Ausgabe 
27.9.1913 Fünftes Blatt
 
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Die archäologische Entdeckung derEldorado'

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Linc paläolithische Sammlung crften Ranges.

h Frankfurt a. M., 24. L:cpt. Im Völkermuseum wurde heute mittag einem geladenen Kreise eine für die Urgeschichte deS Menschengeschlechts hochbcdeutiame Sammlung durch Direktor Franck und Professor Dr. Flesch vorgeführt. Es handelt sich um die Ergebnisse der Grabungen des weltbekannten For- schers Otto Hauser im Tal der Bezöre in Südfrankreich, dem klassischen Wohngebiet des Eiszeitmenschen. Hauser hat sein ganzes Vermögen diesen Grabungen geividmct und ist äugen- blicÜich in schwerer finanzieller Bedrängnis, hat auch aus diesem Grunde die vorliegende gewaltige Sammlung dem Völkermuseum .für den Spottpreis von 12 000 Mark angeboten.

Das ganze Tal der Vezöre ist eine einzige Fundstätte von menschlichen Kulturrechten, die nach Berechnungen vom Jahre 750 000 bis 100 000 vor unserer Zeitrechnung sich verfolgen lassen. Die einzelnen Perioden sind nach den Fundstätten be­nannt. Die älteste ist die des Acheul 6 en II., das Ende der

LnstZcbiffahrt.

Wie ich auf dem Kopse flog,"

unter diesem Titel veröffentlicht der durch sein kühnesLoo­ping the loop" in den Lüften so schnell berühmt gewordene FliegerP6goudin einem großen Londoner Blatte eine Schilderung ferner Versuche und der Umstände, die ihn zu dem Wagnis führten. Bei einem Fluge vor mehreren Mo­naten geriet fein Apparat in eine gefährliche Lage, er schien Su fentern und abzustürzen, richtete sich' dann aber wieder auf. In lenen kurzen bangen Augenblicken kam Pegoud zum crften M der Gedanke, daß es nicht schwer sein müsse, auf pent Kopfe und auch in einer senkrechten Linie abwärts zu fliegen.

Ich fand auch, daß ich bei vorsichtiger ruhiger Behand- ung mein Flugzeug wieder aufrichten Konnte, und als ich landete, erzählte ich Bleriot sofort davon, daß ich gerne einen derartigen Versuch machen möchte. Ich erklärte ihm ich wäre überzeugt, daß ein kaltblütiger Mensch sich in der Luft vollkommen umdrehen und mit dem Kopf nach unten fliegen £nnen wies darauf hin, daß wir sehr oft durch

^.indstotzc nahezu umgeworfen würden: das Bewußtsein, daß bei diesen Zwischenfällen keinerlei Gefahr bestehe, wenn der Flieger nur die Geistesgegenwart bewahrt, müsse für alle Flieger von ungeheurem Werte sein. Blßriot sagte:Psgoud uo niufj mir das überlegen. Sie werden Ihr Leben riskieren und die Verantwortung dafür ist so groß, daß ich dazu nicht ohne ernste Ueberlegung beitragen kann." Ein paar Tage water sagte er mir, ich könne den Versuch wagen. Man weiß jeßt, daß ich es tat: ich flog empor, drehte mich um, flog auf Dem Kopfe und richtete mich wieder in die gewöhnliche Lage auf, worauf ich ohne Zwischenfall landete. Die ganze Ge- schichte ist keineswegs gefährlicher wie das gewöhnliche Flie­gen: es mußte nur ein erstes Mal gemacht werden. Ich muß Auch gestehen, daß ich keinen Augenblick Angst hatte- ich rührte auch einen Fallschirm an Bord, den ich schon vorher er­probt halte So stieg ich mit meinem ausgezeichneten Mo-

und alles 9ir9 vortrefflich. Ich fürchte, ich kann nicht anschaulich icinlbern, was man dabei empfindet, wenn man

- Der La Tolita, auf einer Insel Tola an der Mündung des Santiago-Flußes, sind 40 hohe Trümmerhaufen, von denen bisher nur einer durchforscht wurde. Man fand hier ein in sitzender Stellung begrabenes Skelett, eine Anzahl von Tongefäßen und e/n goldenes Ei mit einem kleinen Smaragd darin Bei ober­flächlichen weiteren Grabungen wurden Schätze von Gold und kleinen Juwelen gefunden. Tie Fuwclicrkunst dieses alten Volkes war sehr hoch entwickelt und bereits bis ;ur künstlerischen Be­arbeitung des Platin gediehen. Auch Fischhaken, Nadeln und Ahlen bestanden aus Gold. In der Verwertung des Platins steht pic|e Esmeraldas-Kultur selbst in der so reichen Goldschmiede- runft der alten südamerikanischen Völker einzigartig da: ebenso in dem .Goldschmuck, dem Wahrzeichen desEldorado".

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Hohendorfs zweiter Sturz.

Der österreichische Generalstabschef Freiherr Eonrad v Höpendorf erklärte einem Mitarbeiter der Kronenzeitung:

"Es ist vollständig erlogen, daß ich die Absicht hatte, nach 9tcm ;,u fahren. Ich dachte gar nicht daran. Ferner entsprechen alle .m ombmationen über einmißlichesVerhältnis zwischen beir. ( , äsen Berchtold und m i r absolut nicht den Tatsachen. Z-i' e. lläre, daß ick den Grasen Berchtold als vollendeten Gcntlc- man Hochschätze und daß zwischen uns keine wie immer gearteten JJitl Kimmungen bestehen. Gleichzeitig nehme ich auch keinen An- ftQiio, bei dieser Gelegenheit zu erklären, daß das Verhältnis .zwilchen Aehrenthal und mir gerade das entgegenge­setzte war. Ich wurde vor ungefähr einem Jahre angesichts per Gestaltung der politischen Verhältnisse neuerdings zum Chef t)c5 Generalstabes ernannt. Aber der Dauer meiner Stellung lag feine Norm zugrunde. Ich bedauere, daß sich die Oeffentlichkeit fo sehr mit mir beschäftigt. Es ist eine alte Tatsache, daß Generale, K?rpskommandanten, Armee-Inspekteure nach einer gewissen Zeit längeren Männern Pla tz machen müssen: nur der -trapst und die Regenten stehen für die Lebensdauer an der Spitze der Regierung!"

Dazu schreibt uns ein gelegentlicher Mitarbeiter:

Erscheint täglich mtt Ausnahme des Sonntag?.

T'eGithener ZamtllendlStter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Krcisblatt für Öen Kreis Sietzea" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seil- siogen" erscheinen monatlich zweimal.

diesen fast unfaßbar zurückliegenden Zeiten menschlicher Kultur hat Haustr Hunderte von Werkzeugen geborgen: vom Faustkeil aus Feuerstein Lis zur eleganten Radel aus Renntierknochen, Dolche, Pfeile und. Speerspitzen, Harpunen, Kvmmandostäbe usw. Ins­gesamt zählt die einzig in der WeÜ dastehende Sammlung mehr

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Astrachan, Ctf, Matlasse eiden Seiten igen ...

Schädel hat langgestreckte Form, ihm fehlt der Stirnwulst das rücksliehende Kinn. Bedeutsam ist, daß ein Prämolar Wurzeln hat, gennu wie die Affen. Das Solutreen ..... die Periode der höchstentwickelten Steinschlagzeit, denn das Magdalenien folgte, die abklingende Eiszeit oder die Pe­riode der Elfenbeinschnitzerei. Ein glänzendes Fundstück dieser Epoche ist eine Renntierschaufel, auf dem zwei Fische eingeschnitzt sind, ein Fund, der in der anthropologischen Li­teratur noch einmal eine bedeutende Rolle svielen wird. Aus

dritten Eiszeit, die bis 750 000 Jahre zurückgeschätzt wird. Aus dieser Periode sind etwa 150 mandelförmige Faustteile aus Feuer­stein vorhanden. Es folgt die letzte Zwischenzeit Mousterien, 400 000 Jahre zurück, die Zeit des Reandertalmenschen. In dieser Kulturschicht fand Hauser ein Menschenskelett, den Homo Mou- fteriensis des Berliner Völkermuseums. Ains der noch jüngeren Schicht, dem Auriguaeien, stammt der 200 000 Jahre alte Homo Anriguaeiensis, auch in Berlin. Aus dem Ende der letzten Eiszeit, 150 000 Jahre zurück, dem Solutrsen, barg Hauser Kinderskelett, das sich jetzt in Frankfurt befindet.

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kaum wieder zusammengestellt werden.

1 o nnnCn<im wenigen Tagen nicht gelingt, die erforderlichen 12 000 Mark auijubringcn, dann dürfte die Sammlung für Franfturt verloren jein. Sie wird bann entweder nach Gießen ober nach Berlin wandern. In beiben Städten ist man sofort bereit, die Sammlung zu erwerben.

Tie Entdeckung des fabelhaften Goldlandes Eldorado in Süd­amerika, von dem die Berichte der spanischen Eroberer erzählen, ist allem Anschein nach dem bekannten Archäologen der Columbia- llniDcriität, Prof. Marshall Howard Saville, mit seinen Aus­grabungen in Ecuador gelungen. Ter Gelehrte stieß hier bei seinen Jett 6 Jahren betriebenen Forschungen in der Provinz Esmeraldas, die sich an der Küste, an Columbia angrenzend, bis nach dem Aequator erstreckt, auf ein bisher völlig unbe­kanntes Volk, dessen hochinteressante Kultur ein wahres goldenes Zeitalter" osfenbart.

^m American Magazine gibt Saville eine genaue Schil­derung feiner epochemachenden Ausgrabungen, die noch weiter von ihm rortgejetzt werden. Ter Archäologe hat es sich zum Bid geiefct, bie alten Völker zu studieren, bie vor ben Zeiten des Columbus bie Küstenprovinz von Esmeralbas bewohnten Bei leinen öoridnmgen boten ihm die dunklen Andeutungen der spa- ?'>chcn Chronisten die ersten Fingerzeige, und zu seinem Er- Itmmen erFannte er daß ihre Angaben über das wunderbare Grtorabo durchaus nicht ,o sagenhaft sind, wie sie früher erschienen 5)ie An^rabungen die er an ben von ben Spaniern als volfs- rerdje Stabte erwähnten Octtlichkeiten ausführte, förderten eine einzigartige Kultur ans Licht, die wohl verdient, neben ? ^.^^bwas von Colmnbia und der Inkas von Peru gestellt

Zivilnation dieses bisher unbekannten Volkes Summmenbmig mit den eolumbischen Kulturen der vorgeschichtlichen Zeit Amerikas, während ein Einfluß der Inkas nirgend ?u konstatieren war. Einige Spuren führen auch auf etneu 3utommcnbang mit Völkern in Zentral-Amerika. Tas eigenartigste unb merflpürfcigfte Kennzeichen des von Saville aurgerunbenen Volkes besteht in der Art, wie es sich mit goldenen ^Hvruchachen wahrhaft überlud. .Kein anderes Volk der Welt bai noch eine derartige S ch nrz^Kfr an den Tag gelegt.

Somstag, 21. September 1915

Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen UniverfitätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Dnickerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^51.

Redakt!on:«^112.Tel.-Adr.:AnzeigerGießen,

Ans Stadt und Canv.

Gieße n, 27. Septembe 1913. Erfolglose Klage auf Aufhebung eines studentischenWaffen­verrufs".

Ein Rechtsstreit eigener Art, der sich mit den studen- t.l scheu Sitten und Gebräuchen beschäftigt, lag jüiigft dem Reichsgericht zur Beurteilung vor:

Ter Stud. Phil. P. geriet im November 1911 in einer Leipziger Birrwirtschast mit verfchiedimen anderen Stu­denten, und zwar Burschenschaftern, in Differenzen. P., der keiner studentischen Korporation angehörte, forderte einen dieser Burschenschafter auf schwere Säbel. Darauf machte die Leipziger Burs chcnschastGerma­nia" den P. schriftlich darauf aufmerksam, das; er inner­halb dreimal 24 Stunden bei einer Burschenschaftbelegt" haben müsse. P. erwiderte darauf, daß er es ans prinzi­piellen Gründen ablehne, bei irgend einer Verbindung zu belegen, und daß er den Ehrenhandel nur mit Kavalier- toaffen austrauen werde. Nach nochmaliger vergeblicher Aufforderung der Germania schrieb dann die Bursch schäft Arminia als präsidierende Burschenschaft an P daß die Leipziger Burschenschaften den schweren Was^ f en b er ruf über ihn verhängt haben. P. forderte die Arminia auf, den Verruf zurückzuuehmen, und da das Nlcht geschehen ist, klagte P. gegen die vier Leipziger Burschenschaften Arminia, Dresdensia, 05 er- inania und Normannia, indem er geltend machte, der Verruf fei geeignet, ihn schwer zu schädigen. Die ver­klagten Burschenschaften erklärten im Prozeß, eine Schädi- gung oder Beleidigung des Klägers sei nicht beabsichtigt getoe)en; der verhängte schwere Waffenverruf enthalte lebiq- nch die Versagung des Waffenschutzes wegm Nichtunterordnung unter die Bestimmungen der Burschen- schäften. ' '

Vom Landgericht Leipzig ist die Klage aüge- totefen worden. Es nahm an, daß von einer Ehren- Franhing des Klagers durch die Verhängung des Ver­rufs keine Rede sein könne; wohl aber enthalte bie Mit- ^.^lung des Verruss an die studentischen Korporationen eine Kränkung; diese sei aber durch die Erklärung der Be­klagten, wie der Verruf gemeint gewesen fei, beseitigt Das Obertandesgericht Dresden dagegen hat die Be­klagten verurteilt, den über den Kläger verhäng-

Waffen Verruf au szu heben und die Abhebung durch Mitteilung an die schlagenden studenti­schen Korporationen der Universität eLipzig bekannt zu mache n. In feinen Entfcheidungsgründen führt das Ober-

auf dem Kopse fliegt; der beste Vergleich ist wohl der Kopf- lürung ms Wasser. Wenn man auf dem Lande eine Volte lauagt, ift man natürlich etwas nervös, weil man nicht ganz ftcher weiß, wie man niederfallen wird. Im Wasser aber unb ebenfo m den Stiften kommt das Fallen nicht in Be­dacht. Das Wasser trägt uns und ebenso die Lust bei den großen Geschwindigkeiten, mit denen man fliegt. Die Emp­findung dabei ist wunderbar. Ich schnalle mich au meinen ^i(3 fest, habe volle Bewegungsfreiheit und das Gefühl völ­liger Sicherheit. Zuerst, wenn das Vorderteil des Flug Zeuges sich immer höher und höher emporrichtet, ist es, als glitte man auf Rädern an einer steilen Wand empor. Es gibt dabei keine Stöße und Erschütterungen; der Hand des Führers gehorsam, dreht sich bat Flugzeug sanft weiter unb bann ist es erreicht; man fliegt auf, bem Kopfe. Aus biefer Sage hat man eine prachtvolle Aussicht auf bie Erbe unter einem. Einen Nachteil freilich muß man einstweilen hiuneh- men, unb bas ist ber Sprühregen von Petroleum, ber aus bem Motor auf einen nicbergeöt. Ich entsinne mich, wie i* mir beim ersten Versuche unwillkürlich sagte:Hallo, Pegoub, alter Junge, Du scheinst zu träumen, Du fliegst überhaupt nicht. Du bekommst nur eine reichlichere unb stär­ker riechende Dusche als beim Friseur." Aber ich kann bie' sen Flug von oben nach unten jebem empfehlen, er ist gn. Tur bie Lungen und frischt auf. Er ersetzt eine Woche Seeluft. Jlber man fliege mit alten Kleidern, denn wenn man hin abkommt, wird man sich schlimmer zugerichtet finden, als man glaubt. Und dafür kann man sich beim Petroleum be­danken."

Hötzendorf hatte inDanzers Armeezeitung" noch einen letzten Schlag gegen Aehrenthal geführt, in dem er mitteiteii ließ, daß der österreichische Generalstab im Besitze von italie­nischen Mobilmachungsbefehlen für Tripolis sei, bei denen unter Ueberklebungen das Datum 1909 sichtbar werde; daraus sei zu schließen, da ßJtalien während der Annektion- krifis von 1908/09 bereit war, dem Bundesgenossen Oester­reich in den Rücken zu fallen. Attt dieser sensationellen Mit­teilung sollte in letzter Stunde auf den Kaiser Eindruck ge­macht werden. Aber die ritterliche Art Kaiser Franz Josefs ist ebenso bekannt wie seine Friedensliebe. Auch wenn er von der Stichhaltigkeit der Mitteilung überzeugt wurde, so hatte er sich doch nun einmal mit dem Grafen Aehrenthal verständigt und wollte seinen Entschluß nicht mehr ändern.

Erst der Tod Aehrenthals löste den Bann. Hötzendorf, her als Generalstabschef wieder kehrte, ist zwar sicherlich zu

Es war recht überflüssig von den Wiener Offiziösen, bie Meldungen über den nahen Rücktritt des Generalstabs­chefs Frhrn. Conrad v. Hötzendorf als erfunden und <ms ber Luft gegriffen zu bezeichnen. Denn Hötzendorf selbst gibt ui )einer ehrlichen Soldatenart der Oeffentlichkeit kund unb zu wissen, daß sein zweiter Sturz nahe bevorstehe. Hohendorf betont, daß zwischen dem Grafen Berchtold und ihm keine Mißstimmung bestehe. Damit ist verraten, daß bei andern eine Mißstimmung besteht. Um aber den alten Kaiser und den Erzherzog-Thronfolger nicht ins Spiel zu ziehen, verweist Hötzendorf auf seinen Konflikt mit bem verstorbenen Grafen Aehrenthal. Dieser Hinweis läßt trotz ber veränberten politischen Lage heute toicber auf manches schließen. Erst brei Jahre sind es her. Ende 1910 hatte der Kriegsminister General v. Auffenberg, ber Nachfolger Varon Schönaichs, eine Inspektionsreise nach ben Grenz- feftungen in Sübtirol unternommen, da man bei längerer Dauer des Tripoliskrieges nicht wissen konnte, wie sich bic Dinge an der italienisch-österreichischen Grenze gestal­ten würden. Als Auffenberg nach Wien zurückkehrte, er­klärte er einen stärkeren Grenzschutz an der Südgrenze für nicht notwendig und enttäuschte dadurch den General- stabschef Frhrn. v. Hötzendorf. Graf Aehrentlml, der da­malige Minister des Auswärtigen, benutzte das Gutachten Ausfenbergs zu einem scharfen Vorgehen gegen Hötzendorf. Er schilderte dem Kaiser, baß die Treibereien des He

..Eonrad die Monarchie in einen Krieg mit Italien hetz... müßten und baß er es ablehne, bie Verantwortung für bic internationale Politik ber Monarchie zu tragen, wenn seine auf Erhaltung des Friedens zielende Politik durch den Ehef des Gencralstabs unablässig durchkreuzt werde. Die Agitation v. Hohendorfs für Neubefestigungen an der Süd- grenze (200 Millionen Kronen sollten dafür ausgewend-et werden) würden ihm, dem Minister, nicht nur die Aufrecht­erhaltung des bundesgenöfsischen Verhältnisses, sondern auch des Friedens mit Italien erschweren. Der Kaiser ent­schied sich für Aehrenthal, der im Kronrate feinen Willen gegen die Militärs behauptete. Hötzendorf ging. F. M. L. Ritter v. Sch ernua trat als Platzhalter für ein Jahr das Amt des Generalstabschess an.

sCh*dh-Sof!i

Allstes Blatt 163. Jahrgang

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

und Lückcnl°ligk-it Die Stäfle Von Esmeraldas ist »on den Spanien, in: «eW'a,. zahlreichen Expeditionen nach dem Inka reich lange ver- nachlafligt worden, fo daß hier nur wenige Ansiedlungen ent» Itanbcn uni> ipater hatte die Gegend einen bösen Ruf wegen des gelben Ficoers und anderer schlimmer Krankheiten. So hatte man den archaÄogiichen Resten wenig Aufmerksamkeit geschenkt bi§ Saville )cuic wltematischen Sttidien aufnahm. Zahlreiche Mldene Sck)muckiachen laisen erkennen, daß diese Leute ihre Kleider unb tbren jto^er r e i cb m i t Gold behängten. Außer ufri) Armbändern und Fußspangen wurden schön gearbeitete Cbrgcbange gemnden; goldene Flöcke wurden in die durchbohtte Hteckt und halbnwndförmige Schmuckstücke hingen an ber Nase. ^ie zeltsamite Schmuckzorm aber ist die Gol d aer- 5 äb ne, bie noch an verschiedenen Sudeln Dberzähnen wurden Löcher iorg)arrt mggebobrt, nicht etwa, rote man wohl zunächst meinte zum plombieren sondern einsach zum Schmuck. In diese Löcher mürben Goldstücke gelegt, bie Zähne wurden mit Golbbralst nm- unh nn.LfK' l°2ar Gmail üon beit Zähnen abgekratzt,

51?K Rn il^ei Schmelzes bedeckten Goldplättchen bie Dbcrgebiß bas Aussehen eines breiten gol- benen Streifens gegeben war. Au dem einen Gebiß konnte man L J^nt9r "2? be^ uriprünglichen Email entdecken, baß man zu- "Ä glaubte, bie Zahne waren ganz aus Gold. Ueberhaupt bedeckten dieze Leute Teile ihres Gesichts mit goldenen Stiften unb Nageln, bic ite in Löcher im Fleisch einbohrten. Die Wan gen waren w direkt mit Gold belegt.

niedrig

einer freunblichcren Ansicht über bas Verhältnis zu Italien §re<;r!St,ctorC1IU cr au^ erklärt, baß er keineswegs bic 210)1(1)1 habe, nach Rom zu reifen (um ben italienischen neneralstabsches zu besuchen). Nach wie vor aber besteht zwischen bem Kaiser und ihm große Meinungsverschieben- l)cit in Kriegsfragen. Kaiser Franz Josef ist ja nie cm Mann bes Krieges gewesen. Als er am Johannisabenb von 18.19 als 29jähriger über bas Schlachtfeld von Solfe- rino ritt, wirkten^ bessen Eindrücke so gewaltig auf sein ^oiAes Herz, daß er trotz des Anmarsches bedeutender Verstärkungen, die eine Wendung des Kriegsglückes zu verbürgen schienen, es verbot, beit Angriff am folgenden -rage zu erneuern. Wer möchte es dem Greise persönlich verargen, wenn er heute nicht will, was zu verantworten dem Jüngling zu schwer deuchte? Unb so ist es durchaus glaublich, wenn Eingeweihte versichern, daß es während ber Balkankriege bieses Jahres mehrere Male zu Gegen- Ptzen kam zwischen bem Generalstabschef, der zum Kriege drängte, unb Kaiser Franz Josef, der unbedingt den Frie­den gewahrt wissen wollte. Daher der plötzliche Urlaub des Herrn v. Conrad. Daher auch die auffällige Tatsache, daß der Generalstabschef bei ben Aluszeichnungen, bie ge­legentlich der Reservistenabrüstungen hohen militärischen Personen zuteil wurden, ostentativ übergangen wurde. Das übrige besorgte die Ernennung des Thronfolgers §um Generalinspekteur der gesamten bewaffneten Macht Oesterreichs im vorigen Monat. Erzherzog Franz Ferdinand erhielt die oberste Leitung der Herbstmanöver unb wurde zur Zwischeninstanz zwischen bem Kaiser unb dem Generalstabschef. Die Manöverpläne würben nicht mehr nach ben Plänen Hötzendorfs durchgeführt. Es gab wieder, wie vor der Hötzendorsschen Aera, unkriegsgemäße Kavallerieattackeu, spielerische Truppen- Übungen und Schaustücke, bic dem geistvollen Hötzendorf das Soldaten herz brachen. Erst 61 Jahre alt, noch sehr rüstig und gesund, muß der bedeu-- tendste lebende Stratege Oesterreichs seinen zweiten amt- lieben Sturz erleben, von bem er sich wohl nicht mehr erholt.