Ausgabe 
22.5.1913 Erstes Blatt
 
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Die pariser Ziuanztonferenz wieder verschoben!

Paris, 21. Mai. Bon gut unterrichteter Seite wird gemeldet, daß der Zusammentritt des Internationalen Finanzausschusses von neuem verschoben werden mußte und voraussichtlich erst Anfang Juni stattfindcn wird.

Die serbische Wünsche und Vorbehalte.

Wie :büy Reulersche Bureau erführt, beziehen sich die. chou Belgrad telegraphisch übermittelten Vorbehalte hauptsächlich -auf die Ga r a n t i e e n, welche Serbien dafür verlangt, daß der Beschluß der Botschaftervereinigungi, Serbien solle einen Hafen am Adri ati schen M eer und eine Eifearbahnlinie durch Albanien hin­durch erhalten, welche diesen Hasen mit dem serbischen Eisen­bahnnetz verbindet, einen wirksamen Charakter habe. Die 'serbische Regierung besteht nicht darauf, daß diese Dinge |nt dem Präliminar friede n enth alten sein müssen, ab er sie wünscht, daß sie in dem endgültigen Vertrag b-ehandelt und auch in das albanesische Statut inbegriffen werden sollen. Es verlautet, daß Sir Edward Grey in seiner Antwort bereits zufriedenstellende Versicherungen gegeben habe, daß die Entscheidungen der Botschafter bindend feien and keiner weiteren Garantie bedürften, und daß die Hoff­nung andauernd bestehe, daß die Sache in dem aÄanesischkn Statut enthalten sein werde.

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6 Butzbach, 21. Akai. Durch unsere Stadt bewegte sich so großer Leichenzug unter Vorantritt der Reqimentslapelle

Deutscher Reich.

Der Bundesrat

hat über die Neubildung des Börsenausschusses für eine weitere fünfjährige Wahlperiode Beschluß gefaßt. An­genommen wurden die Vorlagen betreffend Aenderung der Zuckerstenerausführungsbestiinmungen, betreffend die Ver­legung der Zollgrenze am Fischereihafen in Geestemünde, betreffend die Ausführung der Paragraphen 366 und 367 des Versicherungsgesetzes für Angestellte, ferner der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend Uebergangsbestimmungen zur Reichsversicherungsordnung, den Entwurf eines Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz in Bayern, die Vorlage betreffend das Abkommen zur Vereinheitlichung des Wechselrechts vom 23. Juli 1912 nebst der zugehörigen einheitlichen Wechsel­ordnung.

Eine sozialdemokratische Anfrage wegen der neuen Gesetze für Elsaß-Lothr in gen.

Die Sozialdemokraten haben im Reichstag fol­gende Anfrage eingebracht: Ist der Reichskanzler bereit, Auskunft zu erteilen, ob dem Bundesrat neue Diktatur- ge setze (Einschränkungen des Reichsvereinsgesetzes und des Preßgesetzes) für Elsaß-Lothringen vorgeschlagen sind? Bil­ligt der Reichskanzler die zuerst in Pariser Blättern ver­öffentlichte Vorlage und ihre Begründung?

Infanterie-Regiments Nr. 116. Galt es doch hier einem Veteran von 1970/71 die letzte Ehre zu erweisen. Die Mitglieder des Kriegervereins, der Feuerwehr uud des Gesangvereins Orpheus ivaren fast vollzählig erschienen um ihrem Mitgliede, Schuhmacher- meister Ernst Röthardt von hier, eine besondere Ehrung zu teil werden zu lassen. Er genoß die Liebe und Achtung aller Schichten unserer Bevölkerung, und es waren ihm deshalb auch ver- schiedeueEhrenämtcr übertragen worden. DasAmtalsGemeinderats- mitglied legte er vor einigen Jahren aus Geschäftsrücksichten nieder. Den Kriegervereiu half er gründen und versah das Amt des 2. Vorsitzenden 39 Jahre. Ter Präsident des Kriegcroereius, Me­dizinalrat Dr. Vogt, erwähnte am Grabe seine Verdienste, besonders im Kriege 1870/71, ebenfalls Pfarrer Bayrich in kern- hafteu Worten. Der Verstorbene halte den Feldzug im 1. Hess. Jägerbataillon mitgemacht und sich daS Eiserne Kreuz 2. Klasse erworben. Der Freiw. Feuerwehr gehörte er 32 Jahre als aktives Mitglied an und war Mitbegründer dieses Vereins. Er war 11 Jahre als Zugführer und 14 Jahre als Kommandant der Wehr tätig.

We^eraussichtcn in Hessen für Freitag, den 23. Mai 1913: Meist heiter, trocken, warm.

(ffcrid?tefaaL

w. Leipzig, 21. Mai. Das Reichsgericht hat das Ur­teil auf die von der Staatsanwaltschaft und dem Nebenkläger eingelegte Revision gegen den Amtsrichter Knittel aufgehoben, der vom Landgericht Ratibor am 29. August 1912 von der Anklage der Beleidigung der Militärbehörde freigesprochen worden war, und die Sache an da? Landgericht Gleiwitz zurückverwiesen.

Aus Statt twö LanH.

Gießen, 22. Mai 1913.

** Die Vereinigung für gerichtliche Psycho­logie und Psychiatrie in Hessen hält ihre XVI. Haupt- wersammlung am Samstag, 24. Mai hier ab. Die Teil­nehmer versammeln sich in der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten um 10y2 Uhr vormittags. Die Ein­führung von Gästen ist sehr erwünscht; vorherige Anmeldung ist unnötig. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Geschäftliches. Vorstandswahl. Festsetzung einer Tagesordnung für die nächste Sitzung. 2. Vortrag des L)bermedizinalrats Dr. Balser-Darmstadt:Zur Frage der ^Prostitution". 3. Aussprache. 4. Klinische Demon­strationen

* Die land wirtschaftliche Studienreise der Landwirtschaftskammer für Hessen soll nach Hannover und Oldenburg führen. Den Teilnehmern'ist hier Ge­legenheit gegeben, hervorragende Ackerbauwirtschaf- ten und bäuerliche Güter mit elektrischem Betrieb, sowie in diesen beiden Gegenden hervorragende Viehzucht eingehender kennen zu lernen. Besonders sollen in Han­nover und Oldenburg in einigen der wichtigsten Zuchtge­bieten die ^Verhältnisse in der Schweinezucht ftnöiert werden. In Oldenburg bietet sich Gelegenheit, außerdem' das Gebiet der Wesermarsch mit ihren hochstehenden Rind­vieh- und Pferdezuchten zu bereisen, und ein kleiner Ab- istecher in die Oldenburgischen Moorkolonien soll den hes­sischen Landwirten. einen Einblick in die Kolonisation der

den Ballon zum Fallen bis auf eine .Höhe von etwa 2000 Metern; wo sich der Zustand der Dame merklich besserte. Der Mtstehende rasche Fall nmrde deshalb durch ent­sprechende Ballastabgabe gebremst. Trotz genügender Bal­lastabgabe fiel der Ballon bis zum Boden. Auf Anweisung des Führers ergriffen die Passagiere vorschriftsmäßig die Korbleinen. Der Anprall, der nicht besondors heftig war, brachte den Korb nach vorne zum Um kippen und der an der Schleifseite stehende Herr wurde über Bord geworfen. In dein Augenblick, als der Korb sich wieder aufrichtete, sah der Führer, daß Frau Eggemann, welche an der Schmal­seite des Korbes stand, und die sich von ihrem Unwohlsein Vielleicht noch nicht völlig erholt l)atte, über den Korbrand fiel, sich aber an den Korbleinen festhalten konnte, so daß sie mit dem Rücken gegen die Kvrbwand frei schwebte. 'Da der Ballon, um das Gewicht eines Passagiers erleichtert, rasch wieder in die Höhe gerissen wurde, war an ein Aufreißen des Ballons mittels der Reißleine nicht zu denkeir. Der Führer überließ zunächst den Ballon sich selbst und griff nach dein Handgelenk der Dame, die gerade noch über dem oberen Korbrande hervorragte. Er versuchte mit Hilfe des anderen Herren sie den Korb zu ziehen, aber alle Anstrengungen waren umsonst. Frau Eggemann hing wie 'leblos und machte, offen­bar durch den Schreck gelähmt, keinen Versuch, die verzweig selten Anstrengungen ihrer beiden Begleiter zu unterstützen. Nun gab es keine andere Rettung, als den Ballon Jo rasch wie möglich auf den Erdboden zu bringen.An das Ventil, und aus Leibeskräften die Ventilleine gezogen!" rief der Fül)rer seinem Begleiter ^u. Ties geschah, aber .der' Bal­lon machte keine Anstalten zu fallen. Er stieg vielmehr bis auf 400 Meter über den Boden. Als dem Führer, der wäh­renddessen die Dame allein halten mußte, die Kräfte zu ver- sageit begannen, und er fühtte, daß die Handgelenke, die er mit aller Kraft umklammert hielt, langsam seinen Händen entglitten, rief er seinen Begleiter zu.Hilfe. Dieser konnte aber nicht mehr zufassen, da Frau Eggemann zu tief hing. Tie Kraft des Führers war zu Ende und er sah mit Schaudern, daß die Frau in die Tiefe stürtzte. Einen Augenblick versagten die überanstrengten Nerven, dann galt es mit Gewalt den Ballon zur Erde zu zwingen. Trotzdem sich die beiden Herren gemeinsam an die Ventile hängten, stieg der Ballon vermöge seines neuen Auftriebes weiter bis auf 2500 Meter. Erst als der Ammersee überflogen war, tonnte der Ballmr bei Oberbrunn (Bezirk Starnberg) zum Landen gebracht werden. Das Communiquö schließt nach weiteren Ausführungen über die Bergung der Leiche mit den Worten: Allen Beamten und Privatert, die uns die Er- fülturrg unserer traurigen Pflicht nach Möglichkeit erleich­terten und uns ihre Anteilnahme bezeugten, sprechen wir hiermit unseren innigsten Dank aus. 'Die Erklärung ist unterzeichnet von Dr. Max Schmeel'i, Grob unb Dr. Otto Meße r.

1. Einzug der Gäste auf der Wartburg . R. Wagner

2. Die Romantiker, Walzer.......Lanner

3. Ouvertüre zur OperDas Glöckchen des Eremiten............Maillart

4. Sinfoni H-moll............Schubert

5. Ballett, Fantasie für Violin-Solo.....B6riot

6. Wotans Abschied und Feuerzauber, aus der OperDie Walküre.....R. Wagner

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Zu dem Unglück des Ballons Zürich.

Zürich, 21. Mai. Der oberschweizerische Verein für Luftschifsahrt teilt der schweizerischen Depeschen-Agentur eine längere von dem Führer und den überlebenden Mit­fahrenden des BallonsZürich" gegebene Darstellung über das Ballonunglück vom 18. Mai mit. Es werden darin verschiedene in manchen Zeitungen verbreitete Irrtümer <sicf)e tiggestellt, u. a. wird die Behauptung, daß Frau Dr. Egge- m a nn gewissermaßen zur Fahrt genötigt worden fei, als eine Erfindung bezeichnet. Frau Eggemann habe sich viel­mehr mit Zustimmung ihres Gatten selbst zur Mitfahrt ge­meldet. In einer Höhe von 3000 Meter wurde Frau Egge­mann von der Bergkrankheit befallen, weshalb der Führer beschloß, tiefere Regionen aufzusuchen, und in der Nähe von München, etwa bei Starnoerg zu landen. Er brachte

chasr , . . um beantragt,» k-ert Bedenken: « in Serbin«

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Moore geben. Wenn möglich, wird die Reise in Wilhelms- havetr enden. Den Landwirten, die Interesse an der För­derung ihrer Viehzucht, besonders der Schweinezucht haben, ist hier Gelegenheit .gegeben, ihre Kenntnisse und Erfah­rungen zu erweitern. Anmeldungen sind, du die Zahl der Teilnehmer eine beschränkte ist, alsbald an die Landwirt- schaftsmmrner ^u richten. Die Landwirtschaftskammer- Darmftadt, Rhernftraße 34, ist bereit, nähere Auskunft zu erteilen.

** Die Priv atbauten in unserer Stadt, die im vergangenen Fahr begonnen wurden, gehen ihrer Fertig­stellung entgegen. Dagegen sind die Aussichten um lohnende neue Avbeit für private Bauherrn bisher sehr schlecht. In der ganzen Stadt ist bisher nur ein einziger Neubau, der des Stadtv. Plank in der Mühlstraße angefangen worden. In den sich streckenden Straßenzügcn der Außenbezirke sind zwar eine ganze Anzjahl von Privathäusern noch im Bau begriffen, mit deren Innenausbau das Bauhandwerk bc- schäfttgt ist, aber die Unternehmungslust, weitere Wohn­häuser zu errichten, scheint wenig vorhanden zu sein, und mit Sorge sehen schon jetzt Bauunternehmer und Hand­werker dem Winter entgegen, wo es an Arbeit mangeln wird. Ein Beweis, wie wenig ermutigend für die Gewerbe­treibenden die Verhältnisse in unserer Stadt liegen, ist wohl die Tatsache, daß im ersten Vierteljahr d. I. nur sechs Baugesuche wegen Errichtung von Wohngebäuden gegen 15 solcher Gesuche im Vorjahr, vom Wohnbauamt genehmigt sind. Die Gründe, die die Unt ern etym u ng s fit st zurückdämmen, sind zweifellos die knappen Geldverhättnisse und der damit bedingte hohe Zinsfuß, die hier mit­sprechenden Stempel kosten, die bei jedem Neubau er­hoben werden, und die zahlreichen leeren Wohnungen in der Stadt. Tie Baudeputation und das ihr untergeordnete Stadtbauamt sollte aber bei Baugesuchen, selbst wenn sie an noch nicht eröffneten Straßen bauen wollen, den Gesuch­stellern weitgehend entg^genkommen und damit wenigstens dazu beitragen, daß Handwerker und Arbeiter Lohn nnd Brot haben.

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