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26.8.1913 Erstes Blatt
 
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165. Jahrgang

Erstes Blatt

General-Anzeiger für Gberheffen

ttr. fyy Erstes Blatt 165. Jahrgang Dienstag, 26. August M5

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WS General-Anzeiger für Gberheffen L-M

Annahme von Anzelgea Rotationsörud und Verlag der vrühl'lchen Univ.-Buch- und Stcinörudcrei R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Zchulftrahe 7. Land " ür den bis Domü&TTui) Seschaftsstelle Büdingen. Bahnhofstrctze 16a. Anzeigenteil: H. Beck.

Tageskalcndcr aus dem Jahre 1813.

2 6. August. Marichall Macdonald verliert die Sch lacht art der Katzbach gegen Blücher. König Friedrich Wil-- Helm III. erhebt Blücher zum Fürsten von Wahl­statt.

Ter Dichter und Freiheitskämpfer Theodor Körner fallt bei Gadebusch in Mecklenburg.

Vie Jahrhundertfeier der deutschen Bundesfürsten.

Fünfzig Jahre waren am gestrigen Montag verflossen, daß König Ludwig I. von Bayern die Gedenkhallc der Befreiungskriege in der mittclfränkischen.Donaustadt Kel heim errichtete. Prinzrcgent Ludwig von Bayern hat daher Veranlassung genommen, den Kaiser, die deutschen Bundes- fürsten und die Vertreter der freien Städte an diesem Tage zu einer Jahrhundertfeier nach Kelheim einzuladen, und da die Feier auch mit dem Namenstag des Prinzregentcn zufammcnsällt, dem erstenNamenStag, der in seiner Regicrungs- zeit liegt, so hat der Tag den Charakter eines großen Einigungsfestes des ganzen deutschen Volkes. Der Prinz­regent Ludwig hat gestern, um cs gleich vorweg zu nehmen, eine Erinnerungsrede vom eindringlichsten und erfreulichsten Gehalte weithin vernehmen lassen, und da er die süddeutschen Verhältnisse besonders würdigte, namentlich die Nolle Ludwig I., als Thronfolger Bayerns, in interessanter Weise .larkgtc, (der aber auch ein schwärmerischer Napolconvcrchrer war) sowie auf die Geschichte der deutschen Einigung beredt und geistvoll hinwics, so lauschen heute alle Städte und Dörfer des Reiches in Fcierstimmung diesen ErinnerungS- klängen, und es vollzieht sich wirklich das, waS der Prinz- rcgcnt gestern in einem Trinkspruch noch besonders hcrvor- hob: daß die deutschen Bundesfürsten mit dem schlichten deutschen Mann zum Schutz des einigen Reiches unlösbar verbunden seien. Auch der Kaiser hat kurz das Wort er­griffen und in sympathischer Weise noch einmal zusammcn- gcsaßt, waS die Herzen bewegte.

Wir erhalten von der eindrucksvollen Feier folgenden Bericht: K e l h e i m, 25. August.

Das alle Donaustädtchen Kelheim hat in grauen Zei­ten schon manchen feindlichen Ansturm ausgehaltcn. Aber wohl noch nie ist der Ort so stark mit bcwafneter Macht belagert und besetzt gewesen wie heute. Auf Weg und Steg sind Truppen ausmarschicrt, selbst die Flußufer und die Wäl­der sind militärisch blockiert. Die strengsten Absperrungs- Maßregeln bestehen rings um die Befreiungshalle.

Programmäßig treffen in dem kleinen Bahnhof seit den frühen Morgenstunden die Sonderzügc mit den Kriegervcr- einen und offiziellen Festgästen von München und aus dem ganzen Lande ein. Prinzrcgent Ludwig erscheint schon bei Zeiten, um die fürstlichen Gäste der Reihe nach zu empfangen. Zuletzt, kurz vor Mittag, kommt der Kaiser. Rach der Begrüßung fahren Kaiser und Prinzrcgent die Fest- straße entlang, die durch Kelheim zur .Höhe des Michcls- bcrges führt. Das Städtchen zeigt selbst auch ohne den überladenen Fcstschmuck ein freundliches Bild. Am Stadttor

ist die Fischerinnung in ihren Trachten und aus dem Markt­platz die Gemeindeverwaltung mit den üblichen Ehrenjung frauen zum Willkommen aufgestellt. Rach rascher Fahrt langt der Kaiser vor dem von Emanuel v. Seidl hinter der Befreiungshalle errichteten Ba n ^et thaus an, in dem die Bundessürstcn schon seiner harren. Endlich kündet Gc- schützdonncr den Beginn des Festes. Dann bewegt sich ein farbenbunter Zug vom Banketthause zur Befreiungs- Halle.

Voran ziehen die große Freitreppe zum hohen Rundbau hinauf die Abordnungen der bayerischen Armee mit den Fah­nen der Regimenter, die schon im Jahre 1813 bestanden. Dann kommen Kinderscharen in den Gewändern jener Zeit und hinter diesen schreiten die B u n d e s f ü r st e n, an ihrer Spitze der Kaiser neben dem P r i n z r c g e n te n. Hinter den fürstlichen Gästen und den Vertretern der freien Städte folgt der Reichskanzler v. Be t h m a n n H o l l w e g, die Ver­tretung des Bundesrats, das P'räsidium des Reichstags, das bayerische Staatsministerium und eine Reihe von Delegationen der staatlichen und städtischen Behör den aus dem Reich und aus Bayern. Unter Glockengeläutc betreten die Gäste die festlich geschmückte Bcfreiungshalle. So dann ergriff der Prinzrcgent das Wort:

Die Rede des Prinzregenten Ludwig.

Euerer Kaiserlichen und Königlichen Majestät, dem erhabenen Oberhaupt des Tculschcn Reichs, den Hohen Bundesfürsten des Reichs und den präsidierenden Herren Bürgermeistern der Freien und Hansestädte sei zuvörderst freudiger Willkomm geboten und wärmster Tank für Ihr gnädiges Erscheinen, das der heutigen Feier so reichen Glanz verleiht.

Ten deutschen Befrei u ngskämpfern von Bayerns Kö­nig, Ludwig I., gewidmet, ist diese hcbre Halle so recht der Ort, um jetzt, da sich ein Jahrhundert seit dem gewaltigen Ringen um Deutschlands Unabhängigkeit vollendet, das Gedächtnis jener opfer­reichen Zeiten zu begehen sind zugleich dem deutschen Sinn des Königlichen Stifters zu huldigen. Das heutige Datum, der 25. Aw- gust, Hal seine besondere festlich^ Bedeutung dadurch, daß es der Geburts-und Namenstag König Ludwigs I. ist, der heute vor 127 Jahren das Licht der Welt erblickt hat. Seine Ge­danken und Absichten bei Errichtung dieses Denkmals hat der kö­nigliche Erbauer tzusammcngesaßt in die Worte: ,.Möchten die Deutschen nie vergessen, was den Befreiungskampf notwendig ge­macht und wodurch sie gesiegt." Diese Mahnung glänzt uns als Inschrift aus den Marmorfliesen der Halle entgegen, und mit dieien Worten hat König Ludwig auch am 50. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig die Mitkämpfer der Befreiungskriege be­grüßt, die er zur Einweihung des Baues noch um sich versammeln konnte.

Deutschlands Uneinigkeit und Zerrissenheit als Ursache seines tiefen Falles, der Deutschen Vereinigung und festes Zusammen­halten als Voraussetzung ihrer Wiedererhebuirg, als unerläßlickie Bedingung für das Blühen und Gedeihen des großen Deutschen Vaterlandes, das ist es, was die heutige Feier uns vor klugen fuhren soll. In den letzten Jahrhunderten des römischen Kaiser­tums deutscher Ration war der Glanz unb die Herrlichkeit dieses alten Reichs immer mehr verblichen. Die gemeinsamen Institu­tionen waren verkümmert und erstarrt. Staatsgefühl und poli­tischer Sinn, soweit sie überhaupt vorhanden waren, wandten sich der Festigung und Vergrößerung der Territorialstaaten zu. Was in diesen, namentlich in der Habsburgischen Hausmacht, in dem neuen Königtum Preußen, aber auch in anderen deutschen Terri­torialstaaten geleistet wurde, war vielfach bewunderungswürdig und von bleibendem Wert: aber disse Entwicklung vollzog sich doch im wesentlichen nicht für, sondern gegen das Reich als Ganzes. Tie mittleren und kleineren Territorien des Reiches sahen mit

Der $tro!)I)Ut der Zukunst.

Der hohe Ruhm, den sich der P a n a m a h u t erworben hat, enveckt diesemKönig bet Strohhüte" natürlich Nebenbuhler und Konkurrenten, die cs ihm an Feinheit, Leichtigkeit uicb Dauerhaftigkeit gleich-, ja zuvortun wollen. Andere Länder treten in Wettbewerb mit den südamerikanischen Republiken, die uns den Panama liefern, und es scheint, als ob manche dieser exotischen Gegenden begründete Aussicht hätten, auf dem Strohhutmarkt der Zukunft eine große Rolle zu spielen. Zwei Länder treten da be­sonders hervor, in denen der Strohhut von altcrsher die nationale .>ivvsdedeckung ist. die Fabrikation auf uralten Traditionen beruht und in neuester Zeit eine stets wachsende Ausgestaltung und Erweiterung erfahren hat Es sind die Philippinen und Madagaskar, zweiParadiese des Strohhutes", denen in der Nature" B. Forbin und Francis Marrc inhaltsreiche Artikel widmen.

Als Magellan als erster int Jahre 1521 die Philippinen betrat, da bemerkte er, daß die Königin von Zebu und ihre Hof Samen mit Palmcnblättcrn garnierte Strvhhüte trugen: der König ging barhäuptig. Nach den alten spanischen Ehwniken der Plü lippinen bedienten sich damals nur Frauen des Strohhutes, wäh­rend cs Heute gerade umgekehrt ist. Das Beispiel der «panier, bei denen die Männer den StroHlmt, die Frauen die Ttantula trugen, hat auf die Bewohner der Philippinen gewirkt, und beute tragen die Herren der Schöpfung den Stvohhuk, den ihre Vorfahren verschmähten. Tie Hutsabrikation der Philippinen um­faßt eine große Mannigfaltigkeit von Qualitäten und Formen. fJhir mit Widerstreben folgt sic bis jetzt den tforberungen der Mode, hält sich am liebsten in den altüberlieferten Balm en. Erst die Arbeit der Europäer macht sie allmählich zu einer großen Industrie, die eine immer größere Rolle auf dem Markt spielen wird. Was die Preise anbetrifft, so schwanken sie je nach der Zahl der Stunden, die auf die Herstellung des Hutes verwandt werden, zwischen 6 Centavos, etwa 15 Pfg. und 1000 Pesos, fast 2000 Mr. Es ist eine Hausindustrie, bei der die Frauen und jungen Mädchen während der langen Mußestunden, die ihnen die Be­sorgung des Hauses und die Bereitung der Mahlzeit läßt, die Hute flechten. Die Männer sammeln nur das Material und unter- ziehen es einer ersten Präparierung, die mehr physische Kraft als Gescksicklichkeit und Kunst verlangt: sic übernehmen bann auch dev Verkauf, nachdem die Frauen die Zahl der Stunden berechnet haben, die sie jeder Hut gekostet. Die Flechtkunst ist über dem ganzen Archipel verbreitet: am berühmtesten aber sind die Pro­dukte der drei Städte Balinag, Lucban und Calasiao auf der Insel SuQon. Auch die Matten und anderen Flechtereien von den Philippinen sind berühmt. Sieben Achtel aller Strvhhüte, die hev^e von deu PhfttpLÜteu au£aeiüJ?rt werden, hestehen ans Bam­

busfasern, und zwar wird hauptsächlich der stachlige Bambus iBambusa Mumeana) verwendet. Die Arbeiterinnen besitzen für ihre Herstellung Geheimnisse, die sich von Mutter auf Tochter vererben. Die Erfahrung hat sie gelehrt, daß ein Bambushut von der besten Qualität ist, wenn er in den kühlen Stunden des Tages, am Morgen oder Abend, geflochten wird und wenn man trockene Gegenden vermeidet. So arbeitet die erfahrene Flechte rin mit Vorliebe am Ufer eines Flusses unterbem kühlen Schatten dichtbelaubter Bäume.

Auch aus Fasern der Palmen blätter werden Hüte her- gestellt, und die Auswahl der einzelnen Fasern, die ?Irt der Ver­arbeitung ift eine ganze Wissenschaft mit unendlich vielen Einzel­heiten und Feinheiten. Am dauerhaftesten find die sog.Doppel hüte", bei denen zwei Scheiben des Geflechtes, von denen eigentlich schon eine für den Hut genügen würde, kunstvoll verbunden sind. Solche Hüte sind fast unzerstörbar. Die kostbarsten Fabrikate werden aus den Fasern des Rotang oder einer Farren- krant-Art gearbeitet; sie kosten je nach der Feinheit der Aus­führung 802000 Ml.

Auch auf Madagaskar war der Strohhut schon vor der fran zöllschen Besitznahme unter den Einwohnern üblich, die mit Stolz eine Art Zylinder aus Stroh trugen. Tas einzige Stroh, das man damals verwendete, war das Ahibanc, das reichlich in den feuchten Tälern wächst und auch heute noch das wichtigste Ma­terial bietet: heute gibt es noch eine Reihe anderer Stroharten, wie sich überhaupt die ganze Jndnstoje unter dem Einfluß fran­zösischer Unternehmer sehr erweitert und verfeinert bat. Znxft Arten von Fasern werden hauptsächlich verwandt, dieBao" von milchiger Weiße mit Silberreflexen, und dieManarana" von getlicher Färbung und außerordentlicher Weiche sowie besonderer Haltbarkeit. T-leie Manarana-Hüte, die seit 1906 in Frankreich unb England au stauchen, haben sich rasch die Gunst des Pu­blikums erworben und sind heute unter dem Namen derma­dagassischen Panamas" sehr begehrt. In vielen Dönern Madagaskars gibt es heute Strohhutfabriken, die nach zwei ver­schiedenen Prinzipien eingerichtet sind. Endweder stehen die ein­geborenen Arbeiter und Arbeiterinnen unter bet Aussicht eines europäischen Vorarbeiters und erhalten Tagelohn, oder sie haben sitt) zu richtigen Produktion^- unb Verkaufsgenossenschaften zu- sammengefchlossen, fo_ daß sie mit Gewinnteilung arbeiten und an bte europässchen Händler die Ware abgeben. Die sonst so trägen unb 'kumpfen Madagassen eignen sich für diese Art der Arbeit rwrzüglich Ein Beweis für den Ausschwung der Hutfabrikation sit, daß 1908 80000, 1912 schon 220000 Strohhüte ansgeführt wurden.

Kun st dich stähle in Italien. In der letzten Zeit ist fast kein Tag vergangen, ohne daß in Italien Luuftdiebstähle

Mißtrauen auf bte Absichten der größeren Nachbarn. Denn an den Rathäusern der Reichsstädte unter dem Bilde des Reichsadlers «roch der Spruch prangte:fub umbra alarum tuarum vrotege noS", so war der Glaube an den Schutz seiner Fittiche schon längst geschwunden.

Als nun der Sturm vom Westen losbrach, da versagte nicht nur die ohnmächtige W e hr v e r fa s s u n g des Reiches, auch die beiden deutschen Großmächte, Oesterreich und Preußen, ver­mochten nicht angesichts der brobenben Gefahr die geschichtlich go- wordcnc Gegnerschaft zu überwinden unb sich zu kräftigem, ncnieuv» samem Handeln gegen den gemeinsamen Feind aufzurassen. JedcS auf sich selbst angewiesen, unterlagen beide vereinzelt dem Jeldberrngenie des fränkischen Eroberers und mußten die schonung^ lose Härte des Siegers fühlen. Ter größte Teil der übrigen Fu» sten Teutschlands schloß sich, um die Existenz ihrer Staaten ans dem allgemeinen Scknssbrucki zu retten, unter dem Protektorate des Fronzosenkaisers zum Rheinbund zusammen und mürbe so der französischen Politik dienstbar. Das alte Reich löste sich ans, rühmlos unb kaum beklagt.

In diesen Leiten tiefer Erniedrigung Deutschlands mar es ein Sproß ans dem Kreise der Rheinbundfürsten, der bäuerische H ron» Prinz Ludwig, der das heilige Feuer des Deutschtums in begeisterten Worten pflegte und aus seinem Zorn und seiner Trauer um Deutschlands Fall, aus seinen Hoffnungen ans eine bessere nationale Zukunft kein Hehl mackste. Bekannt sind seine Worte, die im Jahre 1805 die Begehung einer Siegesfeier am,Hofe der Kaiserin Josephine in Straßburg ihm inmitten französischer Um» aebung entlockte:D a S sollte mikdic teuerste Sieges­feier sein, wenn die Stadt, in welcher ich geboren bin, wieder eine freutf rfic Stadt sein w i rd." Bon einem Aufenthalte in bem.von den Franzosen besetzten Berlin int Jahre 1807 flammen seine Verse:Aus ihr Deutschen! Aus und sprengt die Ketten, die ein Korse euch bat angelegt!^ Ebendort, im gleichen Jahre, hat Kronprinz Ludwig die ersten Schritte ge­tan zu einem Ehrentempel deuts chcrGröße, den er dann später in der Walhalla bei Regensburg errichtete und der nach seiner Ansicht vor allem tzur Erstarkung deutschen Sinnes bei­tragen sollte. Es konnte nicht fehlen, daß derartige Worte und Gesinnungen dem damaligen Zwingherrn Teutschlaitds zu £ breit kamen und von diesem nut Feindseligkeit vergolten wurden, einer Feindseligkeit, die sich bis tzn der Drohung verstieg:Wer I) i n#» b c r t m i ch, diesen Prinzen erschießen zu lassen?"

Die Sinnesrichtung der Wittelsbacher Thronerben mar so sehr er zeitlebens der Formenschönheit des griechischen und rö­mischen Altertums zugetan mar vor allem begründet in echter Liebe zum deutschen Volkstum, in Begeisterung für die Glanzzeiten der deutschen Geschichte und in der Freude an dem reichen 5dmtu! deutschen Gemütes, deutscher Kunst und Kultur. Voll Empfänglich- keit und Bewunderung für die zeitgenössischen deutschen Dichter­heroen, einen Schiller und Goethe, teilte er doch nicht die weit* bürgerliche Richtung ihrer Literaturveriode: er berührte sich viel­mehr gerade in seiner Betonung des Deutschtums innerlich viel» fach mit jener jüngeren Strömung, die eben damals ein tieferes Verständnis für geschichtliches Werden und Wachsen, die Wieder­belebung religiösen Sinnes und eine höhere Anschauung von den Pflichten gegen das Vaterland anbahnte. Aus ähnlichen geistigen Quellen schöpfte auch der nationale Aufschwung, der unter dem härtesten Druck der Fremdherrschaft im Norden Deutschlands, in Preußen ckttsetzte. Hervorragende Männer, aus verschiedenen deutschen Ländern stammend, ausgezeichnet durch seltene Gcistes- und Willensstärke, arbeiteten zusammen an dem Wiederaufbau Preußens und seiner Wehrkraft: alle Volkslräste wurden zu dieser Ausgabe aufgeboten.i Drüber als viele gehofft und gedacht, brach die Zeit der Entscheidung an. Roch beim Auszug Napoleons gegen Rußland hatte fast ganz Europa dem Franzosenkaiser Heercsfolge leisten müssen. Ter Untergang der großen Armee auf den russi­schen Schncefeldern brachte dem Bau der Napoleonischen Weltherr­schaft die erste schwere Erschütterung, ließ den unterdrückten Völ­kern die schließliche Zertrümmerung dieses Baues nicht mehr ui> möglich erscheinen. Von Preußen leuchtete das Feuerzeichen zur Erhebung auf. Herrlich, viel'und doch nie genug gepriesen, waren der Lpsermut und die Opferwilligkeit, die das ganze Volk, jung

verkamen. Freilich großen Vorteil haben die Räuber zumcisi nickst von ihrer Beute, denn man verfolgt sie sehr eifrig, uno durch die strenge Ans fuhr kontrolle, die ein eigens vorn Staat eingerichtetes Bureau unter der Leitung des tüchtigen Giovanni Poggi ausubt, ist es ihnen nicht möglich, die Kunstsck'ätze ins Ausland zu bringen, ja wiro es ihnen sehr erschwert, sie im Jnlanv zu DmoerlLit. Tie italienischen Gerichte jedock) bestrafen solche Diebe häufig nicht energisch genug. Wie sich erst jüngst wieder bei der Verhandlung gegen die dicbe der Madonna della Stella von Fra Angelico ziigte. Dr. Walter Bombe, der im Cicerone einen inhaltsreichen Aufsatz über die jüngsten Kunstdicbstähle^n Italien vcröfsentlickst, knüpft an diesen Fall seine Betrachtungen an Einbrecher warm ist das Museo di S. Maroc cingebrungen und hatten das Nwrtvolle Mcisterwert gestohlen: beider Gerichtsverhandlung aber kam es zu einem Komvromiß, so dast nur die am schwersten Belasteten verurteilt wurden. Im Mai hatte das wenige Tage vorher eröffnete Museo Bandini außerhalb der offiziellen Zeit Besuch erholten, und dabci warm drei Beider vcrsckpvunden, eine Madonna au3 der Werkstatt Fra Angelicos, eine Tafel von Andrea di Giusto und ein byzantinisches Bild Johannes des Täufers. Die gestvhlrnm Bilder wurdm aber auf etwas mysteriöse Weise von dec Polizei auf dem Zentralbahn Hof beschlagnahmt, wo sie als Gepäck in Ver­wahrung gegeben worden warm. Warm hier nur wenig bedeutmoe Werke geraubt worden, so gilt das Gleiche von den DiÄstäcsten in bet Kirche S. Frediano in Lucca, wo die Verbrecher die bost- baren Ehorbücher unberührt ließen, und im Dom von Pistoja, wo sie nur zwe-i silberne Statuetten mitgehm hießen. Andern Ticben wurde ihre Deute rasch wieder abgejagt. So konnte man die in S. Maria in Trastevere -u Rom gestohlene schöne Bellineske Madonna von Benvdetto Diana in Florenz mit Beschlag belegen. Der Räuber eines Bronzekreuzes aus der Kirche San Bartolomeo in Pistoja warf seine Beute ins Feld, nachdem er die Ehristus- figur vorher abgelvst hatte. Aehnlich entledigten sich anocre Diebe ilftes Raubes. Sv ließen die Verbrecher, die die Aauilvtti Ghi- bertis am Johann estabernakel von San Michele ent­fernt hatten, die Kunstwerke durch einen Boten der Florenttner Expveßgesell'chaft wieder rurückbringen: dik Diebe der schönen ehernen Statue des Papst Julius III. von Vincenzv Danti in Perugia legten wenige Tage nach der Ent­deckung ihres Verbrechens die Beute in einem Garten dickst an der Stadtmauer nieder, wo sie alsSald aufgefunden wurde. Die jüngsten Untaten der Räuber von Kunstwerken, die Italien in Auftegung versetzten, sind die ,'ostematischen umfangreichen Diebstähle, die anscheinend sckwn feit Jahren im Dom zu Castelfranco ausgefühtt wurden und Gegenstände von sehr hohem Wert, zumeist Kirchen* aewänder umfasse", und dann der Diebstahl der hcioen Tiepolo- Bildcr, die aber rnzroifchen in Mailand roiebrrgefunbai wurden.