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4.1.1913 Erstes Blatt
 
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Kreisblatt für sc» Kreis Gießen

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Anzeigenteil: H. Beck.

Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a.

Die heutige Nummer umfahr 16 Seiten.

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Der Eichener Anzeiger erfdicint täglich, aubev Sonntags. - Beilagen: v iermn l wöchentlicl' SiehenerZamMendiätler, zweimal ivöchenll.ttreis-. blattffirfcen Kreis Gießen (Dienstag und Freitag) ; zweimal monatl. Land­wirtschaftliche Seitfragcn Ferniprech - Anschlüsse: für die Nedattion 112, Verlag n. Expedition 51 Adresse iür Depeschen:

2lnzeigcr Gicßcn.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnnnnner bis vormittags 9 Uhr.

geboten war. Lier haben die Verbesserungsversucl)e eingesetzt und auch eine Anzahl beachtenswerter Pläne hervorgebracht.

Wie es heißt, will das Ministerium dem Rat der Bau­akademie folgen und sich diese Verbesserungen für weitere Ar­beit sichern. Tatsächlich besteht hierin der bedeutsamste bis letzt erzielte Fortschritt. Rach den Verbesserungen, die so für den Grundriß gewonnen wären, wäre nun ein allgemeiner architek­tonischer Wettbewerb zu fordern.

' (63. Jahrgang

Auslandspolitik hineingestcllt worden, die bei den Fremden Ucbcrnnit und Spott horausgefordert hatte.,Und häng ein Kalbsfell um die schnöden Mieder", dieses Wort der Fran Konstante an Limoges, den Herzog von Oesterreich, unterstand sich an Kiderlens Adresse niemand mehr zu richten. Es ging anfwärts unter ihm. Manches Mittel, das die andern änwendeteu, lies; er unbenutzt. Das Instrument der Presse, auf das die englischen und französischen Diplo­maten sich so -gut verstehen, holte er nur selten hervor. Das tonnte anch der Fernstehende erkennen, und ein alter Mit­arbeiter derKölm Zbg.", die ja häufig mit dem Auswär­tigen Amt in Berührung zu lammen pflegt, bestätigt es, das; Herr v. Kiderlen der Presse skeptisch, wenn auch nicht unfreundlich, gegenüderstand. Wir wollen ihn drum nicht schelten. Aufklärung über Richtung und Ziele dürfen öffeul- liche Meinung undVolksvertrelung von den leitendenKreisen fordern, aber den ansländischeu Zeitungshehereien eine Gegenhetze in der deutschen Presse gegenüberzustellen, das sollte man von einem deutschen Staatsmann nicht ver­langen. Daß mit der Presse, als einem Machtfaktor, ge­rechnet werden muß, hall das stellen Blätter der Rechten wie der Linken fest, anch der verstorbene Staatssekretär

Eine allgemeine deutsche retrospektive Ausstellung, die Werke aus der Zeit 16501800 bringen wird, ist für den Sommer des -Jahres 1914 in Darmstadt geplant. Die Verwirklichung dieser Idee, die von dem Groß- herzog stammt, hat der künstlerische Berater des Fürsten, Pro­fessor Dr. BiermaNn, übernommen, der bereits die nötigen Vor bereitungen dazu getroffen hat. Die Ausstellung wird in den gleichen Räumen des Residenzschlosses untergebracht werden, wo derMensch" in diesem Sommer war. Die Beschattung der Ausstellungsobjekte bereitet naturgemäß große Schwierigkeiten, da viele Werke sich im Privatbesitz befinden, besonders in Schlesien. Da nun für den Sommer 1914 auch die Darmstädter Künstler kolonie wieder eine Ausstellung veranstalten wird, wird die Residenz im nächsten Jahre auf die Kunstfreunde eine ganz be­sondere Anziehungskraft ausüben.

P a p a S ch.m i d t. Zur Stunde, da man seine Fran zur letzten Ruhe trug, starb Münchens populärste Persönlichkeit: Papa Schmid, der alte, 91jährige Leiter und Besitzer des Münchener Marionettentheaters. Als er von Haus aus ein kleiner Beamter im Jahre 1858 vom Grafen Poeei die .unter der Führung des Käsperl Larisari vereinigten Bestände des Puppen theaters übernahm, stand dieses in viel höherem Ansel-en als heute. Da hatte Papa Schmid seine gute Zeit, selbst »nenn er nur Baracken und Scheunen zum Spielen zur Verfügung hatte. Im Jahre 1900 errichtete man ihm dann nach zahllosen Um­zügen in der etwas abgelegenen Blumenstraße ein richtiges Theater cheu; aber dieses blieb Von vielen unentdeckt, besonders als das Marionettentheater Münchener Künstl-er", das ja unter der Leitung Paul Branns auch in Mannheim gastiert hat, auskam und damit beinahe so -eine Art Renaissance der Puppenbühne geschaffen wurde. Dafür blieb denn Papa Schmid für die Kinder: und diese fanden wahrlich noch immer in^ großen Hausen den Weg zu ihm, über­füllten die mehr als engen Räume seines Kunsttempelchens und

Erstes Blatt iT9

Apolitische Wochenschau.

Gießen, 4. Januar.

Staatssekretär v. Kiderlen-Waechter ist seit fünf Tagen tol, und wir harren noch voller Spannung der Entschlüsse unserer leitenden Stellen. Wenn ein Künstler, etwa ein Maler, vor der Vollendung eines großen Phantasiegemäldes ins Reich der Schatten abgegangen ist, dann.fällt es schwer, an seiner Statt einen Meister zu finden, der das begonnene Werk einheitlich abschließt. Noch schwerer anzufassen ist die Erbschaft eines Staatsmannes der auswärtigen Politik, und man kann wohl sagen, daß hier jeder Nachfolger die Farben anders ansieht als sein Vorgänger. Die politische Kunst ist eben nicht auf Harmonieenlehre und Gleichartig­keit der Anschauung eingestellt, sondern auf den Willen zur Macht und zum Besch. Es gibt heute Stimmen, die unsere Rolle in den letzten Balkanwirren lauten Mundes preisen, und, geschmückt mit Lorbeerreisern, wallt man, der Freude voll über den für die nächste Zeit wieder einmal gesicherten Weltfrieden, zu des Thpmbriers Altar. An­dere lassen aber Kassandrarufe erschallen. Die Slawen­macht ist gewachsen, und England, das wieder dem Halb­mond gebietet, steckt allen Gewinn ein. Es hat die glück­liche Aussicht, mit größerem Erfolg als vordem den deut­schen selbständigen Bestrebungen entgegenzutreten. Die Be­gegnungen in Potsdam und Baltisch-Port haben auch nicht gehalten, was sie versprochen haben; Kokowzow ist für die Forderungen der Slawenbrüder, Deutschland hat Oesterreich die Haud gereicht. Der Marokko-Auseinander- setzung werden wir auch nicht recht froh, denn der neue Kongobesitz ist eine harte Speise, deren Zubereitung Geld, viel Geld, kosten wird. Alle anderen Länder haben neue Gebiete erworben; Deutschland kriegt wieder, wie Basser- iiKinn mit halbem Humor meinte, eine neue Militärvor­lage. Wieder andere beurteilen die deutsche Auslands­politik darnach, wie weit es gelungen sei, die Elemente der Unruhe von uns fernzuhalten, und es steckt in dieser Auffassung viel von der Bequemlichkeit und dew Phlegma des deutschen Philisters, der sich ja auch sonst damit tröstet, daß er noch lebt und seine Pfeife raucht. Wer uns nicht gerade auf die Bettdecke haut, ist vor unserer Einmischung und unserer Mitwirkung sicher.

Ein Staatsmann mir'solchen Maximen von der sauberen Herren Pfuscherei dürfte uns aber heute nicht mehr kommen. Die Deutschen wissen es, daß sie auch für die große Weltpolitik gewissermaßen Steuern zahlen, und zwar nicht nur in den Aufwendungen.für Heer und Flotte. War es nicht wieder eine Zahlung, die wir im kritischen Augenblick unserem Bundesgenossen an der Donau zugestehen mußten? Wir müssen heute mittun in der Weltpolitik, wenn es freilich anch übertrieben war, als einst aus kaiserlichem Munde verkündet wurde, keine Frage dürfe in der großen Welt heute mehr entschieden werden ohne unsere Einwilligung. Es geht in dem System un- * ferer deutschen Politik tote auf einem großen, geordneten Eisenbahnnetz. .Wagenmangel bei wachsendem Bedürfnis rächt sich, und wir müssen, darin hat Bassermann ganz recht, unserer Regierung für eine tatkräftige uüd ziel­bewußte Politik auch die Mittel bereitstellen, zu Lande, wie zu Wasser Der Nachfolger des Staats­

sekretärs von Kiderlen-Waechter wird in eine fort­schreitend stark bewegte Zeit hineingestellt. Krieg

kann uns bedrohen, auch wenn wir ihn nicht wollen. Der Leiter der auswärtigen Politik braucht kein Bild zu Ende zu malen; er wird manche Absicht des Vorgängers in ein totes? Geleise münden lassen dürfen, zum Bei.piel das

b ü n d c t e n überläßt.

Falls dies nicht geschehe, würden die Verhandlungen abgebrochen betrachtet werden. Die Türken erwider- darauf rote bereits mitgeteilt.

nalisten gegenüber oft freundliches Entgegenkommen be­wiesen haben. Was darüber hinausgeht, ist vom liebel; höchstens könnte der amtliche Presseapparat, der oft mit Recht bemängelt werden konnte, eine zeitgemäße Reform vertragen. Einen Mann, der ohne Bedürfnis nach Lob und Äeifall geräuschlos sein Amt vcrstt lOvllen wir uns

Vie London r Znedenslonserenz

wurde am gestrigen Freitag um 7 Uhr 40 Minuten abends auf Samstag mittag 4 Uhr vertagt. In der Sitzung über­reichten die Delegierten der Verbündeten ein dreifaches Ultimatum betreffend Adrianopel, Kreta und1 die ägäischen Inseln. Sie gaben gleichzeitig zu ver­stehen, daß sie die Verhandlungen abbrechen würden, falls sie nicht bis Montag nachmittag 4 Uhr eine klare und zufriedenstellende Antwort erhielten. Die Türken schlu­gen vor, daß sE ihre Antwort morgen nachmittag 4 Uhr geben würden. Dieser Vorschlag wurde von den Dele­gierten der Verbündeten angenommen. Dies wird als ein Anzeichen dafür a ungefaßt, daß dieTürkeneinen Bruch für unvermeidlich a u s e h e n.

Tie Antwort der Türken auf die Forderungen der Verbündeten in der letzten Sitzung der Konferenz hatte: die Veranlassung zur Stellung des Ultimatums gegeben. Die Türken schlugen eine neue Grenze in Thrazien vor, die nahe Adrianopel beginnen soll und,so gezogen war, daß sie Adrianopel der Türkei lief, und dann dem Ardafluß bis zur Mündung des Nebenflusses Suyudlu,Choi nach Westen folgt und von dort Gümürdjina auf der Ost- grenze lassend, bis zum Bnrugolf (Bai von Lagos) nahe der Insel Thasos reicht. Betr. Kreta erbot sich die Tür- lei, zugunsten der Großmächte auf alle Rechte an der In­sel zu verzichten, wobei die zukünftige Regierungsform der Insel durch die Großmächte zu bestimmen sei. Die Türken machten dieses Anerbieten jedoch unter der Be­dingung, daß man ihnen die Abtretung kei- ner 'anberen Insel ab verlangt.

Nachdem sie untereinander beraten hotten, übergaben die Delegierten der Verbündeten den Türken folgende nie­dergeschriebene Antwort:

Die Delegierten der Verbündeten ersehen mit Bedauern, daß die türkischen Delegierten die Resultate des Krieges nicht berücksichtigen. Sic würden berechtigt sein, Vie Verhandlungen abzubrechen. Um

Samstag, 4. Januar WZ

Veznasvreij: monatlich?') Vi.,viertel- eJk Jk jährlich Pik. 2.20 . durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pf.: durch die Bost Mk.2. viertel- fährt, ausjchl. Bestellg.

IgS Zellenpreis: lokal 15Pf.,

auswärts 20 Pieuuig. Chefredakteur: A Goetz. F Verantwortlich für den

politischen Teil: August Goetz; fürFenille- ton",Vermischtes" und Gcrichlssaal": K. 9len-

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hielt ein Telegramm aus Athen, daß die aus 2000 Mann bestehende türkische Besatzung der Insel Chios sich

Bon der Insel Chios.

London, 3. Jan. Tie griechische Gesandtschaft er»

Notationsdruck und vertag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Sleindruckerei R. Lange. Redaktion, Expeditjon und Druckerei: Schulstratze 7. La^": E.Heß^ür den

Ausstellung des Berliner Opernhauswettbewerbs.

Berlin, 3. Januar 1913.

Das Ergebnis des Berliner Opernhauswettbewerbs ist seit heute der Oesfentlichkeit in den Räumen des Anhaller Bahn Hofes zugänglich gemacht worden. Der Meinung der Akademie des Bauwesens, daß auch aus diesem Ausschreiben die endgültige und durchaus zwingende Lösung noch nicht hervorgegangen ist, nrnß man ohne weiteres bcipslichten. Es hat sich unter den 68 Baunieisteru, die sich beteiligt haben, keiner gefunden, dem man nuu die Aussührrmg glatt übertragen haben inöchte. Aller­dings kann keine Rede davon sein, daß diese Ausstellung gänz­lich nutzlos geblieben wäre. Es sind gegenüber der ursprüng­lichen Programmskizze des Ministeriums wesentliche Verbesserun­gen vorgeschlageu worden. Es ist, was den ictzigen Wettbewerb allein sckwn redüiertigeii würde, ein M ehr an Verkehrs­sicherheit erzielt und damit für die weitere archltcktonisck)e Lösung eine brauchbare Grundlage gewonnen worden.

Bei diesem Wettbewerb kam es zunächst darauf an, die Mangel des gegebenen Grundrisses zu beseitigen und vielleicht auf dieser neuen Basis zu einem monumentalen Architekturwerk zu gelangen. Cs ist daher nur eine platonische Anerkennung, die man diesen besseren Architelturlösungen spenden mag. Gleichzeitig muß aber ausgesprochen werden, daß nach der formalen Seite hm oic Er­wartungen, die der Kenner unterer Architekten,chast doch im Stillen hegen durfte, nicht erfüllt worden sind. Das Niveau ist selbstverständlich wesentlich höher als das der früheren mr niitericllen Wettbewerbe. An jungen Talenten, die als Ent­deckung zu betrachten wären, fällt eigentlich nur der Frank­furter Hermaim Senf auf, der in einer an Schüttel gereiften Arbeit einen Bau von hohem formalen Reiz bietet.

Die architektonisch belangvollen Losungen von March, Moritz Dülser, Jürgensen und Zuohmann dürften ui erster Linie wohl als Beiträge für die städtebauliche Gestaltung des Komgsplatzes in Betracht kommen. Besonders das March,che Proiekt mit den Säulcnbautcn ist in diesem Sinne bedeutsam.

In der Hauptsache kam es daran, an, Verbesserungen am Grundriß vorzunehmen, die Verkehrs- und Feuersicherheit zu erhöhen In der Programmskizze waren vier Jnnenhöfe vor­gesehen die bei Fenersgesahr völlig unzugänglich gewesen waren. Die Besucher des Parketts und der Range mußten sehr weite Wege zurücklegen, ehe ihnen irgend eine Rettungsmoglichkeit

umjauchzten die etwas groben Figuren Papa Schmids,^deren Flitter längst ein wenig alt und verschossen waren. Papa Schmid sprach den geliebten Kaspar Larijari stets selbst. Tanscudmal hat er mit seines Basses Grundgewalt von seinem Können, seinem Humor und von seinem überreichen Gemüt, Zeugnis abgelegt, tausendmal hat er gezeigt, was echte Volkskunst zu bedeuten hat. Und wenn man ihn, den alten, müden Mann, der so oft bitter um seine Existenz zu kämpfen hatte, nun ins Grab legi, so weiß man gTnaii, daß man mit ihm micbcrum ein Stück alter Zeit entläßt. Ten Kasperl aber wird man ihm mitgeben müssen, denn auch er gehört zu den Toten. Schmids Larifari war der letzte kindliche und kindische Kasperl und die der anderen sind die philosophisch angehauchten: die für die Großen, denen sie zu denken geben. Die Le klung der Bühne Papa Schmids hat bereits vor einigen Monaten die Tochter des Dahingcschiedcnen übernommen. Unter ihr wird das Theater unüeränbert fort«

besteheji.

D i e Gustel von Blase witz. Durch eine flüchtige Begegnung mit einem Dichter Unsterblichkeit zu erlangen, das war das (Mliitf, das einer Fran beschieden ward, die vor andert­halb Jahrhunderten das Licht der Welt erblickte. Sic hieß Auguste Segedin und war als Tochter des kurfürstlich sächsischen Leibjagdkutschers Johann Christoph Segedin in Dresden am 5. Januar 1763 geboren. Da dieser Leibkutscher bei einer Hof­jagd auf Auerhuhne vom Wagen gestürzt war uud^ infolgedessen iiivalide mürbe, erhielt er eine Versorgung als Torwärter 'an der Strehlener Pforte am Großen Graben. Gleichzeitig bewirt­schaftete er das nahegelegene Blasewitzer Schenkgut, das seine Iran geerbt hatte. Hier nun kehrte Schiller, wenn er von örnerS Weinberg in Loschwitz aus, wo er sich im Jahre 1786 aufhielt, über Blasewitz nach Dresden spazieren ging, öfter ein, und das damals dreilmdzwanzigjährige, frische Mädchen bediente den Dichter, der sich dann >vohl gern auch mit ihm unterhielt. An diese Begegnungen mochte dann Schiller denken, als er am Wallenstein" schrieb, und so benannte er die Marketenderin imLager" nach der Gustel von Blasewitz. Als dies geschah, war die Gustel von Blasewitz schon verheiratet. Sie hatte sich im Jahre 1787 mit dem Senator Renner in Dresden vermählt und hat eilt hohes Alter erreicht. Gerade als ni.ci sich in Dresdener literarischen Kreisen rüstete, aus Anlaß des fünfzig- jährigen Todestages Schillers die Stätten, die an ihn in Dresden und Loschwitz erinnerten, mit Gedenktafeln zu schmücken, starb

Werben nach der Gnnst Frankreichs, andere Fahrtrichtungen wird er desto entschiedener ansbauen müssen, und die Fahrt- daner auf manchen Linien muß verkürzt werden. Wir denken dabei an eine Reorganisation des diplomatischen Dienstes. Die französische Diplomatie toar, wie Herr Poin- care nachgewiesen hat, von den nahenden Vorgängen auf dem Balkan eher und besser unterrichtet als die deutsche. Der Nachfolger KiderlenS muß festen Willen und frischen Mut haben, die Eigenschaften eines Kaufmannes, die sich nicht hinter der Ladentheke erschöpfen, sondern in den Dienst weitschauender Wirkensmöglichkeit gestellt werden können. Und mannigfache Wege führen zu Erfolgen und zum Ziel.

Dem verstorbenen Staatssekretär war kein großes Voll­bringen vergönnt, er darf aber auch nicht gescholten wer­den, denn er war in eine ohnmächtige Periode deutscher

geben habe.

Die Haltung Rumäniens.

London, 3. Jan. Der rumänische Minister des nern, Take Jonescu, gewährte heute einem Vertreter Reuterschen Bureaus eine Unterredung. Er erklärte

auch künftig wünschen.

Eine Politik großen Stiles kann auf kleiittiche Mittel verzichten, und eine einzige Tat vermag oft mehr als das Gespinst vieler Zeitungsintrignen. Man könnte frei­lich sagen, daß die Franzosen hauptsächlich durch Zeitungs­artikel den marokkanischen Besitz sich gesichert hätten. In­dessen der Wille und Weitblick eines deutschen Staats­mannes hätte ein Fels sein können, an dem alle diese Kräfte gescheitert wären; es hat aber bei uns von Anfang an daran gefehlt. Schreibende Bnreaukraten dürfen nns die politische Autorität der Reichslenker nicht ersetzen und Klatsch und Tratsch das Gewässer nicht trüben. Anch für das diplomatische und das Pressegeschäft gilt in diesem Sinne das erquickende Wort des Pappenheimer Kürassiers: Wer's nicht edel und nobel treibt, lieber weit von dem Handwerk bleibt." Was wir bei dem Wechsel im Staats­sekretariat noch wünschen, ist, daß klare Bestimmtheit der amtlichen Darlegungen, Achtung und Verständnis für die Mitarbeit der Volksvertretung, das Niveau! der Reichstags­verhandlungen in Dingen der auswärtigen Politik wieder heben möchten.

stimmt, Idaß sein Besuch privater Natttr sei. Er sprach dann allgemein über die Haltung Rumäniens und sagte dabei folgendes: Bis heute sind wir neutral geblieben und haben Opfer gebracht, um den Frieden zu erhalten. Ich kann Ihnen jedoch nicht sagen, welche Haltung Rumänien mor­gen einnehmen wird, weil ich es selbst nicht weiß. Tie Gerüchte von einer Mobilisierung Rumäniens sind un­sinnig. Wir werden die Mobilisierung niemals als Bluff oder Drohung benützen. Unsere Mobilisierung geht sehr schnell vor sich und auf ihre An­kündigung würde fast unverzüglich der Krieg folgen. Es ist wahr, daß unsere Armee zahlreiche ge­wöhnliche Vorsichtsmaßnahmen getroffen hat, doch ist dies nur, was die Klugheit fordert und stellt keineswegs eine Mobilisierung dar. Betr. die Botschafterkonferenz sagte

jedoch einen neuen Beweis ihres versöhnlichen Geistes zu geben, er­suchen sie die türkischen Tettmerten, in einer SitznttF am Montag ... _________ ........ , , nachmittag 4 Uhr neue Vorschläge zu mack-en, welche folgendes ent-

aewußk, unb er soll charatterfesten und selbständigen Jour- halten: 1. V erzielst der türm dien Rechte auf Kreta, 2. Abtretung - " ' - ' v > ! der ägäischen Inseln, 3. Festlegung einer Grenze für das Vtlaiet

' Mrian-opel, welche die Stadt Adrianopel den Ver-