Ausgabe 
15.12.1913 Erstes Blatt
 
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Die Loge verschlimmert sich. Der Kampf dauert fort. Dos mexikanische KanonenbootBravo" beschießt die Stellung der Konstitutionalisten.

Admiral Fletcher meldete, daß er namens der Mensch­lichkeit gegen die Hinrichtung der Kriegsgefangenen seitens der Aufständischen und der Buni>cstruppen bei Tampico pro­testierte. Bisher sind etwa65Personenhingerich- t c t worden, drei davon wurden weithin sichtbar ge­hängt. Alle Ausländer befinden sich in Sicherheit.

Mexiko, 14. Dez. Nach einem beim Kriegsministerium e.ingelauf'enen Bericht sind die Rebellen in Tampico durch ein Bombardement auf die Stadt, das von zwei Kanonenbooten und der Artillerie der Bundcstruppcn ausgesührt wurde, vollständig vernichtet worden. Hunderte von ihnen sollen innerhalb einer Stunde getötet worden sein. Die übrigen befänden sich auf der Flucht nach Viktoria.

Ein Telegramm aus El Paso meldet: Eine in Juarez abgehaltene Konferenz der Führer der ^lufständischen beschäftigte sich mit den bekanntgewordcnen Ausschrei­tungen der Fnsurgenteutrirpveu und mit dem Protest der Vereinigten Staaten. Es wurde beschlossen, Ca r r au za nach Chihuahua zu entsenden, der dafür sorgen soll, daß derartige Ausschreitungen nicht mehr Vorkommen.

Aus StaVt und Land.

Gießen, 15. Dezember 1913.

* * Tageskalendcr. M< tnn, 15. Dez.: Weibnachts- üluffiihru iiq zu Gunsten bc5 Lverliesüichen Tamenbeims nach» mittag? 6 Uhr in der Turnhalle, Steinllrabe 3: a) Kindersinnvbonie von Roml'era, und blT'ic Eisköniain", Smaiviel von Holländer.

Trinker-Fürsorge st elle für Stadt und Landkreis Gienen Gießen Asterweg 9. Sprechstunde jeden Dienstag abend G'/3 bis 8 Uhr. *

* * Der Groß Herzog empfing am 13. Dezember den Geh. Reg.-Rat Boeckmanu, Kreisrat des Kreises Bü­dingen, den Sanitätsrat Dr. Habt ch t, den Lehrer Baste- r c r von Schlierbach, den Schutzmann Horst, den Geh. Forstrat Prof. Dr. Wimmenauer von Gießen, den Lehrer Roth von Lich.

* * Aus dein Gcrichtsdicnstc. Ter Großherzog ernaunte am 13. Dezember den Amtsrichter bei dem Amts­gericht Höchst Albert .Hoffmann zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Herbstein und den Gerichtsassessor Dr. Friedrich Wilhelm Möbius in Butzbach zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Höchst, beide mit Wirkung vom 1. Ja­nuar 1914, ferner den Gerichtsassessor Ludwig Gauf in Wörrstadt zum Staatsanivalt am Landgericht der Provinz Starkenburg mit Wirkung vom 16. Dezember 1913.

Die Hinterlandbahn. Der Wortlaut der Ne- gierungSantwort auf die bekannte Anfrage der Abgeordneten Grünewald und Nrstadt ist nach den Landtagsdrucksachen folgender:

Nach den Ermittelungen der Königlichen Eisenbahndircktion in Frankiurt (Main) würde die Stellungnahme zu den Anträgen auf Berücksichtigung der Stadt Gießen beim Bau einer Nebenbahn von Biedenkopf über Gladenbach nach der Strecke Ehringshausen (^ieBcit zunächst von einer Verständigung über das B i e b ert a l b a h n - U n t e r n e h m e n abhängen, das durch die erstrebte Verbindung in erheblichem Maße berührt wird. Da indeß wegen der großen Zahl dringender Projekte dem staatsseitigen 9ht§- bau der Bahn zur Zeit nicht nähergetreten werden kann, ift auch ein weiteres Eingehen auf die Gießener Wünsche, etwa durch Fest­legung der Liniensühruna, für jetzt nicht angängtg.

* * Truppenübungsplatz f ft r das 18. Armee­korps. Durch die Errichtung des Truppenübungsplatzes für das 18. Armeekorps in der Nähe von Bad Orb und durch den sich stetig steigernden Fremdenverkehr unseres Badeortes hat sich eine Erweiterung unserer Bahnanlagen erforderlich gemacht. Durch die projektierten großzügigen Veränderungen soll die Möglichkeit geschaffen werden, größere Truppcnmassen rasch und ohne Störung des übri­gen Bähnverkehrs zur Beförderung zu bringen, ebenso ben stärksten Fremdenverkehr in kürzester Zeit abzufertigeu. Diese Anlagen erfordern größere Geldmittel, doch ist dieser Punkt bereits behoben, indem die Stadt Bad Orb, ivelche durch den Waldverlauf an den Militärfiskus über 21/2 Mill. Mark, erhalten hat, der Verwaltung der Bad Order Klein­bahn die erforderlichen Mittel gegen Verzinsung von 4 Proz. und Amortisation von 2 Proz. zuführen wird.

** Der silberne Sonntag hat nur einzelnen Ge­schäftsleuten gutes Gescfa'ift gchradjt: er war int großen und ganzen für die Geschäftswelt (Hern. Das nasse Wetter hatte gewiß eine große Anzahl Käufer veranlaßt, zu Hause zu bleiben, so daß das Straßnilebcn am Nachmittag lange nicht so belebt war. wie man hätte erwarten können. Zu tun hatten jene 6>e- schäfte, die mit Spielwaren und mit Baumbehang Handel treiben, auch in den Läden, wo überwiegend Landkundschaft verkehrt, war zeitweilig starkes Gedränge. Von diesen Geschäftsinhabern wird darauf hingewicsen. daß abgesehen vom Wetter auch der Umstand die Schuld am schlechten Geschäft in diesem Jahre trägt, daß es den Bewohnern der Dörfer in unserer Gegend an Bar­geld fehlt, weil die Installation für die elektrische Beleuchtung und für die Wasserleitung deren Mittel stark in Anspruch nimmt. Unsere Gießener Bevölkerung, die es begreiflicher Weise nicht liebt, an den Sonntagen einzukaufen, belebte gestern die Straften, als die Ausstellungen in den Fenstern im itrahlenden Licht er glänzten. Hoffentlich wird noch in den Tagen bis zum Feste viel gekauft, so daß, wenn der Heiligabend heran kommt, unsere Kaufleute einigermaßen für ihre Mühe und Anstrengungen, die das Weihnachtsgeschäft für sie bringt, entschädigt werden.

* * S t a d 11 h c a t c r. Die zweite Hälfte des Abonnements kann von jetzt ab in den Geschäftsstnnden int Theaterbureau ab geholt werden. Während der Feiertage selbst muß die Ausgabe des Abonnements ausgesetzt werden, da an diesen Tageit er fahrnngsgemäß der Andrang zur Tageskasse sehr stark ist.

* * I m Lichtspielhaus wurde am Samstag der Stu­dent von Prag, ein Film von Hanns Heinz Ewers, mit großem Beifall zum erstenmal aufgeführt. Der Film mit Paul Wegener vom Deutschen Theater in Berlin als Student Balduin bat bisher überall das größte Aussehen erregt, denn Ewers hat Möglichkeiten ansgenutzt, die nur dem Lichtspiel zur Verfügung stehen. Man sieht verblüfft, wie der listige Alte Pas Spiegelbild des Studenten abkauft und Balduin mit höchstem Erstaunen zusthen muß, wie er selbst aus dem Spiegel tritt und nun für sein ganzes Leben von ihm genommen ist. Der Gegenspieler des Helden ist nie­mand anders als eben dieser Held selbst, der Student Balduin gegen Balduin, den Studenten Paul Wegener gegen Paul Wegener Oder auch: die Vergangenheit eines Menschen, die eine feste Form von Fleisch und Blut annahinz tritt diesem in allen Lebenslagen immer wieder entgegen, mitleidlos, unentrinnbar, sic, die eben nichts anderes ist als dieser Mensch selbst wird ihm zum Schick sal: und er vernichtet sich selbst!, als er sie vernichten will. Dieser philosophische Grundgedanke ist in ein phantastisches Gewand ge­hüllt, das dennoch ganz real und naturalistisch aus dem Alltagsleben gegriffen ist.

* Viehmarkt. Interessenten diene zur Nachricht, da> der Antrieb zum morgigen Lieh markt erst um 8'/, U h 1 beginnt.

* * I n die Gießener Klinik gebracht wurde der schwer verletzte Sohn des in Röthges bei Laubach wohn hasten Landwirts Ludwig Reitz, ber in .Hungen bei einem Metzgermeister tätig ist. Als der jüdische Religionslehrer erh

Stück Vieh schachtete, gingJiann Reitz das Messer über die Hand, sodaß einige Sehnen durchschnitten wurden.

* Der Einbrecher. Samstag abend 8 Uhr. Vor einem Hause auf dem Kirchenplatz hat sich eine große Men­schenmenge angesammelt. Kinder rufen zum Fenster hin­aus:Ein Einbrecher ist bei uns im Haus!" Be­herzte Männer mit hochgeschlagenem Kragen, die Stöcke kampfbereit haltend, drangen von der Schloßgasse aus durch den hinteren Eingang in das Haus ein. Erwartungsvolle Stille, immer mehr Menschen, plötzlich homerisches Gelächter. Einige der Kühnen hatten den Einbrecher in der Mitte einen harmlosen Bäckerjungen, der, einen Laib Brot unterm Arm, an einer falschen Tür geklopft hatte. In dem Moment traf die Polizei ein zur nochmaligen, genaueren Feststellungdes Tatbestandes".

** Schiffsliste für billige Briefe nach den Ver­einigten Staaten von Amerika (10 Pfg. für je 20 g>: Tie Portoermäßigung erstreckt sich nur auf die Briese, nicht auch auf Postkarten, Drucksachen usw. und gilt nur für Briefe nach den gereinigten Staaten von Amerika, nicht auch nach anderen Gebieten Amerikas, z. B. Canada.Barbarossa" ab Bremen 20. Dezember,Prinz Adalbert" ab Hamburg 23. Dezember, Großer Kurfürst" ab Bremen 28. Dezember,President Lincoln" ab Hamburg 30. Dezember,Kronprinzessin Cecilie" ab Bremen 6. Januar,Graf Waldersee" ab Hamburg 8. Januar,König Albert" ab Bremen 10. Jamiar,Prinz Oskar" ab Hamburg 11. Januar (Postschluß nach Ankunft der Frühzüge). Alle diese Schifte, ausgenommenPrinz Adalbert",President Lincoln", Graf Waldersee" undPrinz Oskar" sind Schnelldampfer oder solche, die für eine bestimmte Zeit vor dein Abgänge die schnellste Besörderungsgelegenheit bieten. Es empfiehlt sich, die Briefe mit einem Leitvermerke wiedirekter Weg" oderüber Bremen ober Hamburg" zu versehen.

Landkreis Gießen.

)( K l e i n - L i n d e n, 14. Dez. Das Ergebnis der Vieh­zählung ist folgendes: Rindvieh 360 Stück, Schweine 411, Ziegen 290, Schafe 2 und Kaninchen 309 Stück.

(?) Lang-Göns, 14. Dez. Gestern abend hielt in der Re­stauration Wallenfels die Freiwillige Feuerwehr ihr 33 jähriges Stiftungsfest ab. Zahlreich hatten sich die Kameraden in dem schön geschmückten Festzimmer eingefunden. Ter Bürger­meister R 0 m p f und die Gemeinderäte hatten auch der Einladung Folge geleistet. Kommandant Schäfer begrüßte die Erschienenen durch eine Ansprache und brachte ein Hoch auf den Großherzog aus. Obmann W. Ph. Doller wurde für seine 25jährige Tätigkeit im Korps zum Ehrenvorstand ernannt und erhält ein Diplom. Ehrenkommandant Karl N e r n gedachte in einer Ansprache der Leistungen des Kameraden W. PH. Boller im Korps. Obmann W. PH. Boller dankte für die Ehrung und gedachte in einer längeren Ansprache der alten Mitglieder. Tie passiven Mitglieder Anton Dem, Maurermeister, Wilh. Leun, Sparkassenkontrollcur, und Konrad K. Brückel, Landwirt, wurden zu Ehrenmitgliedern er­nannt. Bürgermeister R u m p f hob die Tätigkeit des Korps hervor.

! N 0 nnenr 0 th, 12. Dez. Heute wurde in der hiesigen Gemarkung die dritte Treibjagd für diesen Herbst abgehalten. Im ganzen wurden erlegt 15 Rehe, 60 Hasen, 15 Fasane und 2 Füchse. Die Pachtzcit läuft mit diesem Jahre ab.

t. Weickartshain, 14. Dez. Der neugegründete n a - tionallibcrale Verein für das Seental hielt heute in der Bahnhofswirtschaft dahier seine erste Versammlung in diesem Winter ab. Es wurde ein Vortrag gehört über die Kolonisation int deutschen Osten zum Schutze des deutschen Elements gegen das andrängende Slavcntum. Im Laufe des Winters werden dem Verein noch einige Vorträge geboten werden.

& £) u n e n , 14. Dez. Das neue r g e rs ch ul - n n d V 0l kss ch n l g e b ä ud e wurde heute in feierlicher Weise ein geweiht. Um 1 Uhr wurde au der Gießener Straße der.Festzug ausgestellt; es nahmen daran teil die Schul­klassen, der Kirchenchor, Turnverein, der Kriegerverein, die Freiwillige Feuerwehr, die Jung-Dentschlnnd-iGruppe, die beiden Gesangvereine, der Stadt- un:b Schulvorstand, die Vertreter der Behörde, die Lehrer aus der Umgegend, der Radfahrerverein und die BauhMtdwerker. Als Vertreter der- Gießener Kreisbehörden waren erschienen Provinzialdirektor Dr. Usinger, Kreisschulinspektor Professor Dr. Alles und Baurat Hechler. Ten Festzug eröffnete die Musik­kapelle Hisgen-Lich. Vor dem alten Schulhause hielt Lehrer Bürstlein die Abschiedsrede, und der Schülerchor sang Unfern Ausgang segne Gott" unter Leitung des Lehrers Metz. Vor dem Neubau sang der gemischte ChorRauscht empor zum Himmelszelt". Dekan Heiner weihte das Schul­haus als eine Stätte der ernsten Arbeit. Provinzialdirektor Dr. U insger dankte als Vertreter der Schulbehörde der Stadt für die Erbauung der neuen Sck)ule. Professor Dr. Alles hob als technischer Leiter des Schulwesens im Kreise Gießen die hohe Bedeutung gesunder, neuzeitlicher Schul­hausbauten hervor: dadurch sorge die Stadtverwaltung für das leibliche und geistige Wohl der Jugend, alle Arbeit in der Schule fet eine Vorbereitung fürs Leben. Baurat Hech­ler dankte besonders dem Straßenmeister Mohr als dem Bauleiter und den Meistern und Gesellen, die den Bau vollendeten. Er übergab den Schlüssel an den Bürgermeister Fendt. Dieser wies darauf hin, daß heute vor "8 Jahren der erste Beschluß über die Errichtung des Neubaus gefaßt wurde, nach einigen Schwierigkeiten und Verhandlungen habe man sich über die Platzfrage geeinigt, und heute stehe der Neubau als eine Zierde der Stadt auf dem althistorischen Boden Hungens, wo sich einst die Stadtmauern und der Zwinger erstreckten. Er schloß mit den Worten:Möge von diesem Hsause reicher Segen fließen zum Wohle unserer Vaterstadt". Die beiden Gesangvereine und der Kinderchor trugen während der Feier Chöre vor. Dann wurde die Be­sichtigung des Hauses vorgenommen. Der Neubau umfaßt sechs Lehrsäle, mehrere Zimmer, eine Schulverwalter und eine Schuldieuerwohnuug, ein Schülerbad und ein Volksbad und ist mit Zentralheizung, Wasserleitung und elektrischem Licht versehen.

Kreis Büdingen.

O Michelnau, 13. Dez. Gestern erlitt der Stein­brecher F. 9( I b u § von hier in dem Steinbruch be§ Bau­unternehmers A. Lupv in Nidda einen schweren Unfall. Eine dicke Eisenschiene fiel ihm so unglücklich auf den Unter­leib, daß der Schwerverletzte in die Klinik zu Gießen ge­bracht werden mußte.

§ Nieder- M 0 ckstadt, 13. Dez. Seit vorige Woche erstrahlt auch in unserer Gemeinde zur Freude aller Betei- e l e k t r i s ch e L i ch t. Fast alle Wohnungen haben Anschluß erhalten.

Kreis Lauterbach.

* cb l i tz, 14. Dez. Die hiesige erst kürzlich neu ge­endete Molkereigenossenschaft hat dem bisheri­gen, langjährigen Molkerewerwalter die Stellung gekündigt. Dieter wird nun auf eigne Rechnung eine Molkerei mit Elek- cinridjten CtI1Cb genanntenHohen Haus" zu Schlitz Kreis Friedberg.

, , L- Fr-edbcrg, 14 T-z fanb [)ia cjn jj

schreiben (System Gabelsberger) statt, das der Oberhefsiscbe Schülerbund, zu welchem die Gynmasien nno Realschulen Ober- I Hessens und das Seminar in Friedberg gehören, beranftaliet halte

Nach dem Schreiben fand die Preisverteilung statt. Abends wurde eine Unterhaltung im Saalbau abgehalten. Obgleich eine Anzahl Gesangvereine in unsrer Stadt sind, beabsichtigt man einen großen Männerchor zu gründen, der 80 bis 100 Sänger stark sein soll.

8 Obcr-Rosbach, 14. Dez. Heute veranstaltete der Bolksbildungsvcrein eine Ausstellung von ungefähr 150 modernen K u n st st e i n z ei ch n u n g c n Tic Ausstellung fr- fehlte ihre Wirkung nicht. Von den wohlfeilen Bildern, die ii» allen Formaten und auchmit entsprechenden Rahmen vorhanden waren, wurden eine ganze Anzahl verkauft: auch Bestellungen wurden aufgegeben.

Starkenburg und Rheinhessen.

rb. D a r m st a d t, 14. Dez. Ein schwerer Unfall ereignete sich am Samstag auf dem Griesheimer Truppen­übungsplatz. Hauptmann Wernher vom Leibnarde-Regi- ment Nr. 115, ein Sohn des verstorbenen Generaladjutanten des Großherzogs, ritt nach Beendigung der Truppenübun­gen allein über das Feld und das Pferd stürzte infolge eines Fehltritts in ein überwachsenes Loch im Sande so unglücklich, daß es sich überschlug, wobei der Reiter schwere Quetschungen erlitt. Tie Umgegend ivar menschenleer. Doch gelang es ihm, sich nach kurzer Erholung wiederauf das unverletzte Pferd zu schwingen uiid langsam und unter hef­tigen Schmerzen nach seiner Wohnung in der Stadt zu reiten, wo der schnell herbeigerufene Oberstabsarzt Dr. B l e ch e r t mehrere Rippenbrüche feststcllte.

Kreis Wetzlar.

Wetzlar, 13. Dez. In der heutigen Aussichtsrats- Sitzung berichtete der Vorstand dcS Aufsichtsrates bet Buderus sch en Eisenwerke, Wetzlar, über das voraus­sichtliche Erträgnis dcS laufenden JahrcS. Unter dem üblichen Vorbehalt nimmt die Verwaltung in Aussicht, bei gegen das Vorjahr erhöhten Abschreibungen auf die Anlagewerte eine Dividende von 7 Prozent, wie im Vorjahre, zu ver­teilen.

Hessen-Nassau.

Marburg, 14. Dez. Man schreibt uns: Der Rektor der Universität Marburg hat das Marionetten-Thea- tcr, Münchener Künstler, ciitgclabcn, auf feinem Rektorball ant 13. Dezember in den Stadtsälen das denkwürdigeAlte deut­sche Puppen spiel vorn Doktor Faust" aufzuführen, das betanntlich Goethes erste Anregung zu seiner Faustdichtung wurde und bei dem eben erst bccnbctcit erfolgreichen Gastspiel des Theaters in Berlin mehr als 100 Ausführungen erlebte. Paul Brann, der Begründer und Leiter dieses Theaters, ist dieser Einladung gefolgt. Aber nur einem verhältnismäßig kleinen Kreise auf dem Rektorball wäre c5 in Marburg möglich gewesen, daS dcnkMirdige alte Spiel zu sehen, wenn nicht nom Rektor der Wunsch geäußert worden wäre, daß Paul Brann am Sonntag, 14., Montag, 15., und Dienstag, 16. Dez. allabendlich 8 Uhr, in den Stadtsälen seine Faust-Spiele öffentlich veranstalte. Für die Jugend werden außerdem Montag, den 15. und Dienstag, den 16. Dezember um 4 Uhr, 2 Nachmittags-Vorstellungen zu ermäßigten Preisen veranstaltet. Aber auch aus 0) i c fj e n wer­den voraussichtlich viele Besucher zu den Faust-Spielen herüber-- kommen: denn es ist leider nicht möglich, sie dort eigens vvrzu- führen, weil einesteils die Wiederholung der Einrichtung von Bühnen-Jnstallation und Beleuchttlngs-Nl'aschinerie zu kostspielig wäre, andererseits weitere Gastspielverpflichttlngen ein längeres Verweilen ausschließen.

f] Marburg, 14. Tez. An der abschüssigen Reitgasse scheute heute früh das Pferd eines Flaschenbierwagens und raste den Berg hinunter. Am Waisenhaus ging ein Teil des Wagens infolge Anprallcns an die Hauswand in Trümmer, wobei auch de r.Kutscher auf die Straße geschlendert wurde. Tas Pserd lief mit dem Rest des Wagens über die Lahnbrücke nach Weidcnhmlsen, wo cs zu Fall kam. Der Kutscher kam mit leichten Verletzungen davon.

[1 Marburg, 14. Dez. Dem Besitzer der Kreuzmühle bei Kirchvcrs gelang cs, in seinem Jagdgebiet zwei kapitale Hirsche mit einem Schuß zur Strecke zu bringen.

[1 Franken berg, 14. Dez. Wie ans Schloß Waldeck ge­meldet wird, sind dort wegen der in den nächsten Tagen ftattjinben» den Sprengungen der von ihren Bewohnern verlassenen Orte Be­rich, Bringhausen und Asel ctiva 70 Mannschaften verschiedener Truppenteile, sowci eine Anzahl höhere Offiziere und Herren auS dem Ministerium eingctroffen. Die letzteren haben 8 Tage im Schlosse Wohnung genommen. Die Einweihung der Eder­tal s p e r r e, zu der der Kaiser erwartet wird, dürfte in der Woche vor dem Kaisermanöver stattfinden.

X. Gelnhausen, 14. Dez. Von einem Komitee wird die Weiterführung der von einer Aktiengesellschaft betrie­benen Spessartbahn 0-elnhanfeuLochborn betrieben. Tie Aktien der Spessartbahn. befinden sich im Besitze der Firma Fr. Krupp, die in $er Nähe der Station Bieber ein großes Eisenerzbergwerk besitzt. Die Spessartbahn soll bis Partenstein iveitergeführt werden uud dort Anschluß an die nach Köln und München führenden Bahnlinien erhalten.

X. Hanau, 14. Dez. Infolge des Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in dem benachbarten hessi­schen Orte Rumpenheim ist in der Stadt Hanau die Abhal­tung der V i e h m ä r t" t e bis auf weiteres verboten worden.

Frankfurt a. M., 14. Dez. In der Nacht auf Sonntag verschied an den Folgen einer Operation Prof. Maximilian Fleisch, der bekannte Dirigent des Leh­rergesangvereins und Leiter des Raff-Konservatoriums. Pro­fessor Fleisch, der auch bei beit Frankfurter Gefangswett-- streiten ständig als Preisrichter tätig war, hat sich nament­lich durch seine pädagogische und organisatorische Wirksamkeit nur dem Gebiet des ChorgesaugS einen auch außerhalb Frank­furts sehr geachteten Namen erworben. Er hat noch am letzten Montag das Konzert des Frankfurter Lehrergesangvereins geleitet.

Frankfurt a. M., 13. Dez. Ter 48 Jahre alte frühere praktische Arzt Dr. Georg Weisbrot wurde wegen schwerer Kuppelei gegenüber seiner Ehefrau, we­gen Vergehens im Sinne des § 175 des Strafgesetzbuches, sowie wegen Wuchers bei Geldgeschäften mit Offizieren verhaftet.

? Bcilstcin, 13. Dez. Unsere Kirche blickt demnächst auf ein 300jähriges Bestehen zurück. Nach einer alten Urkunde schenkte Meister Dietrich Wüstenböfer, Wundarzt und Bar­bier seine unbebaute Hochstatt zum 51irchbau. Tas Amt Triedorf mußte zur Kirche den Malt liefern. Die Feuerglocke ließ Graf Georg in Emmerichenhain gießen. Tic zweite Glocke wurde vom Grafen Ernst zu Isenburg-Büdingen gegen 100 Hämmel eingetauscht. Die dritte stammte aus der alten Wallendorfer Pfarrkirche und eine vierte 0)locke schenkte das Kloster Thron.

h. Bad-Homburg v. b. H., 14. Dez. Unter bent Brand­schutt eines Strohhausens, der am Dienstag an, der Kirobels- mühle niederbrannte, sand man gestern zahlreiche Knochen, von denen man annimmt, daß es die Reste eines oder mehrerer Handwerksburschen smd. Diese falben vermutlich in bent Haufen übernachtet und sind bei dem Brande zu Tode gekommen. Eine Untermckzung würbe sofort cingeleitet.

--Höchst ,a. M., 13. Dez. E i n e F a l s ch m ü n z c r w c r k, statte würbe gestern in Griesheim a. M. ausgchoben. Äe Falschmünzer hatten zumeist Zweimarkstücke hergcstcllt. Ein Hel­fershelfer wurde heute durch die Höchster Polizei in den Höchster Farbwerken feftgenommen. Es ist der Arbeirer Franz Leitner, gebürtig aus ^chwarzenkcls in Bayern, lieber den Umfang der Falschmünzerei ist man noch im Unklaren, da der Hanpttät« bisher noch nicht verhaftet werden konnte.b