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Drittes Blatt
163. Jahrgang
Eichener Anzeiger
Erfcheint tL-iich mit Ausnahme deS Sonntags.
General-Anzeiger für Sberheffen
Tie ..Giehener La»Me«dlStter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Xrelrblatt fir de« Krtis Ließe," zweimal wöchentlich. Die „Landwirtfchastlichen -eit fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Samstag, 25. August 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniversitälS - Buch-- und 6teiiibrudeceu R. Lange, Gießen.
Redaktion, Gjpcbition und Druckerei: Schul- flrafcc 7. Expebition und Berlag: 51.
Redaklion:SEH2. TeU-Abru ArrzeigerGießen.
persönliche; von Lmile Sllioier.
Den 86jährigen Greis, der nun in seiner Landvilla fiu Saint-Gervais in Savopen dahin gefdxieben ist, hat der Tod mitten aus der Arbeit sortgerrssen* Im März des Jahres 18M entschloß sich Lllivier nach langen Vorarbeiten, eine (beschichte des zweiten Kaiserreiches zu schreiben, mit der offen ausgesprochenen Absicht, die (Ereignisse zu berichten, an denen er als Deputierter und Minister Anteil genom- men hatte, und die Irrtümer und Verleumdungen zu zerstören, die über ihn in Umlauf waren. Von diesem Tage an hat er feine Aufgabe niemals außer Acht ^elaffen: unaufhörlich hat er nur an sie gedacht und die Forderung des Werkes mit unablässiger Ausdauer im Auge behalten.
Das imposante Werk, das auf diese Weise entstanden ist und das den .Höhepunkt feiner reichen schriftstellerischen Tätigkeit bildet, hat eine Fülle von Diskussionen entfeffelt. Am meisten angefochten waren natürlich jene Stellen, in denen er feine entscheidende Rolle erörterte, die er in den Geschicken des zweiten .Kaiserreiches und vor allem beim Ausbruch des deutsch-französischen Krieges gespielt. Lllivier hat mit Aufbietung all jener Ucbcrrcouugs- funft, die ihm zur Verfügung stand, sich von dem Vorwurf zu reinigen gesucht, als hätte er als „Mann mit dem leichten Herzen" den Hauptanstoß zur Kriegserklärung gegeben. Er stellte sich bar als den, der unter dem Druck der Verhältnisse mit seiner Meinung nicht durchdrang, vom Beginn der Verwicklungen an aber sich stets feiner Verantwortung bewußt gewesen sei. „Im Laufe dieser ganzen kritischen Zeit," sagt er an der Stelle seiner Darstellung, da er dies Problem der eigenen Schuld zuerst aufrollt, „überstehe ich viele Aengste, bin moralischen Qualen ausgesetzt und oft gezwungen, sehr rasche Entschlüsse zu fassen: in feinem Augenblick aber werde ich die Herrschaft über mich selbst verlieren, ich werde handeln, wie wenn ich eine Ausgabe der Geometrie ober Lllgebra zu lösen hätte, unzugänglich den Einflüssen bet Presse wie bes Kaisers unb der Kaiserin, meiner Freunde und meiner Feinde, ohne Rücksicht auf bad, was man sagen wird, nur ben Erwägungen folgend, die mir bic Pflicht gegen mein Baterlanj^ und die Menschheit eingibt." Er erklärt, baß er nichts notrbem Telegramm an ben preußischen König wußte, in bem verlangt würbe, baß der König „die Versicherung gebe, er werde niemals seine Einwilligung in eine neue Kandidatur aussprechen." Der Ministerpräsident, der in dieser von Gramont aufgesetzten Depesche ben cigcntlidjen Anlaß unb Anstoß zum Kriege erblickt, wollte bamals feine Entlassung nehmen, weil er bic unabwendbaren Folgen voraussah, aber bann schien ihm ein Rückzug in dieser Stunbe als „ein Akt von verdammungswürdigem Egoismus", unb so blieb er auf feinem Posten, in bet Absicht, das Schlimmste abzuwehren, „wie ein Blitzableiter, der ben Blitz aufnimmt, um ihn unschädlich zu machen."
Wenn Lllivier als der „Mann mit dem leichten Herzen" in der politischen Geschichte keine glückliche Erinnerung hinterlassen hat, so erscheint er in einem weit vorteilhafteren Lichte, wenn man feine Beziehungen zu Richard Wagner ins Auge faßt. Der Meister selbst hat über sie in seines Ledcnserinnernngen vielfache Mitteilungen gemacht, unb aus allen geht hervor, baß er an Lllivier aufrichtigen Anteil genommen unb daß dieser seinerseits
sich Wagner gegenüber als zuverlässiger unb förbcrlidier Freund bewährt hat. Wagners Vertnnbung mit Lllivier wurde durch dessen Vermählung mit Liszts Tochter Blandine geknüpft. Als Wagner im Januar 1858 nach Paris ging, um sich das Eigentumsrecht für feine Werke in Frankreich zu sichern, da baute er feine Hoffnung auf die Durchführung seiner Ansprüche in erster Linie, wie er bekennt, auf ben „sehr ergiebigen Beistand" LllivierS, den er — und mit Recht — als einen berühmten Advokaten bezeichnet. Auch hatte er sich in seiner Zuversicht nicht geirrt. Er berichtet über feine damaligen Beziehungen zu Lllivier:
„An Lllivier sand ich alsbald einen sehr einnehmenden unb tätigen Freund, welcher bic Angelegenheit, bic mich, der äußer lieben Bestimmung nach, Pans zugnührt hatte, sofort entschlossen in die Hand nahm. Wir gingen eines TageS zu einem ihm be freundeten unb wie es schien, verpflichteten Notar: ich stellte dort eine gel?arnifcbic unb wohl verklausulierte Vollmacht zur Ver tretung meiner Eigentumsrechte als Autor an Lllivier aus, und wurde, troEbern viele Steinpelsormalitäten vor sich gingen, dort mit vollendeter Gastfreiheit bcbanbelt, so das' ich mir unter meines neuen Freundes Schub recht geborgen vorkam. Nun aber sollte ich, im Palais de Huftier in der Salle des Pas-pcrdus an LllivierS Seite promenierend, erst noch ben berühmtesten Advokaten der Welt, welch? da in Barett und Robe herumwandelten, Dorgeftellt und sogleich bis pus ben Grad vertraulich bekannt gemacht werden, daß ich einem .(Preis von ihnen, welcher sich um mich bildete, das Sujet des „Tannlräuser" zu ervlizieren veranlaßt werben konnte. Das gefiel mir alles sehr wohl. Nicht minder befriedigten mich meine Unterhaltungen mit Lllivier über dessen politische Aussichten unb Stellung Er glaubte nur noch an die Republik, welche nach dem unzweifelhaften Sturze der napoleonischen Herrschaft von neuem und dauernd hervortret en werde. Er unb seine Freunde gingen nicht damit um, eine Revolution hervorzitrufen, sondern nur sich darauf bonubereiten, diese, wenn sie, wie notwendig, eingetreten sein würde, nicht wieder der Ausbeutung durch Intriganten zu überlassen. In den Prinzipien ging er auf die aus ersten 8onseauenzen des Sozialismus ein; er kannte und respektierte Proudhon, jedoch nicht als Politiker: nichts aber, so meinte er, könne sich für bauernd begründen, als durch die Initiative der politifdvn Einrichtung Auf dem Wege der einfachen Gesetzgebung, ans welchen schon bisher aus Gründen der öffentlichen NützlidKeit bedeutende Maßregeln gegen den Mißbrauch des Privatrechtes ein geführt worden feien, würden allmählich die anscheinend kühnsten Forderungen für die Begründung eines gleichmäßig verteilten öffentlichen Wohles zur Geltung zu bringen fein."
Lllivier tat für ben deutschen Musiker, was er konnte. Er führte ihn in verschiebenc Streife ber Pariser Gesellschaft, wie z. B. bei der Familie (Srarb ein, unb als SL-agner int nächsten Jahre wieder nach Paris kam, war er ihm gleichfalls „mir Ratschlägen unb sinnreichen Empfehlungen" vielfach nützlich, wie benn bic beiben LllivierS auch zu den regelmäßigen Besuchern der Miktwochabenbe bei Wagner gehörten, bei betten auch ber Kunst Wagners durch den Dichter Beaudelairc, ber bekanntlich ein leibenschastlicher Bewunberer feiner Musik war, gehuldigt würbe. Bei ber historischen Pariser Erstaufführung des „Tannhäuser" im Jahre 1861 hätte cs zwischen Wagner unb ber Familie Lllivier fast eine kleine Verstimmung gegeben, wenn nicht ber verständige, ruhig bentenbe Advokat die .(ltippe zu umschiffen verstauben hätte. Wagner war damals mit Freikarten so beschränkt, daß er vielen seiner Freunde nicht nach Wunsch bienen konnte; unb als er auch Blau bi ne unb ihrem Gatten nichts anderes als ein paar Sperrsitze zuweisen konnte, da lag die Gefahr nahe, daß in diesen seinen
$raucu4{unöfd)au.
Von alten und neuen venezianischen Spitzen.
Venedig, die Geburtsstadt der Spitze, hat den Ruhm, besonders schone Muster dieser kiel ten Gewebe hervorzubringen, den fic nach dem Niedergang der Republik verloren hatte, sich in neuester Zeit wieder erobert, und im alten Glanze steht die venezianische Spitze brüte wieder in der Reilte ber jüngeren Schwestern von Brüssel, Vtüeneiennes unv. Wie gerade Venedig dazu kam, zuerst diese spinnenzarten Gebilde Ixrvorzuzaubern, darüber macht H. Perl- Mora in einem Aufsatz der „Same" interessante Mitteilungen. Vorder gab es folchc Gewebe nur in der Natur, und die rneer- befadrenden, well erobernden Venezianer waren es, die in weiter Ferne die Vorbilder für diese feine Handarbeit der Menschen aussanden. Sie entdeckten jenen Baurn, den man seitdem als „Spitzen- nndoDophnc" bezeichnet Kat und der in seiner feinen inneren Rinde eine verschlungene, vielgliedrigc Zeichnung aufnxift, die ben incnfcHicbcn Grist zur Nachahmung verlockte. Aus dieser Baumrinde wurden Kragen an-sgeiebnüten, die vornehme Herren zum Sctmuick anlegten, und nach der feinabrigen Zeichnung des botanische Vorbildes wurden dann prunkvolle Spitzenkanten ausgenäht. Mer auch noch andere Anregungen für die Spitzenknnst brachten die Venezianer von ihren Entdeckungsreisen mit heim; die vielgestaltigen Erustaceen, bic das Meer bevölkerten, die wunder^ lichcn Formen von Seesternen und Seepflanzen regten ihre Phantasie an, und so findet man in den Dessins ber echten alten; Venezianer Spitzen die flebnlicfrfeit mit verschiedenen, dem Meer entstammenden NatUrformen leicht heraus. Zunächst ward die neue Kunst mir Nadel und ("toben von Vionncit und Patriziertöchtern zu Ehren Gottes geübt: bald aber gelangte das KlöppelPolster zur Herrschaft, und an die Stelle der Kloster und Hausindustrie trat ein mächtiger Handelszweig, für den die Frauen aus dem Volke arbeiteten Tiefe Spitzenindustrie, die ben Ruhm Venedigs bis ins 19. Jahrhundert überallhin trug, ist dann aus dem Todes schlaf, in den sie zu Ende des 18. Jahrhunderts verfallen war, von der Königin Margherita wiedererweckt worden. Unter dem Protektorat ber Herrscherin erstanden Klöppelschulen in Burano, rao sich damals nur noch einige uralte Mütterchen der einst so blühenden Spitzenkunst erinnerten unb sie bic Jugend wieder lehren Tonnten. Heute zählt man bereits wieder über 10000 Spitzen Nöpvlerinnen unb Svitzettnäherinnen auf jenen Inseln, die einst mals der .Hauptsitz der Spitzenindustrie gewesen, in Burano, Pale ftnna, Torccllo u. a. Mn Einsatz eines großes Kapitals unb mir Hilfe einer unrfichrig durchgeführten Lrganifation blühte der alte Handelszweig wieder auf und genährte reichen Lohn, obgleich ober tricttcicht gerade weil Maschchcn bei der Anfertigung der Spitzen nicht venvendet wurden. Die Spttzenindustne in unb um Venedig produziert gegenwärtig viel mehr Spitzen, als in ber höchsten Blütezeit der Vergangenheit: ja ber Handel geht ins Riesenhafte, und in ihren kühnsten Träumen hätten die alten Venctianer es nicht für möglich gehalten, solche Unmanen von Spitzen zu erzeugen und, was noch mehr ist, fie spielend abzuietzen.
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— Die sich ein Mädchen zum Besten des Vater langes in ber Lotterie aus spielen wollte. In ben Tagen der Freiheitskriege haben viele Frauen bdbenmutige Be werfe ihrer Vaterlandsliebe gegeben, einen kurioseren aber keine, als die junge Dame, die sich hinter dem Namen „Cakhinka Balmy" verbarg — ihr wirklicher Name ist unbekannt geblieben. Selbige 2 ante charakrerisrerre sich selbst dahin, daß sie zwar ohne Ver
mögen, aber von ber Natur mit einem hübschen Gesichte und Figur, gesundetn Verstände und einem für das Gute fühlenden Herzen ausgcstattet war. Sie stand m den zwanziger Jahren, als sie an den Stoatslanzler von Hardenbzrg den überrnfd)cni)i*n Vorschlag richtete, sich unter bestimmten Bedingungen für den Preis von 60 000 Talern in der Berliner Lotterie ausspielen zu lassen. Fräulein Eatbinka fühlte das Ungewöhnliche ihres Vorschlages doch wohl selbst, denn fic beschwor den Fürsten, ihr zu glauben, daß „nur ein schuldloses, moralisch denkendes Mädchen so zu handeln vermöge". Auch versicherte sie, daß nicht Reichtum, nicht glänzendes Leben ihr Wunsch sei, sondern nur ein einfach bürgerliches, doch sorgenfreies Leben, in dem sie zu beglücken und selbst glücklich zu werden hoffte. Welches waren nun die Bedingungen dieser in ihrer Art woh! einzigen Lotterie? Die merkwürdigste davon ist die, daß Eathinki sich nur an einen deutschen Krieger, der fürs Vaterland eine Hand oder einen Fuß verloren hotte, ausfpiclcn wollte Warum fie sich nun gerade aus einen Ein armigcn oder Einbeinigen kaprizierte, das bleibt in ewiges Dunkel gehüllt Falls der Gewinner das Unglück haben sollte, trotz seiner Teilnahme am Kriege noch im Besitze seiner sämtlichen Gliedmaßen zu sein, fo behält Catl inta sich vor, ihn mit 10000 Talern abzufinden. Weitere 10000 Taler von dem Erlöse der Lotterie soll len einer bedürftigen Familie #ugutc kommen — in jeöcm Falle aber mußte, nie man sieht, dein unternehmenden Mädchen ein hübscher lieberichuß bleiben. Auch behielt sie sich noch vor, Tür den Fall, daß der glückliche Einarmige oder Einbeinige, der den Preis gewonnen, sich als unpassend Herausstellen sollte, „wenn er raube Sitten hätte, unmoralisch oder ganz ungebildet roärc", ihn statt ihrer Hand nebst 50 000 Talern mit dem Abstandsümmchcn von 20000 Talern abzufinden. So moralisch also Eathinka nacn ihrer eigenen Versicherung auch dachte, so mußte sie doch, nach diesem, ihrem Planchen zu urteilen, auch ein ganz hübsches Gesciäftstalcnt besessen haben. Schade, daß der Plan bei dem Fürsten Hardenberg so wenig Verständnis sand. Ter Staatskanzler gab ihren Vorschlag einfach zu den Akten, „bis sich die Bim'tellerin etwa wieder meldete". Sie meldete sich aber nie wieder, und fo ist keinem einarmigen deutschen Freiheitskrieger das Oflurf befcfciebcn gewesen, die unichuldsvoUe Eatbinka mit ihren erspielten 50 000 Talern zur Gefährtin feines Lebens zu gewinnen.
— A us der Welt der Mode: Stoffe und Farben derHcrbstrnode. Samt und Lackleder find bic hervorftehendstcn Stoffe der Herbstmodc: Samt und famtaNtgcs Gewebe für das GefellfchaftsNeid, t'aefleber für Hüte und für Garnituren. Diese werben mir Vorliebe für matte Samtkleider, ober für helle, weiße Wollkleider verwendet. Auch Lackleder- und Wackistuchgürtel sind wieder im 2lirffchming begriffen. Neben Samt ist vor allem der Plüsch das .Herrichende in der Herbstmode. Es find neuerdings gepreßte Plüsche mit eigenartigem Etzmgeantcharakter in Breit'ä wan; Zeichnung hergeitellt worden, namentlich für das hochelegante Gciellschaftskleid, für Schleppen- und Trauerkleider. Velours ettirmane und Velours be Peche find die Neuheiten für Ballkleiderstoffe. Velours Charmeuse ist in gedämpften Farben gehalten, hauptsächlich aber in einem matten Zitronengelb unb entern warmen Kirschrot. Velours de Peche, nach seiner Pfirsich- färbe genannt, ist -ben falls in verschied en en Schattierungen vorhanden. Auch eine große Vorliebe für Ripsftone hat eingesetzt Rivskrepp in Halbseide, Lttornan, und Bonan, mit Samt ober Tüll kombiniert, geben überaus eigenartige Kostüme. Tic Bauan- woll- und Leincnfrortös der Sommermode werden durch Voll-
„besten Freunden", ime er sie nennt, bas Oäefühk der Zu- rüc^etzung erwachen konnte. „Es bedurfte der ganzen Kaltblütigkeit Emiles, um den Versicherungen der unerhörten Lage, in tvcldier ich mid) als von allen Seiten darstellen mußte, bei ber tief beleidigt sich wähnenbcn Freunbin gerechte Berücksichtigung zu verschaffen."
,^Ihrcn .Höhepunkt erreichten bic BezicInnigen Wagners mit ber Familie LUivier im Spätsommer des Jahres 1861, als sie zuerst zusammen in ber Mtcnbnrg Liszts Oteftc in Weimar waren unb bann die Reise von Weimar nach Reichenhall gemeinsam machten, wo Frau Eosima ausgesucht werben sollte. Wagner erzählt, wie er, Bl an bin c und Emile Lllivier, auf dieser Reise von ausgelassen heiterer Laune erfüllt gewesen seien. Tie Heiterkeit wurde dadurch noch gesteigert, daß Lllivier bei jedem 21n flachen Wagners unb Blandinens neugierig fragte: „Qu'est-ce gu'il a btt?" Lllivier mußte es sich gutmütig gefallen lassen, basz wir örtgesetzt int Tciitfchcit unsere Spaße trieben, bod) würben eine häufigen Nachfragen nach einem lontquc ober Iam- )vn cru, welche bic Hauptelcmcnte seiner Ernährung aus- Mimadrcn fd)icneti, immer französisch von uns bebten!. In Mündien war für Toniquc unb Schinken ausrcichenb zu sorgen, unb so war Lllivier in ber Stimmung, bic Stadl mit besonderer Befriedigung in Augcnsdiein zu nehmen. Auch später, nach dem Ableben BlanbincnS, sind die Beziehungen Wagners mit Emile Lllivier frcunbfdjaftfidxr Natur geblieben.
2lus öen Kindertagen Napoleons in.
Im 2eben ''Napoleons III. ist feine Minbcrjcit bisher noch immer der bunkelste Teil gcblicl'cn, tuib FrsbSric LoliSc, ber bekannte Forscher zur <^eschichtc Napoleons HL, füllt eine wirkliche Lücke unseres historisdwi. Wissens aus, inbcin er in bcn „AnnalcS" zum ersten Male eine ausführliche Schilbcrung ber Ingcnbzcit bcs künftigen .staisers ber Franzosen entwirft. Als er am 20. April b. I. 1808, einem Mittwoch, um ein Uhr in der Nadft baS Lid;! ber Welt erblickt, hatte, ba würbe bic freubige Tatsache, bas! bem Hause Bonaparte ein unter Sproß geboren worben war, vom Baltischen bis zum Mittclmccrc, von ber Abria bis 5um Atlantischen Lzcau mit bem Donner ber M\rnoucn bc- grüßt Aber ber junge Napolconibe erwies fid) zunächst als ein überaus zartes Gewächs, bessen Lebensflammc jeben ugenblick zu erlöschen drohte. Man mußte ihn in Wein haben unb in Wolle packen, unb nur bnrch uncnblidjc Sorgfalt gelang cs endlich, bas schwächlidtc Kind über bas schlimmste Hinwegzubringen. So fanb seine Taufe erst nach zwei Jahren statt. ES war eine glänzenbe Aeicr in ber Kapelle bcs Schlosses zu Fontainebleau; Napoleon selbst unb die Kaiserin Marie Luise waren die Paten bes kleinen Prinzen, ber, als sein großer Oheim sid> ihn von seiner Mutter reidjen ließ, höchst uuzcremoniell in ein mörderliches Gebrüll ausbrach Am selben Tage war es, baß Napoleon beim Verlassen ber Kapelle einem feiner Groß- roürbenträger mittciltc, es werde bald nod) eine anbcrc Prinzentaufc geben — ber König von Rom würbe erwartet.
Nach einigen stillen Kinberjahren, bie ber Prinz zusammen mit seinem älteren Bruber halb im Palaste fernes Vaters im Haag, halb auf ber Domäne Saint-Leu und halb in Malmaifon verlebte. Tarnen bic bewegten Tage von 1814,
frottös abgelöst, bie meistens in lebhaften, schottischen Mustern gehalten sind. Auct: großblumige Iacguardmuster sinb aufgekommen. Einen starken Auffdnvuug haben auch Eurlstaffe, Erewl und Mrimmcrgcmcbc genommen. Dagegen jdjrint ötc bereits mehr- fach versuchte Wildlcdcrmode nicht recht zu gedeihen. Immerhin ist hervorzuheben, daß mit großem Glück weiße, indische Schass- und Zicgcnfelle, die mit schwarzen Pelzen, Samt und Tüll garniert sind, zu Gesellschaftskleider verarbeitet ioarben find. Auch Sport- und Straßenlirider in grauem unb braunem Zicaenleder find in Gebrauch gekomnien. Die Farben ber Hcrbstmodc find durchaus gedämpft. Ajles scharfe, dezidierte wird peinlich vermieden. Sehr beliebte Farben sind lila, taupe, altgofö, dragonerblau, königsblau unb bronzr. Eine ausgcfvrodrme Mooesarix* Ijat sich bis jetzt Nock nicht hcrausgcbildet, doch i'cbcint fic >n blauroten ober braungrünen Nuancen zu liegen. Vielversprechend ist namentlich bic Ehartrcusefarbc und das bereits erwähnte iHrfcfrrot. Für die dunkleren Gesellschaftskleider kommen beinahe ausschließlich Töte bc N4grc und Eorbeau in Verwendung.
— Die erste Frauenrechtlerin der französischen Revolution. Die erste Frauenrechtlerin der Revolution war bie Schriftstellerin Llnmpia oc Gouges, die im Jahre 1791 die berühmte „Erklärung der Rechte der Frauen und der Bürgerinnen" veröffentlicht hat Zn oicicm Werke, das sie der gesetzgebenden Versammlung ine «tzriicht schkeubertc, forberte fic bic Gleichberechtigung ber zwei GcfdlEec unb eine weit gehen dc Zulafsung der Frauen zu allen öffentlichen Aemtern. sie bc» <irünbctc dies unter anderem folgendermaßen: „Die Frau fjat das Recht, auf den Galgen zu iteigen: fie muß deshalb auch das Recht haben, im Gericht zu fitzen!" Llvmpia bc <Pouges hatte ihre Kühnlxstt mit bem Tobe zu büfvn: fie wurde am '20. Juli 1793 Eingerichtet. Darauf beeilte sich der Konvent, die weiblichen Klubs zu unterdrücken. Während einer sehr stürmischen Manifestation würben die Frauen aus den Versammlungen verjagt. Damals fiel in der gesetzgebenden Versammlung das berühmte Wort von Ehaumette: „Ich liebe es nicht, daß die Frauen sich mit Politik beschäftigen?" Die (Gattin von Eondorzet rief ihm daraus zu: „Wie können Sie es wagen! In einem Lande, in bem den Frauen ohne weiteres ber Kap' abgetrennt wird, ist es doch natürlich, daß die Frauen bcn Wunsch haben, zu wissen, weshalb bies geschieht!" Darauf kam Napoleon, aber auch er nahm bald feine Stellung zur Frau, indem et sagte. „Ten Frauen steht nur zweierlei gut, bic Schminke unb bie Tränen!?"
ks. Das falsche Haar wird teurer! Ungewöhnlich HKe Preise für falsches Haar werden gegenwärtig in England bezahlt, unb das hat zwei Gründe: die Erschöpfung der Cuellen und die zunehmende Eitelkeit der alten Leute So versichern wenigstens die Fachleute. In England werden tährlich 255000 Kilogramm falsches Haar aus Eurwa und doppelt so viel aus China eingerührt. Der Turch''ccknittsvreis für gewöhnliche Sorten schwankt zwischen 30 und 1000 Mark für das Pfund, bie begehrteste Farbe, rein weiß, wird dagegen mit Gold aufgewogen und lostet das englische Pfund 2000 Mark! Die besten Sorten weißen Haares werden aus SüdfranTreich, Italien und Böhmen bezogen, und da bic Nachfrage »eit Jahren ungewöhnlich groß ist, »ind die Quellen beinahe erschöpft. Das chinesische Haar ist für die meinen Zwecke viel zu grob, und für kunstvolle Perücken wird ausschließlich europäifches Haar verarbeitet.


