baS Heer der Nebel flieht, vor des Morgenrotes Delle Und der Sohn der Wüste kniet bürffcenb an der Lebensqucrte."
Mit Bangen und Hoffen hatten unsere grauen ans unsere Heimkehr gewartet: denn bald drangen au ihnen Gerüchte und Schauergeschichten, die vonr Innern her durch den Mund der Ein geborenen bis au ihnen wcitergctragen worden waren, daß ihre Watten, die Missionare, Von den Bahong erschossen worden seien ?5ber sie hielten sich tapfer und warteten nochmal drei Wochen, bis sic uns leibhaftig und wohlbehalten wiedersahen. Sie hatten sich mit der richtigen Auffassung getröstet, daß bei einer wirklich vorgefallenen Katastrophe doch wenigstens einige unserer schwarzen Begleiter entkommen unb nach Nyasoso gelangt sein müßten. Da dies nickt geschah, nahmen sie an, daß sie auf anderem Wege weiter bis Bali porgedrmtgcn seien, was auch der Wirklichkeit ^sprach. ,
' Später erfuhren wir noch, daß die feindlichen Bahong sich tatsächlich mit Gewehren in den Hinterhalt gelegt hatten, um, isobald sene Horde das Feuer aus dem Hügel eröffnet hätte, uns den Rückzug abzuschneiden, wodurch eine Katastrophe unabwendbar geworden wäre. Auch wurde uns berichtet, daß wir unbewußt bis in die Mhe des Königsgehöftes gelangt waren. Wenn tmr vollends dorthin gekommen wären, hieß cs nachher, dann waren wir nicht mehr zurückaelchrt. Das Haus des Königs soll übrigens nach Aussagen der Eingeborenen ein „Elsenbeinhans" gewesen sein, worunter wahrscheinlich zu verstehen ist, daß die Wände Mit Elcsantenzähncn geschmückt waren.
Die Bavong-Stäinme bewohnen hauptsächlich die zum Dsmang- Bezirk gehörenden Gebiete der südlichen Nandgebirgc des,Kamerun er Hochlandes und hatten sich bis in die neuere Zeit noch völlig abgeschlossen gegen alle Kultur und Zivilisation. Sie sind daher noch sehr tiefstcbend, mißtrauisch und überaus scheu, oic führen ein ganz geheimnisvolles Familienleben in abgeschlossenen, an Bergbängen und Schluchten umher zerstreut liegenden Einzelgehöften. Sie sind geborene Räuber und gefährliche Messerhelden. Der Dolch ist beständiger Begleiter dieses Bergbewohners und bildet mit dem zugehörigen Anhängeriemen nebst einem kleinen Tuchsebcn seine einzige Bekleidung. Ein Busch von Haarzöpfchen und häufig dazwischen aeflocktenen Zotten verleiht ihm ein äußerst wildes Kannibalenalksseheii, ganz seiner Natur entsprechend. Während die Dieflandbewohner meist einen bedächtigen Gang haben, siebt man die Bahong meist rennen, besonders wenn sie zu den vielen Märkten lausen.
Bezüglich der Missionsarbeit unter den Bahong wurde schon von Nichtmissionaren des Bezirks die Ansicht vertreten, die Bahong seien noch nicht reif dafür, die Mission sei Verfrüht. Mr uns Missionare ist jedes Volk auch reif für die Mission, sobald es nur erreicht werden kann und die Türen des Landes offen sind. Beides ist hier der Fall, wo die zuständigen Beamten den Wert der Mission für ihren Verwaltungsbezirk ebenso rückhaltlos an* erkennen und die Schultätigkeit derselben unterstützen. wie die deutsche Regierung dies von ihren Begatten bekanntlich wünscht, da könnten in überraschend kurzem Zeitraum herrliche Resultate erreicht und solch ein armes, blindes Volk besonders durch die Arbeit an der Jugend rasch auf eine höhere Kulturstufe empor- gehoben werden. Möchte dies auch für die Bahvng-Stämme nnserer Kameruner Kolonie sich bald erfüllen.
G. Spelbenberg.
Ziel und Zweck der Ausstellung.
Missionsbaumeister K. Eptingn schickt uns folgende interessante Zeilen:
Die völkerkundliche Ausstellung hat seit ihrem Bestehen einen Besuch von mehr als 350 000 Personen anszuweisen. Gießen ist die 23. Stadt, wo sie Aufnahme gefunden hat. Was die Aus- stellung bezweckt, wird jedem Besucher klar werden. Sic will anfräumcn mit dem Glauben, daß 'die heidnischen Völker sich so wohl befinden in ihrem religiösen Fühlen und Denken. Gewiß, es gibt viele edle und sittlich hochstel)ende Menschen unter den Heiden, aber trotzdem sind alle die Greuel möglich, wie sie sick zeigen in Kamerun bei den Gehcimbündcn, auf 'der <Hold- küstc bei den Fetischsesten, in China beim Mädchenmord und in Indien früher bei den Witwenverbrennungen. Sie will aber anch zeigen, daß die Neger Afrikas so gut 'wie die Bewohner Indiens fähig sind, europäische Bildung in denc Gewände ihres Lande? aufznnchmcn, zn verarbeiten und putzbringend anzuwenden. Daß eine völkerkundliche Ausstellung, von einer Missionsgesell- schast veranstaltet, noch hinwcist, ia Hinweisen muß, auf die Segnungen, die durch die Arbeit 'der Mission diesen Ländern gebracht wird, ist für jeden Einsichtigen selbstverständlich. — Die Ansstcllung will aber auch den Beweis erbringen, daß die Missionare keine Leute sind, wie viele meinen, die mit Scheuklappen in der- Welt und besonders draußen in der heidnischen Welt umberziehen, sondern mit offenem Ange auch für alle sozialen Schäden und Nöte ein Verständnis besitzen und auf ihre Abhilfe sinnen. Ich erinnere nur an die ausgestellten Produkte unserer eigenen Ziegeleien und Webereien in Indien. Ferner an die Tatsache, daß Baseler Missionare den Kakaobau auf der Goldküstc einführten, buftb den nun jährlich für mehrere Millionen Mark Kakao Europa zugeführt werden konnte und das Land dadurch kulturell und wirtschaftlich gewaltig gehoben wurde. Wenn die Ausstellung auch in Gießen diesen Zweck erreicht, so ist das der beste Lohn für alle Mitwirkcnden.
Schanspielstatisrik <91112.
Dem Register des deutschen Bühnenspielplans für das Spieljahr 1911/12 (Oesterheld u. (So.) entnclnnen wir nachswhcndc Angaben über die meistgespiclten Autoren. An der Spitze stcbt Rößler (1610), dann Schiller (1456, an erster Stelle „Wilhelm Tell"), Sudermann (1228, an erster Stelle „Heimat"), Shake spearc (1101, au erster Stelle „Der Kaufmann von Venedig"), Schönherr (1097), Kleist (967, an erster Stelle „Der zerbrochene Krug"), Thoma (932, au erster Stelle „Lottchens Geburtstag"), Schönthan (901), Ibsen (832, an erster Stelle „Mra"), Schnitzler (767, an erster Stelle „Das weite Land"), Goethe (723, an erster Stelle „Faust", Erster Teil), Kraatz (640), Blumenthal (590), Hauptmann '581, an erster Stelle „Der Biberpelz"). Mit mehr als 400 Aufführungen folgen dann L'Arronge, Grillparzer, Hebbel, Lessing, Mcpcr-Förster und Mol- när. Die Ausführungen der Klassiker haben zugcnommen, so Anzengruber und Hebbel. „Maria Magdalena" siel zwar von 76 ans 64, „Die Nibelungen" halten sich die Wage, während sich „Gpges und sein Ring" von 42 aui 70 und „Judith" von 78 auf 96 erhoben. Von Grillparzers Argonauten-Trilogic kommt nur „Medea" mit 50 gegen 61 Aufführungen des Vorjahres in Betracht Sehr stark hat Kleist in seinem hundertjährigen Todesjahr zugenommen. Der „Amphitrvon" steigt von 19 aus 25. „Die Hermannsschlacht" von 26 auf 44, „Robert Guiscard" von 4 auf 59, „Die Penthesilea" gar mit einem Sprung von 1 auf 140, „Das Käthchcn von Heilbronn" von 105 auf 174, „Der Prinz von Homburg" von 106 auf 215 und „Der zerbrochene Krug", als der beliebteste, endlich von 61 auf 302. Bei Goethe ließen die großen Werke wie „Faust" und „Iphigenie" nach, kleinere und unbekanntere hingegen gewannen an Boden. „Die Mitschuldigen" stiegen von 10 auf 32, „Die Laune des Verliebten" von 7 auf 64. Danclwn erscheinen zum erstenmal „Jerv und Bätelp" und der „Urfaust". Bei Lessing das gleiche Hervorzichen des Vergessenen: „Der junge Gelehrte" und „Miß Sara Sampson" fanden ivieder Interesse, „Emilia Galotti" behauptete sich auf der Höhe von 60, während „Nathan" von 127 auf 165 stieg. Shakespeare blieb sich gleich. Seinen 1042 Ausführungen des Vorjahres sind 2 hinzuzufügen, während „Heinrich VI.", „Der Sturm" und „Timon von Athen" diesmal ganz verschwand«:. Die höchste Zahl erreichte „Der Kaufmann von Venedig", nämlich 147, nach ihm „Othello" mit 142. Schiller erlebte die meisten Aufführungen mit 1420, gegen 1584 im Vorjahre, darunter „Wilhelm Teil" mit der Höchstzahl 329, während „Fiesko" die geringste Zahl hatte. — 350 Uraufführungen haben stattgesiindcn Von diesen brachten es nur 44 zu einer Ausführung, 70 Werke zu 2, höchstens 3 Vorstellungen. ' Bis 10 erreichten 52, zwischen 25 und 50 Aufführungen 8, zwischen 50 und 100 nur 5, ebensoviel zwischen 100 und 200, darüber bloß 3 und von dieser über 600 Vorstellungen 2, ein Lustspiel überstieg die Zahl 1000, 34 Auftührungcn erdichte u, a.
Eulenburgs „Alles ums Geld", die „Zarin" 55. lieber ICK) erlangten Korfiz Holms „Hundstage" mit 104, „Das weite Land von Schnitzler mit 182 und „Der Bettler von Shrakus" mit 193 Aufführungen. „Büxl" stieg auf 226, aus 270 Harts „Gudrun", lieber 600 „Lottchens Geburtstag", und die höchste Zahl endlich unter den Schauspielen erklommen „Die fünf Frankfurter" mit 1439 Vorstellungen. Neben diesen Begünstigten von 1912 interessieren die des Vorjahres. Manche fielen, z. B. Bahrs „Kinder" von 241 auf 57 Aufführungen, „Glaube und Heimat" von 1623 auf 974, andere indessen rangen sich hinauf: „Sonneitstößers Höllenfahrt" von 47 auf 241. Auch Werke dritter und vierter Spielzeit behaupten sich: Beherleins „Zapfenstreich" erreicht wieder 100, Dauthendcys „Spielereien einer Kaiserin" noch 122 und „Das kleine Schokoladenmädchen" 251 Aufführungen. Auch ältere Werke halten stand. Blumenthal und Kadelburgs Schwänke nehmen nur beim „Weißen Rößl" ab, immerhin wird auch bei diesem noch eine 95 registriert. Schönthans „Raub der Sabine- rinnen" hält sich auf der alten Höhe von 276 und „Alt-Heidelberg" steigt sogar noch um 100. Gerhart Hauptmanns „Biberpelz", „Einsame Menschen" und „Hannele" gewinnen an Beliebtheit, was sich in gleichem Maße von Ibsens „Volksseind", Baumeister Solneß" und der „Wildente" sagen läßt. Nestroys „Lumpazivagabundus" füllt mit seinen 126 Aufführungen noch ins Gewicht.
Vermischtes.
* El n Drama aus den r n j s i s ch e n Wäldern, das sich in diesen Tagen in den Wäldern der llmgcaend von Astrachan ereignete, wird dem „Wiedomostl" berichtet : Ein Bauer namens Grusneijosf fuhr mit seiner Fran und seinem vier Jahre alten fiinbe im Schlitten nach Woltschnni. Wenige Meilen vor der Stadt wurde in de» Wäldern der Schlitten am Abend von einem Rndel hungriger Wolle angesallen. In ihrem maßlosen Entsegen verlangte die Bäuerin, man möge den Tieren das Kind hinwerlen. Der Mann aber sträubte sich dagegen und bearbeitete di. Pferde mit der Peitsche. Doch bald zeigte sich, daß die Jagd mit dem Siege der Wolle enden würde, die Verfolger gewannen, und in der Angst der Verzweiflung warf der Bauer nun doch das hilflose Kind auf den Waldweg hinaus. Aber dieser Versuch, das Kind zu opfern, um das eigene Leben zu retten, mißlang. Die Wolfe stürmten an dem Bündel mit dem Linde vorüber, folgten bem Schlitten weiter und zerrten schließlich den Bauer aus seinem Ge- fährt. Die Fran verlor die Besinnung und im wilden Galovv setzten die von Angst gepeitschten Pferde die Fahrt fort. Als der Schlitten mit den scheuen Tieren in die Stadt brauste und endlich znm Stehen gebracht war, land man die Bäuerin besinmmgslos auf dem Boden des Gefährtes. Die sofort ausgesandte Rcttungs- ervebition stieß bald auf die zerfleischten lleberrcfte Grusneijoffs. Als man aber den Weg weiter zurück verfolgte, entdeckte man aui der Straße auch bald ein kleines buntes Bündel: es war das in seine Tücher gehüllte Kind, das friedlich schlief und nicht die geringste Verletzung aufwies. Rian brachte es in die Stadt, wo es sich schnell von den Folgen der Kalte erholte.
— D t c Haselrute der Qucllensuchcr, die neulich in Paris ihre Wiederauferstehung feierte, hat auch in London lebhafte Aufmerksamkeit erregt. Eilt wissenschaftlicher Unter» such',ngsrat hat feine Versuche begonnen. Sie besteht aus Prof. Henri)' Adams (seit 35 Jahren Professor der Maschincnbau- fniift am College der Eith) und W. Whitaker (einem bekannten Geologen und Spezialisten für bie Geologie Südcnglcmds). Diese Namen geben allerdings Bürgschaft dafür, daß es bei der Untersuchung der Leistungen der Quelleufuchcr unbedingt mit rechten Dingen zugcht, wenn auch vielleicht die rechten Dinge für die Wunscl-elrute und die Quellenfinder eben die unrechten find. Jedenfalls gräbt man bei dieser Gelegenheit sehr erstaunliche und eindrucksvolle Geschickten von Erfolgen von Quellensuchern aus. Namentlich zivei Haselrutenwunder aus Waterford und Horsham in Norfolk werden mit allen Einzelheiten geschildert. Denn dort hatte die Wissenschaft ihr letztes Wort gesprochen und erklärt, Wasser würde niemals gefunden werden. Halb und l>alb werden die beiden Männer der exakten Wissenschaft von den Haselrutengläubigen abgelehnt, da es sich hier um „physische Phäuome" handele. Gleichwohl sieht man dem Ergebnis der Untersuchung mit Spannung entgegen.
— Graf Zeppelin bei der Arbeit. Den bald Fünfundsiebzigjährigen hat Walter Freiherr von Rummel aufgesucht und schildert die Eindrücke, die er von bem1 Manne und seinem Wirken gewonnen hat, in einem rcichillustrierten Aufsatz des Aprilheftcs von Velhagen u. Klasings Monatsheften. Er spricht von den Kämpfen und Siegen des Grafen und fährt dann fort: Ganz so heiter und blau, wie draußen inu Reiche die Leute glauben, )bannt sich freilich auch heute noch nicht der Himmel über Friedrichshafen. Bei einem erst erwachsenden Betriebe ist das ja auch kaum zu verlangen. Meliere hundert Arbeiter sind ständig beschäftigt. Zwei Luftschiffe können zu gleicher Zeit gebaut werden. Tas bedeutet etwas — das kostet! Bor einiger Zeit nun, als die Bestellungen nicht ober nur flau einliefen, sprang Graf Zeppelin nricbcr ohne langes Besinnen mit einer sehr bedeutenden Summe aus seinem Privatvermögen ein und trat damit von neuem selbst, wie früher schon so oft, in die Bresche. Wie feine starken seelischen und geistigen Eigenschaften ihm treu geblieben sind, so ist er auch trotz seines Wters noch frisch und rüstig, sturm- und wetterfest, zäh unb wiberstanbsfähig wie irgendein Junger, kann er, wenn Not an Mann ist, Näclste nacheinander durchwachen; eine halbe Stunde Schlaf im Mantel, zu Füßen seines Luftschiffes ober während der Fahrt in der Gondel heim Lärm der Motoren genügt, um die stähl er ne Spannkraft seiner Nattir wieder heran fierten. Auch die viele Repräsentation, die in den letzten Jahren iwttvendig geworden, Reihen von Festtagen mit bis in den Morgen sich ausdehucudcu Tafeln weiß der alte Herr gut zu überstehen. Mit diesen strengsten Ansordc- rungen gegen sich unb seine Person verbindet Graf Zeppelin die größte und schoneudste Rücksichttialmie für feine Umgebung. Wohl kann er wie feuriger Wein manchmal zornig aufbraitfcn, bringt es aber doch nicht zuwege, irgend jemandem auf die Länge zu zürnen ober ihm ernstlich wehe zu tun. Wenn er am Mend seine Arbeit beschlossen hat, labet der Gras meist "einen seiner Herren zu sich als Gast. Nach bem Essen liebt er ein Schachspiel. In einem Flügel bes Kurgartenhotels bat er eine abgeschlossene Flucht von Zimmern gemietet. Die Privatwohnung des Grafen ist durch die Hotelleitung sehr behaglich eingerichtet worden. Tic Möbel sind einfach, aber bequem, die Räume nicht 'sehr groß und lwch. Besonbers beim Schreib- unb Arbeitszimmer ist man fast versucht, an bie Wohnkabine, wie sie der Kapitän eines großen Ozeandampfers hat, zu denken. Am interessantesten für den Besucher sind die mancherlei Gegenstände, die dem Grafen von Freunden unb bewundernden Verehrern gewidmet worden sind. Da gibt cs Photographien, Aquarelle und Oclbildcr, die sich an den verschiedenen Luftschiffen in oft sehr glücklicher Weise versucht haben, da sind alle möglichsten eingerahmten Tekrete, Schreiben, Ehrcnbürgerrechtscmennungcn, Porträts hochstehender Persönlichkeiten mit darunter gesetzten Widmungen. Auch Karikaturen des Grafen fehlen nicht. Hier steht ferner Graf Zeppelin als Nußknacker, dort als Zigarrcnabsckmeider, und menn man näher zusieht, erblickt man nod> so manche andere derartige Tinge, >vic sic überqnellende unb wohlmeinenbe Begeisterung erfunden hat.
— W i c amerikanische Warenhäuser inserieren. Tic große Zugkraft, bie amcrikanisclw Geschäftshäuser auf ihre Käufer ausüben, hat nach den Berichten bes Bolkswirtschaftlcrs N. Telware ihren Grund in der- Zeitungsanzeige, mit der sie geradezu verschwenderisch umgehen. Interessant sind einige Zahlen, die das Berliner Fachblatt „Ter Konfektionär" diesem Berichte entnimmt. Tie Tageszeitungen von N c w Jork bezogen im letzten Jahre von Siegel, Cooper & Co., bem größten Warenhaus in New Port, für tägliche Annoncen zwei Millionen, von Wanarnakcr 21/3 Millionen. Tas Kaufhaus N. H. Mach L Co. inserierte für S1/* Millionen in einer einzigen Zeitung und hatte den Erfolg, 300 Millionen int Jähre umzusetzen. Für die Zeitungsreklame allein beschäftigen die großen Häuser einen ganzen 2tab von Personen, der seine besonderen Bureau räume bat. Außerdem werden noch Preise für bie ausgesetzt,
die einen besonders geistvollen ober wirksamen Einfall haben. Daher ist wohl auch zum Teil der große Umsatz der Niesenacschäftc zu erklären und die Volkstümlichkeit, die bie einzelnen Geschäfte sich erworben haben.
— D i e au§ ft erbe nben Negritos. Eine Anzahl wissensckwftlichcr amerikanischer Körperschaften hat bem Kongreß der Bereinigten (Staaten eine Bittschrift zugehen lassen, in der ein gesetzlicher Schutz für die Negritos auf den Philippinen gefordert wird. Tenn die Beobachtungen der letzten Jahre Iaff en keinen Zweifel darüber, daß dieser merkwürdige Bokksstamm, den man als die Urbevölkerung der Philippinen und des malai- schcn Archipels ansieht, in kurzer Zeit unrettbar aussterben wirb, wenn nick t staatliche Maßnahmen diesen Prozeß anfhalten. Man weiß, daß die Negritos in alten Zeiten nicht nur aut den Philippinen hausten, sondern auch auf der angrenzenden Halbinsel, und daß sie damals die einzigen Bewohner des Archipels waren. Heute ist ihre Zahl bereits auf etwa 25 000 Köpfe gesunken, und selbst unter diesen erreicht bie Zahl ber reinrassigen, unvermcngtcn Negritos, bie ihre alte Lebensweise beibehalten haben, kaum noch 5000. Die echten philippinischen Negritos, bic bie Amerikaner zu einer Art „lebenden Museum" macfen wollten, zählen zu den Menschenrassen ber niedrigsten Kultur. Sie bewohnen armselige, neuartige Hütten, bie auf Pfählen ober Bäumen untergcbracht sind, und obgleich sie zu den Inselbewohnern zählen, zeigen sie eine seltsame abergläubische Furcht vor dem Wasser. Sie schwimmen nicht, besitzen weder Boote noch Canoes, und selbst der Fischfang ist ihnen so gut wie unbekannt. Sie ernähren sich durch die Jagd, die sie mit Hilfe vergifteter Pfeile betreiben.
kf. DerunsichtbareBahnhosspförtner. Jedesmal, wenn ein Zug den neuen großen Hauptbahnhof in New Bork verlassen soll, wird bic bevorstehende Mfahrt in allen Wartc- räumen gleichzeitig abgerufcii, und ein Pförtner ist es, der dieses Am't inne hat. Er stellt sich auf bem Bahnsteige vor einen telephonartigen Apparat und sprickst bort hinein. Gleichzeitig hört man seinen Ruf bann, jedoch außerorbentlich verstärkt, in allen Wartesälen. Es ist, wie das „Populär Elcctritp Magazine" berichtet, ein telephonartiges Instrument, das den Sckall übermittelt. In den Wartesälen selbst sicht man jedoch nichts davon, denn die WiedergabeapParate sind in die Wände eingebaut,, so daß die Stimme des Pförtners an.s der Luft zu fommen scheint. Das Telephon, das hierbei verwendet wirb, unterscheidet sich erheblich von sonst gebräuchlichen Fernsprechern. Tiefe gehören zu den Schtvachstromapparaten, der „unsichtbare Bahnhofs Pförtner" aber wird durch einen Stromi von 110 Volt in Betrieb gesetzt- An dem einen Aufnahmeapparate können beliebig viele Wiedergabeapparate angeschlossen werden.
* E r kann n i ch t d a f ü r. Sie: „Jetzt kommst bu heim — um drei Uhr morgens?" — Er: „Sei gut, Rosel, g'rad' heut kann ich wirklich nicht dafür. Ich Hatte int „Blauen Hecht" meine Mütze aufs Sofa gelegt, da setzte sich die scharfe Bulldogge vom Metzgermeister Wolff drauf, unb ber ist erst um drei.heimge- gangen."
Börsen-Wochenbericht.
— Frankfurt a. M.. 18. April.
An den Börsen hat infolge der politischen Entspannung und ber Erleichterung am internationalen Geldmarkt, die jetzt in der Diskotltertna'ßtgung der^Bank von England von 5 auf 41/, % nun Ausdruck getoirtmcu ist, eine Hauseströinung begounen. Tas Publikum, das der Börse solange fern geblieben war, hat umfangreiche Küitfe. besonders vom Judustricaktienmarkte vorgenommen und die Baisscpartei begann zu decken. Das Geschäft war infolgedessen zeitweise auf fast allen Gebieten recht lebhaft. Dabei begegneten auch die bochverzinslichett 21 ulaaeinerte wieder regerer Nachfrage, so daß die neuen Werte dieser Art, die in ber jüngsten Zeit an den Markt gekommen sind, bekriedigcnde Unterkunft gefunden haben. Man wird freilich nicht übersehen dürfen, daß in der nächsten Zeit noch gar viele Ansprüche an den Kapitalmarkt berautreten werden und ob er schon stark genug ist, um diese Bedürfnisse alle schlank zu befriedigen, muß abgewartet werdeu. Einer weiteren rückläufigen Bewegung des Zinsfußes bürfte durch diese starken Ansprüche, jedenfalls zunächst Einhalt geboten fein. Obschon es scheint, als ob die schlimmsten Tage für den Geldmarkt nun überstanden sind, muß man die Lage hoch noch immer sehr vorsichtig beurteilen, denn von regelmäßigen Owldvcrchältnissen sind wir noch weit entfernt. Glücklicherweise ist zu beobachten, daß die Börse die Vorsicht nicht atts dem Auge verliert, beim in den letzten Tagen der Aufwärtsbewegung wurden die gestiegenden Kurse immer wieder zu Erleichterungsabgaben benutzt. 9htrb die Rücksicht auf die nächste Monatsabwicklung läßt ein vorsichtiges Verhalten geraten erscheinen. Am Mon'tanm'arktc verhält sich die Spekulation anfangs noch zurückhaltend, schließlich waren aber auch hier beträchtliche Kursbesserung zu verzeichnen Den Anstoß gab der Generalstreik in Belgien, von dem man bet längerer Dauer günstige Rückwirkungen auf die deutsche Montanindustrie erhofft. Abgesehen von diesen Zusallsvortetlen wird auch sonst die Zukunst der Montanindustrie iniolge der politischeu Entspannung zuversichtlicher beurteilt. Man rechnet damit, daß nach dem Friedensschlüsse große Aufträge in Eisenbahnmaterial, sowie in Maschinen ans den Balkanländern nach Deutschland vergeben werden. Außerdem dürfte die gefchästliche Stognalion, die seit Atonatenzin Oesterreich-Ungarn und Rußland herrscht, fttzt einer Belebung weichen, was für unsere Export-Industrie ebenfalls von Wichtigkeit sein würde. Zn der Zuversicht trägt auch die Tatsache bet, daß die deutsche Rohetsenindustrie auch tvährend des Balkan- kneges weiter zugenommen hat. Die Börse wurde in ihrer ztiver sichtlichen fllustassuug allerdings auch durch die Äeußerungen bestätigt, die Geue-raldirektor Kirtorf in der Generalversammlung der Gelsenkirchener Bergwerksgesellschait machte. Neben H ü k 1 en - und Kohle naktien, die Kursbesteuerungeu bis zu 11 % erzielten, waren namentlich auch die Aktiett von Ma schinen- fabriken gefragt und höher. Motoren Ober-Ursel stiegen Siegener Eisenkonstruktion 8?o, Kleyer «das Bezugsvechr wurde mit etina 140% gehandelt), Moenus 10%%, Potzarnn und Wittekind ll1/, % und Daimler 14 %. Von E l e k t r i z i t ä t s a k l i e n gewannen Brown Boveri 5’4%, Schlickert 8%, Edison 9'4% und Akkumulatoren Berlin lf>%. Chemische Werke waren gleichfalls begünstigt Es stellten sich höher: Holzverkohlung 4%, Scbeide- anstalt und Höchster Farbwerke je 9V,°;0, Albert 17V.,%, Wegelin Rußiabrik 18V % und Amlin 20%, Naphta und Zellstoff Waldhof stiegen je ll°/e. Banken lagen ruhig, doch teilweise ebenfalls fester. Bon Bahnen waren österreichische Werke durch Schantungbahn begünstigt, Amerikaner lagen schwächer. S ch i f f a h r t s iv e r t e stellten sich höher, ebenso einzelne Kolonialpapiere. Privat Disk.-4"///g
Meinere iiwigficn Dank für -as vorzügliche Mittel.
Es gibt nichts besseres gegen Schmerzen.
Es war für mich ein Glückstag, als ich in Ihrer Zeitung von dem Mittel las, das Herrn Tingner kurierte. Damals lag ich schwer krank zn Bett und hatte in allen Gliedern die furchtbarsten Schmerzen. Ein Arzt sagte mir, daß es Gliederschmerzen wären, während mir int Spital gesagt wurde, daß es Ischias sei. Medizin zn nehmen mar für mich eine Qual, da diirck diese mein Herz stets angegriffen wurde. Ich ließ mir das Mittel noch am nämlichen Wend für weniges Geld aus der Ar>otheke holen und schon am näckisten Morgen konnte ick wieder aufftchen. Meine Erkältung war verschwunden, mein Herz mar 1101^10?, und obzwar ich tagsüber.wann unb dann noch unbedeutende Schmcrzctt empfand, habe ich sic seitdem nicht wieder verspürt. Ich gab von dem Präparat auch etwas einem meiner Kollegen und biefer sagte mir, daß auch er seinen Rheumatismus und seinen Hcrenschnst nicht mehr hätte.
Es waren Kerudol Tabletten, welche mir geholfen hatten. Zwei Tabletten auf einmal genommen und alsdann eine weitere stündlich beteiligen, die Schmerzen zuverläßlich. Ich nahm drei bevor ich Bett ging und war meine Erkältung los. hv:' * I. K., Zimmermeister, Berlin NW


