange es zu verhindern ist, doch Pflicht und Menschlichkeit gebieten". Die Organisation der Lazarette ging sehr langsam oonstatten, und besonders hatte man augenscheinlich in der Wahl des prakttsch unerfahrenen Bergrates Reil einen Mißgriff getan, worüber sich der Generalchirurgus Graefe bitter beschwert. Die Untersuchung so mancher dieser Spitäler lieferte das entsetzlichste Resultat, wie es ausführlich in einem Bericht vom 13. November von Zerbst gemeldet wird. Das Lazarett im Schießhaus ging noch an, wenn auch die Kranken einstimmig über Vernachlässigung der erforderlichen Reinlichkeit rücksichtlich der Wäsche klagten, es der Lokalität mangelte und namentlich in dem großen Saal an Ofen zur Heizung". Viel schlimmer stand es in dem Lazarett im Arbeitshause und in dem im sog. Rephuhnschen ©arten.

Es ist in allen Zweigen unter aller Kritik", heißt es da. Die in allen Krankenstuben herrschende Luft ist bis zum Erdrücken verpestet. Lagerstellen existieren darinn nur wenige, und die da rinn beftndlichen sind botter Unflath und Ungeziefer. Abtheilungen der Kranken der verschiedenen kriegführenden Mächte finden gar nicht statt: Russen liegen unter Preußen und Schweden usw., die befangenen feindlichen Truppen waren zwar größtentheils von den Verbündeten abgesondett, wurden aber in einem die Menschheit empörenden Zustande gefunden. Todte lagen noch unter Lebendigen in halb verpestetem Stroh ohne Bekleidung verschüttet, und über schlechte Beköstigung, Aufwartung, vernachläßigte Behandlung ärzt­licher Seits wurde nur eine Stimme geführt. Zwey Außvärter wurden z. B. nur im ganzen Hause, das mit 152 Kranken belegt war, an getroffen, und mehrere sind auch dazu nicht angenommen, selbst die Aerzte beklagen sich über Mangel an. Dienstpersonal. Der Mangel an Aussicht spricht sich»überall aus. Selbst die Medikamente werden für ganz entgegengesetzte Zwecke angewandt." Des weiteren wird festgestellt, daßmir fiir eine kleine Anzahl von Kranken gegentoärtig erst die unentbehrlichsten Geqenstände vorhanden sind " Ueberall fehlte es an Chirurgen und Krankenwärtern, und ein ebenso tüchtiger wie sachverständiger Mann wie Graefe mußte in seinem Bericht an Hardenberg am 21. November konstatieren, zu Leipzig und Halle die Krankenpflege aus eine empörende Weise vernachläftigt erschien".

*

« Nobelpreis der Literatur. Hinsichtlich der

Behauptung, daß ine Verleihung des diesjährigen Literaturpreises

an Tagorc anstatt an Rosegger auf die slawische Agitation zu- rückzuführen sei, wiederholt das Swenska Telegrambyran die fatei gorischen Versicherung des Sekretärs der schwedischen Akadeinie, daß solche Behauptungen vollständig grundlos sind. Selbstver­ständlich ließ sich die Akademie ausschließlich von literarischen Gesichtspunkten leiten ohne den geringsten Einfluß eines unge­hörigen Druckes von außen. Dr. Alfred Jensen erklärt auch bestimmt, jeglicher Agitation gegen Rosegger fernzustehen, von dessen Name während des Aufenthaltes Dr. Jensens in Agram, und Laibach niemals in Gesprächon mit politischen und literari­schen Persönlichkeiten die Rede gewesen sei.

Eine neue Vier-Männerposse. Jin Ham­burger Carl-Schultze-Theater hatte, so schreibt unser Korre­spondent, eine PosseDer Jux bar o n", deren grotesken Unsinn vier Autoren zusammengettagen haben, den üblichen lauten Erfolg. Die von Hermann Haller und Pordes Milo erftindene Hand­lung, in der ein Landstreicher die Rolle eines eleganten Kavaliers zu spielen hat und natürlich allerlei wüsten Unfug stiftet, hat Willy Wolff mit einigen Gesangtexten verziert, deren zweifelhafte Güte das lachlustige Publikum entzündete. Die Musik von Walter Kollo paßte sich dem Niveau des Schwankes virtuos an.

Ein Lustspiel von dem Dichter desTaifun". Aus München, 16. Nov., wird uns geschrieben: Im Schau­spiel hause wurde gestern das dreiaktige LustspielTante Rosa" von Melchior Lengyel aufgeführt. Die Ausführung war freilich nur für Deutschland Uraufführung, die wirkliche war schon m der Heimat des Verfassers. Es ist ein geschmackloses und roh gezimmettes Machwerk, das uns in die recht schmutzigen Ver­hältnisse einer verarmten Familie blicken läßt, durch deren vereinte Bemühungen ein reicher junger Gimpel als Ehemann für die Haustochter eingefangen und deren voreheliches Kind dem Bräuti- gam als sein eigener Sprößling unterschoben wird. Tie Witze, die der Verfasser dabei anbringt, bewegen sich meistens auf einem in guter Gesellschaft nicht gern behcuidelten Gebiete und werden durchs ihre wiederholte Anbringung im gleichen Wottlaut nicht geniest barer. Die moralisierenden Reden einer schlauen Bäuerin, der ^ante fRofa, wirken im Zusammenhänge mit dem lasziven Ton der ganzen Posse diese Bezeichnung wäre richtiger, als der viel zu anspruchsvolle Name Lustspiel in hohem Grade abstoßend, Mil Ausnahme jener in der Minderzahl beftndlichen Zuhörer, denen die Späße, die am dicksten aufgetragen werden, am besten gefallen, verließ man schweigend das Haus. H. B.

Kostbare Auiographen. Aus New York wird be­richtet: Eine Anzahl außerordentlich interessanter historischer Auto- graphen aus der Kolonialzett Neuamerikas kam in diesen Tagen in Albany mit der Versteigerung der bekannten Handschriftensamm­lung Thacher unter den Hammer. Für den von dem ersten General direktor Neuhollands im Jahre 1630 unterzeichneten Vertrag,