Ausgabe 
22.7.1913 Erstes Blatt
 
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Verschiedene Meldungen.

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Mindestgeschwindigkeit von 100 Kilometern, die für besondere Auf­gaben ocnpcnbet werden sollen.

Peking, 21. Juli. Die süd chinesischen Poli­tiker verlassen einer nach dem andern Peking. Das Parlament wird wahrscheinlich vertagt werden. In süd­chinesischen Kreisen ist die Rede davon, die Abgeordneten etwa in Nanking zusammenzuberufen. Der Sprecher des Senats ist aktiv an der südchinesischen Bewegung beteiligt.

Lissabo n, 21. Juli. In einer Kesselschmiede platzte eine Bombe, die in einer Schublade verborgen war, als der Schmiedebesitzer die Schublade öffnete. Ihm wurde die .Hand zerrissen, auch sonst wurde er mehrfach verletzt. Er, sowie das Schmiedepersonal wurden verhaftet, auch an anderen Stellen der Stadt wurden Bomben gefunden.

Wien, 21. Juli. Wie aus Bukarest gemeldet wird, ist das Einbringen der Ernte mit den Dcriügbarcn .straften zu­nächst ohne Schwierigkeiten möglich. Nur für das Dreschen des Getreides dürste sich, wenn die rumänische Militäraltion )td) m die Länge siebt, ein Mangel an Arbeitskräften einstellen.

Saloniki, 18. Juli. Nach Meldungen vom Berge A t b o 4 ist die Ruhe im russischen Kloster Pantcleimon wieder h e r g c st e l l t. Ungefähr 300 russische Mönche wurden als Ruhe- törer von dem russischen Landungsdetachcmcnt icitgenommciL

werden, auf die feindlichen Flugzeuge und Luftschiffe Jagd zu Mehrsitzer für große Entfernungen mit einer

Konstantinopel, 21. Juli. Die Pfvrthat die Botscl-aften folgende Z i r k u la rnvt e gerichie..

Trotz des von den Bulgaren an t>en Tag gelegten Eifers,

Präliminarfrieden zu unterzeichnen, hat sich Bulgarien geweigert, diesenigen Gebiete zu räumen, die an die Türkei zurückgelangen müssen. Bulgarien handelte zweifellos in der Absicht, sich eine solche Grenze zu fiebern, rod ehe der irrigen Interpretation ent» svreclxm sollte, welä>e Bulgarien der Bestimmung der Linie Midia Enos geben wollte. Erst als die türkisck>e Regierung, des Wartens müde, die Armee beauftragte, diese Gebiete wieder zu besetzen, beschloß die bulgarische Regierung, ihre Truppen zurückzuziehen. Andererseits bestand die Pforte, um die Möglichkeit zu haben, die .Hauptstadt und die Dardanellen zu verteidtgen, daraus, jeden Beweis zu erbringen, das; nur durch eine nach Norden längs der Maritza gehende Linie, die Enos zum Ausgangspunkt nimmt, die Grenze gebildet werden könne. Die Tatsache, daß diese Linie nicht so, wie sie sein müsste, im Friedcnsvertrag festgestellt tmirde, erklärt sich aus dem JJBiuifdx der Määste, die damals von den Bulgaren erhobenen Schwierigkeiten zu beseitigen und baldmög-

Aus Stabt und Catt&e

Gießen, 22. Juli 1913.

* Tageskalender für Dienstag, 22. Juli: Operetten- Gastspiel int Stadttheater:Puvochcn". Anfang 8 llhr.

Ansstellnna int Kindergarten-Deroin Garten­straße 30 und Schiffen Verger Weg 15 Dienstag und Mittwoch von 101 Uhr und nachmittags 47 Uhr.

Promenadekonzert Dienstag nachmittag J> Uhr in der Sud-Anlage. w

Landesuniversität. Amtlich wird aus Kiel die Ernennung deS o. Professors Dr. Wilhelm van Calker in Gießen zum ordentlichen Professor in der juristischen Fakultät der Universität Kiel bestätigt. 'Er übernimmt mit Beginn deS kommenden Wintersemesters das durch die Ver­setzung deS Professors Triepel nach Berlin zur Erledigung kommende Ordinariat für öffentliches Recht, besonders Staats- Verwaltungs-, Völker- und Kirchenrecht.

Gleichstelllung. Der preußische Eisenbahnminister hat einer Abordnung deS VerbandSvorstandcS des preußisch- hessischen Eisenbahnassistenten-VerbandeS, die er am 10. Juli empfangen hat, mitgeteilt, daß im nächsten Jahre auch den Eisenbahnassistenten die sür die Postassistenten beschlosiene Gehaltserhöhung gewährt werden soll, so daß dann die volle Gleichstellung der preußisch-hessischen Assistenten mit den Assistenten deS Reiches im Anfangs- und Endgehalt herbeigeführt sein würde.

Die Ausstellung des Kindergartenvereins. ?hif unseren Hinweis auf die sehenswerte Ausstellung deS Kindergartenvereins hier hat sich die Leiterin der Anstalt, Oberlehrerin L. Möser, entschlossen, die auSgelegten Arbeiten noch zwei Tage zur Besichtigung freizustellen. Die Aus­stellung ist also noch heute und morgen norm, von 101 Uhr und nachm. von 47 Uhr zum allgemeinen Besuche unentgeltlich geöffnet.

" Jugend-Schwimmfest. DaS auf nächsten SamStag angesetzte Jugend-Schwimmfest mußte auf Sonntag, 27. Juli, verlegt werden, da sonst die Beteiligung zu gering sein möchte. DaS Schwimmen soll vormittags 9 Uhr beginnen. Es können Anmeldungen noch bis nächsten Freitag abend bei den Herren Fix, Todt, Weeg geschehen. Hoffentlich bleibt das Wetter nicht so ungünstig, da eine rege Beteiligung in Aussicht steht.

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sucher. Man blickt nach der dem Seebach- und Anlauftal ab- gckehrken Seite in die Tiefe des Groß-Elendtals mit der Osna­brücker Hütte und auf den Kranz der Gletscher, der es umgibt. Unmittelbar zu Füßen schimmert das Plesuntzkees. Eine tiefer gelegene Sckmrtc, die Grvß-Elendscttarte, führt von der Seite bc-3 Hanuoverl»auses aus seine Südecke und gewährt einen leichten Glctscherübergang nach der Osnabrücker Hütte. Richtig! Ta hebt sich eben auf seinem Weiß eine Partie von drei Leuten ab, zwei Männer und eine Fran! Rechts schließt sich das Kälberspitz­kees an und bann der größte Gletscher des Gebiets, einen majestä- 1 sichen Halbkreis bildend, das Groß-Elendkees. lieber ihm in der Mitte erhebt sich ungeheuer steil der schwarze Kegel der Hvchalm- spitze, von dem nach rechts und links, wie ein Strang den Gletscher umrahmend, die abenteuerlich geformten Grate lausen. Nach links sieht man in das Klein Elnidtal Auch hier glänzende Gletscher und trotzende Gipfel. Großartig ist auch der Blick in die weitere gerne. Außer dem SonnblrcI und Groß Glocknergebiet, dessen Berge fiel, sclwn auf der Arnoldböhe zeigen, sieht man im Süden die zackigen Mtiirbcrge der Dolomiten und .Uaraivanken, im Nwden das Dachsteiugebiet und die Salzburger Alpen.

Den A b st i e g zur Osnabrücker Hütte nahm ich über den Lltgrat, der an einer allerdings ganz kurzen und deswegen keineswegs gefährlichen Stelle so schmal rst, daß man barüber» balancieren muß Man betritt das Klein-Elendkees, verläßt es alx'r wieder in seinem oberen Tell und geht in einem weiten Bogen nach rechts an zwri kleinen düsteren Hochseen, den Schwarz- lwrnseen, vorbei, um dann an einem mächtigen Wasserfall hin unter in die Tiefe zu steigen, wo die Hütte steht. Zur Mittags- zeit kam ich dort an, erfrischte mich, ruhte mich ans und stieg an diesem Tage noch daS Maltatal hinab bis zur Gmiinoer Hütte, roo ich übernachtete. Nach dem etwa vstündigen Marsch dachte ich meine Ruhe verdient zu haben.

Drei Tage später trat ich der Verabredung gemäß in Gmünd mit meinem Freund zusammen. Ich hatte inzwischen die Nach barschaft durchstreift, war an den Millstätter See und selbst bis nach Klagenfurt, der Hauptstadt Kümtens, gtfommen. In Gmünd wohnte ich im Gasthof Koblmavr, der dem Besitzer der 90men im Gößgraben gehört Ich hatte Gelegenbei!. nut der Bevölkerung bekannt zu werden, die einen erfreulichen natio­nalen Sinn zeigt. Hier ist man 'ick in der unmittelbaren Nach­barschaft der Slovenen bet? Wertes seines Deutschtums viel mehr bennißt als bei uns. Deswegen wird die Zugehörigkeit ,um deusichen Volk und damit auch die Gemein sei»ft mit Deutsch­land mit einer Kraft und Wärme hcrvvrgeholxn, die für uns geradezu herzerquickend ist,

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Henc y,ll Ulir fch «ach Hause. £ 'imeri^ütteruna 6 Mk. Inhalt." m die Stabt M Nacht von bet ( Ta man nicht men Ueberfall ^orttmomwie fr . 0 Klein- 'berhessische Maunenchörc fr 7. ^ban oberste ^"sen-Da 'Netzen »eilte < Jeretne toaren er1 WK hol Tute

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Sofia, 21. Juli. Angesichts der verzweifelten Lage Bulgariens herrscht hier eine außerordentliche Auf­regung. Man ist aus alle Eventualitäten gefaßt. Tie bulgarische Armee ist dadurch vollkommen lahmgelegt, daß durch die Zcr- töning der über die Vid führenden Eisenbahnbrücke die einzige Zusuhrlinie für die Verpflegung Bulgariens von Norden her unterbrochen ist.

Rußland und die Balkanverbündeten.

Petersburg, 21. Juli. In einem Teil der auslän- dischcn Presse wird die Handlungsweise Rußlands während der Balkankrisc f al s ch g edeu t e t uni) beleuchtet. Es wird behauptet, diellaiscrl. Regierung schüchtercGrie chen- land ein, lvährend es gleichzeitig die erhöhten Forde­rungen Serbiens als eines Slawenstaates nicht derselben strengen Kritik unterwerfe. Diese Mitteilungen entsprechen nicht den Tatsachen. Die von der kaiserlichen Regierung in Belgrad sowie in Athen gemachten Vorstellungen tragen durckiaus den gleichen Charakter.^ Rußland, wie übrigens alle übrigen Mächte, können eine unmäßige Schwächung und Erniedrigung Bulgariens nicht z u l a s s e n. Indem es kein anderes Ziel außer dem eines möglichst baldigen Friedensschlusses aus der Balkan Halbinsel verfolgt, ist Rußland überzeugt, daß sämtliche Großmächte in dieser Beziehung dieselbe AnsicÄ haben. 'Dieser Umstand berechtigt zu der VormisscNung, daß auch in der Frage des Auftretens der Türkei die Großmächte Mittel und Wege 'inden werden, den von ihnen gefaßten Beschlüssen Achtung zu verschaffen.

Belgrad, 21 Juli. Die hiesigen Blätter ergehen sich in 1 a>a r t en AUnfällen gegen Rußland, das den Brüder - t'CTidnilM habe Die hiesigen Behörden entzogen dem Petersburger BlatteNowoje Wremja" das Postdebit.

Aus Albanien.

bet mrV ,'Mbaniscke Korrespondenz" rncl-

Gren^n c r b c 11' bie innerhalb der

^bnz-en des von der Botschattervcrcinigung Albanien wie l e n en Gebiets sta r k e Garnisonen hal­ten, verstärkten chrern den nordcckbanischcn Okbirqcn stehen-

Truppen um 2000 unb schoben Teile südwärts vor um M ffluJ.rtf.fee w heften. (Eine gröSrc »tbtrih. befetto bereit« bo? Ttnli f tfe nita e bTt« c ivobri n* »am Pie zwischen Serben und TO a I i f f or e n erciane.

letzteren »erforen gegen 100 Mann Ihtter frn Gebtrgsstammeu herrscht große Erregung

21 Juli Prinz Georg ist infolge der An- " esc Uscha f tSsond erzü g e. Am 24. fahren die Vereine ehemaliger 81er von Kirchhain, Kassel und

iAlte na in Svnderzügen nach Frankfurt, ersterer Gießen

Sluslattö.

Budapest, 21. Juli. Der Ministerialrat Baron Iwan Skcrlecz wurde zum königlichen Kommissar für Kroa­tien ernannt, nachdem der bisherige Kommissar Euvas eines Amtes enthoben worden ist. Skerlecz leistet morgen in Ischl dem Kaiser den Eid.

Rom, 21. Juli. Die Blätter bringen Auffchen er­regende Meldungen über die Verhaftung des ehemaligen Beamten int Kriegsministcrium Moro zo della Rocca, der zu Gunsten Oesterreichs Spi onage ge­trieben haben soll'.

Paris, 21. Juli. Einer offiziösen Meldung zufolge beschloß die K r i e g s v e r w a l t u n g , daß in Zukunft alle für den btriegs- dienst verwendeten Flugzeuge gepanzert fein müssen. Die nichtgcpanzerten Flugzeuge werden lediglich zur Ausbildung der Militärflieger dienen. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Versuche mit den neuen gepanzerten Kriegsflugzeugen geheim zu halten. DerMatin" glaubt, daß die künftige Flugzeug flotte vier Typen umfassen werde: 1. gepanzerte Einsitzer für Aufllärunas- flüge für Artillerie und Kavallerie, 2. gcvanzerte Zweisitzer für Anstlärungsslüge im Dienste des Gencralstabes mit einer Mindest­geschwindigkeit von 100 Kilometern, 3. gepanzerte, mit Maschinen- und automatischen Gewehren ausgerüstete Zweisitzer mit einer Mindestgeschwindigkeit von 120 Kilometern, die die Aufgabe haben

<Äves, was irgend zn erreichen ist, plündern. Unter den Banden befinden sich auch türkische Soldaten, welche die Bul­garen in dem Kriege g.sangen genommen haben und vor enrig^r Zeit zur Feldbestellung von den Bulgaren srei- gelasfen worden waren. Die ganze bulgarische Bevölkerung flieht vor der türkischen Armee. Die Wege sind von Flücht­lingen überfüllt.

Oofia, 19. Juli. Verspätet eingetroffen. Die bul- -g^rische Kolonne, die am 13. Juli nach dem Kampfe bei Bukova nördlich von Pirvt sich zurückgezogen hatte, dann aber den Marsch wieder aufnahm, fand zuvor 15 bulgarische Soldaten, die von den Serben verwundet und ge­köpft waren. Der griechische Bischof von Darian, den die Bulgaren nach der Behauptung der Griechen getötet haben, befindet sich wohlbehalten in Etropot, nordwestlich von Sofia, wo er sich aller Rücksichten, die seinem Range gc- büh-rcn, erfreut. Der Bischof wird demnächst in Sofia an­kommen. Der Kvmmandant der bulgarischen Truppen in Serres meldet vom 17. Juli, daß tausend Antacken und griechische Soldaten in bulgarische Dörfer eingedrun- gen seien. In Drenowo war es den Einwohnern nicht mehr möglich zu ftiehen. Sie schloffen, sich in ihre Häuser ein; die Griechen zernierten das Dtorf und steckten es in Brand. Die Unglücklichen, die zu entkommen versuchten, wur­den erbarmungslos von den Brandstiftern niedergeschossen; die Leichen wurden in die Flammen geworfen. Drei andere bulgarisctfe Dörfer, Tsch au -Tschiflik, Ko sturino und Petsche wo, wurden in gleicher Weise von den griechischen Truppen in Brand gesteckt und zerstört. Die Bewohner ts schewos, die nicht fliehen wollten, begaben sich in fried­licher Mrsicht zu den Griechen. Aber die griechische Kavallerie vollführte einen wütenden Angriff auf sie und machte alle ohne Unterschied des Alters und des Geschlechts nieder. Der Mtlitärgouverneur von Adrianopel meldet: Nach halbstündigem Kampse wurde eine Bande zurückgc- I chlagen. Ein bulgarisck>er Soldat wurde verwundet. Die­ser Kamps zeigt aufs deutlichste, daß die griechischen Militär­behörden die Bevölkerung der besetzten bulgarischen Gebiete aufreizen wollen.

S al o n i ki, 20. Juli. (Agence d'Athenes.) Gestern sand in der von den Bulgaren zerstörten Stadt Serres eine Kundgebung der Bevölkerung gegen die bungari­sche n Grausamkeiten statt. Nachdem griechische, musel­manische und israelttische Redner gesprochen hatten, gelangte eine Resolution zur Annahme, in der im Namen von 20 000 Menschen, die ohne Obdach, Nahrung und Kleidung zurück­geblieben seien und angesichts der noch rauchenden Trüm­mer bet Stadt der tiefen Entrüstting über den Vandalis­mus der bulgarischen Armee Ausdruck gegeben wird, auf den die Aufmerksamleit der gesitteten Welt gelenkt werden müsse. Es möge eine internationale Kommission gebildet werden, die die Ausdehnung der Untaten an Ort und Stelle konstatieren könne.

Athen, 21. Juli. Die Kämpfe wurden heute auf der ganzen Linie mit einem allgemeinen Vormarsch der griechischen Truppen sortgesetzt. Ter äußerste rechte Flügel stand im Tale von Nestos. Tie Verfolgung! des Feindes erfolgte in der Richtung auf Mohamia. Nach den neuesten Meldungen beträgt die Zahl der erbeutetem, feindlichen Kanonen 22. Außerdem eroberten dir griechi­schen Truppen vier Krupp-Geschütze. Nach hestigem Wider­stand des Feindes drängle das Zentrum gestern und heute den Feüid aus seinen gesamten Stellungen in der Richtung der Pässe von Eresna heraus. Auf dem linken Flügel warfen die griechischen Divisionen den Feind nach und nach aus allen befestigten Stellungen und besetzten Pehtschewo und die Bcrghöhen im Norden von Pehtschewo.

DaS Vorgehen der Türken.

«f iem KÄÄ1 ch"w«t «US|

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Juli Zur Vertretung des erkrankten Ge- 'andten in Peking, v. Haxthausen, der in einer hiesigen Klinik eine Operation überstanden hat, ist der hier in Urlaub weilende Gesandte in Tanger, Frhr. ü. Seckendorfs, in Aussicht genommen. Frhr. v. Seckendorfs mirb dann nach Tanger zuruck- ehren.

Dresden, 21. Juli. TasDresdner Journal" schreibt: Wie mir von zuständiger Seite erfahren, sicht Prinz Max, fixnog von Sachsen, dem Artikel:Ein deutscher Prinz über die Balkonwirren" in Nummer 363 derWiesbadener Ztg." vom 13 Juli 1913 unb den darin erhobenen Angriffen aus die öster­reichisch-ungarische Balkanpolitik fern. Es handelt sich vielmehr um eine indiskrete und mißverständliche tenben- ziöseWieberyabe eines gelegentlichen, nicht für die Preiie be­stimmten ganz privaten Meinungsaustausches zwischen dem Prinzen und einem ihm bekannten Herrn über beiderseitige persönliche Erinnerungen aus ihren Reisen auf dem Balkan. Daß die fächsifche Regierung dem ermähnten Arttkel derWies­badener Zeitung" vollständig fernstcht, ist schon früher ausge- drückt morden.

Straßburg i. E., 21. Juli. Zu dem ft<mzösi,chen Sprach- Verbot auf der Pulverinsel in Metz erfahren mir, daß das Ver­bot nicht vom kommandierenden General v. Mudra ausgcht, andern von dem Kommandanten der Festung, Generalleutnant v. Gregory, der den Anschlag unterzeichnet hat. Das Verbot rnird damit begründet, daß in der letzten Zeit rniederhott Klage dar­über geführt mürbe, baß einheimische Familien, denen der Besuch des Gartens. gestattet mar, sich in provokatorischer Wene der französischen Sprache bedient haben.

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lidrft die Znsommenknnst der Delegierten in Loudon sicherzu sollen. SmqsH2tiunb in dem hauptsächlichen Zwecke, alle ^mplikattonen ruvermechen, wandte sich die Pforte direkt an Bulgarien^ um ihm die Gründe rnitznleilen, weshalb es gezwungsr sei, daraus ui bestehen, daß die Gren-trace dem Lause der Marrtza bis 20>na» norrd folge. Die Türkei hätte es gewiß vorgezogen, diese Fragen mit Bulgarien auf diplomatischem Wege M regeln; lewer hmdern die von den Bulgaren in den besetzten Gebraten nut unbe.chrnb- tifher Barbarei und Vandalismus verübten Greuel, welche ihre Verbündeten mit derselben Empörung fcititdlen konnten, tote dre türkischen Truppen, die Türkei an einer dwlomchsichen Losung. Die Erfahrung hat bewiesen, daß alle mit Bulgarien begonnenen Verhandlungen dazu verurteilt waren, endlos in die Lange ge- zogen zu werden. Unter diesen Umständen sieht sich die Psorte gezwungen, die fragliche Grenze schon setzt zu besetzen, indem sie sich verpflichtet, im Einvernehmen mit den Machten das kunstige Geschick Thraziens fcftzuftetten. Die Pforte fügt Innzu, datz sie in dem Wunsche, die Entscheidung der Machie zu achten und mit Bulgarien normale Beziehungen herzustetten, die genannte Trace als endgültige Grenze ansieht, indem sie^sich verpslichtct, ie unter keinem Vorwande yu überschreiten. Tie Pforte frvft, die Mächte werden erkennen, daß der gegenwärtige Kneg zwilchen den Baitanstaaten unb die mit Bezug auf Thrazien vertretenen Kombinationen die Pforte doppelt zwingen, bic Grenze balb- möglichst fichcrzustellen, um die Sicherheit der Hauptstadt zu verbürgeii, und daß die Mächte, der befondcren Lage Thraziens Rechnung tragend, Bulgarien die iwtwendigen Raffchläge erteilen werden, um eine rasche und sriÄliche Lösung im dargelegten Sinne zu sichern. Die Pforte glaubt schon jetzt die Verantwortung für eine eventuelle Wiederaufnahme der FcindfÄigkeiten auf Bulgarien

chieben zu müssen.

Konstantinopel, 22. Juli. Der Einzug der türkischen Truppen in A d r i a n o v e l ist für morgen oder übermorgen zu erwarten. Es wird das Gerücht verbreitet, daß Adrianopel in Flammen steht.

Sofia, 21. Juli. Der Militärgouverneur von T h r a z i e n meldet, daß die türkischen Truppen seit gestern ütm Usunköprue und Lüle Burgas her vorrücken, die ans den von ^Enver Bey geführten Kurden bcftchen, darunter Serben. Der Führer der ersten Armee berichtet, daß in den letzten Kämpfen von <oerbmr kriegsgefangene Offiziere und Soldaten in der brutalsten Weise niedergemctzclt wurden. 3000 Flüchtlinge aus Kilk11 ch, Krivolak, Strumitza, zum größten Teil Frauen und Kinder, sind aus Sofia angesommen; sie befinden sich im Zustande äußerster Bcdün'tigkeit und sind der Gegenitand der öffentlicheii Wohlfahrt. Flüchtlinge, an 70 000 Personen, sind auf dem Weg nach Sofia.

Tie Mächte gegen die Türkei.

Petersburg, 21. Juli. Rußland dürfte, wie ver­lautet, Schritte einleiten, damit die Großmächte den Kol­lektivschritt in Konstantinopel annehmen. Ter russilche Botschafter Giers soll deshalb angewiesen' sein, die Pforte mit aktiven Schritten zu bedrohen.

London, 21. Juli. Obwohl das Vorgehen der Tür­kei in diplomatischen Kreisen für die bereits hinreichend verwickelte Lage noch verwickelter gestaltet angesehen wird, wird es unter den Großmächten keine Verwicklungen hiervorrufen, weil sie die einmütige Auffas- u n a haben, daß das unsinnige Bestreben der Tür­kei bezüglich der Enos-Midia-Linie nicht ge­duldet werben dürfe. Es werden schritte getan werden, um diesen Standpunkt der Mächte in Konstantinopel klar zu legen. Tie Botschaftervereinigung zeigte heute nach­mittag völlige Ucbereiuftiinntumg in dieser Hin­sicht, obwohl noch feine endgültigen Vorschläge gemacht wer­den sind. Die Botschafter besprachen ferner die Notwendig­keit, daß die Kriegführenden bald zn einer Verständigung kommen, und machten einige Fortschritte bezüglich des Sta­tutes für Albanien.

Konstantinopel, 22. Juli. Die Serben haben ihre Bedingungen bezüglich der in London beschlos­senen Grenzlinie zugunsten der Türkeigeändert. Griechenland wird sich dem Vorgehen Serbiens an- schließen.

Verzweifelte Lage in Sofia.

Wien, 21. Juli. In den Kreisen der hiesigen bulgarischen Politiker wird mit der schon vollzogenen oder bevorstehenden Ab­dankung des König Ferdinand infolge der Niederlage bcr Bulgaren gerechnet. Ta der 19jährige Kronprinz Borries zu dem letzten Kronrat in Sofia zugezogcn wurde, glaubt man, daß er den Tlwvn besteigen soll.

Paris, 21. Juli. Der Sonderberichterstatter desJournal" telegraphiert aus Sofia: Die Rumänen verhindern die Lebensmittelversorgung von Sofia. Wft werden kein Brot haben. Wenn Europa nichr binnen zwei Tagen mit aller Entschiedenheit einschreitet, bann werden wir eine Reihe jener Katastrophen erleben, welche den Schrecken der Welt­geschichte bilden.