Die Antwort der Pforte.
lieber die Entschließungen der Pforte liegen nur unbestimmte Nachrichten vor, die aber auf Nachgiebigkeit schließen lassen:
Konstantinopel, 19. Ian. Nach sicherem Vernehmen soll sich fast der gesamte Ministerrat für den Frieden ausgesprochen haben. Nur einige Minister hätten für den Krieg gestimmt, seien aber in der Minderheit geblieben. Man glaubt, daß die Antwort der Pforte, ohne eine kategorische Ablehnung zu enthalten, Anlaß zu einem schriftlichen Verkehr mit 5en Mächten bieten wird.
Die inspirierte türkische Presse bereitet die öffentliche Meinung auf die Antwort vor, welche der Note der Mächte entgegen kommt. „Jeni Gazetta" hebt hervor, welche großen Schwierigkeiten für die Türkei angesichts der Mächte durch die Ablehnung entstehen würden, und erklärt, es sei in einem solchen Augenblick nicht geboten, Rechtsprinzipien und Verträge zu prüfen. Die Rettung des Landes sei nur möglich, wenn man mit den Tatsachen rechnete und ohne Zaudern vernunftgemäße Entschlüsse fasse. „Ikdam" behandelt die Mitteilungen einiger Zeitungen in denen erklärt wird, die Pforte würde durch fortgesetztes Nachgeben ihre Prestige verlieren und durch Opfer nichts erreichen und sagt, die Pforte müßte die politische und militärische Lage berücksichtigen und nicht zaudern, den durch die Umstände ihr auferlegten Opfern zuzustimmen und versuchen, die von den Großmächten gemachten Versprechungen ausznnützen.
Wie das Reutersche Bureau erfährt, ermächtigte der bulgarische Premierminister Geschow die Delegierten in London, dem Oberkommandierenden General Sawow direkt zu telegraphieren, die Feindseligkei - tcn wieder auszunebmen, wenn sie meinen sollten, daß für den Friedensschluß keine begründete Aussicht mehr bestehe. — Im Zusammenhang damit wird darauf hingewiesen, daß die Soldaten der Balkanverbündeten spätestens im Februar zur Bestellung ihrer Aecker zurückkehren müssen, da sonst eine Hungersnot unvermeidlich wäre.
Die türkische Nationalversammlung
Konstantinopel, 20. Jan. Der Tag der Zusammenkunft der beratenden Versammlung ist noch nicht endgültig festgesetzt. Da der Ministerrat morgen zusammen^ treten soll, könnte die Versammlung erst übermorgen zusammentreten. Die ratgebende Versammlung wird im Palais unter dem Vorsitz des Großwesirs tagen und es werden in ihr die meisten Senatoren, die Präsidenten der Sektionen des Staatsrats, die Unterstaatssekretäre, die Sektionschefs der Ministerien für Justiz, Krieg und Marine und einige Direktionen der Departements der Kulte teilnehmen. Das Beamtenelement scheint vorherrschen zu sollen. Soweit bisher bekannt ist, werden die bisherigen Großwesire und ehemaligen Minister der jungtürkischen Kabinette nicht eingeladen werden.
Die Seeschlacht.
Der türkische Minister des Aeußern Noradunghian erklärte dem Vertreter des Wolff-Bureaus, daß bte Seeschlacht gestern bei der Insel Luros zwischen einem Teil der türkischen Flotte und der vollzähligen griechischen Flotte ftattgefunden habe. Der Kampf hätte B1/» Stunden gedauert. Auf beiden Seiten habe es Havarien gegeben. Auf türkischer Seite sei genau beobachtet worden daß der griechische Panzerkreuzer „Gerogios Ameroff" Beschädigungen erlitten habe. Tie türkische Flotte sei heute morgen vollzählig in die Dardanellen zurückgekehrt. Kurz vor dieser Erklärung des Ministers hatte die offiziöse Agenee Ottomane die Athener amtliche Darstellung der Seeschlacht veröffentlicht.
den redlichen Friedrich Wilhelm den Dritten! Als der Wagen jidübar wurde, schwenkten wir die Mützen und schrien ilynt jubelnd entgegen, und Alle jauä>zten ihm zu: Gegen Frankreich! Und ich jauchtzte mit, die Augen voll Thronen, zum ersten Male von einem Gedanken ergriffen, von einer Meinung, von einem Gefühle des Vaterlandes!"
Im Theater — man gab Kotzebues „Deutsche Hausfrau" — entfaltete sich dann die erste Huldigung. „Die versannneltcn Zuschauer achteten wenig oder gar nickst auf die Darstellung. Alle Blicke waren auf eine Loge gerichtet. Der König sand sich erst in der Mitte des zweiten Aktes ein. Heiliger Gott, welch ein Augenblick! Das waren ruckst Untertanen, die, weil es eben hergebracht ist, von flückstigem Enthusiasnnls oder von eingeborener Anhänglichkeit bewegt, dem Monarchen huldigen wollen: das war nicht ein König, der diese Huldigung mit gnädigem Läckreln hinninrmt und sich darm bequem nach der Bühne wendet: Nein, das waren Menschen, die in rein inensckstidrer Empfindung dem Manne Treue schwuren, den sie in Seinenr Unglück achten und lieben gelernt. Jhrn wollten sie sagen: Da sind wir. Alle für Einen, und du, unser König: Einer für Wie! Niemand mockste in diesem Augenblicke an Orden und Ehrenstellen denken: Kanrpf, Blut, Rache, Freiheit, Sieg, und Tod! Um Ihm näher zu fein, dem ritterlichen Vater, von Seinen holden Kindern umgeben, stiegen die Leute im Parterre auf die Bänke. Die „Deutsche Hausfrau" ging dabei zu Grunde. Tie Schauspieler hatten gut weiter spielen, sie brachten Nichts mehr zu Stande: bnm teils erregte jede Silbe in ihren Reden, die nur irgendwie eine Be> zichung gestattete, neuen ?lusbruch der dröhnenden Freude. . /'
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Neue Heilerfolge mit Saloarfan,
Frankfurt a. M ., 18. Jan. Bor einend glänzenden Auditorium, das den großen Festsaal und die Wandelgänge des Senckenbergmuseums bis in dcm entlegmtsten Winkel dickst besetzt lstelt, sprack) heute abend Geheimrat Exzellenz Ehrlich über „Moderne Heilprinzipien" und beleuchtete dabei auch die jüngsten Forschungsergebnisse und Heilerfolge mit Salvarsan, die ganz ungeahnte neue Richtlinien für die neuzeitliche Therapie erschließen.
Nach einem kurzen Rückblick aus die Entwicklung der chemischen Theravic seit Pasteur verbreitete fick; der Redner- über die Wirkungen und Anrvendungsformen des Salvarsans auf die Spirochäten, um dann eingehend die glänzende Reihe der neuesten Erfolge zu
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Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich Siebener,'familienblätter, zwkimalwöchentl.Ureis- blatt für den Nreis Sichen (Dienstag und Freitag); zweimal monntl. Landwirtschaftliche Zeitsragen Fern sprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:
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Erstes Blatt
165. Jahrgang
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NotationröruS und Verlag der Brühl'fchen Univ.-Buch- und Steindruckerri U. Lange. Nedattion. Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7. Lmch":^E.Heß-^ür den
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Dienstag, 2\. Zanuar 1915
Beznasvrei >: monatlich 75 Bf., vierteljährlich Mk. 2.20: dilrch Abhole- u. Zweigstellen moimtlich 65 Pf.; durch diePost 'btt. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellq. Zeileuvreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Ehefredakteur: A Goetz. Verantivortlich für den potitiichen Teil: August Goetz; für .Feuilleton", „Vermischtes" und „Gerichtssaal": 51. Neu-
Die heutige ‘Kumme: umfaßt 10 Seiten
Vnanvs Wiederkehr.
Die Wiederkehr eines bedeutenden Mannes, der schon einmal die höchste Stufe der politischen Macht erreicht hatte und gestürzt wurde, erzeugt in der Politik dramatische Spannungen, die denen der Bühnenwelt an Stärke und Reiz nicht nachstehen. Aristide Briand, der Gastwirtsohn von Saint Nazaires, der als Journalist auf dem Montmartre in einer bescheidenen Achthnndert-Franken.Wohnung hauste und nach seiner ersten Ministerpräsidentschaft (vom 27. Juli 1909 bis 27. Februar 1911) ein fürstlich ein gerichtetes Heim in der Nähe des Trocadero zum Mietpreise von 4000 Franks bezog, will mit seinen 50 Jahren nicht am Ende seiner politischen Laufbahn angelangt sein. Er, der von Poincare ersucht worden ist, das Kabinett zu bilden, fordert sein Jahrhundert nochmals in die Schranken. Und merkwürdig, angesichts seiner jetzigen Bemühungen, das Nachfolgekabinett Poincares zusammenzubringen, zeigen sich auch die erbittertsten Feinde Briands nachgiebig. Und er selbst erklärt, er wolle in seinem Ministerium das Maximum der Aussöhnung zwischen den Republikanern erwirken. Wie ganz anders klingt dieser Ton, wenn man fid) der schweren Anklage erinnert, die Briand bei seinem Rücktritt vor zwei Jahren gegen die republikanische Mehrheit schleuderte. Er erklärte damals, daß die Spaltung der republikanischen Mehrheit und die Hindernisse, die seine Feinde ihm systematisch in den Weg legten, seine Tätigkeit lahm legten. Unter diesen Umständen könne er die Geschäfte nicht führen. Es sei ihm zuwider, inmitten von Fallstricken und Winkelzügen fruchtlos arbeiten zu müssen. Die Feindschaft, die sich hauptsächlich gegen seine Person richte, mache es ihm unmöglich, fein Reformprogramm, „das kühnste, bas je dem Parlament vorgelegt wurde", durchzusetzen. Briand empfahl damals dem Präsidenten Fallieres, ein Ministerium einzusetzen, das sich auf die vereinigten republikanischen Parteien stützen könne. Den von Briand damals gebrauchten Ausdruck von der „erweiterten Majorität verstand man nicht recht. Die einen glaubten, daß Briand seinem Nachfolger den Rat geben wollte, auch die Progressisten, die ehemaligen Parteigänger Melines, nicht zurückzuweisen. Die anderen deuteten jenen Ausdruck dahin, daß Briand endlich zu der Erkenntnis gelangt sei, es gehe nicht weiter an, gegen die große sozialistische Gruppe der Kammer, mit anderen Worten gegen das Proletariat, zu regieren. Was Briand gemeint hat und ob er konsequent bleiben kann, das wird er jetzt, bei seiner eigenen neuen Kabinettsbildung zu beweisen haben. Briand legte bisher auf jedem Ministerposten die feste Entschlossenheit an den Tag, selbst zu regieren, und mit der Tyrannei der Kammerausschüsse und Parteibonzen endgültig zu brechen. Besonders schroff kehrte er den Diktator, wie seine Gegner ihn nennen, den Radikalen und Radilalsozialisten gegenüber hervor, gegen deren Einschüchternngsversuche er sich stets unempfindlich zeigte. Briand, der sich nie einer blühenden Gesundheit erfreute, der durch die Mühen und Plagen des Amtes sehr angegriffen wird, und nach seinem Sturz im Frühjahr 1911 nur durch eine längere Mittelmeer
reise vor schwerer Erkrankung bewahrt blieb, läßt sich doch im politischen Kampf nicht unterkriegen. In den aufregenden Tagen des französischen Eisenbahnausstandes, in oer denkwürdigen Kammersitzung vom 30. tob er 1910 versuchten ihn seine verbündeten Gegner durch physische Erschöpfung zu iiberwältigen, ihn durch Schreien und Drohen am Reden zu verhindern, in der Erwartung^ er werde, em Opfer der Müdigkeit und des Ekels, freiwillig von seinem Amte zurücktreten. Vergebens. Briand hielt
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dem wüstesten Ansturm stand und trat erst vom Posten ab, als ihm die politische Macht durch Mißtrauensvotum beschlußmäßig aus der Hand genommen wurde. Freilich, uneingeschränkte Bewunderung kann ihm auch der unparteiische Beobachter nicht zollen. Wenn auch niemand das hohe Können und die bestrickende Begabung Briands bestreitet, so waren doch die Ergebnisse seines politischen Wirkens nicht immer völlig einwandfrei. Während er, der die „Ord nung" als höchsten Grundsatz der Staatsweisheit hinstellt, Justizminister war, geriet die „Milliarde der Kongregationen" in allerlei ungetreue Hände. Es ist auch durchaus noch nicht ausgemacht, ob der Eisenbahnausstand seinerzeit nur durch Briands Energie oder vielleicht mehr durch den Mangel an Organisation und Geld so schnell zu Ende ging. Berechtigte Zweifel dürften auch daran bestehen, daß Briands überraschend schneller Uc'bergang von den revolutionärsten Anschauungen zn einer gemäßigten und bürgerlichen Staatsdoktrin lediglich von der wachsenden Erkenntnis der Staatsbedürfnisse beeinflußt war. Vielmehr mag die persönliche Nützlichkeitsfrage auch eine Rolle bei dieser Wandlung gespielt haben. Dank Briands sog. „Beruhignngs- polikil" hat sich das Ordenswesen in Frankreich wieder einzunisten begonnen, und vorausschauende Politiker fürchten bereits, daß ein neues Kabinett Briand wieder zu der freunb» lichen Duldungspolitik der Meline und Genossen zurückführen könnte. Solche Bedenken machen eine unbegrenzte Bewunderung der Politik Briands nicht möglich, aber fest steht doch im Jnlande wie im Auslande, daß Briand zu den hervorragendsten Persönlichkeiten der dritten Republik gehört. Sein erstes Kabinett war kein „grand miniftere", aber er selbst war ein sehr glänzender Ministerpräsident. Umso gespannter ist man nun darauf, ob er diesmal ein großes Ministerium mit seiner starken Person an der Spitze zustande bringt.
Paris, 20. Jan. Briand besprach sich im Laufe des Vormittags insbesondere mit Jonnart, Pichon, Andre, Lefevre und Etienne. Er wird die Bemühungen, ein neues Kabinett zu bilden, heute nachmittag fortsetzen. Er ist bestrebt, möglichst viele der zurückgetrctencn Minister zu gewinnen, da das Kabinett Poineare angesichts der Wahl seines Führers zum Präsidenten sozusagen an dem Uebermaß des cntgegengebrachtcn Vertrauens gestorben ist. Aber Bourgeois weigert sich, Poincares Nachfolger für das Auswärtige zu werden. Telcasse will weder die Marine behalten, noch Kriegsnrinister werden, obgleid) Briands wiederholtes Ersuchen an die beiden von Falliöres und Poincare warm unterstützt wird; Bourgeois und Tcleafsö begründen ihre Weigerung mit ihrer erschütterten Gesundheit. Lebrun endlich lehnt das Kriegsministerium aus Gründen ab, bte anscheinend nur der Bescheidenheit entspringen. Trotz allem hofft Briand, dem Präsidenten nodj heute abend eine definitive Antwort geben zu können.
Staatssekretär Dr. Sols in Hamburg.
Hamburg, 20. Jan. Staatssekretär Dr. Sols ist hier eingetroffen und im Hotel „Zu den vier Jahreszeiten" abgestiegcn. Er besuchte die Handelskammer und machte einen Rundgang durd) die Börse. Ferner wird er das Kolonialinstitut eingehend befiel) tigen. Morgen gibt die Deutsche Ostafrikalinie an Bord eines Reichspostdampfers zu Ehren des Staatssekretärs ein Frühstück Am Abend folgt ein Gastmahl der Handelskammer. Ter Senat gab heute abend im Rathaus zu Ehren des Staatssekretärs ein Festmahl. Staatssekretär Dr. Sols dankte für die ihm zuteil fielt orbene Einladung. Er betonte dann die Notwendigkeit des Zusammenarbeitens zwischen dem Auswärtigen Amt und der Kolonial Verwaltung und gedachte hierbei in herzlichen Worten des ver storbenen Staatssekretärs v. Ki d e r l e n - W ä ch te r , mit dessen Anschauungen über auswärtige Politik und Kolonialpolitik und deren Jneinandergreifen er selber stets ü b er e i n g e st i in m t habe; insbesondere sei cr mit Herrn v. Kiderlen-Wächter darin einer Ansicht gewesen, daß in Afrika nid)t eine oder die andere Macht besondere Rechte für sidi in Anspruch nehmen dürfe, sondern daß Afrika eine internationale Aufgabe biete, an deren Lösung alle Nationen zu arbeiten berufen seien.
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Oos Signa! der Zreihei skriege.
(Des Königs Reise nad> Breslau.)
iDie Abreise König Friedrid) Wilhelms nad) Breslau am 2 2. Januar früh bedeutet den eigentliä>m 9btbrud) der großen Zeit vor 100 Jahren: nach man derlei Schwanken und Zaudern wird nun das Signal zum Freiheitskriege gegeben, und Sdstag auf Schlag folgten die Befehle zur Einleitung des großen Kampfes.
Schon seit vielen Wochen loar in der Umgebung Friedrich Wilhelms der Plan erwogen worden, daß sid> der König in das »oit französischer Seite für neutral erklärte Schlesien und zwar Mir besten nach Breslau begeben solle. x’Cber der Monarch zögerte noch immer, während im Volke immer lauter das Gerücht aus tauchte, die Franzosen beabsichtigten, fidj der Person des Königs tzu bemächtigen und ilstr als Geisel fortzuführeu. Stefhens erzählt in seinen Erinnerungen, wie tief man von der Angst betroffen war, „die Reste der svanzöfischen Annee könnten fid) in dem von ihnen besetzten Berlin Gewalttätigkeiten gegen seine geheiligte Person erlauben." „Jettt erst trat jene geheim bewahrte Treue, die den rechten Mitielpunll aller zuküirftigen Tat gesunden hatte, wie sie mächtig während des .fkrieges heranschwoll, .wie sie während Les langen Leidens still im Innersten, oft denen, die sie pflegten, unbemertbar, fid) erhielt, hervor, und alles, wozu ein jeher bereit war, hatte sein göttliches Siegel erhalten." Ein schlesischer Adliger wandte fick in einem Brief direkt an den König und befebtoor ihn, Berlin zu verlassen; aber cr wurde aufgehoben und itad) der Lausvogtci in Berlin gebracht. Die unschickliche Ermahnung eines Einzelnen, Unberufenen, sollte nicht herbeiführen, was das Resultat der reifen Beratungen derer sein müsse, denen der König fid) selbst anbertrauen sich entschließen wollte."
Die Abreise erhielt erst ihren politischen Zweck, nachdem die Ziele und Wsichten des Zaren Alexander klargelegt waren. Als nun der an ihn abgesandte Major von Natzmar am 19. Januar auf Umwegen vor den Häschern Eugen Beauharnais' nad) Berlin zurückkehrte und völlig befriedigende Zusid)erungen Alexanders mitbrachte, war der rechte Augenblick da. Tie Gefahr für die Person des Königs erschien größer als je. Mitt Januar bereits war die italienische Division Grenier in Berlin erfd)icnen; mir mit Mühe gelang es, sie abzuhalten, in Potsdam, der Residenz des Königs, die nach dem Vertrag von 1812 von französischer Besatzung frei bleiben sollte, Quartier zu nehmen. Am 17. Januar oettsuchten sic in Potsdam eiirzurücken; an demselben Tage sah
man bereits das Sechsgespann am Wagen des Staatskanzlers Hardenberg angespannt. Nun ergriff auch den König die allgemeine Besorgnis; nock) am Abend des 17. Januar ließ er unter dem Vorwand eines militärischen Sd-auspiels für den Herzog von Koburg die Truppen der Potsdamer Garnison mit scharfen Patronen ausrücken. Jn^Derlin, wo das Leibregiment zum Ab- marfd) Befehl erhielt, kam es zu tumultuarischen lAustritten. Mau loar auf das Aeußerste gefaßt und dachte daran, das Volk durck) Glockengeläut von den Kirchtürmen zum Schutze des Herrfck)ers aufzurufen. Trotzdem zögerte Friedrid) Wilhelm nod) immer, Potsdam zu verlassen; Böhen erzählt in seinen Erinnerungen, Hardenberg sei von der Größe des Augenblicks fottgerissen, vor dem König auf die Knie gefallen imdchabe ferne Hand mit Tränen bedeckt, ohne indeß von ihm einen festen Entschluß erhalten zu können. Am 20. aber gab der König endlich den Befehl zum Abmarsd) der Potsdamer (tiarnifon nach Schlesien. Dann feierte noch am 21. Januar das königliche Hmis die Konfirmation des Kronprinzen. „Kein Auge blieb thränenleer; allen war, als ob der Schatten der verklärten Königin unter ihren Kindern erschiene, während das bedeutungsvolle Bekenntnis des Thron folgers verlesen wurde: „Fest und ruhig glaube ick) an den, der zum llcbermutbe spricht: hier sollen sich legen deine stolzen Wellen! Das Morgenroth eines besseren Tages bricht an."
Am 22. Januar reiste der König ab: Hardenberg folgte, ebenso der französische Gesandte Gras St. Marsan. Der Staats- kanzier hatte am Tage vorher dem Gesandten und den höchsten Offizieren der französischeu Besatzung bei einem1 Diner-des Königs Abreise und seine Msidst m tgeteilt, dort eine neue Armee für Frankreich zu schassen. Berlins Ennwohner ersuhren die Tatsache am 23., zugleich mit der Bekanntmadmng von her Einsetzung einer Ncgieriingskommission, die in des Königs Namen die lausenden Geschäfte erledigte. Manchem erfdneii die Tat des Herrsd)ers wie eine plötzliche Flucht; die meisten aber'wurden wie von einem Alp befreit und bejubelten dieses Signal als die Einleitung zum Befreiungskrieg. In Breslau wurden unterdessen mit sieber- haster Eile die Vorbereitungen getroffen, alle verfügbaren Lokale mit Besdstag belegt. Und dann kam der König, begleitet von seinen Kindern, Hardenberg an seiner Seite, die höchsten Beoniten und Generale um ihn her. „Ick) lief lstnaus vor Tor," erzählt Holtci, „und erwartete mit einem Häuslein Breslauer an dem Gasthause zum „Bären", eine Viertelstunde von der Stadt, auf der Lanhsttaße Den erfetynten, den geliebten, den guten König;


