Nr. 271
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Anzeiger Gießen.
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Erstes Blatt
165. Jahrgang
Dienstag, 18. November 1913
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Rotationsönid und Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Zleindruckerei R. Lange. Redattion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7.
Bezugspreis: monatlich75Vi., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Alk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Vestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ ailswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: 21 Goetz. Verantwortlich für freit polit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton", .Vermischtes' uiid„Gerichts- facck": Karl Netirath; für .Stadt und Land": Kurt Bcndt; für den Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.
Tageskalender aus dein Jahre 1813.
18. November. Auslösung des Rheinbundes.
Sine Uabinettsordre gegen den Tango.
Einer unserer Berliner Mitarbeiter schreibt uns:
Der Modetanz, den man den Tango nennt, ist aus den Kabaretts und Nachtlokalen in die Salons der besten Gesellschaftskreise gehüpft.
Die Damen der vornehmsten Schichten verlangen von ihren Tanzlehrern nur noch Unterricht im Tango in seinen neueftek und pikantesten Nuancen. Bei den Privatgesellschaften kommen andere Tänze überhaupt nicht mehr zur Gel' Uing. Alles drängt sich zum Tango. Nur aus Tradition und Pflichtgefühl werden noch die „veralteten" Tänze, wenn es nicht anders sein kann, absolviert, bis endlich mit dem Tango das allgemeine Ah der Erlösung erschallt. Ten besonnenen .Hütern vornehmer und variabler Gesellschaftstänze nützt es nichts, die Tanzlustigen auf den unerschöpflichen Vorrat guter und eleganter Tanzartcn hinzuweifen, alles hält fest nur am Tango und findet alles andere langweilig. Dies die Stimmung der diesjährigen Tanzsaison. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel muh deshalb die Kabincttsordrc des Deutschen Kaisers an die Regimentskommandeure und Schiffs- kommandanten wirken, die dieser Tage erschienen ist und in der es heißt: „Die Herren von der Armee und der Marine werden hierdurch ersucht, in Uniform weder Tango noch One- oder Twostep zu tanzen und Familien zu vermeiden, in denen diese Tänze auSgcführt werden." Wer diesen! Erlaß zuwider- handclt, ist mit der Strafe sofortiger Dienstentlassung bedroht. Ein kleines Warnungszeichcn war schon vor diesem Erlaß von einer dem Hofe nahestehenden Seite gegeben worden. Der in den letzten Tagen viel genannte Generalintendant Graf v. Hülsen-Hacselcr hatte sich auf Anfrage einer Künstlerin des königlichen Schauspielhauses dahin geäußert, daß er ihre Beteiligung an der Tango-Konkurrenz eines Wohltätigkkitsfestes zwar nicht verbieten könne, daß er sie aber davor warnen möchte. Durch die kaiserliche Kabinctts- ordre ist nun allgemein klar geworden, worüber in Gesellschaftskreisen schon viel gemunkelt wurde, nämlich daß der Kaiser und auch die Kaiserin entschiedene Gegner der neuen Tanzmodcn, des Tango und aller ähnlichen Tänze sind. Tie kaiserliche Kabinettsordre richtet sich streng genommen nur gegen das Tangotanzen der Offiziere in Uniform. Sic überschreitet nicht die Grenzen der kaiserlichen Kommandogewalt und des höfischen Taktes, der durchaus nicht geneigt ist, sich als Maßstab der Sitten und Gebräuche für alle Gesellschaftskreise auszugeben. Aber der Kaiser wollte mit seiner Kabinettsordre seiner Ueberzeugung energischen Ausdruck geben, daß ein zum mindesten so artistischer und persönlicher Tanz wie der Tango sich mit der Würde und wenn man will, mit der Steifheit der preußischen Uniform und des Marincrocks nicht verträgt. Nichts wäre falscher, als die Annahme, daß Wilhelm II. dem Gesellschaftstänze an sich kritisch oder intolerant gegenübcrstehe. Wohl jedermann erinnert sich noch der Tanzhusaren, die er einst den Damen von Krefeld in aller Oeffentlichkeit feierlich versprochen und dann auch prompt geliefert hat. Der Tanzmcister, der dem ehemaligen Prinzen Wilhelm Unterricht im Tanzen gab, ist ein klassischer Zeuge dafür, wie sehr der Kaiser den Tanz liebt, für wie notwendig und zweckmäßig er ihn in körperlicher und gesellschaftlicher Hinsicht hält. Eine Anekdote aus neuerer Zeit: Der Kaiser hat zu einem Hoffcste einige junge
Liu Besuch in der vnrerschule yochwaldhausen.
In eiligem V-Zug war das wunderbare Lahntal durchfahren worden. In Gießen nahm mich ein gemütlicher Bummelzug auf und führte mich an allerlei kleinen sonntagsstillen Ortschaften vorbei, wo hessische Bäuerlein im Feiertagsstaat die Ankommenden und Vorüberfahrenden musterten. Und wenn eine sorgende Mutter am Bahnhofsbrunnen ihren durstigen Buben tränken wollte, der aus rinem Abteil vierter Klaffe, nur mit Hemd und Höschen bekleidet, herauskrabbelte, hielt der Zug in humanem Entgegenkommen noch ein paar Minuten länger, als der an sich schon auf Behaglichkeit eingestellte Fahrplan vorschrieb. In nicht allzu langer Zeit ging es weiter hinauf, durch weitgedehnte, einsam stille Bergtäler.
Wohltuend wirkte diese ganze Ruhe und Behaglichkeit. Weit weg alle nervöse Hast neuzeitlichen Kulturlebens. Weit weg V-Zug und Großstadtlärm. Kräftige Höhenluft wehte mich an, als ich den kleinen Zug verließ. Ein frischer junger Bursch mit grüner Schlappmütze und cijter Art Wandervogel kost üm war mit mir gefahren. Schon als er m Msfeld in den Zug stieg, hatte ich die Empfindung gehabt, daß er wohl zur Dürcrschule gehören könnte, die mein Reiseziel war. Und nun bestätigte sich meine Vermutung, als er sich zu den Jungen gesellte, die am Bahnhof bcreitstanden, den Gast zu empfangen.
In wenigen Minuten war Hochivaldhausen erreicht. Ein anmutiges, weites Gebirgstal dehnte sich vor mir. Im Hintergrund dunkles Nadclgehölz. Ein wenig Schwarzwaldstimmung, aber heiterer, freundlicher. Mitten hinein gebettet in wohltuendes, saftiges Grün die heimeligen Fachwerkbauten der Türerschule.
Ipr behaglichen Eigenzimmcr empfing mich der Leiter der Schule. Bald war ich seiner Gehilfin und Gattin und den übrigen Lehrpersonen vorgestellt. Und als es Mm Abendessen läutete, fühlte man sich schon recht daheim.
In munterem Durcheinander sitzen Erzieher und Schüler beisammen, kameradschaftlich plaudernd und sich an der einfachen, dem jugendlichen Bedürfnis angepaßten kräftigen Kost stärkend.
Nach Tisch sammelt man sich zur sogenannten „Llbend- sprache." In einzelnen Gruppen sitzt man zusammen und lauscht einer Vorlesung. Dann bleibt noch eine halbe Stunde freie Zeit, wo man sich zwanglos umhertummelt. Und nun lichtet sich allmählich die muntere Schar. Um ein Viertel nach acht verschwinden die Kleinen, nach und nach zwischen neun und zehn
Leutnants als Tänzer kommandiert; als einer von ihnen, des Tanzens nicht sehr kundig, seiner Dame aus den Fuß tritt und diese einen kleinen Schrei nicht unterdrücken kann, wendet sich der Kaiser mit grimmigem Blick an den Unglück lichen mit den Worten: „Nickst wahr, Herr Leutnant, das nächste Mal werden Sie besser tanzen können." Sieht der Kaiser bei Tanzfestlichkeiten feiernde oder spielende Offiziere in Gruppen beisammen, so tritt er sofort selbst heran mit dem Bemerken, daß man die Damen nicht warten lassen möge: er wünsche, daß seine Offiziere flotte Tänzer sind. Taß der Kaiser selbst mit großer Vorliebe dem Tanze huldigt, ist bekannt: nicht nur bei der Hochzeit des Kronprinzen, auch noch bei der Verehelichung seiner einzigen Tochter, der jetzigen Herzogin von Branschweig tanzte er viel u. unermüdlich. Nichts macht ihm auch (ftit Reisen größere Freude, als ein improvisiertes Tanzfest auf der „Hohenzollern", auch auf Schulschiffen, wenn sich seine Offiziere und die Mannschaft mit den rasch zusammengetrommelten Damen und Mädchen eines Küstenortes im Kreise drehen. Auch auf den Residenzbällcn des deutschen Kaiserhofcs ist man durchaus nicht überstreng und steif. Ter Kaiser wünscht zwar vor allem immer die deutschen Tänze, namentlich den Menuettwalzer; er tanzt aber auch sehr gern hie und da eine Polka. Meist wird der Schnellwalzer, selten der Schleifwalzer getanzt. Man will durch- auch nicht konservativ am Alten kleben bleiben. Tie Polkas, Quadrillen und Mazurkas haben auch auf den Hofbällen neue Nuancen gewonnen. Als der Kronprinz bewies, daß er auch „linksrum" tanzen könne, machte man ihm dies in den höchsten und allerhöchsten Gesellschaftskreisen rasch nach, und der kaiserliche Papa erhob nicht den mindesten Einspruch gegen eine solche gelegentliche Extratour. Daß er sich aber nun gegen das Tangotanzen seiner Offiziere ausspricht, und diese Tanzart ausdrücklich und energisch verbietet, wird jeder Unbefangene und Einsichtige begreiflich finden. Ein Modetanz wie der Tango in Uniform ist gegen die guten Sitten, nicht nur bei Hofe sondern auch in jedem Privathause.
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Nach dem Berliner „Lok. Ain." ist die Meldung von dieser Kabinetisordre falsch, und an amtlicher Stelle wußte man, wie die „F. Z." mitteilt, am gestrigen Montag von einer solchen Verfügung noch nichts. Vielleicht ist sie al)o noch nicht in Kraft getreten, oder die amtlichen Stejleu dürfen nichts wissen, weil der Erlaß nicht für die Oefsenilichkeit bestimmt war.
25us Hessen.
Der Finanzausschuß der zweiten Kammer wird am näckfften Freitag vormittag unter Vorsitz bed Abg. Dr. Osann wieder zu einer Sitzung zusammentreten, in welcher in erster Linie der Gesetzentwurf, betr. die Hingabe eines D a r l e h n s von einer Million Mark an die Zentralkasse der landwirtschaftlichen Genossenschaften zur Berattmg kommen soll. Gutem Vernehmen nach urird die zweite Kammer, rcsp. deren Finanzausschuß noch verschiedene Abänderungen bezüglich des von der Regierung mit der Zentralkasse abzuschließenden Vertrags über die Staatsauß'icht in das.Gesetz hineinbringen. Ter Finanzausschuß wird sich sodann auch noch mit der Fertigstellung und Verlesung der verschiedenen Ausschußberichte über die Besoldungsrefo^rm zu beschäftigen haben und .wahrscheinlich auch noch die Regierungsvorlage, betr. die Beteiligung des Staates mit fünf Millionen neuer Aktien an der Hessischen Landeshypothekenbank, zur Beschlußfassung für das Kammcrplc- num fertigstellen.
Gemeinsame Beratung der Finanzausschüsse. Ta nach den Bestimmungen der landständischen Geschäftsordnung (Art. 26) über die ,Vorlage, betreffs der Hingabe einer Million Mark als Tarlehen eine gemeinsame Beratung der Finauzaus-
auch die Großen. Und über dem nun doppelt stillen Tal wölbt sich majestätisch der Nachthimmel.
Nicht allzu lange dauert diese Stille. Schon früh um 6 Uhr kommt eine wilde Schar die Landstraße herabgestürmt, Lehrer voran, die Schüler hintendrein: die Türerschule macht ihren Daucrlauf, nach dem mit frischem Hunger das erste Frühstück eingenommen wird. Ein kräftiger Hafergrützbrei mit gutem Kakao und Brot schasst die Unterlage für die Tagesarbeit. Mutig gehts bann in den Unterricht. Nach der ersten Stunde begeben sich die Schüler auf ihre Zimmer zu der nutzbringenden Hebung des Bettenmachens. Zwischen die dritte und vierte Stunde ist ein zweites Frühstück eingeschoben, und nach Beendigung des Unterrichts dehnen alle die durch das Sitzen etwas steif ac- wordenen Glieder in gesunden Luftbadübungen nach schwedischer Art. Ein kurzes Bad erfrischt und gibt den rechten Hunger für das Mittagessen, vor dem aber meist noch in irgend einer Form Musik getrieben wird, die man mit Recht als wichtigen Bestandteil in den Tagesplan mit ausgenommen bat.
Nach Tisch gibts etwas Freizeit, an die sich zwei Stunden für die häuslichen "Arbeiten ausschließen. Kurz nach vier Uhr wird ein kleiner Imbiß genommen, und bann gehts hinaus in einzelnen Gruppen, die einen zu Sport und Spiel, die anderen zum Gartenbau, wo sich in der frischen Lust beim Hacken und Graben die Haut bräunt oder zur Werkstätte, um unter Leitung eines tüchtigen Meisters in die einfachsten Geheimnisse des handwerklichen Unterrichts eingeführt zu werden. Tas gibt praktischen Sinn und lehrt Achtung vor der Handarbeit.
So wird die Zeit ausgesüllt, bis allzu schnell wieder der Abend kommt und zur Ruhe mahnt. —
Unsere Zeit ist reich an allerlei pädagogischen Reformbestrebungen. Mir will scheinen, daß gerade die Türerschule besondere Beachtung verdient.
Ihr Grundgedanke, die körperliche, geistige und sittliche Ertüchtigung der Jugend unter gewissenhafter Verwertung alter Erfahrungen und mit Verwirklichung neuer, guter Reformideen zu fördern, ist sicherlich gut. Das einfache Leben in gesunder Landluft, has vertraute und offene Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern, die harmonische Entwicklung körperlicher und geistiger Fähigkeiten, das Bewahren vor allem unnötigen Zwang geben dieser ganzen Erziehungstätigkeit etwas Frisches und Nutzbringendes.
Der Unterricht sucht besonders sich allen engherzigen Pe- dantentums zu enthalten, bei der Jugend Freude am Lernen zu
schüsse beider Ständekammern stattfinden muß, sind die beiden Finanzausschüsse zur Abhaltung dieser gemeinsamen Beratting für Samstag, den 22. November nachmittgas einberufen worden.
Deutsche- Uetch.
Dcr Kaiser ermächtigte die Generalordenskommission, die vor dem Feinde erworbenen Orden und Ehrenzeichen in geeigneten Fällen den Hinterbliebenen ans Antrag zur Aufbewahrung als Andenken zu belassen.
Neue G e b ü h r e u f e st s e tz u n g für Warenproben. Nach einem Beschlüsse des Bundesrats werden Warenproben in Zukunft wie folgt tarifiert: bis 250 Gr. 10 Pfg. Porto, von 251 bis 500 Gr. (bisher 350 Gr. Höchstgewicht) 20 Pfg. Tie Feststellung, ob Warenproben Handelswert haben, fällt fort, doch behält die Post das Recht, Warcn- probesendungen auf den Inhalt zu prüfen.
Eine Vorlage über die Einführung der preußischen S t ä d t e o r d n u n g in Ne u.v o r p o m - mern und Rügen wird an zuständiger Stelle vorbereitet. Zurzeit gelten im Regierungsbezirk Stralsund noch die alten schwedischen Stadtrczesse, die 1815 den neuerworbcnen Landesteilen belassen worden waren und die auch 1853 bei Einführung der preußischen Städteordnung nicht aufgehoben wurden.
Kundgebung der Eis en b ah n ar b e i te r der Direktion Frankfurt. Eine stark besuchte Tagung der Eisenbahnarbeiter und Eisenbahnangestellten aus dem Bereich der Frankfurter Eisenbahndirektion nahm eine Entschließung zu Gunsten der freien Arztwahl im ganzen Bezirk einstimmig an; ferner forderte sie eine durchgreifende Neuordnung der ArbciterauSschüsse und deren Unabhängigkeit von den amtlichen Betriebssteklen und schließlich die Wahrung des Rechts der freien politischen Ueberzeugung.
Der russische Ministerpräsident Kokow- tz o w besuchte am gestrigen Montag vormittag den Reichs- i anz le r und hatte mit ihm eine fün fv iertelstün- dige Unterredung.
Arrrlanv.
DasöfterreichischeThronfolgerpaarzuBesuch in England. Aus Windsor wird berichtet: Erzherzog Franz Ferdinand und die Herzogin von Hohenberg sind am Bahnhof von König Georg und dem Prinzen Friedrich Christian von Schleswig-Holstein empfangen worden. Bei der Fahrt nach dem Schlosse wurden sie von einer großen Volksmenge herzlich begrüßt. Zu dem heutigen Tiner war eine Anzahl hervorragender Gäste geladen.
Die Wahlreform in Frankreich. Die französische Kammer beriet heute über die Wahlreform. Sie nahm mit 296 gegen 251 Stimmen einen Zusatzantrag Maginot an, wonach die Zahl der Sitze nach der Ziffer der eingeschriebenen Wähler berechnet werden soll. Der Ausschuß hatte vorgeschlagen, die Sitze nach der Einwohnerzahl zu berechnen.
Das spanische Königspaar ist am gestrigen Montag abend in Paris eingetroffen. Zum Empfange am Bahnhofe hatten sich u. a. der Minister Pichon und der Vertreter Poincares eingefunden.
Ein Aus st and der Inder wird aus Durban gemeldet: Die Kutscher, Boten, Köche, Kellner und andere schlossen sich dem Ausstande an. In den Zuckerplantagen bei 'Durban nimmt die Lage ein ernsteres Aussehen an. Eine An,zahl Inder, die versuchten, ihre Landsleute zu überreden, die Arbeit niederzulegen, leistete der Polizei Widerstand und griff zu Stöcken und Steinen. Ein Polizeibeamter und ungefähr dreißig Inder wurden verwundet. In verschiedenen Orten sollen die Inder versuchen, die Weißen in Schrecken zu setzen, indem sie bas Zuckerrohr in Brand steckten.
wecken, sie zu eigenem Schaffen anzuregen. Der Lehrplan einer Oberrealschule bezw. eines Realgbrnnasiums bildet dabei die für die Prüfungen notwendige Grundlage.
Neben dem Unterricht wird der Hauptwert auf die Erziehung gelegt. Ein ungezwungenes Familienleben ist dabei das erste Ziel. In freiwilligem Zusammenschluß verbinden sich Erzieher und Schüler zu kleinen Gruppen, Kameradschaften, die während des ganzen Tageslcbens zueinander in enger Beziehung stehen. So wird es bei der kleinen Zahl von Schülern, die einem jeden Erzieher in besonderer Weise anvertraut sind, möglich, in eingehender und individueller Weise auf diese einzuwirken.
Und dies ist ja schließlich das Wichtigste in der Pädagogik: mehr und mehr einsehen zu lernen, daß mit einseitigen Lernschulen uns nicht gedient ist, sondern daß wir wirklicher und guter Erziehnngsschulen bedürfen, wenn wir ein tüchtiges Geschlecht hcranbilden wollen. H. S.
— Tas Ehrendoktor-Diplom Peter Roseggers. Tie Wiener Universität hat an Peter Rosegger am Freitag das Diplom eines Ehrendoktors der Philosophie abgesandt. In dem Begleitschreiben des Rektors heißt es unter anderem:
„Ihrem Wunsch entsprechend wurde von einer feierlichen llebergabe des Diploms durch Vertteter der Universität abgesehen: umsomehr fühlen sich der Rektor und der Tekan der Universität veranlaßt. Ihnen anläßlich der Ueberreichung des! Ehrcnbiploms die Gefühle auszubrücken, die die Universität hierbei empfindet, und die in einer besonders hoben Einschätzung nicht nur Ihrer literarischen, sondern auch Ihrer allgemein kulturellen und nationalen Wirksamkeit gipfeln."
— Die internationale Konferenz für Welt- n aturf chutz hat am Montag vormittag ihre Arbeiten begonnen. Ter deutsche Gesandte von Romberg dankte der Schweiz, daß sie die Anregung zu einer solchen Kanserenz gegeb.'n habe. Es wurde ein vorläufiges Büro errichtet und ein Ausschuß drei Mitgliedern zur Ausarbeitung der Geschäftsordnung gewählt.
— Arbeitslose Lehrerinnen. Ans einer nordwest- dentschen Stadt erfahren wir, daß der Zugang von Lehrerinnen zu den Volksschickstellen erschreckend groß ist, so daß frort schon mit Recht von einer Arbeitslosigkeit gesprochen werden kann. Uns sind zum Beweise folgende Zahlen zur Verfügung gestellt: Obwohl von vornherein die Annahme von Bewerbungen auf Lehre-


