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17.4.1913 Erstes Blatt
 
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steuer der gesamte, nicht nur der im Kleinhandel erzielte Umsatz unterliegen soll, und daH diese Sondersteuer l1/2 Proz. des Um­satzes ohne Rücksicht auf dessen Höhe betragen soll, wird aufrecht erhalten. Diese Sondersteuern hat der Stadtvorstand beschlossen, um die hiesigen Gewerbetreibenden vor der schädlichen Konkurrenz der Warenhäuser und Filialgeschäfte zu schützen und deshalb werden die beschlossenen Steuersätze nicht als zu hoch erachtet. Ueber die Kanalisation der Lohgasse teilt die Großh. Kulturinspektion Gießen mit, daß die Kosten für Trenn- und Mischshstem gleich hoch seien, es sei hier aber das Trennshstcm zu empfehlen. Die Beschlußfassung wird ausgesetzt, bis die dem­nächst beabsichtigte Besichtigung der Kanalisation und Reinigungs- gungsanlage in Lauterbach stattgefunden hat. Es hat sich er­geben, daß zwei W a s s e r a b n e h m e r , denen früher Wasser­messer genehmigt worden sind, verhältnismäßig wenig Wasser verbrauchen, so daß deren Veranlagung zum Wassergeld ganz gut durch Schätzung erfolgen kann. Die Wasserkommission wird be­auftragt, wegen Festsetzung eines Mindestverbrauchs für Wasscr- messer zu beraten und dann hierüber gegebenenfalls wegen Ent­ziehung der Wassermesser oder Hinaufsetzung des Kubikmeterpreises Vorlage zu machen. Da durch den Tod des Nachtwächters Stein die Anstellung eines anderen Nachtwächters notwendig geworden ist, soll die Frage wegen Erhöhung der Besoldung der Nachtwächter mit der Neuaustellung zu­sammen erledigt werden. Die Schreinerarbeiten im Finanzamtsgebäude werden dem Heinrich Straub III., Gebr. Stang, Ernst Fischer, Heinrich Grandhomme und H. Meidt dahier übertragen. lieber die notwendige Vergrößerung des Leichenöffnungsraumes auf dem Friedhof soll von dem Großh. Kreisbauinspektor ein Voranschlag aufgestellt und die Arbeiten dann ausgeschrieben werden. Die durch den Tod des seitherigen Ochsenwärters Georg Straub II. frei gewordene Ochsenwärter st elle soll zur sofortigen Besetzung ausge­schrieben werden. Nach Verlesung einer eingehend begründeten .Eingabe _ des Th. Cellarius und 9 Genossen erklärt sich der Stadtvorstand zur Verpachtung des 30 Morgen umfassenden Weidegeländes aufder Ameisen weide vor dem Stadt­wald an die zu gründende Weidegenossenschaft auf 10 Jahre für 10 Mark je Morgen und Jahr unter der Bedingung einverstanden, daß die Weidegenossenschaft die Kosten der Anlage der gewünschten Wasserleitung mit 4 Proz. verzinst und alle übrigen Kosten, für Unterhaltung der Einzäunung, Düngung der Weide usw. von der Weidegenosseuschast getragen werden. Das Gesuch des Karl Strauch um Ueberlassung eines Platzes für H u n d e d r e s s u r e n am Galgenberg wird abgelehnt, da bei- Platz hierzu nicht als geeignet anzusehen ist. Das Gesuch des Hermann Bahner um käufliche Abtretung von Gelände an der alten Straße wird abgelehnt, da hier nur Ge­lände zu Bauzwecken abgegeben werden soll und ein Atelier nicht als Gebäude in diesem Sinne anzusehen ist. Es soll dem Gesuch­steller jedoch mügeteilt werden, daß ihm noch weiteres Gelände gegen entsprechende Pacht auch auf längere Zeit verpachtet werden kann. Das Gesuch des Wilhelm Komp um Ueber­lassung eines Teils des Ueberlaufwassers am Hochbehälter, das im Prinzip genehmigt wird, wird der Wasserkommission zur weiteren Verhandlung überwiesen. Komp muß sich vor allem verpflichten, dafür zu sorgen, daß der alte Götzener Weg trocken bleibt. Es soll am Ausgang des Ueberlaufs des Hochbehälters eine Vorrichtung angebracht werden, wodurch Komp nur ein ge­wisser Teil des Wassers zugeführt wird. Ferner muß er einen Revers ausstellen und eine jährliche Anerkennungsgebühr von einer Mark entrichten. In der nichtöffentlichen Sitzung wurde weiter die Anschaffung von 100 Leitfaden durch die Inva­liden- und Hinterbliebenenverficherung von Kon-, trollinfpektor Simon-Darmstadt auf Kosten der Stadt und Ab­gabe derselben an Versicherte zum Preise von 10 Pfg. pro Stück beschlossen.

AuS dem westlichen Vogelsberg, 16. April Trotz der winterlichen Temperatur sind schon Rauch- schwalben in die Viehställe zurückgekehrt. Die Kraniche hatten gleichfalls ihren Rückstrich verfrüht ausgeführt. Man konnte hier ganze Schaaren auf dem Felde beobachten, die sich niedergelassen und anscheinend unschlüssig den Rückzug unterbrechen.

Kreis Friedberg.

-1 Friedberg, 17. April. Gestern Abend sand im Gambrinus" eine außerordentliche General-Versammlung des hiesigen Beamten-Konsumvereins statt. Die Versammlung war so stark besucht, wie nie zuvor, und die Verhandlungen, die sich bis zur MitternachtSstunde hinzvgen, nahmen mitunter einen recht erregten Charakter an. Es wurde sestgestellt, daß den Vorstand und den Aufsichtsrat keine direkte Verschuldung an dem -Defizit trifft, das zur Liquidation des Vereins geführt hat, namentlich wurde die Kassenführung als durchaus einwandssrei bezeichnet. Die

Unterbilanz wurde durch die Verfehlungen des Lagerhalters See hervorgerufen, die auch noch ein gerichtliches Nachspiel haben werden. Schließlich wurde mit geringer Mehrheit der Beschluß der ersten General - Versammlung aufrechter­halten. Von den Mitgliedern wird denmach außer dem Geschäftsanteil (30 Mark) noch die Haftsumme erhoben werden. Zur Untersuchung der Unregelmäßigkeiten, die sich der Lagerhalter zu, Schulden kommen ließ, weilt heute die Staatsanwaltschaft in Friedberg.

^.Friedberg, 16. April. Die städtische Technische 9(fabcniic wird morgen, den 17. d. MtS., ihr Sommerfemester beginnen. Da bis jetzt der neue Direktor noch nicht er­nannt ist, so führt einer der Dozenten die Geschäfte des Direktoriums.

(r) Ba d-N anh e im, 16. April. In der heute nach­mittag abgehaltenen Stadtverordnetenversamm­lung teilte der Vorsitzende mit, daß Stadtverordneter Pauli sein Amt aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt habe. Der Ausschlag der G e m e i n d e st e u e r erfolgt nach dem vom Großh. Finanzamt Friedberg ausgearbeiteten Plan. Es sollen erhoben werden 18 Pfg. für 100 Mk. vom Kapitalbesitz, 1236/)0 Prozent Zuschlag zu den Staatssteuern. Auszubringen sind 374,000 Mt. Gemeindesteuern. Das Finanzamt ist der Ansicht, daß diese Summe ohne Erhöhung der Steuer eingchen wird. Die Verleihung der Rechts- sähigkeit für den Kanalisations-Verband Fried­bergBad-Nauheim soll in der von der gemeinsamen Kanal- Kommission ausgearbeiteten Form nachgesucht werden. Von der Kleinkinder schule und der Wilhelms- kirche hat die Stadt 1713 Mk. und 2114 Mk. Straßen-Er- werbslbsten angcsordert. Aus die ausführlichen Gesuche der beiden Vorstände, in denen die mißlichen Vermögens- Verhältnisse beioer Anstalten geschildert werden, beschließt die Versammlung einstimmig, die Kosten auf die Stadtkasse zu übernehmen. Ein Gesuch des Fußballvereins um Ueberlassung eines städtischen Grundstücks als Spielplatz wurde zur Berücksichtigung empfohlen. Voraussichtlich wird dem Verein die frühere Z i e g e n w e i d e zur Verfügung gestellt werden.

S Ba d--Rauhe im, 16. April. Vom 21.23. Juni veranstaltet der Ortsgewerbeverein, der in diesen Tagen sein 25jährigeS Bestehen feiert in den beiden städtischen Schulturnhallen eine Gewerbeansstellung, die mit einer Ausstellung von Lchrlingsarbeiten verbunden ist.

Hessen-Nassau.

[] Marburg, 16. April. Bei schwacher Beteiligung begannen heute die Stadtverordneten wählen und zwar zunächst für die dritte Wählerklaffe. Für die zwei in den Magistrat gewählten Stadtverordneten, Rentier Engel und Rentier Zeiß, waren zwölf Kandidaten vorgeschlagen. Die meisten Stimmen erhielten Bureauvorneher Erdenberger, Glasermeister Ritter, Bäckermeister Louis Menget und Zeichen­lehrer Becker, zwischen denen auch Stichwahl stattfindet.

öertm$nad)rid)tcn.

** Deutscher WShrvereiu. Am 22. April abends 81/, Uhr wird General Keim in Dar m ft a b f in der Turnhalle am Woogsplatz einen Vortrag überWeltlage und Wehrsragen" halten. Am 18. Mai findet in Leipzig die Hauptver- sammlung des D. W V. statt, die eine großzügige Massen­kundgebung des Vereins iverden soll.

CitlOdhifiabrt.

Ein Parsevalluftschiff für die Türkei.

Bitterfeld, 16. April. Hcuie morgen 7,44 Uhr erfolgte der Aufstieg deS für die türkische Regierung bestimmten Luft­schiffesP. L. 9" unter Führung des Negierungsbaumeisters Hack­st etter zu einer Pr ün ng§ fa l)r t. An Bord befand sich der türkische AbnainnelUlsschuß. Das Luftschiff ist mit einem Motor von 40 PS sowie einer iunkentelegraphischen Einrichtung ausgerüstet, es besitzt eine Geschwindigkeit von 11,8 Sekundenmeteril. Nach zweistündiger Fahrt landete das Luftschiff glatt vor der Halle Es hatte in 16 Minuten eine Höbe von 1100 Metern erreicht und somit die Abnahmebedingungen erfüllt. Das Schiff wird demnächst mit der Bahn nach der Türket abgesandt.

Ein Flug Paris-Berlin.

Paris, 16. April. Der Flieger Audeinar ist heute früh 4.51 Uhr von dem Flugplatz in Villa Conblap zu einem Fluge nach Berlin aufgestiegen.

Wanne, 16. April. Der heute morgen zum Wettbewerb um den Pommerhpokal vom Flugplatz Villaeoublay nach Berlin auf- gestiegene Flieger Audemars ist nach einer Zwischenlandung in Bonn ii«, 11V4 Uhr auf dem Flugplatz Wanne-Herten gelandet. Er ge­denkt um 1 Uhr nach Johannisthal weiterzufliegen.

Hannover, 16. April. Der französische Flieger Daueourt, der beute früh 5 Uhr 30 von Paris zum Fluge nach Berlin auf­gestiegen war, ist um 7 Uhr 40 französischer Zeit in Lüttich glatt gelandet. Um 9 Uhr 30 erfolgte der Weiterflug. Um 1 Uhr 5 Min. landete der Flieger auf dem Großen Bult in Hannover und stieg um 3 Uhr 38 Min. zum Weiterfluge nach Berlin auf.

Johannisthal, 16. April. Der Flieger Daueourt, der beute früh bei Paris aufgestiegen ist, ist von Hannover fommenb um 6 Uhr 39 Min. auf dem hiesigen Flugplatz glatt gelandet.

LLniverTitäts-Nachrrchten.

Marburg, 16. April. Wie aus Marburg qe» "nietbet wird, hat der o. Professor und Direktor des chemischen Instituts an der dortigen Universität Geh. Negierungsrat Dr. Theodor Zincke beim Kultusminister die (Hrtbindung von seinen akademischeti Verpflichtungen zum Herbst nachgesucht. Ta Pros. Zineck auch schon im' bevorstehenden^ Sommersemester nicht lesen wird, ist mit seiner Vertretung Prof. Dr. Karl Fries betraut worden. Geheimrat Zincke sielst im 70. Lebensjahre.

Breslau, 16. April Ta die durch Berufung des Geheimtats Prof. Wolf nach Charlottenburg erledigte Professur der Staatswissenschaften an der Breslauer Universität während des bevor steheirden Sommersemesters nicht wieder besetzt wird, hat der 'Kultusminister den Privatdozenten Tr. für. Adolf Hasen­kamp in Kiel mit der Vertretung der genannten Professur in Breslau betraut.

VerinMehLes.

* Brände. In Havelberg brannten drei Geschäfts-- Häuser nieder. Der Gesamtschaden beträgt 250 000 Mark. In Bremerhaven brannte die Geestemünder Herings- und Hoch­seefischerei, A.-G., nieder. Der Brand entstand vermutlich durch Selbstentzündung neuer Netze. Ter Schaden beträgt 600 000 Mark. In der Fabrik der deutschen Teer-Betonwerke, welche neben der englischen Gasanstalt liegt, und sich in Marien- dors befindet', entstand ein gefährliches Feuer, zu dessen Löschung die Feuerwehren von Mariendorf und vieler benachbarter Orte herbeieilten. Das Fabrikgebäude ist zum größten Telle ausge­brannt.

Kleine Tageschromk.

Aus Worpswede meldet man: In der Künstler­kolonie wurde eines der schönsten Häuser, welches der Malerin Ilse Halm gehörte, durch Feuer vernichtet. Dabei sind auch ein Teil der Arbeiten des Architekten Alfred Schulze und eine Reihe unveröffentlichter Kompositionen des Sängers Heinz Tobi verbrannt.

Gsndel,

Eine badische Anleihe.

Berlin, 16. April. Ein Konsortium, bestehend aus der Deutschen Bank, der Direktion der Diskontogesellschaft in Berlin, den Bankhäusern Lazard Lpeyer-Ellisien, Jakob S.H. Stern in Frank­furt a. M., der Badischen Bank, der Rheinischen Kreditbank und der Süddeutschen Tiskontgesellsebast A.-G. in Mannheim, den Bank­häusern Veit L. Homburger und F. Strauß & Co. in Karlsruhe schloß mit der groß Herzog lieh badischen Finanz Verwal­tung eine vierprozentige bis 1930 unkündbare Anleihe von Mk. 28 000 000 ab, welche demnächst zur öffentlichen Subskription aufgelegt wird.

Amtlicher Wetterbericht.

Deffentlidier Wetterdienst, Gießen.

Wetteraussichten in Hessen für Freitag, den 18. April 1913: Wolkig. Regenschauer, Temperatur wenig geändert, windig.

Letzte cbicttt

Verschlimmerung im Bkfinderi des Papstes.

Rom, 17. April. Tie Schwäche des Papstes ist so groß, daß stündlich das Schlimmste befürchtet wird. Die Jnfettion schreitet dauernd fort und zerstört die Lunge. Die Zuversicht des Patienten ist erloschen.

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Gestern m itan */e12 Uhr verschied nach kurzen, aber schweren Leiden unser lieber Vater, Groß­vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel

Konrad Balser VI.

Schneidermeister

im Alter von 68 Jahren.

Dies zeigen hierdurch tiefbetrübt an

Die trauernden Hinterbliebenen.

I. ix N.:

Familie Plnlipp Balser VI.

Familie Ludwig Balser IV.

Albach bet Gießen, den 17. April 1913.

Die Beerdigung findet Freitag nachmittag llbr vom Trauerhause aus statt. 03158

Pfund Mk. 1.50, 1.60, 1.70, 1.80, 2..

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im 38. Lebensjahre.

Die tieftrauernden Hinterbliebenen.

Giessen (Seltersweg 67), den 17. April 1913.

Die Beerdigung findet Sonntag, den 20. April, nachmittags 4 Uhr, vom neuen Friedhof aus statt.

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Am 1. Mai wird die Sammlung geschloffen.

Gießen, 14. April 1913.

Tas Ortskomitee der Stadt Gießen.

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