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3.2.1913 Erstes Blatt
 
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ÄÄäiH7FIVf IVIlVv 441LivHIVT<»ö wirtschastUcheZeitfragen B M W M V |S ^F ^F Chefredakteur: A. Goetz.

Fernfprech Anschlüsse: M M Verantwortlich für den

sur die Redaktion 112, IF ^^F politischen Teil: August

HLS" General-Anzeiger für Oberhessen SSM Mr"Ä^Tagesnumme? Rotations-ruS und Verlag der Brühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. 201?^: EHeß'^iir den bis vormittags 9 Uhr. Viidingen: Zernfprecher Hr. 269 Geschäftsstelle Vahnhosstrahe J6a. Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Diplomatische Wendungen.

In der Türkei ist augenblicklich nichts systematisch ge­ordnet, und so ist es auch kein Wunder, daß, in der Bericht­erstattung sich verschiedenerlei Strömungen zeigen. Zu­rückhaltende und sogar pessimistische Stimmung herrscht vor. Nach den schweren Enttäuschungen, die das türkische Heer in den bisherigen Kämpfen bereitet hat, ist das erklärlich. Andererseits sind die Jung türken bei der Arbeit, um die Lebenshoffnung neu zu beleben. Ein Komitee für nationale Verteidigung soll schon eifrig bei der Arbeit sein, und aus Adriauopel werden günstige Nachrichten verbreitet. Viel­leicht hat aber der Mali dieses Bezirkes, dem eine opti- mistische Botschaft zugeschrieben wird, seine Auszeichnung 'mit dem Großkordon des Osmanieordens nur einer diplo­matischen Taktik zu verdanken. Es liegt für die Pforte natürlich ein Interesse vor, die demnächstigen Stürmer von Abrianopel wissen zu lassen, daß der Mut in der Festung noch ungebrochen, daß Munition und Lebensmittel noch für längere Zeit ausreichend seien. Ob das auf die Ent­schließungen in Sofia von Einfluß sein wird, ist eine andere .Frage.

Dagegen sind aus der europäischen Mitwirkung einige Schachzüge sehr auffallend. Zunächst die Haltung der deut­schen Regierung. DieKöln. Ztg." berichtet, daß die deutsche ^Regierung, wasgute Ratschläge" an die Balkanstaaten anlange, mit gutem Beispiel vorangegangen sei, und imBert. Tagebl." wird das bestätigt mit dem Hinzufüg en), daß der deutsche Gesandte in Sofia, Herr v. Below, der bul­garischen Regierung zur Nachgiebigkeit geraten hätte. Da­gegen sollen England und Frankreich in Berlinbekannt gemacht" haben, ,^> sie vorläufig, so lange der Friede nicht geschlossen sei, der Türkei keinerlei pekuniäre Unter­stützung zukommen lassen würden." Deutschland habe dar­auf das gleiche Verhalten in Aussicht gestellt. Nach einer ^Aeußerung des Reuter-BUreaus sollen die Botschafter in London am Sonntag, dem 2. Februar, au ihre Regierungen Telegramme gerichtet haben, in denen die Ansicht vertreten wird, es sei wünschenswert, daß Bulgarien zu weiteren Verhandlungen geraten werde.

Die deutsche Regierung ist also wirklichmit gutem B-ü spiel" voran gegangen. In derNo-vdd. Allgem. Ztg." spiegelt sich auch eine etwas entschlossenere Haltung wieder als in den letzten Wochen. Es wird da amtlich in Aussicht gestellt, für den Fall der neuen Feindseligkeiten stehe schon jetzt fest, daß die Mächte eine neutrale Haltung ein­nehmen und jede Sonderunternehmung vermeiden würden, durch die eine Beschränkung des Kampfes auf seinen Herd erschwert würde". Ist das wieder ein Hinweis auf Ruß­land - Wenn man gegenwärtig die amtlichen deutschen und die amtlichen österreichischen Verlautbarungen mitein­ander vergleicht, so vermißt man die volle Uebereinstim- mung von früher. Das WienerFremdenblatt" wendet sich noch immer ratend und warnend nach Konstantinopel, die türkische Regierung fydbe immer noch nicht die Rat­schläge der Mächte erfüllt. Das etwas eigenartige Verhalten wird der Wiener Politik offenbar durch eine zarte Rücksichtnahme auf Rußland diktiert. Der Kaiser Franz Josef entsandte ein Handschreiben an den Zaren, und das wird ja wohl auch mit Rücksicht auf die spannende Lage geschehen sein. Die fortwährenden russi­schen Rüstungen beunruhigen am Ballplatz in Wien; erst gestern hat derTemps" bestätigt, der Zar habe einen Gene­

ral beauftragt, in Finnland 10000 Pferde anzukaufen Oesterreich will sich also über die russische Politik etwas genauer unterrichten und vermeidet alles, was in Peters­burg ungünstigen Eindruck erwecken könnte. Dafür läßt Deutschland, wie gesagt, etwas kräftiger die Sporen klirren. In Paris aber sammeln sich, wie es scheint, in der Zwischen­pause alle die Herren, die im Einverständnis mit Rußland dertürkischen Barbarei" gerne vollends den Garaus machen möchten, wobei es ihnen aber ungelegen kommen mag, daß auf Betreiben Italiens demnächst, ein beson­derer llntersuchnngsausschuß für die Gräuel der Baltän- trirppen in Wirksamkeit treten wird. Hoffentlich findet dabei auch die Ermordung eines Deutschen bei Saloniki ge­nügende Aufklärung!

Ein türkisches Komitee für nationale Verteidigung.

Konstantinopel, 1. Febr. Auf Anregung des Komitees für Einheit und Fortschritt sand gestern nachmittag eine Ver­sammlung zur Bildung des Komitees für nationale Verteidigung statt, an der ungefähr 800 Personen teilnahmen, darunter die sämtlichen Senatoren und Notabili'.äten der jungtürkischen Partei. Den Vorsitz führte Marschall Fuad. Es wurde eine Reihe patriotischer Reden gehalten. Der musel­manische Publizist Aghajcw, der aus Rußland stammt, sagte: Wir haben Europa vor uns, aber hinter uns stehe n 400 Millionen Muselmanen, die trauern und uns helfen wollen: wenn wir untergehen, muß die Welt erschüttert werden. Die Versammlung setzte ein Exekutivkomitee ein sowie weitere Ausschüsse zur A n w c r b un g v o n Fr e iwi l l i g en, zur S chas- fung von Ambulanzen, zur Aufklärung der öffentlichen Meinung, zur Erösfnug einer Subskription, zur Gründung eines Unter­ausschusses für die Provinz. Eine Entschließung wurde ange­nommen, in per hervorgehoben wird, daß die i n n e r c n Zwistig­keiten, die einzige.Stütze der Feinde, auf ewig begraben seien. Von nun an werde eine einzige ottomanische Nation gegen den Feind stehen. Die Entschließung schließt: Alle werden Eigen­tum, Leben und Geist in den Dienst des Vaterlandes stellen. Tank diesem moralischen und materiellen Kapital werden die fluchwürdigen Ziele unserer gegenwärtigen Feinde zunichte ge­macht. Kein anderes Ziel lebt heute in den Gedanken der Otto­manen. Es lebe der Patriotismus, es lebe die Einheit!

Ein Armeebefehl Izzet Paschas.

Der Generalissimus Izzet Pascha richtete an alle Korpskommcntdanteu der Armee erneu Tagesbefehl, in dem 'er zunächst seine Ernennung zum Generalissimus mitteilte und dann sagte:

Im Vertrauen auf den Beistand und die angeborene ganz hervorragende Tapferkeit der türkischen Armee habe ich den hohen Posten angenommen, dem ich meine ganze Existenz weihen werde. Ihr alle wißt, daß unsere Feinde sehr grausam gegen uns handeln dadurch, daß sie höchst ungerechte Forderungen stellen. Das Leben, die Zukunft des Vaterlandes und die historische Ehre der Nation ist heute unseren Händen anvertraut Hoffnung und Leben der Nation beruhen darauf, daß alle Mannschaften und Offiziere mit Todesverachtung i h r Leben der Er­füllung der Pflicht a l s Soldaten weihen. Tas Schicksal ruft uns heute aus, das Vaterland und die Regierung zu verteidigen. Laßt uns beweisen, daß wir würdige Söhne unserer Vorfahren sind und daß das ottomanische Blut nicht versiegt ist. Eine Nation, die entschlossen ist, für ihren Glauben und ihr Vaterland zu sterben, hat immer Erfolg und lebt ewig.

Der Generalissimus Izzet Pascha ist mit seinem Stabe am Samstag nach Tschataldscha abgereist.

Der ehemalige Großwesir Said Pascha, der Präsi­dent des Staatsr'ats, hat die Einladung, in das Kabinett einzutreten, unter der Bedingung angenommen, daß er selbst das Großwesirat provisorisch leite, wenn Mahmud Schefket Pascha sich auf den Kriegsschauplatz begibt.

Borpostengefechte.

Konstantinopel, 1. Febr. Der Generalissimus Izzet Pascha ist aus Tschataldscha zurückgekehrt. Er präsidierte gestern bei einer wichtigen Beratung von höheren Offizieren int Kriegsmmisterium. Ein Abendblatt berich­tet von Vorpostenscharmützeln in der Tschataldscha- linie bei Gallipoli, die nach der Er 'endung von Verstär­kungen einen gewissen Umfang angenommen haben.

Sofia, 1. Febr. (Agence Bulgare.) Die Regiernnig erhielt keine Mitteilungen über Scharmützel, die an der Tschataldschalinie und in Gallipoli stattgefundcn haben sollen. Die Meldung von diesen Scharmützeln muß demnach als unbegründet betrachtet werden.

Neücr Mnt in Adrianopel!

Konstantinopel, 2. Febr. Das Preßbüreau ver­öffentlicht ein Telegramm, das der Minister des Innern gestern von dem Mali von Adrianopel erhalten hat, welches besagt: Die Gerüchte, die seit Abschluß des Waffen­stillstandes in Adrianopel verbreitet worden sind, entmu­tigen die ganze Bevölkerung. Das neue Kabinett gab den Belagerten neues Leben und e s gibt in Adrianopel niemand, der nicht sein Leben opfern wird, um Adrianopel z.u verteid igen, das ein sehr wichtiger Bestandteil des Reiches ist. In der Festung sind Leb en sinkt tel und Munition, die noch sehrlange ausreichcn. Verteidiger und Bevölkerung hoffen sicher auf den Sieg.

Die Truppen und die Bevölkerung Lldrianopels er­neuerten heute gemeinsam den Eid, die Stadt zu verteidigen. Es beginnt ein neues Leben in Adrianopel.

Der Mali von Adrianopel erhielt den Großkordon des Osmonieordens. Das Komitee und die Subkomitees für die nationale Verteidigung entfalten eine große Tätig­keit. Die Einschreibung von Fr eiwillig en hat begonnen. Die Notabeln von Afghanistan sandten 250 Pfund Sterling als Ergebnis einer Subskription. Tele­gramme aus den Provinzstädten melden, die Bevölkerung sei zu allen Opfern bereit und entschlossen, für die Ver­teidigung des Vaterlandes zu sterben. In B rns s q fand am Grabmale des Begründers der Türkei, des Sul­tans Osman, eine Versammlung statt, in der die An-- wesenden schworen, nicht zu dulden, daß der Boden des) Vaterlandes von den Bulgaren betreten werde.

Die Einwirkung der Mächte.

DieK öln. Z t g." meldet aus Berlin: Die Kon- stantinopeler Meldung des Wiener Korr.-Bureaus, wonach in dortigen diplomatischen Kreisen geglaubt wird, daß ein gemeinsamer Schritt der Mächte bei der Pforte bevorstehe, beruht auf einem Irrtum. Gemeinsame Schritte sind unseres Wissens weder bei der Pforte n o ch den Balkan st aaten gegenüber geplant. Die Einwirkung auf die Erhaltung des Friedens kann auch auf andere Weise geschehen, über die die heutige Bot­schafterversammlung in London beschließt. Entgegen den Gerüchten ist nicht zu befürchten, daß die Botschafterver­sammlung sich gegenwärtig ausschalte oder ausschalten lasse. Die Mächte werden bis zum letzten Augenblicke tätig sein, um dem Wiederausbruch des Krieges entgegenzuwirken. Deutschland ist, was die Ratschläge an die Balkanstaaten betrifft, nach unseren Erkun­digungen bereits mit gutem Beispiel vora n- gegangen.

Oberleutnant gildiner über seine Südpol-Expedition.

Ter Leiter der deutschen antarktischen Expedition Filchner ist am 1. Februar in Berlin an gekommen. Er teilte über die Ergebnisse seiner Expedition folgendes mit:

Am 30. Januar kam bei 76 Grad 37 Minuten südlicher Breite und 30 Grad 25 Minuten westlicher Länge neues Land in Sicht als eine ungeheure und endlose Eisfläche, die nach Süden anstieg. »Dieser Eisschild verbarg das darunter liegende feste Land, dessen Vorhandensein schon durch häufigere Lotungen sestgestellt und durch die abnehmende Meeresticse angezeigt wurde. Das Inlandeis wies nach denselben Lotungen einen Absturz in das Meer auf, den Bruce auf der schottischen antarktischen Expe­dition im Jahre 1904 an dem von ihm entdeckten und benannten Coatsland gesunden hatte. DieDeutschland" vcrsolgte den Jnlandeisabbruch, an seinem Rande entlang fahrend, nach Süden und erreichte am 31. Januar 1912, mittags, eine mit Eis glatt überfroene Bucht. Das Inlandeis bog hier nach Westen um und bildete in dem vorgeschobenen hohen Rücken die westliche Umrahmung der Bucht. Nach Westen schloß sich eine schwimmende Eismasse an, der die Expedition in zwei Fahrten bis zum 76. Grad 56 Minuten südlicher Breite und 40 Grad 54 Minuten westlicher Länge gefolgt ist. Schweres Treibeis zwang dieDeutsch­land" hier in etwa 27 Kilometer Entfernung vom Rande der Eisbarriöre zur Umkehr zu der entdeckten Bucht. Nach dem Aus­brechen des bedeckten Eises schritt man hier in 77 Grad 48 Minuten südlicher Breite und 34 Grad 39 Minuten westlicher Länge an die Errichtung einer Station, von wo man Landerkundungen vor­nehmen wollte. Außerdem wurde auf dem Inlandeise ein Proviant­depot errichtet als Stützpunkt für einen Erkundunasschliltenvor- stoß, der nach einigen Tagen abgehen sollte. Infolge einer starken Springflut geriet aber die Eistafel, aus der die Station errichtet war, in Bewegung, und mit ihr trieb die Station in das offene Ai cer. Bald daraus bildete sich Jung­eis und zwang das Schiss, den Platz, der nach dem Abtretbeu der ungeheuren Eismassen den Charakter einer schützenden Bucht ver­loren hatte, aufzugeben und Nordkurs nach Süd-Georgien zu nehmen, um nicht in Gefahr zu kommen, an einen Eisabbruch gepreßt oder mit dem Strome selbst nach Westen oder Nordwesten gegen Grahamland getrieben zu werden, wo dieDeutschland" möglicherweise das gleiche Schicksal hätte treffen .können wie NordenskjöldsAntarktis".

. Der Plan, Süd-Georgien zu erreichen uitd dort zu über- touitem, um int nächsten Frühjahr aufs Neue nach dem Süden

aufzubrechen, ward zunichte. Am 6. März geriet des Schiss im Ei<e fest und am 9. März begann auf 75 Grad 45 Minuten südlicher Breite und 32 Grad 19 Minuten westlicher Länge die Gis brüt. Anfangs westlich, dann nordwestlich, später nördlich und östlich trieb dieDeutschland" willenlos in dem umklam­mernden Eise. Erst am 26. November gelang es, das Schiff aus dem Eise, das an Stärke und Festigkeit verloren hatte, durchzusprengen und unter Benutzung von Nissen und Rinnen zu befreien. Um 10 Uhr vormittags erreichte die Trist bei 63 Grad 37 Minuten südlicher Breite und 36 Grad 34 Minuten westlicher Länge ihr Ende. Am 19. Dezember 1912 warf die Deutschland" vor Süd-Georgien Anker. Während der Eisdrift wurden umfassende ozeanographische und meteorologische Beobach­tungen üorgenonunen, die zu folgenden Ergebnissen führten: Tie Weddellsee ist angesichts der Eisbarriere flach, senkt sich aber in der Mitte auf 5148 Meter herab und.wird nach Norden durch eine Schwelle von wenig über 1000 Meter Tiefe vom Atlantik getrennt, lieber ihr liegt ein tiefes Lustdruckminimum: die das­selbe umkreisenden Winde versetzen daS Meer und sein Eis in eine entsprechende Strömung, welche die Schiffahrt auf der Ost­seite begünstigt und auf der Westseite eftchwert. Weiter wurden zum ersten Male erdmagnetische Registrierungen auf der Hochsee vorgenommen. Bon dem treibenden Schiffe wurde eine acht Tage dauernde Schlittenexpedition nach dem Westen in der Richtung aus Morell-Land vorgenommen, welche dies gemutmaßte Land nicht nachzuweisen vermochte.

Ter 42. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie findet vom 26. bis 29. März in Berlin stattz Hauptthemata der Veichandlung sind: Ulcus duodeni, Referenr: Prof. Kü11nc r - Breslau; Hirn- und Rückenmarks-Chirurgie, Referent: Professor v. Eiselsberg und Professor Ranzi -- Wien: die Behandlung der Gelenk- und Knochentuberkulose, Rcf. : Prof. Garre -- Bonn. Vorsitzender Exzellenz Prof. v. Angerer.

(HkO Radi u m gölvinnnng. TerUmschau" zufolge ist es den Chemikern bei der schwedischen Kolm-Aktiengesellschaft Forßel und Helsing gelungen, eine neue Methode zur Ra- biumgeroinnung aus dem Kolm zu erfinden. Eine neue Versuchs­station ist bei Trollhättan angelegt worden, wo bereits sehr gute Ergebnisse erzielt sein sollen. Außer dieser Radiumversuchs­station wird auch eine zweite schwedische Radiumfabrik von dem Chemiker Dr. John Lanam angelegt werden, der ebenfalls eine Methode zur Radiumgewinnung aus/dem Mineral Kolm er­funden hat.

Kk. Künstliches Fleisch. Einern belgischen Chemiker, so hieß es jüngst, sollte die Herstellung künstlichen Fleisches ge­lingen sein. Heber diese Erfindung, die wohl von den meisten nicht ganz ernst genommen worden ist, liegen jetzt ausführliche Nach­richten vor. Dr. A. d e Neuville berichtet darüber im neuesten Hefte derRevue". Nach feinem Berichte ist cs dem Belgier ®f front tatsächlich gelungen, aus pflanzlichen Stoffen einen Ersatz für Rind-, Kalb-, Hammel- oder Schweinefleisch herzu- stellen, der an Geschmack wie a^ Nährwert gleichwertig ist. Der Aiisgangsstoff der Versuche ist ein billiger Brauereiäbsall. nämlich Malz. Tas Malz nnrb gewaschen und gepreßt, dann in ein Schwefelsäurebad gebracht und hierauf mit Kalk behandelt; das Gemisch wird gefiltert, das Wasser abgedampft, hierauf wer­den die Rückstände wieder gepreßt, und dann mit verschiedenen Chemikalien, die Efsront geheim hält, behandelt. Das Endergebnis soll eine fleischsaserige Masse sein, die wirklich wie Fleisch schmeckt, dabei aber erheblich billiger ist. Daß dieses künstliche Fleisch dem wirklichen an Nährwert gleichkommt, ist durchaus glaublich, wenn man an die Zusammensetzung des Ausgangsstoffes denkt. Esfront bezeichnet sein künstliches Fleisch als Viandin, nach dem französischen Worte für Fleisch, Viande. Nach seinen Unter­suchungen soll dieses Viandin vom Körper noch besser angenommen werden als echtes Fleisch, und es heißt, daß ein paar belgische Aerzte auf Grund von Versuchen diese Ansicht Efsronts bestätigt haben. Man hat an Menschen, die sich mit dem Kunstfleisch "nährt haben, gute Erfahrungen gemacht, außerdem aber im Tierversuch den hohen Nährwert des .Kunstfleisches bewiesen. Es wurden Fütterungsversuche mit diesem Kunstfleisch an Ratten gemacht. Sechs der Versuchsratten erhielten täglich fünf Gramm Kunstfleisch und ein paar Getreidekörner, während sechs Koutroll- ratten täglich 12 Gramm wirkliches Fleisch und ebensoviel Ge­treide erhielten, wie die anderen. Das Ergebnis war, daß nach einer Woche die Ratten sich bei bestem Wohlsein befanden.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- s ch a f t. Am 27. v. MM ist der cmerit. ordentliche Professor für Eisenhüttenkunde und Probierkunst der Kgl. Bergakademie zu Clausthal Bergrat Robert 23iemenb im 69. Lebensjahre geworben. In Oldenburg ist ein Landeskomitee für Krebsforschung begründet worden. In M ü nste r i. W. ist am 30. Januar der Vertreter der Nationalökonomie an bei bärtigen Universität o. Professor Tr. rer. pol. Max v. Heckel im Alter von 47 Jahren gestorben.