Nr. II Erstes Blatt |65. Jahrgang Donnerstag, 3. April
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Die heutige Nummer umfafet 10 Seiten.
Europa gegen Montenegro.
Die Flottendemonstration der Mächte gegen das kleine Montenegro würde den Eindruck eines grotesken Clown scherzeS machen, wenn cs sich dabei nicht um so ernste iveltpolitische Dinge handelte. Sechs Großmächte - gegen den kleinen Liliputstaat Montenegro mit seinen 9080 Quadratkilometern und seiner vor dem Krieg 250 000 zählenden 11115 jetzt dezimierten Bevölkerung! Der Dreibund beteiligt sich vollzählig an der Demonstration, während die Tripelentente nur durch England vertreten ist. Die Offiziösen der vier beteiligten Staaten erklären zwar feierlich, daß Rußland und Frankreich, welchem ja nur der getreue Sancho Pansa Rußlands ist, ihre volle Uebereinstimmung mit der Demonstration bekundet haben, wenn sie auch entgegen den ersten Meldungen nicht aktiv daran teilnehmen wollen, aber die panslävistische Presse hetzt ebenso wie ihr Echo, die französische Presse, gegen diese Demonstration, die somit unter einigermaßen ungünstigen Auspizien zu stehen scheint
Aus den offiziösen Meldungen geht hervor, daß zunächst nur eine F'l 0 t t e n d e m 0 n st r a t i 0 n geplant ist, iuoran sich nötigenfalls die friedliche Blockade des Hafens A n t i v a r i schließen würde. Die Flottendeinon- stration ist kein kriegerisches, sondern ein friedliches Mittel der Diplomatie, dazu bestimmt, den eigentlichen diplomatischen Schritten (Vorstellungen, Roten u. dgl.) stärkeren Nachdruck zu verleihen. Bei der Blockade wird zwischen Friedens- und Kriegsblockaden unterschieden. Die Kriegs- blockade, die auf der Londoner Seekriegskonserenz von 1909 geregelt wurde, kömmt bloß für kriegführende Staaten in Frage. Die F r i e d ens b l 0 ck ad e ist nur in sehr seltenen Fällen angewendet worden, so im Fahre 1886 gegen Griechenland wegen der .Kretafrage. In der Praxis unterscheidet sie sich freilich so wenig von der Kriegsblockade, daß man bei dieser feinen Unterscheidung an die Bisinarck- sche Definition erinnert wird: 'Nichtintervention bedeutet ungefähr so viel wie Intervention.
Bemerkenswert ist, daß Serbien den kleineren Bal- kanbrudcr mit der Entsendung von Truppen unterstützt. Was soll also mit diesem Schauspiel der schimmernden Webr an der adriatischen Küste wohl werden! England hat durch seinen Botschafter die serbische Regierung ersucht, den britischen Löwen nicht zu reizen, aber die kecke Antwort erhalten, die Einigkeit der Balkanstaaten erfordere dieses Zusammengehen. Die Botschafterkonferenz, die am gestrigen Mittwoch wieder einmal erfolglos vertagt worden ist, bietet nur ein Bild der Verlegenheit. Wird es schließlich doch dahin kommen, was Wiener Blätter ankündigcn, daß Oesterreich und Italien kurzerhand gemeinsam ‘ die Montenegriner und Serben zur Raison zwingen? Rußland würde dann zwar ein schiefes Gesicht dazu machen, sich aber doch wohl hüten, weitere Verwicklungen herbei- zuführcu.
Wir erhalten folgende Meldungen:
Die Fiottendcmonftration.
Rom, 2. April. An der internationalen Flotten- demonstration vor der montenegrinischen Küste nehmen von italienischer Seite ein Linienschiff und ein Panzerkreuzer teil. 1 1
Eine Riesenschlacht ohne Führer.
Daß die Franzosen in dem gewaltigen Ringen von 31. Privat, das miau die „größte Schlacht des Jahrhunderts" ge- naimt hat, ohne, Oberleitung, int eigentlichen Sinne des Wortes führerlos waren, das ist die erstaunliche Tatsache, die Germain Bapst iw neuesten Kapitel seiner bedeutsamen Veröffentlichung „Das französische Oberkommando in der Schlackst bei (Aravelotte- 3t. Privat" in der Deutschen Revue (Deutsche Vcrlagsanstalt, Stuttgart', erweist.
Während die Sonne in der ersten Rachnnttagsstundc glühend herunrerbranme und der ungeheuere Kampf < sich entspann, saß Marschall Bazaine, eine Zigarre rauck>end, in einem großen gestickten Lehnsessel in seinem Hauptquartier, der Villa Bonteillcr. Ein Offizier mit einer Depesche vom Marschall Canrobert, der Leutnant de B e l l e g a r d e, stürzt, vom schnellen Ritt stark erhitzt, und von der strahlenden Sonne draußeik geblendet, in den Salon: er soll um Verstärkung und Munition bitten. Ter Marschall verspricht, eilte Division Garde zu sckstcken, die niemals abgesandt wurde, und läßt Canrobert sagen, er solle.„seine Munitionsw.igen beim Reservepark, der sich hier befindet, wieder füllen lassen". Ter Leutnant möchte grat auf das Unpraktische dieser Maßregel Hinweisen, da durch das Hin- und Herschicken der Munitionsmagen 5—6 Stunden verloren gehen: aber bei den ersten Worten wird er von dem Marschall herrisch angeschnauzt und schweigt eingeschüchtert. Ungefähr eine Stunde später erscheint ein zweiter Abgeordneter Canroberts, der Artillrae-Hauplmann de Chalus, um von neuem um die versprochenen Munitionsvorräte und Ver- stärlüngcn zu bitten. „Die Munition begann dem 6. Korps aus- zugehen, und als ich das Schlachtfeld verließ," .erzählt Chalus, „wurde die Lage besorgniserregend. Ich zeigte dem Marschall Bazaine auf der Karte unsere Stellungen und legte den bedenk- liehen Stand der Dinge dar, als ein höherer Offizier des Stabes «Oberst Napoleon Bauer l, der mit Schreiben beschäftigt war, den Kopf hob und mich mit den Worten unterbrach: „Dieser Offizier hat wahrscheinlich nichts gesehen; er ist ein Pessimist." Unter« dessen nahm eine Flut von Telegrammen, die alle zwischen 31 4 und li;2 Uhr ei ist rasen, Bazaiues ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Immer stärker werdende Kanonaden wurden gemeldet: ein Telegramm berichtete von der Anwesenheit des Königs von Preußen und des Herrn von Bismarck in Schloß Aubigny am 16. August abends und dem „Eintreffen des Herrn von Moltke mit allen preußischen Reserven: 200 000 Mann." Uebereinstiminend ging aus allen diesen Depeschen hervor, daß, eine riesige Schlacht im Gange war. Bazaine zeigte sich jedoch durchaus nicht darauf vor- l ereilet, ihr persönlich beiznwohuen. Als ihn sein Generalstabschef Iarras nochmals fragen ließ, ob er nicht den Generalstab zu
Cetinjc, 2. April. Um 7 Uhr morgens erschicncn vier österreichische Kreuzer in den montenegrinischen Gewässern.
Wien, 3. April. Oesterrcichische und auch italienisch c Schiffe kreuzen bereits an der m on 1 e n e g ri n i s ch c n Küste und sind nach Berichten in mehreren Küstenstädten von der Küste aus zu sehen. Ein griechischer T 0 r p e d 0 b 0 0 t s z e r st ö r e r lief gestern in Antivari ein, blieb dort eine viertel Stunde und dampfte dann schleunigst wieder ab.
Mailand, 3. April. Rach Meldungen des „Seccolo" aus Spezia sind die Kriegsschiffe „Varese" und „Garibaldi" mit versiegelter Ordre in See gestochen.
Das Bombardement von Skutari ist, wie aus Wien von unterrichteter Seite verlautet, seit Dienstag nachmittag provisorisch eingestellt worden, angeblich weil die Belagerer serbische Verstärkungen von San Giovanni di Medua erwarten. Es heißt, das Bombardement werde sogleich wieder ausgenomnten werden.
Wien, 3. April. Abends war hipr das Gerücht verbreitet, daß Skutari bereits gefallen sei. Eine Bestätigung lag aber in keinem Falle vor. Angeblich sollen Oesterreich und Italien das Mandat erhalten, die Zerben und Montenegriner zur Räumung Slütaris nach seinem Fall zu zwingen.
Eine englische Mahnung an Serbien-
Belgrad, 2. 9lpril. Wie verlautet, hat der englische Gesandte Paget den Ministerpräsidenten P a- sitsch im Interesse der Erhaltung der englischen Sympathien für Serbien aufgefordert, d i e s e r b i s ch e n T r u p- pen von Skutari zurückzuziehen. Pasitsch erklärte mit Berufung auf die Bundcspslicht die Erfüllung dieser Forderung für unmöglich und verwies darauf, daß die Großmächte den Balkanstaaten stets zur Eintracht geraten hätten.
Serbische Truppentransporte nach Nordalbauien.
Wien, 2. April. Tie „Reichspost" meldet zu den serbischen Truppentransporten nach Rorüalbanien: 16 griechische Dampfer mit 6 000 Mann serbischer Truppen und drei Haubitz-Battericn passierten, begleitet von griechischen Kriegsschiffen, bereits die Höhe von Korfu. Weitere 20 Transportdainpfer mit serbischen Truppen sind für Albanien angekündigt. In Saloniki trafen am Montag fünf serbische Militärzüge mit 180 Waggons ein.
Die Botschasterkonscrenz.
Wie das Reuter-Bureau von diplomatischer Seite am Mittwoch, spät abends, erfuhr, ist die Botschastervereinigung vertagt worden, da endgültige Instruktionen, betreffend die geplante F l 0 11 e n d e m 0 n st r a - tion, fehlten. Die Tatsache, daß die Berichte von mehreren Hauptstädten sehr widerspruchsvoll lauten, hat lebhafte Erörterungen verursacht. Es scheint keinem Zweifel zu unterliegen, daß mehrere plötzliche Meinung s ä n d e r u n g e n über die Entsendung von Schiffen seitens mehrerer Mächte eingetreten sind. Während z. B. in England erklärt worden ist, daß keine italienischen Kriegsschiffe an der Flottendemonstration teilnehmen werden, wird lffer von wohl unterrichteter diplomatischer Seite konstatiert, daß aller Grund vorhanden sei, an eine Teilnahme Italiens zu glauben. Von ganz autoritativer^ Londoner Seite wird erklärt, daß ein französisches Kriegsschiff mit Billigung Italiens auf Verlangen teilnehmen wird, aber Pferde steigen lassen solle, lautete seine Artwort wie früher: er solle weiter bei der Arbeit a n der D e fü r de r u n g s l i st e bleiben. Auch später, als der Marschall sich schließlich zum Ausritt nach dem Schlachtfelde bequemte, durste General Iarras nicht mit: Bazaine hielt es nicht für nötig, sich mit seinem Generalstabsckies zu verständigen, sondern er ließ ihm nur sagen, er würde ihn rufen lassen, „w ernt die 3 a ch e c r n st w ü r d e".
Tie 30 Offiziere des Generalstabs waren damit beschäftigt, sog. Strafarbeiten zu machen: während der Schlacht bet St. Privat stellten sie die Veränderungslisten der den nicht- regunentiertcn Offizieren überwiesenen Truppenpserde auf! „Wir waren alle dem Gähnen nahe," erzählt Hauptmann Fouck>er, „wir wußten, daß eine Schlacht int Gange war, und wir langweilten uns zu Tode, ohne die Kopistenarbeit zu erledigen, die uns zugewiesen worden war. Einige Gefangene wurden gebracht, darunter ein Husarenoffizier von sehr guter Haltung. Wir wollten aufs Schlachtfeld reiten, General Iarras wies uns aber ohne weiteres ab." Bazaine war in tiefem Nachdenken allein geblteben;, er wollte in seinem Sinnen, das int Grunde nur etn stummes, unfruchtbares Brüten war, nicht gestört werden Aus ernen Beobackster, den Stabssekretär Delaire, machte es einen unvergeßlichen Eindruck, als er das Hauptquartier der sranzö,ischen Armee in einer Stille und Einsamkeit liegen sah, als ob es verlassen wäre, während eine gewaltige Schlacht um die Existenz des Staates geschlagen, wurde.1 Im Hofe der Villa schien alles Leben erstorben zu fein: die Ordonnanz unter Offiziere befanden sich int Innern des .Hauses, und das geübteste Ohr vernahm nichts vom Donner der Geschütze, deren Entladungen aus dem Plateau so rasch auseinander folgten, daß sonst nichts zu hören war. Bazaine wurde gegen s.3 Uhr durch zwei Telegramme beruhigt, nach denen sich die Truppen in ihren Stel langen hielten. Mehr wollte er nicht. Tie Verstärkungen, um die der verzweifelt kämpfende Canrobert bat, wurden also unnötig. Es paßte nicht in seine Berechmlngen, daß sein schon so populär gewordener Unterführer etwa einen Sieg davontrüge Wenn er Canrobert eine Unterstützung durch die Garde äb- schlug, so mußte dieser sich in der Defensive halten und nöttgensalts selbst den Befehl zum Rückzug geben. Das war B,a z a t n e s ganzer W n n s ch. Jedoch stieg er nunmehr zu Pserde und ritt langsam, von einigen Offizieren begleitet, nach der Hochfläche von St. Quentin.
. ^Sofort kommen nun", berichtet eine Augenzeuge, „als ob der Marschall ein Lerchensptegel wäre, sämtliche höheren Offiziere wie die Lerchen I;erbet und umschwirren ihn." Der Marschall steigt vom Pserde und geht in Begleitung der anlvesenden Generale aus dem Glacis des Forts St. Quentin auf und ab. , Wir sind sehr erstaunt," so zeichnete sich ein Hauptmann des 18"Ar- ttllerte-Regiments in sein Tagebuch aus, „den Rtarschall Bazaine
auch dieser Punkt scheint, Jnsorrnationeit von frmtzösischer Seite zufolge, nicht klar zu sein. Man bezweifelt nicht, daß die Beseitigung der bestehenden Ungewißheit nur eine Frage von wenigen Stunden ist.
Tie Petersburger Te le g r ap h e it-A gentur erfährt: Angesichts der Tatsache, daß die Botschafterver- einigung in London die Rotw>endigleit einer Flottendemonstration in den montenegrinischen Gewässern anerkannt hat, hat Rußland, das an dieser Temonstration nicht teilnimmt, s i ch zu Gunsten das internationalen Charakters dieser Temonstration für Beteiligung französischer und italienischer Kriegsschiffe ausgesprochen. \
London, 2. April. (Reuter. 1 Zwischen den Mächten, Bulgarien und der Türkei ist eine nicht formelle Verständigung betreffend die t'':rkifch-bulgarisch c Grenze erzielt worden.
Aus dem englischen Unterhause.
London, 2. April. In Beantwortung einer Anfrage im Unterhause sagte Parlamentsuntersekretär Acland, die Regierung beabsichtige, die Ein v erleib'Nng des K 0 n g 0 st a a k c s durch Belgien anzuerkennen. Es sei jedoch zugesagt, daß das Haus Gelegenheit erhält, die Frage zu besprechen, ehe die Anerkennung der Einverleibung erfolge. Tie Aussprache könnte indessen nicht vor Anfang Mai stattfinden.
Ter Liberale Alden fragte, wieviel Tage die Mächte Serbien und Montenegro zur Räumung der vvn ihnen besetzten albanesischeu Gebiete bewilligt und ob Serbien und Montenegro sich mit dem Ersuchen der Mächte, Albanien zu räumen, einverstanden erklärt hätten. Acland erwiderte, es sei keine bestimmte Zeitdauer festgesetzt worden. Die zweite Frage müßte er verneinen. Ta der Angriff auf Skutari erneuert wurde, um Montenegro die Stadt mit der zahlreichen Bevölkerung gegen deren eigenen Wunsch und gegen den Beschluß der Mächte einzuverleiben, haben die Mächte einer Flotten- demonskration zugestimmt, um ihrem Beschluß Achtung zu verschaffen. Sie würden alle an der Flottendemoustration entweder teilnehmen oder sie doch geschehen lassen. Zwei britische Kriegsschiffe lägen in Korfu bereist an der Demonstration teilzunehmen, sobald auch andere Mächte bereit seien.
„Die „Westminster Gazette" schreibt:
Die russische Zustimmung zur Flottenaktion ist vorläufig so aufzufassen, daß sie die Bedingung einschließt, daß keine militärische Aktion staktfinden soll, außer, soweit sie notwendig wäre, an der Küste, um die Flotte zu unterstützen. Tie Flottendemonsttation mag eine langsame Wirkung haben und wird hoffentlich frei von Sensation und Blutvergießen sein. Tagegen würde eine militärische Aktion weit größere Fragen als Montenegro und Skutari auf die Tagesordnung setzen und neue Gefahren für die Mächte und die Verbündeten herbeiführen. Tie richtige Lösung der Frage wäre, daß die Verbündeten sie selbst lösten, indem sie die Vermittlung der Mächte annähmen, denn nichts könnte bedrohlicher für die Kriegfülirenden und ihre ganze Sache sein, als die Aussicht auf Differenzen zwischen den Mächten, die in elfter Stunde alles umstoßen könnten.
Ein griechisch-bulgarischer Zusammenstoß.
Saloniki, 2. April. Wie aus Elcvthora gemeldet wird, tarn es dort zwischen Griechen und Bulgaren zu einem Zusammenstoß. Eiuzecheiteu fehlen. Der griechisch-bulgarische Militärausschuß ging gestern zur llüter- suchung der bekannten Vorfälle in Rigrito dorthin ab.
auf dem St. Quentin und nicht aus dem Schlachtfelde zu sehen." Als ihn der Marschall Leboeuf um Verstärkung bat, hörte er den Offizier, „vollkommen gleichgültig, die Blicke auf die Mosel gerichtet, an und antwortete, ohne mich anzusehen: „Holen Sie ein Regiment von der Brigade Garnier und führen Sie es hinter die Tivision Ahmard." Während zu seinen Füßen der Entscheidungskampf sich vollzog, ließ er sich von einer Batterie den Entfernungsmesser vorführen. „Ich war sprachlos," sckweibt der babei- beschäftigte Hauptmann Gouzh, „den Oberbefehlshaber sich mit sotck>eil Kleinigkeiten abgeben zu sehen, wähnend eine furchtbare Schlacht zu hören war." Wohl sandte er noch an NiaeMahon und den Kaiser günstig lautende Telegramme: er selbst aber gab, wie er auch später erklärte, von 1 Uhr an die Schlacht verloren und hielt jede weitere Anstrengung für überflüssig.
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— Wagners Kapellmeister. Hofkapellmeister Tr. Hans Richter, der berühmte Wagnerdirigent, begeht am kommenden^ Freitag (4. April) seinen siebzigsten Geburts- t a g. Ter hervorrageiche Orchesterleiter hat noch in persönlichem Verkehr mit dem Meister seine Anregungen seine Lehre genossen. Und so iKibcit Richters Wagneraufführungen so etwas wie kanonische Geltung. Richter, ber Sohn eines Tomkapellmeisters aus dem ungarischen Raab, war Schüler des Löwenburgschen Konviktes m Wien, wie einst Hahdn und Schubert Chorinabe in der Hofkapelle, dann nach dem Stimmwechsel Zögling des Konser- vatoriums besonders bei Kleinecke und Sechier gewesen und ein vorzüglicher Hornvirtuose geworden. Ta wurde i866 eine Emp- fEung Esters, die das junge Orchestermitglied nach Luzern zu zu Richard Wagner führte, entscheidend für sein Leben El durfte nut seiner umfassenden musikalischen Bildung Wagner bei ber Fertigstellung der Meistersingerpartitur helfen und' tat bei der ersten. Aufführung des Werkes in Münck^en ebenso wie später bei der Buhneneumchtung des Nibelungenringes so Ausgezeichnetes, daß er Wagners Freundschaft sich errang. Bei den „M echter- fingern war er <2olokorrepetttor und Ehordirigent, dann wirkte er als Mnukdirettor an der Münchener Oper'neben Hans von Bulow Ben vollen Befähigimgsnachweis erbrachte er 1870 bei ber e r st en L 0 h e n g r i n - A u ffü h ru n g in Brüssel, die von sianzöftfchen Sängern gesungen wurde.' Eine Zeitlang ging es dann wieder nach Triebschen zu Wagner, bis ihn auf 'Anregung Liszts der Stuf zum Tirektor der Osenpester National ober traf. Hier und von 1875 ab als Direktor der dortigen Phil- harmonlschen Konzerte hat er die reichste Tätigkeit entfaltet fnichrcr war der Leiter der ersten Bavreuther Aufführung des Ri Helling en ring es im Jahre 1876. Er dirigierte im folgenden Jahre gemeinsam mit Wagner die Londoner Wagnerkonzerte. Und in England ist er besonders heimisch geworden, seit er unbefriebigt


