Eq-r Blatt ,SZ. Jahrgang montag. 29. S-ptemb-r 1915
erscheint täglich, außer JSSw W SW TtfT (xÄ Se*tt<iOtet.»:
vonntags. - Beilagen: M . . . ^Mk DU V monatlid)75^viertel-
viermal wöchentlich ■ AA Em Ak A. Ak A Ak A ^A JAA. jährlich Mk. 2.2V; durch
S'ehener^amilienblätter; M HA gf fW Wy IW MT ■■ A'® 'Jlbbole-
zweimalwöchcntl.Nreis- M H M B ■ ^F HA Ä ^F B B Ä ^F B T ■■ B B Jr M WF B Ä B H CT ▼ monatlich <>o Pf.; durch dlatt Ureis Stehen H I I ■ B Br flU B B B B I -Ak HZ fl fi B Äz B
(Dienstag und Freitag); HF B B Hk B W Wk X B B B Bk B B B Bf B auSschl. Beftetlg.
zweimal inonatl. Land- B BL WLf U W H äL QL BL AkZHL W U B Wk^ HL Zeilenpreis. lokal 15P;.,
wirtschaftliche Aeilfrogen ^^^F B W ^BF ^^pF^B' Bj Mr *9 1®F auswarks 20 Pfennig.
Fernsprech - Anschlüsse: H B W ~ M» (Sljefrebafteur: 21 ®oci3.
für die Redaktion 112, ®N7 Verantwortlich für den
Verlag n. Eppedition 51 ZT << • * •• zflA ''"r politischen Teil: August
LLS. ., General-Anzeiger für Gberhessen SÄS für d,e Tagesnummer nolanonsorva uno oeriüg Ser vruhl fchen Univ.-Buch- und Zteindruckerei K. Lange. Redaktion, Ervedition und Druckerei: ZchulttraKe 7. E: für f .Stadl und
Seschiistrstelle Büdingen, Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.
Tageskalendcr aus dem Jahre 181.3.
“ 0 &4.%- c m.6 c.r- Treffen bei Oranienbaum in Anhalt- in t>cm ®,c Franzosen gänzlich geschlagen werden.
Der griechisch-türkische Inseistreit.
Griechenland muß Chios und Mytilcnc zurückgeben! Ge- o d^rolc, die der türkische Napoleon Enver-Bei aus- acgeben haben soll, wird von offenbar deutschamtlich bcein- emgewcndct, die Großmächte hätten sich doch ICv n^Crc ?l9(^Lun9 Jnselproblems vor- behalten, btc Entscheidung über die Jnselfragen vurfre also auf der Londoner Botschafter-Ver fan?n- - Wenn sich aber die Türkei in der ^pselfragc ebensowenig wie üt der Frage von Adria- -Mel an die Beschlüsse der Londoner Botschafterkonferenz treten iene „erheblichen Schwierigkeiten" ein, d -k^^^kretar v. Iagow schon im Frühjahr d. int Budgetausschuß des Reichstages gesprochen hat Man vergegenwärtige sich doch: Chios und Mhtilene bewachen den Zugang zu Smhrna. Mhtilene, das alte Lcspos, hat zwar heute nur sehr geringe wirtschaftliche Bedeutung, aber immer noch vortreffliche .Häfen und dadurch einen hohen militärischen AZert^ctnc feindliche Flotte kann von dort aus leben Verkehr mit Smhrna verhindern. Ebenso besitzt Chios geschützte Ankerplätze, von denen aus man die Zufahrt nach Smhrna unterbinden kann. Südlich von Chios zieht sich ferner, mit Samos und Jkaria beginnend, längs der kleinasiatischen Stufte bis Rohdos eine dichte Jn- selkette hin, deren wichtigste Glieder Patmos, LcrOiY Kalhmnos, Kos und Tilos (Episkopi) sind. ^>er sic besitzt, kann das südwestliche Kleinasien blockieren °&.IC ,.-^[oncerl Streitkräfte aufbringen zu müssen. „Deutschlands Politik", so meinte Herr v. Iagow vor einem halben ^ahre und das ist ivohl auch heute noch seine Mei- nung , geht dahin, die Jnselfragen tunlichst in einer Weise zur Losung zu bringen, daß der asiatische Besitzstand der Türket nicht gefährdet werde."
Wie diese Gefährdung jedoch zu beurteilen sei, das ist ?ine Frage, die^nicht durch die Feder der Diplomaten, fom gern durch das Schwert der Balkankämpfer entschieden wurde Die Pforte ist unter dem Druck ihrer Niederlagen im ersten j a? r 9 fotreit gegangen, daß sie in der Jnselfrage nur noch Aufrechterhaltung ihrer Souveränität über diejenigen Inseln wünschte, die in der nächsten Nähe ihrer Küsten lie- gen. Gemeint war damit zweierlei. Einmal die beiden gc- nannten Inseln Chios und Mhtilene. Sodann jene vier Inseln, die gegenüber dem Eingang zu den Dardanellen den Zugang zu Konstantinopel beherrschen, nämlich Samothrake, Jmbros, Lemnos und Tcnedos. Diese vier, so wurde geltend gemacht, würden in anderen als türkischem Besitz eine ständige Bedrohung der Dardanellen und damit Stonstantinopels bedeuten. Die Pforte müsse daher, da sie trotz allem noch Lebenskraft und Zukunftshoffnung im türkischen Reiche ver- spüre, den Besitz der vier Inseln zur Bedingung machen |
Die Botschaftervereinigung will heute den Türken nur noch ^mbros und Tcnedos lassen, die unmittelbar vor den Dardanellen liegen. Lemnos soll griechisch werden, ebenso samothrake trotz seiner Lage zwischen türkischem u. bulgari- icncni GchSck. Die griechisch werdenden Inseln sollen aber nicht befestigt werden, um nicht Stützpunkte für feindliche Eingriffe zu bieten. In dieser Bedingung der Diplomatcn- ^olitik liegt aber gerade der Keim zu immer neuem Kon- tliktsstosf. Griechenland wird nbtürlich in aller Stille und Heimlichkeit, während die Welt die Fricdenspaklc von 1913 vergißt, die ihm zugcsprochencn Inseln doch befestigen und einen höchst gefährlichen Panzcrring vor das neue türkische Reich legen. Aber selbst wenn es keine Jnselforts baut und keine Geschütze aufstellt, kann es doch für die künftige Türkei ein höchstunbcguemer Nachbar werden. Man darf nicht vergessen, daß nicht nur auf den Inseln an der kleinasiati sehen Küste sondern auch drüben auf dem Fcstlande Kleinasiens Hunderttausendc von Griechen leben, deren Zukunfts- Hoffnung Brücken baut hinüber nach den Inseln und weiter über das ägäische Meer zum alten Vaterland. Auf dem Schreibtisch des Herrn v. Iagow liegt wohl noch das Rund- zirkular des „Komitees der Union der Insel des griechischen Archipels". Das Komitee hat seinen Sitz in Alexandrien (Aeghpten). In diesem Zirkular erheben die Jnsel- griechcn die Forderung, daß entweder die türkischen Inseln mit vorwiegend griechischer Bevölkerung Halbsouverän unter der Oberherrlichkeit der Türkei ähnlich wie die Insel Samos werden sollen ober daß man sie dem Fürstentum Samos angliedert, dessen Selbständigkeit auf den Firmanen von 1832 und 1849 unter dem Schutze Frankreichs, Großbritanniens und Rußlands beruht. Das Zirkular der Jnsel- griechen wurde außer an das deutsche Auswärtige Amt auch an den König von Italien, an den italienischen Minister des Auswärtigen San Giuliano, an das italienische Kammer- präsidium, au den russischen, französischen und englischen Premierminister und Lord Kitchener, den diplomatischen Agenten Englands in Aeghpten gesandt. Die Forderungen der Jnselgriechen gründen sich auf die Tatsachen, daß von den 300 000 Bewohnern des Archipels mehr als fünf Sechstel Griechen und kaum ein Sechstel Türken sind. In diesem Zahlenverhältnis liegt mehr Gewalt und Schicksal, als ein En- ver-Bei ahnt, und wahrscheinlich wird sich auch die endgültige Machtverteilung nach diesen Zahlen einrichten müssen.
Konstantinopel, 28. Sept. An zuständiger Stelle ver lautet, der M i n i ft e r r a t werde heute einen Gegenvorschlag, betreffend die mit Griechenland in der Schwebe befindlichen Fragen der Staatsangehörigkeit des Vakufs und wusel' manischen Gemeinden, endgültig ausarbeiten. Der türkische Friedensdelegierte Talaat begibt sich anfangs dieser Woche nach Athen.
Nach dem zustande gekommenen llebereinkommen werden die Kriegsgefangenen binnen Monatsfrist tre ig el assen werden. Wie verlautet, bestimmt das Proto- koll, bat; Bulgarien für den Unterhalt der Kriegsgefangenen keine Eristchcidlgung erhalte, da die Kosten durch den Ertrag aus der Kapitalisierung eines Teiles der Vakufgüter ausgeglichen werden. Man weis; noch nicht, wie die Privatinteressen der Vakufs entschädigt werden.
. . Varis' 27. Sept. Der „Petit Parisien" will erfahren haben, dai; cR? Gurker die Ad s i ch t habe, die Verhandlungen
mit Griechenland abzubrechen und mir unter der Bedingung wieder auszunehmen, daß ihr die Inseln Chios und Mhtilene zuerstattet werden. Tie Türkei soll gegenüber Chios ein Landungskorps bereit halten.
Aus Seffctt,
Zur Beamteiibcsoldungsvorlage.
Der von der Wirtschaftlichen Vereinigung der II.,Kammer gewählte Unterausschuß, der neue Vorschläge zur Beamtenbesoldungsvorlagc ausarbeiten soll, tagte am Samstag unter dem Vorsitz des Abg. Viccpräs. Korell- Angenrod. Nach eingehender Auss^ache über die von der Wirtsch. Vereinigung feftgelegten (Mundsätze, u. a.: Gänzliche Beseitigung des eine Million 400 000 betragenden Wohnungsgeldes, Hinaufsetzung der Gehälter unter Verwendung des größten Teiles dieser Summe. Beseitigung der Ungleichheiten, Herabsetzung des Pcnsionssatzes auf 75 Proz., Verringerung der Zahl der Beamtenkategorien u. s. w. alles ohne jede Steuererhöhung, beschloß man, an diesen Grund- 'ätzen feftzuhalten.
Deutsches Resch.
DerKaiZer
kommt am 15. Oktober von Schloß Lieser im Kraftwagen über Xaun nach Geroldtteiu. In Daun besichtigt der Kaiser den zu seinem Regierungs-Jubiläum gestifteten Naturschutzpark. Vormittags um 11 Uhr trifft der Kaiser in Geroldstein ein, woraus fc>vrt die Einweihung der neuen proteftantisclsen Erloscrkirche erfolgt. Gegen 2 Uhr erfolgt die Weiterfahrt nach Bon n.
Enthüllung eines Reiterstandbildes des Prinz- regen t en Luitpold in München.
In Münch e n fand am gestrigen Sonntag mittag die Enthüllung des Reiterstandbildes des Prinzregenten Luitpold vor dem Nationalmuseum statt, welches der Bildhauer Professor Hildebrand im Auftrage Münchens geschaffen hatte. Ter Prinzregent ist ohne Kopfbedeckung dargeftellt. An der Feier nahmen außer dem Prinzregenten seine Gemahlin, die königlichen Prinzen und Prinzessinnen, die Staatsminifter, das diplo- matffche .Korps, zahlreiche Deputationen von Veteranen und Kriegervereinen, (Stubcntcn, Turner usw. teil
Die Reform des Strafgesetzbuches.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Der mit der Aufstellung des Entwurfs eines neuen Strafgesetzbuches betraute Ausschuss hat seine Arbeit beendet. Der Ausschuß, der sich seit April 1911 fortdauernd der bedeutungsvollen Aufgabe gewidmet hat, trat am Samstag zu seiner letzten Sitzung zusammen.
AuslttuS.
Das deutsch-französische Verständigungs- Komitee.
In der Schlußsitzung des dentsch-französiscken Verständigungs- Komitees, welches in Gent tagt, wurde beschlossen, im Früh- jabr 1914 in Brüssel einen deutsch-französischen Jour- enkongreß zu veranstalten, den die Mitglieder der belgischen Presse organisieren. F-erner wurde als Mittel der Annäherung cincS tui>icn reife sr a n z ö si sche r P r esse oe r- tretcr d u r ch Deutschland beschlossen. In den Leitsätzen
?ltfs unveröffentlichten Briefen Gottfried Kellers.
Bevor Gottfried Keller als erster Staatsschreiber in Zürich „feinen Beruf" fand, hat der unpraktische, schwer idiaikiiDe Meister nie einen rechten Broterwerb finden können und ist dadurch in eine Fülle von Not und Sorgen geraten. Man hat wohl bisher gemeint, daß. er den Gedanken, sich als Schriftsteller einen Lebensunterhalt zu erwerben, niemals ernsthaft erwogen habe, weil er nun einmal nur gestalten konnte, totenn ihn nach langem Ausreisen die innere Notwendigkeit dazu zwang. Wie fest aber dieser Plan dock) schon in seiner Seele Wurzeln geschlagen hatte, wie sehr er bereits aus eine Verivirklichung bedacht war, das geht aus einem bedeutsamen Brief hervor, in dem er dem Verleger Georg von Cotta einen Vorschlag zur regelmäßigen Mitarbeit an seinen Unternehmungen unterbreitete. Dieses Schreiben wird mit einigen andern interessanten Briefen Kellers an Cotta im ersten Heft der neuen, im Verlage von Cotta erscheinenden Monatsschrift „Der Greif" veröffentlicht.
Mit dem berühmten Verlag war der Schöpfer des „Grünen Heinrich" bereits in Verbindung getreten, indem er für das „Morgenblatt" den wundervollen Aufsatz „Am Mptheifftein" und für die „Allgemeine Zeitung" eine ausführliche Besprechung der „Kritischen Gänge" des Aesthetikers Vischer lieferte. Ökorg von Cotta, der in ihm „den Schriftsteller von schönster Begabung Und herrlichem Talent" verehrte, hatte ihm angedeutet, daß er mit ihm wohl in nähere Beziehungen treten wolle, und macht denn Keller am 10. Mai 1861 ihm feinem Antrag. „Ich fange nämlich an," schreibt er, „den Mangel eines Amtes oder einer bestimmten bindenden und sicherstellenden Tätigkeit zu fühlen, welche dem poetischen Schassen eine ruhige Grundlage gäbe. Denn die gänzliche Freiheit ist für Unbemittelte wie für Bemittelte auf die Dauer nicht erguicklich. Ich sehe mich daher zu der Wahl veranlaßt, vv ich mir durch lieber nähme eines Lehramtes, wozu mir in meiner Heimat die Möglichkeit gegeben ist, oder durch ein buchhändlerisches Mkommen diese wünschbare Grundlage verschaffen will. Ersteres sagt mir nur wenig zu und habe bisher alle Aufforderungen und Aufmunterungen abgefeimt. Dagegen würde mir eine mehr anhaltende und bindende Schrift- ftellerei über dieses oder jenes, wobei ich aut meiner Stube bleiben und in geeigneter Stunde sofort das poetische Manutsrript lich gedenke mich bald an das Drama zu machen, welches an sich wenig zu fchreiben gibt) vornehmen könnte, mcljr geeignet scheinen, zumal man dabei manches zu Tage bringen könnte, was auch später noch zu brauckxn wäre." Heller wird nun jährlich „eine gewisse Anzahl Bogen verschiedener Art und Weise für Ihre pcriodisckien Werke schreiben," „und der Umfang des ganzen Geschäftes müßte so beschaffen fein, daß ich dabei einstweilen sorglos existieren könnte. Ich würde die poetische Arbeit dabei als Erholung vom Hauptgeschäft betrachten und dabei vielleicht weiter kommen als bisher. Um nun das gehörige Manuskript liefern zu können, würde ich für Ihr Morgenblatt die Erzählungen geben, die ich künftig mache, oder wenigstens so viel davon toünfdibor wären; ferner für die Vierteljahrsschrift 'Aufsätze iich habe soeben einen solchen Projektiert über das .Verhältnis der
Schweizer und Deutschen zu einander letzt und in Zukunft, fftte'n- mldlich, kulturhistorisch und politisch, im Sinne einer größeren Verständigung, da das Franzofentum fortwährend Anstrengungen auch in der deutschen Schweiz macht) endlich kleinere Sachen . . ." Cotta ging auf diesen Vorschlag mit Freuden ein, machte aber wäleich Bedenken geltend, ob sich eine solche, „anhaltende Schrift- Itcllcrci mit der besonderen Art von Kellers Begabung vertragen werde^ Bevor der Dichter noch einen Versuch in dieser Hinsicht gemocht, wurde er durch feine Wahl zum ersten Staatsschreiber ans den äußeren und inneren Nöten errettet. „Eben, als ich beginnen, wollte, meine Einsendungen regelmäßig erfolgen zu lauen, io meldete er Cotta, „fügte es sich, daß mir das Amt eines ersten Staatsfchreibers in Zürich übertragen wurde." So harrt .feiner eine neue Tätigkeit; „dennoch ist mir das Amt m biciern Sinne übertragen und von mir übernommen worden, baß ber 4<oet unb Schriftsteller Dabei nicht verloren gehe, sondern im Gegentheil dadurch einen festeren Halt im Leben gewinne."
seine Liebeswerbungen abweift. Bei einem Sturm aus die Slaot lallt Harduich im MnmDfgctümmcI. Landgraf Hermann aber bleibt eiegcr über seine Feinde und Fürst und Bürgersckmt stehen nach dem (vewitter, das retmgenb über die Stadt dah.ngebraust ist fest und treu zusammen. Mles in allem nicht ungeschickt: Twnatifrfy. ÖVtorie, ein paar bunte, bewegte Bilder, die jedoch tiefere Anteilnahme nicht erwecken. Kasseler Damen und Herren spielten mit er der Leitung des Regisseurs A. Jürgensen vom H oft Heater ihre Rollen mit großer Hingabe. Die Äufftihmng gestaltete sich einem glanzenden gesellschaftlichen Ereignis. Die neue sckwnr Stadt- Halle war von 2000 Besuchern gefüllt.
qr patriotisches Schauspiel Mar Halbes. Aus Munckstii wird uns geschrieben: Das dreiaktige Schauspiel ,,?y reib ei t" von Max Halbe, das am Sonnabend im M ün- chener Schauspi elhaus seine Uraufführung erlebte, will in Dem an lestlichen und ergreifenden Erinnerungen so reifen Rahmen dmes Gedenffahres gewürdigt werden. Das Werk, bas auf bem histornchen Hintergrund des Jahres 1812 spielt und die wäh- renb des russischen FeLzuges in Deutschland immer stärker auf- lobernbe Sehnsucht nach Befreiung in zahlreichen feinen 'Einzel- sugen darstellt, ist von der mächtiyen unb doch nickst aufdringlich hervortretenden Resonanz eines reichen Vaterlandsgefühles getra* gen unb vermag so die zwiespältig uneinheiiliehen ftonififte, die in Patriotismus und Liebe die Schicksale zweier Danziger Fami- bswegen, zu einer großen Grundslimmung zusammen- zuichlietzen. Fern hat Halbe zum Vorwurf seines Werkes nicht die Freiheitskriege selbst gewähli, sondern jenen lei- t Vorklang, da die innerlich gesammelte -Erregung bat und zum nahm Aus- Aftsttick E die endlich heraufdämmernde Morgenröte einer heueren Zett, die von Dem Joche des korsischen. Eroberers erlöst ist, ichließt das Drama. Mft diesem großen Grund- zug, der in realiichch gezeichneten Bildern eine heldenhafte Epoche auileben lasst, muß man sich begnügen: von den im Vordergrund b^E. 8^?^ung stel)enden Personen ist feine einzige so lebensvoll gestaltet, daß ue als Trager einer dramatischen Spannung gelten und ticiere Teilnahme auslösen könnte. Man hätte trotzdem dem das viele echt dichterische Schönheiten birgt, ein besseres ^ch'Mal prophezeien mögen, als es bei der Ausführung fand. Aber die 'chon bei der Lektüre des soeben erschienenen Buches hervor- tretende Künstelei des Aufbaues, die ber der recht mäßigen mit ber einzigen Ausnahme des Herrn RMidoff ungenügenden Auffüh rung noch deutlicher hervortrat, mackste sich des öfteren fast peinlich bemerkbar. So sand das Drama nur einen allerdings unbesrrit- tenen Achtungserfolg. Der Autor, der selbst die Regie geführt hatte konnte wiederholt den .Hervorrufen ber zahlreichen Halbe-Gemeinde' die sich versammelt hatte, folgen.
— Kurze Nachrichten aus Kunst unb Wissen- Greifswald ist ber Professor ber Physik, Geheim- rat Wilhelm Holtz, im .Mer von 86 Jahren gestorben
cy - W S-n Opernhaus. „Der Zwerg und die
'tnranhn . Lanzipiel m zwei Bildern nach dem Märchen „Der Geburtstag der Infantin" von Oskar Wilde. Musik von Bernhard gelles izennche Bearbeitung von Karlheinz Martin. — Das ^anziplel hatte am Sonntag bei seiner Uraufführung einen starken stF'.olg- .sonders rvraulein Einzig brachte in ihrem stummen epiel bie ,eeli)chen schmerzen des unglücklich liebenden Zwerges ^^6tetteiid zum Ausdruck; ihr vor allem galt wohl auch der stürmische Beisall des ausverkauften Hauses. Ebenso bot Fräulein '\r_°11 als herzlose Infantin prächtige Leistungen. Die fein ab- getonte^Muuk zeigte stellenweise eine schöne Bearbeitung und fand Durch ^.r Rottenberg eine treffliche Jnterpretaion, die durch die izennche ftotte Bearbeitung von Martin einen ausgezeick>- neten Rahmen erhalten hatte, Momente, die nicht unwesentlich zu ber mehr als treundlichen Aufnahme des Tanzspiels beitrugen. - ■ ~ 3-c-bi el ber Kasseler Tausendjahr-
leier. Aus .vai)c£ wird uns gqdaneben: Kassels Tausend- Iahriei er wurde ,yrntag abend in der neuerbauten Stadthalle eingelötet burd) ine Uraufführung des preisgefrönten Festspiels „1385 das eimm Dresdener Aialer Benno von xaS Stück greift feinen Stoff V? der landgrötlichen. Residenz des
4. Jahrhunderte. Kassel hatte damals drei Stadtteile, von denen leder ein Gemeinweien pür 'ich bildete und seinen besonderen Bürgermeister hatte. Als Landgraf .Hermann ber Geleimte hier refor- mierend cmgreircn und die L>tadtteile zu einem Gemeinwesen ver- gnefsen wollte, widenetzte sich ein großer Teil der ^ger Die ber ^bgeieftten L-chutthchtzen paktierte sogar mit den Fein- nu^- vmi Braunschweig, dem „Quaden", ^.E^^l belagE Um dme Belagerung dreht sich die Handlung.
^Sfiuf bestimmt vornehmlich das Verhalten i landgräflick)en Hofnarren, des mißgestalteten Har-
busch, der 'ich ber Versthtvörung an schließt aber seine Komplizen Derrat, als die Tochter em es reichen mitverschnwrenen Bürgers


