Ausgabe 
25.8.1913 Erstes Blatt
 
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nach lieber

wahrend das Orckestrr wiederum viel zu wenigauftrug". Der ihmux?niit selbst sang und agierte den Tenor mit allem Aufgebot imitatorischen Gebarens. Zu erwähnen wäre noch, daß Direktor Koch außer LudwigsTorgauer Heide" auch des DichtersHanns Frei" in den Svielvlan ausgenommen und somit fein Teil zur Pflege des Ctto Ludwigschen Dramas auf den deutschen Bühnen beigetragen hat.

Neues vom Jörn Uhl -Dichter. Gusiav^ren- ßen hat, wie uns geschrieben wirb, sein SckausviclSönfe Erichse n", das im Hamburger 'Thaliatbeater mit starkem in neren Erfolge aujgesührr worden ijt, einer neuen Bearbeimng

Tageskalcnder aus dem Jahre 1813.

2 5. August Tie hessische Brigade kommt mit der Di- oifion Marchand nach öannau in Sckstttien und entgeht dadurch dem Schicksal der französischen Armee am folgenden taiie.

_____ -chlagkraft. Allerdings hätte die Spielleitung den rich­tigen und eitrig möglichen Stil, nämlich den der obera scria, nicht durch maßloses Uebertteiben und Karikieren ersetzen dürfen.

3ahr in Bad Kudviva gefunden hatte, behauptete sich sogar uppes MeisteroveretteDie schöne Galathee" mit ziem-

,,3d) ging im walöe so für mich hin ...

Dührcnd im Osten Deutschlands in fdipcrcn Kämpfen um He Beft.iung de> Vaterlandes varn Nemden Iodv gerungen wurde, ritt ('ini c aui still u Wegen dein lieblichen Ilmenau zu. Es war am 26. August des Jahres 1813, und dem Dichter mochte auf feinem cimämcn Wege die Erinnerung aufsteigen, daß gerade ein Bierteliabrhundert darüber hingegangcn war, seit er in Heien Sommer tagen Ehnstiane Bulpius gefunden und zu sich ins .Haus genommen hatte. 25 Jahre wie bitter einsam hatte er sich ixvdt damals nach der :Rüdfd)r aus Italien in dem nordischen Neste, unter den Philistern und Klatschmäulern von Weimar ge­fühlt und welch ein .Herzenstrost war es ihm gewesen, daß er dies natürlich liebliche Geschöpf fand, das ihn mit seiner herzlichen Siebe so innig erwärmte. In dieser Stimmung war es, daß Goethe an icncm Tage eines seiner schönsten Gedickte sckus: ledermann fennt es, dies liebliche ,Ick ging im Walde so für nnck hin . . ." «tn überaus- zarter Weise ist in diesem Gedickte gleichsam die ganze Geschickte ''einer Beziehungen zu dhriftinnc verdicktet: denn, wie Hehn sein hervorgehoben hat, drückt das Gedickt den Gedanken nUÄ, baf. das Mädchen nicht eine zum Gebrockenwerden bestimmte ; föiütc für den augenblicklichen Genuß ist, sondern als Ebrirau und Mutter von Bindern lange das Haus des Mannes, der sie gewählt, fortblubcnb verschönt. Als Ehefrau und Mutter waltete ia Christiane jetzt in seinem Hause, und so war dies Gedickt eine Heine, zarte Huldigung, die er ihr bei dieser Gelegenheit dardrachtc. Das; Goetl.e bei dem Gcdicküe wirklich an Christiane gebadit bat, darauf hat schon Riemer l ingewiesen, und später konnte festgestellt werden, daß di? Handschrift des Gedidües die AufschriftFrau v. Goethe" trug. So gewinnt es einen besonderen Sinn, daß der Dichter am 28. 'Jüiguft an Christiane schrieb:Taß ich unterwegs heit.-r war, saht Ihr aus den Versen." Dies Inriicbe Meisterwerk, dessen Geburtstag fick nun zum 100. Male jährt, hat aber neben dem persönlichen und menschlichen auch noch ein litcrtmi'cbes Interesse. Ellinger bat nämlich nachgewiescn, daß (?k>etht btt seiner Abfassung sich an ein altes Hrbild angelehnt hat. Es war ein Gedickt vom braven Gottlieb Konrad P fessel, das^den TitelDie Nelke" trug und 1783 zuerst erschienen war litte Verse mögen wohl Goethe im Gedächtnisse hatten geblieben lein. Es ist überaus interefiant, yi beobachten, nric er nun Pi>iels (Rtdanken afurgegriffen und in völlig neuem Sinne gtttaltet hat. Der wackere Fabeldichter fang also: .

Vorn Sckwarm der Weste Vcrbuhlt umweht. Begoß vTlccuc Ihr Blumenbeet. Sie sah schon lange Ein Nelkchcn blübn, Glercki ihrer Wange Weiß und Tannin. Sie wollt cs pflücken

Der tnttische Druck auf Bulgarien.

Auch heute mehren sich die Anzeichen dafür, daß Bul­garien vorläufig nachgeben und Adrianopel den Türken tiberlassen wird. Später denkt man sich in Sofia die end­gültige Abrechnung, die von dem russischen Botschafter in Rom angcdeutct worden ist. Daß die Türken gegenwärtig den Kwieg wollen, ist wohl etwas zu viel gesagt; sie setzen aber ihre einstweilen erfolgreichen milttärischen Maß­nahmen fort, bis die mit Bulgarien eingeleiteten bi ret­ten Verhandlungen den gewünschten Erfolg haben.

Köln, 25. Aug. Ein Tel^ramm der ,Lölnischcn Zeitung" aus Sofia meldet: Auf dem Balkan bereitet sich tatsächlich ein neuer Zusammenstoß vor, der durch das Ginrüden der Türken auch in das Gebiet weit westlich der Maritza veranlaßt wird. Die Meldung vonderBesetzung Kirdschalüs durch die Türken wird amtlich bestätigt. Die Türkei will den Siri eg: sie will bei Gelegenheit der Räumung von Sann Gümüldschina und Dedaagatsch durch die Griechen das ganze Gebitt zwisd?en der alten bulgarischen Grenze und dem Aegäiscken Meer bttctzen, da die bisherigen Angrisie auf den Londoner Frieden für sie rin überraschend günstiges Ergebnis gehabt haben.

Eine offizielle Korrespondenz fdrrribt: Es besteht jet-t die An fielst, daß die direkte n Berhandl ungen zwischen

Um ihre Brust Damit zu schmücken, Ten Sitz der Lust. Laßt, fleht es bange Mick beut noch stehn. Bis morgen prange Ich noch so schön. Gitt, ick kann borgen: Doch merk es Dir, Mttn Blütcken, morgen Gehörst Tu mir. Sie Tarn : es ruftc: O warte dock. Des Abends dutte Ich stärker nock. Tas Nelkchcn flehte Sick wieder los. Bis an die Bette Ter Nachttau stoß. Da fand sie Götter! Nichts rin Gewühl Verdorrter Blätter Am lahmen Stiel. Sic starrt und drücket Die Augen zu:Ach, ungcf'lüdct Verwelkest Du" Ja, seufzt es, gritern Noch frisch, heiit fahl! Merit, reife Schwestern, Euch die Moral."

Sv Pfttfel. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man erst auseinander setzen, wie Goethe dieNtoral" biefcö Gedichtes in die rttnste innigste Anschauung übersetzt hat.

Das Naturtheater der Breslauer Jahr- hundertausstellung, das trotz des ungünsttgen Wetters unbttrrt werterarbeitet, brachte in den letzten Tagen als Neurin- Kubierung unter anberm eine abgerundete Aufführung vonKönig Reneev Tochter" von Herz, ferner Wiederbelebungen von Offen­bachs musikalisch entzückendem SingspielTie Verlobung bei der Laterne" und von Louis Angelys scheinbar unverwüstlicher Lokal- pvsseDas Fest der Handwerkn". Marl Skoda vom Wiener Hof- burgthcatcr und Rella Ienck vom König l. Dresdener Schauspiel, zwei Lieblinge der Breslautt, kehrten zu rinem gemeinsamen Gastspiel in HauptmannsVersunkene Glocke" ein und wurden febr gefeiert. Sogar eine richtige Novität gab es: Paul Ge- r ol d - G u 11m a n ns Oocrnvarodie im italienischen StilL a Vendetta", ein harmlos-lustiges Werkchen mit hübschen musi­kalischen Einsällen, das seine erfolgreiche Uraufführung vor rinem

Die Reichrlagrersatzwahl in Kagnirpilltallen.

Ragnit, 23. Aua. Bei der Reick)stagsersatzwahl int Wahlkreis Raanit-Pillkallen wurden gezahlt für Gott­schalk (Kons.) 9452, für Ventzki (Natl.' 598:3 und für Hofer (Sw.) 3241 Stimmen. 11 Stimmen sind zersplittert. Gottschalk ist somit gewählt.

Die Konservativen hatten das Mandat seit 1878 un­unterbrochen in ihrem Besitz. Die Mehrheit, mit der sie siegten, ist diesmal von 850, die sie bei der letzten Haupt­wahl verzeichneten, auf eine Mehrheit von nur etwa 200 Stimmen zurückgegangen. In früheren Jahren waren die Nationalliberalen in Ragnit-Pittkallen nicht selbständig vor­gegangen; sie hatten teilweise für den Konservativen, teil­weise für den sortschrittl. Kandidaten gestimmt, zuletzt für den Grafen Kanitz. Erst 1912 traten sie mit einem eigenen Kandidaten, v. Lentzke, aus, der von den Fortschrittlern

unterzogen und besonders dem dritten Akt eine bühnengerechtere Fassung gegeben. In bitter neuen Fassung wird es in der tont» wenden Spielzeit im Düsseldorfer Schauspielhaus, im Hof- tbeatcr zu Karlsruhe, in Bremen, Kiel und anderen Orten auf» geführt werden. 3um fünfzigsten (Geburtstag des Dichters am 19. Oktober erscheint eine Neuausgabe des3örn Uhl" in be­sonders schöner Ausstattung. Das Buch wird rund hundert Holz­schnitte enthalten, die von dem bekannten Maler Professor Winter nach Motiven aus dem Jörn Uhl in der Heimat Gustav FrenßonS gezeichnet sind. Irenßens Bücher sind in Deutschland letzt in mehr als einer Million Eremplarcn verbreitet, wobei der Jörn Uhl allein mit nahezu 250000 Exemplaren beteiligt ist. Inter­essant tft es, daß dieses Buch, das in alle Kultursprachen der Welt übersetzt worden ist, in Spanien so beliebt ist, daß dort jetzt sogar Dialritausgaben veranstaltet werden. Eine Uebertragung ins üatalonische existiert bneits. Jetzt wird die Uebertragung ins Kastilianische vorbereitet.

* Deutsche Buddhisten auf Geh Ion . Eine eigen­

artige kleine Kolonie aus Europa stammender Buddhisten hat sich in ningücr Zeit auf der Insel Ceylon angesiedelt: es sind Deutsche, Holländer und Amerikaner, die zum Buddhismus übergetreten sind. Fn der Nähe eines kleinen Fischerdorfes namens Dodanduwa bat fick bitte kleine Brüderschaft niedergelassen, und hier ver­bringt sie, abseits von den Banden ber Welt und der Familite, in heiliger Betrachtung und in der Ausübung des Thrana, das ihnen den Weg zum Nirwana erschließen soll, ihre Tage. Diese europäischen Buddlästenpritttrr leben, jeder für fick' in tlrinen .Hütten, und die buddhisriscke Bevölkerung versieht sie mit der dürftigen Nahrung, die die heiligen Männer nur einmal am Tage zu sich nehmen. Erst kürzlich ist nach einer Meldung des Englishwon die Heine Kolonie durch, das Eintreffen rin es weiteren buddlsi frischen Deut­schem, eines Dr. Fitz aus Berlin, vermehrt worben, der neue Gast bat sich als Novize der Brüderschaft zugttellt. Er will dort Pali fatbicren und nach Empfang seiner Wtthe als bubbb.f'afd-er Geistlicher nach Deutschland zurückkehren, um als Mission ir zu wirken Ein anderer deutscher Mönch bat einen großen Teil der Pitakatexte aus dem Pali ins CLeuticfc übertragen.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. In Köln wirb demnächst rin eigenartiges Museum ber Oessentlichkrit übergeben werben: ein m u s i k h i sto r is ch eS Museum. Der Stifter ist der kürzlich verstorbene Kommer­zienrat Heyer, der feine in langen Jahren unter Aufwendung großer Summen aufgttpttcherlen Schatze, die er durch den Ankauf ber Sammlung Kraus in Floren; erweitert hat, ber Seffent- lichkrit in einem Museum zugänglich machen wollte.

Bulgarien und der Türkei in den näcbftnt Tagen auf- geiwmmen werden. Olewiß, unbcrhinblidx* Versuche, die Adria­nopel er Krise durch unmittelbare Verlrandlungen zwsclxm Soria und Konstantinopel zu löseii, sind zivar sck»n vorgenommen wor­ben, an formellen Besprechungen bat es ledvck bisher ge­fehlt. Der Boden für diese Besprechungen ist ichcnfallS so­weit vorbereitet, daß sie jn absehbarer Zeit begonnen» iverden können. Es erübrigt sich darauf hiuzuweisen, bafv wenn im Einverständnis Bulgariens überlmupt direkte 'Perbanblutuien mit der Pforte cintirtcn, für den Frieden viel gewonnen ist. lieber bas Ergebnis der ein zuleitenden Verhandlungen ist ielbst- verstänblich im gcgcmoärtigcn Augenblick nichts vorausznsageu. Soviel aber darf heute schon als feststehend gelten, daß Bulgarien einen formellen Verzicht auf Adria­nopel aussprechen wirb.

Konstantinopel, 24. Aug. An gutunterrichtetee Stelle der Pforte verlautet, daß N a t sd)e wits ch, der gestern abend den Großwesir besuchte, aus Sofia Instruktion erhielt, er solle unmittelbar und offiziell mit der Pforte verhandeln. Man glaubt, daß er die ver­traulichen Verhandlungen über Adrianopel, die bisher durch Mittelspersonen, insbesondere burd) den früheren Depu­tierten von Monastir, geführt wurden, fortsetzen wird. Der Minister des Innern ist gestern abend nach kurzem Aufent­halt von Adrianopel abgercist.

Konstantinopel, 25. Aug. Die Gerüchte, wonach der bulgariidtc Unterhändler Natschewitkch von Sofia Wei­sung erhalten habe, mit der Pforte direkt zu untcrljanbeln, werben bulgarisckcrseits als verfrüht bezeichnet. ES beftebe jeboeb auf beibeii Seiten der Wunsch, zu einer Losung aller schwebenden Fragen zu gelangen und es sei begründete Hounung vorhanden, daß dies gelinge. Ter frühere Sekretär der bul­garischen Vertretung in Konstantinopel, Dodreff, llt in Kon­stantinopel cingetToffen, um Natschewitsch bei den Verhandlungen zu unterstützen.

Eine Europa-Rcisc des Königs von Griechenland.

Athen, 23. ?üig. Nächste Woche unternimmt nach der F. Z. König Konstantin eine Reise durch Europa, um sich^von den Strapazen des Krieges zu erholen Mit dem König reist die Königin Sophie nach Deutschland.

Delcafs«.

Petersburg, 23. Aug. Der französische Botschafter in Petersburg, Dclcass 6, ist mitUrlau bnachPariS ab gereift

Ein neuer Freund für Rußlands.

Konstantinopel, 25. Aug. Wie verlautet, begibt sich eine türkische Abordnung nach Livadia, um den Kaiser von Rußland zu begrüßen.

Der Kampf um die Panama-Ausstellung.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Es hat wirklich'den Anschein, als ob der Kampf um die Bereiliguna der tH'ntfdicn Industrie an der im Jahre 191.', ttattsindenden Weltausstellung in San Francisco nach ber in berNorbb. Allg. 5tg.v veröffentlichten ab- l Oncnbcn Erklärung ber amtlichen Kreise nun erst recht losgehen sollte. In besagter Erklärung war. betont worben, daß bic Regierung bie Frage wohlwollend und eingehend geprüft habe, baß aber, nad)bent eine von ber Reid,sver maltung veranstaltete Umfrage bei ber überwältigcnben Mehrheit ber beutschen Inbustrie und der sonstigen wirt schaftlichcn Meise auf eine burchaus ablchnenbc Stimmung gestoßen sei, bic Entscheibung hätte negativ ausfallen inüffen, ba eineBeteiligung, bic ber "Scbeutung ber beut scheu Inbustric unb bcs beutschen Wirtsck>aftslebens nicht entspräche, dem Ansehen bco Reiches schädlich wäre unb somit ben beutschen Interessen zuwiber laufen mürbe".

Man hatte vielfack; angenommen, baß bie Frage bmnit crlebigt sei, umsomehr, ba es bekannt war, baß bie 35 Bcr- iroter" ber Inbustric in berStänbigen Ausstcllungskom-- mission" bie Beteiligung an ber Panamaausftellung ein- murig abgclchnt hatten. Allein jene Annahme hat sich, als falsch erwiesen, unb ber Generalbirektor ber Hamburg- Amerika-Linie, Herr Ballin, ber in Gemttnschaft mit bcn Direktoren bcs Norbbcntschen Lloyd ber Hauptrufer im Mampf umFrisco" war, hat alsbalb bie Agitation erneut aufgenommen unb abermals einen Appell an bic inbu» ftricllcn Mreife veröffentlicht. Der rührige Leiter ber Hapag hat nnterbeffen einen einflußreichen Alliierten im Hansa» b u n b gefunden, der ebenfalls in einer längeren Erklärung für bic Beteiligung an ber 'Ausstellung eintritt mit ber 3k- gvimbung, baßmaßgebliche unb führende Kreise beS beut­schen gewerblichen Lebens gemäß an ben Hansabunb ge­langten Zuschriften auf bent Stanbpunkt stehen, baß bei einer richtig gewählten Vertretung ber beutschen Inbustric auf der Ausstellung ein Erfolg mit Sicherheit angenommen werden kann", daß siebesonders an der Westküste des amerikanischen Kontinents neue Entwickelungsmöglich- ieiten eröffnet unb vor allem ber deutschen Industrie neue ausgedehnte Absatzgebiete erschließen kann." Der .Hansa» bunb rebel besyald einer Beteiligung wenigstens einzelner, ganz besonbcrs interessierter Inbuftriezweige, bas Wort, unb er gibt ber Erwartung Ausdruck,baß, wenn bic heut)die "Reichsregierung sich auch nicht offiziell zu be­teiligen flehen ft, bock) unsere amtlichen Stellen benjenigen Inbustriellen, die sich zu beteiligen wünschen, jebtoebe Förbe- rung zuteil werben lassen."

Es muß hierzu bemerkt werben, baß bic Agitation für bic Beteiligung an ber Panamaausstellung reichlich spät kommt, daj; es jcbcnfalls weit besser gewesen wäre, wenn bic m reife, bic sidi jetzt so lebhaft rühren, sich gerührt hät­ten, bevor bic boch nur auf Grunb ber Stellungnahme un­serer Industrie erfolgte Entscheidung der Regierung er­gangen war. ES fragt sich auch jetzt nod), ob wirklich un­terdessen bic Stimmung in bcn inbustriellen Kreisen für eine Beteiligung nennenswert stärker geworben ist. Die sorg- fältiflcn Erwägungen bcs Ncichsamts bes Innern hatten ein roanbfrei ergeben, bas; insbcsonberc bic Schwcrinbusttic

nahezu geschlossen von ber Ausstellung nichts wissen wollte. Bergbau unb Eiscninbustric, Maschincninbustric unb Eick trotechnik »haben in ber Tat keinerlei Interesse an einer solchen Ausstellung, bic an sich für bicje Inbustrien sehr kostspielig ist unb es in bicscm Falle infolge ber wetten Entfernung boppelt unb breifach sein würbe Was aber ben Hinweis barauf betrifft, baß bie Ausstellung aud) von Ja txmern unb Chinesen stark besucht werden uhö fo die Er sck)ließung neuer Absatzgebiete möglicki sein wirb, so steht man in Diesen Kreisen auf bem Stanbpunkt, baß bie Ja pancr unb Chinesen auch bcn Weg nack; Deutsch la nb unb in bic beutschen Fabriken finben, unb baß sic, soweit es bort etwas abzulaufchen, zu kopieren unb zu imitieren um das häßliche Wort stehlen zu oermeiben gibt, fid) schon so hinreichenb betätigen, baß es jebensolls nicht angebracht sei, in San Francisco eine Filiale zur bequemeren Bebie- nung für Wißbegierige aufzurnochcn.

Anbcrcrseits soll nicht verkannt werben, baf; fick; beson- bers in sübbeutschen Jnbustriekreisen, bei ber Tcxtilinbu^ ftric, ber Chemischen Inbustrie, bem Spielwarengewerbe unb bem .srunftgeroerbe, sowie auch ü; bcn norbbcutfdjen See-' ftäbten ein lebhaftes Interesse für bie Beteiligung an ber Panamaausstellung zeigt, wobei besonbcrs barauf hingewie- sen wirb, baß baS zum Teil auf polittschen Grünben, in erster Reihe auf bcn Panamabiffcrcnzcm beruhenbe Fern­bleiben Englanbs bie Aussichten ber beutschen Inbustric ver» bessere. Jebenfalls sollten aber bie interessierten Kreise ernst­lich beben Fen, ob eine Beteiligung, bie nur einen Teil ber beutschen Inbustric umfaßt benn an eine geschlossene Beteiligung ist jetzt nicht mehr zu benken wirklich ihren Zweck erfüllen unb ob nicht eine fo unoollftänbige Repräsen­tation unserer Jnbusttie biefer unter Umftänbcn mehr scha­ben als nützen kann. Enblich muß noch zur Ktarstcllumg biefer 'Frage betont werben, baß hier nur rein wirt­schaftlich-praktische Erwägungen mitfprechen unb bic politischen ausscheiben. Der hie unb da ins Feld geführte Grund, baß wir uns auf biefe Weise bie Ameri­kanerverbinben" könnten, muß nack;brücklich zurückgewie- fen werben, einmal weil berartigeVerbinbungs"-versuche lciber schon allzu oft unb erfolglos unternommen würben, unb zweitens weil wir feinen Anlaß haben unb es unserer Würbe nicht entspricht, bcn Herren Amerikanern nachzulau- fen- unb noch bazu bis San Francisco!

Hl 198 Erstes Blatt (65. Jahrgang Montag, 25. August 19(5

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