Auch her Dichter habe dies! nach den vorliegend den Gründen gebilligt. Nach längerer Aussprache wurde die Billigung ausgesprochen.
Deutsches Reich
Der Kaiser
ist mir gestrigen Donnerstag um 10 Uhr 48 Min. vom Lehrter Bahnhof nach Hannover abgereist.
(Kaiser Wilhelm und die Bcnediktinen>
Dem Erzabt der Beuroner Benediktiner-Kongregation D. Ildefons Schober zu Beuron wurde der Rote Adler- orden 2. Klasse verliehen.
Die Verkehrseinnahmen der deutschen Eisenbahnen
im Mai 1913 betrugen im Personenverkehr 89 988089 Mark (gegen das Vorjahr plus 7 236 357 Mark oder 7.56 Proz. auf 1 Kilometer), im Güterverkehr 165494 344 (gegen das Vorjahr plus 4 512 729 Mark oder 1.61 Proz.).
Aus StaSt und Catt&e
Gießen, 20. Juni 1913.
Elektrische Bahnen im Taunus.
Nachdem die vor etlichen Jahren nach Homburg und Oberursel gebauten elektrischen Bahnen diesen Städten einen überraschenden wirtschaftlichen Aufschwung gebracht haben, macht sich nun ein lebhaftes Interesse für den Bau weiterer Bahnlinien nach den Taunusorten und durch das Gebirge selbst bemerkbar. Der Frankfurter Lokalbahn-Aktien-Geselb- schaft ist bereits die Erlaubnis zu den technischen Vorarbeiten für eine elektrische Bahn von Frankfurt über Niederursel nach Cronberg und Königstein erteilt worden, so daß in absehbarer Zeit mit dem Bau dieser Strecke begonnen werden dürfte. Gerade Cronberg und Königstein versprechen sich nach Eröffnung der Linie besondere Vorteile. Nun hat sich dieser Tage Eppstein mit besonderen Wünschen gemeldet. Es wünscht die Fortführung der elektrischen Bahn von Königstein über Fischbach nach Eppstein. Der Eppsteiner Verschönerungsverein hat sich der Angelegenheit bereits angenommen und wird den zuständigen Stellen bereits in kürzester Frist entsprechende Wünsche unterbreiten.
Ein weiteres Projekt ist an der Lahn in Vorbereitung, indem man von Diez nach Fachingen eine elektrische Bahn baut, die weniger dem Personenverkehr als vielmehr der Erschließung der Kalllager bei Fackstngen dienen soll. Die für diesen Betrieb erforderliche Energie wird der Wasserkraft des Balduinsteiner Lahnwehrs entnommen.
Das Feldb e rgb a h u p r o j e ft darf schon heute als endgiltig gescheitert angesehen werden, da sich die gesamte Bevölkerung einmütig gegen eine Verschandelung des Berggipfels aussprach, als die Einzelheiten des Plans der Oes- sentlichkeit unterbreitet wurden.
*
" Der Großherzog erschien gestern vormittag kurz vor 11 Uhr in Begleitung seines Flügeladjutanten Freiherrn v. Massenbach in der Großherzoglichen Gesandtschaft am Kurfürstendamm in Berlin und wurde dort von dein Ge- isandten Freiherrn v. Biegeleben und dessen Gemahlin begrüßt. Der Großherzog empfing alsdann aus den Händen des in Berlin wohnhaften spanischen Botschafters Exzellenz Polo de Bernabä die Urkunde des ihm von den: König von Spanien verliehenen Ordens des Goldenen Vliesses. Sodann nahm der Großherzog die Meldung des Kommandeurs des Infanterie- Regiments Nr. 17, zu dessen Chef er ernannt worden ist, entgegen. Hieran schlossen sich Meldungen und Empfänge •einer großen Anzahl von Beamten hessischer Staatsange- chörigkeit und Offizieren hessischer Regimenter, sowie je einer Deputation des Kriegervereins ehemaliger Kameraden der Gr. Hessischen (25.) Division (Hess. Kriegerverein) zu Berlin und des Vereins der Hessen und Hessen-Nassauer in Berlin. Um 1 Uhr fand in der Gesandtschaft ein Frühstück zu zwölf Gedecken statt. Gegen 31/, Uhr nachmittags verließ der Großherzog die Gesandtschaft, um in das Hotel Adlon zurückzukehren.
** Major a. D. 'D i e r y f. In Darmstadt.verstarb int 82. Lebensjahr der Major a. D. Hermann Diery, ein Veteran von 1849, 1866 und 1870/71, der int deutschfranzösischen Kriege als Kompagnie-Chef die zweite Kompagnie des 3. Infanterie-Regiments — jetzt Nr. 117 — mit Auszeichnung führte. Ter Verstorbene war aus Worms gebürtig und zog als Avantageur in ganz jungen Jahren •in den badischen Revolutionskrieg. 1866 wurde er int Gefecht bei Laufach schwer verwundet. Diery gehörte in den kritischen 60 er Jahren zu jener Minderheit int Hessischen
ebenfalls in beliebiger Zahl zum Verteilen in Vereinen, bei Fest- lidyfcitcn und Versammlungen zu haben sind, dazu bei, den idealen Naturschubparkgedankcn namentlich unter Wanderern und Naturfreunden weiter zu verbreiten.
ks. Ein neues Kennzeichen des Scharlachs. Bei Scharlachkranken besteht, wie Leede im Eppendorfer Krankenhause (bei .Hamburg) nachgennesen hat, eine krankhaft gesteigerte Verletzbarkeit der Kapillaren, infolgedessen nach kurzer Stauung Petechien der .Haut auftreten. Hierüber hat Tr. C. Beck (Frankfurt a. M.) jüngst neue Versuche gemacht, die er in der „Klinisch- Therapeutischen Wochenschrift" veröffentlich. Leede legt oberhalb der Ellenbeuge eine breite Gumnribinde mäßig fest um den Oberarm, so daß die Venen deutlich hervortreten, die Hand blau wird, der Puls dabei aber gut zu fühlen ist. Nach einer Viertelstunde wird die Binde entfernt, man macht die zarte Haut der Ellenbeuge durch Spannen anämisch, und nun treten die Petechien als dunkle Spritzer deutlich hervor. Dieses Leedesche Phänomen hat Tr. Beck — ebenso verschiedene andere Aerzte — nachgeprüft, und der Ausfall ist bei Scharlach wie bei manchen! anderen Krankheiten — Masern z. B. — positiv. Bei anderen Krankheiten schwankt es, beim Scharlach aber ist es nach Becks Untersuchungen zuverlässig und kann daher zur Erkennung dieser Krantt-cit wertvolle Dienste leisten: fällt der Stauungsversuch negativ aus, so ist die Diagnose auf Scharlach zu verwerfen, bei positivem Ausfall dagegen ist der Versuch, wenn die übrigen Symptome stimmen, als Bestätigung der Scharlachdiagnosc an- zusehen.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. DerBörsenvcreinderDeu tschen Buchhänd-
Ku Letyzig hat eine Denkschrift über die beabsichtigte Mfttclstelle für Volksschrtften des Dürerbundes herausgegeben, ni der er gegen den Versuch, die Volksschriftenliteratur der Zensur des Dürerbundes zu unterwerfen, im Interesse des Schrifttums und Buchhandels Stellung nimmt. — An der Kölner Akademie für praktische Medizin findet vom 21. bis 26. Juli 1913 ein unentgeltlicher Fortbildungskursus für auswärtige Schulärzte statt. Der Kursus ist unentgeltlich; es wird lediglich eine Ein- schretbegebühr von 10 Mk. erhoben. — Der Lupusausschuß des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose wird am 21. Oktober inBerlin tagen. — In H a m b u r g st a r b Professor Tr. August Mommsen, der jüngste Bruder Theodor Mommsens, im Alter von 9L Jahren.
Offizierkorps, die in (dem militärischen Anschluß an Preußen das Heil für den hessischen Staat erblickte.
•• Ordensangelegenheiten. Der Groß Herzog hat dem Geheimen Oberrechnungsrat Dr. Franck zum 19. Juni das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen und dem Landrentineister Kaiserlichen Nechnungsrat Lergen zu Daressalam die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Deutschen Kaiser und König von Preußen verliehenen Kronen- Ordens 4. Klasse erteilt.
** Militärkonzert in Steins Garten. Der gestrige Abend brachte das zweite in der Folge.der Abonne- inentslonzerte. Trotz des wenig einladenden Wetters waren bis zum Beginn des Konzertes fast sämtliche Plätze besetzt. Tie Zusammenstellung des Programms war wieder sorgfältig gewählt und die einze'lnan Stücke wurden .geschmackvoll wiedergegeben. Nur manchmal brachten die Bässe ihre Tiefe etwas zu stark hervor, was beeinträchtigend auf Melodie und Harmonie wirkte. Als Solist war Professor S. Äl- schausky aus Berlin gewonnen. Daß dieser Künstler sein Instrument voll und ganz beherrscht, konnte jedem Zuhörer zur Gewißheit werden. Diese Abwechslung der Töne von der Tiefe zur Höhe wirkte ebenso verblüffend wie die ruhig perlende Jntervallenbewegung. In der höheren Lage glaubte man ein Waldhorn zu hören, so meisterhaft versteht er die Posaune zu beherrschen, vom stärksten Fortissimo bis zum zartesten Pianiftimo hat er sie in der Gewalt. Wenn auch sämtliche Solts wirkungsvoll vorgetragen wurden, so lag es doch wohl nicht int Sinne des Komponisten, den „Karneval von Venedig" als Posaunensolo ertönen zu lassen. Die Technik, die dieses Stück in den einzelnen Variationen erfordert, ist nicht für Posaunen. Immerhin war es aber bewunderswert, wie schön der Vortrag gelang. Das etwas eilige Tempo in dein Liede „Gute Nacht, du mein herziges Kind" beeinträchtigte den guten Vortrag etwas. Ter Schlußmarsch „Heil Kaiser dir" brachte der Veranstaltung einen würdigen Schluß. Ter reiche Beifall' brachte recht viele Zugäben, zu denen sich Herr Löber ja gern versteht. Nur darf es nicht 'Schlag auf Schlag geh'n, sonst gehen die guten Eindrücke des eben gehörten Stückes mit dem andern verloren, und der Genuß, um den es sich doch handelt, verfliegt zu schnell.
Kreis Alsfeld.
= Storni) orf, 19. Juni. Gestern fand hier eine außerordentliche Hauptversammlung der Molkereigenossenschaft Storndorf-Vadenrod statt, wobei an Stelle des zurückgetretenen Rechners K. Kreuder die Wahl eines neuen Rendanten erledigt wurde.
Kreis Lauterbachs
~ Lauterbach, 19. Juni. Für die Landwirte und sonstige mit Kulturarbeiten beschäftigte Personen der Umgebung Lauterbachs wird sich im Laufe dec nächsten Woche Gelegenheit bieten, das in letzter Zeit in verschiedenen Gegenden zur Anwendung gekommene Sprengkulturversahren näher kennen zu lernen. Eine Dresdener Dynamitfabrik läßt voraussichtlich auf dem Vaitsberg (Gemarkung Lauterbach) am nächsten Mittwoch nachmittag durch einen ihrer technischen Beamten Sprengversuche vornehmtn. Ganz besonders ist die Vorführung für Gärtner, Obstbaumzüchter und Forstbeamte zu empfehlen, da sie hauptsächlich Tiefkulturarbeiten auszu- fllhren baden.
= Sicken dorf, 18. Juni. Gestern nachmittag um 2 Uhr brannte das Anwesen des Landwirts Eifert, bestehend in Scheuer, Stall und Wohnhaus, vollständig ab. Die Ursache des Brandes ist nicht bekannt. Die Leute tvaren in dem Felde beschäftigt, so daß sie mit knapper Not das Vieh und einige SckMftstücke retten konnten. Der Schaden ist beträchtlich, zumal die Leute ihr Anwesen nicht genug versichert haben.
Kreis Friedberg.
----- Friedberg, 19. Juni. An der Großh. Obstbau- und landw. Winterschule findet vom 7. bis 12. Juli ein Kursus für Obstweinbauproduzenten und Apfelweinwirte statt. Er umfaßt die Bereitung von Obstweinen, Gärungschemie einschl. Reinhefen, Obstweinkrantheiten und Uebun- gen int Laboratorium. Ferner findet vom 15. bis 17. Juli ein VerwertungslUrsus für Beerenobst statt, bei dem theoretische und praktische Unterweisungen in der vollkommenen Verwertung sämtlicher Beerenobstsorten erteilt werden.
L. Bad-Nauheim, 18. Juni. Unser Kinderhospital ElisabethhauS hat eben seine zweite diesjährige Kurperiode begonnen. Es sind augenblicklich 197 Kinder im Kurhospital, welche von sechs Diakonissinnen und sechs, Pflegerinnen gepflegt werden. Im Herbst wird man mit dem Bau eines Krankensaales und einer massiven Liegehalle beginnen.
Starkenburg und Nheinhesicn.
m. Offenbach, 20. Juni. Der geplante Ausbau des Offen bacherElektrizitäts Werks zu einer U eb er- Handzentrale, deren Verwirklichung durch das Dazwischentreten der Berliner AEG. bisher mxfy nicht ermöglicht werden konnte, wird nun ein neues Konkurrenzunternehmen erhalten, hinter dem man ebenfalls die Mitwirkung der AEG. vermutet. Die Braunkohlengrube „Amatia" in Seligenstadt wurde nämlich von der Elektrizitätsgesellschaft B r o w n B r v v e r y L C o., A k t i e n g e s e l l s ch a f t - Vtannheim, erworben, um sie zu einer Ueberlandzentrale auszübauen.
— Offenbach a. M., 19. Juni. Der Sängerchor des Offenbacher Turnvereins, der, wie erinnerlich, den ihm beim Kaiserwettstreit zugesprochenen „Trostpreis der Festleitung zur Verfügung stellte, hat eine Broschüre herausgegeben, in der die Pressestimmen aus dem ganzen Reiche über seine Leistungen beim Wettstreit gesammelt sind. Im Vorwort wird, gestützt auf diese Pressestimmen, die Ablehnung des Trostpreises eingehend begründet,
Kreis Wetzlar.
-h. Wetzlar, 20. Juni. Fünf Gemeinden des Kreises sind in diesem Jahre in der beneidenswerten Lage, weder Zuschläge zur Staatseinkommenstcuer, noch Realst'euern erheben zu brauchen. Es sind die Orte Oberwetz Neukirchen. Holzhausen, Griedelbach und Greifenthal.
Hessen-Nassau.
[ ] Marburg, 19. Juni. Ter heutige Schweinemarkt brachte bei reger Nachfrage nicht die erwarteten fallenden Preise. Kleine Ferkel kosteten 40—60 M., Läufer 80-120 M. und Einlegschweine 130—160 M. per Paar je nacl) Größe und Güte. Tie Zufuhr belief sich auf etwa 800 Stück, die auch zum größten Teil um- gesetzt wurden.
( 1 Marburg, 19. Juni. Eine geftent abend im Pfeifferschen Äaale abgehaltene stark besuchte öffentliche Bürgerversaminlung sprach sich für die alsbaldige Errichtung einer Güterverladestelle am Südbahnhos aus.
_ W- Frankfurt a. M., 19. Juni. In dem Hause Große Eschenheimer Straße 8 waren Arbeiter damit beschäftigt, altes
Packpapier mittelst eines Aufzugs von dem dritten Stock in den Hof zu befördern. Plötzlich öffnete sich auf bisher unaufgeklärte Weise die Tür von dem Auszug und ein Ballen Papier und ein Arbeiter namens Richard Luckmann stürzten in den zementierten Hof hinab. Die Verletzungen, die der Arbeiter bei dem Sturze davongetragen halte, waren so stark, daß er kurz nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus verstarb.
von der Talsperre tm Edertal.
Vöhl, 18. Juni.
Die Sperrmauer bei Hemfurth ist jetzt bis zu einer Höhe von 32 Mtr. gediehen. Es ist also nur nock) der kleinste Teil dieses Riesenwerkes herzustellen, nämlich noch etwa 15 Mtr., da die Gesamthöhe 47 Mtr. beträgt. Während die Mauer unten 35 Meter dick ist, verjüngt sie sich nach oben, so baß der oberste Rand kaum 6 Mtr. breit sein/ wird. Gegenwärtig werden die Schleusen eingebaut; die Grundablasse erhalten einen dreifachen Verschluß, dazu kommen noch 14 Meter Notablässe. Fortgesetzt treffen aus den Steinbrücheu bei Bringhausen Materialzüge ein, die die Bausteine direkt oben auf die Mauer fahren. In bedeutender Höhe bewegen sich über der Mauer vier Drahtseilbahnen, die den Mörtel und andere Baumaterialien aus der Tiefe des Tales heranfholen und auf die Mauer bringen. In den Steinbrüchen bei Bringhausen arbeiten 300 Mann, an und auf der Mauer 400 Leute, darunter 230 Maurer, dazu kommen noch 200 andere Arbeiter, so daß rund 900 Personen mittelbar und unmittelbar an dem Sperrmauerbau tätig sind. Rings um den ganzen See wird eine Landstraße gebaut, die über die Sperrmauer bis ans andere Ende des Stausees bei Herzhansen führt. Bei dem tiefliegenden Dorfe Nieder-Werbe, das wie eine Halbinsel in den Se,e ragscln wird, ist ein Vorsee nfit starken Dämmen und Deichen im Entstehen begriffen. .Hier und an den Straßenbauten, sowie beim Abbruch von Häusern, sind weitere 900 Arbeiter, meist Italiener und Kroaten, tätig, so daß insgesamt 1800 Mann int Sperrgebiet tätig sind. In Nieder-Werbe sind 15 Gehöfte, die ins Deckenbalken, niedergeleat und weiter oben eingebaut worden. Bringhausen, Asel und Berich verschwinden ganz. Neu-Berich, bei Arolsen, wurde schon voriges Jahr ein- geweiht, ein Neu-Asel und ein Neu-Bringhausen sind im Entstehen begriffen. Auf der Anhöhe, rechts von der Straße Vöhl—Basdorf, erhebt sich Neu-Asel. Bis jetzt sind sechs Hofreiten bewohnt, der Staat erbaute sogar eine Orts- Wasserleitung. Bringhausen tief unten int Tal zählte 440 Einwohner; Drei Viertel davon haben die heimatliche Scholle verlassen müssen. Da das übrig gebliebene Ackergelände nur noch wenige ernähren kann und der Staat keine Domäne wie bei Berich zur Verfügung stellte. Neu-Bringhausen zählt jetzt 110 Seelen, auch das Schulhaus und Pfarrhaus sind int Bau. Die Kirche aus dem verlassenen Dorfe wird abgebrochen und in dem neuen Orte wieder aufgebaut. Biele Bewohner haben ihre in den letzten Jahren verstorbenen Angehörigen ausgegraben und in dem neuen Friedhof auf der Höhe wieder eingebettet. Die alten Gräber sind mit Beton bedeckt worden. In Asel und Berich wohnen jetzt nur noch Gastwirte und Pächter, die das Ackergelände bis zum Herbst noch bewirtschaften. In dem ehemals hessischen Herzhausen mußte eine Anzahl Häuser abgebrochen und an höheren Stellen aufgebaut werden. Das gesamte Sperrgebiet soll am 1. Oktober geräumt sein, denn im nächsten Winter beginnt die Stauung des Wassers. Der See wird 26 Kilometer lang und saßt über 200 Millionen Kubikmeter Wasser. Er ist der größte Stausee in .Europa.
UirrversitLits-NaehNechten.
— Der Geheime Hofrat Prof. Dr. Paul Heinrich Ritter von Groth, der bekannte Vertreter der Mineralogie an der Universität München, begeht am 23. Juni seinen 70. Geburtstag.
Geriehr^saal.
Stuttgart, 19. Juni. Heute vormittag wurde nach vierzehntägiger Verhandlung im Prozesse Messerschmidt und Genossen von der Straflammer das Urteil verkündet. Es wurde erkannt gegen den Zollvcrwalter a. D. Messerschmidt wegen sechs Vergehen des vollendeten Betrugs und zweier Vergehen des versuchten Betrugs mit einem Verbrechen der Privaturkundenfälschung auf 2 Jahre Gefängnis, von denen 7 Monate für erlittene Untersuchungshaft abgerechnet werden; gegen den Kommissionär Ernst Sparr wegen 10 Vergehen des Betruges im Rückfall, eines Verbrechens der Privaturkundenfälschung zusammen mit einem Verbrechen des versuchten Betruges aus 2 Jahre 6 Monate Gefängnis, abzüglich 6 Monate Untersuchungshaft; gegen den Kaufinann Deeg wegen sieben Vergehen des vollendeten Betruges und zweier Verbrechen des versuchten Betruges mit einem Vergehen der Unterschlagung ein Jahr sechs Adonate Gefängnis, abzüglich sieben Monate erlittene Untersuchungshaft und gegen den Kommissionär Bauer wegen dreier Vergehen des Betruges sechs Monate Gefängnis, abzüglich ein Monat erlittene Üntersucl>ungshaft.
— Unfallversicherung. Nach einer Entscheidung des Reichsversicherungsamtes gilt auch der Vorbehalt aller weiteren Ansprüche als Anmeldung des Entschädigungsanspruches. Ein Arbeiter hatte sich während der Arbeit eine Verletzung am Fuße zugezogen, wodurch er längere Zeit erwerbsunfähig wurde. Bevor er gesund geschrieben wurde, erklärte er bei der letzten ärztlichen Untersuchung ausdrücklich, daß die Folgen des Unfalles noch nicht ganz beseitigt seien und er sich weitere 'Ansprüche vorbehalte. Als später eine Verschlimmerung eintrat, stellte er Antrag aus Rente, wurde aber von der Berussgenossenschaft mit der Begründung abgewiesen, daß der Anspruch bereits verjährt sei. Tas Reichs- rersicherungsamt verurteilte die Berussgenossenschaft zur Zahlung einer Rente, weil in der Erklärung des Verletzten, er behalte sich weitere Ansprüche vor, eine bedingte rechtzeitige Anmeldung des Entschädigungsanspruches zu erblicken sei.
Lnftsehiffahrt.
^.Friedrichshafen, 19. Juni. Wie die Luftschiffbau- Gesellschaft nntteilt, ist die Nachricht vou der Vorbereitung für den Ozeanflug eines Zeppelin-Luftschiffes falsch. Es ist von der Luftschiffbau-Gesellschaft Zeppelin lediglich die Möglichkeit ausgesprochen worden, daß im Jahre 1915 die Entwicklung der Zeppelin-Lustschiffe so weit gefördert sein werde, daß man mit einem solchen Luftschiff ohne Gesahr den Ozean würde überfliegen können.
ff. Graham White über das Flugzeug der Zukunft. Gelegentlich des glänzenden Fluges Brindejones von Paris nach Warschau wird die Ansicht, die ein hervorragender englischer Flieger, Graham White, über die Zukunft des Flugzeuges ausspricht, sicherlich interessieren. Graham White meint nämlich, wie die „British Review" mitteilt, daß das gegenrtk’irtigc Flugzeug nicht die endgültige Form sei, sondern es wird sich, wie er behauptet, ein wirkliches „fliegendes Schiff" eittwickeln, dessen Anfänge man in den Wasserflugzeugen vor sich hat. Dieses „fliegende Schiff" wird in der Zukunft auch den Verkelw über die Weltmeere übernehmen und hat demgemäß natürlich viel größere Abmessungen als die heutigen Flugzeuge, außerdem wird es stärker gebaut und luxuriös eingerichtet sein. Mit einem Motor von 200 Pferdekräften und einer Flügelspannung von 22 Metern kann man nach Graham Whites Ansicht ein ziwei Tonnen schweres Flugzeug betreiben, das außer dem Flieger wenigstms sechs Fahrgäste aufnehmen kann, und mit stärkeren Maschinen und bei größeren Flügelspairnweiteu erhält man ein Flugzeug von noch größerer Tragkraft. Die gegenwärtigen Flugzeuge sind - nach Graham Whites Aeußerungen nur Versuchsflugzeuge, und
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