Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten
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(Gameten oder Zygoten) zu einer Einheit zusammentreten. Jü diesen sind sämtliche Anlagen, die der künftige Organismus ausbilden wird, enthalten. Teils sind sie gleichartig-homozygot, dann gleicht er seinen beiden Eltern. Etwa, da die menschlichen Gameten die Anlage führen, zweibeinige Individuen zu schaffen, wird in Beziehung auf seine Extremitätenbildung der Neugeborene immer seinen beiden Eltern gleichen. Aber neben dem Gemeinsamen, das sie vereint, haben zwei Menschen auch immer ihr Besonderes. Die Größe, die Haarfarbe, das Temperament und der Charakter der Mütter und Väter sind verschieden. Jedes dieser physischen und psychischen Eigenschaften entspricht iedcrseits einer Anlage in der Keimzelle. Jene aber sind nicht mehr gleich gerichtet, sondern verschieden gerichtet: heterozygot: Die Muttcr hat lockiges Haar und dunkle Augen, der Vater straffes Haar und blaue Augen. Der Sohn wird dann, vermutet man nach den gemachten Erfahrungen, in einigen Punkten dem Vater, in anderen der Mutter ähneln. Oder er könnte einen Mischtypus in dieser oder jener Beziehung zwischen Vater und Mutter darstcllcn.
Kann man nun in solch einem Falle den Gang der Natur erraten oder ihn sogar errechnen? Wandelt sie nicht verborgene Pfade Handelt sie nach Gutdünken oder heimlichen Gesetzen? Die Beobachtung über die Vererbungserscheinungen, die im letzten Jahrzehnt sich zum Range einer Wissenschaft erhoben hat, lehrt, daß der Natur bei ihren Schöpfungen ein gewnser Spielraum gewährt ist, innerhalb dessen sie wählen kann. Allem auch dann diktiert nicht die Laune des Zufalls dem Geschehen, sondern alle vorhandenen Möglichkeiten werden ausgcschöpft. Es geichwht nur das, was der Wahrscheinlichkeit entsprechen wurde Um dies zu verifizieren, sei ein Beispiel für die Vererbung der ^arbe bei einer Pflanze, der Wunderblume, Mirabilis Jalapa, von der es verschiedenfarbig blühende Sorten gibt, beigebracht. Wenn man den Fruchtkiwten einer weißblühenden Pflanze, die zu einer stetig weißblühenden Sippe gehört, der Mirabilis alba, mit dem Blütenstaub einer ticfrosablühenden Mirabflis rosea befruchtet, so entsteht ein hell rosafarben er Bastard, also eine Mischsarbc. Hält man letzteren zur Selbstbefruchtung an, so produziert er in der folgenden Generation nicht mehr gleichfarbig, sondern verschiedenartig blühende Individuen, die teils den einen weißblühenden, teils den anderer: tiefrosablühenden Großeltern gleichen, teils aber auch wie der Vater eine hellrote Färbung zeigen. Läßt man nun diese Individuen der dritten Generation sich wieder selbst bestäuben, so ereignet sich das scheinbar merkwürdige, daß die weißen nur weiße, die tiefrosa nur tiefrosa Nachkommen haben. Die Nachkommen der Hellrosablüten aber verhalten sich genau so wie die Hellrosablüten der vorigen Generation: Sie geben weiße, tiefrosa und hellrosa blühende Nachkommen. Bei letzteren wiederholt sich das „Aufspalten" in weiß und ticfrosa ins Unendliche fort. Und zwar ift dabei das Ziffernverhältnis zwischen Weiß, Hellrosa
und Tiefrosa stets konstant .Es beträgt 1:2:1. Mit diesem einfachen Ziffernverhältnis, das seinem Entdecker, dem Augustmer- pater Gregor Mendel zu Ehren den Namen der Mcndelscheu Regel trägt, ordnet sich die Vererbung. 'Ihir einige Varianten kommen noch hinzu, ohne jedoch das überaus einfache Bild komplizieren zu können. Gewisse Anlagen in beit Keimzellen — und dies ist dem Ingenium Mendels bereits bewußt gewesen —, sind von solcher Kraft, daß sie bei der Vereinigung mit anderen Keimzellen die Oberhand über deren Anlagen zu gewinnen suchen. Man nennt ein derartiges Verhalten Dominanz im Gegensatz zu den rezessiven Anlagen, die zurückgedrängt werden. Es gibt aber auch Fälle, in denen ein Bastard in der ersten Generation nicht wie die Mirabilis Jalapa eine Mischform beider Eltern darstellt, sondern nur nach dem einen von beiden schlachtet.
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Derartige Betrachtungen sind nötig, um einen Eindruck zu gewinnen über die Art, wie Krankheiten vererbt werden, warum ein Teil einer Generation frei von einer bestimmten Erbkrankheit bleibt, während ein anderer Teil der Geschwister erkrankt, oder warum nach vielen Geschlechtern eine Krankheit wieder auftaucht. Die Mendclschen Regeln über die ziffernmäßige Verteilung haben sich bei dieser Probe hinreichend gut bewährt'und zwar — ganz wie es die Wahrscheinlichkeitsrechnung fordert — um so besser, um je größere und zahlreichere Familien es sich handelte. Wenn bisweilen Abweichungen auftreten, so erklärt sich dies daher, daß ja nur wenige Keimzellen aus den Keimdriisen zur Entfaltung gelangen; dann ist es dem Zufalle anheimgegeden, daß sich die Anlagen auch in deut berechneten Verhältnis treffen. Auch die Krantheitsanlagcn — hierin sind die vercrbbaren Mißbildungen c ingeschlossen — haben entweder dominante oder rezessive Eigenschaften. Die dominanten Krankheiten werden direkt auf die nächste Generation vererbt. Bei zwei kranken Eltern sind alle Kinder krank, bei einer Heirat eines Gesunden mit einem kranken Individuum sind zwei Möglichkeiten vorhanden: entweder alle Nachkommen sind krank oder eine Hälfte. Tie Gesunden aus einer mit einer dominanten Krankheit behafteten Familie sind und bleibe:: in ihrer Nachkommenschaft gesund. Hier gilt der Satz: „Einmal frei, immer frei." Die Zahl der dominanten Krankheiten ist recht beträchtlich, aber die Zahl der Er- krankten verhältnismäßig gering. Es mag dies seinen,Grund darin haben, daß die davon Betroffenen wegen ihres manifesten Leidens, weniger Fortpflanzungschancen haben als die Gesunder: und die m:t rezessiven Anlagen Belasteten, von denen noch zu spreche:: fern wird. Zu den bekanntesten dominanten Krankheiten gehören Ltosfwech,el- störungen, wie Zuckerkrankheit, Fettsucht und Gickst, d:e um alternierend vererben können. Alsdann siick> zahlreiche famflrar auf- tretende Nervenkrankheiten beobachtet worden, so heredttäres Zittern hereditäre Muskelsteifheit (sog. Thomsensche Myotome), ferner Geschwülste an den Nerven. Schwellungen (Oedeme), Qie teils, nur
war lehrt uns dieKatastrophe des §2?
Zur Vernichtung des Marinetuftschiffes L 2 wird uns von fachmännischer Seite geschrieben:
Es sind erst vierzig Tage vergangen, seit wir unter 'der Ueberschrift, „was lehrt uns die Katastrophe des 53.1?" die Lehren aus der Vernichtung des an: 9. September in der Nordsee untergegangenen ersten dsutscheu Marinetuft- schiffes zu ziehen suchten. Wenn wir damals betonen mußten, daß es die schwerste Katastrophe sei, welche die Geschichte unserer Luftschiffahrt aufzuweisen habe, und wenn wir tröstend hinzufügten, daß der L. 2 den: untcrgegangenen L 1 bereits wesentlich überlegen sei, so müssen lvir heute betrübt zngestehen, daß jene schwerste durch eine noch weit schwerere .Katastrophe in den Schulten gestellt ist, und daß die auf den „wesentlich überlegene::" L 2 gesetzten Hoffnungen nur zu schnell zu Schanden geworden sind. Je großer die Hoffnung, desto stärker die Enttäuschung. War doch dieser Luftkreuzer nicht nur der größte, schnellste und leistungsfähigste Deutschlands, sondern überhaupt das größte Luftschiff, das bisher gebaut worden war. Ein Luftschiff, das jeden Rekord brechen, dessen Aktionsradius weit über die Nordsee reichen sollte. Diese Katastrophe trifft uns aber doppelt schwer, lveil mit dem Luftkreuzer nicht nur die gesamte Mannschaft, sondern auch die Abnahmekommission und damit der größte Teil der Sachverständigen zugrunde gegangen ist, über welche unsere Marine- Luftschiffäbteilung verfügt. Der Verlust des L 2 ist verhältnismäßig leicht zu ersetzen, dieser Verlust überhaupt nicht.
Was bei der Katastrophe des L 2 des weiteren so besonders niederdrückend wirkt, ist die Hilflosigkeit, mit der wir ihr gegenüberstehcn. Bein: Untergang des L 1 konnte man sich wenigstens sagen, daß es^sicb einmal, nm ejn Zusammentreffen ganz ungewöhnlich ungünstiger Wittcrungs- erscheiirungen, also um höhere Gewalt gehandelt habe, und daß zweitens doch wohl die Möglichkeit gegeben war, durch größere Rücksichtnahme auf das nun einmal nicht der Konr- mandvgewalt unterliegende Wetter ähnlichen Unglücksfällen nach Möglichkeit vorzubeugen. Alle diese schwachen Tröstungen entfallen hier, Katastrophen wie jene, die den L 1 betroffen schienen bei dem L 2 ausgeschlossen zu sein, da er motorisch weit stärker war und eine erheblich größere Tragkraft besaß. Allein war die eine Gefahr nach Möglichkeit beseitigt, so sehen wir, daß unsere Luftschiffe, mit denen wir das Reich der Luft bereits erobert zu haben glaubten, noch von gar vielen anderen Gefahren umlauert sind, die um so schlimmer erscheinen, da wir sie nicht einmal genau kennen.
Das ist das Trostlose an der Katastrophe des 53 2, daß wir über ihre Ursache und somit über die Mittel, mit denen ähnlichen Unfällen zu begegnen wäre, keine Gewißheit erlangt haben und nie werden erlangen können, denn den Zeu-
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Wilhelmshaven, 19. Okt. Der bei der Katastrophe des „L. 2" ums Leben gekommene Obermaschinistenmaat Focken aus Rüstringcn war laut der „Vossischen Zeitung" bei dem Untergang des „53. 1" gerettet worden. Der Obermaschinist Lehmann aus Wilhelmshaven, welcher beim Untergang des „53. 1" ebenfalls gerettet wurde, sollte die Unglücksfahrt des „53. 2" mitmachen, er erhielt aber am letzten Montag verlängerten Urlaub und entging infolgedessen dem Tode.
Ein neuer Marine-Zeppelin.
Graf Zeppelin hatte anläßlich der Katastrophe des Marineluftschiffes 53 2 ein Telegramm an den Staatssekretär des Reichsmarineamts v. Tirpitz gesandt. .Hierauf
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Tageskalender aus dem Jahre 1813.
2 0. Oktober. Rückzugsgefechte der Franzosen bei Lützen, e: n h a r d s w e r b c n und Naumburg gegen die sie
on Agenden ruppen der Verbündeten.
2 0. iO rlvb e r Gefechte zwischen russischen und preußischen Truppen und den ret:ricrcnden Franzosen bei L ü-tz en, R c ini yardswerbcn und Naumburg a. d. S.
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Vie erblichen Uranihciten in: Lichte der vererbungsgesetze.
Von Dr. med. van Troy.
ilralt ist die Vorstellung von Krankheiten, die sich von Giychlecht w Geschlecht forterben. Allein nicht alle Krankheiten, d:e häustg ;n einer Familie auftreten, dürfen ohne werteres als erblich bc- reickmet werden. Auch nicht einmal der Umstand, daß sw angeboren Und ^cr Neugeborene sie schon zeigt, ist bewclskraftrg für bre Vererbung Andererseits können vererbte Krankheiten erst v elc Jahre nach der Geburt sich offenbaren, ja sie können erst das Greisenalter Heimsuchen. Am geläufigsten und am meisten m die Augen springend ist die Heredität der Tuberkulose. Man hat Nöi.sio Geleaenheit, zu beobachten, wie Famflren von ihr dezimiert Swerden Der Einwand daß die Tuberkulös eine Infektionskrankheit, hervorgerufen durch Ansteckung mit dem Tuberkelbazillus, ist, und das; eben nur der erkrankte, der de: Bazilleninfektion ausgesetzt sei, mag zwar berechtigt sein allein cs erweist sich nicht als sstchhaltig Denn es wird nicht d e Tuberkulose als solche vererbt, sondern die Disposition. Dabei ist Disposition in diesem Falle durchaus kein mystischer: »jnTL sondern ßic äußert sich wie neuere Forschungen stchergestellt haben, in einer unzweckmäßigen Konstruktion des Brustkorbes, dem be- ickiwindflichtigen Habitus, der em ausgiebiges r-cunktw- nicren der Lungen Pibcn verhindert, dafür aber dem Eindringen der Tuberkelbazfllen Tor und Tür öffnet. Es sprechen also autzere Doktoren des Milieus, die Mikroorganismen mit, diedas 3u- SnnhPfnmmen der eigentlichen Krankheiten erst ermöglichen Wo ^ Boülün fehlen bricht natürlich auch bei dein disponiertesten die Bazillen ü " crkulose ans. Möglich ist es, das; es sich
Individuum keu b verhält, die auf der einen Seite cnewab °nd cnbererfeit» viele Be-
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S,^des Mms UN erdrückt werden, so das, die Nachkommen die Gunst des --'tu . meiften Fällen, wo cm Freiwerden
frei werden. .Allein m oen ^({rf)cn Krankheit deutlich wird, bemhl"diN wie wir gleich sehen werden, aus ganz anderen Um- ständen. npfi ßfkf ü5er das Wesen der „Heredität" zu cr-
Um einen UeBablitf o» nnd wann Krankheiten über-
ÄÄÄS Ä * beten Keimzellen
gen und Sachverständigen „schloß auf ewig Hekate den stummen Mund." Wie der amtliche Bericht hervorhebt, ist mit i Sicherheit nur festgestellt worden, daß das Feuer in oder über der vorderen Gondel, nicht aber im Innern des Luftschiffes । entstanden ist. Daraus ist die einigermaßen zuverlässige Schlußfolgerung zu ziehen, daß eine Selbstentzündung des Gases im Innern des Ballonkörpers durch Funkenbildung infolge atmosphärischer oder lokaler Reibungselektrizität nicht die Ursache der Katastrophe bildet, sondern das Feuer vielmehr unter dem Balloukörper in der Gondel entstanden ist. Was die U r s a ch e d e s F e u c r s betrifft, so ist d:e vom Neichsmarincamt eingesetzte Untersuchungskommis sion zu der Annahme gelangt — eine sichere Feststellung ist eben nicht möglich —, daß es auf einen Vergaserbrand zurückzuführen ist, der infolge von Knallgasbildung schnelle Nahrung fand. Ein radikales Mittel gegen diese Gefahr würde erst gegeben sein, w'enn wir ein unexplodierbares Gas zur Verfügung hätten, das aber bisher leider noch nicht erfunden wurde.
Jedenfalls werden auch aus dieser nicht aufgeklärten Katastrophe einige Lehren zu ziehen sein. Zunächst die, daß nach Mitteln und Wegen gesucht werden muß, die Zuverlässigkeit der Antriebsmaschinen wesentlich zu steigern. Eine zweite Lehre ergibt sich aus der Tatsache, daß die explosionssicheren Benzintanks erst bei dem Aufschlagen auf der Erde zertrümmert wurden, und daß die aus dem Zellid her- gestellten Kabincnfenster unversehrt geblieben sind. Es wäre zu erwägen, ob nicht der Maschinenraum durch feuerfeste Z e l l i d w ä n d c so geschützt werden könnte, daß die Verbreitung eines an den Motoren entstehenden Brandes wenn auch nicht verhindert, so doch derart verzögert werden könnte, daß für die Besatzung größere Rcttungsmöglichkeiten geboten wären. Endlich scheint sich der beim 53 2 angewandte Einbau der beiden Gondeln in den Schiffskörper nicht bewährt zu haben, da der hierdurch erzielte geringere Luftwiderstand durch die vergrößerte Gefahr des Uebergreifens eines Brandes auf den Ballonkörper reichlich aufgezogen wird.
Jedenfalls wird mit aller Sorgsamkeit und Gründlichkeit geprüft und durch immer neue Versuche erprobt werden müssen, was an Verbesserungen bei dem eben doch noch mit mancherlei Mängeln behafteten Zeppelintyp anzubrin- gen ift. Gegen diesen Typ aber spricht auch diese Katastrophe nicht, da die Explosionsgefahr uuch bei den anderen Syfte- r:en vorliegt. Im übrigen wird man, so sehr auch vor jeder Ueberstnrzuna de> LuslschiffkonLruktionen und Bauten zu warnen ist, doch nur den Worten des Kaisers beistimmen können, daß „die Trauer über das Geschehene nur zu ueuten Anstrengungen anspornen" wird, „die so wichtige Luftschiffwaffe zu einem zuverlässigen Kriegsmittel zu entwickeln".
antwortete der Staatssekretär: „Herzlichen Dank für Ihr warmes Beileid. Wir trauern beide gemeinsam um die vielen wackerer: Männer, die ihr Leben für Ihr großes Werk gelassen. Unser nächster „Zeppelin" wird hoffentlich unter einem günstigeren Stern fahren/ v. Tirpitz.
Frankreichs Teilnahme an dem Luftschiff-Unglück.
Paris, 18. Okt. Der französische Aeroklub hat an den Deutschen Luftschifsahrer-Vcrband folgende Depesche gerichtet- „Tief ergriffen von der schrecklichen Katastrophe des Zeppeliu-Luftschiffes spricht der französische Aeroklub dem Deutschen Luftschiffahrer-Vcrband seine mitfühlende Teilnahme aus." I
Die „Nordd. Allg. 5tg.‘‘ über die Lage auf dem Baifan.
Die amtliche „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt in ihrer Wochcnrundschau:
Die Verhandlungen zwischen der Türkei unb Griechen» land haben in dieser Woche erfreuliche Fortschritte gemackst. lieber die wichtige Jndigenatsfrage ist eine Verständigung bereits erzielt. Dagegen steht die Einigung in den Fragen der Muftis und der Wakufs noch aus. Wenn die Verhandlungen bei gegenscittgen: guten Willen fortgeführt werden, so werden sich auch diese Schwio- rigkciten ausgleichen lassen. Zu einer günsttgcn Beurteilung der griechisch-türkischen Beziehungen trägt der Umstand bei, daß :n der türkischen Demobilisation jetzt ein lebhaftes Tempo cin- aeschlagen worden ist. Auf beiden Seiten sck-eint sich danach der Wunsch zu befestigen, die Differenzen zu einer friedlichen Lösung zu bringen.
Ernster ist die Lage, die durch das Vorgehen Serbiens m Albanien geschaffen ist. Die Serben haben sich nicht mit der berechtigten Zurückweisung albanischer llebcrgriffc begnügt, sondern haben in den letzten Wochen wesentliche Teile Albaniens besetzt und in ctmgcp Plätzen bereits serbische Verwaltung eingerichtet. Die Begnindung des selbständigen Staates Albanien beruht auf einem curopapchen Beschluß, der erst nach langwierigen Verhandlungen zustand» gekommen ist. Sämtliche Mächte sind daran mtcrehicrt, daß das von ihnen geschaffene Werk erhalten bleibt. Ein besonderes Interesse daran haben aus ost erörterten Gründen Oesterreick- Ungari: und Italien. Es ist daher selbstverständlich, daß Deut, ch- land für die volle Aufrechterhaltung des Londoner Beschlusses eintritt. Die deutsche Regierung hat in den letzten Tagen in Belgrad ebenso wo hl gern einte wie nachdrückliche Vorstellungen erhoben, um die serbische Regierung zu schleuniger Zurückziehung ihrer Truppen und voller Respektierung der Londoner Mmachungen zu veranlaffen Die serbische Regierung, die wiederholt Beweise politischer Klugheit nnd richtiger Wertung der Verhältnisse gegeben hat, hat eÄ 1 in der Hand, durch unverzügliches Einlenken d:e Situation zu klären. Hierzu ist Serbien um so eher m der Lage, als die Mächte den Verhältnissen in Albanien alle Aufinerkfamkert zuwcndem Die internationale Kontrollkommission hat ihre Arbeiten bereits begonnen, und 'mit einer baldigen Wirksamkeit der internationalen Gendarmerie ist bestimmt zu rechnen. Daß Serbien nach dem reichen Gebietzuwachs, der ihm zugefallen ist, weiterer territorialer Erwerbungen nicht bedarf, ift_ auch von fer-- bischer Seite ausgesprochen worden. Nach alledem ift! zu erwarten, daß Serbien rechtzeitig Entschließungen fassen wird, die den Forderungen der Mächte entsprechen.
Paris, 19. Okt. Mehrere Blätter tadeln in scharfer Weise daS Vor g ch cn Oesterreichs in Serbien und behaupten, daß das österreichische Ultimatum so ziemlich überall und namentlich in London und Petersburg einen sehr schlechten Erndruck hervorgerufen habe.
Die Krone Albaniens.
Bukarest, 20. Okt. Die Agcnce Roumaine ist dazu ermächtigt, die von einem auswärtigen Blatt gebrachte Nachricht,
Nr. 2<6 Erstes Blatt 163. Jahrgang Wag, 20. Oktober (913
Ter Gießener Anzeiger
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bis vormittags 9 Uhr. Rotationsdruck und Verlag -er Vrühl'schen Univ.-Vttch- und 5teindruckerei R. Lange. Re-attion, Expedition und Druckerei: Zchulfiraye r. Anzeigenteil: H. Beck.


