Ausgabe 
17.4.1913 Erstes Blatt
 
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gterung möchte, roemt_ die Kur öffentlichen Kenntnis gekommenen Berichte sich «als zutreffend erweisen sollten, der Wiederholung derartiger Vorkommnisse Vorbeugen oder jie euer nisch unterdrücken, beim, wenn sie mich an sich ohne.Be­deutung wären, so gäben sie doch zu leidenschaftlichen Erörterungen Anlatz, durch.welche der internationale Ruf der fran­zösischen Höflichkeit geschädigt werden könne.

Ter zu den in Ncu:ch besckchnpsten Deutschen gehörende Ber­liner Architekt Segerbarthold erklärt in einem Briefe aus Metz: Man bat uns inZ Ges i cht geschlagen, die Hüte gcr rissen und Schirme und Stöcke zerbrochen. Hilfe war bei den Polizisten und den Bankbeamten unmöglich, diese waren selbst gegen uns, und .das schönste ist, das alles ist in einem reichsdeutschen Eisenbahnwagen pas - fiert!

Der Naiser in Homburg.

Bad Homburg, 16. April. Der Kaiser begab sich heute nachmittag mit Gefolge und mit den Gelehrten, welche zur heutigen Frühstückstafel geladen waren, im Automobil nach der Saalburg, wo er um 21/3 Uhr auf dem Platze eintraf, auf dem die Pioniere unter Befehl des Hauptmanns Stiller bei den Schanz­arbeiten beschäftigt waren. Das Wetter war schön. Die Schulen Honrburgs und ein zahlreiches Publikum begrüßten den Kaiser mit Hurrarufen. General Hilde mann hielt zunächst einen längeren Vortrag über die Art und die Ziele der Schanzarbei­ten., Die Arbeiten wurden darauf eingehend besichtigt, und der Kaiser imtcrhielt sich längere Zeit mit den amvesenden Herren. Um 4 Uhr wurde eine Promenade nach dem Drei­mühlenbronn unternommen, worauf der Kaiser sich zum Kastell Saalburg begab. Er befahl, daß nun­mehr die Schulen zur Besichtigung der Schanze heran- gelassen wurden. Gleichzeitig erschien über dem Uebungsplatze das ZeppelinluftschiffViktoria Luise". Der Kaiser führte hiernach die geladenen Herrn: durch das Kastell und das Saalburgmuseum. Später wurde vom Kaiser und seinen Gästen der Tee in den oberen Räumen des Saalburgrestaurants einge- n-onrmen. Die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise, welche heute nachmittag zunächst den Prinzen Ernst August nach Frankfurt geleitet hatten und darauf das Scncken- bergsche Institut besichtigt und bei der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen den Tee genommen hatten, erschienen dann auch noch auf der Saalburg. Die Majestäten kehrten daun nach Homburg zurück.

preußische; Abgeordnetenhaus.

Berlin, 16. «April.

Tie dritte Lösung des Voranschlags wurde k^ute fortgesetzt. Längeren Aufenthalt gab es alsdann beim Handels- und Gewerbevoranschlag. Der Mg. Rahardt (Freikons.) schilderte die Lage des Gewerbes als« ungünstig und sprach die Ver­mutung aus, daß wir so schlechte:: Zeiten entgegengehen, wie wir sie seit Ende der siebziger Jahre nicht mehr gehabt haben, eine Auffassung, die der Handelsminister Tr. Sydow als zu pessimistisch bezeichnet. Er glaubt zwar nicht, daß die. Umwick­lung in dem Mähe .fortgeschritten nnti>, wie in den letzten Fahren, aber einen starken Rückgang der Konjunktur befürchtet er nicht. Tagegei: ist Abg. Dr. Ehlers (Volksp.) wieder der Meinung, daß besonders das Kleingewerbe sich in schwieriger Lage befinde, die vor allem nicht noch durch Konkurrenz von be­hördlicher Seite verschärft werden sollte. Für eine Erhöhung des Fonds zur Unterstützung des' kleingewerblichen Genossenschafts- tvesens im Sinne eines Antrags Rahardt erklärte sich auch der Wg. Tr. Schröder-Kassel namens der national­liberalen Partei. Ter Antrag wurde, angenommen.

Die Deckung der Wehrvorlagen.

Hakten sich bis jetzt die Berhandsimgen nur Müde, und ohne sonderlichem Interesse zu begegnen, hingeschleppt, so Wierde das Mit einem Schlage anders, clls dieÄllgemeine Finanz­verwaltung" zur Sprache kaM Und der Abg. Dr. v. Kries (Kons.) naMens seiner Fraktion eine Erklärung zu der neuen Dtzilitarvorlage abgab, des Inhalts, daß, zwar der starke Eingriff, den die Aufbringung des einmaligen Wehrbcitrages in das Gebiet der den Einz-elftaaten vorbehaltenen und das Rück- grat ihrer finanziellen Selbständigkeit bildenden Einkon:Mens- und Verm'ögensbesteuerung darstellt, als eine aus den besonderen Verhältnissen gebotene dbusnahm^maßregel ertragen werden könne, daß aber die Auf bring:: ng der fortlaufende :r Kosten unter völligem' Verzicht auf das dem Reich» in erster Linie vor­behaltene Gebiet der indirekten Besteuerung s ch W e r e B e d e n k e n erregen Müsse: zum mindesten müssen Maßnahmen vermieden werde::, welche due nnaitgiefle Selbständigkeit der Einzelstaaten in Frage stellen und Mit dem föderativen Grirndgedanken des Reiches in Widerspruch treten würden. Die Regierungsvorlage trage diesen Riicksichten wenigstens insofern Rechnung, als sie den Einzelstaate:: die Ausgestaltung der auszubringenden Besitz,steuern überlassen will. Es Müsse aber entscheidendes Gewicht darauf gelegt werden, daß an diesem Grundgedanken festgehattei: wird und die Einzelstaaten davor bewahrt bleibe::, ihre bewährten Steuer- eiurichiungen mit Rücksicht auf steuerliche Maßnahmen des Reiches von Grund aus zu ändern, daß ihnen vielmehr die Möglichkeit erhalten wird, diese neue Besitzbesteuerung in:' Zusammenhang imt ihren "besteh'ad en Finanzeinrickckunqen durchführen zu können.

Tiefen Ausführungen schließt sich der Mg. Frhr. v. Zedlitz (Freikons.) im wesentliche:: an. Er verwirft vor allem die R ei chsverm ö g en s st euer, ein Standpunkt, zu dem sich ällfogleick auch der .Finanzminister nachdrücklich bekennt. Nach­dem« der Abg. Tr. Liebknecht (Soz.) des langen und breiten von einem" verabredeten Drama, einem Pronunciamento der bremi­schen Regierung und der preußischer: "Fronde gegen das Reich ufw. gesprochen :md, der Finanzminister ihn: :richl unwirksam geantwortet hatte, äußerte sich der Mg. Dr. Friedberg (Rat.) unter größter AurMerlfamleit des Hauses dahin, daß er, ohne seinen politischen Freunden iM Reichstage vvrzugrcifen, an den: Standpunkt einer allgemeinen Besitzsteuer fest- halt e n ss c. lieber deren Form, so sagte der Redner weiter, küssen wir, selbstverständlich mit uns reden, wenn sie mrr die­jenigen sozialpolitischen Anforderungen ersiiltt, die wir für not­wendig halten. Deshalb s den wir an und für sich auch der'Frage ziemlich kühl gegenüber, ob diese allgemeine Besitzsteuer etwa eine ReichsverMögei:ssteuer oder eine Reichserbschastssteuer oder eine andere 'Art der Besihbest.'uerung sein wird. . TeM Redner erscheint die Erbschaftssteuer als diejenige, die alle Schwierigkeiten beseitigt, und er "hält es für unverantwortlich, daß man diese Steuer nicht haben wolle. Rach der Rede Dr. Friedbergs flaute das Interesse des Hauses Merklich ab, obgleich noch« eine ganze Mn- zahl Redner zum Wort körn.

Deutscher Reich.

Ein parlamentarischer Abend im Reichsjustizamt.

Aus Berlin wird berichtet: Fm Reichsjustizamt fand am g-erstigen Mittwoch der erste parlamentarische Abmd statt, zu dem Staatssekretär Dr. Lisco und seine Ge­mahlin in der vorigen Woche Einladungen hatten ergehen lassen. _______________________>___________________

Rirehe und Schule,

Hauptversammlung des evangelischen Pfarrvereins im Großherzogtnm Hessen.

Friedberg, 16. April.

Am 15. Und 16. dlpril hielt der evangel. Pfarrvercin im Großherz o tum Hessen hier seine gut besuchte 23. Hmiptversammlung ab. In vollster Einigkeit verliefen die reich­haltigen Verhandlungen. Der Vorsitzende Kirck>enrat S ch r : m p f - Darmstadt erstattete den Jahresbericht, der von eifriger Arbeit Zeugnis ablegte. Man gedachte ehrend der verstorbenen Vereins- Mitglieder Kirchenrat Fischer, Pf. Happel, Kirchenrat D. Fron- Ij auf er, Dekan Stock, Pf. Luhl, L. Schireider, H. Bernbeck und Dekan Schmidt, sowie des Justizrat Dr Lucius, der dem 23 ereilt noch bei letzter Versammlung gedient hatte. Es ward ein g»

schptSsührcnder Vorstand aus dem Vorptzenden und Schriftführer ernannt. Dekan Röscher legte Rechnung ab, welche 3917 Mark Ausgaben, 5172 Mark Einnahme auswies. Der Sckniftleiter Fritsch-Ruppertsburg brachte sein Referat über das Kirchcn- blatt, das 13,25 Prozent Vcreinsmitglieder als Mitarbeiter hatte. Die Wohlfayrtseinrichtungen wie Sterbekasse und Hilfskasse schil­derte Dekan Röscher. Dekan Fink brachte die Punkte des vom Anssck des Landeslehrervereins ausgearbeiteten Entwurfs eines Volksschulgesctzes, welche Kirche und Pfarrer betreffen. Es wird ein Ausschuß ernannt, dazu Stellung zu nehmen und die­jenige des Vereins zu präzisieren. Pfarrer Dittmar sprach über eine zu schaffendeH a u s b i b c l". Dah Thema soll später erneut behandelt werden. In einer gut besuchten Abendver- I ammlun g hielt Pf. Sattler-Staden einen interessanten Vortrag überreligiöse Kunst der Gegenwart". Von Seiten des Kreisamts, der Stadt und des Prediger-Seminars wurden herzliche Begrüßungen gesprochen und erwidert. Der Kirchcngesangvcrein sang unter Pf. Klebergers Leitung prächtige Lieder. Ein Kandidat und 3 Seminaristen spielten einige schöne Streich­quartette.

Am Mittwoch morgen wurden die Verhandlungen fortgesetzt. Tie Vertreter des Kirchcnregimcnts, Geh. Obcrkonsistorialrat O. Petersen, Prof. D. Dr. Schian und Pfarrer Weber- Sendlingen kamen im Namen des Oberkonsistoriums, der eoang. Fakultät und des nassauischen Pfarrvereins. Professor S ch t a n lstelt einen packenden VortragWelche Aufgabe:: stellen die pa­triotischen Gedenktage, besonders die des Jahres 1813, an die Pfarrer". Reicher Beifall und lebendige Aussprache dankten ihm. Dekan Gußmann präzisierte die Stellung des Vereins zu einem Teil des Sttafgesetz-Eutivurfes. Der Verein sprach sich auch für Hinaufsetzung des Strafalters vom 12. auf das 14. Lebens- iahr aus in der Erwartung, daß die in diesen Jahren Stras- fälligen unter Zwangserziehung kommen. Pf. Fritsch sprach im Namen der Sonntagskommission, ermunterte zu wackerer Ar­beit für Sonntagsruhe, beklagte ihre Störung. Aus der Versamm­lung wurde bittere Klage geführt, daß am 1. Pfingsttag die Feiertagsruhe gestört wird durch den großen Prinz-Heinrich- Flug. Pf. L e hr - Ober-Roßbach wurde in die Sonntagskom­mission gewählt. Eine ausfülwliche Geschäftsordnung für die Ver- ttauensmänner des Vereins wird von Dekan-Stellvertreter Br : l l vorgeschlagen und angenommen.

Nachdem die Jahresversammlung der Hilfs lasse und Stcrbekasse durch die Pfarrer Stock- Neckarsteinach und Pf. Nebel-Laubach abgehalten, beschloß ein gemeinsames Mittags­mahl, das gut besucht war, die schön verlaufene Tagung.

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D i e neueste W e l tm i s s i o n sst a t ist i k ergibt für die evangelische H e i d e n mi s s i o n, daß sie durch 295 Misstons- gesellschgsten betrieben wird, die ein Einkommen von 160 987 959 Mk. haben Davon werden an? den Missionsfeldern durch die einge­borenen Christen ukw. 33 189 175 Mk. aufgebracht. Tie Zabl aller evangelischen Missionare, einschließlich der Frauen, beträgt 24 092, die der eingeborenen Helfer 111 862, die Zahl der abendmahlsbe- rechtiaten Christen 2 644 070, die der übrigen getauften Christen 1 605 453. In: letzten Jahre ivurden an Erwachsenen und Kindern 212 635 Taulen vollzoaen In den 34 795 Missionsschulen wurden 1 870 147 Kinder unterrichtet. Ganz Nordamerika bringt für die Mission aus 69 806 ^73 Mk , ganz England 52 243 913 Mk., ganz Deutschland 10 879810 Mark.

Die Nieder-Modauer Kenoflenschaftrkrise.

bs. Darnxstadt, 16. Avril.

In der Vernehmung des Zeugen Neff wird heute fortgefahren. Der Sachverständige, Reg.-Rat Bastian, stellt zunächst an den Zeuge:: eine ganze Reihe von Fragen, über die Verzinsung und über den Wechseldiskont. Weiter gibt der Seuere Auskunft über die verschiedenen Transaktionen. Der Sachverständige fragt auch, weshalb die 275 000 Mk. Uebernahme ohne Zinsen liefen. Eine restlose Erklärung kann hier der Zeuge nicht geben. Für die als dubiose" eingetragenen Forderungen hat der Zeuge keine Zinsen gebucht, weil er an eine Zahlung doch nickt geglaubt hatte. Er hat' so das Abschreiben oerm eiben wolle::. Bei der weiteren Schilde­rung der Zustände stellt sich auch heraus, daß z. B. die Kopier­presse der Kasse eingerostet auf bem Boden stand, lieber die ge­schäftlichen Beziehungen zwischen Adam, Isaak und Pallmann kann der Zeuge keine bestimmte Auskunft geben.

Es kommt nun zu der Frage, ob der Zeuge vereidigt werden soll. Der Staatsanwalt legt bent Gericht ein Schreiben Neffs vor, das bei einer ev. Vereidigung Berücksichtigung verdient. Er beantragt auch die Verlesung dieses Schreibens. Darüber, ob diesem Anträge stattgegeben werden soll, kommt es zu einer Aus­sprache. Nach Gerichtsbeschluß wird die Vereidigung ausgesetzt, und die Verlesung auf später verschoben.

Der nächste Zeuge ist der Generalsekretär Haas. Er ist seit 1905 Generalsekretär des Verbandes hessischer landwirtschaftlicher Genossenschaften. Bors.: Was ist getan worden, um Abhilfe zu schaffen, als sich gewisfe Zustände in Nieder-Modau offenbarten? Zeuge: Es wurden Revisionen vorgenommen und Besuche ab- gestattet. Bors.: Was ist vyn den revidierenden Beamten fest­gestellt worden? Der Zeuge kann hierüber keine Auskunft geben. Vors.: Sind denn keine Strafen angedroht worden? Zeuge: Der Verband darf ja keine Strafen anbrohen. Vors.: Weitere Maß­nahmen, als Revisionen, Besuche usw., sind Ihnen nicht bekannt geworben? Zeuge: Nein, lieber bie wichtigste Generalversamm­lung, in ber die wichtige Urkunde über 275 000 Mk. unterschrieben wurde, tveiß der Zeuge auch nichts mehr, insbesondere weiß er nicht, ob die 275 000 Mk. in die Bilanz eingestellt wurden oder nicht. Vors.: Zu welchem Zwecke haben Sie denn überhaupt an der Versammlung teilgenommen? Der Zeuge schweigt. Ueberhaupt schweigt der Zeuge auf fast jede Frage des Vorsitzenden. Selbst die wichtigsten Punkte sind seinem Gedächtnis entschwun­den. Deshalb ist die Vernehmung dieses Zeugen auch nur kurz. Auf weitere Fragestellung wird allseitig verzichtet.

Der nächste Zeuge ist Philipp Perron aus Rohrbach. Zeuge ist Mitglied des Aufsichtsrates und hat als solcher auch die beiden Uebernahme-Urkunde:: unterschrieben. Die Verteidigung Jhrigs protestiert gegen seine Vereidigung, da die Vorstands- und Auf­sichtsratsmitglieder dasselbe getan hätten, was auch dem Ihrig von der Anklage vorgeworfen wird (was die Verteidigung natür­lich bestreitet): eine Bilanzverschleierung dnrck Sckcknurkmlden herbeigeführt zu haben. Als Vorstandsmitglied hätte auch der Zeuge die Pflicht gehabt, der Generalversammlung von diesem Scheinmanöver Mitteilung zu mache::. Das Gericht verkündet, daß die endgültige Beschlußfassung über diesen Antrag Vorbe­halten wird. Die Vereidigung wird aber vorerst ausgesetzt.

Der Zeuge, der zu den Geschädigten gehört und sein Ver­mögen von 100 000 Mk. verlieren wird, ist begreiflicherweise sehr erregt. Heber die Urkunden gibt er -an, daß nichts von Bezahlung gesprochen worden sei. Der Zeuge weiß bestimmt, daß gesagt wurde, eine Zahlung brauchte nicht geleistet zu werden. Gegen die Behauptung, daß es sich dann also um eine Scheinurkunde ge­handelt habe, wehrt er sich aber ganz entschieden: Späßchen mache man nicht. Erst Nach und nach kann dem Zeugen klargcmacht werden, daß es sich doch um eine Scheinnrkunde gehandelt habe. Auf die Frage, was er sich denn bei ber Unterschrift gedacht habe, erwidert er, daß sich niemand etwas dabei gedacht hätte, denn damals hätte die Bank so ausgezeichnet gestanden, und Herr Kommerzienrat Ihrig habe auch immer erklärt, daß sich die Beträgeabrenten" werden, so daß niemand etwas zu zahlen hätte. Ihrig habe auch gesagt, Niedermc'dau sei die beste Kasse in ganz Hessen. Was unterabrenten" zu verstehen ist, weiß der Zeuge nicht.

Der Zeuge soll dann noch über den Punkt der Begünstigung des Abam burch Ihrig aussagen. Er und sein Bruder haben Ihrig ausgesucht, um mit ihm darüber zu sprechen, ob 9ldam anzuzeigen sei. Ihrig habe ihnen aber abgeraten. Bei einem zweiten Besuch habe er ihnen sogar gesagt, das sei nicht mehr nötig, er käme eben her. Ob Ihrig nun gesagt hat, er käme eben vom Staatsanwalt, weiß der Zeuge nicht mit Bestimmtheit anzu- geben, glaubt aber, daß Ihrig gar nichts anderes gemeint habe:; könne, lieber den Tag des zweiten Besuches wird auch der Zeuge Jahme noch einmal kurz gehört.

Die Siming schließt nm 1 Uhr; Fortsetzung morgen 81/» Uhr.

Nrrs Stadr Cans.

Gießen, 17. April 1919.

** Tageskalender für Donnerstag, 17. April. Kriege r- verein: Vortrag des Oberlehrers Dr. Beck überTie Wunder des Steriienhiinniels". Abends 9 Uhr.

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'* D er Großberzog empfing den Privatdozenten Dr. Thontae ans Gießeii in Audienz.

Ordensverleihung. Der Großherzog hat dem Feuerwehrkoinmandanten Paiil Hoffmann zu Schlitz das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

"Lehrerpersonalien. Inden Ruhestand versetzt wurde die Lehrerin an der Höheren Bürgerschule zu Schlitz Pauline Schneegans auf ihr Nachsuchen, unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an dec Musler- schule zu Friedberg. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Annerod; mit der Stelle ist Organislendienst verbunben.

** In der völkerkundlichen Ausstellung, die gegenwärtig! in der alten Klinik hier ftattfindet, herrschte gestern reges Leben und Treiben. Vom Lande ianten mor­gens viele Schulen angefahren auf mit Maien geschmückten und bekräuzreu Wagen. Ter Verkehr wickelte sich trotz des Andranges gut ab, da sich die Besucher auf 11 (verschie-- deue) Säle verteilen konnten. Großes Interesse erregte dis reichhaltige Ausstellung von Kamerun, besonders der Rieseufetisch Dikoti, dessen Hütte ausgestattet ist mit vielen Zaubergeräten, Tanzmasken und Musithörnern, die bei den schauerlicher: Veranstaltungen der Geheimbünde ihre Rolle spielter:. Demgegenüber ist dann umso befriedigender eilt Blick in das KaTneruu-Literaturzimmcr, das die Leistungen der schwarze:: Schüler und Schülerinnen vorführt imb uns bie Zeit ahnen läßt, von der es heißt:Siehe, das Licht bringt da herein, gibt der Welt einer: neuen Schein." Da die Ausstellung nur noch 6 Tage hier weilt, sei die Bitte ausgesprochen, diese eigenartige Veranstaltung zu be­sichtigen, sich nicht entgehen zu lassen; nachmittags ist der Besuch für Erwachsene besonders empfehlenswert.

" B i s m a r ck - N a t i o n a l - D e u k nr a l. Die Ein- sammlung freiwilliger Gaben ist beendigt. Das Sekretariat der Bürgermeisterei Zimmer Nr. 15 nimmt weitere, Spenden noch bis zum 1. Mai entgegen.

" Fernsprechanschluß. Vom 8. April er. ab ist die Güterabfertigung auf Bahnhof Lindheim unter Nr. 23 an das Ortsferusprechnetz von Altenstadt (Hessen) an­geschlossen worden.

" Der Raiffeisen-Verband hatte für Mittwoch nachmittag in den Fün'lensaal zu Darmstadt die Vorstände ber hessischen, dem Verbände angehörigen Kasten zu einer Versammlung eingeladen, die von Dr. N ol te - Ludwigshafen geleitet wurde. Die Versammlung war durch die große Be­unruhigung veranlaßt, die wegen des Zusammenbruches der Hessischen Genossenschaftsbank entstanden ist, und biente dazu, bie Vorstänbe unb Mitglieder darüber aufzuklären, baß inner­halb bes Verbandes derartige Befürchtungen nicht gehegt zu werden brauchen.

xx Hessisches Spielzeug. Die von Professor Sutter seither geleitete Fabrik für Kinderspielzeuge in Neustadt i. O., die mit Zahlungsschwierigkeiten zu kämpfer hatte, wurde mit Unterstützung einer hervorragenden Person, lichkeit in eineGesellschaft mit beschränkter Haftung" nm- gewandelt und mit ihrer Leitung ein fachkundiger Kaufmann betraut. Der künstlerische Wert der Fabrikate wird allge­mein anerkannt und hält man es sehr wohl für möglich, daß die Odenwälder Spielwarenindustrie mit Thüringen in Konkurrenz tritt.

Kreis Büdingen.

L. Bingenheim, 16. April. Auch unser Dorf wird an das Elektrizitätswerk Wollersheim angeschlossen. Die Hausleitungen sind zum Teil vollendet. Mit ber Ober­leitung wirb man in nächster Zeit beginnen.

Kreis Alsfeld.

OK Alsfeld, 16. April. In der gestrigen Stadt­vorst andssitzung wurde beschlossen, daS hiesige Hospital wieder seinen früheren stiftungsgemäßen Bestimmungen zu­zuführen. Daß Hospital, daS gegenwärtig die Armen­wohnungen enthält, war früher ein Augustinerkloster. ES wurde ber Stabt von Philipp bem Großmütigen geschenkt und sollte als Wohnung für unvermögende kranke Leute be­nutzt werden. Es bleibt bei seiner seitherigen Verwendung, bis andere?lrmenwohnungen geschaffen sind. Dem Volks- kindergarten soll die alte Stadtschule überlasten werden. Dagegen lelstet die Stadt nicht mehr den seitherigen Bar­zuschuß von 800 Mk. jährlich. In einer nichtöffentliche:: Sitzung wurden August Prange und Adam Weitzel dtä Sicherheitswächter gewählt.

ok. Alsfeld, 16. April. Heute abend fand im großen Saale desDeutschen Kaiser^ ein vom hiefigen Musik­verein veranstalteter Volksliederabend statt, bei dem Frau Amtsgerichtsrat Dr. Heyer, Frl. Heineck, Alsfeld, unb Herr Pfarrer Möbus, Udenhausen, unter reichem Beifall mit­wirkten. Lehramtsastessor Graeber hielt einleitenb einen kleinen Vortrag über:Begriff, Wesen und Geschichte des Volksliedes".

ok. Ruppertenrod, 16. Avril. Am 1. Mai sind 35 Jahre verflossen, seitdem Lehrer Hermann Strack an der hiesigen Schule tätig ist.

(:) Ruppertenrod, 16. April. Unser heutiger FrÜh- jahrsmarkt hatte nicht die starke Auffahrt von Jung­schweinen aufzuweisen wie sonst, weil der frühe Zeitpunkt viele Ferkel noch nicht marktfähig erscheinen ließ. Der Handel ging bei hohen Preisen rasch unb flott. Bezahlt wurde für das Paar Ferkel geringster Sorte 6365 Mk., bestere 65 bis 70 Mk., beste 7085 Mk. Der Abschlag für fette Schweine hatte auf die Ferkelpreise keinen Einfluß. Aller, dings sind auch bei uns die Preise für Schweinefleisch nicht wie in Hanau und Höchst um 20 Pfennig an: Pfund ge­sunken, sondern nur um 5 Pfg. Der Krämermarkt Zeigte mäßigen Besuch.

Kreis Schotten.

ft. ©d) otten, 15. Avril. (Gemein-deratsfitznuy.) Anwesend: Gr. Bürgermeister Kromm, Gr. Beigeordneter Zinser, bie Gemeinberatsmitglieder Hofmann, Meiski, Pröscher. Scklitt, Schlörb VIII., Zeunges unb Scklörb V. Auf Anregung Großh. Finanz-amts Schotten werden in den Entwürfen der Orts- satzilngen über die Warenhaus- und F i l i a l st e u cjr einige formelle Zusätze beschlösse::, Ter erste Beschluß, wonach der FiliÄ-