Aus den Reichrtagsausschüsien.
Berlin, 22. Januar. Der Ansschußbeschluß über die Wohnungsresorm.
Eine dritte Erklärung des Staatssekretärs.
Im Budgetausschuß ging die Aussprache im Anschluß 01 die Erklärungen des Staatssekretärs des Reichsamts des Innern .über die neuerlichen Entschließungen des Bundesrats und Reichs -amte hur Frage der Wohnungsreform und eines etwaigen 'Reichs Wohnungsanssichtsgesetzes weiter. Ein Mitglied des Zentrums gab der Genugtuung Ausdruck, daß unter dem Drängen des Reichstags wenigstens die Bundesstaaten nach langem Zögern »yt einem Vorgehen in der Wohnungsreform veranlaßt warben seien. Ter Reichstag müsse aber darüber wachen, daß die Sach« in Fluß bleibe. Die Zusage des Staatssekretärs für den Fall, daß Preußen nicht bis z- u m H e r b s' mit der L a n d cs g e s e tz ge b u n g vorgehe, an die Lösung der Frage hieranzutreten, rief gleichermaßen bei der Rechten und der Linken Widerspruch hervor. Während die Ko ns er vativen in dieser Bewertung eine nicht zulässige Drohung gegen dieEinzclstaaten für den Fall mangelhafter Pflichterfüllung erblicken, entnahmen die Vertreter der Volks vartci und der Sozialdemokraten hieraus das Zuge standnis, daß das Reich in der Lage sei, die Wohnungsreform in Angriff zu nehmen, und sie sprachen das Bedauern aus, daß das nicht sofort geschehe. Ebenso wurde bedauert, daß das Reich, das bei der Kreditgewährung die Bürgschaften übernehme, sich offenbar auch für die Zukunft auf den Kreis der Reichsbeamten und -arbeiter beschränken wolle.
Staatssekretär Dr. Delbrück weist diese Vorwürfe zurück. Es sei auch zwischen seinen Erklärungen keineswegs ein Widerspruch zu konstatieren. Er habe schon im Plenum erklärt, daß fast alle Fragen des engeren Wohnungswesens i n erster Linie d i c Einzel st aatcn berühre und das Reich nur dann eintreten müßte, wenn die Einzelstaaten sich nicht entschließen könnten, auf diesem Gebiete vorzugchen. Nun Ijabe er .aber die Ucberzeugung, daß insbesondere auch Preußen eine den Anforderungen genügende Gesetzgebung cinleiten werde, und damit falle der Grund für ein Ein greisen des Reiches weg. Tic Uebcrnahnic von Bürgschaften bei der Kreditgewährung durch das Reich über den Personenkreis der Reichsbeamten und -arbeiter hinaus sei seiner Auffassung nach unmöglich, denn die ftonfcQucnscu wären unübersehbar und die Inanspruchnahme der Reichsmittel enorm. Grundsätzlich müsse die :F ordern n g des Wohnungsbaues bei den K o m - mu neu liegen; sie können finanziell eingreifen und durch Bürg- schaftserteilu.ig den Bau des Kleinwohnungswcsens fördern. Die Reicksgcsetzgebung aber könne mir die richtige Unterlage schaffen für Staat und Kommunei,, in der Richtung, daßlaurch Ueber- nahmevon Bürgschaften solche vyvotheken Mündelsicherheit erlangen, sodann durch den Ausbau des Hypotheken rechts überhaupt und speziell des Erbbaurechts. Er werde nie der Ansicht sein, daß ein Re chs- wohnungsgesetz gesckraffen werden könne, das durch das ganze Reich Ihn zur Bürgschaftsleistung für die Neubauten verpflichte. Tie 'Bundesstaaten seien beteiligt als Arbeitgeber und Inhaber großer Betriebe; so habe zum Beispiel Preußen sehr viel -auf diesem Gebiete geleistet und verwende zurzeit jährlich achtzehn Mill, für die Förderung des Wohnungsbaues. Ebenso werden auch die Kommunen für die Angestellten ihrer Betriebe direkt zu sorgen haben. Tas Reich müsse sich beschränken aus das unmittelbare Eingreifen mit Geldern für seine eigenen Beamten.
Ein SRprtrrfor der Konservativen erklärt sich durchaus ei verstanden mit der Ur Bert sung der Re-elini des W hnings- wesens an me ^inKelstaatcn. Das Reich müsse sich auf d e Frage des Privatrcchts beichränken, des Hypothekcnickchts, des Erbbaurechts. Ein direktes Eingreifen des Resches sei schon deshalb .unmöglich, weil ihm die Organisation hierzu fehlen würde. Ein Vertreter der Sozialdemokratie bedauert, daß das Reich da wo es über eigene Organe verfüge, ebenfalls versagt habe, nämlich bei seiner Statistik, die Verhältnisse im Wohnungswesen ausgiebig zu erforschen. Tie Kreditgewährung sollte das Reich nicht aus seine Beamten beschränken. Bon nationalliberaler Seite wird eine gründliche Prüfung der Frage durch das Reich auch in der nächsten Zeit gewünscht. Tarum sc, es not mendig, die Entsckstießung Mumm anzumchmen, die eine Er- höhung der Mittel für den Kleinwohnungsbau fordert. Geeignete Organe für das Reich lassen sich vielleicht gewinnen durch Verbindung mit den Versicherungsanstalten, die ohnedies einen Beamtenapparat besitzen in ihren Kontrolleuren, ^as materielle -Risiko sei zurzeit bei der Beschränkung des Reiches auf die Fürsorge für die Beamten sehr gering.
Ter Staatssekretär stimmte den Entschließungen insofern zu, als er in Aussicht stellte, in der Zukunft weiterhin prüfen zu lassen, ob das Reich über die bisherigen Maßnahmen hinausgehen könne. Er könnte sich zunächst nur die Schaffung eines großen P f a n d b r i ef i n sti tu t s denken. Er könne aber die Mitteilungen von den Ergebnissen dieser Untersuchungen für den nächsten Herbst noch nickt zusagen. Nicht verschweigen möchte er, daß es sich mn gewaltige Schwierigkeiten handeln würde, bei einer jährlichen Bausumme im Wert von anderthalb bis zwei Milliarden. , ,.
Bei der Ab stiMmu n g wird die Entschließung des Dr. Jäger (Ztr.) einstimmig angenommen; sie lautet:
„Ten Reichskanzler zu ersuchen, dem Reick>stag bei Beginn seiner nächsten Tagung im Derbst 1913 eine Vorlage zu machen, nach welcher das Reich in Verbindung mit den einzelstaatlichen Regierungen unter gewissen Bedingungen die Bürgschaft übernehmen wird für die zweiten Hypotheken der Kleinwohnungsbauten gemeinnüNiaer Ballgesellschaften in dem Bereiche von 50 bis 90 Proz. des Gesamtrvertes von Boden und Bauwerk."
Tie Worte „in Verbindung mit den einzelstaatlichen Regierungen" waren der Entschließung beigefügt worden. Tagegen wurde ein Z u s a tz a n t r a g Westarp, beizusügen: „von Klein- wohmmgsbauten, die für die im außerordentlickzen Etat genannten Beamten bestimmt sind", gegen die Stimmen der Konservativen abflclcbnt. Die oben erwähnte Entschließung Mumm wurde angenommen.
Der Justizvoranfchlag
Nach Abschluß der Aussprache über die Wohnungsresorm »er handelte der Blldgctaussckuß über eine Reihe von Bittschriften und sodann über den Justizetat und führte die Beratung zu Ende. Bei der Forderung der Stelle eines sechsten Reichsanwalts erhob das Zentrum Bedenken, weil bei der Strafprozeßreform sich voraussichtlich der Umfang der Geschäfte des Reichsgerichts fid, stark vermindern mürbe. Der Staatssekretär erwiderte aber, eine solche Reform sei kaum vor einem Jahrzehnt zu erwarten, so daß das Bedürfnis in der Zwischenzeit noch lange bestehe. Ein nationalliberaler Redner nnes daraus hin, daß das Bedürfnis insbesondere auch durch die steigende Zahl von Untersuchungen von Landesverrat und Spionage hervorgerufen sei und fragte, ob eine Verschärfung d e s S V i o n a g e r e ch t s zu erwarten sei, und wie sich das Reicksjustizamt zu der Frage stelle, ob zur Aburteilung solcher Fälle nicht ein Senat des Reichsgerichts genüge, während nach dem geltenden Reckt der zweite und dritte Senat zusammentreten müssen. .
Staatssekretär Dr. L isc o erklärte, daß tut Einvernehmen mit her Reicksmilitärverwaltung dic Reform des Spionage rechtes erwogen werde. Auch der Gedanke, die Beurteilung nur einem Senat zu überlassen, werde geprüft. Von national liberaler Seite wurde noch darauf hingewiesen, daß vorbehaltlich der Allgemeinreform des Strafprozesses einige Fragen noch als kleine Strafprozeßnovellc vorweg erledigt werden können, ins- hefondere, wenn cS fick um bieGcwährung von Diäten an Schöffen und Geschworene und die Zulassung von Volksschullehrern zu Scköffen und Gesckyvorenen und die Verhandlung geisteskranker Verbrechern handele. Ter Llusschuß genehmigte die Mehrsorde ruitgen im Justizvoranschlag.
Der Ausschuß für die Konkurrenjklaxfel begann beute feine Beratung. T'e Sozi-ideawkraten verlangen ine gäirzlicke Beseitigung der tfonfnrm-ruuiel im Handels genyerbc- bei Geldstrafe von nickt unter tamend Mark und s?aft
des Unternehmers im Wiederholungsfälle. Tie Erörterung drehte sich zunächst ausschließlich um die Frage, ob ein glattes Verbot )er Konkurrenzklausel nickt der jetzt vorgeschlagenen Regelung oorzuzichen sei. Tie Frage der Einbeziehung der tecknnckcn Angestellten wurde daneben verhandelt. Ter Direktor im Reichs- ustizamt Hoffmann lehnt im Namen der wrbünbetcji Regierungen ein völliges Verbot der Konkurrenzklausel mit Entschiedenheit ab.
Deutsche Kolonien.
Tas Ergebnis einer Strasexpedition in Südwestafrika.
Die „Nordd. Allgern. Ztg." meldet: Es gelang am 27. November einer Patrouille der 7. (Kamelreiter-) Kompagnie der südwestafrikanischen Schutztruppe unter Füh- rung des Hauptmanns Mansfeld die Buschleute, von denen am 26. September der Reiter Müller von der 9. Kompagnie in den Tünen bei Hunirob ermordet worden war, aufzufindcn. Bei der Verfolgung wurde die Patrouille zweimal im Busch beschossen, ohne Verluste zu erleiden. Bei dem zweiten Zusammenstoß am 29. November ist der Mörder des Gefreiten Müller gefallen. Tie übrigen Mitglieder der an d.ern Mord beteiligten Bande find gefangen genommen worden.
2(ircbe und Schule.
n. Herbstein, 23. Jan. Ter religiöse Volks- bilbungsabend am Sonntag abenb nahm einen erhebenden Verlaus und war ein Ereignis für den oberen Vogelsberg. Schon längst vor Beginn der Versammlung hatte sich der geräumige Saal mit Besuchern gefüllt, die z. T. tret' Nässe und Kälte stundenweit zu Wagen und zu Fuß aus den umliegenden Tonern hergelommen waren und nun mit gespanntester Aufmerksamkeit und sichtlicher Ergriffenheit auf die Vorträge lauschten. Als der Versammlungsleiter, Pfarrer Zinn, der um V28 Uhr mit Worten freundlicher Begrüßung die Versammlung eröffnete, sie um 11 Uhr mit Worten herzlichen Tankes und rückhaltloser Anerkennung schloß, da lags wie schmerzliches Bedauern auf den Gesichter», daß die erhebenden und genußreichen Stunden so rasch vorüber gerauscht waren. Und dies Bedauern, das in den lebhaft aufgenommenen Wunsch ausklang: Auf Wiedersehen das nächste Mal! ist die beste Anerkennung und der fünfte Lohn, der den Vortragenden zuteil worden konnte. Es wurde aber auch talsächlich vom Guten das Beste geboten. Vorab der gcoanrentiefc und doch so anschauliche, auch dem Einfältigen verständliche Vortrag von Pfarrer Möbus hielt, was man von ihm erwartet hatte. In warmherziger, aus dem eigenen Erleben und dem Leben und Erleben Jesu schöpfender Rede pries der Redner den Glauben als den alleinseligmachenden, den Jesus meinte, wenn er Trost- und Hilfesuchenden, die voll Vertrauen auf seine oft bewährte Liebe und Liebeskraft bittend zu >hm tarnen, sagte: „Dein Glaube hat dir geholfen", den Glauben, der unmittelbares persönliches Erleben und dankbar-frohes Jnne- werden der Liebe des lebendigen und allmächtigen Gottes ist und mit der oft mühselig abgerungenen, freudlosen Zustimmung des Verstandes zu menschlichen Begriffssormulierungen über das Wesen Gottes, die Naturen Christi und ihr Verhältnis zueinander, über die Beschaffenheit des Jenseits und dgl. nicht verwechselt werden darf. Alle diese philosophischen und theologischen Lehr- formulierungen, so führte der Redner aus, könne» wahr , und vielen Bedürfnis sein, aber ihre Anerkennung als Gewissenspflicht aller proklamieren und zur Bedingung der Sc'igfcit machen, das heiße, den Hungrigen Steine statt Brot geben und aus freien und fröhlichen Gotteskindern unfreie und freudlose Knechte machen. Ter lebhafte Beifall und die glückstra hl enden Augen der Hörer bewiesen, wie sehr der Redner allen aus den Herzen und zu Herzen gesprochen hatte. Tic klärende und versöhnende Wirkung des Vortrags wurde wirksam unterstützt durch gut ausge- wähltc Solo- und Chorgesänge und durch den Vortrag hervorragender Meisterwerke aus dcm Gebiete der rcligi scn Dichtung und Musik. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wenn wir die herzergreifenden gesanglichen Tarbictungen von Pfarrer Mcbus noch besonders hervorheben wollten. 9£ber auch die musizierenden Herren von der Dürerschule zu Hochwaldhausen, die uns mit drei Trios von Haydn für Klavier, Violine und Cello erfreuten, und besonders ihr Direktor Neuendorff und nickst zum wenigsten Amtsrichter Wahl haben sich durch die Freundlichkeit, mit der sie ihr großes künstlerisches Können auf Klavier und Violine in den Dienst der Sache stellten, einen bleibenden Anspruch auf den Dank aller Hörer erworben. Möge uns bald wieder ein so schöner Abend befchieden sein.
An» Stadt und Land.
Gic 1:en, 23. Januar 1913.
Ans dem städtischen Berwaltungsbericht.
III.
Aus b cm! Bericht des Schularztes.
Medizinalrat Tr. Bötticher hat 1911/12 1338 Knaben und 1360 Mädchen untersucht. Von den 144 noch nicht sechsjährigen zur Schule angemeldeten Kindern wurden 80 als sckml- rcif befunden. Im Juni fand eine Untersuchung der Besucher der Hilsklasscn statt, bei der auch psychiatrische Gesichtspunkte berücksichtigt wurden. Tic orientierende Schprüfung sämtlicher Volksschulkinder fand im Juli statt. Die jßinder, bei denen sich eine Herabsetzung der Sehschärfe unter 0,75 fand, wurden der Universitätsaugenklinik überwiesen. Bei der gemeinen Hörprüfung wurden bei den Knaben 36 (2,6 Proz.) und bei den Mädchen 33 (2,4 Proz.) Schwerhörige festgestellt. Auch sie wurden entsprechend ärztlich behandelt und erhielten Plätze in der Nähe der Lehrer. 15 Knaben von 10 bis 14 Jahren wurden 4 Wochen in die Ferienkolonie nach Homberg a. d. Ohm geschickt. Bei sämtlicken Knaben zeigte sich eine Gewichtszunahme von 0,7 bis 2,4 Kg. Im Winterhalbjahr wurden sämtliche Schulkinder körperlich untersucht. Ter allgemeine Gesundheitszustand gab im Berichtsjahr zu keinen befonberen Klagen Veranlassung. Tie Zahl der an Körper und Kleider Unreinen betrug bei den Knaben 10,5 Proz. und bei den Mädchen 12,6 Proz. Wenn auch die Zahl der hochgradig verschmutzten und verwahrlosten Kinder gegen früher wesentlich jurücfgegangen ist, so findet sich immer noch ein erheblicher Bestand von L)chullindern, deren Reinlichkeit an Körper und Kleidung zu wünschen übrig läßt. Im Berichtsjahr wurden gelegentlich der schulärztlichen Revisionen bei 3 Prozent der Mädchen Läuse und frische Läufenüsse fcftgtftcllt, während mit alten Läusenüssen 9,5 Proz. Sckstilerinnen behaftet waren. Bei Knaben kamen nur in 3 Fällen alte Läusenüssc zur Beobackstung. Im Berichtsjahr wurde eine etwas größere Zahl von unterernährten Kindern gegenüber den Vorjahren festgestellt. Es macht sich jetzt offenbar die schon längere Zeit anhaftende und nock immer zunehmende Teuerung der Lebensführung geltend. Zweifellos würde der allgemeine Ernährungszustand der Volksschulkinder nock ungünstiger sein, menn nicht in so umfangreichem Maße Milck an die Schulkinder verabreicht würde. Während bis 1906, in welchem Jahre ein 2 chul za hnarzt für die Gießener Volks schulen angestellt wurde, bei über 90 Proz. der Gießener Volks- sckmllinder kranke behandlungsbedürftige Zähne nadtgeroieien wurden, konnte der Schularzt bereits bei 38,5 Proz. der Knaben und 34,6 Proz der Mädchen ein vollständig gesundes Gebiß fcftftellcn. Bei der großen Bcckeutung gesunder Zähne benutzte der. Schularzt jede Gelegenheit, um die zahnkrankcn Kinder zum flci feigen Besuch der scknilärztlichen Sprechstunden anzucifcrn, die Schularzt Metz an schulfreien Nachmittagen ab hält. Er behandelte 580 Schulkinder in 1356 Sitzungen, wobei 1345 Zahne gezogen und 410 Füllungen, 85 Nerventötungen, 32 Zahnreinigungen und 261 anderweitige Behandlungen (Wurzelfüllungen, Ncrvüberkappungeii, kleinere Zabnrickrungen) ausgefüh.t wurden.
** Pfarrperf 0 na 1 ien. Ter Großherzog Hal dem Psarrverwalter Ernst F l ö e l zu Lairgen die zweite evang. Pfarrstellc daselbst übertragen.
** i!ehr er uerfo Halfen. Bestätigt wurde von dem Grafen zu ^olms-Laubach auf die erste Lehrerstelle an der Ge-
meindeschule zu Gonterskirchen, präsentierte Inhaber der zweiten Lehrerstelle daselbst, Lehrer Ernst Jakob. _ . t
** Ausbesserungen an Wagen des St I eint) an« delsverkebrs. Seither wurden die im eickwftichligen Verkehr befindlichen 'DJiafee, Gewichte und Wagen, wenn nc sich bet der eickamtftchen Untersuchung als ausbesserungsbedürfiig .erwiesen, vielfach von den Eichbeamten ausgebesicrt und in eichfahigen Zu stand gebracht. Dies ist hmftig den Eichmeistern, da sie Staatsbeamte sind, nicht mehr erlaubt. Tie Besitzer der eichpfftchligen Gegenstände müssen sich also wegen solcher Ausbesferuiigen künftig an andere Fachleute (Schlosser, Meckwrnker, Wagenbauer) tven- den. Und zwar müssen die nötigen Reparaturen möglichst fclwn vor dem Eintreffen des Eickmeistcrs in den einzelnen Orten ausgeführt fein, damit den Besitzern keine unnötigen Holten und Verzögerungen erwachsen. Die vermine der örtiidicn Eichtage werden rechtzeitig vorher bekannt gemacht. Ta die Zahl der Fachleute, die solche Arbeiten wirklich sachverständig auSführen, vorläufig nur beschränkt ist, bietet sich .Handwerkern dieser Branchen Gelegenheit zu reichlicher Beschäftigung und gutem Verdienst. Voraussetzung ist natürlich, daß die Betresfenden die besonderen Arbeiten, namentlich die Reparaturen und Justierung von Tafel- | wagen, gleicharmigen Wagen, sog. Schncllwagen und ttanSPortab- len Brückcnwagen verstehen. Es liegt im Interesse solckfcr .Handwerker, daß sie sich zur Erleichterung des Nachweises geeigneter Personen bei den Eichämtern Darmstadt, Offenbach, Gießen, Friedberg, Mainz und Worms anmelden, wo ihnen auch weitere Auskunft über die neuen eichtechnischen Vorschriften, Fehlergrenzen usw. erteilt werden können. Es ist beabsichtigt, zunächst eine Liste der Handwerker aufzustellen, die sich zur Vor- I nähme dieser Arbeiten eignen. Es empfiehlt sich, daß die Handwerker, die in diese Listen ausgenommen werden wollen, fick hab* I big ft schriftlich an die Eichungs-Jnspcktwn in Darmstadt (Paradeplatz 3) wenden.
** U eb er Mundartforschung und 0berhes^iscke ! Mundarten sprach am Dienstag abenb in einem vom T ent- W f eben Sprachverein und der Vereinigung für Volts- I künde veranstalteten gut besuchten Vortragsabend Lehramts- I assessor Tr. Faber. Ter $ortragenbe führte a^is, daß die I Mundart die ursprüngliche Svrackie sei, während das Schriftdeutsch i etwas Gemachtes sei. Tie Mundartforschung sei außerordentlich j wichtig, aber es sollte hierüber nur richtiger mitgeteilt werden, da eS auf die geringsten Lautunterschiede antommt. Tie Mund- 1 art ist nicht einheitlich und sie ist als lebende Sprache immer in der Umbildung begriffen. Ter Einschlag der Mundart in die Schriftsprache ist groß und wir finden vieles Dialektische in der ! Schriftsprache. Tie Schriftsprache hat aber noch mehr Einfluß aus die Mundart ausgeübt. Tic Schaffung einer cinheitlickum 1 Sprache ist eine große Tat für ein Volk und Tentschland hat die Kraft gehabt, diese Tat zweimal zu vollbringen, einmal mit der» mittelhochdeutschen Sprache und dann mit der neuhochdeutschen. Tie Mundarten unserer Gegend sind hochdeutsch und gehören dem 1 rheinfränkischcn Tialektgebiet an. Tie Mundarten werden ab», gegrenzt durch die Lautgesetze und selbst innerhalb ganz kleiner Gebiete findet man Berschiedenliciten Vielfach wird durch die ; Verschiedenheit der Mundarten auf alte historische Grenzen hin- ' gewiesen, konfessionelle Verschiedenl-eiten, alte Zollschranken ustv. lassen sich oft durch die Verschiedenheit der Mundarten erkennen. Ter Wortschatz der Mundarten ist verschieden Tic deutsche» und romanischen Sprachen gehen auf eine gemeinsame Sprache, die indogermanische zurück. Von der Geschichte des inbogerma nischen Volkes wissen wir nichts, aber wie die Jnbogerinanen lebten, sagt uns ihre Sprache. Ter Redner schloß feine interessanten, durch zahlreiche Beispiele aus Oberhessen erläuterten Ausführungen mit der Mahnung, in unserer Sprache auch die Mundarten zu erhalten. An die Tankesworte des GH. Hofrals Prof. Tr. Behaghcl schloß sich eine kurze Aussprache an.
"Ein nachahmenswerter Erlaß wegen Unterstützungen an Beamte. Tic Eisenbahnbirektioir Frankfurt hat folgende Verfügung an ihre Beamten im Amtsblatt erlaßen: Es ist die Wahrnehmung gemacht worben, baHfcM f Unter ft ützungs fach en Vielfalt» nicht mit dem Takt ber Rücksichtnahme vorgegangen wirb, die diese tfngefcgcufx-i/m ihrer Natur nach unbcbingt erheffchen: 1. Bei Hem Ermitteluugs verfahren bezüglich Bcbürftigkeit unb Mürbigkeit wollen die zu Rate gezogenen Beamten sick stets vor Augen halten, daß es sich um vertrauliche unb persönliche Angelegenheiten handelt. Unbeschadet der Genauigkeit der Auskünfte muß unbedachtes unb lästiges Einbringen in bie persönlichen Bcrhältnisfe vermieden werden. 2. Bei dem Auszahlungsgeschäft ist zu beachten, baß jeder Beamte verpflichtet ist, gegen bas - Publikum ein höfliches Benehmen zu beobachte». Tiefe - Bestimmung ist den Unterstützungsempfängern gegenüber ebenfalls zur Anwenbung zu bringen. Bisher scheint bies vielfach nickt geschahen zu sein. Alten Beanttm, bie mit ben Unterstützungssachen zu tun haben, wirb ein taltvollcs Verhalten zur besonderen Pflicht gemacht unb ein entsprechendes Verhalten schon aus dem Gefühle des Anstands heraus für die Folge auf das Bestimmteste erwartet.
Landkreis Gieften.
h. Steinkecg, 21. Jan. 91 in Sonntag feierte ber
Gesangverein „Eintracht" sein 44. Stiftungsfest, daS einen hübschen Verlauf nahm. Ta§ Vereinslokal war bi5 j / auf den letzten Platz besetzt. Die oorgetragenen Lieder be-| zeugten die Leistungsfähigkeit des Vereins. Die Theaterstücke , wurden gut gespielt; besonderen Beifall fand das Stück „Tie i vom Rastauhofe*.
r. Londorf, 21. Ian. Am Sonntag nachmittag frelty Rechtsanwalt Kaufmann au- Gießen im OrtsgemerbevereinU einen Vortrag über das neue Gemeindesteuergesetz. Die U Zuhörer spendeten Herrn Kaufmann für seine sehr erklärlichen Ausführungen reichen Beifall.
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Kreis Büdingen.
Büdingen, 20. Jan. Schöffengericht. Ter Werk- führet H. R. unb bcr Arbeiter H. F., beide von Haingrimdau, H hatten gegen bie amtsrichterlickfen Strafbefehle wegen Uebertrctunfl | des Dampfkesselgcsetzes Einspruch erhoben Die Hauptverhandftmg würbe zum Zwecke weiterer Aufklärung ber Sachlage ausgesetzt. — ' Ter Taglöhncr A. Sch. von Egelsbach wurde ivegcn Widerstand i gegen bie Staatsgewalt zu vier Wochen Gefängnis unb wegen Bettelns zu zwei Wochen Haft verurteilt. — Ter Schlossergesellc 1 W. R. von Siegen wurde wegen Bettelns zu einer Wock)c Hast | verurteilt. Tie Strafe wurde durch die erlittene Untersuchungs- haft stir verbüßt erklärt. — Der Taglöhner I. Gg. D. vo» Büdingen wurde wegen Diebstahls zu einem Tag Gesingnis verurteilt. ! — Der Eiscndreher M. N. aus Waldheim in Sackscn wurde wegen Bettelns zu drei Tagen Haft verurteilt. — Der Taglöhncr A. L. I aus Unter-Alba wurde wegen Bettelns zu einer Woche Haft bcr u urteilt. Fünf Tage ber erlittenen Untersuchungshaft werben auf ff bie erkannte Strafe ausgerechnet. — Der Taglöhner K. E. aus Wieseck würbe wegen Bettelns zu brei Tagen Haft verurteilt. — Ter Schlosser H. B. aus Babenhausen würbe wegen Bettelns zu einer Woche Haft unb wegen ruheftorenden Lärms zu drei Tagen Haft verurteilt.
Kreis Lauterbach.
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— Lauterbach, 21. Jan. Im Äluftrag der Landes abteilung beider Hessen des Bundes der Handwerker hielt gestern abend Herr Schlossermeister Tietz Erfurt einen Vortrag über „Den Kampf des Handwerks um feine Existenz". Er erläuterte die Ziele des Bundes ber, Handwerker, dabei zur Bildung eines Ortsvereins auffordernd. Die nicht sehr zahlreich besuchte Versammlung tvar zwar mit den Ausführungen des Redners einverstanden, konnte sich aber zu wetteren Schritten vorläufig nicht entschließen. 1
Starkenburg und Rheinhessen. ivl
— Mainz, 21. Jan. Ter Vorstand der H e s s i s uheu Handwerkskammer trat am Dienstag zu einer 2
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