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Nr. 65
Erster Blatt
165. Jahrgang
Dienstag, 18. Mär; M
Der Giehener Anzeiger
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Die heutige Nummer umfatzt 12 Seiten.
Leberraschungen beim Schluß Ser hessischen Lammeriagungcn.
rB1. Darmstadt, 17. März.
Es hat Mühe genug gekostet, aber es ist schließlich doch noch glücklich gelungen: Die Ausgabe nämlich, den hessischen Staatsvoranschlag für 1913 in der abgelausenen Woche endgültig zum Mschluß zu bringen und damit eine Fortsetzung der Kammertagung in der Karwoche zu vermeiden. Die Etutsberatuug hat aber in beiden Häusern noch eine nicht geringe Ueberraschung gezeitigt. In der zweiten Kammer tauchte nämlich plötzlich noch am Schluß der letzten Sitzung, nachdem,die Dissense mit der ersten Kammer erledigt waren, ein dringlicher Antrag Birauer-von Brentano auf, wonach die Regierung um Vorlage des Entwurfs eines Besoldungstarifs bis 1. Juni ds. Js. ersucht, wird, „der sich 'möglichst an die bestehenden preußischen Gehaltssätze (ausschließlich Wohnungsgeld) anschließt, ohne diese Sätze zu überschreiten."
Dieser Antrag, der auch mit erheblicher Stimmenmehrheit zur Annahme gelangte, ist wohl für die meisten Politiker innerhalb und außerhalb des Hauses ein Rätsel geblieben. Weshalb ein solches Ersuchen an die Regierung ganz im letzten Augenblick? Und was ist der eigentliche Zweck des Antrags? Abg. Brauer hat ihn zwar in der kurzen Besprechung in der Sitzung am Freitag dahin erläutert, daß er sagte, man wolle bei Beratung der Besoldungsvorlags eine Handhabe zum Vergleich der preußischen mit hessischen Beamtengehältern haben. Mau hat nun aber doch schon der vor vier Jahren erfolgten Vorlage der umfangreichen Denkschrift der Regierung zur Besoldungsreform die eingehendsten Vergleiche über die Gehaltssätze der liessischen Beamten mit denen der anderen Bundesstaaten, besonders Preußen, anzustellen Gelegenheit gehabt und man weiß, daß mau bei den Gehältern der niederen Beamten im neuen Befoldungsgesetzentwurs im aHgeincincn die preußischen Sätze erreichen wird, während die hessischen Sätze bei den mittleren Beamten und bei den höheren Beamten ganz erheblich hinter den preußischen Sätzen zurückbleiben. Wäh- ' reich aber in Preußen die Besoldungsreform schon im Jahre 1909 durchgeführt worden ist, und man dort schon daran denkt, eine neue Revision eintreten zu lassen, ist man bei uns mit der Besoldungsreform noch immer nicht recht vom Fleck gekommen, und auch der neue Antrag erscheint uns kaum geeignet, die ganze Angelegenheit in rascheren Fluß zu "bringen.
lieber die letzten Llbsichten des Antrags Brauer-v. Brentano bleibt man also zunächst nur auf Vermutungen angewiesen. Es ist ja bekannt, daß die Fraktion der Bauern- bündler und deren Führer Dr. Weber und Brauer mit vben gegenwärtigen Wohnungsgeldzuschüssen in Hessen durchaus "nicht zufrieden sind und, wenn nicht ganz ans deren Beseitigung, so^doch darauf hindrängen, daß die Wohnungsgelder für die Beamten in Stadt und Land gleichgestellt werden. Sollte diese Absicht wirklich mit dem Antrag verbunden sein, so würde er jedenfalls noch zu vielen parlamentarischen Kämpfen Veranlassung geben; denn die Unterschiede in den Wohnungsgel-dzusckstissen sind schon jetzt nur noch gering, ein Amtsrichter erhält z. B. auf dem Lande
500 Mk., während er in dem hinsichtlich der Wohnungen recht teuren Mainz 730 Mk. bezieht. Und in den Wohnnngs geldzuschüsseu liegt bekanntlich der einzige Unterschied, der in Hessen bei den Bezügen der Beamten zwischen Stadt und Land gemacht wird. Von anderer Seite hört mau aber auch die Andeutung, daß die Absicht des Antrages dahin gehen möchte, durch den Vergleich mit den preußischen Gehältern in Hessen ad oeulos zu demonstrieren, daß die in der Besoldungsvorlage für die höheren Beamten vorgesehenen Gehälter zu gering seien und ebenfalls mehr erhöht werden müßten — andere äußern dagegen wieder die Befürchtung, daß mit dem Antrag nur die Absicht verbunden sei, die ganze Beratung der Besoldungsvorlage abermals weiter hinauszuschieben.
Wir möchten nun allerdings nicht annehmen, daß der Finanzausschuß sich mit diesem Gedanken Befreunben und also erst nach der bis zum 1. Juni gewünschten Vorlage über den preußischen Tesoldungstarif an seine schwierigen Beratungen herantreten wird, obwohl ihm ja nach den starken Anstrengungen der drei letzten Monate eine längere Erholungspause wohl zu gönnen ist. Aber aus allen diesen Dingen ersieht man doch, zu welchen Kombinationen oder Befürchtungen in weiten Kreisen der Antrag Brauer-v. Brentano Veranlassung gibt, und es würde deshalb ein gutes Werk im Interesse der Allgemeinheit sein, wenn die Antragsteller sich entschließen wollten, ihrem Antrag recht bald eine möglichst klare Begründung hinzuzufügen.
Die Ueberraschung, die uns die Erste Kammer ebenfalls ganz zum Schlüsse ihrer Tagung bereitet hat, ist der von der Kammer einstimmig angenommene Antrag auf Revision des Gemeindeumlagengesetzes, das be-! fanntlid) erst am 1. April d. I. in Kraft treten wird. Tie Antragsteller verlangen vor allem, daß die in dem Gesetz enthaltene Doppelbesteuerung des landwirtschaftlichen Betriebskapitals beseitigt werden soll, und sie haben dies Verlangen auch eingehend begründet. Daß in den von den AntragMlern angezogenen Bestimmungen über die Ermittelung des Ertrags- uni) Mittelwertes Mißstände vor Händen sind und die erlassene Verordnung nicht dem Willen des Gesetzgebers entspricht, hat auch die Regierung offen zugegeben, und sie hat sich Bereit erklärt, in Verhandlungen über deren Beteiligung einzutreten. Es ist überdies ein offenes Geheimnis, daß eine Novelle z n m neuen Gemeindeumlagengesel) bereitS in Vorbereitung ist. Sobald das Gesetz in Wirksamkeit getreten ist, dürfte sich nämlich zur Gewißheit Herausstellen, daß die Gewerbesteuer nicht richtig aufgebaut ist, weil sie zum Teil kleinere Betriebe, besonders aber die Gewerbe mit großem Betriebskapital, viel zu stark zur Steuer heranzieht. Wahrscheinlich wird sich weiter auch ergeben, daß die Grundsteuer hi den Städten zu hoch gegriffen ist. Man war -ja. bei Festlegung der neuen Grundsätze für die Gemeindesteuer gesetzgebung vielfach auf Vermutungen und Voraussetzungen angewiesen, deren Konsequenzen erst durch die praktischen Erfahrungen sich näher ergeben werden. Und so kann es denn auch nicht weiter Wunder nehmen, wenn die gesetzgebenden Faktoren — sobald sich erst die Wirkungen des Gesetzes in ihren allgemeinen Zügen genauer übersehen lassen —, auch unversäumt die erforderlichen Schritte vorbereiten, um die sich in der Praxis ergebenden Härten und Unstimmigkeiten zu beseitigen.
Die Zurückweisung der Balkanstaaten.
Wie das deutsche Regierungsorgan, so geht auch die amtlich beeinflußte englische Presse gegen die übertriebenen Bedingungen der Balkanstaaten vor, und es scheint, als handelten die deutsche und die englische Regierung in vollem Einvernehmen. Tas Reuterbureau will schon den Inhalt der Antwortnote an den Ballänbund wissen; danach wird u. a. tatsächlich die Forderung einer Kriegsentschädigung, gegen die die Türkei sich beharrlich wehrt, abgewiesen.
Die „Times" schreibt: Die Erwiderung der Balkan- verbündeten an die Mächte zeigt, daß ein ft ä r ferch Druck ton seifen Euro pas notwendig sein wird, den Krieg zu beendigen. Die Erwiderung nimmt die Vermittlung im Prinzipe an, knüpft sie aber anBedingun gen, die gänzlich unzulässig sind und daher die Annahme in ihrer gegenwärtigen Form illusorisch machen. Tas Blatt nimmt Bezug auf die gewichtige und objektive Besprechung der Lage in der „Norddeutschen Allg. Ztg." und betont, daß verschiedene Bedingungen der Verbündeten derart seien, daß, wenn die Verbündeten in der Lage wären, sie der Türkei aufzuerlegen, Europa durchs seine eigenen Interessen genötigt sein würde, sein Beto dagegen auszusprechen. Natürlich, fährt die Zeitung fort, sind die Verbündeten sich dessen bewußt. Nichtsdestoweniger ist ihre Erwiderung so aufzufassen, daß sie beabsichtigten, die Vermittelung zu vereiteln. Allgemein nimmt man hier und in anderen Hauptstädten an, daß sie Vorschläge von einem realeren und bestimmteren Charakter in petto traben. Es wäre politischer und höflicher gewesen, wenn sie bereits in ihrer Antwort gesagt hätten, was sie wirklich zu bekommen erwarteten. Das Blatt nimmt an, daß die Vermittelung der Mächte den Verbündeten im Grunde nicht unwillkommen wäre und schließt aus gewissen Wendungen der Rede des Ministerpräsidenten Gcschow, daß die Verbündeten noch nickt ihr letztes Wort gesprochen haben.
Das Blatt schließt: Auf allen Seiten empfindet man, daß her Friede in Europa notwendig geworden ist. Der Krieg ist eine ernstliche Bedrohung für die guten Beziehungen der Mächte gewesen, und wenn auch! die Gefahr nicht" immer akut ist, so vermehrt doch die Fortsetzung des Konfliktes die schweren Sorgen der Minister von Wien bis London. Europa kann nicht dulden, daß seine Interessen für eine weitere Zeit von unbestimmter Dauer präjudiziert werden durch die Fortsetzung des Konfliktes, dessen grundlegendes Ergebnis unwiderruflich feststeht. Der Friede ist Europa ebenso notwendig, wie für die kriegführenden Parteien, und ebenso sicher muß Europa mit Festigkeit auf der Annahme der Vermittelung bestehen.
Dic Antwort der Großmächte an den Baltanbnnd.
Wie das Reuter-Bureau erfährt, soll in den nächsten Tagen die endgültige Festsetzung her Antwort der Mächte auf die Note der verbündeten B a l f an fta a t e n erfolgen, worauf man die nötigen Instruktionen nach den .Hauptstädten der Balkanstaaten telegraphieren wird. Nach den Vorschlägen, welche die Botschafter ihren Regierungen unterbreitet haben, und auf die in einigen Fällen schon die Zustimmung eingegangen ist, werden die Mächte in ihrer Note die 'Vermittelung zwischen den Zpriegführenden annehmen und den verbündeten Balkanstaaten ihren Dank dafür aussprechen, daß sie dem vorgeschlagenen Wege zugestimmt haben. Die Mächte werden ferner eine Anzahl Empfehlungen machen, die sich aus der Antwort der verbündeten Balkanstaaten ergeben. Sie werden Vorschlägen.
.(Siebener Stadttheater.
Andreas Hofer.
Drama von Walter Lutz.
Gießen, 18. März.
Zur Feier des Tages, an dem der preußische König vor 100 Jahren nach langem Zandern und Bangen heu Aufrus an sein Volk erlassen hat, fand gestern abend die Aufführung des Dramas Andreas Hofer von Walter Lutz statt, das zu 'Anfang des Jahres am Hoftheater zn Stuttgart zum erstenmale über die Bretter ging. Tie ergreifende Größe, dic in dem verzweifelten, in Andreas Hofer verkörperten Heldenkampf der Tiroler liegt, hat schon manchen Dichter angezogcn, aber alle scheiterten an der Schwierigkeit, die die unumgänglichen geschichtlichen -latiadjcn der dichterischen Gestaltung entgegensiellcn. Anch Walter Lutz hat diese Schwierigkeiten nicht überwältigen können,^obwohl er sich den Stoff mit geschickten. Händen und feinen- binnen zurechtgelegt hat. 9tber wenn er auch nicht gegen die Geschichte ankonnte, sy ist ihm doch ein Werk gelungen, das in diesen .Lagen heiliger Erinnerungen feinen Eindruck nicht verfehlen imrd, zumal' es beachtuugsoolle, dichterische Werte auszilweiien hat.
Wie wir schin in einer knappen Vorbesprechung erwähnten, läßt der Dichter fein Werk mit dem Einzug der i'tcgmdicit Tiroler in Innsbruck beginnen, als der Feind das Land räumte und die Freiheit gesichert schien. In diesem Augenblick kommt die Kunde, daß der Sf iser mit Napoleon Frieden gcfchlossen und Tirol an Frankreich abgetreten hat. Bon der Nutzlosigkeit der seitherigen Opfer erschüttert, unterzeichnet Hofer den Befehl des kaiserlichen Kabinetts, nm dann auf seinen Hof zuruckzukehren. Aber das Volk will den Kampf weitersühreii, null feine FreilM behaupten, und tzoser läßt sich nach harter Gegenwehr von Speckbacher und Haspiuger bewegen, das Oberkommando wieder zu übernehmen, obwohl er an der Zwecklosigkeit der ferneren Feindseligkeitcm allem Anschein nach nickst im geringsten zweifelt. Noch einmal gelingt es dem tapferen Völkchen, den Feind zu Wersen, aber mitten in den Siegesjubel hinein bricht die Kunde, daß durch den Verrat, der um ihre Heimat treu besorgten Hofers- ahne frische Truppen ans Schleichwegen herannahen. Gegen die neuen Feindesmassen kann das zusamniengeschmolzene Schutzen- häuflein nichts mehr ausrichten, und flüchtend zerstreuen sich die Männer ins Gebirg. Hofer rettet sich auf eine Mmhutte, wo er durch den Verrat fernes Nachbars Raffl gefangen genommen wird, nachdem er es scharf abgelehnt hat, mit Speckbacher und Haspinger Tirol zu verlassen. Er wird vor das Kriegsgericht gestellt und dann, als er trotz allen Zuredens des französischen Generals und seiner Mutter auf Begnadigung verzichtet, zum Tode durch dic Kugel verurteilt.
Mit kluger unb sicherer Einsicht in das Wesen der Bühne sind trotz mancher Wiederholungen die drei ersten Auszüge atis- gebant, die beiden letzten aber sind trotz aller feinen Einzelheiten nicht vollkrästtg, der fünfte gar wirkt nur wie ein Nachspiel und ist wohl auch nur als Zugeständnis an die geschichtliche Wahrheit auszusassen, gegen die der Dichter natürlich nicht ankonnte. Andreas .Hofer ist eben kein Held der Bühne. Er ist hier der geschobene, von den Verhältnissen bezwungene Mann, den ein dummes Geschick grausam vernichtete, aber nicht der ircudeutsche Held, als der uns dieser reckenhafte, tatenfrohe Tiroler erscheint. So ist das Drama nur da künstlerisch bedeutend, wo der Dichter nicht an die Geschichte gebunden ist, und es wird .bildmäßig flach, wo sie in ihre Rechte tritt. Am stärksten erweist sich das Talent des Verfassers, der in mannigfacher Beziehung Aelmlich- leiten mit Schönherr hat, in .der scharfen Zeichnung einiger Neben figuren, wie dem derben Spcckbacher, dem giftigen Raffl, der treufargenben Hofersahne und dein fanatischen Pater Has- pmgcr, die dem Drama eigenes Leben geben, während durch dic an sich glücklich geschaffene Gestalt des Schreibcrleins ein sentimentaler Hauch in das Ganze kommt. Tic Bilder, die Lutz vor uns aufbaut, sind gut gesehen und gut gegeben, und wenn auch, wie schon ausgeführt, den hohen künstlerischen Anforderungen nicht überall Genüge geschieht, so haben wir doch eine Talentprobe vor uns, die für dic Zukunft manches verspricht und sicherlich auch ihren Weg machen wird.
Tic hiesige Aufsührung, die Direktor S t c i n g o c t t c r Prachtvoll vorbereitet hatte, stellte die Vorzüge des Dramas in ein Helles Licht unb sand bei dem stark besetzten Hause einen freu bigen Widerhall, der den Verfasser mehrmals vor die Rampe rief. Herr Brnchwitz schuf als Hofer- eine schlichte, herbe Banerngestalt, die voller Tatendrang glühte und durch ihre einfache iingesuchte Innerlichkeit besonders ansprach. Ten fanatischen Kapuzinerpater Haspinger spielte Herr Tworkowski mit wilder Leidenschaftlichkeit, sehr bcivegt, aber leider nicht immer ganz verständlich. Mit weiser Mäßigung ließe sich hier ein stärkerer Eindruck erzielen. Den kernigen Speckbacher erfüllte Herr Goll mit vollsaftigem Leben; eine globige Heldengestalt, machtvoll und hinreißend; eine ganz hervorragende Leistung. Vortrefflich war auch Herr Grosser als Rassl. In guter Maske gab er diesen hinkenden Schelm mit einer so scharf ausgeprägten Klarheit, daß man seine helle Freude hatte. Als Zallingcr offenbarte Herr Grosfcr-Braun efne tüchtige, weit über dem Durchschnitt stehende Kunst, schlichte Menschen darzustellen. Herr Jensen gab das Schreiberlein mit sonnig verträumter Einfalt. Dem Weib Hofers vermochte Fräulein B r e h m kein be solideres Profil zu verleihen und auch Fräulein Scholz erfüllte nicht ganz ihre Rolle als Hofersahnc, woran bei beiden Damen aber wohl mehr die eigenartige Besetzung Schuld sein wird, wie,es
denn auch seltsam berührte, daß man den französischen Soldaten La Soeur von Fräulein D a g n h spielen ließ. Einen kleinen, feinen Auftritt gab Fräulein Jüngling als Resi. Herr V o l ck spielte den Schwager Hofers mit der von ihm gewohnten Sicherheit, hätte aber als Danach wohl besser bageftanben. In kleineren Rollen bewährten sich die Sperren Kliewer als Forestier und Brüdjam in sprechender Napoleonmaske als Maffon.
Der Ausführung vorauf ging ein Borttag des Herrn Prof. Dr. Vogt, der in etwa halbstündiger Rede die Vorgänge der großen Zeit eingehend erläuterte und Ursache und Wirkung in dem Gang der geschichtlichen Ereignisse mit deutschem Fühlen aber dennoch streng objektiv untersuchte. Seine Ausführungen, die den stimmungsreichen, schönen Abend mit einem klaren Aufklane cinleiteten, gaben zugleich eine Einleitung in die Vorgeschichte des Dramas, das in seiner guten hiesigen Aufführung, die gans prächtige Volksauftritte bringt, namentlich auch den Schulen und den vaterländischen eVreinen empfohlen sei. K. N".
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David Livingstone.
Am 19. Aiärz 1813 wurde der große Forscher und Missionar als Sohn armer Leute in dem Baumwollspinnerdorfe Blantyre geboren und kam mit 10 Jahren selbst schon als ,,Ansetzer^ in die Fabrik. Doch von seinem ersten Wochenlohn bereits verwandte er einen Teil zum Ankauf von Nuddimans „Anfangsgründc bcr lateinischen Sprache", und so erfolgreich war trotz her langen Tagesarbeit sein Selbststudium und der Unterricht einer Abendschule, daß er mit 16 Jahren leicht Vergil und Horaz- las. Dic Lektüre religiöser Schriften brachte ihn dazu, Missionar zu werden, und immer noch als Baumwollspinner hörte er tkfeologischc und medizinische Vorträge, unb bas mit solchem Erfolge, daß er zuerst an der Universität Glasgow sein Examen als Arzt ablegte unb bann eine theologische Prüfung bestand. 1840 entsandte ihn die Londoner Missionsgesellschaft nach Südafrika. Livingstone ließ sich zunächst in Knruman im Bet schua neu 1 mde nieder, heiratete die Tochter des Missionars Mosiat und begann unter Entbehrungen unb Gefahren feine TätigMt. Bald zu Anfang wurde er von einem verwundeten Löwen überfallen, der ihn schüttelte, „wie ein Dachshund eine Ratte schüttelt", ihm bii Haut vom Kopse riß, die zkiwchen zu Splittern zermalmte und allein am -Oberarm elf Wunden beibrackste. Seine geographischen Forschungen begannen eigentlich erst recht 1849. Von Kolobeng war er mit Wcib und Kind int Ochsenwagen aufgebrochen unb erreichte durch die Kalahariwüste am 1. August desselben Jalwes den Nharnisee. 1851 kam er zum Oberläufe des Zanibesi, lb-ick bis 1856 von hier aus bis Loanda und wieder zurück bis ^mUuirne. Er wurde ein toahrcr Seenentdecker und sand bat Nyassa- unb Schirwasce, den Bangiveolo, Moerv, Kamalondo usw. Seine


