163. Jahrgang
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Erstes Blatt
jährl. mrsschl. Beste llg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: 91. Goetz. Verantwortlich für beit politischen Teil: August Goetz; für »Feuilleton". »Vermischtes" und „Gerichtssaal": K. Neu--
Nr. 117
Der Eichener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich EiehenerZamilienbiätter: zweimal wöchentl.Nreis- blatt sick den Ureis Siehe« (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: iür die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:
Anzeiger Gießen.
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Donnerstag, 22. Mai (9(3
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten,
Tageskalender aus dem Jahre 1813.
2 2. Mai: Rückzugsaefecht bei Reichenbach a. d. Neisse, in dem Valast-Marschall Duroc schwer verwundet wird.
Die Hochzeitsfeier.
Fürstliche Ehen werden nicht allzu häufig im Simmel geschlossen, sondern die Staatsraison spielt hier vjt genug bie entscheidende Rolle. Mit um so mehr Befriedigung ist es b'egrustt worden, daß, bei dem Bunde zwischen der einzigen Tochter des Deutschen Kaisers, der Prinz-essin Viktoria Luise, und dem' letzten Sprossen aus dem Welfeuhause, dem Prinzen Ernst August, zugleich der Zug des Herzens mit der Staatsraison ein Bündnis abschliefit.' Und so sind die Glückwünsche, die das deutsche Volk zu der am Samstag stattfindenden Vermählungsfeier darbckingt, zwiefacher Art. Zu den Gefühlen herzlicher Anteilnahme an diesem glückverheißenden Familienfest unseres Herrscher- hauses gesellt sich die Befriedigung darüber, daß ein so lange währender Streit damit Begraben, die Versöhnung zwischen Welfen und Hohenzollern vollzogen worden ist.
Aber wenn sich auch hier das Wort unseres Kaisers bewährt, daß die Entwicklung nicht stillsteht, so wird sie sich doch kaum so schnell vollziehen, wie das viele wünschen und meinen. Entgegen einer vielverbreiteten Ansicht ist es nickt anzunehmen, daß Prinz Ernst August, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, bald nach seiner Vermählung mit d-er Prinzessin Viktoria Luise von Preußen als Landesherr in Braunschweig einziehen wird. Tenn bis auf weiteres steht dem. der Beschluß des Bundesrats vom 28. Febrr 1907 entgegen, worin erklärt wurde, daß, so lange der Herzog von Cumberland oder ein Mitglied feines Sauses sich in einem dem reichsverfassungsmäßig gewährleisteten Frieden unter Dun des gliedern widerstreitenden Verhältnisse zu dem' Bundesstaat Preußen befindet und Ansprüche auf Gebietsteile dieses Bundesstaates erhebt, auch die Regierung eines anderen Mitgliedes des herzoglichen Hauses Braunschweig-Lüneburg in Braunschweig mit den Grundprinzipien der Bündnisverträge und der Reichsverfassung nicht vereinbar sei.
Von einem ausdrücklichen Verzicht des Herzogs von Cumberland auf seine hannoverschen Ansprüche ist bisher nichts bekannt geworden. Aber wenn er in seinem Telegramm an den Kaiser zu der im Februar erfolgten Verlobung dein Wunsche Ausdruck gab, „daß der Bund dieser deutschen Fürstenkinder gedeihen möge zum Segen der Verlobten und unserer beiden Häuser", so spricht das ebenso wie seine jetzige Teilnahme an der Vermählungs- seier dafür, daß der alte Herzog den alten .Haß begraben und rückhaltlos seinen Frieden mit hem Hohenzollern- Hause gemacht hat. Und darauf beruht die Hoffnung, daß sich der Weg zu einem Kompromiß finden wird, welches dem Bundesrat eine Revision seines Beschlusses und damit dem Prinzen Ernst August ermöglicht, in nicht zu ferner Zeit an der Seite der Kaisertochter in die Burg Heinrichs des Löwen in Braunschweig als Landesfürft einzuziehen.
'Aber neben diesem bedeutungsvoll nationalen weist das prunkvolle Hochzeitsfest am Deutschen Kaiserhofe zugleich einen hervorstechend internationalen Charatter auf hurch die Anwesenheit zweier mächtiger Herrscher, des
Zaren von Rußland und des Königs von England, mögen diese Hochzeitsgäste auch nur als nahe Verwandte der Häuser Hohenzollern und Cumberland erschienen sein. Und wenn offiziös hüben wie drüben versichert worden ist, daß es sich hierbei nur um private Besuche handele, und wenn man auch von der früheren Ueberschätzung der Fürstenzusammenkünfte längst zurückgekommen ist,' so wird man doch den politischen Einschlag dieses Monarchenkongresses nicht ganz ableugnen können, sondern darin zumindest ein bedeutsames Symptom erblicken dürfen.
Ein Symptom pes Friedens, der Klärung der weltpolitischen Lage. Muß man doch dem Zaren Nikolaus Tank' dafür wissen, daß er sich während der Zuspitzung der Balkankrisis den kriegerischen Plänen der Panslavisten entgegen^ gestemmt und die Friedenspolitik des Ministers Sasonow gestützt hat. Was aber den König Georg betrifft, so weiß man, daß er sich von vornherein von der „Einkreisungspolitik" seines Vorgängers Eduard VII. abgewandt und die vom Kabinett Asquith eingeleitete Versöhnungspolitik jedenfalls nicht erschwert, sondeim eher gefördert hat. Es scheint ja auch, als ob diese Versöhnung jetzt endlich praktische Folgen haben soll, obwohl abzuwarten ist, ob diese Folgen — wir denken dabei besonders an die heißumstrittene Bagdadbahnfrage — für Deutschland Erfolge bedeuten werden. Aber wenn man auch gut tun wird, fich nicht überschwänglichen Hoffnungen hin'zugeben, wenn auch durch Festlichkeiten und Fürstenbesuche der die europäische Politik beherrschende Ju.teressengegensaß zwischen Dreibund und Tripelentente nicht aus der Welt geschafft werden kann, so wird man doch mit den Worten der offiziösen London. „Westminster Gazette" gern „ein glückliches Omen darin sel)en, daß der Besuch des Königspaares in Berlin mit der Beilegung des alten Streites zwischen den Häusern der .Hohenzollern und der Welfen zusammenfällt", und man wird das Omen gern auf diesen fürstlichen Ehebund überhaupt ausdehnen, der in einem glücklichen Zeichen steht und dem fürstlichen Paare hoffentlich so viel Glück bringt, als ihm das deutsche Volk aus vollem Herzen wünscht.
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Berlin, 21. Mai. Heute früh 8 Uhr 25 Min. traf Prinz Ernst Augüst, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, hier ein. Der Prinz begab sich im Automobil nach, dem töniglichen Schlosse, wo er von der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Luise begrüßt wurde. Der Prinz nahm im, königlichen, Schlosse Wohnung. Von heute ab flaggen alle öffentlichen Gebäude in Berlin und Potsdam. Vom Schlosse wehen drei Standarten. In der Umgebung des Schlosses und „Unter den Linden" haben viele Gebäude Flaggenschmuck angelegt. Zur,Vermählungsfeier sind bereits eingetroffen Prinzessin Adelheid von Holstein Glücksburg und Prinzessin Mathilde von Holstein-Glücksburg. Der Kaiser machte heute morgen einen Spazierritt im Tiergarten. |
Der Einzug des englischen Königspaars.
Berlin, 21. Mai. Das englische K ö n i g s p a a r ist um 11.30 Uhr auf dem Lehrter Bahnhof eingetroffen, wo sich zum Empfange das Kaiserpaar sowie die Prinzen und Prinzessinnen des Königshauses eingefunden hatten. Es fand großer Empfang statt.
Die ScibEombagnic des 1. Garde-Regiments zu Fuß, die int Schmucke der historischen Grenadiermützen zeitig angerückt war, präsentierte, die Falmen senkten sich und die Regimentsmnsik spielte die englische Nationalhymne. Tann entftiegen dem Salon
wagen die allerhöchsten Gäste mit Gefolge und dem Ehrendienst. Nachdenr sich die Fürstlichkeiten herzlichst begrüßt hatten, verließen sie im Galamagen den Bahnhof, König Georg in preußischer Generalsuniofrm mit dem Abzeichen eines Generalfeldmarschalls wird dem. Orangebande des Schwarzen Adlerordens und der Kaiser in der Uniform des Königlichen Großbritannischen 1. Dragoner- Regiments mit dem Bande des Hosenbandordens, nahmen im ersten Wagen Platz. Im zweiten Wagen saßen die Königin, die ew_e wasserblaue Brokatrobe trug, und die Kaiserin, in meergrün ent Kostüm. Tann reihten sich in zahlreichen Hofeguivagen die Fürstlichkeiten, die Hofstaaten, die Ehrendienste usw. an. An die Spitze des Zuges setzte sich eine Eskadron des 1. Garde-Trag.-Regi- mentes Königin von Groß-Britannien und Irland, dem Wagen der Königin folgte eine Eskadron der Garde-Kürassiere. Am Wagenschlage der beiden Herrscher ritten rechts der Komman- dtcrende General des Gardekorps, Freiherr von Plettenberg, lmls der Oberstallmeister .Freiherr von Reischach.
Tann bewegte sich der glänzende Zug durch bie Sieges-Allee, die Charlottenburger Chaussee durch das Brandenburger Tor auf der Mcktelprornenade „Unter den Linden" nach dem königlichen Schlofte. Bereits um 10 Uhr hatte eine Kompagnie des Regimentes Königin Augusta die Fahnen und Standarten bes Berliner Truppenteil Z aus Fern Schlosse abgeholt und int Vorbeimarsch an die tn der Garnison anwesenden Regimenter abgegeben, die vom Brmt- benburger Tor bis zum Schlosse Spalier bildeten. Beim Heran- nahen der Majestäten präsentierten die Regimenter, das Spiel wurde gerührt und ein dreimaliges Hoch burdjbrauftc die Luft. Als man die Friedrichstraße kreuzte, begann die im Lustgarten ausgestellte Letbbatterte des 1. Garde-Feld-Artülerie-Regiments mit dem Absenern des Ehrensaluts von 101 Schuß.
Die fürstlichen Tarnen begaben sich in die oberen Gemächer des ^stosses. Ter Kaiser und der König schritten im Kleinen Schloßhof die Ehrenkontpagnien des 3. Garde-Regimentes zu Fuß ab und nahmen deren Vorbeimarsch entgegen. Hier fanden sich auch die Botschafter Für lv. Lichnowsky und Sir Edward Goschen ein In den Prunkräumen der ersten Schloßetage war sodann Empfang und Großer Vortritt, zu dem sich die Palast- und Ehrcndamen der Kaiserin, die Hofchargen, der Hausminister Graf zu, Eulenburg und der Chef des Zioilkabinetts v. Valenttni ein- gefunben hatten. Die Schloßgaroekomvagnie und bie Ehrenwache her GardeS du Corps hatten Ehrenposten gestellt. Während des Einzuges führte das Z e p p e l i n l u f t s ch i f f „H a n s a" über dem Lustgarten mehrere Schleifenfahrten aus.
Um 1 Uhr war Familien früh st ückstafel.
Abends um 8 Uhr war
Abendtafel
im Elisabethensoal. Ter König von England führte die Kaiserin, der Kaiser die Königin, Prinz Ernst August die Prinzessin Vik- tona Luise. Bei der Tafel saßen bie Königin rechts neben der Kaiserin, rechts von der 'Königin folgte zunächst der Kaiser, bie Herzogin von Devvnshire, Prinz Oskar, Frau v. Bethmann-Hott- weg, der Herzog zu Drachenberg, Fürsttn zu Inn- und.Knyp- hausen. Links von der Kaiserin saßen: der König, Prinzessin Viktoria Luise, Prinz Ernst August, die Erbprinzessin zu Salm-Salm, Prinz Albert zu Schleswig-Holstein, Fürst Pleß, gegenüber den Majestäten saßen der Reichskanzler, diesem zur Rechten zunächst Oberhofmeisterin Gräfin Brockdorff, Botschafter Sir Edward Goschen, die Herzogin von Trachenberg, Fürst Solms-Barut, Fürstin Miuster v. Dern:burg, Staatssekretär v. Jagow, zpr Linken Solms-Barut, Lord Annalv, bie Herzogin von Ärenberg, Earl of Shaftesbury, Palastdame Gräfin A. Eulenburg, Lord Stamfordham usw.
Das englische Königspaar unternahm nachmittags im Anschluß an Besuche beim Kronprinzen und der Kronprinzessin sowie änderen Mitgliedern des Kaiserhauses eine längere Automobil- faljrt nach den Havelsee n. Am "Donnerstag beabsichtigt das Königspaar, den Rennen auf der Grünewaldrenn- bahn beizuwohnen.
Unveröffentlichte Briefe Richard Wagners.
(Zum 100. GÄstrrtstag Wagners am 22. Mai.)
Zum 100. Geburtstage Richard Wagners sind in Paris einige bisher noch unbefännt gebliebene Briefe des Meisters veröffentlicht worden. Sie entstammen seiner Pariser Zeit und erwecken in höchst lebendiger Weise die Erinnerung an den furchtbaren Kampf gegen die Not, den der deutsche« Künstler damals nn fremden Lande zu führen hatte. Die Briefe entstammen der Sammlung des verstorbenen Charles Malherbe, früheren Bibliothekars der Großen Oper, aus dessen Nachlasse sie in die Bibliothek des Konservatoriums übergegangen sind. Ter Adressat ist der bekannte Musikverleger Schlesinger, für b«t Wagner während mner Pariser Zeit als Kopist tätig war, um sich nur das liebe Brot zu erwerben. Der eine dieser Briefe lautet:
„Lieber Herr Schlesinger, seit Sonnabend morgen acht Uhr bis zum gegenwärtigen Augenblicke (der Brief ist von Dienstag morgen neun Uhr datiert, habe ich mit Ausnahme von ein paar Stunden Schlaf an der Arbeit über der Partitur gesessen. lTie Partitur war die von „La Favorita", deren Korrekturbogen Magner für Schlesinger las.> Mit Hilfe der größten Hart- näcklgkeit, habe ich nun den 42. Bogen erreicht. Manche Seiten kosten mich eine Stunde Arbeit. Tas Weinen war mir oft näher als das Lachen, wenn ich mich vor Seiten sah, die jeder anöere Glatt kopiert haben würde, während ich mir Mühe gebe, sie in Brorm zu bringen. Ich bin ein armer .Teufel und muß mich mit allem zufrieden geben, was ich verdiene. Aber ich habe mich oft verzweiflungsvoll gefragt: was wird mir wohl Herr Schle- smger für diese Arbeit zahlen? Bei meinem Eid, ich könnte, wenn nh vier Arrangements der Oper mache, mehr verdienen, als durch die Korrektur der Bogen, der Partitur." In einem zweiten Briefe bittet Wagner den Musikverleger um 800 Mark. Darin heißt es: „Vorbemerkung: Dies muß in sehr gutem Humor gelesen 'werden. Hochgeehrter Herr Schlesinger, ich werde heilte toegen der Korrektur der Bogen Nicht ausgehen. Aus diesem Grunde Ichreibe ich Ihnen ein paar Worte über meine Angelegenheiten, Bor einigen Tagen versprachen Sie ‘mir etwas Geld und das war großartig. Aber wissen Sie, wieviel ich brauche? Ich kann es Myen nicht sagen, und ick- Mächte lieber, daß Sie selbst es ab- ja^hon, wenn ich Ihnen sage, welches meine Ausgaben sind. 300 Franken, welche ich auf Grund meines verdammten Schuldscheines am 15. zahlen muß, oder ich habe ein gerichtliches Vor- ßeben gegen mich zu erwarten (der Brief ist am! 14. Januar 1841 geschrieben!. 200 Franken schulde ich einem Freunde, der am . • d. Mts, eine Rechnung nicht hat einlösen können, weil ich Win nicht zahlen konnte." In dieser Weise rechnet Wagner unne Verbindlichkeiten auf, wobei er zu dem Resultate fomnrt,
es von SMleimger pchhängt, üb' es um ihn geschehen sein
oder ob er neuen Mut fassen solle. Nach dieser Aufzählung fährt er folgendermaßen fort: „Verehrter Wohltäter, nun ist der Zeitpunkt gclommen, um den fürchterlich.'n Streich zu führen und mit aller schuldigen Achtung eine Tausendfranknote herauszuschlagen. Ich sehe Sie svrachlos, aber hören Sie mir zu: Wenn Wagner die tausend Franks beiommt, so verspricht er, drei Monate lang nichts mehr zu fordern, ausgenommen, was unmittelbar zum Leben erforderlich ist, und das ist, wie Sie sich denken fömten, nicht viel." Der Nest des Briefes wird ausgefüllt von Einzelheiten über die Korreltur der Favorita.
Ein dritter Brief ist vom 27. April 1841 datiert. Er lautet: „Hoch geehrter Herr und Wohltäter, ick- kann nicht zu Bett gehen, ohne ihre dlufmerksamkeit auf die Wichtigkeit des Gegenstandes des Besuches zu richten, den ich Ihnen morgen früh avzustatten gedenke — nämlich die Ordnung unserer Abrechnung und einen Vorschuß von hundert .Franlen. Dieser Gegenstand erfordert einige Vorbereitung, und es ist sehr wichtig, daß ich Sie in der bestmöglichsten Stimmung mir gegenüber antreffe, da ich Donnerstag morgen umziehen soll, und ich nicht einen Sou habe. Hören Sie denn und erwägen Sie wohlwollend den Stand unserer -Abrechnung, wie er sich aus meinen Belegen ergibt, die zweifellos mit ihren Büchern übereinstimmen müssen. Ich habe 2350 Franken erhalten, abgesehen von 90 Franken Vorschuß auf meinen Artikel in der „Gazette Musicale". 'Auf Grund der von Ihnen festgesetzten Honorarsätze habe ich eine Anzahl von Suiten für das Comet ä Piston geliefert, 500 Franken: für das Arrangement der ^Favorita" 1150 Franks; die Korrektur der kläglichen Orchesterpartitttr 300 Franken: zwei Arrangements des vom Guitarrevo, jedes 100 Franien, 200 FrankenOuvertüre zu Guitarrero für zwei und für vier Hände, leider Nur 30 Franken: Summe 1280 Franken: Restiguthaben 170 Franken. Andererseits lieferte ich der „Gazette Musicale" drei Bogen und 10 Spalten zu leider nur 60 Franken den Bogen, was 217 Franken 10 Sous macht. Wenn wir ferner die Zahlung für den schon geschriebenen und demnächst erschernenden Aufsatz über den Freischiit' rechnen, welcher nach Ihrer eigenen Schätzung 8'? Spalte umfassen wird, so wird das .Honorar für meinen Artikel 249 Franken ?i/2 Sous betragen. 90 Franken, müssen aber für den Vorschuß, den ich bereits erhielt, in Wug gebracht werden, sodaß die Summe meiner Forderung 159 Franken 7‘ 2 Sous betragen würde. Bringe ich diesen Betrag in Abzug, so würde ich Il>nen nur 10 Franken 12'5 Sous schulden. Sie sehen, habgierig, wie ich bin, übersehe ich auch nicht einen Son: und nickst allein dies, fonbern ich habe noch die Kühnheit, Sie inn' einen weiteren Vorschuß zu bitten. Es ist absolut nötig, lieber Herr Schlesinger, daß <Äe mir weitere 100 'Franken vorschießen. Ich weiß nicht, was für eine Figur Sie machen würden, wenn Sie vor dem Urteile dev Nachwelt erschienen uub einer sagen könnte: Moritz SÄesingLr,
der höchst wohlwollende und Fluge Moritz Schlesinger, verweigerte einen Vorschuß von 100 Franken dem dereinst höchst berühmten Richard Wagner, in einem Augenblick, als er in voller Wahr- lst't gerade auf dem Punkte stand, nach Rußland aufzubrechen, um )cutc glänzenden Geschäftsverbindungen unter der wohl wollenden Aegis der „Favorita" und des Guitarrero bis zu den Grenzen von Asien auszud-ehnen. Gewiß, Ihre Phantasie erbebt, und das glückliche Ergebnis dieses Erbebens wirb fein, daß Sie mir den Vorschuß -zahlen, um den ich Sie an flehe . Ich kann nickst weiter. Ich erschöpfe mich selbst in ooetischeu Ergüssen und all das megen 100 Franken, um mit meme-n' HauSrate 'umziehen zu können ... Ich bin Ihr zerschmetterter und ganz ergebener Diener Richard Wagner."
— Tie Einweihung des Münchener Richard- a g n e r - D e n t in a l s. Tie baherische Residenz, der Wagner einst mit schmerzlicher Enttäuschung den Rücken kehrte, beherbergt nun als erttc süddeutsche Stabt fein Marmorbild. Seitlich vor dem Prinzregententheater, dem Wagner-Festspielhaus, leuchtet das Monument aus dem Grün der Bäuine hervor. Auf mächtigem Sockel ruht, in faltigen Mantel gehüllt, die sitzende Gestatt des Meisters, den Blick ins Weite gerichtet. Das Werk entstammt der Hand des Professors Heinrich W obere. Ein enger Kreis von Freunden und Verehrern hat es geftiftet. Zur Einweihung, bie am Tage vvr der Zentenarfeier begangen würbe, war eine stattliche Wagnergemeinbe erschienen. Der Hof, die staatlichen und städtischen Behörden, zahlreiche Theaterleiter und Vertreter der Musikwelt aus ganz Deittschlanh bilbeten bie Festmrsamm- htug Geheimrat Ernst v. Poss art, dessen Initiative das Dennnal hauptsächlich zu danken ist, hielt eine Ansprache. Mit Wartendes Dankes für die Stifter gab der Prinzregent das Zeichen, und wahrend der Chor „Wach auf" ans den „Meistersingern" erklang, trat das Bild Wagners aus seiner Hülle ans Licht ^lnn nahm Oberbürgermeister Tr. v. Borscht das Denkmal in btc Obhut der Stadtgemeinde,, die mit diesem bleibenden Zeichen der Verehrung des Meisters um ein Werk der Kunst reicher- <re- worben ist.
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r , — K u r z c N n ch rj ch t c n aus Kunst und Wissen- s ch a t. In H nlle a. e. ist der König!. Musikdirektor Prosessor Otto Reu bkc nn 71. Lebensjahre gestorben. — An Stelle des von seinem Lehramte Mrückttetzenden Professors Heinrich Kiefer wurde der Cellist und Lehrer am Dr. Hochschrn Konservatorium ni Fran kfrcrta. M. Iohämres He gar vom Seb» tember 1913 ab zum Lehrer für Vivloneellspiel an der Kgl. älvabenne der Tonkimst in M ü n che n berufen. - Erzellenz Prof. Tr. Paul Laband in Straßburg i. Els. einer der bedeutendsten Stachsrechtslchrer vollentzet ant 24. Mai das 75. Le» bensjahr.


