Ausgabe 
22.7.1913 Zweites Blatt
 
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Meteorologische Beobachtungen der Station Eichen.

arbeit der

Wetter

L 6

5-Eg

Juli

16,4

13,3

12,4

tut gut, sich von Zeit daran zu erinnern, daß

Sonnenschein

Bed. Himmel

17,1 0.

10,3 6 d.

SW

SW

SW

Man

zu Zeit

Juli

1913

748,9

748,9

747,8

Denkmal, das die naturgetreue Abbildung des in der Siegesallee in Berlin ausgestellten Denkmals ist.

In Pillau Kaiser der Stadt statt. General von

8S5

Kleine Tagerchronik.

sand am Samstag die Einweihung des vom geschenkten Denkmals des Großen Kurfürsten Kluck, als Vertreter des Kaisers, übergab das

als Portier unb KeKner sein Brot verdiente, die Tochter jenes Hoteliers kennen gekirnt und hatte, nachdem ihm die Familie des Hoteliers sogar eine Ausbildung lxrtte zuteil werden lassen, die Tochter geheiratet. Das in ihn gesetzte Vertrauen hat er nun dadurch gelohnt, daß er einen Teil' des Vermögens seiner Frau an sich genommen hat und damit wie mit dem Automobil München verließ.

* Ein Kampf mit Wegelagerern. Im Walde bei Oberschöneweide sind zwei Kaufleute aus Berlin überfallen, worden. Sie fuhren auf ihren Zweirädern ahnungslos die Chaussee entlang, als .plötzlich zwei Strolche, die sich int Chausseegraben verborgen gehalten batten, auf sie zustürzten und sic von den Rädern farunterrissen. Tic Wegelagerer vernichten, den Radlern die Maschinen zu entreißen. Es entstand ein er­bitterter Kamps, dem erst die Dazwischenkunft eines mit mehreren, Personen besetzten 'Zbrtonuybils ein Ende machte. Als der Chauffeur bremste, ergriffen die Strolche die Fluckst und entkamen in den Wald.

ein wahrer Basar des Todes. Was Menschen tragen oder ge­brauchen, alles, alles findet man hier, Papiersetzen und yiotiz- bücher, Hemden, .Kleidungsstücke, Unisormabzeichen, Säckel, Fla- fefoen, Töpfe, Kissen und Tücher, ja sogar Spielkarten. Und zwischen all dem liegt noch der Same, der diese trostlose Ernte reiben ließ, Geschosse und Geschoßsplitter. Tie Rickching des Rückzuges, der Weg der Flucht hebt sich deutlich ab: er ist von Schuh- werk besät, von Stiefeln und Strümpfen, die die Flüchtenden ab streiften und liegen ließen. Aber das Bild der Verwüstung endet nicht mit dem Schlachtfelds, es setzt sich fort nach allen Seiten. Stundenlang kann man der Rückzugslinie folgen: unb, überall stoßt man auf menschenleere, niedergebrannte Dörfer, selbst Felder und Bäume wurden den Flammen ausgeliefert. Und das setzt sich fort, Meile um Meile, Landschaft um Landschaft, bis hinauf gegen Strumnitza.

Hier, in dem weißen Städtchen mit den roten Dächern, suchen die Flüchtenden Asyl, Frauen, Kinder und Greise mit kleinen Handkarren oder Eseln und man scheut sich, diesen jetzt heimatlos und besitzlos gewordenen Menschen ins Äuge zu schauen, denn auf allen Mienen liegt der gleiche Ausdruck dumpfer, trostloser Ver­zweiflung, von der der Fremde weiß, er kann sie nicht lindern . . .

dem Baukontv verrechnet, wie cs nach Ansicht des Vorsitzenden wohl richtig gewesen wäre, sondern auf das Geschäsiskonto. 1

Bauunternehmer Martin Abermann bekundet, er wisse bestimmt, daß Joseph Herz seinerzeit den Ortsgerichtsmann Troß itt sein Haus bestellt habe. Ter Zeuge, der'den Bau für Borugässer auSsühren sollte, nxtr bei den Abmachungen, die dieser mit Herz getroffen hat, teilweise zugegen. Herz hat dabei versprochen, das Daugeld zu igdben. Es war auch abgemacht, daß der Rest für den Bauplatz bis zur Regelung der 2. Hypothek stehen bleiben solle. Nachher sei aber die Bauschuld mit Wech'eln bezahlt worden. Abermann I>ot den Eckbauplatz von Herz erworben, der etwa r/z so groß, ist, als der Platz, den Borngässer erwarb, und dasüc 5000 Mark zahlte.

Daraus nimmt der Staatsanwalt Dr. Brill das Wort zur Begründung der Anklage. Leopold Borngässer, so führt er aus, habe sich in Rodheim als kleiner, solider .Händler anj, ständig ernährt: die Bevölkerung habe dem fleißigen und spar­samen Rdanne Vertrauen cntgegcngebracht, und er konnte jährlich einige Tausend Mark zurücklegen, so daß man sagen muß, Born­gässer kam langsam voran. Auf die Tauer genügte ihm aber das kleine solide Geschäft nicht, er wollte Großkaufmann werden, und selbst an id>er Börse einlaufen. Darum zog er freiwillig, nicht etwa von Herz veranlaßt, nach Gießen, und wollte hier eine Hof reite kaufen. Der Angeklagte stellt cs als sein Ver­hängnis hin, daß er mit Herz zusammengckommen ist, daß dieser ihm den teuren Bauplatz verkauft hat. Es ist sicher, daß die Firma Herz sich den Platz recht gut befahlen ließ, und an Borv gässer zu verdienen verstanden hat. Es ist auch zuzugestefau, daß die Firma Herz in der Affäre Geller unzulässig gehandelt unh Borngässer zu was bestimmt hat, was diesem heute als Betrug zur Last fällt, cs sei auch Äuzügestehcn, daß die Tätigkeit der Firma Herz nicht einwandfrei gewesen ist, aber es geht nicht an, dieser .Firma die ganze Schuld aufzubürden, die Borngässer auf sich geladen hat. Wenn der Angcllagte zu Grunde ging, so lag dies daran, daß er im Jahre 1911 ohne Mittel den kostspieligere Ban hm stellen ließ: dazu kam in jenem Jahre die schlechte .geschäftliche Lage. Diese Umstände haben Borngässer auf die schiefe Ebene gebracht. Wenn der Angeklagte damit begonnen hat, sich von den Leuten Blankowechsel geben zu lassen, und diese mit höheren Beträgen austzufüllen, als ihm die Akzeptanten schuldig waren, ist nicht festzustellcn. Es ist aber schließlich in einem solchen Umfange geschehen, daß eine große Anzahl von Existenzen im Hinterland an den Rand des Ruins geführt wurden, als die Finna Borngässer zusammcnbrach. Die Art, wie er sein verbrecherisches Vorhaben ausgcführt hat, wie er die Leute zur Vergabe einer Unterschrift auf ein Wechselformular veranlaßt hat, ist bczeiclmend. Abends spät, kürz vor Mgang des letzten Zuges ist Leopold Borngässer zu den Opfern seines Schwindels ge­kommen: er hatte Eile, ober er gebrauchte die Ausrede, er habe die Wechsel versclwieben, oder sie seien beschmutzt worden. Damit erreichte er, daß die Leute neue Wechsel annahmen., deren Beträge er dann nach Belieben ausfüllte. In einzelnen Fällen gingen die ausgeßüllten Beträge weit über die Zahlungsmöglichkeit der Bezogenen hinaus.

Dr. Brill bespricht im einzelnen die 10 Wechselfälschungen, die unter Anklage stehen, und die Fälle, in denen einfache Betrugs­fälle vorliegen. Es handelt sich in all den Fällen teilweise um bedeutende Beträge, durch die sich der Angellagtc Leopold Born­gässer zum Nachteil anderer Leute mit einem gewissen Raffine­ment bereichert bat. Hierzu kommt noch das Vergehen wegen einfachen Banker otts. Nathan Borngässer sei schuldig, in drei Fällen seinen Bruder Leopold wissentlich Hilfe geleistet zu haben: ebenso sei er des einfachen Kvnkursvergehens schuldig.

Verantwortlich für den politischen Teil I. V.: R. Lange.

Der Staatsanwalt wendet sich daim zur Strafzumessung, und weist darauf hin, daß auf Urkundenfälschung Zuchthausstrafe siehe, ivenn dem Angeklagten nicht mildernde Umstände zuzubilligen seien. Der Angeklagte Leopold Borngässer habe dem ganzen Hinterlankw eine große wirtschaftliche Schädigung zugefügt. Eine Reihe von Eristcnzen seien ruiniert und zahlreiche andere Per­sonen dadurch in Mitleidenschaft gezogen, und dafür habe der 'Angeklagte die vrdcnllicfa Strafe, die das Gesetz ausspricht, voll und ganz verdient. Ein einziger Milderungsgrund liege wohl vor, er sei immer strebsam und fleißig gewesen, aber dies wiege die Schwere der Taten, die er begangen, nicht auf. Ohne Skrupel hat der Angeklagte die Wechsel gefälscht, davon zwei mit, nicht gewöhnlichem Raffinement. Der Grund der Handlungsweise des Angeklagten war das Bestreben, sich unter allen Umständen über Wasser zu falten. Man kann ja zu dem Ergebnis kommen, daß bei den Fälschungen sowohl, wie bei den Betrugsfällcn^in gewissem Sinne je eine einheitliche Begangenschaft vorliegt. Dies zu er­messen, überläßt der Vertreter der Anllage dem Gerichtshof, und beantragt gegen L e op v l d Bv r ng ä s s er eine Gesamlzuchl- hausstr a s e von 6 Jahren und Ehrverlust auf die Dauer von 5 Jahren. Gegen Nathan Borngässer, für den zweifelsohne mildernde Umstände vorliegen, sei auf 3 Monate Gefängnis und wegen des Konkursvergehens auf eine angemessene Geld­strafe zu erkennen.

Der Verteidiger des Leopold Borngässer, Rechtsanwalt K a u f in a n n, erklärt zunächst, daß sein Klient selbst zugestehe, sich strasbar gemacht zu haben, und er wäre der letzte, der dies bestreite. Mer er müsse sagen, neben dem Angeklagten gehörten auch noch andere Leute auf die Anklagebank, die den Mann dazu gebracht fabelt, zu den Fälschungen und Be­trügereien seine Zuflucht zu nehmen. Bis zu dem Augenblicke, wo Leopold Borngässer mit Herz sich eingelassen habe, Ivar er ein ehrlicher Geschäftsmann. Dieser erblickte in ihm den Mann, dem er seinen Bauplatz mit den Ruinen des Bill darauf zu hohem Preis verkaufen konnte. Herz Vater und Svhn wollten 'als Zeugen nicht wissen, daß sie an Borrrgässer, ehe sie den Kauf­vertrag wegen des Bauplatzes abgeschlossen hätten, Baugelder ?.it 5.- Prozent Zinsen vcrzuschießcn versprochen hatten. Als die Zahlungen für den Bau fällig wurden, veranlaßte 'Herz jr. den nun einmal dreinste lenden Borngässer, Wechsel an den Unter» mchmcr Abermann zu geben, die das Bankhaus Herz'mit 11 Pröz. Zinsen diskontierte. Es war dies allerdings sür Herrn 'Herz ein lohnenderes Gcschäst, als wenn er dem Bauherrn die zu 51/2 Prozent versprochenen Batmelder gegeben falle. Vater und Sohn, beide Inhaber des Bankgeschäfts Herz, haben sich übereinstimmend als Zeugen darauf bezogen und eine Rechnung aufgemacht, wo­nach eigentlich Bvrngäsfir noch ein Geschäft gemacht habe. Die sonst -guten Rechner haben aber bei dieser Bereckmung sogar die Zinsen, die sic für die Stundung des Restkaufgeldes auf den Bauplan bekommen haben, vergessen mit in Ansatz zu bringen. Tatsächlich stimmt diese Rechnung der beiden Herz nicht, denn das Haus hat mit dctm Platz rund 95 000 Mark erfordert. Pttlßtc dock) Borngässer, um von der Rodheimer Straße 'einen Zugang zu seinem Anwesen zu bekommen, von der Stadt Gelände erwerben, wofür er rund 1000 Mark auszuwenden hatte. Selbst dasür, daß Joseph Herz bei der Stabt.für den Erwerber seines Grundstücks Bürgschaft für die Straßenkosteu bei der Stadt Gießen leistete, hat er sich Provision von Borngässer bezahlen lassen, der im übrigen an die Herzsche Dank, wie man vorn Konkurs­verwalter weiß, int Jahre 1911/1912 jährlich 8.500 Mark Zinsen und Provision bezahlt h.ir. Wie diese Parteien hiernach zueinander stand en, geht doch aus diesen Tatsacfan klar hervor.

Der Verteidiger fommt dann auf die beiden Kontos zu sprechen: Tie Firma L. Borngässer, deren handelsgerichtlich ein­getragene Inhaber beide Brüder waren, hatte ein Konto, und Leopold Borngässer, der mit seiner Ehefrau gemeinsam den Bau­platz erworben und privatim für seine alleinige Rechnaug baute hatte bei der Herzbank ein getrenntes Haus-Konto. Hierauf hätte man den Betrag, den die Landeshypothekenbank gezahlt hat, gutbringen müffen. Aber man wollte sich, nachdem man dem Manne den Bauplatz aufgehalst, nacktem man die versprochenen Baugelder zu 5% Prozent nicht gegeben, endlich aus der Affäre ziehen. Man kürzte dem Manne den geschäftlichen Kredit, auf den er angewiesen war. Borngässer konnte hiergegen nichts tun, weil ihn die Firma Herz vollständig im Sack hatte und nun kam er aus 'den unglücklichen Gedanken, sich Geld und Kredit zu verschaffen durch Fälschungen. Unb wie hat bie Firma Herz die Llbhüngigkeit des Borngässers ausgcnutzt. Sie hat chn ver­anlaßt, ihr die 4000 Mark von Geller zur Gutschrift zu über»

Handel.

Preußische Schatzaniveil ungen. Nach ber nun« mehr erfolgten Auflösung der für die im Monat Marz ausgegebenen 400 Millionen Alk. Preußischer Schatzanweisungen gebildeten lieber» nahmegruppe verbleibt den an dieser beteiligt Gewesenen noch ein Betrag von 163 Millionen Mark. Somit haben die eineinen Banken je nach ihrer Größe 4 Millionen Mark bis 12 Millionen Mark Schatzanweisungen selbst zu übernehmen; dabei ist indessen zu berücksichtigen, daß eine Anzahl von Beteiligten von Unter­beteiligungen abgesehen hat.

§. Kolonialgesellschaft Südwestafrika. Der Dor- ftanb dieser Gesellschaft wird in seiner demnächst stattfindenden Bilanzsitznng eine Dividende von 40 Proz. Vorschlägen: im Vor­jahr betrug die Dividende 35 Proz. Aus der erhöhten Tiamanten- fordernng erzielte die Gesellschaft höhere Abgaben, die das Ergeb­nis günstig beeinflußten. 1909/10 erreichte die Dividende mit 64 Proz. ihren höchsten Stand.

Arbeiterderoeauirg.

Hamburg, 20. Juli. Bei der Ortsverwaltung des Deut- chen Mctallarfaitcrvcrbandes ging heute ein Schreiben der ^Lcrftbesitzcr ein, in dem die Forderungen der Arbeiter a b g c l e h n t 1 verben. Eine Versammlung ber Jtreifenben Kupfer- chmicbe kritisierte scharf bert Standpunkt des Deut f d)en M c - tallarbeiterverbandes, der den Streik bisher noch nicht anerkannt fabc und beschloß, daß die Arbeit unter keinen Umständen eher ausgenommen werden dürfe, bis die Arbei.- geber weitere Zugeständnisse gemacht fallen.

bis 21.

, 2L

von all den Maßnahmen, die ber moderne Mensch zur Gesund- erhaltimg seines Körpers vor­nehmen muß, die richtige Pflege der Zähne beinahe die wichtigste ist. Wenige ahnen, daß schadhafte Zähne nicht nur unser Wohlbe­finden erheblich beeinträchtigen, sondern neue Untersuchungen haben das in überraschender Weise bewiesen häufig den Ausgangs­punkt mannigfachster Krankheiten bilden können, deren Ursache oft rätselhaft blieb. Als richtig kann eine Zahnpflege nur bezeichiiet werden, wenn die zahnzerstörenden Gährungs- und Fäulniserreger, die sich im Munde täglich neu bilden, auch täglich unschädlich ge­macht werden. Tas ist nur zu erreichen durch den täglichen Ge­brauch eines antiseptischen Zahnpflegemittels.

Die Wirkungsweise des Odols ist eine ganz eigenartige. Wäh­rend andere Mund- und Zahnreinigungsmittel, soweit sie sür die tägliche Zahnpflege überhaupt in Betracht kommen, lediglich wäh­rend der wenigen Sekunden der Mundreinigung ihre Wirkung aus- üben, wirkt das Odol noch stundenlang, nachdem man sich die Zähne geputzt hat, nach. Diese einzigartige Dauerwirkung ist aller Wahrscheinlichkeit nach darauf zurückzuführen, daß sich das Odol beim Mundspülen förmlich ht die Zahne und die Mundschleimhäute einsangt, diese gewissermaßen imprägniert unb so gleichsam einen antiseptischen Vorrat hinterläßt, der noch stundenlang den zahn- erstörenden Fäulnis- und Gärungsprozeffen entgegenwirkt. [C/T

Höchste Temperatur am

Niedrigste , ,

Niederschlag: 0,1 mm.

20.

20.

* Was er genießt. Leutnant:Was genießt,der brave Soldat im Frieden?" Rekrut:Brot, Fleisch, Kartoffeln . . Leutnant:Das wohl, was aber außerdem?" Rekrut: Suppe, Brei ..." Leutnant:Schafskopp er genießt die Zufriedenheit seiner Vorgesetzten und die Achtung der Zivil­personen!"

* Vergeltung.Aber so fahren Sic doch schneller, ich versäume ja den Zug!" -Geht nct, erst vorige Woche bin i um zwanzig Mark'l g'straft wor'n weg'n Schnellfahren, von Ihne, Herr Amtsrichter."

weisen. Und in welcher Weise ist dies geschehen? Herz hat sich diese Ucbcvtociiung verschafft für erst noch cinzugehenbcs Geld, obschon er mußte und wissen mußte, daß der Bellag längst ein gegangen war, er hat auch den Geller, wie dieser be­hauptet, hinter» Licht geführt. Erst als er die Anweisung von Borngässer in Händen hatte, daß er den Betrag auf seine offene Buchschulb gutschreiben durfte, hat Herz den Eingang des Gelbes und dessen Gutschrift für Rechnung Borngässer angezeigt. Weiter hat Herz cs verstanden, zu seinen Gunsten die Lage Borngässers auszunutzen. Die Deckung, die ihm Borngässer für Wechsel ge­geben hatte, die er für dessen Reclmung eingelöst hat, nickt etwa dafür verwendete, sondern ein fort) zur Gutschrift gebracht und dann den Gerichtsvollzieher veranlaßte, die schon gedeckten Wechsel im Namen und Auftrag der Rcichsbank zu protestieren.

Alle diese Tatsachen bilden dock; eine Reihe von Umständen, die sehr zu Gunsten des Angeklagten Leopold Borngässer sprechen, die bartun, daß ber Mann unfrei war als Geschäftsmann unb rein menschlich betrachtet keine Freude mehr haben konnte, an einer Tätigkeit, die ihm unb seiner Fckmili keinen Gewinn mehr brachte, weil durch eine Verkettung von Umständen dieser Gewinn in andere Taschen floß Der Verteidiger geht bann bie einzelnen unter Anllage stehenden Straftaten durch und, hebt in. jedem einzelnen Falle, in dem Borngässer beftreitet, sich strafbar ge­macht zu haben, die Zweifel hervor, die gegen dessen Schuld sprechen.

Der Mann verdiene Strafe, aber es würde eine zu harte Sühne sein, wollte man ihn ins Zuchthaus schielen. Es genüge ür das, was sein Klient gefehlt habe, eine entsprcchcicke Ge- ängnissllafe, cs seien, wie der Fall liege, so viel Gründe gc- icbcn, daß es dein Gerichtshof möglich sein wird, dem Ange­klagten Leopold Borngäsier mildernde Umstände zuzu- biliigen, wohin er seinen Antrag richtet.

Rechtsanwalt Dr. Leopold Katz, der Vcrterdrger des Nathan Borngässer, plaidicrt für diesen in längerer Rck>e auf Frei­sprechung. Wegen des Konkursvergehcns bittet tr, auf eine ge­ringe Geldstrafe zu erkennen. _

Der Vorsitzende, Landgcrichtsdircktor P r ä t 0 r 1 u s, ver­kündet, daß das Urteil in ber Sache am Freitag vormittag um 8 Uhr gesprochen wirb.

fehlen bie Türen, die Fenster siub verkohlt ober zerschlagen, unb jedes einzelne Haus gewährt einen unheimlichen, abschreckendes Eindruck mit seinen leeren, schwarzen Oeffnungen. Hin und wieder sieht man dann auf Straßen und Feldern Frauen, Kinder und Bauern, die umhcrirren und die Stätte i'ucfan, die einst ihr Heim war. Der Anblick dieser Leute ist erschütternd, sie irren über bie Felber unb völlig ratlos beginnen sie schließlich mecha­nisch irgenb etwas zu tun, nüifan Gras für Haustiere, bie nicht mehr b'a sinb ober sie slefan vor leer gebrannten Häusern und schweigen." Sein Wcg führt Saroo bann über das verlassene Schachtsekd von Kilkitsch: eine einzige weile Ställe des Grauens. Nock) sieht man zwischen Feldern unb Wiesen bie schwarzen Slrcisen aufgeworfener Erbhügel: bie Schützengräben unb Ver­schanzungen. Jrn weilen Umkreise ist bie Erbe zerfetzt und von Granaten ausgeriffen, die Geschosse hoben .Hügel getürmt und Gruben gegraben, wie erloschene Krater anzuschauen. Und über all dem ein wirres, buntes Chaos von unzähligen Gegenständen,

vermischtes.

* Die geheimnisvolle Automobilcntfüh- rung. Die geheimnisvolle Entführung eines Automobils bildete in den festen. Tagen in der bayerischen Hauptstadt das Tagesgespräch. In einer Polizeinotiz hieß cs, daß ein Automobil, Fabrikat MieW, Nr. 3076, abhanden ge­kommen sei. Das Automobil sei, so hieß es weiter, grün! lackiert, habe grüne Lederpolster, Sportcarofferie, Sechs­sitzer, graues, amerikanisches Verdeck, voMändige Aus­rüstung, zwei Scheinwerfer und zwei elektrische Augen. Für die Herbeischaffnng des Kraftwagens war eine hohe Be­lohnung zugesichert worden. Man munkelte, durch die Fasstmg tiefer Polizeinotiz verführt, bereits davon, daß es sich um die gleichzeitige Entfichrung einer hochgestell­ten Persönlichkeit handelte, bis die Pottzei sich selbst ver­anlaßt sieht, festzustellen, daß es sich um das Automobil eines hiesigen Hoteliers handelt, dessen Schwiegersohn damit durchgebrannt ist. Dieser hatte vor Jahren, als er noch^

hingen des.Völkerrechts gewesen ist.

R. Laroo, der auf den Kriegsschauplatz entsandte Korre­spondent des (Sortiere della Sera, hat jetzt eine Fahrt durch_das verwüstete Mazedonien unternommen, ist von Saloniki übet Doi- ran bis nach Strumnitza, dcni fauligen griechischen Haupchuat- ticr geeilt: und überall auf dem Wege empfingen ihn die furcht-- baren Spuren von Gewalttätigkeiten, von Feuer, Tod und Ver­nichtung. Das beginnt schon kurz nach Saloniki: unb je weiter man in bas schwer heimgesuchte Lanb rorbringt, umso entsetzlicher wirb bie Sprache ber Tatsachen. Die meisten Hauser sinb zer­stört, wo nicht bie Geschütze ihr Betnickktungswerk vollenbcteTl, walteten bie Flammen unb nur bie rauchgeschwärzten lieberrefte von Mauern erzählen noch bavon, baß hier einst bie Heim­stätten friedlicher Mcnscfan waren.Selbst die wenigen nicht zerstörten Häuser tragen die Spuren von der Vernichtungs- Flammen. Weile Risse gähnen in den Mauern, überall Türen, die Fenster sind verkohlt ober zerschlagen, unb

von ZtMn, bie Misonwalt Lache geladen haste. MWen- mil ber Firma 'Lorngaster in 00 Mark jährlich mit ihr um- Borngässer zu tun gehabt, den

)c gehalten hat. Samuel Roicu- Rosenbaum, hat die gleiche An- n einen Vertrauenslredit gegeben, Mark betragen hat. Tie Firma hll, auch ab und zu baar, seltener :n wurde auch wohl einer her cs &efd)äftä imt Leopold Stern* ifmaitn, ja sogar cm beschränkter ihm, Mach Strauß, Don ber rach einmal int Just 191- die BeihMfc nicht bc?Tt nraunM könne-, dnM Sen ri mahne M großen orngäiser übet diese Berhütmls- daß das stemdc Geld dock viel bauen. Wnbaum hak stch so gezogen, verliert aber doch noch gemeldet hat.

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Griebens Rci^cführcr, Bd. 67:Tirol und Vorarlberg", 28. Auflage. Mil 12 Karten. (Mk. 3..) Verlag Albert Goloschmidt, Berlin W. 35. Das Wertvollste eines Rcisc« buches ist seine Verläßlichkeit und Aktualität. Beides trifft bei ber Neuauflage beS soeben erschienenen Führers burch Tirol biescr bewährten Sammlung zu. Der Banb enthält wieder alles Wissenswerlc und Nötige in Bezug auf Verkehrs- und Unter- kiinftsverhältnissc, die bis auf den Stand der jüngsten Gegen­wart genauestens Berücksichtigung gefunden haben. Auch die bet Touristik gcwibmeten Kapitel siub sorgfältig revibicrl unb er­gänzt worben. Neu behanbelt würbe bie kürzlich in ihrer ganzen Länge bcm Betrieb übergebene Karwenbelbahn (Mittenwald- Sck)arnitz-Seefeld-Jnnsbruck), bie ein neues bebeulendeS Touristen- gebiet erschließt. Nebst bcm Text würben bie reichlichen karto­graphischen Beilagen um eine Karle über das Gebiet der »ar- ivendelbahn vermehrt, so daß dieser gediegene, und dabei billige Führer durch Tirol als derzeit aktuellster Reisebegleiter bet bcm Besuch bes schönen österreichischen Mpcnvorlanbes bestens empfoh­len werben kann.

(5crid)tsfaaL

Tolstois Werke vor bcm Richter.

Moskau, 20. Juli. Der Gerichtshof orbnctc on, tue ersten frei Bünbe der Werke Leo Tolltois, Verlag Gor­bunow, in benen seine llebersetzung ber vier Evangelien und die baran getniipften Erörterungen abgebruckt sinb, zu vernichten.

Eine Lahrt durch dar verwüstete Mazedonien.

Die kriegsührcnben Balkanftaatcn überbieten sich gegenseitig in telegraphischen Meldungen, in denen sie einvndcr ber furcht­barsten Grcueltaten bezichtigen. Wie parteiisch biese Nachrichten auch zugespitzt sein mögen, unziveiselfaft an ihnen i)t leib er bie Tatsache, baß das unglückliche, seit Jahrzehnten von Mord, Ge­walttat unb Banbcnkriegen so schwer heimgcsuchlc ma^boni)che Lanb in den letzten Tagen der Schauplatz grauenvoller Ausfchrn-

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Q9t Sulcfet noch gegen Äen aus 9Imprirn a- 9en 6nbe ? Ä KW . Bu. uberla»cn, unb 'er '.Geld einfach dem Borngässer als Empsangsberechtigter r, VAE steht sich heraus, Anweisung bc- Oktober dem Bankhaus- ich Eingang seinem Konto hat sich, herausgestellt, hast 'a- tür dessen Einholung die 11 50 Mark rechnete, schon en war, während der Betrag Borngäsier gutgcbracht wurde, Mr 2 Vochen dcm Bank- 1 sieht auch fcji, daß der am >ene Betrag dem Geller sowohl >rr noch als ausstehend bc-