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25/08/1913 Zweites Blatt
 
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Nr. 198 Swettes Blatt

|63. Jahrgang

Erscheint töglich Ausnahme des LonnlazS.

TieGietzeaer La»tliendläNer" werden dem Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das Krmblatt für den Kreis Gieheo" zweimal wöchentlich. Die .^anöwirtfchastUchen -eit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Giehener Anzeiger

Eeneral-Anzeiger für Cberhejsen

Montag, 25. August 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universität- - Buch- und Sreindruckerei.

9L Lange. Gießen.

Redaktion, Expedltiou und Druckerei: Schul- stratze 7. Expedition und Verlag: e^bl. Redaktion:112. Tel.-AdruAnzetgerGießen.

Apolitische Tagesschau.

Julius Bachem ood die Kölner Richtung.

Tr. Julius Bachem schreibt derKöln. Ztg":

Die Kölnische Zeitung zitiert in ihrer Nummer 949 einige Stellen aus dem letzten Abschnitt meiner vor kurzem erschienenen , Erinnerungen eines alten Publizisten und Politik : ich nur dank!ar icm kann Die kölnische Zeitung bezeichnet aber in der Einleitung den ergeben ft Uni enet ebneten alsden a n - e r kann t e n Sb2uptling fc er Ä ö lner R i cht n ng im Zentrum". Dagegen nruf. ich Einspruch erbeben. Ich möchte tragen: Wer hat mich denn als tling der Kölner Richtung'

anerkannt? Nur die Gegner und zwar rnerkwürdigerweiU' ebenso die sog. integral ckatholisckien als die liberalen die sich bod) sonst grundsätzlich so schrott gegenülnnuekien. Der ganze letzte Abschnitt meinerErinnerungen" kehrt sich gegen triqcs Schlagwort Ich sage gleich im Eingang: ..

Solange ich im öffentlichen Leben siebe, und bas ist mehr als 40 Jahre - habe ich nie etwas anderes sein wollen als ein Zentrumspublizist und Zentrumspolitiker schlechthin, so wie ich es in der Schule Windthorsls gelernt habe . . Ich lehne das Schlagwort von derRichtung Backums" ober bei Kölner Richtung" aufs bcftimnrtefte und mit dem besten Rechte ab."

Die Kölnische Zeitung sagt weiter:mit grarer Befriedigung" erzähle ich daß die GcHanckcn meines Turmartikels auf der ganzen Liniegesiegt" hätten, undnicht ohne Stolz" trete ich meinen Gegnern entgegen. Das must ich auch ablehnen. Ich habe le-diglick die na (Wehenden Tatsachen festgestellt, welche in der Notori töt beruhen:

Deute barf ich sagen: innerhalb der Zen trum s pa r tei, unter denen, welch klar und bestimmt auf dem Boden des alten Zentrums stehen, gibt es über diesen Punkt feinen Zweitel mehr, so das, weniger dennl je mit Bezug auf den Zentrums chrakter von einerNickst ung Bachem" gesprochn werden kann, .'llc mastgechnknm Organisationen der Zentrumspartei haben sich ilnzwisideutig uird rückhaltlos zum politischen nichtkon- f e ssion eilen Zentrum bekannt: die Zentrumsfraktionen selbst, die doch wohl am besten wissen müssen, was das Zentrum ist und sein will, der Landesausschus der Preußischen Zentrumspartei, der Aiigiistinus-Perein, die verscknedenen Provinzialorganisationen, soweit sie mit der Frage befai t worden sind. Innerhalb des Reichstags-Zentrums insbesondere ist die Situation völlig gdläri, nachdem die wenigen Mitglieder, welche einer mit dem nick tkoufessionellen Charakter unvereinbaren, den Zutritt von Nicht lai'oliken ansschließenden Definition des Zentrums das SBort rebetm. bei den jüngsten Reichstagswahlen von der Zentrums- Ikirlei nicht wieder ausgestellt worden, oder nach der Wahl nicht wieder in bas Zentrum gelangt, bezw. aus der Fraktion aus­getreten sind."

Dazu bemerkt dieKöln. Ztg." zutreffend:

Derr Dr Julius Bachem ist nun einmal, wesentlich durch feinen Turmartihi, der anerkannte Häuptling der Kölner Nickt- tnitg in der polittschm Welt geworden, mag diese Richtung auch bestreiten, bar. sie nur eine Richtung ist und nicht mehr alle Zentrumskreise hinter sich hat. Auf der andern Seite beweist doch gerade das letzte der obigen Zitate, daß Herr Dr. Bachem mit dem Erfolg seines Turrnartikels zufriedm ist, weil das amtliche Zentrumunzweideutig und -rückhaltlos" auf den Boden dieses Artikels getreten ist.

Die Kosten de8 Panamakaualv.

Ein vor kurzem veröffentlichter Bericht der amerikani­schen Negierung stellt fest, daß die für die Erbauung des Panamakanals gemachten Aufwendungen am 30. Juni ds. Js. die Summe von I 200000000 Mk. bereits überschritten und daß die ® cf amt f oft cn l1/, Milliarde Mk. wahrfchein- scheinlich erreichen dürften. Es ist interessant, mit diesem Endergebnis die Kostenanschläge zu vergleichen, die vorher gemacht worden sind. Als die Vereinigten Staaten das riesige Unternehmen zu vollenden sich entschlossen, im Jahre 1901, berechnete ein Ausschuß von Sachverständigen und Ingenieuren die ungefähren Kosten auf 600 Millionen Mk. 5 Jahre später setzte ein neuer Ausschuß diese Summe her­unter und bezifferte die Gesamtkosten mit 550 Millionen Mk. Im Jahre 1908, als die amerikanischen Ingenieure nach 4 jähriger Arbeit bereits einen genaueren Ueberblick gewinnen konnten, stellte ein neuer Ausschuß die Summe auf 660 Mil­lionen fest. Der niedrigste Attschlag wird also nach der Voll­endung um fast eine Milliarde überschritten fein.

Die Bilanz vom 30. Juni gibt auch bereits wichtige Mitteilungen über die Verteilung der Kosten. Danach haben die eigentlichen Kanalarbeitcn bisher 750 Millionen Mk. verschlungen. Die Sanierung des Panamagebietes, die außerordentliche Opfer erforderte, aber nun aus dem von den schlimmsten Seuchen durchwüteten Lande einen gesunden Aufenthaltsort gemacht hat, erforderte einen Aufwand von 60 Millionen Mk. und die Anlegung der Eisenbahn hat weitere 40 Millionen Mk. erfordert. Die Ingenieure konn­ten bei ihren Anschlägen auch nicht mit dem unerwarteten Emporschnellen der Löhne rechnen. Diese sind so bedeutend gestiegen, daß die Mechaniker, die die Baggermaschinen be­dienen, und die ursprünglich mit 500 Mk. den Monat enga giert wurden, jetzt 840 Mk. pro Monat erhalten. Die In­genieure, die als Maximum ein Gehalt von 1200 Mk monatlich erreichen sollten, erhalten 2000 Mk. Außerdem haben die Veränderungen, die die zunächst zur Ausführung bestimmten Pläne erfuhren, sehr bedeutende Mehrkosten ver­ursacht. So bedingte z. B. die Verbreiterung des Kanals beim Culebra-Durchstich von 200 auf 300 Fuß ein Anwachsen der Kosten um 40 Millionen Mk.

Die Gedenkfeier von Erohbceren.

Großbeeren, 23. Aug. Im Beisein des Prinzen Eitel Friedrich als Vertreter des Kaisers wurde heute der Gedenktag der hundertjährigen Wiederkehr der Schlacht bei Großbeeren feierlich begangen. Großbeeren und die Feststraße zum Turm waren festlich geschmückt. Als gegen Vs3 Uhr Prinz Eitel Friedrich am Ehren zelt cintraf, empfing Landrat o. Achenbach den Prinzen mit den übrigen Ehren gäften, unter ihnen den Regierungspräsidenten von der Schulenburg, den Oberpräsidialrat Grafen v. Roedern, den Zweckverbandsdirektor Steiniger, die Vertreter der Stadt Berlin und des Teltower Kreistages, Grafen Bülow von Deunewitz, den Urenkel des Siegers der Schlacht bei Groß­beeren, mit den übrigen Nachkommen, ferner höhere Offi- ziere und Deputationen der vor hundert Jahren siegreichen

Regimenter. Durch Fansarenklänge der Gardekürassiere wurde die Feier cingeleitet. Pfarrer Parisi us-Groß­beeren sprach ein Gebet, worauf Schulkinder den 24. Psalm fangen. Landrat v. Achenbach hielt eine Ansprache, die irr ein Kaiserhoch ausklang. Hierauf übergab er den großen, festlich geschmückten Gedenkturm der Obhut der Gemeinde Nach dem Gesang der Schulkinder:Vater, ich rufe dich" hielt (Aras Bülow v. Dennewitz die Fest- und Gedenk rede, welche die Erhebung und Aufopferung der Freiheits lämpser zum Mittelpunkt hatte, besonders hob er hervor, was diese für das Königshaus, das Reich und Berlin ge­leistet haben. Nach dem Preußenlied beschloß dasNieder ländische Dankgebet" die Feier. Prinz Eitel Friedrich hielt nach der Eröffnung der GedenkhaUe im Turm Parade über die zahlreich erschienenen Kriegervereine ab.

Lin Deutscher bei den wirren in Merilo getötet.

Mexiko, 23. 2lug. Bei dem Ucbcrfall der Rebellen auf das Landgut C h i l u c a, 20 Klm. nordöstlich der Haupt­stadt, wurde der Reichsdeutsche Friedrich Locht durch einen Schuß leicht verletzt Sein Bruder Hans nmrbe von den Angreifern mitgeschleppt und er­schossen, ihre S ch w e st e r Henriette befindet sich in Sicherheit, ebenso ein dritter Bruder Alfred. Auf Betreiben der beutfdyen Gesandtschaft in Mexiko wurde die Rebellcnbandc sofort nach dem Bekanntwerden des Uebersalls von den Regierungstruppen verfolgt und unweit des Tatortes mit einem Verlust von SO Toten auf gerieben. Der erschossene Hans Locht wurde gestern im Beisein des deutschen Geschäftsträgers von ftar- dorff bestattet. Die Mörder befinden sich vermutlich unter den getöteten Nebelten. Die Untersuchung wird fortgesetzt.

Der Zwischenfall in Nanking erledigt.

Berlin, 23. Aug. Nach den vorliegenden amtlichen Nachrichten hat der Rebellenführer Hohatnin dem deut­schen Konsul in Nanking und dem Kommandanten derEmden" schriftlich sein Bedauern wegen deS gemeldeten Vorfalles ausgesprochen. Damit ist der Zwischenfall erledigt.

Neich;deu!scher Miltel!tand;taa.

~ Leipzig, 23. Ang.

Die Verhandlungen des 3. Reichsdeutschen Mittelstandstages, zu dcrn eine große Zahl von Delegierten mittelftändischcr Or­ganisationen, sowie von Vertretern staatlicher und städtischer Be­hörden erschienen sind, wurden durch eine

Sonderversammlung der Detaillisten und der übrigen Petroleilminteressenten eingeleitet, um zu dem geplanten Reichs- Petroleum monvpol Stellung zu neh­men. Der Vorsitzende Bürgermeister Dr. Eberle (Nossen) er­öffnete die Sitzung und hieß die Erschienenen willkommen. Ge- heimrat Kästner überbrachte die Wünsche des Staatssekretärs des Reichsschatzamtes für eine erfolgreiche Tagung. Darauf nahm Bürgermeister Dr. Eberle das Wort zu seinem Bericht über den jetzigen Stand der Pet roleum frage. Er legte folgende Entschließung vor:

Die in der Detaillistenversammlung des 3. Reichsdeutschen Mittelstandstages erschienenen zahlreicher! Vertreter von 'Detail- listenverbändcn und Vereinen genehmigen die bisher vom Reichs­deutschen Mittelstandsverband und dem Komitee der Tetaillisten- vcrbände qepslogenen Verhandlungen im Interesse der Detaillisten und erteilen den Vertretern der sübrenden Verbände Vollmacht zur weiteren Vertretung der Tetaillisteninteressen; sie ermäch­tigen auch die führenden Verbände, Vertreter der unabhängigen Petroleuminteressenten hinzuzuziehen."

Nach einer kurzen Aussprache wurde die Entschließung ein­stimmig angenommen, morauf der Vorsitzende die Versammlung für geschloffen erklärte.

Heute nachmittag begann die Gesamtausfchußsitzung und die ordentliche Hauptversammlung des Reichsdeutschen Mittelstands- VeÄandes.

Der Vorsitzende Bürgermeister Eberle (Nossen) eröffnete sie mit der Mitteilung, daß in der geschlossenen Hauptvorstands­sitzung ein Beschluß gefaßt worden sei, wonach die einzelnen an- gescklossenen Verbände keine eigenen Kandidaten zu den Reichs­tags und La>tdtagswahlen ausitellen dürfen. Widrigenfalls sollen die betretenden Verbände aus dem Verband ausgeschlossen werden. Der Vorsitzende ging sodann auf das Gesetz über das

Petroleummonvpol

ein, das in einer besonderen Versammlung der Detaillisten und der übrigen Petroleuminteressenten einer Beratung unterzogen morden sei. Der Redner betonte,, man sei nach einer Aussprache zu der Ueberzeugung gelangt, daß das Gesetz mittelstandssreund- lich wirken könne. Das Gesetz biete die Möglichkeit, daß sich der organisierte Mittelstand in organisierter Selbsthilfearbeit in ihm entfalte.

Hierauf begründete der Vorsitzende Bürgermeister Eberle folgende Entschließung:

Da trotz der wrederholten ernsten Vorstellungen des Reichs-- Mittelstandstages und anderer bebeutfamer Vertretungen die zu­ständigen Stellen keine gesetzgeberischen Maßnahmen zum besse­ren Sckutz der gewerblichen Betriebe gegen Streikterrorismus und Boykott ergriffen haben, richtet der 3. Reichsdeutsche Mittel­standstag nochmals das dringende Ersuchen an die deutschen Bundesregierungen und den Deutschen Reichstag, durch ein .besonderes Gesetz für einen wirksameren

Schutz der Arbeitswilligen zu sorgen und dem Mißbrauch der Koalitionsfreiheit entgegen- 5 atmen.''

Ter Entschließung wurde ohne Aussprache zngestimmt, ebenso v' ?en den Emfchlicf ung:

Der 3 Reichsdeutsche Mittelstandstag sieht in der Abwehr des in Deutt'ckland oordrrngcnden englisch-amerikanischen Tabakrrusts eine wichtige Ausgabe deutscher Wirtschaftspolitik vor allen: deutscher Mittelstandsvolitik."

Sodann b.'grüirdete Bäckermeister Schödemann (Dresden- folgende Entfckließung:

Der 3. Reichsdeutsche Mittelstandstag in Leipzig geht in der FrageSchutz von Handwerksbetrieben gegen Ansprüche der Nach­barn wegen

Belästigung durch Geräusche"

mit dem Deutschen Handwerks- und Gewecbekammertag in Halle Hand in Hand und gibt dazu folgende Erklärung ab: Die ver­schiedenen Prozesse, die in längster Zeit unter Auslegung der (VitäuühDaragraphen eine tiefgehende Beunruhigung des Gowcrbc- stairdcs terbeigeführt haben, veranlassen den 3. Reichsdeutschen Mittelstandstag zu Leipzig zu dem dringenden Ersuchen an die gesetzgebenden Stellen, Maßnahmen in Erwägung zu ziehen, um Handwerks- und Gewerbebetriebe gegen ungerechtfertigte An­sprüche dw Grunostücksnachbarn zu schützen. Insbesondere legt er I dagegen Verwahrung ein, daß die geringen und nur kurze Zeit anhaltenden Geräusche, die bie Tätigkeit einer Knetmaschine in Däckereibetrieben hervorruft, als unzulässig bezeichnet werden, und

daß den Betrieben eine solche Maschine von den Gerichten verboten wird."

Tie Entschließung wurde angenommen.

Weiter sprach der Schrisifübrer des Deutschen Müllerbundes, Theodor Fritsch (Leipzig > über den

Existenzkampf des Müllergewerbes.

Er legte seinen Ausführungen folgende Entsä^ies-ung zugrunde:

Die Erl-altung der Mettel- und Kletnmüblen ist int Interesse bet brotverbrauchenden Bevölkerung und der 2anbnrinfdxnt drin­gend nvNvendig, da sie siir den unmittelbaren lokalen Bedarf und Absatz unentbehrlich sind, sowie bei kriegerisck-en Verwicke­lungen, inneren Jtrifen und lang an haltender llnterbreching deS inneren FrachtverkelwS die Versorgung deS Volkes mit Mehl und Brot fiebern. Der 3. Reichsdeutsche MittelstandStag richtet daher an die gesifgebetwen Körperschaften des Reichs unb der einzelnen Bundesstaaten die dringende Bitte, geeignete Maßnahmen zum Schutze des mittleren und kleinen Mühlen>ieiverb< > zu treffen, und zwar durch 1. Einführung einer mit der vermahlenen Menge staffelförmig steigenden Umsatzsteuer, oder einer gerechten, die Bedürfnisse des mittleren und kleinen MühlengeN'erbes Ixriirf- sichtigcnde» Kontingentierung der M eh l e r je u g u n g in Verbindung mit einer l>ohen Steuer für die lleberfdireitung der zugewiesenen * Kontingente 2. Wegfall der Ausfuhr- Vergütung für deutsches Getreide solange her cin- heimische Körnerbau den inländisäx-n Bedarf nicht zu decken ver­mag unb mithin infolge der GelieideauS'uhr Mangel an Brot­getreide im eigenen Lande entsteht. 3. Durch eine gerechte, den Welrverhältnissen entsprechende S t a f f e [ u n g der Getreide- und Mehl fr achten auf den Eisenbahnen."

Die Entschließung nnirbc angenommen.

Nach der Vorn ginne von Wahlen mürbe die Tagesordnung für die morgige Haupttagung gebilligt und darauf die Versammlung vom Vorsitziendeu geschlossen.

~ Leichzig, 24. August.

Heute vormittag sprach der Vorsitzende für da.' Handwerk im Landesausschuß Rheinland und Westfalen, Kukelhaus (Essen), über:Wirtschaftliche Gemeinschaftsarbeit von gewerblichem Mittelstand, Industrie und Landwirtschaft". Die gemeinsamen Interessen dieser drei Berufe hätten es mit sich gebracht, daß eine wirtschaftliche Gemeinschaftsarbeit der drei großen gütererzcugendcn Stände beschlossen wurde auf folgender Grund­lage: 1. Zmammengehen der drei Gruppen zwecks gegenseitiger wirtschaftlicher Unterstützung und B:ckämp'ung der Auswüchse im Organismus unseres Wirtichastslebens: 2. Aufrechterhaltung der Autorität in allen wirtschaftlichen Betrieben; 3. Schutz, der natio­nalen Arbeit, Sicherung angemessener Preise und Schutz der Ar­beitswilligen: 4. Bekämpfung der Sozialdemokratie und sozia­listischer Irrlehren. Es soll nicht eine Verschmelzung üatt- fiitben in der Weise, daß die drei großen Berufsstände sich in einer einheitlichen Organisation zufammcnschlüßen. Jeder Be­rufsstand soll vielmehr für sich arbeiten. Nur solche wirtichaftlichei« Fragen, die allen drei Ständen gemeinsam sind, sollen, nx*nn Einstimmigkeit erzielt wird, gemeinsam behandelt werden. Zu diesem Zwecke werden Kartelle gebildet und zwar ein Reichs- ausschuß, den Vertreter der Zentralvorstände bilden, Provmzial- ober Landeskartellc, in benen bie Führer ber provinziellen Or­ganisationen vertreten sind, und schließlich Ortslartelle, in welche die örtlichen Organisationen ihre Delegierten entsenden. (Beifall )

Vom Standpunkt der Jndusttic aus behandelte dasselbe Thema der Geschäftsführer des Zentralverbandes Deutscher Industrieller, Regierungsrat Dr. Schweighoffcr (Berlin». Er betonte, daß Industrie und Handwerk im Boden der bestehenden (Hei eil hl uni-? ordnung und der vorhandenen Staatsiorm wurzeln, und daß für beide der grimmigste Feind dort zu suchen fei, wo der Um­sturz der heutigen Verhältnisse erstrebt wird. Es sei ein eigen­artiger Zustand, daß bei uns wohl der religiöse und der politische Friede durch Gesetze geschützt sind, nicht aber der nrirt- schaitliche Friede. Keiner neide den Lohnarb.'itern die Sicher­stellung gegen Stranfheit, Unfall und Invalidität. Aber die Lasten, die dadurch dem Unternehmertum auferlegt iverben, Unb manchmal unerschwinglich. In dem Verlangen einer weisen Beschränkung der sozialen Gesetzgebung seien Jndusttie unb gewerblicher Mittelstand völlig eins. Unb bas gleiche Interesse führe sie auch zusammen in den Kampf um das letzte große Ziel, um die Erhaltung deo heutigen Gesellschasts- unb Wirtschaftsordnung. Wenn von feiten der Sozialdemokratie und ihrer Freunde immer wieder versucht werde, die wirtschaftlichen Grundlagen zu erschüttern, und hier­durch die gesunde Weiterentwicklung unserer nationalen Wirtschaft zu hindern, dann dürste es an der Zeit sein, daß sich das selb­ständige Unternehmertum im gewerblichen Mittelstände, in der Landwirtschott unb in der Industrie auf Grund ihrer Lebens- unb Wohl fahrtsintercssen zusammen schließt und für die Wahrung dieser Interessen eine gemeinsame Kampsesfront bildet. (Lcdh Beifall.)

Als Vertreter der Landwirtschait führte Reichstagsabgeord- neter am Winkel (Sagau.) ebenfalls aus, daß auf vielen Ge­bieten die Interessen der drei großen Berufsstände gemeinsame seien. Der Bund der Landwirte habe, schon seit längerer Zeit der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß in dem großen Bau des Deutschen Reiches Raum genug sei für eine gesunde Betätigung der Verschiedenen produktiven Stände nebeneinander und mit­einander. Mit Bedauern haben wahre Volkssieuttde den Rück­gang des gewerblichen Mittelstandes seit Jahren verfolgt, und der Bund der Landwine hat immer wieder der Ueberzeugung Aus­druck gegeben, daß dem gewerblichen Mittelstände eine starte ein­heitliche Organisation nortue, damit er sich seinen Platz an ber Sonne bewahren unb nnebererringen könne. Auf dem Gebiete ber sozialen Fürsorge iahen wir gemeinsame Ziele Es gibt hier Ziele, die mit Rücksicht auf die Leistungs unb Konkurrenzfähig­keit aumeftellt werden müsi'en. Ich bin ferner der Ueberzeugung, daß alle soziale Gesetzgebung uns nicht zum sozialen Frieden fuhren wird, wenn es uns nicht gelingt, die Zahl der selbständigen Unternehmer zu mehren und zu fördern. Der Redner wendet sich ebenfalls gegen die Irrlehren und den Terrorismus der Sozial- bemoTratie, die jede Autorität leugne. Im Kampfe gegen diese Elemente müßten sich gewerblicher Mittelstand, Industrie unb Landwirtschaft zusammenfinden. Lebh. Beifall.-

Tie Versammlung nahm bann eine Reihe von Berichten ent­gegen. Bürgermeister Eberle iNosien behandelte das Thema Der angemessene Preis" und ferner den heimlichen Warenhandel der Beamten. Zu diesem Vortrag wurde eine Entschließung angenommen, welche den Warenhandel der Beamten verwirft,weil er dem Interesse des Kaufmannsstandes, dem Interesse des Staates unb dem Interesse der Beamten widerspreche.

Justizrat Dr. Baumert (Spandau, der Tireftor des Zen- tralverbandes der Haus unb Grundbefitzervereine Teuischlanbs, empfahl die Gründung von Pfandbriefinstituten zur Erhaltung eines selbständigen Mittelstandes. Damil fordere der .Hausbesitz.-r- stand nut etwas, was der ländliche Grundbesitz schon seit mehr als einem Jahrhundert in den Landschaften besitze.

Die Ausführungen der Redner sowie die Enlschliesmng wur­den ohne Aussprack-c gebilligt. Der Vorsitzende schloß darauf die Tagung mit Dankesworten an die Teilnehmer._______________

26. Landesversammlung de; hauptverein; de; evaag.

Lunde; für da; Erohherzogtum kfeffen.

ch. Bingen, 24. August.

Ter große Saal der neuen Festhalle konnte nicht die Menschen­menge fasten, die zur Teilnahme an der evang. Polksöer*