Nr. 2<2
Erscheint täglich mü Ausnahme des Sonntags.
Seneral-Anzeiger für Gbecheffen
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Die „Gießener Zmnilienblätter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, daS „Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- frage«“ erscheinen monatlich zweimal.
Wie die „Historisch-Politischen Blätter" weiter berichten ,fehlte dieser Antrag aus dem in der geschlossenen Versammlung am Montag vorgelegten Verzeichnis der Anträge, die von der Generalversammlung angenvmmen werden sollten. , Nach eingehender Besprechung mit allen in Betracht kommenden Faktoren hatte Präsident Fürst Löwenstein beschlossen und dazu die Zustimmung von autoritativster Seite gesunden, die Angelegenheit selbst in der ersten öffentlichen Versammlung zur Sprache zu bringen." Ts handelte sich also bei seiner Rede um ein Kompromiß, zu dessen Zustandekommen, solange nichts anderes behauptet wird, auch die Führer der Gewerkschaf- *ten, die in Metz anwesend waren, r^*-***Wi4rf* *T'i»
Fortschritte im Wohnungswesen in Deutschland.
Nach einem Bericht, den die Zentralstelle für Volkswohlfahrt durch ihren Dezernenten Dr. Altenrath auf dem X. Internationalen Wohnungskongreß über Fortschritte im Wohnungswesen in Deutschland seit 1910 erstattet hat, sind Bauplanwesen und Städtebau sowohl durch die Ausstellungen der.letzten Jahre als auch durch das tatkräftige und zum Teil großzügige Vorgehen zahlreicher Gemeindeverwaltungen in ein Stadium lebhaftester Entwicklung eingetreten, wobei auch die soziale Seite der Frage zum wenigsten nicht unberücksichtigt blieb. Die systematische Regelung des Baurechts hat, so heißt es in dem Bericht, in den süddeutschen Staaten wiederum Fortschritte zu verzeichnen, und allgemein ist bei den neuen Bauordnungen eine Abstufung der Vorschriften hinsichtlich der baulichen Ausnutzung und eine gewisse Erleichterung des Baues von E i n- famili enhäusern und Kleinwohnungen zu beobachten. Der Frage der Bodenbeschaffung für die kommunalen Einrichtungen und die Zwecke der Stadterweiterung stehen die Gemeinden zum mindesten nicht mehr gleichgültig gegenüber, wenn auch ein planmäßig betriebenes kommunales Grundstücks- und Aufschließungsgeschäft in großem Stil noch bet den meisten Gemeinden in weitem Felde liegt. Wohnungsaufsicht und Wohnungspflege haben namentlich in den süddeutschen Staaten eine breitere Ausdehnung und in Bayern, Württemberg, Baden und Hessen planmäßige Förderung erfahren. Der Eintritt der Frauen in dieses soziale Arbeitsgebiet berechtigt zu den besten Zukunftserwartungen. Die gemeinnützige Bautätigkeit hat in den rund 1200 Baugenossenschaften einen bedeutsamen Faktor des greifbaren praktischen Fortschritts herangebildet, als dessen festes Rückgrat die Mitwirkung der aufstrebenden Arbeiterschaft mehr und mehr in die Erscheinung tritt. Die allgemeine Kr editnot hat als wichtigsten Fortschritt das Eintreten der Gemeinden, die Gründung kommunaler Anstalten sür erste und namentlich für zweite Hypotheken gezeitigt. Auch die ästhetische und technisch-wirtschaftliche Förderung des Wohnungsbaues hat durch die neu auf den Plan getretenen Beratungsstellen einen lebhaften Anstoß erhalten. Dies alles sind wichtige Tatsachen, die unbedingt einen Fortschritt im Wohnungswesen bedeuten. Dahinter stehl aber als wichtigster u. hauptsächlich treibender Faktor die wachsende Anteilnahme der Allgemeinheit an diesen Fragen, als deren schönstes Ergebnis die eingehende Beschäftigung des Reichstags mit den Aufgaben des Wohnungswesens, und die Veröffentlichung eines Wohnungsgesetzentwurfs durch die preußische Staatsregierung von allen Freunden der Sache aufs lebhafteste begrüßt wird.
Mittwoch. 10. September M3
S^tationSdruck unb Verlag der Brübl'schen UniversilätS - Buch- und Sleindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.
<Rebaftion:e^ll2. Tel.-Adr.: AnzeigerDleßen.
genden Kommentar: „Wie befreiend wirkte es, als der Präsident nach all dem, was man nach Erlaß der Enzyklika erlebt hat, dem hl. Vater öffentlich den Dank des katho lischen Deutschland „für diese Tat apostolischer Weisheit" aussprach, Gehorsam getobte und Abbitte leistete für allen dem hl. Vater ungewollt zugefügten Kummer: „Der Streit ist für uns deutsche Katholiken entschieden und muß nun ruhen." Damit vergleiche man, was hinterher im Organ der Gewerkschaften zu lesen war: Ter Katholikentag ist nicht die Instanz, auf der eine maßgebende Entscheidung über die Gewerkschaftsfrage gefällt werden könnte. Darauf setzt nun wieder Graf Oppersdorfs einen Trumpf, wenn er schreibt:
„Tas Zentralblatt stellt sich also mit seiner Auffassung in offenen Widerspruch zu Pius X. . . . Wenn, wie dies Julius Bachem und die von ihm begönnerten christlichen Gewerkschaften glauben machen wollen, die Friedensschalmei in Metz nur deshalb erklungen wäre, damit die Widersacher des päpstlichen W i l l e n s in Deutschland auf Kosten der Enzyklika und der Wahrheit ungehinderte Bnvegungsfteiheit erhielten, so würde das katholische Volk durch die letzte Katholikenversammlung in bersprelloier Weise mystifiziert worden sein. Der Mißbrauch, den Julius Bachem und die christlichen Gewerkschaften mit dem Ruf nach Frieden treiben, ist darum eine weit schwerere Beleidigung des Katholikentages als dessen Verunglimpfung durch bie „Kölner Korrespondenz". Da aber wahrt niemand die Ehre der Versammlung."
Der Tanz ist also wieder in vollem Gang.
Aus der neuesten vevölkerungsftalistil.
Das neue statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich - 34. Jahrgang 1913 - ist.erschienen. Das neue Jahrbuch ist vom kaiserlichen Statistischen Amt wiederum seinem Inhalte nach erweitert worden. <nne Reihe von Produktionsstatistiken ist im Hrnbltck auf Die neuen Handelsverträge umgearbeitet wordem Interessant von den Neuaufnahmen ist eine Reihe von Bevölkerungsstatistiken, die bis jetzt unbekannt waren.
Äe Zahl der Gemeinden betrug am 1. Dezember 1910 im Reiche 75 939 (Preußen 52614, Bayern 7988, Sachsen 3156, Württemberg 1902). Von den 75 939 Gemeinden hatten 48 mehr als 100 000, 223 20000-100000 Einwohner. Die Gesamtzahl der Städte betrug 3740, die der ländlichen Gemeinden 72199. Dörfer unter 100 Seelen gab e§ lo013. In den Großstädten wohnten 13 823 348, in den Mittelstädten 8677 955, in den Kleinstädten (bis 5000 Einwohner) 9172 333, in den Landstädtchen 7 297 770 Einwohner.
Ans den anderen Statistiken ist zu ersehen, daß es am 1. Dezember 1910 noch 63 Leute gab, die mehr als hundert Jahre alt waren.
Die Zahl der aktiven Militärpersonen betrug am 1 Dezember 1910: 700 538 in Deutschland, davon in Preußen 406 223, Bayern 63957, Sachsen 43 785, Württemberg 23 488. Die wenigsten Truppen hatte Reuß ältere Lime mit 43 Mann. Es hat bekanntlich keine Garnison, sondern nur ein Wachkommando in Greiz. Der kleinste Militärstaat ist Waldeck (591 Mann).
Auch die Religionsverhältnisse sind neu bearbeitet. Am 1. Dezember 1910 wurden gezählt im Reiche 39 991421 Evangelische, 23 821453 Römisch-Katholische, 283 946 andere Christen, 615021 Juden, 214152 Bekenner anderer Religionen und Konfessionslose.
Interessant sind ferner die neuen Feststellungen über Berufsgliederung und das Alter der Erwerbstätigen, die Ergebnisse der fchulstatistischen Erhebungen von 1911 und die Uebersichten der Bautätigkeit 1912. Hieraus seien kurz folgende Zahlen gegeben:
Die Zahl der Volksschulen betrug 1911: 61557 (1906: 60 584), die Zahl der Mittelschulen 2049, die Zahl der Gymnasien 524, der Realgymnasien 223, der Oberrealschulen 167, der Progymnasien 81, der Prorealgymnasien 63, der Realschulen 411, die Zahl der Mädchengymnasien 39, der höheren Mädchenschulen 789. Die Volksschulen wurden von 10309 949 Schülern, die Mittelschulen von 354 050, die höheren Knabenschulen von 413155, die höheren Mädchenschulen von 234 461 Schülern bezw. Schülerinnen besucht.
politische Tagesschau.
Bryans Nebeneinnahmc im Wanderzirkus.
Die Vereinigten Staaten haben wieder ihre Sensation, die alles andere in den Schatten stellt. Der Streit mit Mexiko, die Affäre Thaw, der Kampf Sulzers um den Gouverneursposten, alle diese Dinge find zu Kleinigkeiten zu- sammengefchrumpft vor der Aufregung, die der E n t s ch l u ß des Staatssekretärs des Auswärtigen, Bry- a n , hervorgerufen hat, seineEinnahmendu rchAuf- treten in einem Variete zu erhöhen. Der Draht meldet uns hierüber aus New-York:
Bryan erklärt, daß er sich genötigt sieht, srch eine „kleine Nebeneinnahme" zu schaffen, da fein G e h a l t, das er als Staatssekretär bezieht, und das 50000 Mark beträgt, für seine Bedürfnisse nicht genügt. Er hat mit dem Manager eines Wanderzirkus einen Vertrag abgeschlossen und wird allabendlich zusammen mit Akrobaten, Feuerfressern und Degenschluckern auf treten. Die erste Vorstellung, zu der Bryan verpflichtet ist, findet in Salesbury im Staate Maryland statt. Neben dem Minister treten auch musikalische Clowns, ein Violinkünstler, ein Jongleur, ein florentinisches Orchester, ein Zauberkünstler und eine bayerische Jodlertruppe aus. Bryan erhält für seine Mitwirkung die Kleinigkeit von 10 OOODollarsürden Abend sowie die Reisekosten nach Washington zurück- crstattet. «Diese Kosten dürften nicht gering sein, da er jeden Morgen zur Erledigung der lausenden Geschäfte in Washington sein muß.
In ernsthaften politischen Kreisen erfährt die etwas merkwürdige Art und Weise des geschäftstüchtigen Staatssekretärs, seine Einnahmen zu erhöhen, die schärfste Verurteilung, und die Tage des smarten Mister.Bryan als Staatssekretär dürften bald gezählt sein.
Hinter den Kulissen des Metzer „Friedens".
Nachträglich sickert in der ultramontanen Presse doch allerlei durch, was einen Blick hinter die Kulissen des Metzer Katholikentages gewährt. Aus einem Artikel der Historisch-politischen Blätter" erfährt man, daß Bischof Komm persönlich die Verhandlungen über die Beteiligung der „Berliner" am Katholikentag geführt hat. In einer Audienz des Generalvikars von Metz, Dr. Pelt, und des Vorsitzenden des Lokalkomitees beim Trierer Bisckws wurde vereinbart, daß die Berliner ein eigenes Lokal erhalten und ihre Redner selbst stellen sollten. „Auch er- llärtc man sich bereit, einen Antrag des gleichfalls anwesenden Diözesanpräses Kanonikus Stein über Arbeiter- fragc unb Enzyklika „Singular! quadam" der Generalversammlung vorzulegen." Dieser Antrag hatte folgenden Wortlaut:
Gegenüber der sozialistischen Propaganda empfiehlt die 60. Generalversammlung Der Katholiken Deutschlands allen katholischen Arbeiter- und Standesvereinen eine ausgiebige Belehrung ihrer Mitglieder über die religiössittliche Seite der Arbett und des Arbettsverhältnisses im Anschluß an die Enzyklika Singular!
im Gelände erschienen Das Wetter war nachts kalt und klar, vom Morgen ab wieder sehr schon Ungeheuer viel Zuschauer hatten sich aus den umliegenden Städten und Dörfern zu Fuß. zu Rad und zu Wagen aufgemacht. Tie Flieger waren vom frühen Morgen an tätig. Beide Parteien brachen sehr früh auf. -tu Spitzen stießen östlich und nordöstlich von Freiburg zeitig aufeinander, worauf beide Gegner sich sofort entwickelten, so daß von 7 Uhr ab ein Gefecht in Gang kam, das bald nach 8 Uhrzu einer großen Schlacht auf der ganzen Linie wurde. Das rote 6. Armeekorps ging aus seiner Linie Schweidnitz und südweulich davon gegen dlordwesten vor, die 12. Division aus dem^ linken und die 11. Division auf dem rechten Flügel. Die 12. Division war mit der rechten Kolonne der 22. Brigade bis zum Pfaffen berg, zwischen Neu- und Altjauernik, gelangt, wo b’.efc mit großen Verlusten geworfen wurde. Die linke Kolonne der 21. Brigade hatte flache Hügel nordwestlich Arnsdorf besetzt, war hier anfangs im Vorteil, wurde aber dann mitgerissen. Die rote Kavallerie-Division war vorgezogen, attackierte bei Arnsdors in der Richtung Mühlberg anfangs erfolgreich, ging aber dann zurück Tas blaue und 5. Armeekorps ging mit dem linken Flügel, der 9. Division, gegen Altjauernik vor, südwestlich davon mit der 10. Division auf Zirlau und Arnsdorf. Die 10. Tivision und Teile der 43. Division, soweit sie heran waren, drückten bei Mühlberg auf den linken Flügel von Rot, der sich aber ziemlich lange halten konnte. Die 10. Division ging zuletzt über KuNzendon vor. Tie blaue 9. Division entwickelte sich aus dem Nonnenbusch heraus und schlug die rote 11. Division, deren 22. Brigade hielt dann noch eine Weile eine Aufnahmestellung mit eingegrabener Artillerie bei Tunkendorf und zog sich dann auch aus Schweidnitz zurück Das Oberkommando der roten Armee gab den Befehl zum Rückzug aus der Linie Pilzen—Leutmannsdors, füb'
Zweiter Blatt _ 165. Jahrgang
Gießener Anzeiger
östlich von Schweidnitz. ~
Freiburg i. Schl., 9. <5Cfrt.
Das Ausladen der 43. Infanteriedivision hatte bis heute morgen gedauert. Die Division war dann in der Richtung aus Hohenfriedberg in Marsch gesetzt worden. Vor ihr her marschierte direkt auf Freiburg die 10. Division, während die 9. von ctiiegaic nach westlich von Königsfeld vorging. Dieser entgegen strebten die roten Regimenter der 11. Division von Torrer, links davon scbloy ick die 12. Division an, während die — nach fast sriedens- mäßiger Nachtruhe um Gräditz — wieder vorgeführte Kavall'rie- Division Brecht den roten linken Flügel abschloß. In dieser Aufstellung begann kurz nach 7 Uhr die Schlacht.
Der Kaiser hatte sich mit dem Konig von Griechenland sehr rüh nach dem südlich von Freiburg liegenden Mühlberg begeben und verfolgte von dort Den Angriff der 10. und der 43. Division! gegen die rote 12. Division. Ziemlich weit westlich ausgreifend gingen t\. Drei schlesischen Regimenter mit der hohen Nummer — 155, 156, 157 — und die Steinmetz Füsiliere gegen die Flanke des Generals v. Beaulien vor. Mehr srontal hatten zuerst die 47 er und 50 er, dahinter gestaffelt die 6. Grenadiere und das Regiment Gras Kirchbach, die Sager der Heldentradtt-on von Spickern angepackt. Fast wie beim Gaisberg ging es schließlich die ziemlich erhebliche Steigung des Geländes westlich von Nunzen- dors hinauf, nachdem erst einmal die Artillerie vorgearbeitet! hatte. ,, _
So wuchtig und gleichmäßig war der von General v. Ltrautz vorzüglich aufgesetzte blaue Druck, daß sogar eine vereinzelte Attacke der roten Reiterei nicht den erstrebten Aufenthalt schaffen konnte. Erst als Blau auf seinem rechten Flügel den Erfolg gesichert sah, erhielt die 9. Division von Below den Befehl, nun auch frontal stärker anzugreifen. Ihr schickte General v. Pritzel- witz die 21. Jnfanteriebrigade unb Teile der Artilleriebrigade von Bischofshausen entgegen. Anscheinend kam dieser Vorstoß, der nicht ganz bis zur Eisenbahn Freiburg—Königsfeld reichte, zu spät, denn kaum war unter anderen das 38. Regiment aus Glatz recht entwickelt, als es von den Konigsgrenadienm unb bem Regiment 154 beinahe überrannt unb durch die Schiedsrichter kompagnieweise
außer Gefecht gesetzt wurde. Das 2. Bataillon der Liegnitzer Grenadiere schonte aber auch den Teil der Moltke-Füsiliere, der sich errettet glaubte unb friedlich abziehen wollte, nicht. Immer wieder jagte es flankierende Schützenfeuer mit den Salven gegen diese ausscklagenden Teile bei 6. Korps. Um 11 Uhr zog das rote Heer in heißestem Mit- tcigssonnenstrahl von dannen östlich nach Schweidnitz zurück. Blau drängte nur zögernd und vorsichtig nach. Sein Führer mochte bereits Meldungen von Schanzarbeiten bei Rot bekommen haben und das Anlaufen gegen eine wohl befestigte Stellung fürchten. Es zogen sich überall in der Deckung der Dörfer unb Gehöfte südöstlich des Eisenbahndamms nach Königsfeld die Bataillone zusammen, während vorn am Feinde ein sorgsames Tasten und Fühlen begann.
Das Nachdrängen hatte in diesem Manöver noch seinen Extra- Haken. Schon im Vorjahre bei Oschatz ging die Anteilnahme Der Bevölkerung bis zur Gefährdung der militärischen Interessen heran. Diesmal ist die Freudigkeit, mit der alles an diesem jüngsten schlesischen Kriege teilnimmt'fast bis zur Störung der kriegsmäßigen Handlungen ausgeartet. Auck wird der Ausschluß allen Automobilverkehrs im Manöverterrain keineswegs so schart gehandhabt, wie es angesichts der furchtbaren Staubplage Der Soldat nur allzu gern sähe. So hat sich denn das siegreiche Blau erst durch ganze Schwärme, Ketten und Kreise von
Manöverbummlern und - bummlerinnen durckpirschen müssen, ehe es ihm nach langer, unfreiwilliges Muße gelang, den engen Anschluß an Rot wiederzugewinnen. Gerade aber, als das erfolgte, war es der roten Kavalleriedivision gelungen, am Mühlberg von Arnsdorf zwischen Freiburg und Schweidnitz die blaue 19. Jnfanteriebrigade ganz unversehens zu überfallen und zum Teil außer Gefecht zu setzen. Nachdem heute die Flieger zwar in der Hohe, aber nicht ganz auf der Hohe gewesen waren, berührte der Reitererfolg umso sympathischer, und zwar umsomehr, als es nicht bloße Draufgängerei gewesen ist, die den Sieg den Brecktt'chen Soldaten gab Der rote Reitergeneral, der ans der Reitschule in Hannover in der ganzen Armee als einer unserer besten Reiter bekannt ist, hatte zur Deckung der Attacke seine Maschinengewehre auf dem Mühlberge, feine Artillerie dahinter aufgebaut und erfocht so einen ganz besonders verdienten Erfolg. Lange hat er freilich nicht vorgehalten. Blau ist zu stark und konnte darum bls gegen die dritte Nachmittagsstundc durch Schweidnitz hindurch dem eiligst abbauenden 6. Korps erfolgreich nachstoßen, so daß oas morgige Hallali wieder in der alten siebenjährigen Kriegsgegend, bet Leutmamtsd.'rs oder Burkersdorf, hinter dem Weislritz-Abschnitt stattfinden wird.
Deutscher Pfarrertag.
** Dessau, 9. September.
Unter dem Vorsitz des Pastors Pasche Dieskau begannen heule vormittag im hiesigen Evangelischen V.eiushaus die Verhandlungen des Verbandes deutscher Pfarre r-Vereine, zu welchen über 300 Vertreter der versckiedeiten preußischen und deutschen Pfarrer-Vereine erschienen sind.
Zunächst tagte die Vereinigung preußischer Pfarrer-Vereine. In der einleitenden geschlossenen Sitzung wurde die Aufhebung des Privilegs der Korn mun al steuer fr eiheit der evangelischen Kirche, die Reform der örtlichen und Dw- zesanbezüge sowie der Bezüge der Witwen und Waisen behandelt, worüber verschiedene, jedoch nicht für die O.effentnchkert bestimmte
Das ttaisermanöver. Zweiter Tag.
(Von unserem Sonderberich ter st alter.) Zirlau, 9. Sept.
Die Erinnerung an den Großen König ist hier aus Schritt und Tritt der Schatten des Manoverbesuchers. Tem Kaiser und den Königen von Griechenland und Sachsen ist gestern ein besonderer Vortrag über Hohenfriedberg auf dem Schlachtfelde gehalten worden, unb, wie um die Bayreuth-Dragoner-Attacke modern zu illustrieren, haben kurz vorher vier fchlesische Reiter-Regimenter, ebensoviel Jägerkompagnien, anderthalb Batterien und eine Ma- schinengewehrabteilung vor den Augen der drei Monarchen zusammengeritten. War es vor 24 Stunden die glorreiche Offensive des 4. Juni 1745, die in den roten Manövertaten neuerstand, so deutet der heutige Tag mehr ostwärts, nach Bunzelwitz hin, denn es ist die 152. Wiederkehr des Tages, der aus dem befestigten Lager den arg bedrängten Preußenkönig von Russen und Oesterreichern befreite. Rot ist, wie damals anno 1752 der Preuße, in die Verteidigungsstellung gedrängt worden, denn übermächtig zog zu Fuß und auf bem Flügelrade der Eisenbahn der blaue Lanbesverteibiger von Norden, dem Gebirge entlang, herbei. Tie gestern so siegreiche Brechtsche Reiterei ist im Schutze der Nacht bis hinter die roten Infanterie-Spitzen zurückgewichen, denn aus Freiburg zu nahte die rechte blaue Flügeldivision Kosch und hatte am gestrigen Nachmittag mit ihrer Artillerie unter dem Württemberger Obersten Frhrn. o. Walter den Goetzen- unb Schill-Husaren, den Leibkürassieren unb bem Ulanen-Regiment v. Katzler scharf zugesetzt. Ter Zweck bes kavalleristtschen Vorstoßes war trotzdem längst erreicht. Man hatte bei Rot Klarheit über das Tun bei Blau. Aber auch Blau blieb, soweit es das wirklich fechtende 5. Armeekorps an ging, nicht ohne Verstärkung über die zwei Infanterie-Divisionen seiner ursprünglichen .Kriegsgliederung hinaus. Eine weitere Tivision, die 43., dem Generalleutnant v. Garnier, dem Stettiner Kavallerie-Inspekteur, unterstellt, war aus der blauen Armeereserve bei Kohlfurt hergeholt, auf die Bahn gesetzt worden und lud seit gestern schon an verschiedenen Stellen der Strecke Liegnitz—Striegau mit kriegsmäßigem Rampenmaterial feine 12 Bataillone, 1 Eskadron, 6 Feld- und 4 schwere Batterien aus.
Ter Kaiser, in der Uniform der Königsjäger zu Pferde, passierte heute früh 7 Uhr Freiburg, in Begleitung des Königs der Hellenen unb beobachtete bie Manövervorgänge zuerst vom , / nutgetoirrt haben, I Kiesberg, südwestlich von Kunzenbors, später von her Emestinen-
Historisch-»politischen Blätter" seh reiben zu dieser Rede sol- I hohe, südöstlich von Kunzenbors. .Sämtliche Fürstlichkeiten waren


