Ausgabe 
23.6.1913 Erstes Blatt
 
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Patrouille von 15 Mann v-vn da herab und wandte sich gegen die griechischen Vorposten, die sich verteidigten. Eine Weitung Serben [am den Griechen zu Hilft: sie wurdc^von den Bul­garen mit Schüssen empfangen und ein ferbifrf?cr L-ergeant wurde dabei verwundet. Tic Griechen l-atten keine Verluste. Schlreß- lich zogen sich die Bulgaren zurück, ihre Verwundeten nntnehmeno.

Der Wehrbeitraa und die Heranziehung der Einkommen.

Berlin, 21. Juni. In parlamentarischen Kreisen verlautet, wie das Walfische Bureau mitteilt, daß die Vor­besprechungen der bürgerlichen Parteien über die Frage der Heranziehung des Einkommens für die Zwecke des Wehrbeitrags dazu geführt haben, die in erster Lesung beschlossene Kapitalisierung der Einkom­men fallen zu lassen, und Einkommen von 5000 Mark aufwärts zum Wehrbeitrag heranzu­ziehen. Wie hoch dabei die Sätze genommen werden müssen, und in welcher Art die Staffelung erfolgt, ist noch Gegenstand von Berechnungen. Der Gesamtertrag aus der Heranziehung der Einkommen soll 80 Millionen betragen.

Die Reise der Kaifers.

Hannover, 11. Juni. Der Kaiser traf um 6V2Uhr im Automobil auf der Vahrcnwalder Heide zur Besich­tigung des Königs-Ulanenregiments ein. Nach dem Abreiten der Frönt erfolgte ein Parademarsch, sodann ein Gefechtsmarschieren, das eine Stunde dauerte. Der Uebung wohnte and) der .Kommandierende Generäl v. Em- mich 'bei. Der Kaiser hielt Kritik ab und führte das Regi­ment durch die Stadt zur Kaserne. In der Stadt bildeten Truppen der Garnison und der Kriegerverein Spalier. Vor der Kaserne stand der Verein ehemaliger Königs-Ulanen. Der Kaiser nahm nochmals einen Parademarsch des Regi­ments und dann der gesamten Garnison ab und nahm dann militärische Meldungen entgegen. An dem Frühstück, das das Offizierkorps des Regiments gab, nahmen der Kaiser und Prinz Waldemar teil. Der Kaiser kehrte kurz vor 11 Uhr aus der Ulanenkaserne ins königliche Schloß zurück und fuhr um ll/4 Uhr mit der Kaiserin im offenen Auto­mobil mit Gefolge nach Celle.

Hamburg, 21. Juni. Das Kaiserpaar ist kurz nach 4 Uhr nachmittags im Automobil hier eingetroffen. Sie nahmen an Bord der ,T>öl)enzollern" Wohnung.

Hamburg, 22. Juni. Kurz nach 3 Uhr traf das Kaiserpaar bei Horn im offenen Vierspänner ein und fuhr über das Geläuf vor der Kaiserloge vor, die mit blühenden Gewächsen reich, geschmückt war. Die Majestäten wurden empfangen von den Bürgermeistern Schröder und Predoehl sowie vom Vorstand des Hamburger Renn- klübs mit Max Schinckel an der Spitze. Sie sahen zunächst dem Rennen um die silberne Peitsche zu, dann folgte der Große Hansapreis, alsdann das Kaiserin-Auguste-Viktoria- Jägdrennen um den Ehrenpreis der Kaiserin. Erster wurde Leutnant Graf Hvlck, der mit 27'., Längen sicher gewann. Holck wurde in die Kaiserloge geehrt und empsing aus der Hand der Kaiserin den Preis. Um 43/4 Uhr verließen die Majestäten die Rennbahn und begaben sich nach dem Dammtorbahnhof. Um 51/» Uhr reiste die Kaiserin nach der Wilidparkstation, wo sie abends 10.33 Uhr ein trifft. Der Kaiser geleitete die Kaiserin zum Zuge.

Stuttgart, 22. Juni. Der Kaiser hat dem Verein Naturschutzpark" aus dem Dispositionsfonds 50000 Mk. für die beiden in Deutschland geplanten Naturschutzparke be­willigt.

Aus StcrSt srnS Cand«

Gießen, 23. Juni 1913. Sommersanfang.

Am 22. Juni, vormittags um 2 Uhr 10 Minuten, trat die Sonne aus dem Kalenderzeichen derZwillinge" in das desKrebses" über, ihr wahrer Stand am Himmel ist zu dieser Zeit Rektaszension 6h 0m und Deklination23 0 27', d. h. auf der Grenze der SternbilderStier",Zwillinge" undOrion" nahe nordwestlich vom Sterne Eta derZwillinge". Sie hat damit in ihrer scheinbaren Jahresbahn die größte nördliche Abweichung vom Aequator erreicht und beftndet sich in ihrem scheinbaren Stillstände, dem Solstitirckn, oder im Wendepunkte, der Sommersonnenwende. Von nun an nimmt ihre nördliche Deklination wieder ab, wird am 23. Sep­tember, wenn die Sonne den Aequator überschreitet, gleich 0 und daraus südlich. Im Augenblick des StolstitiumS nimmt auf der nördlichen Halbkugel der Sommer seinen Anfang, der 22. Juni ist zugleich dec längste Tag, dessen Dauer durch die sehr lange Morgen- und Abenddämmerung noch erheblich ausgedehnt wird. An allen Orten nördlich de§ Parallels von 480 32', der nahe von Straßburg i. Els. liegt, werden die Nächte um die Zeit des Sommersanfangs infolge der mitternächtigen Dämmerung überhaupt nicht dunkel, und an allen Orten nördlich des Polarkreises geht zur Zeit des Sommcrsolstitiluns die Sonne um Mitternacht nicht unter, dort leuchtet die Mitternachtsonne.

** Tageskalender: Trinkerfürsorge st eile für Stadt und Landkreis Gießen, Gießen, Asterweg 9. Sprechstunde: Jeden Dienstag abend von 67,-8 Uhr.

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** Vom Hofe. Prinzessin Marie zu Solms-Lich ist am Freitag abend 6/2 Uhr mit dem Erbgroßherzog und dem Prinzen Ludwig im Auto im Jagdschloß Wolfsgarten ein­getroffen. Der Großherzog ist Samstag vormittag 6 Uhr 53 Min. mit Gefolge in Frankfurt eingetroffen und begab sich hierauf im Auto nach Jagdschloß Wolfsgarten.

" S t a d t t h e a t e r Gießen. Auf die zweite Operetten- aufführung am morgigen Dienstag, die OffenbachsSchöne Helena" bringt, sei ganz besonders hingewiesen. Die erste Operettenalifführung hatte bereits den Beweis erbracht, daß Direktor Steingoettec in diesem Sommer über ein ganz vor­zügliches Personal verfügt; als Paris wird nun auch der erste Tenor Herr Karel Gottfried vom Stadttheater in Mainz der am vergangenen Dienstag nicht beschäftig war seine hervorragenden Fähigkeiten als Sänger und Schauspieler zeigen können. Die Inszenierung, geleitet von Herrn Ferdinand Ähnelt vom Bremer Stadttheater, wird zu­nächst die Absichten Offenbachs zum Rechte kommen lassen, dann aber auch einige Anregungen benützen, die die viel­besprochene Einrichtung von Professor Max Reinhardt gebracht hat. Zu dieser Vorstellung gilt der zweite Ecmäßigungs- fupon, und auch die Herren Studierenden genießen ermäßigte Preise

"Auszeichnung eines Gießener Künstlers. Dem Musikmeister Ernst Krau ße im Grend.-Rgt. Fr. W. II. (1. Schles.) Rr. 10 in Schweidnitz wurde vom Erbprinzen Bernhard von Meiningen die goldene Verdienst­medaille des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens verliehcu. Die Auszeichnung ist für Herrn Krauße um so ehrender, als er dem Regiment erst seit anderthalb Jahren als Musikmeister angehöct.

" Der Mitteldeutsche Sängerverband hielt im Hotel Viktoria eine Sitzung ab und stellte dabei die Fest­ordnung für das am 3. August in Butzbach stattfindende Verbandsfest auf. Von den Bundesvereinen werden fast ausschließlich vaterländische Volkslieder vorgetragen werden. Mit dem Verbandsfcst ist das 75. Stiftungsfest des Verbands- vereinsOrpheus" vereinigt.

** Automobilunfall. An der Kreuzung der Süd- Anlage und der Frankfurter Straße ereignete sich gestern abend ein Automobilunfall, der glücklicherweise ohne schlimmere Folgen blieb. Als gegen */212 Uhr ein hiesige? Automobil aus der Süd-Anlage in die Frankfurter Straße einbiegen wollte, gewahrte es ein von der Alicestraße her kommendes Autoinobil, das die falsche Straßenseite benutzte. Um den drohenden Zusamnienstoß zu vermeiden urid viel­leicht noch Einfahrt in die West-Anlage zu gewinnen, riß der als sicherer Fahrer ivohlbekannte Führer die Steuerung herum. Der verfügbare Platz war aber zu beschränkt und das Aiito stieß gegen die Mauer. Merk­würdigerweise wlirde der Wagen kaum beschädigt; auch die Insaffen kamen mit dem Schrecken davon und koiinten ihre Fahrt fortsetzen. Wie uns noch berichtet wird, ist das Auto­mobil, das durch die Benutzung der falschen Seite des Straßendammcs das Unglück verschuldete, ebenfalls ein Gieße»,er Gefährt.

Landkreis Gießen.

-ft Großen-Linden, 23. Juni. Hier wird seit Freitag ein älterer Mann, der I. G., vermißt. Er war - nletzt in seinen Arbcitskleidern gesehen worden.

Garbenteieb, 22. Juni. Ter heutige Gesangs- w e t t st r e i t, der aus Anlaß des 3 5jährigen Stistnngs- festes des GesangvereinsFrohsinn" stattfand, hatte folgendes Ergebnis : _4. K l a s i e n s i u g e n : K l a s s e I. 1. Preis mit 2o8 Punkten Llederlust-Enkheim, 2. mit 260 P. Eintracht-Steinberg; Klasse II.: 1. mit 241 P. Liederkranz-Pohl-Göns, 2. nut 239 P. Edelweiß-Ostbeim bei Hanau, 3. mit 235 P. Germania-Watzen­born : Klasse III: 1. mit 234 P. Sängerlust-Rückingen, 2. mit 231 P. Frohsinn-Büdesbeim; Klasse IV: 1. mit 229 P. Einheit Allcndori-Lahn, 2. mit 223 P. Germania-Hausen, 3. mit 218 P. Sängerlust-Garnbach. B. Im Ehre npreis-Wettsin gen blieben Sieger: Klasse 1: mit 123 P Liederlnst-Enkheim, Klasse II: mit 122 P. Edelweiß-Ostheim, Klasse III mit 120 P. Frohsinn-Büdesheim, Klasse IV mit 115 P Einheit-Allendors- 2(ihn. Ans Anlaß des Festes stifteten die Frauen und Jung­rauen dem Verein einen Fahnennagcl.

Kreis Büdingen.

l. Ober-Widöersheim, 22. Juni. Das Bezirks- c ft des Kriegerverbands-Bezirks Nidda fand heute )ier in Verbindung mit der Ueberreichung der Kaifer­ch leise an den hiesigen Kriegerverein statt. Es waren acht­undzwanzig Kriegervereine aus der oberen Wetterau erschienen. Ehrenreiter, Feshnngsrauen und Schulkinder eröffneten den Fest­zug, dann folgten die Veteranen, der Bezirksvorstand, der Re­gierungsvertreter und der Hafsia-Vertreter. Der Vorsitzende Eckel begrüßte die Vertreter und Kameraden. Die Festrede hielt Pfar­rer Brill. Die Ueberreiämng der Kaiserschleife erfolgte durch den Kreisamtmann von Büdingen. Die Glückwünsche der Krieger­kameradschaft Hassia überbrachte Bürgermeister Ritter-Laubach, während Lehrer Jung-Ober-Mockstadt für den Bezirk Nidda sprach.

Kreis Lauterbach.

Lauterbach, 22. Juni. Die Feier des 25jährigen Negierungsjubiläums des Kaisers fand heute statt. Eingeleitet wurde die Feier durch einen Vormittags-Fest­gottesdienst. Nachmittags fand ein Festzug statt unter Teil­nahme der Behörden, Schulen und Vereine. 9(uf dem Turn­plätze hielt zunächst Hauptlehrer Kinkel eine Festrede, worauf abwechselnd Vorträge von Gesangvereinen und der Musik­kapelle folgten. Die Schuljugend vergnügte sich bei Preis- pielen verschiedener Art. Abends fand ein Festball in der Turnhalle statt.

Kreis Schotten.

---Breungeshain, 21. Juni. Da der seitherige Bürgermeister Heinrch Fuchs wegen Gesundheitsrücksichten eine Wiederwahl ablehnte, wurde deffen Sohn Otto Fuchs einstimmig zum Bürgermeister gewählt.

Kreis Friedberg.

r. Bad-Nauheim, 22. Juni. Die Jubelfeier des Ort s- gewerbeverrins, der im Jahre 1888 gegründet wurde, nahm einen sehr schönen Verlauf. An dem am Samstag abend abgehaltenen Festkommers beteiligten sich nebenunseren Ein­wohnern auch zahlreiche Kurgäste. Die heute vormittag in der Turnhalle abgehaltene akademische Fleier vereinigte die auswärtigen Gäste, Vertreter der Behörden und befreundeten Ver­eine. Ms Vertreter des Ministeriums war Gewerbeschulrat Meyer- Darmstadt erschienen. Den Kreisrat vertrat Assessor Döbel, die Stadt Bürgermeister Dr. Kayser, die Hand­werkskammer Syndikus E n g e l b a ch , die größtenteils in län­geren Ausführungen die Glückwünsche ihrer Behörden überbrachten. Von den Vertretern der auswärtigen Vereine wurde Professor Krausmüller-Giehen besonders freundlich begrüßt. Er­hebend war der Augenblick, als die Vertreter der hiesigen Vereine Bürger- und Stadtverkehr, Detaillisten, Frohsinn, Bäcker-Innung, Zitherllub, Coneordia ufw. ihre Spenden zum Baufonds einer Gewerbeschule darbrachten. Die Spenden zu diesem Baufonds laufen überhaupt sehr zahlreich ein. Die ganze Feier war übrigens durchweht von hoher 9lnerkennung für den Vorsitzenden, Schlosser- meister Knipp, der dem Vorstand seit 25 Jahren ununter­brochen angehört. Die mit dem Jubiläum verbundene Ge­werbe-Ausstellung ist sehr hübsch ausgefallen und bietet ein übersichtliches und geschmackvolles Bild heimische Gewerbe­steißes. Unter Führung des Herrn Prof. Dr. Stark be­t'lichten heute etwa 40 Studenten der Universität Heidelberg unseren Badeplatz und besichtigten eingehend unsere Bade-Ein- richtungen und Anlagen. Am Abend folgten die Herren einer Einladung der Kurverwaltung.

Starkenburg und Rheinhessen.

WormS, 23. Juni. Gestern nachmittag 23/4 Uhr wurden an einem Eisenbahnübergang in der Stadt die 39jährige Frau Kleber aus Weinheim und ihre 10 Jahre alte Pflege­tochter von dem Zuge 518 erfaßt und auf die Seite geschleu­dert. Die Frau erlitt schwere Verletzungen am Kopfe und ivar sofort tot. Das Kind starb bald darnach. Der Un­fall ist auf unberechtigtes Oeffnen der Schranken zurück­zuführen.

Hessen-Nassau.

W. Langenschwalbach, 21. Juni. In der heutigen zweiten Sitzung des nassauischen Städtetages wurde zum ersten Vorsitzenden Oberbürgermeister Voigt-

Frankfurt (Main), zum zweiten Beigeordneter Körner- Wiesbaden, ferner Oberbürgermeister Vogt-Biebrich und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Neil- Höchst wiedergewählt. Der nächstjährige VerbandStag soll in St. Goars­hausen stattsinden, im Jahre 1915 auf Einladung des hessischen Städtetages zusammen mit diesem in Marburg.

vereNlsnachrtchten.

** Lose Vereinigung ehern. 116er. Samstag pbenb fand im großen Saal von Textors Terraste die Abschiedsseier der losen Vereinigung ehern. 116er statt. Trotz des ungünstigen Wetters hatten sich viele Kameraden mit ihren Damen eingehmben. Nach der Begrüßungsansprache des Obmannes A. Dickorö ergriff Ober- Postschafslwr Frees das Wort und hob die Verdienste des Herrn Dickorö hervor. Ihm habe inan die Entstehung der losen Ver­einigung zu verdanken und er allein habe sie aus eine solche Höhe gebracht. Er schloß mit einem Hoch aus Herrn Dickord, dem ein wertvolles Geschenk überreicht wurde. Ter Gefeierte dankte in herzlichen Worten. Wesentlich zur Unterhaltung trugen die Herren Stounnel und Alired Keller uni) ganz besonders Dntteleu, der als Grotesk-Komiker auftrat, bei. Die Geschwister Schadeck sorgten in liebenswürdiger Weise für die Musik. Die Kameraden be­gleiteten Herrn Tickorö nach Hause und brachten ihm ein Ständchen.

Meisausschuh öes Kreifes Sichen.

Gießen, 21. Juni.

In der heutigen öffentlichen Sitzung kamen unter dem Vorsitze des Regierungsrats Dr. Merck zur Verhandlung:

1. Erweiterung des Wasserwerks der WassergenossenschaftG l ü ckauf" (umfassend die Gemeinden Lollar, Mainzlar und Dau- bringe n).

Die Was.sergcnossenschaftGlückauf" beabsichtigt, durch Fassung und Ableitung der Quellen auf den Grundstücken Flur VIII Nr. 57, 60 und 63 der Gemarkung Mainzlar ihr Wasserwerk zu erweitern, um auch bei d-urch Trockenperioden verursachten schlechten Wasserverhältnissen die angeschlasse- ncn Gemeinden ausreichend mit Wasser versorgen zu können. Gegen diese geplante Wasserwerkserweiterung hat während der gesetzlichen Einwendungsfrist der Mühlenbesitzer Hein­rich Christ auf per Holzmülfte bei Lollar durch seinen Ver­treter, Rechtsanwalt Leun zu Gießen, Einwendung in Ge­mäßheit der Novelle ßum Bachgesetz vom 15. Juli 1208 erheben lassen. Da die in Verfolg dieser Gesetzesnovelle versuchte gütliche Einigung ergebnislos verlaufet! ist, muß über die Einwendung, in der beantragt wird, die Wasser­genossenschaftGlückauf" zur Zahlung einer Entschädigung von 1000 Mark an den Mühlcnbesitzer Christ zu verurteilen, im verwaltungsgerichtlichen Verfahren entschieden werden. Nachdem die Parteien in der heutigen Verhandlung zur Sache gehört worden waren, hat der Kreisausschuß folgen­den Beweisbeschluß Zerlassen: Es soll Beweis erhoben werden, ob und in welchem Unifange durch die Quellenanlage der WassergenossenschaftGlückauf" bei Mainzlar eine Schädi­gung der Holzmühle bei Lollar cintritt durch Vernehmung der Sachverständigen Stadtbauinspektor Sprengel zu Offen­bach a. M. und Mihlcnbesitzer Brauer zu Nieder-Oflerden.

2. Gesuch des Johannes Stein zu £id) um Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft. Tas Gesuck) wurde bereits int Beschbußverfahren von dem Kreisausschusse mangels Nachweises eines Bedürfnisses ab­schlägig beschieden. Gygen den abschlägigen Bescheid hat der Gesuch stell er durch feinen Vertreter, 9kechtsanwa.lt Sand­mann zu Hungen, fristgerecht mündliche Verhandlung vor dem Kreisausschusse beantragt, die heute stattfand. Nach Vernehmung einiger Zeugen, die der Vertreter des Gesuch­stellers zur Beweisführung geladen hatte, sowie nach An­hörung des Gesuchstellers, seines Vertreters und des zur AuskinrfterteÄung geladenen Bürgermeisters von Lich er­kannte der Kreisausschuß zn Recht, daß das Gesuch als urr- begründet kostenfälbig abzulehnen sei.

§ran!furter Regatta.

F. C. Frankfurt a. M., 22. Juni.

Prächtiges Wetter, gute Wasserverhältttisse, hervorragender Sport, Massenbesuch. Unter diesen Zeichen verlief der heu tige erste Tag der Frankfurter Regatta. Entgegen dem Vor­jahr können in kiefern Jahre die Wettkämpfe miet)er auf der historischen Bahn zwischen der Gerbermühle und der Obermain­brücke vor sich gieren. Doch hat sich das Gesicht der Strecke wesentlich verändert. Auf dem rechten Maiimfer, der Frank­furter Seite, zeigen sich an Stelle der grünen Wiesen und Felder Hafenanlagen und mächtige Jnduftriegebäude. Eine über die Rennstrecke führende Eisenbahnbrücke bringt Ähnlichkeit mit der Mainzer Bahn. Die Rennen waren durchweg gut bestritten und an Technik, Kraft und Ausdauer mürbe Hervorragendes geleistet und gezeigt. Ein Skuller von Klasse zeigte sich gleich im ersten Rennen. R. Piez front Mainzer R uderv ereiN konnte dies in überlegenem Stile für sich buchen. Das in­teressanteste Rennen bildete der Verbandsvierer. Hier stellten sich der Mainzer Ruderverein,Sturmvogel" Leipzig unbGras- hopper-Club" Zürich dem Starter. Vom Start ab führte Main-;, die ^Führung bis 1000 Meter haltend. Dort gingOttashopper" energisch vor und schlug den Kaiser-Vierer der Mainzer, der für die Henley-Regatta in Aussicht genommen, unter allgemeinem lebhaftem Beifall überlegen mit etwa vier Bootslängen. Ten Staatspreis holte sich der vorzüglich zusammengespielte Jung- mannentnercr des Mainzer Rudervereins, das Rennen von Beginn führend. Mit seinen Gegnern spielte der Slüller der Hanauer Hassia, Karl Vantravers. Tie Ruhe der Essener brachte ihnen im Preis von Frankfurt a. M. (Vierer) nach schönem, geschlosse­nem Rennen den Sieg über den LeipzigerSturmvogel". Die MannheimerAmieitia" sicherte sich den mit 13 Nennungen besetzten Staatspreis für Junioren im Achter. Als zweiter Preis ging der Präsidenten-Preis über die Grenze; derCercle be§ Rögates" Brüssel errang ihn, Ordern er allein im Toprckzweier über die Bahn ging. Zum zweiten Male wurden die Mainzer fron den Zürichern im Preis vom.Main geschlagen. Im letzten Rennen, dem Heyter-Preis,Achter, sollte es leider zum zwei­maligen Start kommen. Ein zweiter Protest wurde etwa 200 Me­ter vorm Ziel wegen Anfahrens durch die Mainzer Rudergesell« schäft erhoben. Die Mainzer Rudergesellschaft undAleinaui'i" Karlsruhe fuhren das Rennen zu Ende, das von Mainz mit Luftkastenlänge gewonnen wurde. Auf den eingelegten Prottlt wurde entschieden, das Rennen morgen erneut auszufahren. In keinem der Rennen konnten sich die Frankfurter gastgebenden Vereine als Sieger zeigen, auch am morgigen Tag haben die Frankfurter schlechte Aussichten.

Die Ergebnisse der heutigen Rennen im einzelnen waren:

I. Begrüßungspreis. Einer für Juniors. 1. Mainzer Rudervereiir (R. Piez) 7:28, 2. Ulmer RuderllubDonau" 7:39, 3. R.-V.Sturmvogel" Karlsruhe 7: 39-/s, 4. Mannheimer R.-V- Amieitia". Piez führt vom Start und getoinnt nach Belieben. Scharfer Kampf um den zweiten Platz. II. P r e i s v o m 5 a a l - Hof. Vierer ohne Steuermann. 1. Offenbacher R.-G.Undine" 6:41V.5, 2. Frankfurter R.-G.Germania" 6:4973. Frank­furter R.-G.Sachsenhausen" nach Kollision mitGermania ausgeschlossen. Nach kräftigem Endspurt sicher gewonnen. HL Preis des Deutschen Ruder-Verbandes. Blerer. 1. Graßhvpper Klub Zürich 6:327s, 2. Mainzer gkuder-Verein 6:437s, 3. R.-V.Sturmvogel" Leidig 6:507... Sicher ge­wonnenes Rennen. IV. Staatspreis. Vierer für Jnnroren., 1. Mainzer Ruder-Verein (O. Korsinann, H. Thum, I. Fremersdorf, St.: H. Kalkhof) 6:.57%, 2. Kasteln M)CC-

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