Ausgabe 
20.10.1913 Erstes Blatt
 
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Jestpredigt hielt: der Kirchengesangverein wirkte zur Verschönerung der Feier mit. Um 2 Uhr fand die Pflanzung und Weihe der Völkerschlachteiche statt. Die Weihe­rede hielt Pfarrer Bröckelmann. Eine Gemeindefeier wurde abends im Saale derDeutschen Eiche" veranstaltet. Den Jestvortrag hielt Lehrer Seipp, bas Hoch auf Kaiser und Großherzog brachte Lehrer Keil aus.

Lang-Göns, 20. Okt. Tie hundertjährige Gedenkfeier der Völkerschlacht bei Leipzig wurde hier in würdiger Weise ge­feiert. Am 18. Oktober abends bewegte sich ein stattlicher Fackel- r u g, an welchem alle hiesigen Vereine sowie die ganze Gemeinde teilnahmen, mit dem Posaunenchor und der Feuerwehr kapelle an der Spitze, nach einer Anhöhe in der Nähe des Torfes, wo ein Freudenfeuer abgebrannt wurde. Die Gedenkrede hielt Lehrer Schwinn, der in zu .Herzen gehenden Worten die trübe Zeit vor hundert Jahren schilderte. Am Sonntag morgen fand ein außerordentlich gut besuchter Festgottesdienst statt, wobei Schüler und Gemischter Chor die Feier verschönten. Nachmittags wurde auf der Niederhofstraße eine Gcdenkeiche gepflanzt. Bürger­meister R 0 m p f schilderte an der Hand alter Gemeinderechnungen aus den Jahren 18061813 die schweren Steuern und Ab­gaben, welche die Gemeinde den französischen Truppen leisten mußte. Eine vortreffliche Festrede hielt Herr Pfarrer Weber, dann trug Herr W. Herbcl einen selbstverfaßten Prolog vor.

I B ad-Naulh eim, 18. Okt. Das war heute eine alle Schichten der Bevölkerung beherrschende Begeisterung, wie sie noch selten bei patriotischen Feiern zum Ausdruck ge­kommen ist. Die Straßen zeigten sich schon früh in reichem Flaggenschmuck. Feiertagsstimmung herrschte auch schon dadurch allenthalben, daß in vielen Betrieben heute die Arbeit ruhte. Außer den Schulen halten sämtliche städtischen und staatlichen Bu­reaus den ganzen Tag geschlossen. Am Nachmittage taten dies auch noch zahlreiche private Unternehmungen. In vielen Ge­schäften wurde die Arbeit niedergelegt; einer Anregung des Dc- taillistenvereins folgend, waren in der Zeit von 36 Uhr sogar die meisten offenen Verkaufsstellen geschlossen. So konnte icder- mann an der städtischen Feier teilnehmen, die um 4 Uhr mit einem F e st z u g e begann, der sich unter Vorantritt der Gießener Regimentskapelle vom alten Rathause aus in Be­wegung setzte. Die gesamte Schuljugend der beiden Schulen in einer Zahl von nahezu 1000 Köpfen, der Stadtvorstand und die verschiedensten Behörden, 9 Vereine und zahlreiche sonstige Teil­nehmer bildeten den stattlichen Zug. An der evangelisck>en Kirche angekommen, wo die Erinneruugseiche gepflanzt wurde, eröffnete zunächst die Militärkapelle durch ernste Weisen eine würdige Feier, in deren Mittelpunkt eine zündende, die große Bedeutung der Leipziger Schlacht würdigende Ansprache von Oberlehrer Kredel von der Stadtschule stand.Deutschland, Deutschland über alles" tönte dann aus vielen tausend Kehlen. Nach dem Vor­

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trag der ChöreMein Vaterland, ich liebe dich" undHeil Dir Kaiser, treuer Hüter" durch den unter Leitung von Lehrer Diehl trefflich geschulten Schülerchor der Stadtschule weihte dann Bürger­meister Dr. K a y s e r in packenden Worten die Eiche, woran sich als allgemeiner GesangEs braust ein Ruf wie Donnerhall" anschloß. An die Schuljugend wurden darauf von der Stadt Brezeln verteilt. Kurz nach dieser glänzend verlaufenen Feier beging dann der Jungdeutschlandbund (Wandervogel, Fahrende Gesellen, Turnverein, Sportvereins auf dem Johan­nisberg nochmals besonders das Gedenken des Jahrhundert­tages. Oberlehrer Dr. Strecker von der Ernst-Ludwig-Schule hielt hier vor einer gedrängten Volksmasse eine Ansprache. Nach einem .Hoch auf das deutsche Volk wurde das F r eu den f e> e ij entzündet. Abends fand die Jahrhundertfeier durch einen von der Stadt veranstalteten Kommers, unter Leitung von Bürger­meister Tr Kapser, einen würdigen Abschluß. Die weilen Räume der Turnhalle wann bis zum letzten Platz gefüllt. Pfarrer Wissig hielt die Festrede. Der Bedeutung des Tage- angepaßte Konzertstücke der Kapelle der 116er und Liedervorträge des Ge­sangvereinsFrohsinn" unter Leitung von Lehrer Bechtolsheimer, turnerische Vorführungen des Turnvereins, fowie allgemein ge­sungene vaterländische Lieder gaben dem Festabend ein echt vater­ländisches Gepräge.

Bingen, 19. Okt. Ten Gedenktag der Schlacht bei Leipzig würdig zu begehen, halten sich die nationalliberalen Organisationen längs'des NHeines heute zu einer .Feier vor dem Niederwalddenkmal und 'm der neuen Binger Stadthalle zusammengefunden. Zeigte der Himmel auch ein trübes Gesicht, hatte sich auch ein sch,er undurchdrsiiglicher Nebel über den Rheinstrom gelegt, so war die Zahl der Erschienenen doch recht stattlich. Gegen 11 Uhr waren die Teilnehmer vor dem Denkmal ein getroffen. Die Regiments­kapelle der 88er spielte auf. Hier, also auf preußischer Seite, hielt der Vorsitzende der hessischen Nationalliberalen Dr. O s a n n , die Festrede. Nach dieser Feier ging es wieder zurück nach Bingen Tie nationalliberale Fraktion Hessens hatte viele ihrer Abgeordneten entsendet. Man sah u. a. die Landtagsabgeordneten Tr' Pagenstecher, Bach, u. a. Bon der Reichstagsfraktion war T-r Becker erschienen. Um 3.15 Uhr begann der Festakt in der Festhalle. Nachdem Professor M o l den Hauer-Köln d,e Be­grüssungsansprache gehalten hatte, hielt Prof. Theobald Z regier die Festrede Er gab eine geschichtliche Nebersicht brs zur Leipziger Schlacht, schilderte den Einfluß, den die geistigen Führer der Na- tton besaßen und gedachte vor allem der Verdienste, die sich Preußen um die Einheit Deutschlands erworben halte. Mit einem Hoch auf das Vaterland schloß die Rede.Deutt'chland, DcutsckP- land über alles" und das Niederländische Dankgebet folgten.

Letzte Nnckrichten.

Eine Löwenjagd in Leipzig.

Leipzig, 20. Okt. In der vergangenen Nacht Tubr ein Wagen der Straßenbahn in der Blüchersttaße auf einen Viehwagen des Zirkus Barnum auf, der nach dem Bahubos gebrockt wurde. Der Zusammenprall war so start, daß a ch t L ö we ne n t - weichen konnten, von denen fünf im Laufe der Nacht von Polizeibeamten erschossen wurden. Unter dem zahlreichen Publi­kum brach eine furchtbare Panik aus^ 2rci Löwen ent­kamen und gelangten in die umliegenden Straßen. Ein Lowe sprang durch die Tür des HotelsBlücher" die Hoteltteppe hinauf und verursachte dort eine Panik. Ein französischer Gast ^des Hotels erzählte später, er habe beim Einschlafen ou 1 einer -iur plötzlich ein furchtbares Kratzen gehört. Dann habe er dw Lur qeöffnet und sich dem Löioen gegenül-er gefeheu. Soweit bi» fetzt bekannt ist, sind Menschen nicht verletzt worden.

Serbiens Weigerung.

Berlin, 20. Okt. DieDeutsche Tageszeitung" meldet aus London: Wie aus Belgrad telegraphiert wird, Hut Serbien Oesterreich-Ungarn bereits geantwortet, dce stra­tegische Notwendigkeit mache eine Zurückziehung der serbischen Truppen aus Albanien unmöglich.

D i e P r ä s i d e n t s ch a f t s f r a g e i n M e x i k o.

New York, 20. Okt. Infolge der Unmöglichteit, eine Einigung über die Nachfolge HuertaS zu erzielen, be­schloß das mexikanische K a b i n e t t, .Huertas A m t s- niederlegung nicht zu gestatten. Tie Bewegung, Huerta zum Präsidenten und B l a n q u e t zum Vtzeprasi- deuten zu wählen, gewinnt immer mehr Ausdehnung. Huerta empfing heute 1Millionen Dollar als erste Zahlung der von der London Mexico und Nationatbank aufgelegten Frins- miÜionenanleihe. *

New York, 20. Okt. Nach einem Telegramm aus M eri­tz r a n ist ein Z u g auf der Fahrt nach Meridian infolge des Ein­sturzes einer Holzbrücke in die Tiefe gestürz t. Z w a n z ig Menschen fanden ihren Tod, hundert wurden verletzt.

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bet Teilnahme von etwa 10 000 Personen eine große vaterkän- dische Feier auf dem Schlachtfcldc von 1800 statt. In Jo ' h annist ha l tourbe in einer Versammlung zum Zwecke der Erinnermigsseier der Anfang mit einer Sammlung als Erin­nerungsdenkmal für die Opfer desL 2" gemacht und an bett Staatssekretär v. Tirpitz abgesandt.

Wetteraussichten in Hessen für Dienstag, bett 21. Okt. 1913: Meist wolkig, trocken, Temperatiir wenig geändert, vielfach neblig, südwestliche Winde.

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