Erster Blatt
163. Jahrgang
GietzenerAnzeiger
Ur. 197 Erster Blatt 165. Jahrgang Samstag, 25. August 1915
ZSietzenerAnzeiger
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’S» Seneral-Anzeiger für Oberhessen »»£
ifl^Smmer Rotationsdruck und Verlag der vrühl'lchen Univ.-Vuch. und Steindruckerei R. Lauge. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuistrahe 7. den
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Die heutige Nummer umsaht 14 Seilen.
Tageskalcndcr aus dem Jahre 1813.
"23. August. Ter preußische General Bülow schlägt mit der Nvrdarmcc bet Großbeeren trotz der versagten Unter- M'itzung des tftüiumn$cn von Schweden, des cheffialigen französischen Marschalls Bernadotte, innerhalb weniger Stunden die Franzosen und rettet dadurch Berlin vor einem französischen Ucbcrsall.
politische Wochenschau.
Kietzen. 23. August.
Dem Bukarester Frieden ist in diesen Tagen nach ein anderer Friede gefolgt: der „Friede von Metz", der auf ähnlich diktatorische Weise zustande gekommen ist, wie diese erzwungene Ruhe auf dem Balkan. Wir haben oft genug auf die beiden Heerlager im politischen Katholizismus hin- gewiesen, die sich gegenseitig befehden und den Charakter des Zentrums auf verschiedene Weise zu lenken sich bemühen. War es vor 6 Jahren Herr Julius Bachem, der den bekannten Feldruf „Heraus aus dem Turm!" ersonnen hat und die Zentrumspolitik durch Kompromisse weiter führen wollte, indem auch Andersgläubige an dem Wagen der Kirche ziehen helfen sollten, so erstand der anderen'Partei der „Berliner" in Papst Pius selbst der machtvollste Förderer, der dem Kardinal Kopp in seinem Kampfe gegen die interkonfessionellen Gewerkschaften ober den „verseuchten Westen" die nachdrücklichste Stütze lieh. Es ist im Grunde ganz die gleiche taktische Frage, die auch die sozialdemokratische Partei in zwei Lager teilt, und insofern hat man bei der Betrachtung des Radikalismus mit Recht von Par- tcipäpstcn gesprochen. Während auf den früheren Katho- likcntagungen der klaffende Riß immer schamhaft verhüllt worden ist, hat diesmal, in Metz, der erste Vorsitzende Fürst Lölvenstcin geglaubt, den wachsenden Streit und Haß innerhalb des Zentrums nicht mehr totschwcigen zu könncit. In der Tat, die Erbitterung der beiden schwarzen Flügel war Lis auf den heutigen Tag in stetem Wachsen begriffen, und wir haben Gelegenheit gehabt, an der Hand von Zeitungsartikeln der beteiligten Kämpfer dies öfter darzutun. Und nun hat Fürst Löwenstein bei der Eröffnung der Metzer Tagungen mit bewegten Worten Frieden geboten! Besitzt er dazu irgendwelche Autorität? Man weiß es längst, daß die Katholikentage keine „Uebcrraschungen" bringen dür fen, daß vielmehr hinter den Kulissen von langer Hand her eine strenge Regie geübt wird. Und wenn man nach einem besonderen Kennzeichen dieser Metzer Versamm lungcn sucht, die sic von den Tagungen der früheren Jahre unterscheiden, so ist cs das vielfach so stark und auffällig unterstrichene Treuegclöbnis für den Papst, die Versicherung unbedingter Anhänglichkeit und blinden Gehorsams vor den, Eiligen Stuhl Petri. Bei der Hauptversamm lung in Mainz konnte ein scharfes Gehör aus manchen Reden noch etwas anderes hcrauslesen: ein Bemühen näm lich, das Vorgel)cn des Papstes nach der milden, versöhn lichcn Seite auszulegen, die schrosfen Stellen seiner Hirten bricfe zu verteidigen, zu entschuldigen, die davon schwer gc trosfenen Katholiken Kölner Richtung zu beruhigen und zu vertrösten. Heute, in Metz, hat das Wort Friede einen metallenen Klang! Der Präsident verlas die Entscheidung Pius X. in der Gcwcrkschastssragc, ohne die versöhnlichere Auslegung der deutschen Bischöfe ebenfalls zu würdigen.
Der Seift von Beeren.
Der lOOjähr. Gedenktag der Schlacht bei Groß-Beeren erinnert auch an einen berühmten Sonderling, der z. Z. jener Schlacht Besitzer des Gutes Groß'Beeren war. Dies nämlich war ein Rittergut, das schon feit Jahrhunderten int Besitze der Familie Geist von Heeren Ivar. Der damalige Besitzer war der letzte seines Geschlechts, ein komischer Herr, der dauernd im Kampfe mit den Gerichten stand. Jede gerichtliche Behörde nahm er, wie Friedrich Tietz, ein Altberliner Schriftsteller, erzählt, auss Korn. Als Raritäten wurden lange Zeit seine Adressen an das Pupille n - o l l e g i u m ausbewahrt. So lautete eine: ..An das hoch- löbliche ilburmärfifcbe Pillen-Collegium". Man bedeutete ihm, daß dies Pupillen Kollegium heißen müsse, worauf er, „da es ihm auf diese erste Silbe nicht ankomme, sie nachträglich ein» sandle." Als er dann später an dieselbe Behörde adressierte: „An das unmündige Klein-Kinder» Kollegium" wurde er in Strase genommen und er verböserte seine Fehler, indem er nunmehr adressierte: „An das Kleine unmündige Llinder -Kolleginm". — Die Regierung wurde einmal beängstigt durch das Ueberhandnehmen der Kiesernraupe in ben Wäldern der Mark und erließ daher an alle Gutsbesitzer, die größere Waldungen hatten, eine Aufforderung, geeignete Mürel gegen diese Forstplage tn Vorschlag zu bringen, nachdem sie selbst schon eine Reihe von Verordnungen publiziert. Tas kam unferem Geist so recht gelegen, um wieder seiner Feder freien Lau» zu lassen. Sein Mittel lautete nämlich, „die hohe Regierung möge geneigte»! geruhen, einen ihrer überflüssigen Referendarien mit dem Commisforium zu beauftragen, alle bie von ihr bereits ergangenen Erlaße und Mittel den Raupen vorzulesen, ^vorüber die lieben Tierchen so lacken wür den, daß sie darüber bersteten. Mir märe fast so ergangen," fügte er hin zu, „es war ein Glück, daß ick eine derbere Constitution Ivie die »oeicküichen Raupen habe." — Als ein starker Sturm in fernem Forst arge Dtndbrücke veranlaßt hatte, kavri zierte er sich darauf, diese nicht wegräumen zu lassen, so daß die Bäume drohend quer über die Straße hingen, nxi5 einen ängstlichen Schneider aus der Nachbarschaft, der den Weg öfter zu passieren hatte, zu einer Beschwerde an daS Landratsamt veranlaßte. Der Landrat übersandte einfach dem Gutsherrn die Beschwerde, Geist non Beeren aber schickte sie mit der Randbemerkung zurück: „Auch die Schneider müssen ster-
Der Papst hat gesprochen, basta! Und Fürst von Löwenstein vcrstieg sich soaar dazu, dem päpstlichen Modcrnisten- verfolger für alle seine (Älasse, die anfänglich ob ihrer Kühnheit und unvermittelten Entschiedenheit auf manchen Seiten Schrecken und Betroffenheit, allmählich aber allgemeines Einverständnis gesunde»» hätten, ausdrücklich und mit Nachdruck zu danken. Es ist doch bekannt, daß der Papst anfänglich die interkonfessionellen Verbände von sich abweiscn wollte — sein Naturell neigt ja ganz und gar nicht zur Duldsamkeit und zu Kompromissen — und es ist allmählich offenbar geworden, daß seine Worte von der einstweiligen „Duldung" der interkonfessionellen Verbände eine Mahnung zur Umkehr bedeuten sollten, so»veit sich eben die deutschen Verhältnisse doch nicht durch ein bloßes Macht wort von heute auf morgen ändern ließen. So ist cs gerechtfertigt, wenn in an diesen „M ctzer Frieden",als eine Niederlage der Kölner Richtung auslegt. In klaren, harten Worten durfte ihr dies natürlich nicht gesagt werden, aber diese langatmige Mal>- nung des Fürsten von Löwenstein zur Einigkeit war doch nichts anderes als eine Weisung: noch stößt euch der Papst nicht von sich, ihr habt Gelegenheit, als gehorsame Kinder der Kirche euch in Reih und Glied zu stellen und dorthin zurückzukchren, wo der Papst nicht nur duldet, sondern wo er liebt und anerkennt !—
Wir glauben nicht, daß der „Friede von Metz" in der Kirchengeschichtc diese Bedeutung habe»: wird, wie sie ihm vom Fürsten von Löwenstein zugcmessen wurde. Er wirkt vielleicht nur, wie eine gemeinsame Note der Großmächte im letzten Jahre zu wirken pflegte. Ein Redner in Metz hat die Hauptversammlung mit einem Leuchtturm verglichen, der die Schiffahrt orientiere. Papst Pius wird aber flammendere Lichter hincinsetzen müssen, wenn er seinem Willen Geltung verschaffen will. Er wird die Erfahrung machen, daß die sanfte Regie der Katholikentage doch die tobenden Meinungsverschiedenheiten nicht mehr besänftigen kann, und er wird vielleicht Blitze niederzucken lassen, wo er bisher noch abwartend duldete. Um den diesjährigen „Lcuchtturm" zieht es schon wie Wetterleuchten!
Der Direktor des Volksvcreins für das katholische Deutschland, Herr Dr. Brauns, ist mit seinen praktischen Forderungen schon ein wenig aus dem' Rahmen gefallen. Er stellte fest, ohne das Fundament und die Grundlage der Gewerkschaften gebe es keine gesunde Arbeiterbewegung. Und sein Satz, daß der Volksvcrein stolz sein dürfe und nur eins zu fürchten habe, nämlich die Unwissenheit und den Mangel an Aufklärung, klang sehr polemisch! Ironisch und bitter meinte er: Nur mit übernatürlichen Mitteln sei dem liebel der Zeit nicht zu steuern. Er hat darin zweifellos ganz recht, wenn man auch dem folgenden Satze, den er sprach, nur kopfschüttelnd folgen kann: „Natur und Uebernatur sind allzu eng miteinander verknüpft, als daß man in der gewöhnlichen Ordnung der Dinge mit übernatürlichen Mitteln da allgemein helfen könnte, wo die natürlichen Voraussetzungen fehlen." Es scheint uns doch, als sei die Erforschung der „Uebernatur" noch nicht so weit vorgerückt, als daß man so kühne Worte darüber aufstellen dürfe. Tie übrigen Redner des Katholikentages heischten übrigens samt und sonders sehr natürliche Mittel, um die Macht der Kirche zu stärken. Für Deutschland verlangt man vor allem die ungestörte Wirksamkeit der Jesuiten und die konfessionelle Schule! Es fielen
ben. Will dieser Bock denn ewig leben?" — Etwa ums Fahr 1812 hatte fick der Sonderling, der fckon in den Scckzigern stand, nock verheiratet, damit das alte Geschleckt nicht aussterbe. Ihm wurde auch ein Töchterlein geboren, das aber halb — unter dem Donner der Kanonen der Schlacht von Groß- Beeren starb. In der Schlacht wurde dann ein schwer verwundeter französischer Lfnzicr dem Gutsherrn aufs Hcrrnhaus gc» bracht. Man pflegte ihn dort bis zu seiner völligen Genesung, was über ein Jahr dauerte, und da man sich aneinander sehr gewöhnt hatte, behielt man den Franzosen ganz dort, und er heiratete schließlich, als Geist vo»t Beeren ums Jahr 1817 sonst entschlafen war, dessen junge Witwe, wurde aber nickt viel später in einem Duell mit einem preußischen Adligen erschossen.
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— WieMacMahonsMarfchaufMetzdenDeut- ,'djen bekannt wurde. Am Abend des 24. August erhielt das deutsche Hauptquartier 1870 die erste Meldung von Dem Versuche Mac Mahons. statt auf Paris gegen Metz zu ziehen, um Bazaine Hilfe zu bringen. Auf welchem Dege die deutsche Heeresleitung fo schnell von diesem Plane erfuhr, der durch die sttategischen Gegenzüge unseres Generalstabes zu dem Triumphe von Sedan führte, beschäftigt Emile C tlioier in seinen Äriegserinncrungen an 1870, die er in der neuen Nummer der Revue des T-eux-Mondes veröffentlicht. Dec Aufbruch Mac Mabvns Don Chälons und sein Marick längs der belgischen Grenze sollte ftrena geheungehalten werden: au» französischer Seite hotte man dafür gesorgt, daß der deutschen Heeresleitung ein Telegramm in die Hände fiel, noch dem Mac Mahons Truppen eine ganz andere Marschrichtung eingcftblagen haben sollten. Die enrickridende Nachricht über die wirkliche Absicht des fton- zösifckcn Heerführers erhielt dos deutsche Hauptquartier durch ein Telegramm aus London: es berichtete auf Grund der Mitteilungen Pariser Blätter, daß Mac Mahon sich in Reims konzentriere und zum Entsätze Bazaines aufbrechen loerbe. Unmittelbar daraus lief eine zweite Meldung aus Brüssel ein: die Zeitung „Snbepenbance Beige" berichtete, Mac Mahon marschiere eilig auf Meeres. Der Chefredakteur hatte aus Ehrgeiz, zuerst neue Meldungen zu veröffentlichen, feinen Sohn nach Frankreich geschickt mit dem Auftrag, so weit vorzudringen, bis er Mac Mahons Avantgarde begegne. Als der junge Reporter den ersten ^französischen Truppen begegnete, machte er Sofort Kehrt und tdegra#jiene. Im deutschen Hauptquartier wollte man den Wel-
habei sehr harte und schmähende Worte gegen die staatliche Autorität und die Andersdenkenden. Bischof von Faulhaber aus Speyer sprach von dein deutschen Gesetz über die Zulassung der Jesuiten als einem „Schandfleck der deutschen RechtSgcschichtc", von einem „Jntoleranzedikt von Berlin". Es wurde auch kräftig gewettert gegen die Ungläubigkeit und die sittlichen Schäden der modernen Zeit; die Studenten und die Jugend, natürlich die katholische, sollen dagegen in die Front gestellt werden, und da ist es natürlich, wenn man auf dem Katholikentag die Notwendigkeit konfessioneller Schulen besonders stark unterstrich. Anders geartete Schu- len sind angeblich Pflanzstätten geistiger und sittlicher Ver derbnis! Bemerkenswert war auch, daß der Bischof zkoppes von Luxemburg die Freimaurerei als „Kirche des Satans" brandmarkte, ihr Gesetz als Lüge, ihren Gott als Dämon, ihren Kultus nb? daS Schändlichste bezeichn
sich denken könne. ES mag sein, daß die Freimaurer mit ihren Zielen sich irren, darum braucht man sie aber noch nicht als Teufelsbraten hinzustellen. Der Herr Bischof möge bedenken, was geschricbert steht: „Wer zu seinem Bruder sagt „du Narr!", der ist des höllischen Feuers schuldig." Die Metzer Redeschlachten waren an starken Ausdrücken und eifernder Kritik sehr reich; vom Hauch milden Christcn- gcistcS hat man nicht viel verspürt._________________________
Rußland und die neue Kriegsgefahr.
Der. russische Botschafter in Rom hat uns die Lage enthüllt. Er verriet einem italienischen Blatte, daß Rußland einen Krieg verhüten wolle, daß die jetzigen Admack)ungen nur provisorisch seien und die gründliche Abrechnung später erfolge. Deutet dies darauf hin, daß Rußland gegenwärtig nicht kriegsbereit sei und die Türtei Aussichten hat, vorläufig Adrianopel zu behalten?
Wir erhalten folgende Meldungen:
Eine Erklärung des russischcu Botschafters in Rom.
Rom, 22. Aug. Der russische Botschafter Krupenski erklärte einem Vertreter dcS „Giornale d'Jtalia":
Es ist verfrüht, eine militärifcke Aktion Rußlands gegen die Türkei anzunehmen. Rußland ist gegcnipärtig zu einem friedlichen, aber sehr energischen Borg eben gegen die Türkei entschlossen, um sie zu veranlassen, den Londoner ©ertrag zu respektieren. Rußland ist fest entschlossen, dem 2kr trage Achtung zu oeriebaffen. Er hat indessen ben aufrichtigen Wunsch, den europäischen Frieden nicht zu stören. Der Finanzboykott gegen die Türkei konnte sehr wirksam sein. Die Mächte seien alle vollkommen einig. Man müsse versuchen, schwere internationale Verwickelungen anläßlich der türkischckulgarischen Frage zu vermeiden. Die Pforte werde sich von diesem Wunsche Rechenschaft gebot müssen, Krupenski hält die Adrianopcler Frage augw- blicklich für nicht so schiverwiegend, wie allgemein angenommen wird: er glaubt aber nicht an eine endgültige Lösung der türkisch-bulgarischen Frage bezw. ob Adrianopel türkisch oder bulgarisch verbleibe. Man sah nach feiner ."Ansicht bisher nur den ersten Akt der Balkantragödie sich abspielen. Tie heutigen Vorgänge bildeten einen bloßen Zwischenakt. Schwerer als die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Türkei und Bulgarien feien die zwischen 'ben ehemaligen Verbündeten: besonders der griechisch-bulgarische Kavalastreit könne einen sehr großen Umfang annehmen. Krupenski hob weiter hervor, daß Bulgarien eine wirkliche starke Ration mit lebhaftem kriegerischen Geiste und starkem Patriotismus, sowie soliden militärischen Einrichtungen sei. Sie könne sich baldig st aus. der augenblicklichen Krisis erheben und sei zu einer großen Zukunft unter den Balkan v ökkern bestimmt. Der Bukarester Friede roerbe die Lage für den Augenblick konsolidieren. Krupenski er Härte,
düngen zuerst feinen Glauben schenken, der Emschluß Mac Mahons schien gar zu absurd. Aber die bald barauf in Pariser Blättern erscheinenden Informationen, die Meldungen des „Temps", des „Public" und des „Peuple Franyais" benötigten diese Nachrichten und lieferten ft> unfreiwillig der bcutfdien Heeresleitung wertvolle Winke über die Absichten Mac Mahons. Balo daran» be- ftärigten btc Erkundigungen der deutschen Kavallerie die Richtigkeit der Meldung, und am 26. August begann der berühmte deutsche Rechtsabmarich, der Mac Mal-ons Heer auf Sedan roerfen sollte.
— Born Buchhandel im alten Rom. Sehr hübsche Mitteilungen über die Betriebe des Buchhandels im alten Rom hat Emilio Calvi in einem zu Rom gehaltenen Bortrage gemacht, aus dem Ewald Rappavort in der bei W Trugulin in Leipzig erscheinenden „Zeitt'ckrm für Bücherfreunde" einen Auszug veröffentlicht. Wie noch heute in vielen deutschen Städten, so gab e- auch bereits im alten Rom bemmmte Straßen, wo die Buchhandlungen, die „tabernae libranae", vorzugswtse ihren Sitz batten. Das waren die Plätze und Straßen, die tn der Nähe der Fora lagen. Es ist uns auch eine ganze Anzahl römischer Buckhändler mit Namen bekannt: so Ätrettus, Secundus, der sein Geschäft hinter dem Tempi um Paris beim Forum hatte: dann die Sosii, an der Ecke des Bicus Tuscus und des Forums: Trifon, der der Verleger Quintilians war: Cajus Pollius Balerianus. der des Martial, uno Dorus, der die Bücher Eicervs und Livius verkaufte. Die Läden iahen ähnlich aus wie heute. Fenster und Mauern waren mit Ankündigungen und Titeln der neuesten Erscheinungen bedeckt. Horaz bemerkt satirisch, daß mittelmäfige Verse weder von den Göttern noch von den Menschen rwch von den Anschlagwänden der Buckhändler gebulbet seien Ein merkwürdiger Brauch war es, hier auch verlorene Gegenstände bekannt zu geben. Fm Anfang lieferte Rom die Bücher auch für die Provinzen, später fanden sich eigene Duckhandlungen. Ealvi macht auch Angaben über ben Preis der Bücher und berichtet, daß z. B. das erste Buch der Epigramme Martials bei Ätrettus für 4,30 Mark 5 Denare verkauft wurde. Die Zenfur wurde in Rom feit den Zeiten des Kaisers Augustus angewandt. Tiefer ließ mehr als 2000 Bände mit Prophezeiungen veri-rennen: Ealigula verbot die Werke von Virgil und Livius. In riefen Fällen wurden dann die Bücher nach einem Senats- befckluß auf dem Forum in Gegenwart der „Triumtiri Capüales" mit großer Feieriiä^eit verbrannt.
— Deutf che Shakespeare-Fe stfpicle 1913. Tie kommende Bühnensaison wird im reichshauptstädtischen Theater--


