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Siehener
nr. 245 Zweites Blatt
163. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag».
Die „Giehener ZamtlienblStter" werden dem »Anzeiger" viernrnl wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhejjen
Samstag, 18. Gttober M3
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäls - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redakt:on:^-^112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen,
politische Tagesschan.
lieber eine Herbsttagung des preußischen Landtags die nach einer Meldung aus Frankfurt beabsichtigt sein soll, liegen, so wird uns aus Berlin mitgeteilt, Beschlüsse des Staatsministeriums bis jetzt nicht vor. Wegen eines kleinen ^Gesetzes zur Reichsversicherungsordnung, selbst wenn dieses Gesetz am 1. Januar 1914 in Kraft treten sollte, würde eine Herbsttagung wohl kaum erforderlich sein, da ein solches Gesetz auch im Januar mit rückwirkender Kraft verabschiedet werden könnte. Sollte aber dennoch ein Zusammentritt vor Weihnachten in Aussicht genommen werden, so würde, wie man uns mitteilt, als Einberufungstermin der Anfang Dezember nur in Frage kommen.
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Die ersten Münzen mit dem neuen Kaiserbildnis
es sind Kronen und Doppelkronen — sind jetzt im allgemeinen Verkehr ausgegeben worden. Während die alten Münzen nur den Kopf des Herrschers zeigen, ist auf den neuen Münzen ein Brustbild des Kaisers in Uniform wieder- gegeben, das sehr gut getroffen ist. Der Kopf selbst ist naturgemäß kleiner als auf den alten Münzen. Demnächst werden auch Silbermünzen mit dem neuen Bilde ausgegeben werden.
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Die Religionsbekenntnisse in Preußen.
Nach der Volkszählung von 1910 gab es am 1. Dezember 1910 in Preußen insgesamt 39 602 263 Christen, das sind 985,99 vvm Tausend der Gesamtbevölkerung, 415926 oder 10,35 vom Tausend Israeliten, 859 oder 0,02 Bekenner nicht christlicher Religionen und 145 336 oder 3,62 vom Tausend Personen anderer Bekenntnisse. Diese Statistik umfaßt auch die Neichs- auskänder, von denen es im Jahre 1910 in Preußen 688 839 gab, sie ist lint übrigen nicht in allen Punkten einwandfrei, -da viele die Zählkarten nicht ganz genau ausfüllten. Von den Christen waren 24 830 547 oder 618,21 vom Tausend aller Einwohner Preußens Angehörige des evangelischen Bekenntnisses, 14 581 829 oder 363,05 vom Tausend Römlisch-Katholische und 189 887 oder 4,73 vom Tausend andere Christen. Von diesen anderen Christen waren 155 546 evangelische Christen, und zwar 29151 separierte Lutheraner, 5941 Angehörige der Gemeinden der niedersächsischen Konföderation, 13 851 Mennoniten, 45 282 Baptisten, 5190 Methodisten, 11 Quäker, 51 867 Jrvingianer und 4253 Adventisten. Hierzu kommen 10 641 andere katholische Christcn, unter denen 912 Russisch-Orthodoxe und 979 Griechisch-Katholische waren, und 23 700 sonstige Christen, davon 21 746 christliche Dissidenten. Von den christlichen Sekten ist mithin diejenige der Jrvingianer die stärkste, danach folgt die der Baptisten und sodann die der separierten Lutheraner.
Interessant ist die verschiedene Bezeichnung der evangelischen Christen in den Zählkarten. Von den insgesamt 24 830 547 Einwohnern Preußens, die evangelischen Glaubens sind, bezeichneten sich 18,62 Millionen als evangelisch, 2,66 Millionen als lutherisch, 2,54 Millionen als evangelisch-lutherisch, 683 573 als reformiert, 181 757 als evangelisch-reformiert, 76 501 als cven- gelisch-uniert, 18 830 als Protestanten, 18 250 als uniert, 7770 als sranzösisch-reformiert, 5147 als deutsch-resormiert, 3083 als zur Brüderkirche gehörig und 1996 als deutsch-evangelisch reformiert. Die Bezeichnung „evangelisch" war also weitaus die häufigste, wenn auch noch durchaus nicht die einheitliche, was im Interesse des evangelischen Bekenntnisses zu wünschen wäre, und von amtlicher Stelle auch als die alleinige Bezeichnung aller evangelischen Christen empfohlen wird. In Berlin bezeichneten sich 97,3 v. H. der Angehörigen des evangelischen Bekenntnisses als evangelisch, während es in Hannover, das nicht zur Union gehört, nur 8,13 v. H. waren.
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Neue Kabel zwischen Deutschland und England.
Zur Zeit stehen für die Abwickelung des Telegrammverkehrs zwischen Deutschland und England 5 Kabel zur Ber-
Gictzeirer Stabttfycatcr,
Die Hermannsschlacht
von Heinrich von K l e i st.
Gießen, 18. Okt.
kein anderes Werk unserer Bühnenliteratur ist Kleists Hermannsschlacht dazu geeignet, in diesen Tagen eines hochgestimmten Volksgefühls die Gemüter zu er,chüttern und zu entflammen Schillers Willfelrn Teil, ebenfalls durch die Fremd Herrschaft in Deutschland angeregt, ist unitrcitig das weitaus bedeutendere Kunstioerk, harmonischer und tiefer, aber cs hat nicht die unmittelbare Beziehung zur Gegenwart wie btc Hermanns- scklackt Ans der heiligsten Entrüstung eine.- empörten und schmerzvollen Herzens entstanden, sind ihm alle Vorzüge und alle Nachteile dieser Entstehung eigen: das hohe mitreitzend.' Gefühl das >varm von Herz zu Herzen fpncht, aber auch die Uebertmbuna und die Maßlosigkeit, die dann zu schweren kunsl lerischen Mistgriffen führt. Es ist Nicht die Dhusneldahandlung, in der ich entgegen vielen anderen — den vfsenuchtlichsten Rebler sehe wenn auch gerade sie im inncr)tcn Äcm keinerlei Bez chungen zur Befreiung Germaniens hat und darum über Gebühr ausgedehnt ist. Mir will fchcmen, daß.die ichlimnisten Mißgriffe in einigen Episoden liegen. Es ist tnr ein feinere* Gefühl unsagbar roh, wenn Hermann den hochherzigen und wehr lo en Sep imins kaltblütig medermetzeln laßt - cs ist nnertrag- lick wenn Venditius hinterlistig in den Bärenzwinger geiodt Ä um unter herzzerreibendem .Jammer fein Leben aiiszn- mth es ist endlich eine Qual, wenn man die deutschen . Mrsten' darum streiten siehe, leer dem schwer verwundeten Varus den T°d°°st°st neben darf. Tabei ilt t.-in? dieser drei Szenen nMwendia nicht einmal theatralisch, fte , .> nur der AnsstiM oien Hassens, der uns mcnfdnico gerade in diesen Taaeu durch-Ns bnireislich ist, aber niemals lünstlerische Mtuno Men dar? Wie himmelweit darüber steht da die Ermardutm Genlers und İs nicht nur, weil sie begründe- »nd -wiwendig ist,
Ä fehlt, daß die ganze Handlung sich episch entwickelt und lost.
er J Aftehnn aber wird die Hermaniisichlacht iinmer dann eine Narke Wr nng °ÜsÜb°n, wem, sie bei lwheu völkischen Ge. Senteten ge dielt wird, und so sand sie geftern zur Feier legende reu jeiPiu Beifall D e AusNihning war gut
L-.L7nnd1var! °lsMust--l°istung des tzern.
v : ... be-eichnen, wenn er den Einzug des romilcheii Heeres als McNick^rwecke ^ Vorhang siel. ^n^Ä Ä Bedeutung voruberzM.noen^ Notwendigkeit vorhanden,
und Dr Eugen Kilian hat in seinen dramatischen Blattern fchou vor Jahren diese Geschmacklosigkeit abzustellen gesucht .^tt - oder 25 Männlein kann man heutzutage niemand mehr cm ^tomer^
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luijung, drei Kabel von Emden nach Bacton, zwei Kabel von Emden nach Lomestoff, ferner 8 Leitungen über die Niederlande und Belgien, insgesamt 28 Leitungen. Die starke Entwickelung des telegraphischen Verkehrs macht eine Vermehrung notwendig. Es ist deshalb beabsichtigt, ein neues Kabel mit 4 Leitungen zwischen Emden und B a c t o n zu verlegen, so daß 32 Leitungen zur Verfügung stehen werden.
Aus Hessen,
Erhöhung der Zivilliste des GroßhcrzogS vom 7. Dezember 1912.
Der Zweiten Kammer ist folgender Nachtrag zur Regierungsvorlage vom 7. Dezember 1912 zugegangen:
Mit den Gesctzciitwürfcn über den Wohnungsgcldzuschnß und die Gchaltc der Staatsbeamten hat die Regierung den Ständen eine Vorlage über die Erhöhung der Zivilliste Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs (Drucksache 2. Kammer Nr. 278 S. 215) zugehcn lassen, in welcher der in der Anlage 8 der Drucksache 2. Kammer Nr. 155 berechnete Betrag von 7 5 0 00 Mark zur Aufbesserung d e r H o s b e a m t c n und -Bediensteten sowie des Personals des H o f t h e a t e r s und der H o f m u s i k den Ständen angesonnen wurde. In der Verhandlung des Plenums 2. Kammer vom 4. Juli 1912 wurde von der Regierung (Protokoll 34 S. 986/87) bereits darauf hingcwicsen, daß die geforderten Mittel m i d) t hinreichen wurden, um die Hofbcamten und -Bediensteten in ihren Bezügen mit den Staatsbeamten gleichzustellen, und bei der Verteilung der Mittel hat fid) aud) ergeben, daß die geforderte Summe von 75 000 Mark zu einer zulänglichen Aufbesserung der Hofbcamten und -Bedienste- tcn und zur Beseitigung unhaltbarer Unstimmigkeiten ui bereit Gehaltsverhältnissen tatsächlich nicht ausreicht. Es konnte daher aud) nicht ausbleiben, daß aus den beteiligten Kreisen Vvrstellun- gen wegen aiigemessener Erhöhung ihrer Bezüge erhoben wurden. Auch die 1. Kammer hat die Unzulänglichkeit der provisorisch bewilligten Erhöhung der Zivilliste anerkannt und ans Antrag ihres Finanzausschusses in der Plenarsitzung vom 15. März 1913 einstimmig den Beschluß gefaßt: „Großh. Regierung zu ersuchen, den Ständen alsbald eine Vorlage zu machen, tvonach die Zivilliste S. K. H. des Großherzogs vom 1. April 1913 an um einen ben Bedürfnissen ber Haus- unb Hofhaltung angemessenen ergänzenden Betrag erhöht wird."
Die Vorlage weist im einzelnen nach, in welcher Richtung die Erhöhung der Beträge für die erwähnten Beamten fid) bewegen würde und kommt zu folgendem Schlüsse:
Es wird sonad) die Zivilliste, um den unter Ziffer 1 bis 6 genannten Anforderungen gerecht werden zu können, um weitere 5 0 4 3 8 M k. ober r unb 50 000 M k. zu erhöhen sein.
Es lvird also jetzt eine Erhöhung der Zivilliste von insgesamt 125 000 Mark verlangt.
Zahlung von Einkommensteuer seitens des hessischen Staates an die Gemeinde Bad-Nauheim?
Ter Abgeordnete I o u tz, hat in der Zweiten Kammer folgenden Antrag eingebracht:
Hohe Kammer der Stände wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen, einen Gesetzentwurf baldigst vvrzulegen, welcher bestimmt, daß der „hessische Staat" an die „Gemeinde Bad-Nauheim" E i n ko m m e n st e u e r bezahlt von denjenigen Einnahmen aus dem Geschäftsbetrieb des „Bades Bad- Nauheim", welche nicht zur Erhaltung des Bades dienen, sondern zu allgemeinen Staatsbedürfnisfen des Landes Verwendung finden, wie beispielsweise d e im Staatsvoranschlag pro 1913 vorgesehene Summe von 200 000 Mark.
In der Begründung heißt es u. a.:
Die Gemeinde Bad-Nauheim ist durch die mehrfach berührten pekuniären Aufwendungen zur Entwickelung des Badeplatzes zu großen Schulden gekommen, die jetzt schon über eine Millio n M a r k betragen; durch den Streit mit ber Stadt Friedberg wegen des Abflusses ber Nauheimer Abwässer in ben Usabach ist eine Neukanalisativn in ber Gemeinbc Bad-Nauheim Heer Vortäuschen — das bringt nur Unruhe auf die Bühne.und mehr noch 'in die Zuschauer, wie man gestern erlebte. Es genügt zur Illusion vollkommen, wenn man sich das Heer an der Seite vorbeiziehen denkt unb — falls mau ein mehreres tun will — noch Wasfengeklirr ertönen läßt. Ein kümmert ick) sichtbarer Zug aber zerstört unfehlbar jede Illusion. Sonst war die Aufführung sehr hübsch. Herr B r u chwitz war ein eindrucksvoller Hermann : kein Opernheld, sondern ein schlichter, willensstarker Mann, der sein Weg ging, treu und fest. Frl. S t e 11 n e r gab als Thusnelda das spielerische, anmutige und ein bißchen kokette Weibchen, das Kleist aus ihr gemacht hat, und versagte auch nicht als unerbittliche Rächerin ihrer gekränkten Eitelkeit. Klar und kräftig war der Marbod des Herrn Schubert: seine Sprache voll Mark und Gewalt. Als Barns schuf Herr Dworkowski darstellerisch eine sehr feine, scharf umrissene Figur: schade, daß sein Organ nicht Klang genug hat. Die Eigenart der Stimme beeinträchtigt and) Herrn St einhofer s Leistungen, der im übrigen ein guter Venditius war. Von den zahlreichen anderen Darstellern wären itod) zu nennen die Herren Volck, Goll, Grosser, R o 11 e d, Grosser-Braun unb Bochum, sowie Frl. D a g n h.
Eingcleitet wurde die Vorstellung durd) einen von Herrn Direktor Steingoetter verfaßten Prolog, den Frl. Ida Strack in Verhinderung des Frl. SonMag-Blume vorlas.
N.
— Wiener Burgtheater: D i e deutsche Uraufführung von Bernard Shaws Komödie „Pygmalion". Aus Wien, 1. Oktober, wird uns geschrieben: Wie macht mau aus einem Blumenmäddi-en eine Herzogin? Ties Rezept läßt Bernard Shaw ieinen neuesten Helden Henry Higgins, einen Professor ber Phonetik, ber es bis zur Unterscheidung von 132 Vokalen gebracht hat, angeben und ausführen. Man nimmt ein kleines wildes Mädel — Eliza Drolittle mag sie heißen, — von der Straße in sein Haus, treibt ihr nach allen Regeln der phonetischen Kunst den greulidjcn Gassedialokt aus und bringt ihr die Sprache und das Benehmen der feinsten Leute bei. Freilich, sehr leicht wird der schonen Eliza die Schicke bei Meister Higgins nicht, der zwar um Kehlkopf unb Stimmbanb glänzcnb Bescheid weiß, sonst aber ein arger Flegel ist, dessen ungenierte Kraft- ausdiücke und Brutalitäten sicher teilt gutes Beispiel geben, wenn sie auch in bei Literatur der letzten hundert Jahre mandx gutes Beispiel haben. Aber das ist nicht die einzig köstliche Anti- qnität in dieser modernen Komödie des Herrn Shaw, ber, sonst' bitterbös und bissig, fick) hier gar versöhnliche gebürdet, indem er alles -,it einem guten, rührenden Ende wie weiland die alte Birch-Pfeiffer führt. Also: Das Experiment gelingt, Eliza, das Blumenmädchen wird, wie eine Herzogin sein soll. Und wenn sie hie unb ba aus ber Rolle fällt unb das aus dem Theater nock) immer wirksame Wörtlein „Dreck" sagt — man hälts für ben modernen Ton und macht ihrs nad/, wie etwa die ehrgeizige Clara Eynsford. Merkt ihr die Satire? O, euer bitterböser Shaw hat noch andere Kugeln im Lager. Er läßt den versoffenen
iiciroenbig geworden, die diese Summe nod) um einige hunderttausend Mark erhöhen wird. Andere Aufwendungen im Interesse des Badeplatzes und damit auch zuin plekuniären Nutzen des Staates an direkten und indirekten Einnahmen bleiben nicht aus, wie beispielsweise der Ban eines Schlachthauses, und wenn ich meinen Antrag als die Vollziehung eines Aktes der Gerechtigkeit ein- gangs vorstehender Begründung bezeichnet habe, so dürfte id) auch mit meinem Anratg, als Verhältniskenner Bad-Nauheims seit einigen Jahrzehnten, eine Pflicht erfüllt haben, bereu Erfüllung eine große Zahl ber Einwohner bes Wahlbezirks erwarten bart.
Der Kaiser am Rhein.
Bonn, 27. Okt. Der Kaiser empfing heute vormittag den Monsignore Wilpert aus Rom Heute nachmittag unternahm der Kaiser eine Automobilfahrt nad) Maria-Laach. Er traf um 23/< Ubr in Maria Laach ein unb würbe an der Abteikirche vom Abte Hilse- fnso Herwegen und ben Patres des Klosters empfangen. In 93e- gleituug des Kaisers befinden sich Prinz und Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe, de rOberpräsident der Rheinprovinz Freiherr v. Rbeinbaben und Regierungspräsident Dr. Steinmeistcr- Klu. Ter Kaiser besichtöigte unter Führung des Abtes die Kirche und die Anlagen des Klosters. Um 43 \ Uhr fuhr der Kaiser nach herzlicher Verabschiedung von dem Abte und den Patres nach Bonn zurück.
Ter Kaiser hat um 10.40 Uhtz int Hofzug die Reise nach Leipzig angetreten.
Die Reichztagrersatzwahl für vcbel.
Hamburg, 17. Okt. Bei der burd) ben Tob Bebels erforderlichen R e i ch s t a g s c r s a tz iv a h l erhielten Rechtsanwalt Karl Petersen (Forlschr. Vollspartei) 4737, Hauptpastor Rode (Natl.) 2421, Landrichter Koch (Kons.) 984, Arnholdt (Deutsch-Soziatt 225, Redakteur <3t ölten (Soz.l 17 533, zersplittert waren 143 Stimmen. Stollen (Soz.) ist bcniuad) gewählt
Bei ber letzten Hauptwahl siegte Bebe 1 mit 20 633 Stimmen. Aus Dr. Brabanb (Fortschr. Vp.) entfielen 6331 und auf Hirsch (Natlb.) 2999, während für Beran (Zcntr.l 274 und für Raab (Deutschsoz.) 196 Stimmen abgegeben wurden.
ANS Stadt NNd Land-
Gießen, 18. Oktober 1913.
** Von der Universität. Der Großherzog hat den Privatdozenten Dr. Karl F e i st in Gießen zum außerordentlichen Professor bei der philosophischen Fakultät ber-Landesuniversität ernannt.
** Neuer Pfarrer. Der Großherzog hat, wie amtlich gemeldet wird, dem Pfarrer Hermann W ö r i ß h o f f e i zu Pohl-Göns die evangelische Pfarrstelle zu Nicder-Eschbach übertragen.
** Oberhessischer Kun st verein. Die Ausstellung Hessischer Künstlerinnen ist nur noch morgen Sonntag geöffnet. Von Montag an bleibt die Ausstellung wegen vollständigem Wechsels der Gemälde 4 Tage geschlossen. Verkauft wurden noch aus der jetzigen Ausstellung von Elsa Maeter-Darmstadt. 3. Zeichnungen „Picknick", „Umsonst" und „Malschüler" von Mathilde Steg- mayer-Darmstadt „Ranunkeln" Oelg. Die verkauften Bilder gehen in Privatbesitz in Gießen über.
** „Die Schrecken des Krieges." Man bittet uns. folgendes mitzuteilen: In dem am 23. Oktober ffu Neuen Saalbau angekündigten Lichtbildervortrag werden vom Kriegsberichterstatter Eugen NeidisfreiHerrn v. Bi n d c r - Kr i e^ l stei n über 200 Lichtbilder aus den Feldlagern und über die Schlachten und Kämpfe in Albanien, Tripolis und auf dem Balkan vorgeführt. Die „Breslauer Morgcnzeitung" schrieb über den Vortrag: „In unseren Tagen, da die Herren Diplomaten fick) eifrigst bemühen ,das Bild der politischen Lage nur ja nicht hell zu beleuchten, sondern mit geheimnisvollen Schleiern zu verhüllen,
Vater Elizas mitspielen und eine lebenskräftige Philosophie des unverschämten Armen entwickeln, der mit königlichem Stolz aus seiner prinzipienfesten Unmoral so geschickt Kapital schlägt, daß vor feiner ehrlichen Lumperei die Ehrlichen wie Lumpe erscheinen. Merkt ihr die Satire? Und dann kommt der Sag, an dem Eliza flügge wird und — Schöpfung ihres Meister-' HigginS — eigenes selbstherrliches Leben bekommt. Pygmalion- Higgins aber, der über der gelungenen Aufgabe das Interesse an seinem „Werk" zu verlieren droht, findet sich, als dieses ihm den Rücken drehen will, allzumenschlich interessiert, zumal sich auch das ehemalige Blumenmädchen in den widcrl-aarigen Geselleii — o, Marlitt! — langsam, aber sicher verliebt hat. So sdstießt die Komödie mit einem kreuzbraven Aspekt für den herzlich amüsierten Zuschauer, der mit seinen sittenreinen Töchtern lauterste Freude an den Evolutionen haben darf, die Shaw, ein wahrer Pegoud des Dialogs, virtuos ausführt. Die Darstellung des von Siegfried Trebitsch übersetzten Stückes wa: ausgezeichnet. Das Publikum war fickstlick) gefesselt und kargte nick> mit beifälligem Dank. Lange nicht so warm, aber doch respektvoll war der Applaus, den Wedekinds Sittengemälde „Musik" bei seiner Premiere im Deutschen Volkstheater crzielti Tas Stück, das sckwn von anderen Bühnen her bekannt ist, sank eine gute Wiedergabe, an der dem Fräulein Bore als Klara Hühnerwadel das meiste Verdienst gebührt. Viel leichter ward es dem Publikum, der scharf pointierten und glänzend geschliffenen Komödie „Bürger Schippel" von Karl Stern heim zu folgen, der unzweifelhaft ein Meister der Satire auf das Bürgertum ist und Dank der einwandfreien Ausführung an der Residenz bühne (mit Herrn Forster in der Titelrolle) freies Lachen entfesselte. Unverdient war aber das milde Schicksal, das dem plumpen und ganz unhaltbar falschen Versdrama „M e d u s a" von Hans K Yser widerfuhr, das eine neugegründete Gesellschaft „Das Theater der Fünfhundert" in dilettantischster Aufmachung ihren Mitgliedern servieren zu müssen glaubte; die Zuhörer machten nur aus Wohlerzogenheit zu dem bösen Spiel eines von Keuschheit zerrütteten Knaben gute Miene. Dr. M. M.
— Der gestohlene Pinturicchio in London. Unerwartet schnell ist es den italienischen Behörden gelungen, den erst vor wenigen Tagen in Spello gestohlenen Pinturicchio ausfindig zu machen und zu beschlagnahmen: auf telegraphische Verständigung der Florentiner Polizei wurde in London ein soeben eingetroffener Koffer festgehalten, in dem sich, sorglich zwischen Wäschestücken verborgen, zusammengerollt das entwendete Meisterwerk vorfand. Auch die Vorgeschichte des Diebstahls ist geklärt und die Schuldigen sind verhaftet. Es.handelt fid) dabei um den Marchese Bernabo di Angelo, um einen in London lebenden ttalie- Nischen Bildhauer Manenti und um den Pfarrer von SpFlo Don Luigi Santarelli, der Beihilfe geleistet hat. Bei der Verhaftung des Marchese Bernabo in einem Florentiner Hotel fand man nod) eine ganze Reihe von .Kunstgegenständen, eme alt- venezianische Madonna, einen bronzenen Fraunkops, Elfenbern- (tatuetten usw.


