wurde durch die schmeichelnde Musik, auch das Auge durch die rasch wechselnden Bilder der Märchendichlung gefangen geuom- men. Es würde zu weit führen, wollte man alle die reizenden Darstellungen int einzelnen hervorheben, es baden alle die vielen .spinder, ©turmg elfter, Blumen, Bügel und Engel ibr Bestes gegeben. Besonders Herrorzuheben sind der Chor der Schneeflocken, das Zigeunerlager, nicht zu vergessen die kleinen Schmetterlinge.
Aber auch die jugendlichen Solisten des Abends verdienen die vollste Anerkennung, von der Eiskönigin an bis zur Nixe und Der Zigeunerin. Ein gan; besonders rührendes Bild bot die liebliche Erscheinung de-- Gerda. Dankbar wollen wir auch die Mühe bervorheben, die die leitenden Damen und Herren mit der Einstudierung des ganzen sSingsvicls gehabt haben Sie werden ihren besten Lohn in dem glänzenden Verlaus des Abends gefunden haben. Der Ausführung wohnte auch die Fürstin Solms-Lick mit drei Prinzessinnen bet, die sich sehr befriedigt über die ganze Peranstaltuni und ihren Verlaus aussprachen. - - .Heute, Montag, abend um 6 Uhr findet die zweite
und letzte Aufführung statt.
** Weil; nachts bescherung. Man schreibt uns: Am Freitag, den 12. Dezenrb'r. abends um 5 Uhr war im kathol. Verein shanse die Weihnachtsbescherung für die Kinder der kathol. Gemeinde. Dank der Wohltätigkeit der Gemeinde und dem Sammeleifer der barmherzigen Schwestern konnten auch in diesem Fahre an die 40 Kinder mit nützlichen Gegenständen reich beschenkt werden. Zugleich mit dieser Weibnachtsbeich rung war verbunden fr Weihnachtsfeier der Klein - K i n d e r s cfi u l f. Auch bet den Kleinen teilte das Christkind reichlich seine Gaben) mis. Zum Dank dafür erfreuten fic bi? Anwesenden mit herzigen Weihnachtsliedcheu und Weihnachtsgedichtchen. Auch einige, aller liebste Theaterstückchen haben sie trefflich gespielt. — Wie mir hören, sollen diese am ersten Wcihnachtsseiertag mittags 'um 5 llfar für die noch einmal wiederholt werden, die gestern der Feier nicht beiwohnen konnten.
Landkreis Gießen.
T. Dorf-Gill, 12. Dez. Die gestern in unserer etwa 30 Hektar grossen Gemarkung abgehaltene Deldjagd ergab 90 Hasen und einen Fasan. Es ist dies ungefähr die gleiche Anzahl wie in den vergangenen Jahren, so dast von einer Seuche, die die Hafen stark vermindere, wie von anderen Orten berichtet wird, hier nichts zu spüren ist.
Kreis Büdingen.
Die Einführung der Elektrizität in Büdingen.
H. Büdingen. 12. Dez. Schon vor Erbauunq des Gaswerks war in Büdinqen Stimmung für Einführung von elektrischem Licht und Kraft. Der Fürst hatte schon vor Erbauung des Gaswerks erklärt, dast in seinem Schloß und den übrigen der Herrschaft gehörigen Wohnunaen Gas au Veleuchtungszwecken nicht eingeführt würde. Die fürstliche Verwaltung trug sich mit dem Gedanken, ein eignes Elektrizitätswerk zu bauen. Die Ausführung war unterblieben im Interesse der Stadt, her man den Anschluß an die U e b e r t a u d z e n t r al e in Wölfersheim ermögliche)! wollte. Im vergangeiren Jahre war in diesem Sinne bei der städt. Verwaltung angesragt worden. Die Angelegenheit hatte auch schon den Gemeinderat in einigen Sitzungen beschäftigt, ein bestimmter Beschluß war aber nicht gefaßt worden.
Erst auf Antrag des hiesigen Gewerbevereins war die Angelegenheit wieder in Fluß gekommen und führte zu der heutigen G e m e i n d e r a ts sitzung, in der Bürgermeister Fendt, Beigeordneter Dotter und außerdem alle Mitglieder des Gemeinderats anwesend waren. Als Vertreter des Fürsten waren Provinzialdirektor Gcheimerat Dr. U s i n g e r, Oberingenieur v. S t a d ler, als Vertreter Großh. Krcisamts Büdingen Kreisamtmann Frhr. von G r a u c h zugegen.
Nach Begrüßung und Einleitung der Sitzung durch den Bürgermeister erhält als Referent Gemeinderat Schäfer das Wort. In längerer Ansprache erstattet er ein sehr umfangreiches Referat, das mit dem Antrag schließt:
Der Gemein der at wolle endgültig beschließen, daß die Stadt B üdi n q e n a n . d ie U eberlandzentrale Wölfersheim angeschlossen würde.
Gemcinderat Klein erhebt gegen verschiedene Aus- fühvüngen Widerspruch. Gemeind^rat Rechtsanwalt Keil spricht in längeren Ausführungen gegen einen solchen direkten Beschluß und stellt den Gegenantrag, man möge beschließen :
Der Gemeinderat ist für Einführung der Elektrizität in Büdingen, doch sollen erst Verhandlungen mit der f ü r st l. Verwaltung und dem Provinzial- au s sch u ß geführt werden.
An der Aussprache beteiligten sich in dem Für und Wider die Gemeinrdräte Klein, Nullmann, Methfessel und Andrac.
Provinzialdireltor Gcheimerat Dr. Ufinger erklärt, daß die Provinz sehr gern 'bereit sei, der Stadt Büdingen elektrische Energie zu Licht und Kraft zur Verfügung'zu stellen, wenn dies br Stadl wünsche, und verspricht der Stadt unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse soweit wie möglich entgegenzukommen. Bis jetzt habe aber die Stadt noch nicht angefragt. Wenn dies geschehen solle, dann müsse dies aber bald geschehen, weil im Januar k. I. der Provinzialausschuß über weitere Ausdehnung der elektrischen Leitungen und über Vorsehung der hierdurch benötigten Kredite beschließen würde. Unter allen Umständen sei aber zu einem Beschluß über die Einführu)ig der Elektrizität in Büdingen nötig, daß die hiesige Standesherr- schast als Großabnehmer mit etwa 720 Lampen ihren Anschluß an das Elektrizitätswerk in Büdingen erkläre.
Der Vertreter des Kreisamts spricht für den Antrag Schäfer.
Kammerdir. Dr. Weimer erklärt, da ßdie. fürstl.
Verwaltung nur noch bis zum Ende d. M. auf einen bindm- den Beschluß warte. Nach diesem Zeitpunkt würde die Verwaltung zur Erbauung eines eigenen Elektrizitätswerkes schreiten.
Natt» den bisherigen Gepflogenheiten iuirb zuerst über den G c gj. uantra g K c i l abgestimmt. Der Antrag wird, da sich Stilumcugleichhcit ergibt, mit 7 Stimmen abge- lehnt. Ter Antrag Schäfer, der jetzt zur Abstimmung kommt, hat dasselbe Ergebnis.
Damit ist die. heutige Gem^inderatssitzung erledigt.
Von beiden Seiten wurtv- im Gemcinderat das Ergebnis bedauert, da nur eine geringe Mehrheit prinzipielle Gegner der Elettrizitätseinführung sind. Kreisamtmaun Frhr. von Grauch gibt der Stimmung in einem kurzen Vortrag Ausdruck.
Gemeinderat Keil stellt hierauf den Antrag, daß in einer weiteren sofort statrzufindenden Sitzung die Angc-
DermifcMc«.
*DieFahrpreisen<ach Amerika. Nachdem die Hamburg-Amerika-Linie die Zwischendcckraten ab 1. Januar 1914 auf 120 Mk. für Ncwpork und 110 M'. für die übrigen Häfen gegen die heutige Rare von 1,60 Mik. herabgesetzt hat, sind vom Norddeutschen L l o h d die Raten vom 1. Januar 1914 ab wie folgt festgesetzt worden: Newtwrk, Schnclldamvserrale. 130 Mark, Newyoirk, andere Dampfer 120 Mk., übrige Häfen 110 Mk.
Märkte.
le. Frankfurt a. M. V i c h b o °-Ma r 5 t b e r i ck) t uom 15. Dez. Auftrieb: Rinder 1559, Ockfen 493, Bullen 24, Kühe und Färsen 17?, Kälber 28"-, Schafe 165, Schweine 2342, Ziegen 0.
Tendenz: Rinder gedriickl, Kälber rege, Schale riibia. oeräumt, Schweine schleppend, bleibt Uebcrsland. Preis für 100 Md.
Lebend- Schlackt* aewicht.
Ochsen. Mk. Mk.
Vollsleifchige, ausgemästete, höchsten Schlackt-
ivertes, 4—7 Jahre alt 52—53 95 -100
die noch nickt gezogen haben (unqejochte) . . 48—51 87—90 Junge fleischige, nicht ausgemästele und ältere
ausgemästete............ 42—47 77—87
Bulle n.
Pollfleifckige, ausgewachsene, höchsten Schlachtw. 49-51 81-85
Vollfleischige, jüngere .......43—47 72-80
Färsen, K ü b e.
Vollsteifckige ausgem. Färsen höchst. Scklachtw 47 —50 84 —90
Vohfleischige ausaemästete Kühe höchsten Schlach-
wertes bis zu 7 Jahren 46—49 86—88
wenig gut entwickelte Färsen 43—46 83—88
ältere ausaemästete Kühe........ 40—45 74 —84
Mäßig genährte Kühe und Färse)! 32—39 64 — 78 Kälber.
Mittlere Mast- und beste Saugkälber. . . . 60-65 102 -HO
Geringere Mast- und gute Saugkälber . . . 54—59 92—100
Schaf c.
Stallmaftschafe:
Mastlämmer und jüngere Masthaininel . . . 43 -44 90 -92
• Schweine.
Vollfleischige Schweine von80-100'c»
Lebendgewicht 56.03—-58.00 71.00—74 )) Vollsleifchige Schweine unter 80 k$
Lebendgewicht 55.0)—57.50 70.00—72.0) Vollfleischige Schweine von 100—120 kg
Lebendgewicht 55.50—58,00 71.00—73 00 Vollfleischige Schweins von 120—150k*
Lebendgeivicht 55.00—57.50 71.00—73.00
je. Frankfurt <t. M., 15. Dez. Mrig.-Telegr. de? „Gies. Slty.•) Amtliche Notierungen der l eiitigcn Frucht markt v reif e. Weizen Hiesiger) Mk. 19. 5—19.25, Kurhessisckec Mk. 19.15—19.25, Wetterauer Ack. 00.00—00.00. llioggen (hieüqer) Mk. 16.25 bis Oo.no, '3’crfle (Sßclteraiter) lUf. 16.25—16.75, (Äcrfte, Frauken, Pfälzer, Ried Mk. 16.50-17.0o, Hafer Mk. 16.00—17.00, Mais Ml. 14.75 bis 15.00, V. eizemnebl 0 $<’(. 06.00—00.00, Weizenmehl I Mk. 00.' 0—00.00, Weizenmehl III Mk. 00.00—00.00, Roggen- niehl 0 Mk. 00."0—' «.00, Roggenniehl 01 Mk. 00.00—00.00,
Roggenwehl I Mk. 00.00-00.00, Weizenklei: Ml. 0.00-0.00^ Weizenfckalen Mk. 0.«>0—0.00, 9ioggenkleie Mk. 00.00 — 00.0'), Atalzkeiine All. 00.00—90.00, Biertreber 00.00—OO.OCL RaoS Ml. o.co—00.00, Futtergerste Mk. 00,00—00,00. Alles per 100 Kg. ab hier.
le. Frankfurt a. M., 15. Dez. (Orig.-Delege. de? i. Anzeigers^.) K a rt o f se l m a rtt. Man notierte: Kartoffeln in Waggons Mk. 3.50—4.0(1 im Kleinhandel Pik. 4.50—5.00 fite u 100 Kg.
Dr. Jägers Nermal-Hemden und -Bosen Fr-SÄi 1 Salomon $ Eie.
Zum W e i h )i a ch t s f e st ist jede Hausfrau darauf bedacht, das; in ihrem Heim alle Metallgegenstände im höchsten Glanze erstrahlen. In vollkommenster Weise und mühelos erreicht sie dies durch die weltberühmte und bewährte flüssige Metallpolitur „K a o V'. Man fordere in den Geschäften nur „Kaol" und lasse sich nichts anderes ausdrängen. hv15A»
legenheit weiter verhandelt würde. Ter Landgc- meindcordnung entsprechend wird dieser Antrag von 7 Ge- meinderatsmitgliedern unterstützt. Ter Antrag findet die Zustimmung der gesamten Stadivertrrtung, und cs wird sogleich in die Tagesordnung eingetreten. Nach kurzer Aussprache wird der Antrag Keil, in entgegenkommender Weise für die Gegner erweitert, wie folgt angenommen:
Ter Gemeinderat beschließt die Einführung der Elektrizität in Büdingen. Es wird ein Ausschuß ernannt, der sofort in die notwendigen Verhandlungen cintriit. In 8 Tagen soll erneut Gemeinderatssitzung stattfinden, in der der Anschluß der Stadt an die Ueberlandzentrale endgültig beschlossen wird.
Dem Ausschuß gehören on: der Bürgermeister als Vorsitzender und die Gemeinderatsmitglieder Schäfer und Klein.
©cricbtsfaaL
G ; e s; e n , 12. Dez. (Schöffengericht.) Beamten- belcidigung. Der Diener Heinrich M. von hier hatte die Dogge der Burschenschaft Alemannia in der Gartenstraste dahier frei herumlaufcn lassen: als er von dem Schutzmann .Hahn deshalb mit einer Anzeige bedacht wurde, gebrauchte er einen beleidigenden Ausdruck. Ta er heute die Beleic-iaung dem Beamten gegenüber zurücknahm, soll die vorgesetzte Behörde wegen Rücknahme des Strafantrages gehört werden: wegen Uebcrtrctung erhielt er eine Geldstrafe von 3 Mark oder 1 Tag Haft. — Geständig ist der Former Hermann Kn. von Kolbe. Ge legentlich des Radfahrersestes in Lollar half er in einer Wirt- schast aus und eignete sich ein liegcngcbliebenes Handtäschchen an, gab es auch auf Reklamation nicht heraus: er erhielt 10 Tage Gefängnis. — Als Walzbruder zieht der frühere Metzger Emst M. von Oels in der Welt herum. Er bleibt aber nicht beim Betteln, sondern läßt auch bei passender Gelegenheit mtt- gehen, was des Mitnehmens wert erscheint. So hat er in Wieseck beim Betteln ein Paar Schuhe nritgehen lassen. Er erhielt wegen Diebstahls eine Gefängnisstrafe von 3 Wochen, die durch die Untersuchungshaft für verbnm erklärt wurden: wegen Bettelns wurde auf 4 Wochen Hast und Ueberweisnng on die Landespolizeibehörde erkannt. — Widersetzlicher Student. In der Nacht vom 15. zum 16. Juni d. I. ^üote der sttid. Phil. Franz Sch. von hier durch lautes Singen Nuhe- störung. Nach seinen Personalien befragt, verlangte er nach der Wache, und als er dort vorgcfübrt war, nach der Haupt- wache geführt zu werden. Während seiner Sistierung leistete er dem ihn transportierenden Beamten den heftigsten Widerstand und weigerte an) der Wache und Hauptmache seinen Namen zu nennen. Erst als er in die „Sandgasse" abgeführt werden sollte, legitimierte er sich. Wegen Widerstands erhielt er 20 Marr Geldstrafe oder 4 Tage Gefängnis, wegen Ruhestörung 3 Mark Geldstrafe oder 2 Tage .Haft. — Einen Verweis wegen Diebstahls erhielt der Kaufmannslchrling Georg H. von hier: er hatte seinem Lehrhcrrn verschiedene Gegenstände entwendet, doch konnte er nur teilweise des Diebstahls überführt werden. — Beleidigung. Ter Reisende Lorenz B. von Heuchelheim hatte sich über seinen f r ü h e r e n P r i n z i p a l, den ,Kaufmann Ferd. N. von hier, in nickt gerade taktvoller Weite ge^ äußert. Auch sollte er den bei N. be)cf)äftigtcn Tapezierern O./A. und H. L. in Bezug auf ihre Ehrlichkeit nicht Gutes nachgesagt' haben. Wegen Beleidigung des Kaufmarrns N. erhielt er 25 Mark Geldstrafe oder 5 Tage Gefängnis: im übrigen konnten ihm die beleidigenden Aeusterungcn nicht zweifelsfrcr nachgewresen werden, weshalb ferne Freisprechung erfolgte.
Berlin, 12. Dez. Der des Mordes an der Wirtschafterin (Salle verdächtige Händler Henk wurde wegen Heiratsschwinde- teicn und Urkundenfälschung zu einer Zuchthausstrafe von zehn Jahren, zehn Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt.
G ü st r o w , 12. Dez. Das Schwurgericht verurteilte in zweitägiger Verhandlung den Schmicdgesellen Koch aus Uelitz bei Schwerin ioegen Ermordung der 20jährigen Maria Ham- b c r g e r ans Luckenwalde bei Berlin zum Tode. Der Angeklagte ermordete am 7. September bei Rastow seine Geliebte mit Vorbedacht, da sie ihm inibequcnt geworden war.
Leipzig, 12. Dez. Tas Reichsgericht hat die R e v i- s i o rt des Fabrikarbeiters Reuter, der vom Schwurgericht in Köln am 8. November 1913 wegen Mordes, begangen an seiner .Ehefrau, zum Tode verurteilt worden war, verworfen.'
Falls zu berücksichtigen, denn es stehe doch fest, daß die Angeklagte geistig minderwertig sei.
Das Urteil soll am Dienstag kommender Woche gesprochen werden.
Heber die vielgenannte Prinzessin Psenburg wird uns folgendes mitgeteilt:
A l c x a n d r a Prinzessin zu Y s c n b u r g und Büdingen ist als Enkelin des letzte)) Kurfürsten von Hessen unb Tochter der verstorbenen Fürstin zu Bsenburg-Wäcktcrsbach 1855 in Wächtersbach geboren. 1877 vermählte sich die Prinzessin, die ungewöhnlich schön gewesen sein soll, mit dem Prinzen Adalbert zu Asenburg und Büdingen, jüngerem Bruder des verstorbenen Fürsten Bruno. Tas junge Paar nahm seinen Wobnsiy in Darmstadt. Diese Ehe, die kinderlos blieb, wurde nach zweijähriger Tauer durch den Großherzog von Hessen geschieden. Im solgcnden *tohrc vermählte sich die Prinzessin mit dem Stuttgarter Rittmeister Freibcrrn v. Degenhardt. Diesem Bund sind mehrere Kinder entsprossen: ein Sohn ist aktiver Offizier. Toch auch diese Ehe wurde geschieden. Seitdem wohnt die Prinzessin, die ihren Mädchennamen wieder angenommen hat, abwechselnd in DdVfcfiic» denen Großstädten Deutschlands, zumeist in Frankfurt a. M. Tas Haus Psenburg hat längst alle Beziehungen zu ihr gelöst.
Soldaten sind nicht zum Uohlenschippen da.
.-2 Stra ß bürg i. Els., 11. Dez.
In kleinen Garnisonen svielt der Osfiziersbursche vielfach die vielseitige Rolle eines „Mädchens für alles". Was int Frieden einer brandenburgischen oder pommerschen kleinen Stadt stillschweigend geduldet wird, das erregt den Zorn der hohen und höchsten Vorgesetzten auf Dem Glacis in den Reichslanden Man erzählt, das; Gras Haeselcr als Kommandierender einen Offiziersburschen nach Hause schielte, der für die Frau Leutnant mit einem Marktkorb am Arm Einkäufe besorgen sollte. Und als ein ander Mul der Graf einem Burschen begegnete, der die beiden Kinder seines Hauptmanns zur Schule begleitete, loarfetc er mit den Kindern auf der Straße, bis t>ie_ durch den Burschen benachrichtigte gnädige Fran auf der Bildfläche erschien, um dem Burschen daS Begleiteramt abzunehmen. Ter Anschauung, daß Soldaten zur mili- cärischen Ausbildung da sind und nicht für private Hausarbeit in ober Ti en sie, Hc von Zivilpersonen gcleiftcc werden können, huldigt anscheinend auch der vielgenannte kommandierende Olcneral v. Deimling, der soeben folgenden Armeebefehl erlassen hat:
„Ich habe kürzlich einen Husaren der 2. Eskadron beim Kohlenabladcn für die Garnisonverwaltung angetroffen. Ta wir die Soldaten zum Krieg und nickst als Kohlenschipper ausbikdcn wollen, so habe ich den Mann von der Stelle weg zu seiner Schwadrv)! geschickc. Z:>. diesen Arbeiten, die bestimmungsgemäß von Zivilarbcitern auszuführen sind, dürfen keine Soldaten Der Verein der Kolstcnhändler Tcutschlands bat darauf dem General v. Deimling für sein Eintreten zugunstetr der Zivilarbeiter ein Dankschreiben übermittelt.
kommandiert werden."
Der Roman einer gräflichen Grflette.
2;- Berlin, 13. Dez.
Der heutige 14. Vcrhandlungstag gegen die Gräfin Fischler von Treuberg begann mit dem P l a i d o p e r des Verteidigers Rechtsanwalts Walter Bahn, der einleitend aussührte, daß der Vertreter der Anklage alles mögliche gegen die Angeklagte zn- sammcngetragen habe, was mit der Anklage selbst nichts zu tun habe. Das frühere Leben der Angeklagten in Frankfurt a. M., ihre Verwandtschaft u. a. spiele hier keine Rolle. Was den Aufwand anlange, so habe die Prinzessnt Luise von Belgien erheblich mehr Schulden gemacht als die Angeklagte, deren Passiven sich aus ganze 1200 Mark beliefen. Das Likör- und Ehampagnertrinken aus Wassergläsern seitens der, Angeklagten fei auch nicht täglich vor- gefommen, man könne also nicht von einem fortgesetzten Trinken reden. Wenn der Staatsanwalt meine, daß die Angeklagte sich recht gut mit einigen hundert Mark im< Jahre kleiden konnte, so zeuge das von einem Mangel an Einsicht in daS Toilettenbudget einer modernen Frau. Besonderen Wert habe der Anklagevertreter auf die seidenen Strümpse der Angeklagten gelegt. Er übersehe dabc; ganz die Art ihres Betriebs. Tie Angeklagte verkehrte in der eleganten Welt und konnte da unmöglich in der Kleidung eines ehrbaren Fabrikmädchens erscheinen. Wenn die Angeklagte Geschäfte machen wollte, dann mußte sie auch in gcivissem Sinne repräsentieren. Die Angeklagte dürfe nicht streng bureaukratisch bewertet werden, andererseits seien auch die mit ihr in Verbindung getretenen Kava ' lierc nicht zu hoch einzuschätzcn. Leute wie Herr v. Alten und Herr v. Motzsch gehören nickst zum preußischen Adel von altem Sckrot und .Korn, sic waren bereits Fallobst, als sie mit der Angeklagte)! in Verbindung traten. Sie glidjcn den Lilien auf dem Felde, sie säeten nicht, sie ernteten nicht, sie nährrcn sich von den SBu cherern. Ich will dem Staatsanwalt nicht folgen bis zu Hammurabi und dem römischen Recht, wenn man aber von Wuchcrzinsen spricht, dann muß man Zeit und Ort und die näheren Verhältnisse, die Kreditwürdigkeit der Geldsuchcnden, berücksichtigen. Der Staatsanwalt hat ja schon einige Fälle der Anllage fallen gelassen. Wenn das Gericht die Angeklagte in anderen Fallen für schuldig erachtet, dann verdiene sie doch nicht die übermäßig hohe Strafe, die der Vertreter der Anklage beantragt habe.
Ter zweite Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Klee besprach den Lcbcnsgang der Angeklagten und zog daraus den Schluß, daß man ihre ganze Persönlichkeit aus den Verhältnissen heraus beurteilen müsse. Die Angeklagte habe sich schließlich nicht anders entwickeln können, wie es geschehen sei. In verschiedenen Punkten der Anklage laute diese auf Beihilfe zum Wucher. Dabei sei aber das Verfahren wegen des Bewucherns selbst noch nicht entschieden. ES könne also der Fall eintreten, daß die Angeklagte für Beihilfe znm Wuckxw bestraft werde, während der vermeintliche Wucherer selbst straflos ausgehe. Ter Verteidiger bat, der Angeflagten )nenschlichc Schwächen zugute zu halten und auch die pathologische Seite des
und Färberei Hugo Luckner (Inh. Gebr. Rover), Leipzig
chemische Waschanstalten


