Ausgabe 
22.8.1913 Erstes Blatt
 
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fa?I Anzeige, vorauf Dibo wegen Beleidigung in Anklagenistand verletzt roucbt Ter Amlsanu alt beantragte gegen ihn 2 Monate Oiefängnii. Da- Schöffengericht erkannte auf 14 Tage Gefängnis, indem eS vor allen» berücksichtigte, daß den Arbeitswilligen ein «neig,scher Schutz zur Leite gestellt werden inüfie.

wandern und Helfen, väder.

Rund um Gießen.

BürbachFriedewaldRennerod.

Dir fahren morgens nach Bürbach, verfolgen ein kurzes Stück die Siegtalwanderuna deS DesrenvaldllubS. sJiad) etwa 2 SMlo- mrtrrn gehen wir links ab und suchen uns einen Weg nach Emmerzhausen. Eine gute Karte ist feier unerläßlich! Bon Emmerzfeansen wandern wir über Mauden, Tm'dxn nach Schloß Friedewald. Das stattliche Schloß, daS dem Grafen von Hachenburg gehört, liegt äußerst malerisch auf einem Felsen- Vorsprung. Niemand versäume es zu besichtigen. Eintrittskarten zu 3D Psg. find zu haben in der Wirtschaft von L Heß. Die Fassade des Mittelbaus soll als Muster für das Heidelberger Schloß gedient habe«. Nach Besichtigung des Schlosses wandern wir über Nisterberg, Hof, Ober-Roßbach, Zehnhausen, Emmerichen- Hain nach Dahnbos Rennerod, von wo aus wir über Herborn nach Hause fahren. Der Marsch erfordert 6 gute Stunden und geht wenig durch Wald Er führt über anmutige Hutweiden an cin- famen Wksterwalddörfern mit ihren Schutzhecken vorüber, und gestaltet sich so zu einer anziehenden und nicht langnxUenbcn Tageswanderung.

HerbornSalzburger KopfBürbach.

Wir fahren 6.47 nach Herborn und begeben uns über Arn­dorf nach Erdbach. Hier besichtigen wir die früher schon erwähnten Steinkammern und den Erdbach. Weiter führt uns der Weg nach Breitscheid. Bon Breitscheid folgen wir der vom Wester- waldllub bezeichneten Straße (W C I) über Rabenscheid, Weißen­berg, Löhnfeld nach Reukirch. In den erstgenannten Orten fin­den imr noch schöne alte Bauernhäuser mit Strohdächern, die nach der Wetterseite besonders geschützt sind. Reukirch ist der höchste bewohnte Ort des Regierungsbezirks Wiesbaden mit ur­alter Kirche. Es liegt am Fuße des Salzburger Kopfes. Die Aus­sicht ist hervorragend: Westerwald, Siegerland, Ebbe-, Senne- und Nothaargebirge, Taunus mit Feldberg, Hunsrück, Eifel und Siebengebirge. Am Südwestsuße liegt das Dörfchen Salzburg, an dessen Ostfeite sich ein schönerWällerkranz" befindet; d. h eine Reihe Tanneubäume, die gegen den Cfbvinb schützen sollen. Diese Borrichtung trifft man im Wcsterwalbe oft. Vom Salzburger Kopf benutzen wir bie Lanbstraße nordwärts nach Bürbach. Zu der Wanderung brauchen wir 5 Stunden. Sie fuhrt sehr wenig durch Wald, >vas aber im Westerwalde kaum empfunden wird.

B ü b t n 0 e nR onnebur gM ittelgründaw.

Wir folgen den gelben Kreuzen über Bonbausen zur Ronneburg, einer Burg, die bis 1885 bewohnt war. Bon hier den grünen Kreuzen nach Mittelgrundau. Der Marsch dauert 23 Stunden und führt nur wenig tnrrtf) Wald, ist aber doch zu empfehlen, da die Ronneburg eine der schönsten Burgen aus unserer Gegend ist.

Burgsolms Altenberg Wetzlar.

Die ganze Wanderung ist mit roten Punkten bezeichnet und führt nicht durch Wald, ist aber trotzdem schön. Wir fahren um 1.30 nach Burgsolms (Sonntagskarte nach Wetzlar) Bvm Bahnhof gelangen wir über verschiedene Lahnarme nach Oberbiel und Kloster Altenberg. Das Kloster wurde um 1180 angelegt. Seine im Innern sehenswerte Kirche stammt aus dem Jahre 1207 und wurde von der Abtissin Gertrud, der Tochter der heiligen Elisa­beth, gebaut. 1802 wurde es säkularisiert und kam in fürstlich Solmssäxm Besitz. Die Kirche wird von dem Geschlecht als Erbbegräbnis benutzt. Die alten Klosterräume sind verpachtet und dienen landwirtschaftlichen Zwecken. Bon der Südterrasse herr­licher Blick ins Lahntal. Auf dem weiteren Wege kommen wir nach der Ruine der Dalheimer Kapelle und dem Denkmal des Erzherzogs Karl von Oesterreich, der hier am 15. Juni 1796 die Franzosen schlug. Den Zeichen weiter folgend erreichen wir nach 30 Minuten Wetzlar. Dir brauchen zum Weg etwa 2i _ Stunden, haben also noch Zeit, die alte Reichsstadt Wetzlar zu

Sport»

Internationales Lawn-Tennis-Turnier -u Bad-Nau beim, Donnerstag, den 21. August. Bor einem zahlreichen Publikum nahm das Turnier heute seinen Fortgang und dank der Künftigen Witterung und dem Eifer der Beteiligten konnten über 50 Spiele im Lause deS Tages erledigt werden. Am Nachmittag gab es auf dem Platz vor der Tribüne mehrere wichtige Entscheidungen. Logie, der mittags eingetroffen war, trat im Herren Einzelspiel mit Vorgabe gegen Lindpaintner an, dem er5/« schuldete. Logic mar anfänglich noch nicht in Form und von der Reise ermüdet, so daß Lindpaintner den ersten Satz glatt °/i gewann und im zweiten Satz mehrere Gervinnr'unkte hatte. Logie rettete das Spiel aber doch noch und gewann den dritten Satz dann 6/i- Leider ward dies schöne Spiel von einem Teil des Publikums nicht beachtet, da Frl. S a l i n und Ernst gleichzeitig gegen Frau Freiensehne r und D a u b spielten und zu allgemeiner Ueberra schling in diesem Kamps einen Satz verloren. Im Damen-Einzelspiel ohne Bor gäbe schlug Frl. I. Weihermann Pfrau Specht. Auch für den nwrgigell-Tag sind mehrere interessante Spiele zu ermatten und bei der Fortdauer des günstigen Wetters dürften die ersten und .weiten Runden bis morgen abend durchweg erledigt lein. Am Nachmittag werden folgende bemerkenswerte Spiele statt finden: Herren-Einzelspiel Lindpaintner gegen G r o v s, und Ernst gegen Paul. Im Damen Einzelspiel spielt Frl. Bam berget gegen Frl. Salin um den 3. Preis. Herren ^Doppel spiel: Albrecht und Earl Kreuzer gegen Schüler und Paul. Gemischtes Doppelspiel: Frl. Bamberger und Logie gegen Frl. Ilse Weihet mann und Carl Kreuzet.

Pas Taunur-Observalorium.

In die ÄVtte der großen wissensclzastlichen Institute Mittel- und Westdeutschlands wird sich am kommenden Sonntag als jüngstes, aber überaus bedeutungsvolles Glied das 4 aunus-Observatoriurn einreiben Es ist eigentlich eine ganze Kolonie wissenschaftlicher B e oba ch tu n g s st a t i o n en , die sich auf ber einsamen Kuppe des kleinen Felbbergs im Taunus angesiedelt hat und die eine der bedeutendsten Deutschlands zu werden ver­heißt. In einer Ausdehnung von 23 000 Quadratmetern ist das Gipselgeländc vom Physikalischen Verein zu Frank­furt gepachtet. Im Mittelpunkt der bis jetzt errichteten Sta­tionen steht die Erdbebenwarte, ein schlichtes Ge­bäude, bti-5 sich geschickt der Daldlandfckast anschmiegt Der Raum mb den Beobachtungsinstrumenten ist kellerartig und so tief gelegt, daß er den Schwankungen der Lufttempera­tur entrückt ist: auch Feuchtigkeits- und Windeinflüsse und andere äußere Störungen dürfen hier als ausgefchlossen gelten. 3*n Institut haben bis jetzt ein Horizontalpendel nach Dr. Mainka, ein Vertikalpendel nach Pros. Dr. Diechert (Göt­tingen), zwei Horizontalpendel nach Fürst Galitzin und ein Wiechertsches Nahbcbenpendel Aufstellung gefunden, ferner eine Funlenstation, die täglich die Pariser Zeitsignale für die Uhrenkontrolle aufnimmt. Die nach der Stifterin Ba­ronin v. Reinach genannte Warte ist seit dem September V. I. im Betrieb und tonnte schon mehrere wichtige Erdbeben verzeichnen, besonders das Nahbeben vom 20. Juli. Zur Be­obachtung der Bodenbewegungen bei Frostwetter dient ein Multithermograph, von dessen fünf Thermometern am Mitt­woch drei in Gegenwart des Kaisers tief in die Erde ver­senkt wurden.

Die örologische Station wird für die Entwick­lung der Luftfchisfahrt hervorragende Bedeutung erlangen.

Sie besteht aui einer Ballon Halle, dem Gasflaschenlager, einer Automobildrachenwinde, einer Anzahl vrm Fessel­ballonen und Drachen samt den Meßinstrumenten. Tie Drachenwinde läuft, um der Windrichtung Rechnung tragen zu tonnen, um die gany? Kitppe herum/Die Resultate der Beobachtungen werden täglich durch Funkspruch mitgetrilt.

Der luftelektri^chen Forschung dient die äro- logifche Station. In großen Höhen mirb durch registrierende Elektrometer, die an Ballonen und Drachen aufiietgen, der Elektrizitätsgehalt und die dadurch bewirkten eleurischen Spannungen und die Radioaktivität der Luft erforscht. Die Jnstrumentenfammlung dieser Station ist schon sehr be­deutend.

In der meteorologischenStation will man sich vor allem dem Studium der für die Flieger so bedeutunas- vollen Böen widmen: daneben sollen aber die schnellen Schwankungen der Windrichtung und -Geschwindigkeit regi­striert werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden von dieser Station in Zutunst auch die täglichen Veröffent­lichungen über das Wetter im Taunusgebiet ausgehen. Die gesamte Einrichtung des Observatoriums kostet bis jetzt 100 000 Mark. Die Anregung zur Gründung des Cbjer- vatoriums bot eine hochherzige Stiftung der Frau Baro - ni(n von Reinach (Frankfurt) zum Bau der Erdbeben­warte. Für die Unterhaltung des Instituts sind neben bil­ligen Anteilscheinen erhebliche städtische, staatliche und pri­vate Zuschüsse bewilligt worden. An den Einweihungssrier- lichkeiten nehmen mehr als 200 geladene Gäste und die be* denkendsten Erdbebenforscher und Meteovologen Deutsch­lands teil.

vermischte».

* Das älteste Papier in Deutschland. Aus der Lase Tursan, per die deutschen Sammlungen schon so manchen wertvollen Schatz einer alten Kultur verdanken, ist uns durch eine Handschrift aus dem Jahre 399 n. Ehr. das älteste Papier geschenkt worden, das gegenwärtig in Deutschland vorhanden ist In der Zeitschrift für Bücherfreunde macht Dr. Bogeug auf dieses merkwürdige 'Dokument aufmerksam, das ein treffliches Zeugnis für die Haltbarkeit von Papier darbietet. 'Die im königlichen Materialprüfungsamt durch Prof. Herzberg vvrgenommcne Unter­suchung ergab, daß die meisten bei diesem Papier verwendeten Fasern dem Chinagras entstammen, dock sind auch Fasern des Papiermaulbeerbaumes nachweisbar. Zum Schreibstoff ist cs in ziemlich umständlicher Weise hergerichtet worden: durch Ueber' streichen mit einem durchsichtigen ftlebcftoff, durch Bestreuen mit Wrizenmeist, durch Pressung. Neben günstigen Verhältnissen der Aufbewahrung bedurfte es eines schon sehr hoch entwickelten Papier- herstellungsverfahrenS, um dieses Papier noch nach 1500 Jahren in so gutem Zustande zu bewalden, während man das Lebensalter unserer besten Papiere auf höchstens 1000 Jahre einschatzt.

* Der Silberreiher als Haustier. Mit dem schein­bar unaufhaltsamen Siegeszug der Reihersedern in der Mode bat die Reiherjagd einen f.> großen Antrieb erhalten, Ausrottung verschiedener seltener Reiherarten drobt: besonders der Silberreiher wird bei einer Fortdauer der gegenwärtigen Mode- strömungen wahrscheinlich in kurzer Frist von der Erde vertilgt sein. Um dieser Gefahr e nl g eg enzu wirten, hat, wie derFigaro" mitteilt, ein Bogelfreund, ein M. H. Blumenfeld-Sciama, ein interessantes Preisausschreiben erlassen, das von dem Ge­danken ausgeht, es könne vielleicht gelingen, den Reiher zu zähmen und sozusagen in ein Haustier zu verwandeln Der Philanthrop setzt einen Preis von 10 000 Franks aus, der dem Züchter ausge- zablt werden soll, der auf dem Wege zur Zähmung des Silber­reihers und zur Züchtung in der Gefangenschaft die besten Erfolge erzielt.

Kleine Tageschronik.

In der Nacht zum Donnerstag ist der Lokomotivschuppen der Mindener Kreisbahn niedergebrannt. Sieben Lokomotiven wurden so schwer beschädigt, daß sie betriebSunsähig geworden sind. Eine Anzahl Zuge ist ausgefallen.

Das ,Berl. Tagebl' meldet an? Finsterwalde: 9luf einer Autofahrt nach Senftenberg überhörte der hiesige Rentier ß'enqe bei der Bahnnberinhrnng das Glockensignal deS ZngeS. DaS Automobil wurde von der Lokomotive umgeworstn. Frau Genae und ihre Schwägerin wurden schiver, Kenge leichter verletzt.

AuS 9! e u ft a d t bei Pinne wird berichtet: Am Mittwoch abend ist der Leiter der polnischen landwirtschaftlichen Em- nnd Perkaufsgenossenschaft, Witkowski, als er mit einer größeren Gelb- summe vom Lande nach der Stadt heimkehrte, von Strolchen über­fallen, ermordet und seiner Barichiit beraubt worden.

A»ls Wilhelm-burg wird gemeldet: An, Donnerstag morgen fuhren zwei Männer in einem Antonwbil zur (Gemeinde- kaffe, bebrouteii die drei dort besindlichen Beamten mit Revolvern und verivundeten den Kasienbeamten Bethke schwer. Die Räuber erbeuteten aus her Tageskasse 210 Mark. Der Versuch, auch den Tresor zu öffnen, mißlang. Die Täter entflohen in dem Auto. In einem glaubt man einen vor Jahresfrist hier beschäftigt gewesenen Kellner wiedererkannt zu haben.

In dem kleinen Dorfe Ue ke n im Kanton Aargau hat der 22- jährige Knecht Karl Beck aus dein Kanton Solothurn seine früheren Pflegeeltern, den 68jährigen Landwirt A ck l i n n n b feine Fran, nachts ermordet nnd die herbeieilenbe 85 jährige Mutter der Frau durch einen Beilhieb oerrounbet. Ter Mörder raubte erhebliche Barbeträge Am nächsten Tage wurde er iii der Nähe von Säckinaen verhaftet.

Der »Verl. Lokalanzriqer* meldet auS Bukarest: In der Nabe von 6 t it a j a haben Banditen versucht, daS Automobil des R3nifl8paax vor ' ebaltenen Revolvern

a u t ii b a 11 e ». Der Chauffeur erkannte die Erfahr und fuhr mit größter Geschwindigkeit durch die Banditen hindurch. Deren Stein­hagel erreichte daS Automobil nicht mehr.

Handel nnd Verkehr, Volfstuirtfcbafl.

Die Hamdurg-Amerika-Linie erweitert den bisher nach B a l t i m o r e unterhaltenen Frachldienst zu einem Dienst iür die Betördernng von Fracht nnd Zwiichendeckern. Tie Erpedilionen erfolgen vierzehntägig Als erster Dampfer fährt am 16. September der Dampfer ,91rcabiae. Alsdann folgen Anfang und Mitte Oktober .Bnlgaria^ und ,Bosnia^. Zur Einrichtung neuer Linien teilt der Norddeutsche Lloyd mir, der Verkehr mit B o st o n sei so bedeutend geworden, daß der Lloyd schon längerer Zett mit dem Gedanken umging, diesen Hafen in den Verkehr ein­zuziehen. Für Neworleaus, bas wegen feines großen Baum- wollcuexports von besonderer Wichtigkeit für Bremen ist, war die Errichtung einer regelmäßigen Linie von Bremen über Boston nach NeworleanS bereits Anfang deS JahreS desinitio befchloffen worden.

Märkte.

Gießen, 21. Aug. V, eh markt. Bei bet., am 19. und 20. August Gbqebaltenen Markt waren aufgetrieben 1534 Stück Rinboieb unb 183 Schweine. Ter nächste Markt sinbet am 2. und 3. Sept, statt: am letzteren Tag auch Krämermarkt

fc. Wiesbaden, 21. Aug. heu- und Ctrohmarkt. Angr'abren roaren 28 Wagen mit Heu und Stroh. Man notierte: den, altes. 7.-700.00 Mk., neues 4,80-6,i0 Mk. Stroh <Rtchtftrod) 4,400,00 Mk., Krummstroh 3,004,00 k. Frnchtmarkt. Hafer 18,20 - 00,00 Mk. Alles je 100 Kilo.

Linaesandt.

(Für Form unb Inhalt aller unter bieicr Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Rebaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 22. August.

Was haben denn die Bewohner bet Norb-Anlage gegenüber bei Post verschuldet, baß sie so stiesmütterlich von ihr betjanbelt werden unb ben zweifelhaften Vorzug genießen, fast jeben Tag,

namentlich aber bei ber Frübpost immer einen anderen Briefträger zu Gesicht zu bekommen? Sehr Hänfen sich neuerdings auch die Verwechselungen ber Briefe mit ähnlich klingenden Namen, waS abgesehen von ber dadurch hcroorgeriifeucn verzögerten Zu­stellung unb sonstiacn Unannehmlichkeiten, manchmal auch bazn führe» kann, daß Briefschaften überhaupt nicht in den Besitz deS Adreffaten gelangen, was ted,reife auch auf bafl Eonto deS vielen VnefträgerwechselS iii fegen ist.

Die Kaiserliche Postvenvaltung würde sich den Dank Bieler erwerben, wenn solche hier einmal nach dein Rechten sehen wollte.

Amtlicher Wetterbericht.

Oefsentlicher Wetterdienst, Gießen. Detteraussicbten in Hessen SamSlag, den 28. Aug. 1913; Wolkig, meist trocken, etivas wärmer, westliche Winde.

Letzte Nachrichten-

Ludwigvon Bar f-

Berlin, 22. Aug Der Geh. Justizrat Pros Dr Dar ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Er war am 2t Juli 1836 in Hannover geboren, studierte in Göttingon und Berlin unb war zuerst Richter in Östringen. 1863 habili­tierte er üch dort 1866 wurde er Professor des StrafreckfteS und Zivilprozesses in Rostock. 1><68 siedelte er nach DreSlau über, 1879 nach Göttingen. Bon 1890 bis 1893 war er Reichstagsabyeordneter als Mitglied der freisinnigen Par­tei. Durch feine wifsensckxtftlichen Arbeiten ist er berühmt geworden, und Professor v Liszt veröffentlicht einen Gedenkartikel, in dem eS heißt. Der deutsche Liberalismus verliert in Bar einen treuen, überzeugten unb vornehmen Anhänger. Als glänzendste Leistung bezeichnet Liszt den ersten 1882 erschienenen Band feines unvollendet geblie­benen Hilfsbnches des deutschen Strafrechts, das die Ge­schichte und die Philosophie des Strafrechts in meisterhafter Darstellung brachte Mit Bar fei eine der markantesten Erscheinungen der deutschen E^elehrtenwelt geschieden, zu­gleich einer von den nicht allzu vielen Juristen, die den Ruhm deutscher Geistesarbeit in weite Fernen tragen.

'Tie Berufung gegen das Urteil des Erfurter K r i c g s g er i ch t s u r t ei l S.

Berlin, 22. Aug. Für die Berufung gegen das Zucht-' hausurtcil des Erfurter Kriegsgerichts ist jetzt laut dcm Vorwärts" der Termin auf den 3. und t. September angesetzt.

Bei einer Nachtübung erschossen.

Kassel, 22. Aug. (Priv.-Tcl.) Der aus der Nähe von Erfurt stammende Musketier Bock II. der 2. Komp. deS Inf -Regts. Nr. 167 wurde gestern abend bei einer Nacht­übung bei demTännchen" von einem Posten der Schießstandwache erschossen. Der Posten nahm an, daß ein aus einem Schützengraben abgegebener Platzpatro- nenschuß ein ihm geltender ernster Schuß gewesen fei; er erhielt auf den Ruf:Wer da" angeblich keine Antwort. Der Schuß traf Bock in die Brust und wirkte sofort tödlich.

Eine Krise unter den französischen Flug- t e ch n i k e r n.

Paris, 22. Aug. Ter Flieger Leblanc hat seinen Rücktritt als Vizepräsident des französischen Aeroklubs und als Mitglied des Verivaltungsrates dieser Gesellschaft genommen. Leblanc stcht in engen Beziehungen zu dem Flugzeugfabrikaincn Bl^riot, der sich durch die Bevorzugung, bie das Krieg-- Ministerium unb bad Präsidium des Aeroklubs dem jetzt ivegen Fälschung unb Betruges in Untersuchungshaft fitzenden Taper- buffiix zuwandte, für benachteiligt fühlt. Der Flugzeiiakonstt-uk- tcur Braguet richtete einen offenen Brief an das Präsidium des Aeroklubs, in welchem diesem unb bem Kriegsministerium bie mangelhafte Organisation des in nächster Zeit in Des uvill* stattfinbcndcn Wettbewerbes für Wasserflugzeuge trorgenrorfen wird.

Postvereinbarungen Frankreichs mit den Niederlanden und Belgien.

Paris, 22. Aug. Durch eine Abmachung zwischen beit fran zösischen, niederländischen und belgischen Telegraphen Verwal­tungen ist im Verkehr zwischen Frankreich und den Nieder­landen wie auch Belgien für Posttelegramme der ermäßigte Satz von 8 Centimes für das Wort vereinbart worden.

Verhaftung eines Mörders.

Berlin, 23. Aug. Der Monteur Kossen, der in der Nacht -um Sonntag seine Geliebte, Frau Eckolt, ermordet hat, ist in der letzten Nacht durch drei Personen aus dem Publi­kum dingfest gemacht und der Polizei übergeben worben.

Der Entschluß des Präsidenten Wilson.

London, 22. Any. DerDaily Tel." meldet aus Washington: Präsident Wilson hat sich nach dem Scheitern der Mission Lind in Meriko entschlossen, zu ber Politik Tafts zurückzulehren, namlich'st rengeNeutrali- tät zu beobachten und die benachbarten Grenzen zu ver­stärken, sowie die Ausfuhr von Waffen und Munition an jede der beiden Parteien in Mexiko zu verhindern.

Verantwortlich für den gesamten redaktionellen Teil: Ang. Goetz.

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