Ausgabe 
21.7.1913 Zweites Blatt
 
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Nr. <68

165. Jahrgang

Zweites Blatt

. Erscheint ttiglich mit Ausnahme des Sonntags.

4. Senior-Vierer um den Ehrenpreis der Stadt Gießen.

ging in 6 Min. 92/ö Sek.

Vorrennen: Rndersportverein da der RuderklubGermania" allein über die Bahn. 2. Vvr-

ArbetterbeVegung.

Stettin, 19. Juli. Der Streik der hiesigen Werft­arbeiter wird am Montag vormittag 9 Uhr be­ginnen. Am Freitag abend fnnden Vertrauensmännervcr- sammlungen statt, in denen über die bisherigen Berhand- lungen mit den Vertretern der Arbeitgeber Bericht erstattet und mitgetcilt wurde, daß die Verhandlungen einen uu- befriedigenden Verlaus genommen haben. Es wurde ein­stimmig beschlossen, den auf heute nachmittag einbkrufcncn Werftarbeiterversammlungcn zu empfehlen, am Montag morgen die Arbeit niederzulegcn. Tiefer Empfehlung folgten die Versammlungen mit weit überwiegender Mehrheit. Von den freien Gewerkschaften stimmten für den Streik 5701, dagegen 1018, von den Hirsch-Tunckerschen -Organisationen 1012 dafür und 84 gegen den Streik.

DieEichener Zannlienblätter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigeleat. das Ureisblatt für den Kreis Eichen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

1907 Limburg 6 Min. 42Vs Sek. 3. Vorrennen: Flörsheimer Ruderverein 6 Min. 1 Sek.: RuderklubHassia" Gies en 6 Min. 302/s Sek. Hauptrennen: SiegerGermania" Kastel 6 Min. 1 Sek.;Undine" Frankfurt a. M. 6 Min. 14 Sek. und Flörs­heimer Ruderverein 6 Min. *21 Sek. DieGermania" Kastel gewann mit Uebcrlegenheit das Rennen und damit den Preis zum zweitenmal.

2. Junior-Einer. Vorrenncn:Hassia" Gießen ö. Joedt) gegenBorussia" Frankfurt a. M. Q. Pfeiffer), die das Rennen aufgab. Wassersportvcrein Mainz (I. Muhr> ging allein über die Bahn. Hauptrennen siegle Jocdt lGießen) 7 Min. 12 Sek. gegen Muhr 7 Min. 23 Sek.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: öl.

Redaktwn:e^A112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

5. Junior-Vierer. 1. Amicitia" Frankfurt a. M. ging, Offenbach nicht am Start erschien,---- _ , _

rennen: RudervcreinUndine" Frankfurt a. M. 6 Min. 35 Sek.:

50 Vs Sek. Wegen Protestes wurde , Hauptrennen ausgeschlossen, weil sie der Bedingung entgegen Scniorlcute im Boot hatte. Es siegte im Hauptrenncn: Ruder­klubHassia" Gießen in 6 Min. 29 Sek. bei sehr scharfem Rennen durch kräftigen Endspurt mit knapper Bootslänge gegen Wassersportvercin Mainz 6 Min. 40 Sek.

3. Anfänger-Vierer. 1. Vorrcnnen: RuderklubGer­mania" Kastel 6 Min. 10 Sek.: Wassersportverein Mainz 6 Min. 47 Sek. 2. Vorrennen: RuderklubHassia" Gießen 6 Min. 45 Sek., Rudergescllsch.Borussia" Frankiurt a. M. 6 Min.

Germania" Kastel beim

Montag, 21.3ult 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Blich- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

llubGermania", leidiger Ruderklub klubGermania" russia" Frankfurt Rudcrv.Undine"

1. Begrüßungs-Vierer um den Ehrenpreis des Rad- nach zweimaligem Siege zu gewinnen. (Ver--

men.

Sekretär G ennc s (Darmstadt) farau, über genossen-

schaftliä cr Mißerfolge. Er erblickt die Ursachen c.c Mißerfolge einzelner Genossenschaften zunächst einmal in einem Versagen der Verwaltungsorgane, in einer zu großen Vertrauensseligkeit der Aussichtsratsmitglieder, in der undurchführbaren und aussichtslosen Sanierung notleidender Genossenschaften, in der Festlegung von Geldern in unsicheren industtiellcn Werten und in der mllzugroMi Vorsicht bei Feststellung von Fehlern. Aus diesen und ähnlichen Gründen sind im verflossenen Jahre schmerzliche Verluste cnr- qctreicn, und es wird sich empfehlen, von den Fehlern zu le'-nen. Ein Hcruptgruiro für Mißerfolge ist auch der. daß die Ge"'Uen> schafttm die alten genossenschaftlichen Grundsätze verlassen "'ücn und vor alleni den Grundsatz, daß die Genossenschaften lediglich in ihren Bezirken arbeiten sollen.

29. Deutscher landwirtschaftlicher SenossenschaftLtag.

~ Wiesbaden, 19. Juli.

In Anwesenheit von über 600 Vertretern deutsä)cr landw. 1 Genossenschaften, smoie von Vertretern aus Holland, Belgien, der ! Schwerz, Dänemark und den Bereinigten Staaten trat der Reichs 1 . verband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften zu seiner 1 29. Hauptversammlung zusammen. Der Vorsitzende Landes- ökonomierat Johannssen (Hannover) gedachte mit, chreirden ] Worten des verstorbenen Generalanwalts Haas (Darmstadt), des großen Organisators des landw. Genossenschaftswesens.

Der Präsident der Preußcnkassc Gelzeimrat Dr. Heiligen- stadt überbrachte die Grüße des Finanzministers. Der Finanz- ; mtnifter sei der Meinung, daß heute eine Landwirtschaft phne Genossenschaftswesen nicht mehr möglich sei. Ter deutschen Land- wirtschasi ständen in der Zukunft neue schwere Kämpfe bevor, und btc Lösung der ihr obliegenden schweren Aufgaben werde nur möglich sein, und die Landwirtschaft werde nur dann aus dem Streit der Interessen als Siegerin hervorgehen, wenn der bisher mit so großem Erfolg betätigte Genossenschaftsgedante sich auch in Zirkunst weiter entwickeln werde. (Lebhafter Beifall.)

Dr. Alberti iWiesbaden) sprach namens des Schulze-Tclitzsch- scheu Verbandes. Herr v. H e i m b u r g überbrachte die Grüße dec Landwirtsck)aftslammer. Justizrat Dietrich (Berlin) sprach für den Verband der ländlichen Genossenschaften in Berlin.

Au den Kaiser wurde ein Huldigungstclegramm abgesandt.

Hierauf erstattete der Gencralanwalt Johannsen (Han­nover) den Jahresbericht. In ihm wird berm>rgel)obcn, daß im abgclausenen Jahre eine Steigerung festzustellen sei. Sie umsasfe 99 Zentralgcnosscnsckxisten, 17 214 Spar- und Darlehns- kassen, 3520 Bezu gsgeii offen schäft en, 2420 Molkereigenossenschaften, 3839 sonstige Genossenschaften, zusammen 27192. Gesetzgebung und Rechtsprechung und Verwattnng des Reiches und der Bundes­staaten haben im Berichtsjahre namentlich in den Fragen des Versicherungsgesetzcs für Angestellte, des Postschsckgesetzes, der Wehrvorlage, des Quittungsstempels, der Notstandstarife usw. den Jnterc-ssenkreis der larrdwirtschastlichen Genossenschaften leb­haft berühr!. Dem Verband gehören nach dem Ausscheiden der Raiffrifcn-Vcrbände nunmehr 29 Provinzial- bezw. Landesverbände mit 15 930 Genossenschaften an. Ter Rcichsverband hat durch seine Organe an allen mannigfachen genossenschaftlichen Besttebnn- gen lebhaften Anteil genommen und hat zu ihrer Förderung bei­getragen. Tie genossenschaftliche Zentralkasse des Reichsverbandes hatte den Genossenschaften Ende 1912 insgesamt 308 Millionen Mark an Kredit gewährt. Die Zentral-Ein- und Verkaussgenosscn- fchasten setzten im Jahre 1912 für 269 Millionen Mark land­wirtschaftliche Bedarfsarttlel ab.

Als nächster Tagungsort wurde Breslau gewählt.

Es folgten zwei Vorträge des Oekonvmierats Biernatzki <Stiel) über die Zwangsbezugsvslicht bei den Zentraleinkaufsge­nossenschaften und des Generalsekretärs Berg (Karlsruhe) über Neuere Ersahrungcn auf dem Gebiet der genossenschaftlichen M ilchvertvertung ".

Es wurde beschlossen, die BezeichnungGeneralanwalt" in Zukunft durch den AusdruckAnwalt" zu ersetzen. Der Vor­sitzende, Landesökonomierat Johannssen (Hannover), gab dar­aut die im Ausschuß vorgenommenen Wahlen bekannt. Zum ersten Vorsitzenden wurde gewählt Johannssen (Hannover), zum 1. Stellvertreter Landrat v. Brockhausen (Stettin), zum 2. Srell- vertreier GutsbesitEr Landtagsabgeordneter Freiherr v. Frey- berg (Jetzendorf), als Mitglieder des Ausschusses Geheimrat Haven- stein .Bonn> und Landesökonomierat Rabe (Hannover): zum Anwalt wurde gewählt der bisherige Generalsekretär Genncs (Darmstadt). r

Hierauf berichtete Direktor Fischer (München) über das ^hcma Einheitliches Bilanzfchema für ländliche Kreditgenossenschaften und Zentralkassen". Ter Redner empfahl folgende Leitsätze:Tic Bilanzen der ländlichen Kreditgenossenschaften und ihrer Zcntral- kassen genügen den durch das Genossenschaftsgcsetz und das Handels­gesetzbuch gegebenen Vorschristen. Innerhalb der einzelnen Ver­bände des Reichsverbandes sind seit langem einheitliche Bllanz- schcmata eingeführt. Um jedoch den Bestrebungen auf weitergehendc Spezialisierung der Bilanzen im Interesse der Beurteilung der Liquidität der Kreditinstitute Rechnung zu tragen, , wird der Ge- neralanwalt ersucht, das Nötige zu veranlassen, damit für die Kreditgenossenschaften und Zentralkassen einheitliche Bilanzschcmata ausgearbeitet werden, welche den neueren Anforderungen ent sprechen und zugleich eine eingehendere Finanzstatistik ermöglichen." Die Leitsätze wurden einstimmig angenommen.

Die Frage:Welche Lehren haben die Genossenschaften aus der Geldkrisis, der letzten Jahre zu ziehen?" wurde von Verbandsdirektor Landet z. D. Brockhausen (Stettin, besprochen. Er fegte Leitsätze vor, in denen folgende Forderungen auf­gestellt werden: Bezüglich der Spar- und Tarlehnskassen: Diese sollen ausschließlich ihr überflüssiges Geld bei der Verbands­kasse anlegen und nur bei derselben Bank Kredit nehmen, ferner im wesentlichen einen ähnlichen Kredit geben, wie sie ihn selbst in Kontokorrentguthaben, Depositen- und Spargeldern nehmen, und sollen diese Gelder nicht in Hypotheken fest anlegen. Weiter wird in den Leitsätzen gefordert, das; die Spar- und Darlehens­kassen sich auf ihre eigenen Bezirke beschränken und nicht aus allen Bezirken Gelder annehmen in einem solchen Umfang unb zu einem solchen Zinsfuß, daß ihnen die Anlage der Gelder in ihrem eigenen Bezirk und bei der Verbandskasse mit einem an­gemessenen Nutzen unmöglich wird: außerdem sollen die Spar- und Darlehenskassen genügend Liguidität erhalten, indem sie zur Deckung ihrer täglich fälligen Verbindlichkeiten ein angcmcsienes, täglich abhebbares Guthaben bei der Verbandskasse haben. Für die Verbandskasse wird verlangt, daß, sie den angeschlovenen Spar- und Darlehenskassen einen Zinsfuß gewähren, der diesen die Möglichkeit gibt, die überschüssigen Gelder dort anzulegen, ferner, daß sie zur Deckung der auf tägliche Kündigung angenom­menen Krankengelder ausreichende Bestände in Bankguthaben, Wechseln und lombardfähigen Wertpapieren besitzen und mit den Revisionsverbänden in enger Fühlung stehen. Bezüglich der Re­visionsverbände fordern die Leitsätze, daß durch Jnstruktwiis- kurse usw. die Organe der Genossenschaften auf die Durchfübrung der zur Sicherheit notwendigen Maßnahmen Hinweisen, daß die Abstellung von Mißständen in den einzelnen Genossenschaften mit Energie betrieben und gegebeneiifalls Ausschluß der einzelnen Genossenschaften aus dem Verbände vercrulaßt werde."

Nach einer kurzen Aussprache wurden Vic - atmen.

RuderklubHafsia" Gießen allein über die Pahn.

Die Namen der Offiziere angegeben hatte, deren sich die Ange klagten bei Unterzeichnung der gefälschten Wechsel bedienten, wurde sreigefprochcn.

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52. GberheWher Zmkertay.

A Hungen, 20. Juli.

Die Bienenzüchter Oberhessens halten hier heute und morgen ihre 5 2. W a n d e r v e r f a m in l u n g n n d Imke re i - Aus - ft e 11 u n g ab und der hiesige Bienenzüchterveretn verbindet damit sein 30jähriges Stiftungsfest. Tie Ausstellung war im Gasthof zur Traube sehr hübsch eingerichtet. Besonders reichhaltig war die Ausstellung in (Geräten.

Unter den Ehrenpreisen fanden sich solche vom Fürsten Karl von Lich, der Stadt Hungen, Schminke - Sachfenberg, Lang und Wiederstein-ltzießen,Union-Brauerei Gießen, Römerbrunnen Echzell, W.Wiederstein - Hungen. Als Preisrichter ivaren tätig: Lehrer Sommer - Inheiden, Konrad Schimpf-Ostheim b. Butzbach, Lehrer Heidt-Leusel und Fabrikant Funk-Sellnrod.

Tie Eröffnung der Ausstellung sand um 2 Uhr durch den Vorsitzenden des Oberhessischen Bienenzüchtervereins, Lehrer Buß- Leihgestern, statt. Von 3 Uhr ab konzertierte die Kapelle Hisgen- Lich. Morgen wird die Hauptversammlung abgehalten, zu der auch Graf Wilhelm von Laubach als Präsident des landwirlschafilichen Provinzialvereins für Oberhessen sein Erscheinen zugcsagt hat. 12er Landwirtschastskammer-Ausschuß für Ober Hessen wird ebenfalls vertreten sein.

Die P r e i s v er te i lu n g hatte folgendes Ergebnis: Honig: 1. Preis mit 22 Punkten Lehrer Rnnt-Okarben 20 M., 2. mit 16 P. Oberhessische Honigverkaufs - Genossenschaft Berstadt 15 M., 3. mit 14 P. Rahn°Rudingshain und Kohlheyer-Hungen, 4. mit 13 P. Spitznagel-Stockheim n. Weck-Hungen, 5. mit 12 P. Appel- Oberlais und Stoll-Riedmühle, 6. .Hauptlehrer Roth-Lich, 7. Otto Leidner-Betlenhansen, Andreas Braun-Bettenhausen, Hübner-Nidda und Henkel-Inheiden. Völker und Königinnen: 1. Preis Sloll-Niediuühle, 2. Schmeel-Bettenhausen, 3. L. Hübner-Nidda, 4. Schmidt-Villingen, 5. Steeg-Rtngelshanscn, 6. Rudolf Keck-Gedern. - Geräte und' Lehrmittel: 1. Preis Lesterretchische Medaille Hch. Echminke-Sachsenberg in Waldeck, 2. Preis 15 Al. L. Hülm er - Gedern, 3 Preis 10 M. Rudolf Keck-Gedern, 4. Preis Karl Buß- Wetzlar, 5. Preis Perron - Vilbel, 6. Preis Weinert - Butzbach, 7. Preis Schmidt-Großen-Buseck, 8. Preis Lehrer Saal°Psnngstadt, 9. Preis Velte und Rabenau-Lich.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen mm L-, ___________SN-

Zum Strasburger Garnison-Alarm.

-< Straß bnrg i. Els., 18. Juli.

Ein Nachspiel zu der vielbesprocheneit Alarmierung der Straßburger Garnison durch ein gefälschtes Kaiser Telegramm beschäftigte heute die hiesige Ferienstrafkammer, vor der sich vier Helfershelfer des damaligen Täters, des früheren Zahlmeister- aspiranten Wolter, wegen einer Reihe schwerer Urkundenfälschungen und verschiedener Betrugsversuche zu verantworten halten. Obwohl der Prozeß mir in losem Zusammenhang mit der Wolter'fchen Asiaire stand, wurde sie doch dadurch interessant, daß Wolter dazu als Zeuge geladen war. Bekanntlich hatte Wolter am Vor­mittag des 5. Februar dieses Jahres, gerade um die Zeit, als man nach den letzten anrtlichen Meldungen den Kaiser in Königs­berg i. Pr. vermuten mußte, ein gefälschtes Telegramm angeiertigt und es selbst in der Uniform eines Postboten beim hiesigen Generalkommando abgegeben, wonach angeblich auf Anordnuug des Kaisers die gesamte Garnison sofort von der Hauvtwache ans zu alarmieren war. Tas Telegramm schloß:Ich treffe im Kraft­wagen um 12 11 br auf dem Exerzierplatz Polygon ein." Unter­zeichnet war das Telegramm Wilhelm I. R.

Auf dieses Telegramm hin wurde dann tatsächlich die ganze Garnison Straßburg durch Trommelsignale und Eilordonnairzen alarmiert und gegen 12 Uhr mittags rückten Truppen aller Waffen­gattungen in Feldunisorm nach dem großen Exerzierplatz auf dem Polygon aus, wo sich bereits Prinz Joachim von Preußen, die Generalität und der kaiserliche Statthalter Graf v. Wedel ein- geiunben hatten. Nachdem dann die gesamten Trrippenkörper bis 2 Uhr auf dem Paradeselde gewartet hatten, erfolgte schließlich eine telephonische Rückfrage am Berliner Hof und man erfuhr, daß sich der Kaiser auf dec Fahrt nach Königsberg befinde und garnicht daran denke, nach Straßburg zu kommen. Der Statt­halter nahm dann der Form halber einen Vorbeimarsch der Garnison ab, worauf die Truppen in ihre Kasernements zurückgefchickt wurden. Inzwischen war nach demVerbreiter der unrichtigen Depesche eiirig gefahndet ivovben und in der bald darauf zusammentretenden Sitzung der Elsaß-Lothringischen Kammer erfuhr man, daß am Vormittag dieses Tages ein Mann zu dem sozialdemokratischen Abgeordneten Peirotes gekommen sei, um ihm die Abschrift des angeblichen Kaisertelegramms zu zeigen. Der Mann habe bemerkt, daß das Original-Telegramm von einem Unteroffizier in der Uni­form eines Tepeschenboten auf dem Generalkommando abgegeben worden sei,um zu beweisen, daß er nicht verrückt sei". Kurze Zeit darauf halte man bereits den Urheber der gefälschten Depesche in Händen und zwar in der Person des früheren Zahlmeister- Aspiranten des Fußartillerie-Regiments Nr. 8 August Wolter aus Metz, der im Jahre 1877 geboren ist. Wolter diente zuerst in Straßburg und wurde schließlich wegen Unzurechnungsfähigkeit mit Pension vom Militär entlassen, nachdem er in einen Prozeß wegen Veruntreuung von Geldern verwickelt gewesen war, in dem die Rolle, die er damals spielte, nicht ganz mngef(ärt worden ist. Wolter wehrte sich mit allen Mitteln dagegen, als geistesgestört bezeichnet zu werden und hatte sich auch an den Vertreter von Straßburg-Stadt, den sozialdemokratischen Abgeordneten Boehle, gewandt, der seine Sache auch im Reichstag zur Sprache brachte, ohne allerdings damit einen Erfolg zu erzielen. In der Folge richtete Wolter fortwährend Eingaben an Reichstag und Landtag und drohte auch mehrfach, er werde der Welt einen Streich liefern, wie er noch nie gesehen worden sei. Dieser Stteich bestand dann darin, daß er die von ihm auf einem amtlichen Telegramm- Formular selbst niedergeschriebene gefälschte Depesche in Verkleidung dem Gouverneur General der Infanterie Freiherrn v. Egloffstem auShändigte, der darauf die Alarmierung der Garnison befahl. -

Im weiteren Verlause der Untersuchung wurde Wolter einer Irrenanstalt überwiesen und erneut für unzurechnungsfähig erklärt. Damit erübrigte sich eine gerichtliche Verhandlung gegen ihn, da ihm in jenem Falle der Schutz des § öl St.-P.-O. zugebilligt worden iväre. Dagegen ergab die wettere Untersuchung gegen Wolter, daß er fett längerer Zeit bereits der Intimus zweier beschäftigungsloier Straßburger Kaufleute und zwar des 22jährigen Gustav und Friedrich Juiig gemeßen war, die sich nach Vergendmrg einer größeren Erbschaft durch Warenschwindel unb ähnliche Betrugsmanöver Barmittel 511 verschaffen gesucht hatten. Eine große 'Anzahl Straßblirger und Hagenaner Geschäftsleute sind durch die beibeit Burschen um viele Tausende geschädigt worden, deren Helfershelfer in erster Linie der Fälscher der Kaiserdepefche August Wolter und ferner ein junger Kaufmann und ein ehemaliger Kavallerieosfizier waren. Um ihre Betrugsmanöver zu verdecken, sollen die Gebrüder Jung mit ihrem Intimus Wolter die heute zur Verhandlung stehenden Straitaten begangen haben, die sich als schwere Urkiindenfälschiing darstellen. Allen Dreien liegt zur Last, in ctrna 40 Fällen gefälschte Akzepte mit dem Namen zahlungs­fähiger Offiziere in Verkehr gebracht zu haben. Tie Papiere sind durch die übrigen Mitangeklagten zur Diskontierung gelangt und von den erhaltenen Barfummen bekamen die Helfershelfer kleine Beträge ab. Ter Geldgeber hat bei der Sache fast sein ganzes Vermögen von über 400000 Mark eingebüßt. Während diese Fälschiingen verübt wurden, schrieb der Angeklagte Friedrich Jung gleichzeitig eine Broschüre unter dem sensationellen TitelAus einer anderen kleinen Garnison", die er einem Züricher Verleger zur Verbreitung übergab, offne daß sie jedoch einen größeren Absatz erzielte. Als dann die Affäre mit dem Kaisertelegramm sich abspielte und die Verbindungen Wollcrs mit den beiden Jung und den übrigen Angeklagten bekannt wurden, kam gleichzeitig auch der jetzt zur Verffandlimg stehende Riesen­schwindel heraus, doch gelang es nur den Angeklagten Gustav Jung festzunehmen, da Friedrich Jung sich bereits nach Paris gewendet

Germania" Kastell 1. Vorrennen: Ruder- Kastel 6 Min. 19]/5 Sek.: Ruderges.Bo- a. M. 6 Min. 442/z Sek. 2. Vorrennen: Frankfurt a. M. 6 Min. 31 Sek.: Ruderklub

hatte.

Inwieweit sämtliche Angeklagten von der Absicht des Wolter gewußt haben, die Straßburger Garnison zu alarmieren, an die sich bekanntlich auch ein 9llarm der deutschen Flotte aiischließen sollte, hat die Untersuchung^ nicht ergeben. Wolter ist dabei ver­blieben, daß er diese seine Straftaten vollkommen selbständig au§= geheckt und durchgeführt habe. Die Berhairdlung, welche den ganzen Tag hindurch andanerde, endete mit der Verurteilung des Haupt- angeklagteii Gustav Jung zu acht Moira ten Gefängnis, wahrend die Mitangeklagten Burkhardt eineinhalb Jahr Gefängnis unb ein weiterer Helfershelfer, der Geldagent Hartman», neun Monate Gefängnis erhielten. Der frühere Kavallerieleutnant Scriba, der den Angeklagten lediglich

RuderklubHassia" Gießen? 6 Min. 58 Sek. 3. Vorrennen: Ruder- gesellschastBorussia" Frankfurt a. M. ging allein über die Bahn, N7eil der Ruderllub 1907 Limburg nicht am Start er­schien. Hauptrennen: SiegerUndine" Frankfurt a. M. 6 Min. 29 Sek. gegenAmicitia" Frankfurt a. M. 6 Min. 42 Sek. undBorussia" Frankfurt a. M. 6 Min. 51 Sek.

6. Senior-Vierer. Ehrenpreis des Süddeutschen Ruder­verbandes, zweimal nacheinander zu gewinnen. VerteidigerAmi­citia" F-rankfurt ä. M.) 1. Borrenuen: RudersportvereinAmi­citia^ Frankfurt a. M. 6 Min. 19 Sek.: Ruderklub 1907 Lim­burg 6 Min. 31 Sek. 2. Vorrennen: RuderklubHassia" Greben 6 Min. 5'Sek.; RuderklubGermania" Offenbach) 6 Min. 11 Sek. Hauptrennen: SiegerHassia" Gießen 6 Acin. 4 Sek-, geht mit wundervollem Endspurt bei 2 Längen Vorfprung durchs Ziel: FrankfurterAmicitia" 6 Min. 13 Sek.

7 Junior-Achter. Borrennen: Rudersoortverein Ami­citia Frankrurt a. M. 5 Min. 49 Sek.: RuderklubHatt'.a' Gießen 6 Min. 11 Sek.: RudervereinGermania" Ottenbach gang allein über die Bahn. Hauptrennen: A m i c i t i a 5 Min. 41 Sc), gegen Offenbacher Germania 5 Min. 42 Sek. Es war das Hauvi- rennen und das schärfste des Tages. Beide Boote lagen noch kur> vor denr Ziel auf gleicher Höhe, Bord an Bord, -ue Rieger hotten aber noch mit großer Kraft 1 _> Länge auf, was von den tn großer Spannung befindlichen Zuschauern mit einem tötenden Beifall begrübt wurde.

8. Senior-Vierer Ehrenpreis der Damen des Ruder- llubHassia". 1. Vorrennen: Rudersporwerecn. Amnttia Lercmk- hrrt a. M. 6 Min. 29 Sek.; Wassersporwerein Macnz 6 Min. 46 Sek. 2. Vorrermen: Stuherilub ökrmam Ottenbach 6 Mm.

23. Regatta öes Süddeutschen Ruderverbandcs zu Sietzen auf der Lahn.

# Gießen, 21. Juli.

Die gestern auf dem Woog vom Ruderklub Hassia 1906 veranstaltete Regatta des Süddeutschen Ruderverbandcs erfreute sich trotz des nassen Wetters eines befriedigenden Besuchs. Die Zuschauer wurden reichlich entschädigt durch die einzelnen hoch­interessanten Kämpfe, wie wir sie in Gießen selten vorgeführt erhielten.

Den Richter-Ausschuß hatten freundnachbarlich Mitglieder der Gießener Rudergesellschaft 1877 gebildet: er bestand aus: Karl Kreiling und Karl Stöver als Zielrichter, H. Hochstätter jr. unb Aug..mann als Bahnrichter, Herm. Happel, L. Scharmann und Aug. Wehn jr. als Starter.

Die Vorrennen fanden am Vormittag statt, während die Hauptrcnncn von nachmittags 3 Uhr an ausgcfahrcn wurden. Sie nahmen folgenden Verlauf: