der Gemeinde-
Vie letzten Funken der valkanbrander.
Trotzdem Deutschland die österreichischen Wünsche nicht bis ans Ende mit seiner Unterstützung begleitet hat, sind, wie schon aus dem gestrigen Telegramm des Kaisers Franz Josef hervorgeht, die beiderseitigen Beziehungen ungetrübt. Erzherzog Franz Ferdinand wird auch zu dem nationalen Festtag in Leipzig persönlich eintreffen, wo hoffentlich die letzten Reste der Mißverständnisse hinweggeräumt werden
Wien, 25. Aug. Die „Wiener Allgem. Zeitung* be- zeichnet die Nachricht, daß die morgige Audienz des russischen Botschafters v. Giers, der heute in Ischl eingetroffen ist, bezwecke, sein Ab be ru fungSschreiben zu überreichen, als unrichtig. Dec Anlaß der Audienz sei vielmehr, Kaiser Franz Josef zu bitten, daß derErzherzog Franz Ferdi- nand, der sich zur Hundertjahrfeier der Völkerschlacht bei Leipzig nach Leipzig begibt, auch der Einweihung der russischen Gedächtniskirche tTort beiwohne. .
Bukarest, 25. Aug. Die offiziöse .Politico- meldet: Die Negierung bereitet ein Grün buch über die Balkan- creignisse vor, die den Abschluß des Friedensoertrages gezeitigt haben.
Die Untersuchung der Balkangreuel.
Belgrad, 25. Aug. Der internationale Ausschuß zur Untersuchung der sogenannten B alkan- greriel ist hier eingetroffen. Serbien, daS unter den von dem Gegner verübten Greueltaten furchtbar gelitten hat, erklärte sich bereit, den sogenannten Anschuß anzunehmen, es erklärte jetzt aber, ein Mitglied des Ausschusses, Professor Miljukow aus Petersburg, wegen offen zur Schau getragener Feindschaft gegen Serbien und das serbische Volk ausschließen zu müssen. Da aber alle übrigen Mitglieder des Ausschusses sich mit Miljukow solidarisch erklärten, Serbien aber letzteren als nicht vorurteilsfrei und mithin ungeeignet für das Schiedsrichteramt betrachtet, kann der Ausschuß nicht auf die Anerkennung Serbiens rechnen, obwohl die serbische Negierung den Mitgliedern des Ausschusses jedes mögliche Entgegenkommen erwiesen hat, damit sie ungehindert Saloniki erreichen konnten.
Eine rumänische Auszeichnung des Königs von Serbien.
25. Aug. Heute nachmittag überreichte der rumä- nsiche Gesandte Filality im Beisein des Ministerpräsidenten in feierlicher Audienz dem König die Kette des Ordens Carols I sowie em eigenhändiges Schreiben des Königs von Rumänien.
Die Türkei und Bulgarien.
Sofia, 25. Aiig. Türkische Truppen besetzten am 22. und 23. Anglist G.ü m ü l d s ch i n a und Mustanlue. — Die Tücken melden fortgesetzt die Eröffnung der türkisch- billganschen Vorbesprechungen über die thrazische Frage. Die „Agence bu(gare* erklärt demgegenüber neuerlich, daß weder Natschewitsch noch Danew jemals ermächtigt worden sind, Be- sprechungen hierüber anziiknüpsen.
chule zu Hausen, Kreis Gießen, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste vom 1. No-
Arrs StaOt unfc Caitfc«
Gießen, 26. August 1913.
Vom Manöver des 18. Armeekorps.
Kanonendo nner verkündete heute daß auf den südlichen Vorhöhen des Vogelsberges, da wo er sich zur Kinzig abdacht, die He r b st m a n ö v e r begonnen haben. Doch erst gering ist die Zahl der Truppenteile, die im Manövergelände angelangt sind, die verspätete Ernte veranlaßte die maßgebenden Stellen zu der Bestimmung, daß das Regimentsexerzieren und Brigadeexerzieren in den Garnisonen, bezw. auf den Uebungsplätzen bei Darmstadt-Griesheim, Mainz und Frankfurt stattfindet. Die Uebungen schließen in diesen Tagen mit den üblichen Besichtigungen durch die Korps-, Divi- sions- und Brigadegeneräle. Am Mittwoch treffen die Regimenter der 21. Division in der südlichen Wetterau ein. Die Truppen der 49. Brigade verbleiben bis zum 27., bezw. 28. August in Griesheim, um dann nach dem südlichen Kreis Fulda (116er), Schlüchtern (115er) und Elm zu rücken, etwas weiter südwestlich davon in der Gegend Wächtersbach treten nächsten Freitag die 117er und 118er ein. Die beiden jessischen Kavallerie-Regimenter verlassen Darmstadt am Donnerstag und Freitag, um nach mehreren Marschtagen in )er Gegend von Steinan-Elm einzutreffen. — Den Kanonendonner, der heute die Manöver ankündigte, verursachte das Feldartillerie-Regiment Nr. 25, das sein Scharfschießen im Gelände zwischen Bindsachsen, Gelnhaar, Kefenrod und Wenings abhielt. Die Batterien waren etwa 2 Kilometer nordwestlich Hitzkirchen aufgestellt, von 9 bis 2 Uhr war das ganze Gelände abgesperrt. Das Scharfschießen der 61er Artillerie wird nächsten Freitag zwischen Freiensteinau, Flechenbach, Ulmbach und Kressenbach abgehalten. Die Schußrichtung ist nach dem Hohenstein und Schmadelsberg. In )en größeren Orten, z. B. Schlüchtern, Gelnhausen, Wächtersbach, Salmünster usw. werden jetzt Proviantämter, Bäckereien, Futterlager usw. eingerichtet. Auch die Vorbereitungen für die Unterbringung der Fliegerabteilung sind im Gang. Gelnhausen ist als Fliegerstation vorgesehen, die Flugzeuge werden in besonderen Zelten untergebracht.
Sämtliche Regimenter des Armeekorps rücken in der eldgrauen Uniform aus. Um die Divisions- und Korpsmanöver möglichst kriegsmäßig zu gestalten, finden viele Biwaks statt, auch werden die Truppen meist aus den Proviantämtern und Magazinen verpflegt.
"Personalien. In den Nnhestand versetzt wurde der Lehrer Heinrich Ludwig Nikolaus an
In treuer Freundschaft bringe ich Dir meinen herzlichsten Gluck- und Segenswunsch zu Deinem heutigen Namensfeste. Franz Josef.
Dieses Telegramm erreichte den Prinz-Regenten in Kelheim, der folgendes Antwort-Telegramm sandte:
Versammelt in Kelheim gedenken wir in Treue des Anteils Oesterreichs an den Befreiungskriegen und der innigen erprobten Freundschaft, die Oesterreich-Ungarn mit Deutschland verbindet. Ludwig.
Darauf ging von K a i s e r F r a n z I o s e f neuerdings folgendes Telegramm in Kelheim ein:
Herzlich danke ich Dir für Dein freundliches Telegramm. Meine Gedanken sind den dort Versammelten geweiht. Ich gedenke gerne und mit Genugtuung der Teilnahme Oesterreichs an den Befreiungskriegen sowie der zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn bestehenden erprobten Freundschaft. Franz Josef.
Der Wiener Kongreß und sein Verfassungswerk, der Deutsche Bund, sind viel gescholten worden: billige Beurteilung nürb aber zugeben müssen, daß eine wirklich befriedigende Lösung der deutschen Frage nach den bamaligen tatsächlichen Verhältnissen em Ding der Unmöglichkeit war. Verhältnismäßig rasch gelang em wesentlicher Fortschritt auf wirtschaftlichem Gebiete, und es war K einig Ludwig dem Ersten , der inzwischen seinem Vater in der Negierung des Landes gefolgt war, beschieden, zunächst tnt Jahre 1827 einen bayrisch-württembergischen Zollvertrag herbeizn führen und dann im1 Zollvereinsvertrag vom Fahre 1833 mit Preußen-Hessen entscheidend zu einer wirtschaftlichen Einigung auf breiter Basis mitzuwirken. Eine ticlitifd)c Einigung stand noch in weitem Felde: mehrfache Anläufe blieben erfolglos. Die Meinungen über das „wie?" gingen noch zu unversöhnlich auseinander. Es war noch ein schmerz- Itcber 23 ruber tarn £f notwenbig, um zunächst die Frage der Vorherrschaft in Deutschland zwischen Oesterreich und ^oußeu auszutragen, und erst ein neuer Angriff des westlichen Nachbarn und die unter der unvergleichlichen Führung Koing Wilhelms I. und seiner Paladine erfochtenen glorreichen Siege der bereinigten beuffrb-cn Waffen führten zum Abschluß der Vertrage, durch die aus Nord und Süd dasneueDeutsche Reich, das neue Deutsche Kaisertum entstand. Da erwies sich der nationale Gedanke, zu dessen Weckung und Er- starkimg König Ludwig I. so viel beigetragen hatte, als eine Macht, die auch die letzten Hindernisse überwinden half. Die großen nationalen Aufgaben, vor allem nach außen, aber auch tm Innern wurden dem Ganzen übertragen, zugleich wurde jebort) bet dem Ausbau der Verfassung die Bedeutung der Einzel- staaten und die Erhaltung ihres Wirkungskreises mit weisem Bedacht berücksichtigt.
_ .. Für Bayern war es der Enkel Ludwigs I., der hochgesinnte K o n t g Ludwig II., der den Anschluß an den neuen Bund vollzog. Der Stifter dieser Halle selbst war nur kurze Frist vorher rn hohen Jahren zu seinen Vätern heimgegangen. Er sollte das Erstehen des neuen deutschen Kaisertums nicht mehr erleben, nicht mehr seinen Wunsch erfüllt sehen, daß Straßbuilg wieder eine deutsche Stadt wurde. Nicht mehr war es ihm auch vergönnt, zu erleben, daß das Deutsche Reich und die Oester^ reichisch-Ungarische Monarchie, die Genossen des Freiheitskampfes von 1813/14, wieder zu enger Freundschaft und zu einem Völker- rechtlichen Bündnis zusamrneugetreten sind, das seinen Bestand NNO seine Wirksamkeit durch alle Stürme bewährt hat und, loie wir vertrauen, auch in alle Zukunft bewähren wird
Groß und mächtig steht das Deutsche Reich im Rate der Volker da, stets erprobt als ein Faktor der Mäßigung und des Friedens, stets aber auch bereit, für die Ehre und Interessen des Deutsehtums 'einzutreten, luo immer sie be- brof)t 1014^. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Teile des Reicks in ,vreub und Leid ist immer mehr erstarkt, und wer gleichwohl int Auslanoe je mit der Uneinigkeit, der Eifersucht der Reichsglieder rechnen würde, wie dies wohl früher gescheheii würde diese Rechnung graufain enttäuscht sehen' So mochte es denn manchem scheinen, daß der Mahnspruch König Ludw.gs in dieser Halle für das heutige Geschlecht nicht mehr die gleiche ernste Bedeutung hatte wie ehedem. Allein im Leben der Völker kann und darf es für eine Nation, die sich behaupten will kein Ausrasten auf errungenen Erfolgen geben. Hier trifft noch mehr wie für den einzelnen das Wort des Dichters zu- Nun der verdient sich Freiheit, wie te Leben, der täglich sie erobern muß." 1
c.. $n immer erneuten Anstrengungen gilt es 'ür Deutschland, sich gewappnet * alle Gefahren, die seinen 23eftan
- Uicht und Notwendigkeit ist es aber auch heute, vor Ckl <nrtrUkl'r rr tvachm, daß Keime der Zwietracht und Verdrossenheit nicht überwuchern, daß unter dein Hader der Klassengegensätze, unter der Ueberspanmrng der Jnteressenkamvfe das (Sintgenbe, die Freude am
^'^aes Arbeiten in diesem Sinne, Ein- setzen des besten Könnens für das Blühen und Gedeihen der engeren und wetteren Heunat festes Zusammenstehen äu Kaiser und Reich das sei das Gelöbnis dieser seierlicl-en Stunde. Mit diesem Gelöbnis ist es zugleich cm Bekennen zu den Gkbattfen und Matz- nungen dieser Halle und ihres Stifters, wenn wir uns nun vereinigen zu dem freudigen Rufe: „Unser großes deutsches Vaterland, das Deutsche Reich, es lebe Hoch! Hoch! und abermals Hoch!
Des Prinzregenten Hoch auf das Deutsche Reich wurde lebhaft von allen Anwesenden anfgcnommen und widerhallte brausend von der Kuppel. Der Kaiser reichte dem Prinz- regenten die Hand. Musikklänge und Glockengeläut setzten ein, während die Bundesfürsten paarweise, der Kaiser mit dem Regenten an der Spitze, die Halle verließen. Die ernste Feier in ihrer wundervollen Einfachheit hinterließ bei allen Teilnehmern die weihevollste Stimmung. Die Fürsten traten vor die Rampe der großen Freitreppe und die Fahnen- deputationen bildeten hinter ihnen einen Halbkreis. Ein Massenchor von 1 800 Mitgliedern des Bayrischen Sängerbundes sang „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Darauf bewegte sich der Zug der Fürsten nach der Bankett- Halle. Dort begann um P/2 Uhr die Tafel. Der Pcinz-
könnten wir das Wesen und die fortwirkende Bedeutung der Befreiungskriege tiefer erfassen, als hier, wo der Deutschesten Fürsten Emer in Erz und Marmor das Gedächtnis der Heldentaten unserer Väter aufgerichtet hat, das Gedächtnis zugleich seiner eigenen glühenden Vaterlandsliebe!
Euere Königliche Hoheit haben in ergreifenden Worten betont, worin der Sinn der Erinnerungsfeiern liegt, die überall, wo Deutsche wohnen, in diesem Jahre begangen werden. Dem lebenden Geschlechte sollen sie die Lehren einprägen, die im Lause unserer Geschichte mit so viel kostbarem Blute erkauft wordcii sind, daß unsere Stärke auf unserer Eintracht und Einigkeit beruht, daß es für unser Volk kein Nachlassen geben darf, wenn es einen hohen Platz behaupten will. Die begeisterte Teilnahme aller Kreise unseres Volkes an den Feiern dieses Jahres, die sich auch heute wieder so kraftvoll und warmherzig hier an der Donau be- kunoet legt Zeugnis davon ab, wie tiefe Wurzeln das vater- mndische Empfinden geschlagen hat, wie innig sich das Deutsche Volk mit fernen Fürsten verbunden fühlt. Euere Königliche Hoheit haben durch Ibte Anregung der Zusammenkunft der Deutschen Bun- desfürsten und der Vertreter der Freien und Hansestädte in der Befreiungshalle die heutige Feier zu einem erhebenden Feste ganz Deutschlands gestaltet, so wie es dem Sinne dessen entspricht, der dies Denkmal dem Deutschen Volke, dem Bayem- lande und dem Hause Wittelbach zum Ruhme erbaut hat. Mit herzlicher Dankbarkeit für Euere Königliche Hoheit werden wir alle dieses erhebenden Tages stets gedenken. Wir bitten zu Gott, Er möge Euerer Königlichen Hoheit noch viele segensreiche Tage schenken zum Wohle Bayerns und des Deutschen Vaterlandes. Diesem Gedanken bitte Ich Ausdruck zu geben in dem Rufe- Ludwig, das erlauchte Haus Wittelsbach und das schöne Bayemland Hoch! Hoch ! Hoch!
Die Musik spielte die Regeutenhymne. Nach der Tafel hielten der Kaiser und der Regent Cercle.
Um 3 Uhr 45 Minuten nachmittags fuhren der Kaiser und der Prinzregent zum Bahnhof. In den kaiserlichen Sonderzug war inzwischen ein Hofwagcn des Prinzregenten eingefügt worden. Der Kaiser und der Prinzregcnt verließen Kelheim um 4 Uhr. Die Ankunft in Posen erfolgt morgen früh um 7 Uhr 15 Minuten.
^i^halten gegen uen, die Kräfte zu'stählen für alle Aufgaben, die bfe°(Sntiuirfhinn d-F Zeiten uns stellt. Erst die letzten Monate haben wieder erwiesen daß das Deutsche Volk in seiner Gesamtlage es^erheischt^^" Opfern nicht zurückscheut, wenn die Welt-
, regent saß links vom Kaiser, rechts von ihm der König von Sachsen.
Noch ein Trivkspruch des Prinzregenten.
Im Verlaufe des Mahles brachte der Prinzregent folgenden Trinkspruch aus:
Unter dem Eindruck einer ernsten Gedächtnisstunde haben wir die Befreiungshalle verlassen, umgeben von einer freudig gehobenen, vaterländisch bewegten Menge. Wie am Tage der Grundsteinlegung und zwanzig Jahre später am Tage der Einweihung tapfere Mitstreiter der Befreinngskäinüfe, so baben heute stattliche Reihen der Helden, die die blutigen Werdetage des neuen Deutschen Reichs miterlebt und miterkäinvit Haden, einen Ehrenplatz auf diesem Hügel eingenommen Was sich um sie geschart bat, war ein Bild aus allen Lebenskreisen des deutschen Volkes. Es waren Vertreter all der Stände, die in Fleiß und Bürgersinn für das kulturelle und wirtschaftliche Blühen Deutschlands wirken. Mit dem reifen Alter haben sich die Knaben und Jünglinge vereint, aus deren abgehärteter Jugend die Wehrkraft des Deutschen Reiches erblüht. Daß sich solch freudige Anteilnahme weiter Volkskreise an dieser Feier bekundet bat, erfüllt mich mit aufrichtiger Genugtuung.
Die Deutschen Bundessürsten sind mit allem, was die mit ihnen durch geheiligte Ueberlieierungen verbundenen Stämme und Völker bewegt, auf das innigste verkettet. Sie reichen gerne und mit Freuden dem wackeren deutschen Manne die Hand, der mit ihnen sich zum Schutze der heiligen Güter unseres Volkes, der von Gott gesetzten Autorität und der Liebe zum Vaterland zusammenschließt. Mit dem erhabenen Oberhaupte des Reichs, S. Maj. dem Deutschen Kaiser an der Spitze, haben dis hohen Bundesfürsten vereint mit den präsidierenden Herren Bürgermeistern der Freien und Hansastädte, meiner Einladung Folge leistend, sich zu dieser vaterländischen Gedächtnisfeier eingefunden. Sie legen durch ihre Anwesenheit, für die ich nochmals meinen tiefgefühlten Dank ausspreche, Zeugnis ab von dem G e s ü b l st a r k e r Zusammengehörigkeit, das sie unter sich und mit dem Deutschen Reich verbindet, mit dem Reich, dessen Ehre ihre Ehre, dessen Wohlfahrt ihre Sorge, dessen Aufschwung und Ansehen unter den Völkern das Ziel ihres vereinten und treuen Strebens ist. Wie sie mit dem deutschen Volk gemeinsam das Gedächtnis einer großen Vergangenheit feiern, so tragen sie mit ihm in Treuen die Sorgen der Gegenwart und teilen mit ihm die Zuversicht auf eine glückliche und gesegnete Zukunft unseres geliebten deutschen Vaterlandes. Den deutschen Bundesfürsten und den Senaten der Freien und Hansestädte, dem Trägern alter und heiliger Rechte, den Burgern einer starken und stetigen Entwicklung deutscher Größe und Wohlfahrt gilt mein Segenswunsch in dem Rufe:
Seine Majestät Kaiser Wilhelm, die Hohen Bundesfürsten, die präsidierenden Herren Bürgermeister der Freien und Hansestädte leben hoch, hoch, hoch!
Die Musik spielte „Deutschland, Deutschland über alles". Unmittelbar darauf erwiderte der Kaiser:
Die Rede des Kaisers.
Euerer Königlichen Hoheit bitte Ich int Namen der Deutschen Bundesfürsten und präsidierenden Bürgermeister den wärmsten Dank berbringen zu dürfen für die weihevolle Stunde, die wir soeben in feier hehren, von Euerer Königlichen Hoheit unvergeßlichem Herrn Großvater gestifteten Gedächtnishalle mit einander durchlebt haben. Es war, als rauschte der eherne Flügelschlag deutscher Geschichte über uns, als Euere Königliche Hoheit inmitten dieser feierlichen Stätte das Bild jener gewaltigen Zeiten vor unser Auge stellten, deren unvergänglicher Ruhms deutsche Herzen stets aufs neue ergreifen wird.
Die Befreiungshalle,
ein Bau im griechisch-römischen Stil, besteht aus einer Rotunde, , von einem mächtigen Unterbau getragen wird: dieser Unterbau ruht selbst wieder auf drei Stufen in einer Höhe von 6,5 Metern. Der Aufstieg erfolgt auf zwei steinernen Seitentreppen zu je 38 Stufen, denen sich eine mittlere mit 44 Stufen an schließt, lieber dem Eingang stehen die Worte: „Den Deutschen Befreiungskämp- sern: Ludwig I., König von Bayern. MÜCCCLXIII." Das Innere erhalt durch oben einfallendes Licht eine ganz eigentümliche Beleuchtung ^ne Zahl 18 bildet die stets wiederkehrende Grundzahl in der Gliederung deS Baues und in seiner Aussehmückung: So aliedert sich der Unterbau in 18 stumpfe Kanten, auf dem 18 Kandelaber stehen: 18 Strebepfeiler tragen 18 germanische Jung- VߣetL.rr 1 Aranzgesimse ist mit 18 Siegeszeichen geschmückt: 1 c usiche Heerführer und Festungen sind im Innern des Tempels aufgezeichnet. ES sollte damtt offenbar vor allem der Erinnerung 1813 Rechnung getragen werden. Der Fuß- hat die Form einer Kreisfläche und ist mit konzentrisch ge- Marmormustern durchzogen. In der Mitte stehen die be- Mochten die Deutschen nie vergessen, was den
Befreiungskampf notwendig machte und wodurch sie gesiegt." aeleitet ?aUe 5at Professor Eman. v. Seidl
^u^tgewlnde und goldene Schleifen in der ..ange von vielen hundert Metern und in riesigen Ausmaßen Vieren und gliedern den Raum. Im Mittel der Halle schwebt ein Kranz aus goldenen und silbernen Rosen, der allein einen Durch-
6in Telegramm des Kaisers Franz Joses
Kc l h c i m, 25. Aug. St'aifer Franz J°s-f 'richtet- an den Prtnz-Regenten zu seinem heutigen Namenstage folgendes Glückwunsch-Telegramm:
tmd alt, arm itnb reich, Mann und Weib, dem Ausrufe des Königs entaegenbrachte. Man war ssich bewußt, daß es sich nicht nur um Preußen, sondern um ganz Deutschland und seine Errettung handelte.
Noch schwankte in den ersten harten Kämpfen, da Preußen mit dem verbündeten Rußland allein die Last des Krieges zu tragen hatte,, die Wage des Sieges. Es schlug die Stunde, da Oesterreich sein Schwergewicht auf die Seite des Befreiungsweickes stellte und nun ein umfassender, nachhaltiger Angriff auf Napoleons Heermacht ermöglicht wurde. Jetzt, durch Oesterreichs entgegen^ gestreckte Hand vermittelt, erfolgte auefi die Abwendung Bayerns und weiterhin der übrigen süddeutschen Staaten von Napoleon, die Vereinigung ganz Deutschlands zur Ab- schüttelung des fremden Joches. Freudigst begrüßt wurde der im Vertrage zu Ried am 8. Oktober 1813 vollzogene Bayerisch-Oester- reichische Zusammenschluß vor allem von Bayerns Thronfolger, der nicht müde geworden war, zu diesem Ziele zu mahnen und seine Erreichung, soviel nur in seinen Kräften lag, vvrzu- bereiten und zu beschleunigen. An der großen Völkerschlacht freip lieh, die nun in den Tasten vom lj§. bis 19. Oktober bei Leipzig geschlagen wurde, konnten die bayerischen Truppen noch nicht teil- nehmen. Aber der kühne und zähe Flankenstoß gegen die Rückzugslinie Napoleons bei Hanau steigte, wie ernst es der bayerischen Armee war, die Waffenbrüderschaft mit den Freiheitskämpfern von Leipzig zu bewähren, und in den weiteren Kämpfen, die zur völligen Niederringuug des Feiiides notwendig waren, auf den Gefilden der Aube und Champagne, haben auch die Süddeutschen noch manches kostbare Blutopfer beigetragen.
Von den Erzschildern der Siegesgöttinnen, die uns hier umgeben, grüßen die Namen und Daten der im Befreiungskampf gewonnenen Schlachten und Treffen, von den Marmortafeln über den Nischen die Namen der hervorragendsten Feldherren der verbündeten deutschen Heere. Unvergessen sind aber die Tausende und Abertausende, die auf dem Felde der Ehre geblieben sind, die Leben und Gesundheit, Gut und Blut für des Vaterlands Befreiung dahingegeben haben. Erreicht ist worden mit allen diesen Opfern das nächste und größte Ziel des Kampfes, die Niederwerfung der Fremdherrschaft, die Wiederherstellung der Unabhängigkeit und Freiheit Deutschlands nach außen — nicht erreicht aber wurde eine politische Ge samt- organifation Deutschlands, wie sie zur wirksamen Geltendmachung der deutschen Interessen im Wettbewerb der Nationen erforderlich gewesen wäre.


