Ausgabe 
27.9.1913 Erstes Blatt
 
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Nordgrenze, die nach den Beschlüssen der Londoner IOktober von den Vertretern der Großmäc mnrh»wC1?r* Tr k buute Karte des Balkans hineingezeichnet I grenze des Landes bestimmt werden sol

Die heutige Nummer umfaßt 24 Seiten.

Wahrend auf dem Naturforscher- und Aerztetag in Wien der Kampf der Gei,ter um die wahre Weltanschauung durch 0^ Kundgebung Ernst Haeckels anscheinend ein für allemal enffchieden sern soll, indem jeder als ein Narr gilt, der es nicht glaubt, daß wir cs bis an die Sterne weit gebracht haben ist um das albanische Problem noch eine harte Nuß zu knacken. Zwar sitzt in dem Balkanberglande, in Tirana ebenfalls em Despot, Essad Pascha, der eine Art von Mo­nismus predigen möchte, indem er nach der Alleinherrschaft m dem neu abgcgreuzten Staatengcbilde strebt, allein nicht nur ein fremder Wille, sondern viele Gewalten bemühen sich, an dem albanischen Kuchen mitzuknetcn, und ob er über­haupt noch den Zuckerguß der Vollendung erhält, das ist noch sehr die Frage. Eine Forin hat die Londoner Großmächtc- konfcrenz ihm zwar bestimmt, jedoch die Hefczutat war so groß, daß er übermäßig in die Höhe ging und die Form

Tageskalender aus dem Zahre 1813.

2 8. September. Der Kosakcngeneral Tschemitschefs erscheint vor Kassel. König Jerome flieht.

politische Wochenschau.

Gießen, 27. September.

Neue Spannung

werden die kommenden Wintermonate erfüllen, da in Europa noch keineswegs verbürgte Ruhe herrscht. Die Balkanländcr bieten noch Zündstoff genug. Auch die innere Politik wird fortan wieder stärker pulsieren. Neben unseren anerkannt reichhaltigen Berichten über die Reichstagsverhand- l u n g c n werden wir besonders ausführlich die Vorgänge im hessischen Parlament behandeln, wobei uns gute Darmstädter Quellen zur Verfügung stehen. Wün­schen aus unserem wachsenden Leserkreis entsprechend, wollen wir auch den p r e u ß i s ch c n L a n d t a g s s i tz u n g e n einen größeren Raum widmen. In der Wiedergabe der Tages- neuigkeiten sollen besonders die erstaunlichen L e i st u n g e n und Fortschritte der Technik lückenlos gewürdigt werden.

Kein anderes Blatt unterrichtet außerdem so reichhaltig über die Vorgänge und Erfordernisse in .Hes­se n und O b e r h e s se n wie der Gießener Anzeiger. Auch in seinem unterhalte ndenundbeleh re ndenTcil findet man eine Fülle heimatlicher Dinge. Wir hoffen, auch in diesem Vierteljahre wieder viele neue Leser gewinnen zu können.

Verlag und Redaktion des Gießener Anzeigers.

äb Die Bankcrottcrklärung der Dichter Der ausgezeichnete Tübinger Aesthetiker und Kunstgelehrte Professor -U Lange beleuchtet in einem bedeutsamen Aufsatz der Teut- Ichen RevueBülme und Lichtspiel" die eigentümliche Stellung, die untere modernen Dichter in demTanz um den .Kino" ein­genommen haben. Nachdem der Verfall der Sprechtechnik, die Herrichaft der Cper und die Ueberfütterung mit Programm^ musst bie llebertrcibung in der Ausstattung und die Dienstbar- kett der Schauspieler gegenüber dem Kinotheater bereit« das Sterben der Wortkunst" vorbereitet hatten, fehlte nur noch eins: nämlich das Zugeständnis der Dichter, daß das Wort gleich- gultig ,ei. Der Verein deutscher Bühnenschriftsteller, der zuerst dem ^.ichttpieltheater den Fehdehandschuh hingeworsen hatte, ge­stattete lernen Mitgliedern die Arbeit für den Kino ,Dieselben Manner, die noch ein halbes Jahr vorher die kulturelle Mnder- wertigkeit des Kinos mit dem Brustton der Ueberzeugung in die Wett hrnausvosaunt hatten, klappten jetzt plötzlich wie Taschen- mener zuiammen und verschrieben sich und ihre Kunst mit Haut unb Haaren dem Lichtspieltheater." Die größte deutsche Licht- Ipielgetellichaft, die Union, hatte durch ihre Agenten die be­deutendsten deutschen Dramatiker zum Abschluß von Kontrakten zu bewegen ^gemutzt.Dem Einfluß dieserDichter", die zum Teil an der spitze des Verbandes stehen, ist es zu danken, daß der ganze Verband umgeraUen ist und im Hinblick auf den in der Zukunft winkenden Mammon, die Kunst an das Kinokapital ner= fault bat Tenn nachdem diese hervorragenden Mitglieder die man nicht aiislckliepen konnte, den .Verband desavouiert hatten

ein ?rait aeeompli geschaffen, dem man sich, wie es heißt' nicht entziehen konnte." Die Filmgesellschaften hatten einen voll­ständigen ^rninwh errungen.Wir aber haben ein Interesse ^an, schließt Lange,wer tm Verband der deutschen Bühnen- schriftsteller mr und wer gegen den Vertrag gestimmt hat. Es wird »» ^,ar,Enh-dv!irlJ1n^Cr. ntob7nE Siteraturracditete fein. Man wird '*7 haben, ob man diejenigen noch als Dichter

Wort^veäick^^ der Reproduktion ihrer Dichtungen auf

Wort verzichten zu können glauben.

ä^^^^kehung der K i n d er kr ä m p fe. Auf dem 86. Deutschen Naturwricher- und Aerztetag in Wien sprach Privat- dozent Leopold Moll über die Enfftehung der Kinderkrämpse. Der Zo^bende hat experimentelle Studien angestellt über die im Verlause von Ernährungsstörungen austretende elektrische Ueber- errcgbarfcit der Nerven, die sich beim künstlich ernährten namrots

lüorben ist, sind wieder einmal die Flammcnzcichen des Auf- st an des emporgelodert. Albaner und Serben scheint die vor wrgtiche Natur, der man zudem noch ins Handwerk gepfuscht bestimmt zu haben. Man rennt den Größenwahn der Serben, und weiß aus einer weit r^rUx- ?ld,Cvbcn ^schichte, wie groß der Freiheits- und Selb- standlgkeiksdrang des halbwilden albanischen Bergvolkes ist. -owterchen Zar hatte ja, als Nikitas Bäume um Skutari, Don denen Serbien die Früchte pflücken wollte, gar zu sehr m den Himmel wuchsen, bekanntlich jene auffällige Kundge- oung erlassen, die dem Serbenstamme seine zahlenmäßige Bedeutung m dem strittigen Gebiete sehr ernüchternd vor uugcn brackste^ Die Freunde des neuen Albanien, Oesterrcich- ungarn ustd Italien, haben um des lieben Friedens willen ocn Serben schließlich an anderen Stellen Entgegenkommen Xrrei an Damals wurden die Orte genannt, die jetzt wieder in aller Munde sind: Dschakowa und Dibra, die eine vorwie­gend albanftchc Bevölkerung haben, wurden zu Serbien ge­schlagen: das unfruchtbare benachbarte Bergland ist albanisch geblieben. es ein Wunder, daß blutige Kämpfe nicht lange aus sich warten ließen? Serbien hatte, entgegen den ^ondoner Abmachungen, noch' bis in die letzte Zeit hinein, Lruppen auf dem Albanien zugesprochenen Gebiete belassen '7 nach der heute veröffentlichten Belgrader Note waren es zwei Regimenter - und neueren Nachrichten zufolge haben die ^andslcutc Peters auf den neu erworbenen Gebieten Al­baniens eine ihrer bclanntcn Vernichtungsaktionen völl­igen. Es wird da versichert, daß jode Art der Zuwider­handlung von den serbischen Behörden an den Mbanern mit gongen und Erschießen bestraft worden sei. Ein ganzes al- minischev Dorf soll bei einerEntwaffnung'' vernichtet, 73 Personen, ^darunter Frauen und Kinder, eingesperrt unid lebendig verbrannt worden sein! Das wäre also bi Fort­setzung der früheren serbischen Gewalttaten, und man könnte es einem stolzen Volke wie den Albanern nicht verdenken' wenn sie gegen ihre Peiniger und Unterdrücker zu Felde ziehen. Heißt es doch auch, den Albanern sei der freie Zu­tritt zu den Märkten in Ipek, Dschakowa und Prizrend ver­wehrt worden, trotzdem die Botschaftervereinigunq den Al­banern dieses Recht Vorbehalten hatte. Bon allen diesen Gingen steht in der serbischen Note an die Großmächte nichts

Tie provisorische albanische Regierung in Valona, die übrigens mit Essad Pascha Verhanolungen anoeknüpft hat, die zu einer Einigung zu führen ver­sprechen, hat in einer amtlichen Kundgebung erklärt sie stehe dem albanischen Aufstande fern. Es handle sich'lediglich um eine Erhebung ihrer Landsleute in den von Serbien besetzten Gebieten. Das ist eine kluge Erklärung, wie sie die Lage erfordert. Denn nun ist Serbien fein Anlaß geboten über die Niederwerfung der lokalen Aufstände aus serbi- scksenl Gebiete hinauszugehen und etwa die vereinbarte Grenze zu überschreiten. Es wird ja freilich richtig sein das; die kriegerischen Bergbewohner des neuen Staates ZU'n Teil ihren bedrückten Brüdern zu Hilfe geeilt sind aber das Bandenunwesen war ja von jefrer auf dem Balkan nichts Ungewohntes, und eine serbische Besetzung des unbe- guemen Grenzlandes würde durch nichts gerechtfertigt fein atü- neuen Staatswesen endlich eine ge-

- - und wenn nun Anfang

U ebe r die neuentbeef te Römerstadt Etv '"um m En glaub werben in einer englischen .«'orreironbein oerinternationalen Wocheinchnft" einige interessante Mineiluii gen gemacht Lie Grabungen bei dem Dorfe Wall brachten'rasch- tttsolge, unb alsbalb gelang bic Freilegung ber Grundmauern einer vollstanbigen alten römischen Billa. Das Gebäub- war bei einer Länge von 27 und bei einer Breite von fast Mtr' an ber Sübwestsront anscheinend mit tinem 3äulenga"nq" ge' schmückt, in denen Mitte ber Haupteingnig lag Da« Haupt- gebäubt enthielt vier Räume, darunter bas Atrium das in einen viereckigen Hof führte, ber gegen 12 Mtr im Geviert maß und rings von einer 2 Mti. breiten überdachten Säulenhalle umgeben war. Eine halbkreisförmig in den Hos hinein ragende Apn- deutet an, bah hier wahrscheinlich ein Altar ober ein Springbrunnen untergebracht war. An ber Norbostseite des Hofes lagen ossenbar drei Räume unb an ber einen Seite die Heizungs- imh Bademllageu., J

hundert Jahre ohne Schatten.

Zu Peter Schlernichls Geburtstage, 27. September.

(db) W.ir feiern heute fast täglich die hunbertjährige Wieber- Tcbr bebeutenber Tage aus ber großen Zeit von 1813, unb im Gebächtnis ber Deutschen wirb bic Erinnerung an die Helden ber Befreiungskriege wieder lebenswach. Da wird es auch Zeit, eines seltsamen Menschen zu gedenken, ber, aus ben Stimmungen ber Befreiungskriege geboren, sehr bald bie Welt mit feinem Ruhm zu erfüllen wußte unb nun schon hundert Jahre lang schatten­los unb vielbewundert burch unsere Literatur manbert. Es ist Peter Schlemihl, der ruhelose, reuegeplagte Pilger.

Als Adalbert von Charnisso sich anschickte, die Geschichte des Peter Schlemihl zu schreiben, war er ein Spielball wider­streitender Gefühle. Sein französisches Blut lag mit seiner deut­schen Gesinnung und seiner Liebe zum Deutschtum in argxr Fehde. Rings um ihn her erhob sich bas Volk, dessen Gasffreunbschaft er genoß, zu einer Tat von ewiger Sebou hing unb begann mit Heller Energie an den von Frankreich geschmiedeten Fesseln zu rütteln. Ströme der Vaterlandsliebe quollen aus ben Herzen der Deutschen, der blutige Korse bereitete sich zähneknirschend daraus vor, dieses ungestüme Land wieder zur Raison zu bringen und mitten in diesen Umwälzungen stand frierend unb unglücklich jChamisso, der französische Edelmann unb beutsche Dichter.' er durfte weder auf der einen noch auf der andern Seite init- kampfen.

Auch er war also ein Mensch ohne Schatten (wenn man diese Gebilde als Symbol für bas, was uns an bic vaterländische Erde fesselt, ansiehti.. Frankreich hatte er entsagt unb Deutsch­land hatte ihn noch nicht vollständig amalgamiert. So darf man sich nicht darüber wundern, baß er bem Peter Schlemihl viele Züge seiner eigenen Seele gab, ganz abgesehen von ben Einzel­heiten im Lebensgange Schlemihls, bie sich in vielen Teilen mit dem Leben Ehamissos als Reisender unb Naturforscher decken. Unb deshalb ist derPeter schlemihl" mehr als eine scherzhafte Groteske es ist ein Bekenn tnisbuch eines Dichters, mit Blut geschrieben, um der eigenen Seele Ruhe zu bringen.

Der Geburtstag Peter Schlemihls ist unbekannt. Aber wir Tennen den Tag, da er in die OÖffentlichkeit trat. In seiner Vorrede zu dem Werk, bic vom 27. September 1813 batiert ist, schilbert Chamisso launig bie Ankunft von Peter Schlemihls Memoiren.Gestern früh beim Erwachen gab man mir bie Blätter", so schreibt er seinem Freunbe Julius Hitzig:ein wunderlicher Mann, der einen langen grauen Barl trug, eine ganz abgenützte schwarze Kurtka anhatte, eine botanische Kapsel umgehangen und bei bem feuchten regnerischen Wetter Pantoffel über seine Stiefel, hatte sich nach mir erkundigt und dieses für mich hinterlassen."

Hundert Jahre sind heute seit jenem Tage vergessen, unb noch immer erfreuen sich Deutsche an der wundersamen Lebensgeschschte des Peter Schlemihl. Unzählige Nachahmer haben sich des selt­samen Stoffes bemächtigt; sogar E. Th. A. Hoffmann konnte sich

lich mit Kuhmilch überernährten Kinde so häufig zu den bekannten Kinberkrarnpfen steigert. Es gelang,ihm, bei jungen Tieren durch eine bestimmte Ernahrungsart solche Erscheinungen zu erzielen ,3m Verlause ber Ernährungsstörung traten schließlich bei den von Rachitis auf. Die Krankheitserscheinimgen, msbeonbere aber bie krankhaft gesteigerte elektrische Erregbarkeit der Nerven konnte aus biätetifd>em Wege wieder zur Heiliing ge- bracht werden. Xie ungemein wichtige unb strittige Frage, ob beim kommen ber nervöien Erscheinungen bre Nebenschilddrüsen eine Rolle IPielcn, konnte durch entsprechende Untersuchungen dahin beantwortet werden daß durch die Ernährungskrankheit Stoffe er­zeugt werben, welche auf biefc Organe in dem Sinne einzuwirken Ichcinen, datz ihre normalmafiig hemmende Wirkung auf die Erreg­barkeit ber Nerven geschäbigt wirb. 9

,"T, c rn(fn e,u c, 3 vbcf t i tz. Aus Oldenburg wird uns geidyrteben: Gleich bei sanonbeginn erlebte im hiesigen Hof- tfjeater ein interesiantes Werk leine Feuertaufe: Tas neue Lust- von Fcdor Zobeltitz,Will unb Wiebke" betitelt stellt eine Tramatinerung lemes RomansMeerkatz" dar Mischung all ber sympathischen Eigen- ^unanzierS. Von breiter Humorhaftigkcit ist es ebemo weit entfernt wie von ber gegenwärtig gangbaren Spezies teßSft Hbr unft. Es ist ein Lustspiel alter Schülp voll f^ hrnlfinnC \ m^cincr vornehmen Tonart wird des ^ohaniiestriebes im Grasen Will gcfchilbert, kr in Konflikt mit |einer Vaterpflicht gerät die er eben bürd, Adoptwn ber Waise Wiebke einem Freunde zuliebe -&at,~bahcT abcr 9Qr nicht merkt, baß fein ^^b^tochtcrlein icine Sympathien bereits an einen Jüngeren eoiufrm"4h' ullzu breite Tialogführiing verrät den an cDiiehen ^ttl gewohnten Romanautor. Tic Aufführung tat daS bas Rittergutsmllieu zu unterstützen unb das ruhige Tempo zu beleben. 4.te bciben letzten Akte besonders schlugen em und wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen, so da,'- der Autor wiederholt dankend an der Rampe erscheinen konnte.

der Versuchung Nicht erwehren, die Geschichte vom verlorenen Schatteii in feiner ErzählungDie Abenteuer einer Silvester­nacht durch das verlorene Spiegelbild zu variieren. Die Volks­tümlichkeit aber, bic Peter Schlemihls Gestalt noch heute um» weht, hat feiner ber nachgeahmten Helden zu erreichen ver­mocht. Unb deshalb kann man nicht umhin, auch diesem Produkt der großen eisernen Zett zur Feier ber hundertjährigen Wieder- fchr feines Erscheinens einen Lorbcerzwcig freundlichen Gedenkens zu widmen.

ytu», uuy ll uucnuubig m uic jjoijc ging uuo Die Form quemen Grenzlandes fr gar zu sprengen droht. In der Tat, es stellt sich heraus. Es gilt höchstens, dem < daß die vielen Köche den Brei verdorben haben. An der alba- sicherte Grundlage zu geben

... ...Mächte auch die Süd» grenze des Lairdes bestimmt werden sollte, so wird diese Absicht hoffentlich durch die Ereignisse nicht vereitelt wer­den. Auch eine baldige Erledigung der leidigen Thronfragc wäre dringend zu wünschen. Wenn heute verlautet, die Großmächte hätten sowohl nach Belgrad wie nach Valona Beschwichtigungsnoten gesandt und zur Respektierung des Londoner Abkommens ermahnt, so klingt das nicht sehr beruhigend. Es müßte vielmehr endlich durch ein ent­schiedenes Zufasfen durch die europäische Tiplomatie ge­zeigt werden, daß die neue Staatengründung lebensfähig gemacht werden kann. T<lvon, daß, wie in Belgrad ge tuschelt worden ist, Bulgaren die Anführer der aufständi­schen Albaner seien, kann doch wohl laum die Rede sein Es wäre nicht zu verwundern, wenn auch Teile der b u l - g arisch en Bevölkerung, die in einigen der von Serbien neu erworbenen Orte stark ist, die Waffen gegen die ver­haßten Erbfeinde erhoben hätten, aber ihre Führer er­wählen sich die waffenstolzen Albaner doch wohl selber. Waren nicht auch unter der türkischen Herrschaft albanische Aufstände an der Tagesordnungs?

Der Giefcaer Anzeiger ^rpes Blatt 165. Jahrgang Samstag, 27. September 1913

WGiekener ÄmeiaeM

M.M . General-Anzeiger für Vberhessen SS s ** ****** ' HMD:

geordnete serbische Heer wird mit den ungeord­neten^ albanischen Banden, die einstweilen im Vorrücken begriffen sind, ivohl bald fertig werden. Wenn aber die Belgrader Politiker in ihrer Benachrichtigung der Groß­mächte ankündigen, daß sic durch die mobilisierten Trup- a^c Zukunft an der albanischen Grenze Ruhe fchaffen wollten, so ist das offenbar etwas zweideutig. o.enkt inan vielleicht daran, Albanien überhaupt zu bc* letzen und die Grenze auszulöschen? Das wurde wohl in Wtcn einige Vorbeugungsmaßregeln wachrufen. Ta in der Regel gewaltmäßige Einverleibungen nicht lange vorher angckündlgt werden, werden die Schutzmächtc und Gründer des albanischen Staates die Serben scharf im Auge beh ilten müssen. Es wird der letzte Aufstand nicht sein, gegen den dw Militärpolitiler in Belgrad kostspielige Maßnahmen ergreifen müssen. Und Oesterreich-Ungarn wird darüber wachen, daß die blutigen Abrechnungen in den von ihm gewünschten Grenzen bleiben. . .

Die Note SerMens an die Großmächte.

B r a d, 27. Sept. DasSerbische Preßburcau^ meldet: Die serbische Regierung hat an ihre Ver­treter im Auslande.folgende Note gerichtet:

Die serbische Regierung hatte im Vertrauen auf die Kontrolle der Großmächte bei der Neuschaffung von Alba­nien an der serbisch-albanesischen Grenze nurzwciRcgi- ^.,enonnn^»ücfgcr.affcn' deren Fricdensesfcktivbestand ungc

<- 1 nna'(Qnn betrug und die auf eine Front von mehr als 100 Kilometer verteilt wurden. Aufgewicgclt bur1f?l Age nte nnnsValona, griffen in den letzten Ta- gen 10 000 Albanesen unter dem Kommando eine^ Mitgliedes der prov iso r i schen R eg ic run g und mehrerer fremden Offiziere und Komitatschis serbisches biet an drangen in mehrere Dörfer ein, die sie in Brand steck- ten und m etze ltcneinengroßenTeilderfriedli- ch e n B e v o l k e r u n g n i e d e r. Sodann drangen die Alba^ nesen in die Stadt D lb r a ein, die nur von 2 Kompagnien verteidigt wurde Der Einfall der Albanesen und ihr Vor- manch in lerbiiches Gebiet wurde leicht gemacht, weil die we-