Nr. 196
Tie „•icfjcner LamlliendlStter" werden dem ,9Injctflcr' viermal wöchentlich beigelegt, das „KrrHblatt fir den Kreis Liehen" zweiinal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Seil- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Zweiter Blatt 165. Jahrgang
Lietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheften
Freitag, 22. Angnst V~»15
iRotnlionibrucf «mb Vertag hn 'flitonötn llniucrpieis - Buch- und Stcmbnideeei. bi. fange, (i>trj»n.
Redaktion, Expedition und TuicTecei. 6cM- strane 7. Expedition und Verlag: eg») M. Redaktion o^lLL. Iek.-Adc^A>ije:g«G'^pen.
politische Tage-schau.
Ein Brief Carnegies über den Kaiser und den Weltfrieden.
Andrew Carnegie richtet im neuesten Heft von „Nord und Süd" an den Herausgeber dieser Zeitschrift, Prof. wig Stein, einen offenen Bries über das Problem des internationalen Friedens, der in diesen Tagen des Haager Fric- denskongress^S besondere Aufmerksamkeit finden wird. Ter . Multimitfionärs beschäftigt sich in dieser Acuftcrung besonders mit dem Wirken unseres Kaisers für ben Weltfrieden:
„Der Mann, auf den sich im Augenblick die Aufmerksain- feit der Well konzentriert, ist der Kaiser von Deutschland, dessen fegendreidx 25jährige Regiernngszeit inuinterbrod'Citen Friedens ihresgleichen sucht Als Haupt der größten Militärmacht bet* t er „Ter Frieden meines Landes ist ein mit heilige Sache." Würde er die zivilisierten Mächte zur Beratung mit Deutschland darüber einladen, ime der Wcltsriedc gesichert werden könne, so dürfte die Antwort eine rasche und allgenteine sein, und wir zweifeln nicht, das, ein zufriedenstellender Vertrag zustande käme. Kaiser Wilhelm hat während seiner Regierungszeit eine grohc Rolle in der Weltgeschichte gespielt. Dem Kriege gegenüber verhielt sich bisher durchaus ablehnend. Nie bat der deutsche Kaiser das Schwert gegen den Feind gezogen, und darum verbeugen »vir Pazifisten uns vor dem Kaiser."
Für die Abschaffung des „persönlichen Krieges", des Duells, das „die künftige Mschasfung nationaler Äricgc so sicher vorbereitet, wie der strahlende Morgen her dunklen Nacht folgt", habe der Kaiser gewirkt. „Der Rückgang des Duells in Deutschland von 1200 schmachvollen Fallen zu 12 im Fahr ist das persönliche Werk des Kaisers, bet erst im letzten April wieder den Armeekominandan- teu die Verfügung zugehen lieft, immer noch größere Einschränkungen dieses barbarischen Altes zu veranlassen. Bezeichnend ist auch die jüngste Abstimmung im Reichstag über die beantragte Mschasfung des Duells: alle diese Punkte sind geeignet, uns in dem Mauden zu bestärken, das; persönlich.r Krieg bald etwas sein wird, was in den sogenannten zivilisierten Ländern unbekannt ist." Dieser hossnungsfreudige Glauben des Multimillionärs wird seiner Ansicht nach dadurch bestärkt, daß der früher bereits von England, Frankreich und Amerika unterzeichnete und von Deutschland gutgeheiftene Friedensvertrag, demzufolge internationale Streitfälle durch Schiedsspruch ausgeglichen iverben sollten, wieder im Parlament des Weltbundes eingebracht werden soll. Der Vertrag wurde damals durch die Ablehnung des Senats der Vereinigten Staaten zu Fall gebracht, und Carnegie teilt jetzt als ben wahre, Grund für das Fehlschlägen dieses großangelegten Planes „die unverantwortliche, kaum glaubliche Tatsache" mit, da ft der damalige Präsident der Vereinigten Staaten den vor- geschlagenen Vertrag dem Senatskomitee gar nicht unterbreitete, so daß die Senatoren davon erst durch die Mor- genzeitungcn erfuhren und nun in ihrer Wurde gekränkt den Friedensvertrag mit nur einer einzigen Stimme Mehrheit zurückwiesen. Ter jetzige Präsident, der die Felsen kennt, an denen sein Vorgänger gescheitert, ist als eifriger Freund der Friedensidee bekannt und wäre wohl zu der „erhabensten aller Missionen" befähigt, die führenden zivilisierten Volker zu einem Friedensvertrage zu vereinigen
Man darf nicht alles für bare Münze nehmen, was hier Herr Carnegie offenbart. Die Balkankriege liefern doch wohl auch einiges Material zur Beurteilung dieser Frage. Und wenn der Kaiser uns bisher den Frieden erhalten hat, so geschah dies auf Grund des unaufhörlichen Strebens, die deutsche Wehrkraft so zu gestalten, daß kein Feind es wagt, über Deutschland herzufallen.
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Komische Rache eines norwegischen Marineleutnants.
Dlus Flensburg wird berichtet: Tie Insel Wegö im Romsdalsjord an der norwegischen Küste steht im Mleinbesitze des norwegischen Marineleutnants und Rittergutsbesitzers Coucheron Aamot. Diese Insel wird viel
fach von deutschen Touristen besucht, und selbst brr Kaiser war «Aast von Coucheron A.imot Fr, Zukunft wird das nicht mehr ber Fall sein. Der Leutnant unb Gutsbesitzer C -A. bat nämlich allen brutschen Staatsbürgern das Betreten seiner Fusel untersagt. Er hat dieses Verbot auch erlassen an sämtliche Touristen deutscher Dampfer und Luftsegler, und zwar ist ihnen das Anlegen in bei, drei Hksen dieser Insel der boten. Miteinbegriffen sind die Barkassen {amtlicher deutscher Kriegsschiffe. C -A. geht noch weiter. Er hat sänltliche Geschäflsbeziehungen abgebrochen zu den ienigen Firmen, die deutsche Jndustrietvare auf Lager haben.
Dieser Deutschenhaß ist angeblich auf folgende Ursache zurückzuführen. Im letzten Ämter wollte der norwegische Marineleutnant einen Vortrag in einem gesellschaftlichen Verein des Kreises S o n b c r b u r g über ein landwirtschaftliches Thema halten. Der La n d r a t des Kreises Sonderburg, Schonberg wies den norwegischen (9oft kurzerhand aus Norbschleswig. auS. Der Norweger ivar über dieses Verbot so betroffen, baß er zunächst versuchte diese Anordnung auf diplomatischem Wege rebreffiert zu bekommen. Vermutlich ist ihm dies nidit geglückt und deshalb schreitet er zu dem Boykott der Deutschen unb ihrer Jnbustrieerzeugnisse.
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Ter Zusammentritt des preußischen Landtags zu einer Herbsftagung
bürste ziemlich sicher sein. Eine enbgültige Entscheibung über biefe Frage im Staatsministerium ist, wie uns aus Berlin geschrieben wirb, zwar vor Enbe September nicht zu erwarten, boch beuten gewisse Anzeichen bereits jetzt bahin, baß eine Herbsttagung Anfang November geplant ist. Der neue Etat kann zwar vor Anfang Fanuar nicht vorgelegt werben, ba seine Anmclbungcn burch bic Ressorts erst An fang September eingehen unb die Etatsaufstellung etwa 10 Wochen in Anspruch nimmt. Dagegen will man bic im Lanbtagc erhobenen Klagen über Arbcitsüberbürbung ba burch beseitigen, daß man die Etatsberatungen entlastet unb bas bereits fertig gestellte übrige Material bem Landtage bereits vor Weihnachten unterbreitet. Durch diese Maßnahme könnten die vorgclegten größeren Gesetze, bic bereits fertiggestellt finb, wie die neue Steuernovelle, bas Fibei- kommrßgesetz, das Fischereigesetz, das Parzellierungsgesetz, bic Novelle zum Kommnnalabgabengesetz und bic neuen Lanbesverwaltungsgesetze, sowie bas Ausgrabungsgesetz, sämtlich bis Weihnachten in erster Lesung beraten fein, so baß ber Ausschußberatung nichts im Wege stäube.
An» Reffen.
Die Industrie und das Gemeindeumlagengeseh vom 8. Juli 1911.
Der Verband Mitteldeutscher Industrieller (Sitz: Frankfurt a M.) hat an die Firmen der hessischen Industrie das uachstehende Rundschreiben erlassen:
Tas neue Gemeindeumlagengesetz vom 8. Jul, 1911 hat bereits bei der ersten Veranlagung, die auf Grund dieses Gesetzes erfolgte, in weiten Kreisen ber hessischen Fnbuslrie lebhafte Beunruhigung hervorgerufen, die in öffentlichen Kundgebungen mannigfacher Art ihren Ausbruck gefunden hat. Der Verband Mitteldeutscher Fnbustrieller, der in seiner Organisation eine Zusammenfassung des gesamten hessischen Unternehmertums zur Wahrung industrieller Fmeressen gegenüber anderen Berufsständen unb beren Organisationen an strebt, bat deshalb der Frage der Wirkung des Gesetzes auf die Prosperität der hessischen Fndustrie seine Aufmerksamkeit zugew.ndct unb ins Auge gefaßt, die gesetzgebenden Instanzen, talls in dem Gesetz enthaltene Härten und Ungerechtigkeiten in weiterem Umfange in den Kreisen der hessischen Industrie empfunden werden, über die Ergebnisse der auf Grund des Gesetzes erfolgten ersten Steuerveranlagung zu unterrichten unb um Abstellung der Mängel zu bitten. Es kann kein» Frage sein, daß das neue Gemeinde- Umlagengesetz nach einer saft 7 jährigen heftigen Diskuffion schließ
lich ans Grund von >kvmpromissen eine Fassung erhallen bat, die i n weitem Maße die L a n d w i r l f ch n s k privilegiert. Hier fei nur hervorgeboben, bar Anil! 3 .isi 6 des Gesetzes die Grundsteuerfreiheil der lairdwirtschaftlicben Ccfo- rwmiegebäude norid reibt, während die Aufbewahrungsräume für alle nicht lanbnnrlschafNicken Produkte, insbesondere Fnduürie- crzeugnisse, von der Grundsteuer erfast werden, daß ferner allein das land- unb forstnnrtjchaftliche Grundvermögen nicht nod: d m gemeinen Wert veranlagt zu werden Iraudt, sndeni > dem ErtragSnren beun. einem „Mittelwert" uviidKii Ertrags und gemeinem Wen eingeschätzt werden kann, das: ferner vor allein die daS gcwerblickie Anlage- und BetriebSlapilal in jo auf? rcr^ent* Itdient Mab crfaffendcn Zuschläge nur das Gewerbe, niuit aber die Landwirtschast tressen, und das- schließlich mim £ 2 .. i. 2 der Verordnung vom 3. August 1912 der ArbeilSvertrag ..des selbst wirtschaftenden Eigentümers unb feiner im Betri b tätigen oa* rnilienangchörigen" bet ber Ermittelung deS reinen Eiuk'.'MtnenS eines landwirtfchaftlichen Betriebes zwecks Bildung des EnraaS- ivertcS abgezogen werden darf, ban dagegen ein Abzug be? Ar • beiiSertrags des Fabrikanten und feiner Familienangehörigen von dem gewerblichen Ertrag nicht gestattet wird.
Fn der östentlichen Diskussion ist vor allem darauf hingennefen worden, daß insbefondere Betriebe, die mit einem relativ kleinen Kapital einen groben Umsatz erzielen oder die in weitem Umfange mir fremdem Geld arbeiten müssen, in geradezu unerträglicher Weife durch das neue Gesetz getroffen worden feien und bau baS Gesetz Steuqrfäpe enthalte, die im Durchschnitt die Höbe inm 10 Prozent des Einkommens erreichten, so bah in manchen hessischen Städten die gewerblich tätigen Steuerzahler an StaatS- und Gemeindeabgaben 20 Prozent ihres Einkommens abzugeben hätten. Um bic im Interesse der hessischen Industrie gebotenen Maßnahmen treffen zu können, bitten wir Sie ergebenft, unS mit teile n zu wollen, ob'Ihrem Betrieb das Gent ein deurnlagengesetz von 1911 eine neue Belastung ober eine Entlastung gebracht hat. Bon Interesse wäre für uns auch zu tvisfen, welchen Umfang die direkten Abgaben an Staat und Gemeinde für Ihren Betrieb angenommen haben und in »oelchen gesetzlichen Bestimmungen oder in »oelchev Maßnahmen der VeranlagungsbeHörbcn Sic evtl, die Gründe füt eine übermäßige Belastung durch das Gcmeinbeumlagengesetz erblicken.
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Beteiligung von Beamten an Konsumvereine».
Von gut unterrichteter Seite erhalten wir folgende Mitteilung:
DaS Gr. S taakStninisteriuin hak in einem an sämtliche Gr. Behörden unb Beamten gerichteten Nunb - schrciben mitgeteilt, auS Kreisen deS Mittelstandes würde darüber Klage geführt, daß Beamte sich während der Dienstzeit unb unter Benutzung dienstlicher Räume durch Einkauf, Lagerung unb Abgabe von Waren zu Gunsten von Bcomten- fonfunweretnen betätigen unb hterbtirch sowie burch Beteiligung an ben Vorslänben unb AusfichlLräten bernrliiicr Vcreme eine schwere Schädigung des Mittel >lo> 5 bewirken. Auf Beschluß de§ Reichstags vom 3. April b. Fs. finb auch Bittschriften, bic sich gegen den von Beamten betriebenen geheimen Warenhandel richten, dem Herrn Reichs* kanzlcr zur Berücksichtigung überwiesen worben.
Im Hinblick hierauf macht baS Mimslerimn darauf auf» »ierkfam, baß eS nicht gestattet ist, Dien st st un ben zu Arbeiten in Konsumvereinsangelegenheiten zu oerroenben. Diensträume bfirfen zu Warenverkaufs- und LagerungSzwecken nur in Ausnahmefällen nnb nur mit besonderer Genehmigung deS vorgesetzten DsinisteriumS her- gegeben werben. Tic Genehmigung wirb stets dann versagt iverben, wenn nach Lage deS Falles in der Bemitzmig der Räume eine vermögcnSrechtliche Begünstigung der Konsum- vereine zu finden ist. TaS Gleiche gilt auch für einen gemeinsamen Warenbezug von Beamten, wenn zur Lagerung dienstliche Räume benutzt werden.
Kaifer Wilhelm un» Suzanne Despres.
Unter allen ftanzö fischen Schauspielerinnen steht die kraftvolle Realistin Suzanne Teepres, die nnvergeßlidie Fille Elim des Goncourtfcl en TramaS, ber deutschen Kumt unb bem beulfchen Empfinden am nächsten Dis Fehlen gcntooll eleganter Liebens nmrbigfcit, die innige Särticiiheit unb Sachlickke,l ihres- Austretens gerade haben ihr unsere Herzen im Sturm gewonnen. >TaS ahnte der Fmpresario Fos. F. Schurmann voraus, als er Die Künstlerin zn einer Tournee burd^^md)(anb bestimmte
'rocr ein Triumphzug, dm die MiimtlefflPüTe in ihrer Hermat so viel für germaniid-: Kunst und besonders für das Drama Ahsens gewirrt batte, mii ihrem Gasn'piel in Dresden antrat. Ten Höhepunlr crreid;t€)i jedoch ihre Erfolge in Berlin, wo sie audi Gelegei'.^it fand, vor Mn Maner zu ipicfai. Fn einem feiner interessanten Erinnerungsblättcr an die „Sterne auf der Reise" di' Sdurnlann in ben „Annales" Dcrüftentlidit, erzählt iin« der ^Impresario von ber Begegnung des Monarchen mit ber großen Äl:auspieleriu .
^urä feine pcrfönlubcn Begehungen harte er erlangt, bar ber Kaiser bei der ersten Vorstellung im Neuen Theater in Berlin anwesend war, alxr nach bem ausdrücklichen Wunsch Seiner Majestät mutten sie mit einem funmaien >-tück debütieren, und st> erschien denn die DesiweS, die nur in modernen Etüden ihr Sellen aibt zuerst als Phädra. D^r Grolg war deshalb auch Nicktt'durchs«--«^ abcr Malier WN^lm erSär-e, er woUe die Üimith-rin aud> in einem modernen <Dtucf leben, unb bqudjtc eine Vorstellung der „Roten Robe" von Bricur. Diesmal verhci der Mend glan-voll unb groMNig. „Der Kni'er ist ent;mit, berichtet Sckn-rmann, „und bittet mich, ihm ouvxnnc a.esprss voriustcllen Iw gebe fic holen: „euiannc, der Kauer bittet birfi in seine Loge, um dick »u beglückwünschen, komm icknell.' ,,zer Kaiser ' Muß ick da gehen?" „Aber genrilV' „Aber ick habe doch stoch nie mit einem Herrscher geredet, ^ch weis- nicht, rote man sich vorstellen, wie mau grüßen, man iDrechen muß- -tu bin doch daran gewohnt. Belehre mich, sage mir, was für em Korn pliment ich anbringen muß. Aber. icfeielL" ,.r,as ist ganz un nötig Gib bidi nur so, wie du bi|t 'JLntroonc ihm, wie du dem Gewöhnlichsten der Sterblichen antworten würdest. Lei du idbn, das wird dvs Beste fein." Sehr erregt nimmt sie meinen Arm, und ich führe sis in die Kaiserloge. Ter Kaiser erwartet ne, gebt tbr entgegen und sagt zu ihr, indem er ihr die .Hand schüttelt: „Madame, Sie sind wahrhaft bewunderungswürdig gewesen und haben als große Künstlerin diese Rolle g es prell, die idt fckon von Mme. Rosane gesehen habe. Dre Kaifeftn vereinigt fick mit mir, um Sie auf das wärmste zu dem Erfolg -u beglückwünsch n, den Sie so gcrcd-tcrroeije errungen." Suzannc schüttelte die Hand des Kaisers, bic ihr entgegengestrakt ist, Mb sagt » u mir halb-
l a :< t: „Großartig, alles geht gut." Der Kaiser spricht mit ihr von den letzten Neuheilen von Paris, von allen unseren, großen Künstlern, die er kennt unb bewundert, von der französischen Literatur unb bem ftan^ifiscken Genius, ben er liebt, von der Entwicklung des Theaters in den letzten I-ahren, deren Hinneigung zuni Alltäglid-n er lebhaft beoauerl. „Was dem Volk fehlt," fagf er, „das find Sckanfpielemitedlenunderhabencn Gefühlen. Das täglidx* Leben ist allzu sehr von häschichcn Dingen durckvgen, so daß es mich amindert, sie auf bic Bühne gebracht zu sehen. Ich liebe Ihre Klassiker, weil sie erhabene Gcsühle ausdrücken, lotil sic ben Geschmack bilden unb edle Gedanken des Opfermutes und ber Liebe erwecken. Ich bin entzückt, zu fcheu. daß die großen französifch.'n Künstler lernen, den Weg nach Deutschland und nach meiner Hauptstadt zu finden, um mein Bolk mit den Werken vertraut ;u machen, die den Ruhm Ihrer Literatur ausmachen. Man wird niemals genug bei uns Corneille und Racine Tennen lernen, und ick fühle mich Üetfi glücklich, an ihrem Erfolg durch meine Gegen wirr und meine Hille tcilzunchmen " Um den Zwischenakt nid» allzu sehr aus zndehncn, verabschiedete ber Kaiser nach etwa .10 Minuten bic Künstlerin. „Der Herrsder hal in seiner Unterhallung nielsts von ber militärischen Strenge, die ihm seine ^ablreicben Photo grayhien geben," mgt ber Errähler timu. „Er hat vielmehr die Miene eines liebenswürdigen. »TtunMüfren und heiteren Herrn Serge Augen von einer durädringenden Bläue Indien ebenso wie fein Mund; er spriäst Französisch ohne ben geringsten Akzent."
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Untenoafferglocfen.
Sobald das Auge des TckiffsführerS bei unsichtigem Wetter nid1’ mehr imstande ist, Lichtsigriale zu erkennen, und das Ohr info'ge störender Luftströmungen und verschieden dicker Nebel- schie.ten die Ricktung und Entfernung der Ouellen über dem Wasi'er gegebener akusttfckcr Signale nicht mehr senzustellen oder bic Signa e nicht mehr wahrzunedmen vermag, muffen andere Mittel zur ÄTiwend'.ing gelangen, um die imterbrDd}cnen Beobachtimgen im Interesse der 2i±crbeit des Schiffes wnzusetzen. Drahtlose Tclkgtarhie unb Unierioasscrsckall-Signale haben fick hierzu als ausi.v zeichnete Hilfsmittel erwiesen, wie aus Hunderten von Berichten hervor gehl, in denen die Schiffsführer die vor-äglichcn Dienst: dieser beiden wichtigen Erfindungen der Neuzeit bervor- beben. Wie wertvoll Unterwasserglocken in solchen Fällen fein lönrer, ist dem großen Publikum wenig genug bekannt: bas eben erfchicnene Jahrbuch des Norddeutschen Lloob mach: nachdrücklich daraus aufmtrtiam. Bei klarem Wetter mögen drahtlose Tele- grcutic unb Rettungsboote ausreich-m, bei unnchtigem Werler aber (T’üllt die erstere nicht voll ihre Aufgabe als Benachrich- ttguttgsmittel in Seenot geratener Fahrzeuge. Bei einer ganzen
Reihe von Schiffsunfällen hat man überall die gleich" Wahrnehmung gemacht, nämlich, daß der Kapitän des geföhedcken Dampfers stets mit Hilfe der drahtlosen Telegraplne andere Sch-.j'C um Hilfeleistung ersuchen unb ihnen seine ungefähre Lage mit- teilen Ibmitc, bas; aber bic zu Hilfe herbeieilenden Schiffe bet Nebel, auch wenn sie in unmittelbarer Nähe waren, die größte Mühe hatten, unter kostbarem Zeitverlust das in Not geratene Schiff aufzufinden. Diesem Mangel erfolgreich »u begegnen, ist eine neue Art vo n Unter iva ff etglo den berufen, die letzt von ben Atlas W.rlen in Bremen hergestell: werten Lbgle'ch bii Hauptaufgabe der Unierwafsirügnate in der .Verhütung ron Schiffsunfällen bestehl, können i'i; auch nach dem Unfall Don großem Werte sein. Hauptsache ist, nach Kollision so schnell wie möglich Hilfe herbeizufchafien. Bei Nebel — die meisten Unfälle auf See ereignen sich im Nebel — gibt es außer bem Unlerwasfer- gle len Signal kein Mittel, um bic genaue Lage des beschädigten Schifics zu fennyndmen. Fedes Schrfi sollte böser eine mit der Hand zu betätigende sogenannte „Not-Unterwasferglede'^ an Bord haben. .Diese Glockn werden an Bord der Sä i;fe im Notfall an einem Davit ins Meer hinabgelassen unb burd. Handbetrieb in Täligkcit gesetzt. Stunden-, iq tagclange Irrfahrten der zu Hilst eilenden Schiffe können durch sie vermieden rverben, ba bas an* gerufene Schiff mit bem Empfänger tnc Richwng feststellen kann, aus der bic Töne der Unterwasserglocke kommen Der Norboeulfche Llovb in Bremen, ber im Fahre 1907 nI5 erste beutfche Schifiahrts- gefellschaft die Unterwasferschallcmpfangsapparate auf feinem Schnelldampfer „Kaifer Wilhelm II " praktisch erprobte und sie alsbald auf seinen Schiften nnführtc, hat im Trebruar b. I. Mischen seinem Dampfer „Retter" unb dem ReichspMampser „Roon" in der Nähe des Weset-LeuchLfchiffes die ersten Versuche mit Not Unterwasserglocken angestellt, bic eurerorbemlicf ;u- friebcnü:[lenb ausgefallen finb und ergeben haben, daß die Signale auf reichlich 6h- Seemeilen sehr deutlich zu Horen waren. Von dem Leiter diefcr Versuche ist weiter berichtet worb.'n, daß es zweifellos möglich gewesen wäre, die Glockentdne auch noch auf eine viel größere Entfernung wahrzunehmen. Jedenfalls ging au; das ixutlicbnc aus dem Versuche hervor, daß die Unterwai'femokglycke mit Handbetrieb weil genug zu hören ist, um praktisch mi: Erfolg D’nvanbt werden zu sännen Der Nordbeutsdv Llovd hat auf Grund dieser günstigen 9teriud*3ecgebmi!'c ben Atlas-Werien sofort bic Herstellung von Not-Umerwasserglocken für die Sämellkommer „Kronvrinzefiin Cecilie", „Kaiser Wilhelm II.", „Kronprinz Wilhelm", „Kaiser Wilhelm bet Grose", sowie für die Dampfer „George Washington", „Berlin", „Prinz Friedrich Wilhelm" und für seinen zurzeit auf der Werft von F. Schichau in Danzig im Bau befindlichen 35 000 Reg.-Tons großen Dampfer „Columbus" in Auftrag gegeben.


